Kann man mit Deutschen alles machen?

Kultur wird von manchen verdächtigt, nationale Charakteristiken zu beinhalten. Geert Hofstede z.B. wird nicht müde zu behaupten, dass sich nationale Kulturen im Hinblick auf ihre Wertschätzung für Individualität, ihre Haltung gegenüber der Staatsmacht oder ihre Furcht vor Neuem unterscheiden, ein spezifisches „collective programming of the mind“ aufweisen würden. Hofstede scheint Recht zu haben.

Deutsche waren nie ein sonderlich individualistisches und freiheitsliebendes Volk. Vielmehr haben es Deutsche immer wieder geschafft, sich mit den unterschiedlichsten Staatsformen zu arrangieren, vom Kaiserreich über die ersten republikanischen Gehversuche, vom Faschismus über seine Spielform den Sozialismus bis hin zu neuerlichen demokratischen Gehversuchen in Form einer Parteienoligarchie. Nie haben sich Deutsche gegen ihre installierte Obrigkeit gestellt, wenn man einmal vom Bananen-Reisefreiheits-Aufstand von 1989 absieht. Veränderungen der Staatsform kamen, wenn überhaupt von außen oder von oben, nie von unten.

Jerome K. Jerome, ein ebenso scharfer wie humorvoller Beobachter hat im Jahr 1900 die Deutschen und ihre nationalen Charakteristiken wie folgt beschrieben:

Three men on the bummel„Individualism makes no appeal to the German voter. He is willing, nay, anxious to be controlled and regulated in all things. He disputes not government, but the form of it. … In Germany, you make no responsibility upon yourself whatever. Everything is done for you, and done well. You are not supposed to look after yourself, you are not blamed for being incapable of looking after yourself. … ‚Get yourself born‘, says the German government, ‚we do the rest. Indoors and outdoors, in sickness, in health, in pleasure and in work, we will tell you what to do. Don’t you worry yourself about anything“ (Jerome, 1994: 196-198).

Seit dies geschrieben wurde, sind 114 Jahre vergangen, geändert scheint sich nicht viel zu haben. Aus der Oligarchie des Kaiserreiches ist zwischenzeitlich die Oligarchie der Partien geworden, deren Existenz allein der Regelung und Reglementierung der Gemeinschaft und der Verteilung von Gaben und Geschenken an besonderes treue und brave Untertanen gewidmet ist. Hier zeigt sich das wahre Deutschtum, wenn der moderne Polit-Ritter sich aufschwingt, um für Benachteiligte und Hilflose zu fechten, ihr Los erträglicher zu machen. Und wie Robin Hood tut dies der moderne Ritter, in dem er seine staatliche Gewalt einsetzt, um harmlosen Bürgern, die seines Wegs kommen, Abgaben und Steuern abzupressen.

Und die harmlosen Bürger zahlen. Fast, dass man den Eindruck haben könnte, sie zahlen gerne, machen sich gerne zum Wohltäter an der Gemeinschaft, geben gerne von dem, was sie mit ihrer Hände und zuweilen auch mit ihrer Gehirnzellen Arbeit erwirtschaftet haben. Es adelt den gemeinen Bürger, zu geben, es erhöht ihn, wenn er weiß, er ist nicht ganz unten, er ist einer der gibt, nicht einer, der nimmt.

Und geben tut er, ohne Murren und mit Freude an seinen Staat, den die politische Oligarchie immer dann beschwört, wenn sie ihrerseits Geschenke verteilen will, an sich oder an andere.

Nun gibt es eine Reihe Wissenschaftler, die sich das Treiben in Deutschland, so es sie interessieren würde, mit Verwunderung betrachten würden. Sind mache Wissenschaftler doch der Ansicht, Gerechtigkeitsempfinden habe etwas damit zu tun, seinen Leistungen entsprechend behandelt zu werden. Andere denken gar, dass Selbsterhaltung erste Bürgerpflicht und, mehr noch, in die conditio humana eingekerbtes Verhalten sei. Nicht zu sprechen von den Wissenschaftlern, die doch tatsächlich glauben, die Motivation, etwas zu tun, leide, wenn man nicht der Hauptnutznießer seiner Tätigkeit sei.

SteuerzahlertagkalenderAll die Wissenschaftler haben nicht mit dem deutschen Durchschnittsarbeitnehmer, dem deutschen Durchschnitts-Steuer-und-Abgabenzahler gerechnet, nein, sie wissen nicht einmal, wie es scheint, um seine Existenz. Entsprechend bleibt die deutsche Anomalie unerklärt. Niemand fragt sich, wieso der deutsche Staat einem Durchschnittsarbeitnehmer 52,38% seines Bruttolohnes abziehen kann, ohne dass er murrt, ohne dass er bemerkt, dass in den 52,38% die Vielzahl der Verbrauchssteuern, die er an seinen Staat zahlen darf, nicht enthalten ist, von der Kraftfahrzeug-, über die Benzin- und Sektsteuer, bis zur Kaffeesteuer. Des Deutschen Leidensfähigkeit ist immens, sein Vertrauen in die politische Oligarchie nicht zu erschüttern.

Auch seine Zukunft vertraut der Durchschnittsdeutsche fraglos seinem Staat und seiner politischen Oligarchie an. Entsprechend stört es ihn nicht, dass seine Rentenabgaben zu einer Rente führen, deren Rendite pro Jahr, in dem er Abgaben zahlt, um 1,4 Prozentpunkte unter der Rendite einer sehr konservativen Anlage seiner Abgaben am Kapitalmarkt liegt (Gaschke, 2008: 8). Auch scheint es den durchschnittsdeutschen Rentenbeitragszahler überhaupt nicht zu stören, dass ihm je nach Geburtsjahr zwischen 45% und 60% seiner Rentenbeiträge sofort entzogen und umverteilt werden. Und schon gar nicht stört es ihn, dass nunmehr, nach Abzug an seinen Rentenbeiträgen seine eigene Rente so gering geworden ist, dass er sich zusätzlich versichern muss, gegen Altersarmut. Der deutsche Durchschnittsbeitragszahler ist eben hart im Nehmen und edel im Geben.

