Der Sinn des Lebens

Heute machen wir eine Umfrage:

Geben Sie bitte auf einer Skala von 1 “stimme gar nicht zu” bis 7 “stimme voll zu”, an, wie sehr sie den folgenden Aussagen zustimmen:

Manche Menschen leben ziellos vor sich hin, ich bin einer davon.

Ich lebe in den Tag hinein und denke nicht an die Zukunft.

Manchmal denke ich, dass ich alles getan habe, was es im Leben zu tun gibt.

Addieren Sie nun die Punkte der Antworten,die sie gegeben haben. Wer auf weniger als 7 Punkte kommt, lebt länger!

Denn: Wer in seinem Leben einen Sinn hat, der hat eine höherer Lebenserwartung als derjenige, der in seinem Leben keinen Sinn hat. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung, die Patrick L. Hill und Nicholas A. Turiano (2014) in Psychological Science veröffentlicht haben.

sinndeslebensDie Untersuchung basiert, wie dies für Untersuchungen aus den USA regelmäßig der Fall ist, auf einem fetten Datensatz, in dem sich 7.108 Befragte im Alter von 20 bis 75 Jahren befinden, die 1994 erstmals befragt wurden und die für die nächsten 14 Jahre von Sozialforschern verfolgt wurden. In dieser Zeit sind 569 der Befragten verstorben, so dass es möglich ist, so genannte Hazard-Rates dafür zu berechnen, dass jemand im Beobachtungszeitraum stirbt und dabei gleich zu untersuchen, welche Variablen die Sterbewahrscheinlichkeit beeinflussen.

Neben dem Lebenssinn, den wir Eingangs in der Weise dargestellt haben, in der er erhoben wurde, haben Hill und Turiano noch die Frage sozialer Einbindung, also Menge und Intensität sozialer Beziehungen untersucht, sie haben untersucht, wie sich affektive Befindlichkeiten, positive wie negative, auf die Sterbewahrscheinlichkeit auswirken und noch eine Reihe sozialdemographischer Variablen berücksichtigt.

Und hier die Ergebnisse:

Alter hat einen Effekt auf die Sterbewahrscheinlichkeit, anders formuliert: Je älter man ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit, zu sterben. Dieses Ergebnis ist beruhigend, denn hätte es sich nicht eingestellt, man hätte an der eigenen Berechnung oder der Art und Weise, in der die Daten abgelegt sind, zweifeln müssen – oder – noch eine Möglichkeit: sich seine Befragten genauer ansehen müssen.

Männer haben ein höheres Sterberisiko als Frauen, und zwar ein deutlich höheres Sterberisiko, was eine andere Form der Darstellung der höheren Lebenserwartung von Frauen ist, eine dramatisch andere und abermals eine, die die Gleichstellungsfanatiker nicht interessieren wird.

Je höher das erreichte Bildungsniveau, desto geringer die Sterbewahrscheinlichkeit. Auch dieses Ergebnis wird wieder und wieder repliziert. Es fasst die Tatsache in Zahlen, dass ein Maurer, der sich täglich körperlich beansprucht, seinen Körper mehr abnutzt als eine Mausschubserin, die halbtags am Schreibtisch sitzt.

Schließlich erklärt der Lebenssinn. Wer einen Sinn in seinem Leben hat, ein Ziel, das er erreichen möchte, einen Daseinszweck, der hat eine geringere Sterbewahrscheinlichkeit als jemand, der keinen Sinn für sein Leben benennen kann.

meaning_of_lifeKeinerlei Effekt auf die Sterbewahrscheinlichkeit hat die soziale Einbindung, was überraschend ist, angesichts der behaupteten Wohltaten, die von sozialen Kontakten und sozialer Einbindung ausgehen sollen. Wenngleich Zweifler wie wir sowieso eher angenommen hätten, dass die Anzahl der sozialen Kontakte und die Intensität der sozialen Kontakte, die Sterbewahrscheinlichkeit eher erhöht als senkt, weil man mehr Gelegenheit hat, sich über seine Nächsten zu ärgern und somit mehr Gelegenheit, einen Herzinfarkt zu erleiden. Aber: wir liegen zumindest in der Operationalisierung, die Hill und Turiano gewählt haben, falsch. Gemessen wird von den Autoren soziale Eindung als Zustimmung zu: “Ich habe nicht viele Beziehungen zu anderen erlebt, die von menschlicher Wärme und Vertrauen geprägt waren”. “Die Leute würden mich als eine offene Person beschreiben, die bereit ist, Zeit mit anderen zu teilen.” “Enge Beziehungen zu unterhalten, hat sich für mich als schwierig erwiesen.”

Schließlich tragen auch positive oder negative affektive Befindlichkeiten nichts zur Erklärung des Sterberisikos bei. Ob jemand von sich sagt, es sei in den letzten 30 Tagen vor dem Befragungstermin überwiegend freudig, in guter Stimmung, glücklich, ruhig und zufrieden oder voller Leben gewesen, hat ebenso wenig einen Effekt wie überwiegende Nervosität, Traurigkeit oder Unruhe.

Kurz: Männer, die einen Sinn in ihrem Leben haben, können ihre Lebenserwartung steigern. Sie erreichen damit immer noch nicht die Lebenserwartung von Frauen, aber der Abstand kann zumindest zu Frauen verkürzt werden, die keinen Sinn im Leben haben.

Das Problem, das sich nun stellt: Wo bekommt man einen Sinn im Leben her, um länger zu überleben?

Ein häufig gewähltes Mittel: Hass auf andere als Antriebskraft, hat insofern vermutlich negative Auswirkungen als damit die erhöhte Abnutzung von Blutgefäsen und der erhöhte Ausstoß von Adrenalin einhergeht, was wiederum die Gefahr vorzeitigen Ablebens mit sich bringt.

