Überall Sex – aus den Erzählungen von Sex-Maniacs

Der 5. März 2015 ist Kulminationspunkt – auch noch der 6. März wird notwendig sein, um die Erregung der Teilnehmer, die sich zur Jahrestagung der Sektion “Frauen- und Geschlechterforschung in der DGfE” treffen,  abzubauen, Erregung über: “Erziehung, Gewalt und Sexualität”. Das klingt wie ein Workshop der sado-masochistischen Vereinigung von Eckernförde. Ist es aber nicht. Es ist: Wissenschaft oder doch zumindest das, was unter dem Dach der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft als solche ausgegeben werden kann.

Was die Teilnehmer der Jahrestagung an Darbietung, Unterhaltung und Aufregung zu erwarten haben, ist in einem Call for Papers zusammengefasst, der eine Din-A4-Seite füllt.

DGfEDemnach beginnt die ganze Erregung bei der Macht, denn Macht ist “strukturell ungleich” verteilt (Seither rätseln wir, wie gleich verteilte Machtverhältnisse aussehen). Und weil Macht strukturell ungleich verteilt ist, zum Beispiel in Schulen, wo Schüler unter Aspekten der Macht dadurch dominiert werden, dass es Lehrer sind, die ihnen Noten geben und nicht umgekehrt, weil das so ist, tragen strukturell ungleiche Machtverteilungen “immer auch die Gefahr in sich, gewaltförmige Seiten und Strukturen hervorzubringen”.

Spätestens jetzt haben die Stammleser von ScienceFiles erkannt, dass wir mit dem Unsinn der Woche unterwegs sind, ein Unsinn aus willkürlich zusammengeworfenen Wortaneinanderreihungen, der in Sätzen kulminiert, von denen man nur sagen kann, dass den Schreibern offensichtlich nicht klar war, was sie da schreiben, denn: vermutlich ist ihre Erregung mit Ihnen durchgegangen (immerhin hat so ein Bleistift ja eine sexuelle Komponente, aber dazu später).

Strukturell ungleiche Machtverteilungen tragen also die Gefahr in sich, gewaltförmige Seiten und Strukturen hervorzubringen. Wenn Sie von einem Polizeibeamten festgenommen werden, weil er Sie dabei ertappt hat, wie Sie ihrem Nachbarn die Luft aus den Autoreifen lassen, dann sind sie Opfer einer strukturell ungleich verteilten Macht geworden, da der Polizeibeamte nicht nur die Staatsmacht auf seiner Seite hat und Sie nicht, sondern auch bewaffnet ist, und die Gefahr mit sich trägt, eine gewaltförmige Seite oder Struktur der Struktur der Machtverteilung hervorzubringen (Tatsächlich ist die Bewaffnung natürlich Ergebnis und nicht Gefahr der ungleichen Machtverteilung).

Aber es wird noch besser:

scully facepalm“Gewalt”, so heißt es, “hat aber immer auch einen Bezug zum Sexuellen – etwa in der Verbindung zu sexualisiertem Lustgewinn oder der Lust, die aus Dominanz und Überwältigung erwächst. … Zudem spielen in gewaltförmigen Konstellationen (auch zwischen Kindern und Jugendlichen) immer auch normative Konzepte von Heterosexualität von ‘männlich’ und ‘weiblich’ und von Angemessenheit in Bezug auf sexuelle Orientierungen, Verhalten und Selbstdarstellung eine wichtige Rolle”.

Hier treffen wir zum ersten Mal jene Macht, die die Welt, im Innersten zusammenhält, die Quelle aller Erregung und Gewalt: die Sexualität auch “das Sexuelle” genannt. Zwei Betrunkene, die sich auf dem Weinfest schlagen, befinden sich entsprechend im sexuellen Austausch. Der Auftragskiller, der gegen Bezahlung mordet, tut diese nicht wegen des Geldes, sondern wegen dem sexuellen Hoch, das ihm der “Kill shot” besorgt. Und, nicht zu vergessen, die Polizeibeamten, die gewalttätige Demostrationen auflösen, tuen dies nicht, weil sie Ordnung herstellen und das Eigentum von Bürgern beschützen wollen, sondern weil sich auch teilhaben wollen, an der Massenorgie, die gerade stattfindet.

Man hat das distinkte Gefühl, dass die Autoren des Call for Papers eine andere als die physisch vorhandene Welt teilen, eine Welt frei von “normativen Konzepten der Heterosexualität”, wie sie sich z.B. darin niederschlagen, dass gewöhnlich Männer die Wasserkästen tragen, die Frauen in der Regel nicht zu tragen im Stande sind. Und wieder finden wir eine strukturelle, quasi eine natur-strukturelle ungleiche Machtverteilung, die – wie die Autoren wissen – die Gefahr in sich trägt, gewaltförmige Seiten und Strukturen hervorzubringen, zum Beispiel als “Strukturelement von Sprache”, wie in der Wasserkasten.