Müttern und Frauen zum Beispiel, für die sich Rente lohnt, da sie in der Regel wenig einzahlen und überproportional entnehmen (selbst manche deutsche Wissenschaftler trauen sich hier, von einem Bruch des Prinzips der Teilhabeäquivalenz zu sprechen; Gascke, 2012: 608). Hier zeigt sich das wahre Gesicht des deutschen Durchschnittsbeitragszahlers: Er ist ein edler Ritter, der für seine Dulcinea del Toboso in den Kampf gegen Windmühlen zieht und dabei sein eigenes Wohl und sein eigenes Auskommen vergisst. Der deutsche Ritter nimmt seine Befriedigung daraus, dass er leistungsfähig genug ist, auf dass ihm genommen werden kann. Sein Selbstwert bestimmt sich aus seinem selbstschädigenden Altruismus.

Und den politischen Oligarchen gefällt es. Sie weiden sich an des Deutschen Langmut und Leidensfähigkeit, ersinnen immer neue Möglichkeiten, seine Erträge zu verteilen und sind mit Jerome K. Jerome in einem Punkte einig: They are good people, the Germans.

 

Gasche, Martin (2012). Bonusrente statt Zuschussrente. Wirtschaftsdienst 92(9): 605-612.

Gasche, Martin (2008). Renditevergleich zwischen Umlagesystem und Kapitaldeckungssystem. Allianz-Dresdner Economic Research, Working Paper 115.

 

 

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45 Responses to Kann man mit Deutschen alles machen?

  1. Das Wahre behüten sagt:

    „Er ist ein edler Ritter, der für seine Dulcinea del Toboso in den Kampf gegen Windmühlen zieht und dabei sein eigenes Wohl und sein eigenes Auskommen vergisst. “

    Nun wäre der edle Ritter ohne seine Mutter gar nicht vorhanden, er wäre nicht genährt und auch nicht von einer liebenden Mutter selbstlos erzogen worden, er wäre nicht edel und nicht gut, er wäre auch sicher kein Ritter, er wäre ein Nichts.

    Er hätte den Ursprung seines eigenen Wohles vergessen.

    • Er ist nicht nur ein edler Ritter, sondern auch ein edler Kommentator…:))

      Aber immerhin zeigt die Prämisse Einsicht, lautet sie doch: Mütter erziehen ihre Kinder zu edlen Rittern, die sich selbstlos ausnutzen lassen, von ihren Müttern zum Beispiel.

    • Danke für diese grandiose Illustration unserer Vermutung, dass sich seit Jeromes’s Zeiten tatsächlich wenig geändert zu haben scheint!

      Wenn wir uns eine Illustration dafür, dass Deutsche „good people“, um nicht zu sagen: einfach einfältig sind, denen man jede Trivialität in schwulstige Worte verpackt als bedeutungsschwangere Offenbarung verkaufen kann, um sie dann ganz schnöde und diesseitig und am besten lebenslänglich auszunutzen, hätten wünschen können, wir hätten sie nicht besser formulieren können!

      Wer das Wahre behüten will, sollte zuallererst die Empirie zur Kenntnis nehmen, in der die Wahrheit für uns erkennbar wird, und ob eine Mutter ihre Kinder zu ausnutzbaren edlen Rittern erzieht oder ob eine Mutter ihre Kinder zu unabhängigen Menschen erzieht, ist eine EMPIRISCHE Frage.

      • Das Wahre behüten sagt:

        Nein, wer das Wahre behüten will, der sollte sein Herz befragen, denn darin steht die Wahrheit geschrieben. Kinder zeigen uns den Weg dorthin und ja, das wünschen sich die allermeisten Mütter, die ich kenne. Die Liebe ist der Weg, da wird keine Berechnung der Welt weiterhelfen.

        • Das ist das, was man im Englischen Sanctimonious crap nennt. Wir sind ein Wissenschaftsblog und befassen uns mit Dingen, die man messen, wahrnehmen irgendwie feststellen kann. Eingebildetes und Phantasien auch wenn man sie noch so gerne hätte, spielen bei uns keine Rolle, gehören in das Reich der Märchen, von dem wir uns als erwachsene Menschen doch eigentlich entfernt haben sollten.

          Und wenn die Mütter, die Sie kennen, tatsächlich keinen anderen Sinn in ihrem Leben finden können, als sich von Kindern den Weg zur Wahrheit zeigen zu lassen, dann schlage ich konstruktiv vor, dass sie sich zumindest die Lottozahlen von ihren Kindern nennen lassen, damit die Subventionierung von Müttern über Steuergelder beendet werden kann.

          • Das Wahre behüten sagt:

            Sehr schön haben sie geschrieben, dass sich der erwachsene Mensch entfernt haben sollte. …. it is a long way home.

            • Nein, ich habe geschrieben, dass sich der infantile Mensch emanzipieren soll und erwachsen werden muss. Das ist dann doch etwas Anderes.

              • Das Wahre behüten sagt:

                Das Schöne bewundern,
                Das Wahre behüten,
                Das Edle verehren,
                Das Gute beschliessen;
                Es führet den Menschen,
                Im Leben zu Zielen,
                Im Handeln zum Rechten,
                Im Fühlen zum Frieden,
                Im Denken zum Lichte;
                Und lehret ihn vertrauen
                Auf göttliches Walten
                In allem, was ist:
                Im Weltenall,
                Im Seelengrund.

                (Rudolf Steiner)

                Infantil?

                • Rudolf Steiner ist nicht gerade das, was man einen Wissenschaftler nennt, und wie dieses Gedicht zeigt, schwelgt er in seiner eigenen, irrationalen Welt und dort trifft er vermutlich den Geist von Ludwig Tieck und gemeinsam mit dem blonden Eckbert tanzen Sie Ringelreihen … und warten auf Godot… oder sein Walten. Aber scheinbar vermittelt nichts zwischen einem Individualisten, der sich selbst führt und Kollektivisten die gerne geführt werden wollen, am besten von hehren Prinzipien, die ihnen die Illusion vermittelt, wahres zu tun und nicht verantwortlich, weil richtig zu sein.

        • Dr. habil. Heike Diefenbach sagt:

          Es hätte wirklich keiner weiteren Illustration dieser Art von Einfältigkeit bedurft, und vor allem keiner, die das, was Beobachtern wie Jerome aufgefallen ist, an Einfältigkeit noch übertrifft:

          Das Wahre erschließt sich über die Sinne und die Verarbeitung von Wahrnehmungen durch den Denkapparat. Wenn Sie meinen, dass die physiologischen Funktionen, die die Wahrnehmung und das Denken und ebenso die Gefühle im Menschen ermöglichen und bestimmen, im Herzen sitzen, dann muss ich mich ernsthaft fragen, ob Sie eine Schule besucht haben oder schon einmal in ein Biologie-Buch oder auch nur ein einfaches Handlexikon hineingeschaut haben. Haben Sie beispielswiese schon einmal von der Existenz und Wirkung des Neurotransmitters Serotonin gehört? Und falls ja; haben Sie jemals jemanden behaupten hören, Serotonin würde im Herzen gebildet oder würde seine Wirkung dort hervorrufen?

          Die Menschheit ist doch inzwischen ein paar tausend Jahre weiter, und seine Erkenntnisse weiterentwickeln kann jeder, der lieber aus vernünftigen Quellen lernt statt aus Kindermund. Und vielleicht sollten Sie sich einen anderen Bekanntenkreis suchen; mir scheint, Ihrer ist in mancher Hinsicht ein wenig beschränkt.

        • A.S. sagt:

          Und das Kind zeigt dann wie der Fernseher zu reparieren ist, konstruiert Herd, Computer, Waschmaschine, Verkehrsflugzeuge, neue Autos, findet Erz- und Ölabbaustellen und entwickelt neue Fördertechniken. Nebenbei kann das Kind sich selber heilen wenn es Fliegenpilze gegessen hat und Herztransplantationen, Blinddarmoperationen und Wurzelbehandlung lassen sich die Ärzte auch im Kindergarten erklären.
          Die armen Kinder. Eigentlich sollten die Eltern den Kinder die Welt zeigen, nicht umgekehrt.
          Oh Herr, lass Hirn vom Himmel regnen, es herrscht Dürre wenn Mütter von ihren Kindern die Wahrheit lernen wollen………

          Bitte um Vergebung für diesen wenig wissenschaftlichen Kommentar, aber die Finger juckten und mussten an der Tastatur gekratzt werden.

    • A. Behrens sagt:

      Über dem Mutter von Don Quichotte ist doch IMO nichts bekannt. Ansonsten habe ich in meinem Leben nur drei Typen von Müttern getroffen:

      Typus 1: Wollte keine Mutter werden, aber Sex haben und hat sich keine Gedanken über Verhütung gemacht. Kinder sind hier die Folge von egoistischem Verhalten.

      Typus 2: Wollte Mutter werden, weil sie Kinder haben wollte. Dieser Typ Mutter handelt nicht selbstlos, sondern egoistisch. Kinder sind für sie Mittel zum Zweck.

      Typus 3: Wollte nicht Mutter werden, jedoch über Kinder einen Mann emotional an sich binden. Kinder werden hier wieder als Mittel zum Zweck benutzt.

      Typus 4: (Habe ich zum Glück noch nicht selbst getroffen): Betrachten Kinder primär als Einkommensquelle. War vor einiger Zeit in verschiedenen Medien zu lesen, dort gab es von Seiten eine amerikanischen Organisation von Profisportlern Aufklärung darüber, dass diese doch bitte gebrauchte Kondome im Klo runterspühlen sollten, da es eine Häufung von Fällen gab, dass superreiche Spitzensportler mit Unterhaltsklagen überzogen wurden.

      Selbstlose Mütter gibt es vermutlich irgendwo. Liest man ja gelegentlich. Wo trifft man diese?

      • A. Behrens sagt:

        Edit: müsste natürlich _vier_ Typen heißen…

        Ansonsten:

        Zwischenzeitlich ist mir aufgegangen, woher diese Mutter-Illusion kommt: IMO eine Folge von 2000 Jahren Christentum. Und hier vor allem die Zeit des dunklen Mittelalters, als das normale Volk vergessen hatte, was Lesen bedeutet und die Reste abendländischer Bildung durch einfachste Kanzelpredigten und Comics (= Kirchenbilder) erhalten wurden.

        Ausgangspunkt des Christentums war danach der Prototyp der selbstlosen Mutter Maria, die für etwas Höheres ein uneheliches Kind austrägt.

        Im Laufe der letzten x-hundert Jahren ist dieser Muttertyp irgendwie mit Mutter an sich gleichgesetzt worden. Es war aber die Ausnahme und nicht die Regel. Und wer gelegentlich die Bibel liest, wird feststellen das Maria die Einzige war, die derartig gehandelt hat. Statt dessen tun sich Abgründe auf, Frauen die Kinder aus reinen Machtgründen bekommen, Frauen die Kinder aus finanziellen Gründen bekommen und Mütter die Kinder als Nahrungsquelle betrachten (Klagelieder 2 und 4, Kinder wurden in Notzeiten gegessen, falls Widerspruch kommt, suche ich noch eine andere Stelle raus, in der Ursache Methode und Folge dieses Kannibalismus betrachtet wird).

        Aber diese wahnwitzige Idee der selbstlosen Mutten durch christlicher Prediger (nicht der Bibel!) ist eine Illusion und obendrein auf den christlichen Kulturkreis beschränkt. Auch im Hinduismus kennt man zum Beispiel die reine, selbstlose Mutter (Ganga), aber auch die Mutter die Kinder aus rationaler Notwendigkeit will (Durga) oder die Mutter die im Blutrausch alles tötet und das Blut selbst der eigenen Kinder trinkt (Kali).

        Und letztlich: Mutter-sein ist eine Notwendigkeit für das Leben selbst. Genauso wie die männlichen Attribute des Schutzes. Da muss man nichts überhöhen oder in ein Mystherium einkleiden. Ehrlicher Egoismus ist für mich ein feiner und achtenswerter Wesenszug.