Damit wir unsere Leser über all dem Unsinn nicht verlieren, auch auf die Gefahr, sie zu langweilen – zur Wiederholung: strukturell ungleiche Machtverteilungen tragen die Gefahr in sich, gewaltförmige Seiten und Strukturen  hervorzubrningen, wobei das Sexuelle sich über ein sexuelles Dominanzstreben nach “Macht-über-andere” in z.B. “Gewalt als Strukturelement von Sprache” übersetzt – oder so. Wir haben hier ganz massiv den Eindruck, dass ungleiche IQ-Verteilungen vor allem dann, wenn sie nicht mit strukturellen Positionen konkruent sind, dazu führen, dass Worte Gewalt über die Wortbenutzer ausüben, was über das Dominanzstreben der Worte dazu führt, dass die Wortbenutzer zu Opfern struktureller Sprachgewalt, die durch eine normative Heterosexualität bedingt ist, werden. Wer nicht dieser Meinung ist, kann uns gerne das Gegenteil beweisen.

Doch das Beste, das dieser Call for Papers zu bieten hat, das fehlt bislang. Der ganze Unsinn, den wir bislang dargestellt haben, verblasst hinter dem monumentalen Unsinn, der nun kommt und wieder geht alles natürlich vom “Sexuellen” aus:

Nuts in Bedlam“Aber das Sexuelle ist auch per se Bestandteil aller Erziehungskonstellationen. Der ‘Überschuss’ im pädagogischen Verhältnis … ließe sich kaum anders aufbringen und erklären. Liebe, Empathie, Nähe und Unterstützung haben immer eine sexuelle Dimension, auch wenn sie nicht im Vordergrund steht. Dies betrifft elterliche Zuwendungen ebenso wie die von Lehrkräften oder pädagogischen Fachkräften …”

Da alle Erziehungskonstellationen und alle menschlichen Interaktionen, wie man dem Call for Papers entnehmen kann, sexuell motiviert sind, muss man sich fragen, welche sexuelle Motivation, welche Form der sexuellen Dominanz die Autoren dieses Call for Papers getrieben hat, um ihre Erregung in derartigen Unsinn zu ergießen. Wir können nur vermuten, dass es sich dabei um eine Form der Dominanzpraktik handelt, mehr wollen wir darüber ehrlich gesagt nicht wissen.

Es reicht nämlich. Man kann ein gewisses Maß an Unsinn, ja selbst an Wahnsinn ertragen, aber irgendwann ist Schluss: Wenn jemand behauptet, dass Lehrer grundsätzlich sexuell motivierte, einer heterosexuellen Normativität verpflichtete, ja, was eigentlich: Spanner, Päderasten oder Pädophile sind, dann muss man in reiner Prosa feststellen: Der hat etwas an der Waffel. Wenn jemand behauptet, Liebe, Empathie, Nähe und Unterstützung seien immer durch “das Sexuelle” strukturiert, was immer “das Sexuelle” in der Phantasie der Autoren auch sein mag, dann kommt man nicht umhin, Pflegeberufe, von Krankenpflegern über Altenpfleger bis hin zu Zahnärzten und Hausärzten neu zu beurteilen.

Etwa: Das erotische Gefühl, das sich bei einem Zahnarzt einstellt, wenn er, von “dem Sexuellen” getrieben, seinen Bohrer in den Zahnschmelz des hilflos seiner normativen Heterosexualität ausgelieferten Opfers mit Mundgeruch senkt oder: die fast schon an Gruppensex erinnernenden Waschsessions in Altenheimen, bei denen alte Menschen gleich der Gewalt mehrerer Pfleger, vermutlich unterschiedlichen Geschlechts ausgeliefert sind. Ganz zu schweigen vom Gerichtsmediziner, der den Gegenstand seiner Obduktion, ein Mordopfer, mit nekrophiler Empathie und getrieben von “dem Sexuellen” betrachtet.

Nein, wir kommen nicht umhin festzustellen, dass die Autoren dieses Call for Papers nicht mehr alle Tassen im Schrank zu haben scheinen, in jedem Fall aber von “dem Sexuellen” in einer Weise besessen zu sein scheinen, die an absolute Dominanz grenzt und eines nicht ist: normal.

Ach ja: Die Autoren sind Barbara Rendtorff, Claudia Mahs, und – wenig überraschend – der oder die uns allen bekannte Thomas Viola Rieske

Wenn Sie sich jetzt erregt haben, dann doch sicher wegen der sexuellen Konnotation und nicht wegen des aus Steuergeldern finanzierten Unsinns – oder?

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