        • Werner Sombart III sagt:

          Herr Behrens, was die Qualität der mütterlichen Fürsorge betrifft, ist das Zustandekommen der Schwangerschaft (wenngleich von ihnen überwiegend richtig beschrieben, wenn auch nicht vollständig) weniger bedeutsam, um nicht zu sagen: sekundär. Der Wunsch nach einem Kind ist einer Frau normalerweise mitgegeben, und mit ihm ist im Normalfall, der heute tatsächlich seltener vorliegt als früher (d.h. noch vor 50 Jahren), auch die Fürsorge bis zur Selbstaufopferung verbunden. Gegenwärtig sind die Zeiten in Deutschland nicht so, daß sich diese Anlage auch realisieren kann oder müßte. Ich kann Ihnen keine Zahlen und keine Prozentränge angeben, wo und wie oft sich diese Veranlagung bewähren wird. Aber wenn Sie sich mal auf anderen Kontinenten ohne unser Sozialsystem umschauen wollen, werden Sie vermutlich fündig werden.
          Andererseits hat mich, der ich hier so ein positives Statement einwerfe, schon sehr nachdenklich gemacht, was man in Griechenland beobachten konnte und vermutlich noch immer kann: Daß Mütter ihre Kinder an Heime abgeben, weil sie für sie – so wird argumentiert – nicht mehr genug zu essen haben. Ich kann nicht beurteilen, ob das auch genauso zutrifft, aber irgendwie scheint mir so ein Handeln nicht wirklich mütterlich zu sein; aber ich kann mich irren. Schließlich bin ich selbst keine, sondern „nur ein Vater“.

          • @Werner Sombart III

            Sie schreiben:

            „Der Wunsch nach einem Kind ist einer Frau normalerweise mitgegeben, und mit ihm ist im Normalfall, der heute tatsächlich seltener vorliegt als früher (d.h. noch vor 50 Jahren), auch die Fürsorge bis zur Selbstaufopferung verbunden.“

            Wenn der „Wunsch nach einem Kind“ einer Frau (aber nicht einem Mann!?!?) „normalerweise mitgegeben“ ist, dann stellt sich doch die Frage, wer es ist, der Frauen diesen Wunsch verpasst, finden Sie nicht? Sie selbst weisen doch darauf hin, dass der „Normalfall“ heute seltener vorläge als „früher“ (wann immer das gewesen sein soll). Wenn der Wunsch dermaßen anfällig für gesellschaftliche (oder private!) Randbedingungen ist, dann kann es sich wohl kaum um einen Wunsch handeln, der irgendwie biologisch bzw. evolutionspsychologisch begründet wäre. (Und wenn er das wäre, dann müsste man davon ausgehen, dass derselbe Wunsch bei Männern besteht.) Also fragt man sich, wer Frauen diesen Wunsch einredet und ihn – für sie – zum „Normalfall“ erklärt.

            Vor diesem Hintergrund macht es wenig Sinn von „wirklich mütterlich“-Sein zu sprechen, und es macht auch keinen Sinn, die gelebte Elternschaft von .Vätern gegenüber Müttern normativ abzuwerten.

            Ihr „Normalfall“ wurde in der Menschheitsgeschichte vergleichsweise selten verwirklicht, was angesichts der enorm hohen Sterblichkeit von Frauen im Kindbett und der enorm hohen Säuglingssterblichkeit während des größten Teils der Menschheitsgeschichte nicht verwunderlich ist. Das waren nicht die Bedingungen, die dem Ausleben einer kulturell konstruieren „wirlichen Mütterlichkeit“ Vorschub hätten leisten können. Darüber hinaus wünschen und wünschten sich Frauen ganz so wie Männer die Möglichkeit zum Sex ohne die Drohung, schwanger und Mutter zu werden, weshalb in allen Kulturen und zu allen Zeit (soweit ich als Anthropologin weiß) Verhütungsmittel verbreitet waren. Der Wunsch nach Verhütung war so groß, dass Frauen sich den seltsamsten und teilweise wirklich gefährlichen Prozeduren unterzogen haben, um eine Empfängnis zu verhüten oder im Fall der Schwangerschaft einen Embryo abzutreiben. Auf Männer kann diese Verhütungsmittel“industrie“ schwerlich abgeschoben werden, wurden und werden die Verhütungsmittel doch von Frauen für andere Frauen erdacht, zubereitet, verabreicht.

            Vor diesem menschheitsgeschichtlichen Hintergrund muss man festhalten, dass die größte Gabe an Frauen erst in neuerer Zeit erfolgt ist und von Männern gegeben wurde: Carl Djerassi, Gregory Goodwin Pincus und sicherlich noch einigen anderen, die am selben Projekt arbeiteten: der Antibaby-Pille, die Frauen erstmals in der Menschheitsgeschicht erlaubt hat, Sexualität erleben und genießen zu können, ohne dass mit der Sexualität latent die Transformation in Schwangerschaft/Mutterschaft verbunden war. Vor dem „wirklich Mütterlichen“ kommt zweifellos das „wirklich Menschliche“, und auf seine Menschlichkeit hat doch wohl jede/r ein Recht, finden Sie nicht!?

            • Werner Sombart III sagt:

              Frau Diefenbach, ich möchte nur kurz antworten. Die Biologie ist kein so verläßlicher Partner wie allgemein angenommen. Sie kann – wie unsere degenerativen Zeiten zuhauf belegen – ausgebootet werden durch „attraktive Angebote“ für die Frau, und selbstverständlich sind diejenigen, die gerade darauf surfen, die eifrigsten Verteidigerinnen solch vermeintlicher Alternativen, weil sie noch nicht sehen, obwohl sie es vielleicht schon ahnen, daß der Preis für das zeitgeistige Ersatzangebot (das soo attraktiv erschien) sehr hoch sein wird – im Alter. Damit ist das Thema nicht erschöpfend behandelt, denn man müßte noch sehr intensiv eingehen auf die biochemischen Veränderungen, die wir unserer industrialierten Landwirtschaft und der Nahrungsmittelindustrie zu verdanken haben. Doch das würde hier den Rahmen sprengen. MFG WSIII

  2. adamlauks11 sagt:

    Ich habe mir die Freiheit genommen es zu rebloggen. Sollten Sie das als Autor nicht wünschen, bitte um umgehende Mitteilung.
    Adam Lauks
    ungesühntes Folteropfer des MfS

  3. A. Behrens sagt:

    Viel zu kommentieren gibt es hier nicht. Aber bei „Dulcinea del Toboso“ musste ich googeln und die erkannte Bildungslücke per Amazon-Download schließen.

  4. EO v. Waterbrunn sagt:

    Der Text bedient mit fettem Anlauf die üblichen Klischees vom geduldigen Bürger. Allerdings ist er auch sehr Geschichtsvergessen. Wie schon erwähnt, dauert die „Zivilisierung“ ehemals freier Menschen zu geduldigen Bürgern hier in Zentraleuropa ziemlich lange. Wo immer einer aufsteht und sagt; „Ich mache nicht mehr mit!“, so sieht er sich sehr schnell von den Bütteln der Staatsmacht umringt und niedergeknüppelt. So war es früher, wenn sich frei Bauern weigerten, dem Bischof eine extra Steuer zu zahlen. Heute hat natürlich auch die Staatsmacht gelernt und bekämpft widerspenstiges Verhalten sehr viel subtiler. Entzug der Lebensgrundlage durch Entlassung, Beschäftigung mit Gerichtsprozessen, Rufmord durch Verleumdung, die Mittel sind mannigfaltig.
    Schauen wir uns doch nur ganz aktuell die Montagsmahnwachen für Frieden an. Ganz normale Bürger bringen ihr Anliegen zum Ausdruck und wie reagieren die Leitmedien? Mit Freude über den demokratischen Ausdruck von Friedenswillen durch mündige Bürger? Durch Diskussion der Argumente? Nein – mit Verunglimpfung aller an diesen Demos Beteiligten als „neue Rechte“.

    DIese Staatsdemokratie hat Mittel und Wege gefunden alle rebellischen Geister von der Machtausübung fern zu halten. Die lohnabhängigen Bürger haben dabei gar keine Wahl als diese Steuern und Abgaben zu akzeptieren, denn ihre Alternative wäre Arbeitslosigkeit und Hartz4.

    Schade dass der Autor nicht ein klein wenig weiter gedacht hat, wie es im Lande zu dieser Situation kam, die er hier in dieser Glosse beklagt. Schade, Thema verfehlt, 4 – setzen!

    Gruß, EO

    • Danke für diesen erheiternden Kommentar, der keinerlei Klischees bedient, ganz im Gegensatz zum kritisierten Text, bestenfalls vielleicht das Klischee vom steuereintreibenden Bischof und der knüppelnden Staatsmacht des Mittelalters … Es scheint, niemand ist so ganz frei von Klischees, nur einige von uns merken es und setzen sie entsprechend ein, um Aufmerksamkeit auf bestimmte Dinge zu lenken, ohne dabei „ein klein wenig weiter zu denken“ und die Geschichte Deutschlands aufzuarbeiten.

      Sie scheinen zudem dem Klischee aufzusitzen, dass es möglich ist, die Geschichte als eindeutige Kausalität heutiger Verhältnisse haftbar zu machen, was ich, gelinde gesagt, für ein ziemlich naives Klischee halte, das nicht einmal ansatzweise so subtil ist, wie die vermeintliche Macht der Staatsdemokratie, die immer dann in den Ring geführt wird, wenn es darum geht, das eigene Nichtstun zu legitimieren. Schade, dass Sie in ihrem Kommentar die Rolle von Feig- und Trägheit nicht reflektieren und nicht ein wenig weiter denken, z.B. wie es dazu kam, dass Sie einen Kommentar aus der Opferrolle schreiben und nicht aus der Perspektive eines aufgebrachten Bürgers, der sich an den berichteten Fakten stört und nicht an der Interpunktion. Und obwohl ich jetzt die Analogie zu Ihrem Kommentar ziemlich weit getrieben habe, will ich doch eines nicht tun: Ihr schulmeisterlicher Ton ist mir einfach zuwider und der Schlusssatz fällt unter die Grenze dessen, was ich vom Niveau noch für erträglich halte.

      So will ich es dabei belassen, dass ihren Betrachtungen im Gegensatz zum von ihnen kritisierten Beitrag, jegliche Basis und Begründung fehlt, was sie zu bloßen Äußerungen der Betroffenheit macht, die keinerlei Geltung über die subjektive Welt hinaus haben, die der bevölkert, der sie macht.

      Schade.

      • Besorgter sagt:

        Grundsätzlich stimme ich der Argumentation und dem Artikel zu, dennoch sollte kann man das fehlerhafte Menschliche auch berücksichtigen. Es hat eben nicht jeder die Reife ein großer Mann zu werden, was wohl eben schon im historischen und erzieherischen Kontext gründet – da wird die Psychoanalytik wohl zustimmen.
        Man sollte schon auch nachempfinden können warum Eltern z.B. nicht derart Risikofreudig sind und wie die Massendynamik (-Hypnose ) das Groß werden verhindert. Es fehlt einfach noch die kritische Masse, dass sich endlich jeder aus dem Sumpf empor hebt, welche es ohne Renaissance nicht geben wird.
        Deshalb hat sich auch Wilhelm Reich nur in einer Wutrede derart geäußert. Auszug aus der „Rede an den kleinen Mann“:
        „Die >Rede an den kleinen MannVolksvertreterfrei< nur in einem Sinne: frei von Erziehung zur Selbststeuerung deines Lebens, frei von Selbstkritik!"

        • Besorgter sagt:

          Vielleicht klappt es so:

          Deshalb hat sich auch Wilhelm Reich nur in einer Wutrede derart geäußert. Auszug aus der „Rede an den kleinen Mann“:
          „Die ‚Rede an den kleinen Mann‘ ist ein menschliches und kein wissenschaftliches Dokument. Es wurde im Sommer 1946 für das Archiv des Orgon-Instituts abgefaßt, ohne Absicht, es je zu publizieren. Es war das Ergebnis der inneren Stürme eines Naturforschers und Arztes, der jahrzehntelang zunächst mit Naivität, dann mit Staunen und schließlich mit Entsetzen erlebte, was der kleine Mann aus dem Volke sich selbst antut, wie er leidet, rebelliert, seine Feinde verehrt und seine Freunde mordet; wie er, wo immer er als ‚Volksvertreter‘ Macht in seine Hände bekommt, sie mißbraucht und grausamer gestaltet als die Macht, die er seitens einzelner Sadisten der oberen Klassen zu erleiden hatte.“ […] „Von deinem Denken, von deinen Handlungen hängt von nun ab die Zukunft des Menschgeschlechts ab. Aber deine Lehrer und Herren sagen dir nicht, wie du wirklich denkst und bist; niemand wagt die Einzige Kritik an dir, die dich als Lenker deiner eigenen Geschicke ausrüsten und standfest machen soll. Du bist ‚frei‘ nur in einem Sinne: frei von Erziehung zur Selbststeuerung deines Lebens, frei von Selbstkritik!“

    • A. Behrens sagt:

      Ähm. Wenn ich mich umgucke (FR, NL, UK), dann ist deren demokratische Geschichte viel länger, jahrhunderte länger. Und vor allem: Am Anfang stand die Bewaffnung des Volkes und das Eintreten des Volkes für sich selbst.

      In Deutschland hat es nie eine demokratische Revolution gegeben(*). Dafür gibt es in Deutschland eine lange Tradition der Revolution von Oben(**). Heißt: Wenn es zu sehr brodelt, dann gewährt die jeweils herrschende Kaste eine Gunst.

      In meinen Augen haben wir in Deutschland keine Demokratie, sondern wählen alle vier Jahre den beliebesten Adligen.

      (*) Die Novemberrevolution war eher eine Abwahl der Monarchie und endete mit einem kurzem Umweg über kurze demokratische Versuche im (National-)Sozialismus.
      (**) http://de.wikipedia.org/wiki/Revolution_von_oben

    • Dr. habil. Heike Diefenbach sagt:

      … wenn Sie uns eine „4“ geben und „Setzen!“ empfehlen, dann muss ich Ihnen für Ihren Kommentar eine „6“ geben und Sie in einen Förderkurs überstellen,denn:

      Sie haben nicht einmal bemerkt, dass Sie das „Klischee“ vom geduldigen Bürger, der ja, ach, so hilflos ist, perfekt illustriert haben – und damit demonstriert haben, dass das Klischee keines ist, sondern leider, leider erschreckende Realität.

      Daher: Lernziel vollständig verfehlt! (Hoffentlich aber nicht vollständig unbelehrbar!)

      • EO v. Waterbrunn sagt:

        Dem Abhängigen vorwerfen, dass er abhängig ist?

        Interessante Sichtweise. Was zum Beispiel gewann der DDR-Bürger, der sich auflehnte und die Flucht versuchte? 5 oder 10 Jahre Zuchthaus. Und während jene, die ihn drangsalierten später mit Westpolitikern ihre Pensionsansprüche sicherten bekam er – ja was? Was hat er für seinen Mut gewonnen? Gesellschaftliche Anerkennung? Eine gut bezahlte Arbeit? EIn fürsorgliches Gemeinwesen?

        Leben wir auf unterschiedlichen Planeten? Es scheint so…

        Gruß, EO

        • Wir leben auf unterschiedlichen Planeten. Sie scheinen auf dem Planet „Angst“ in der Galaxie Duckmäuser zu leben, die frei von jeglicher Selbstachtung um ein Schwarzes Loch mit dem Namen „Staatsgewalt“ kreist. Was macht Ihrer Meinung nach einen Menschen zum Menschen, wenn nicht die Selbstachtung vor sich und wo soll er Selbstachtung gewinnen, wenn alles, was er nach ihrer Ansicht tut, im Unterwurf unter die Staatsmacht besteht? Ja, wir leben auf völlig unterschiedlichen Planeten! Das haben Sie sehr richtig erkannt.

        • Dr. habil. Heike Diefenbach sagt:

          @EO v. Waterbrunn

          Schön, dass Sie den Gedanken interssant finden! Ich finde es eigentlich eher trivial, dass man dem Abhängigen vorwerfen muss, dass er abhängig ist bzw. er sich nicht darum bemüht, sich unabhängig zu machen, und weil er der Frage zu wenig Beachtung schenkt, wie es denn soweit kommen konnte und welchen Teil er dazu getan hat, dass er so abhängig geworden ist.

          Was ich dagegen interessant, weil erstaunlich, finde, ist die Vorstellung, JEDE Form der Existenz wäre es wert, gelebt zu werden – und sei sie noch so sinnlos, entwürdigend oder gar quälend. Was ist mit den DDR-Bürgern, die sich nicht mit dem status quo abfanden und die Flucht versuchten und denen die Flucht gelang? Sie schreiben von der Drohung, die ausgesprochen wurde, um Fluchten zu verhindern, aber nicht von denen, die die Flucht gewagt haben und denen sie gelungen ist und die mit ihrem Vorbild die Drohung relativiert haben. Warum nicht?

          Warum sollte ein Mensch durch sein Leben gehen und immer die Beschränkungen als Rechtfertigung dafür betonen, dass er sich nicht wehrt? Warum nicht das eine Leben, das man auf der Erde hat, anpacken und nach seiner Fasson leben – und wenn das nicht geht, dann ist es ohnehin nicht wert, gelebt zu werden?

          Gerade weil wir auf real auf demselben Planteten leben, ist es mir ein Rätsel, wie man sich dermaßen in gelernte Hilflosigkeit ergeben kann, selbst dann, wenn die Umstände es keineswegs erfordern.

  5. augenauf2013 sagt:

    Mit Deutschen kann man nicht alles machen aber mit deutsch schon!

    Lest euch folgendes Buch der Inhalt ist heute Aktueller den je:

    Einfach mal nüchtern ohne Vorurteile lesen, Ihr werdet euch wundern was dort zu lesen ist!

    BEI DIESEM LINK HANDELT ES SICH UM DAS BUCH: WOFÜR KÄMPFEN WIR, das das Personalamt des Heeres im Jahre 1944, also kurz vor der Niederlage des deutschen Heeres, herausgegeben hat. Wer sich dieses Buch, das über Germanentum und Judentum ahistorischen und stereotypen Unfug verbreitet, aus wissenschaftlichen Gründen ansehen will, der kann dies hiermit tun. Wie Leser von ScienceFiles wissen, haben wir keine Berührungsängste und verweisen auch auf deutsches Schriftgut aus dem Tausenjährigen Reich. Insbesondere der Irrationalismus und die Mythologie, die im Dritten Reich verbreitet waren, sind immer wieder interessant. Lesen und Klicken erfolgt auf eigene Gefahr. Für eventuelle Folgen auf den Geisteszustand übernehmen wir keine Haftung. Michael Klein

    Wenn man sich das mal in ruhe durchliest, ist das alles was in diesem Buch geschrieben steht längst geschehen, und es ist alles eingetreten was da drin steht!
    Das sollte jeder Deutsche einmal lesen und Verstehen!
    Dann weiß man warum und wie sich alles zusammen setzt!

    • A. Behrens sagt:

      Bei dem Text musste ich schlucken. Und habe erstmal gegoogelt, ob der Text echt ist. Scheint aber so, zumindest gab es mal ein Buch „Ideologie und Moral im Nationalsozialismus“ aus einem seriösem Verlag, der sich mit dem Buch beschäftigt hat (* und ***) .

      Zum Inhalt:

      Ich kann das Ganze nur schluckweise und ganz vorsichtig lesen, meine Rationalität leidet sonst. Ich habe nie verstanden, was am Nationalsozialismus so toll war, warum die Leute damals so begeistert waren. Alles was ich kannte (etwa „Mein Kampf“) war dröge und dumm. Aber dieses Buch ist anders. Es vermittelt Visionen, Spiritualität und Sinn. Wenn ich sowas über ein Nazi-Buch schreibe, dann ist das sicher krass. Aber das ist mein erstes Fazit nach einem Querlesen.

      Weiter: Für mich ist es das erste Buch welches ich kenne, in denen sich die Nazis selbst ausdrücklich als Sozialisten bezeichnen. Meine bisherige Sozialismus-Theorie (Sozialismus = Kollektivismus) muss ich allerdings umbauen bzw. erweitern. In dem Buch wird zwischen einem materiellem Sozialismus (im Buch als bolschewistisch/jüdisch bezeichnet, korrekt wäre IMO marxistisch) und einem ideelem/jenseitigem Sozialismus unterschieden. Diese Unterscheidung macht für mich Sinn, sie erklärt die fanatische Begeisterung für Hitler, eine Begeisterung die es in in östlichen sozialistischen Staaten IMO nicht gab.

      Interessant war für mich die Verbindung von Darwinismus/Sozialismus/Religion zu einer neuen Religion.

      Interessant war auch, dass ich zufällig vorher gerade das hier (**) gelesen hatte, einer längerem Begebenheit aus dem Streik von Ayn Rand, und ich mich fragte, wie die Fabrikerben denn ihre Belegschaft überzeugen konnten.

      (*) http://books.google.de/books?id=mCVcAgAAQBAJ&pg=PA199&dq=wof%C3%BCr+k%C3%A4mpfen+wir+1944&hl=de&sa=X&ei=9JV8U6__Ecr9ygP9n4LgAQ&ved=0CFAQ6AEwAg#v=onepage&q=wof%C3%BCr%20k%C3%A4mpfen%20wir%201944&f=false

      (**) http://www.welt.de/print/wams/wirtschaft/article13127867/Ich-werde-den-Motor-der-Welt-anhalten.html

      (***) http://www.amazon.de/Ideologie-Nationalsozialismus-Schriften-Hannah-Arendt-Instituts-Totalitarismusforschung/dp/3525369611/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1400674779&sr=8-1&keywords=Ideologie+und+Moral+im+Nationalsozialismus

      • Werner Sombart III sagt:

        Ich glaube auch, daß man es dabei mit einem vielschichtigen Phänomen zu tun hat, das nach der offziellen und überall vermittelten, sprich vorgeschriebenen Lesart noch lange nicht erschöpfend behandelt ist. Daß der Nationalsozialismus eben auch Sozialismus war, ist nicht ganz so unbekannt, wie Sie es offenbar wahrgenommen haben. Das begegnet einem schon hier und da. Die hohe Wand, die eine neuerliche Befassung mit dem Phänomen in seiner Gesamtheit verhindert, sind die Verbrechen, die mit ihm verkoppelt sind. Möglich, daß man es deswegen niemals komplett behandeln wird.
        Was mir beim Lesern ihres ehrlichen Kommentars eingefallen ist, mag verblüffen, aber ich denke, es gehört durchaus zu dem Phänomen, das Sie überrascht hat. Aus Zeitgründen kann ich es nur anreißen. Denken Sie mal an das Ausmaß der Begeisterung und an die solidarische Hilfsbereitschaft, die sich bei der Oderflut gezeigt hat. Man war allgemein überwältigt, daß es sowas heute noch gibt. Und ich hab mich damals gefragt, woran es scheitert, daß man diese Power, die darin freigesetzt wurde, nicht generell gesellschaftlich einbringen kann an Projekten von gleicher Nützlichkeit…
        Mir fielen – wie anderen sicher auch – gleich viele Antworten ein, doch das ist hier nicht der Punkt, um den es geht, sondern das was damals bei der Oderflut aufschien, scheint mir dieselbe ungenutzte Kraftquelle zu sein, die auch unter dem Nationalsozialismus spürbar wurde. Es ist denkbar, daß sie nur in Zeiten der Not oder bei Katastrophen hervorbricht, sicher ist das aber nicht.

  6. grillbert sagt:

    Natürlich kann man mit den Deutschen alles machen.
    Deutschland ist seit 69 Jahren durch die Alliierten besetzt und wird von der US-Hochfinanz ausgenommen und versklavt.
    Was erwartet man von dieser Bevölkerung ?
    Das Wenigste wäre eine Wahlverweigerung !
    Sofortiger Austritt aus der NATO und EU.
    Was geschieht ? Nichts !
    Würde Deutschland aus der NATO austreten, würde diese USamerikanische Fremdenlegion dermaßen geschwächt, dass sich die USA überlegen müsste weitere Schweinereien auf europäischem Boden zu starten.
    Mit dieser gegenwärtigen Politikerkaste ist das aber nicht zu machen, dafür werden wir in Europa einen Krieg haben, der sich zu einem Weltkrieg auswachsen kann.
    Die Bevölkrung Deutschlands hat nichts dazugelernt !

    MfG. grillbert aus Hamburg

    • Das Problem mit Aussagen wie der Ihren ist, dass sie keinerlei Substanz enhalten. Es sind schlichte Behauptungen, die ohne Beleg bleiben. Man könnte dagegen halten, dass Deutschland seit 59 Jahren von Sozialisten unterminiert wird und von einer Wohlfahrts-Abreif-Nutznießer Gemeinde untergraben wird. Oder: Deutschland liegt an der Ostsee, und deshalb wird sich nichts ändern oder seit Frauen das Wahlrecht haben, ist es mit Deutschland bergab gegangen oder …

      Wenn Sie das nächste Mal kommentieren, dann bitte mit Belegen oder noch besser Argumenten, denn von einer Ansammlung von Behauptungen hat in der Regel der Schreiber einen psychischen Nutzen, aber keiner der Leser.

      • grillbert sagt:

        PS.
        Die in den Kommentaren angegebenen Zeiten haben einen Faktor Minus zwei Stunden.
        Auch recht seltsam !
        Ferner sind die Angaben (vormittags) und (nachmittags) in Deutschlad nicht üblich und entsprechen eher dem englischen Sprachraum, mit „AM“ und „PM“ !

        MfG. grillbert

        • Die Erde besteht aus unterschiedlichen Zeitzonen. Das mögen Sie nicht wissen.
          Das Internet ist Sammelplatz für eine Vielzahl von Anbietern. Manche sitzen in den USA und heißen WordPress…

          • grillbert sagt:

            @ M. Klein
            Mein Kommentar mit der Zuordnung auf Israel ist bereits gelöscht. Scheint ein Volltreffer gewesen zu sein.
            Dann verspritzt weiterhin euer Gift.

            grillbert

            • Richtig, ich habe ihn gelöscht, weil ich nicht wollte, dass Sie sich vor allen Stammlesern lächerlich machen und dokumentieren, dass man in Hamburg und dennoch außerhalb der bekannten Realität leben kann.

            • Dr. habil. Heike Diefenbach sagt:

              @grillbert

              war das ein Witz, oder meinen Sie tatsächlich, dass wir mit dem, was wir tun, nicht weitermachen würden oder könnten, wenn die Öffentlichkeit auf diesem blog von Ihrem grandiosen Hinweis auf die „Zuordnug zu Israel“ erfahren hätte????

              Was denken Sie? Dass wir ihn in einer konspirativen Blog-Betreiber Ausnahme-Sitzung lange diskutiert und ihn als für unsere verschwörerische Reformtätigkeit zu gefährlich befunden haben, weswegen wir ihn schnell gelöscht haben, damit wir den blog nicht schließen müssen?

              Sind Sie so ein humoriger Mensch, oder geht Ihr Verstand sozusagen in den (hoffentlich nur) vorübergehenden Urlaub, wenn Sie Ihre Gefühle nicht unter Kontrolle bekommen können?

              Ja, dann hätten wir natürlich den blog zumachen müssen

  7. Keener sagt:

    Da jedes Volk so etwas wie eine Inzuchtpopulation ist oder besser war, wundert es eigentlich kaum, daß gewisse Eigenschaften für ein Volk typisch werden. Gerne werden vermeintliche Vorteile dieser Eigenschaften heruntergebetet und die lassen sich bekanntlich immer finden. Wenn man keine Volkskultur außer der dahinsiechenden Sprache mehr hat und keine eigenen Lieder mehr, könnte man beispielsweise noch anführen, daß man „viel arbeitet“ und über einige sehr bedeutende Industrieunternehmen verfügt.

    Weltfremde Idealvorstellungen und echte geschichtliche Ereignisse können uns dazu verleiten, die Dinge falsch zu sehen, nämlich beschönigt.
    Ein Beispiel: Wäre der letzte Weltkrieg deutscherseits gewonnen worden, der interessierte Beobachter hätte das deutsche Volk insgesamt leicht für ein titanenhaftes Halbgöttergeschlecht halten können.
    Heute wissen wir, daß man den Herren hier zwar reflexhaft treu und oft bis in den Tod dient, daß man dafür jedoch auch auch mancherlei Zuwendung fordert (die mindeste versteckt sich in dem schwachsinnigen Wort „Anerkennung“, ein typisches Kinderbedürfnis) und daß diese Herren – falls sie über Nacht ausgetauscht werden – auch nicht notwendigerweise „deutsche“ Herren sein müssen. Und plötzlich sieht man klarer. Es ist eben auch nur ein Volk …… mit angezüchteten und anerzogenen Eigenheiten, die manchmal nur eine Mutter lieben kann.

    Allerdings werfe jenes der anderen Völker den ersten Stein, das in seiner Gesamtheit – obwohl von etwas anderer Natur – von wesentlich edlerer Natur ist. Da kann man wohl getrost den Helm abnehmen. Über den Daumen gepeilt ist die Menschheit vielleicht ein höchst unappetitliches Konglomerat verschlagener Voll- und Halbidioten. Eventuell erfahren wir ja nach unserem Ableben der Grund hierfür. Versprochen war es mal. 🙂

    • Werner Sombart III sagt:

      Würde es Sie erschrecken, Herr Keener, wenn man es schon vor dem Ableben erfahren könnte, warum das so ist?
      Ich glaube nicht wirklich, daß Sie erschrecken würden, aber ich glaube, daß Sie die Antwort nicht akzeptieren würden, denn sie entstammt derselben ganz großen Kategorie, der sowohl das Problem selbst wie auch Ihre Frage angehört. Und wenn Sie die Antwort erst im Jenseits erwarten, dann könnten Sie sie doch von dort auch schon heute akzeptieren, meine ich.

  8. deutschtrailer sagt:

    Vielen Dank…..:))

  9. Pingback: Warum man mit vielen Deutschen alles machen kann | Kritische Wissenschaft - critical science

  10. Ich wurde nicht sagen, dass die Deutschen die Dümmsten in Europa sind. Sie sind genauso wie die Bürger von fast alle anderen europäischen Ländern, die Opfer von Politiker, die ihre Treue zu den USA geschworen haben, und damit dabei sind, Europa in die Ruine zu führen. Die Europäer wurde in 65 Jahre so manipuliert, um mit tägliche Lüge in Wach-Koma gesetzt, dass sie, was die Politiker tun, gar nicht mehr richtig wahrnehmen. Und nicht vergessen: „Die am meisten verbreitete Neurose ist die Dummheit“ Karl Landauer, Psychoanalytiker – 1945 in KZ gestorben
    http://mundderwahrtheit.wordpress.com

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