Konsum, als weiteres Mittel, scheint ebenfalls nicht geeignet, denn, mit jeder Konsumeinheit sinkt der Wert jeder neuen Konsumeinheit, was vorhersehbar zu einem hektischen Konsum führen wird, der den Zweck, langes Leben durch Lebenssinn unterminiert.

Manche wählen die Fortpflanzung in ihrer Verzweiflung, einen Lebenssinn zu finden. Auch dieses Mittel dürfte sich nach einiger Zeit abnutzen, da spätestens mit der Übergabe der Kinder an das institutionalisierte Erziehungswesen, die Sinnzuschreibung mit Dritten geteilt werden muss, was den Wert des Sinnstifters “Kind” massiv reduziert.

Letztlich bleibt nur der institutionalisierte Dienst am Nächsten, also die Sinnstiftung dadurch, dass man für andere nützlich ist:

  • LiveOrganDonationDonor: [hears a ring at the door] Don’t worry dear. I’ll get it. [opens door] Yes?
  • Max: [the first doctor] Hello, can we have your liver?
  • Donor: What?
  • Max: Your liver. It’s a large glandular organ in your abdomen.
  • Donor:
  • Max: You know, it’s reddish-brown, sort of, um…
  • Donor: Yeah, yeah, I know what it is, but, um… I’m using it.
  • Howard: [the second doctor] *sigh* Come on sir, don’t mug us about. [pulls card out of donor’s shirt]
  • Max: What’s this, then?
  • Donor: A liver donor’s card…
  • Max: Need we say more?
  • Donor: Now listen, I can’t give it to you now! It says ‘in the event of death’!
  • Max: [pushes donor on the table] Nobody’s ever taken out their liver for US to survive.
  • Howard: Don’t worry, this is only gonna take a minute. (drives knife into donor’s stomach)
  • Donor: GAAAHHHHH! AAAAAHHHHHH! HAWHAWHAWHAW! GAAAAHHHHHH!

aus: Monty Pythons the Meaning of Life, 1983

Hill, Patrick L. & Turiano, Nicholas A. (2014). Purpose of Life as a Predictor of Mortality Across Adulthood. Psychological Science 25(7): 1482-1486.

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About Michael Klein

… concerned with and about science

4 Responses to Der Sinn des Lebens

  1. Pingback: [Kritische Wissenschaft] Der Sinn des Lebens | netzlesen.de

  2. dentix07 says:

    Äh, ist die Sterbewahrscheinlichkeit nicht für jeden Menschen 100%?
    Geht es nicht eigentlich um die Wahrscheinlichkeit früher oder später zu sterben?

    • Nein, es geht um die Sterbewahrscheinlichkeit im Beobachtungszeitraum oder anders formuliert, darum, die Variablen ausfindig zu machen, die sich im Beobachtungszeitraum systematisch zwischen Gestorbenen und Überlebenden unterscheiden.

  3. heureka47 says:

    Die Frage nach dem “SINN des Lebens” ist symptomatisch – weil typisch für den einseitig intellektorientierten / ego-dominierten / (selbst-)entfremdeten zivilisierten Menschen.

    Es ist die Frage (nach / von) seiner “anderen Seite”, seiner inneren “besseren Hälfte”,
    seiner Seelen- / Gefühlswelt.
    Die rational formulierte Frage ist bei genauerer Betrachtung der Ausdruck
    eines eher un-gewissen / un-bewußten Bedürfnisses – nach Bewußt-heit / GEWISSHEIT.

    Gewiss-heit aber gibt es nur im Gewiss-en, im “höheren” Bewußtsein.
    Nur dort ist der Mensch sich – seiner selbst, seines wahren SEINS – gewiss / bewußt.

    Um das erkennen / DIES verstehen zu können, muß man in die andere / höhere Bewußtseins- / Seins-Ebene “aufsteigen”. In die “höhere Dimension” des Seins. Von der materiellen. grobstofflichen Ebene – der Auswirkungs-Ebene – in die geist-energetische, feinstoffliche Ebene, die URSPRUNGS-Ebene.

    Dort angekommen, erkennt der Mensch, daß sich die frühere Frage nach dem “Sinn” (des “Lebens”) durch das – wahre – SEIN beantwortet bzw. erfüllt.
    Auf dieser Ebene erkennt der Mensch, daß die Erklärung des René Descartes “Ich denke, also BIN ich” ein Irrtum, Fehlschluß, war / ist.

    Ein guter Freund hat dasmal sehr weise treffend so formuliert:
    “Wenn das Sein erfüllt ist, stellt sich die Frage nach dem Sinn nicht mehr.”

    “Für andere nützlich zu sein” klingt zwar schon recht positiv, ist aber noch nicht die ganze Wahrheit. Auch wenn die eine oder andere Religion diesen Gedanken vertritt – möglicherweise der Buddhismus. Auch im Christentum, wie es von kirchlicher Seite vermittelt wird, ist die “NÄCHSTEN-Liebe” sehr betont. Aber die Gebote, die Jesus Christus vermittelte, sagten:

    »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
    Dies ist das höchste und größte Gebot.
    Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
    In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.

    DAS aber tun / können die allermeisten Menschen der zivilisierten Gesellschaft – incl. der religiös orientierten – NICHT. Weil sie entfremdet sind. Und durch die Angst / Kollektive Neurose in der Entfremdung FIXIERT. DAS zu überwinden, kostet Anstrengung und bedarf einer starken KRAFT. Diese Kraft GIBT es. Jeder Mensch IST diese Kraft. Aber um sie auch “anwenden” zu können, muß er sich dieses SEINS bewußt / gewiss sein. Solange die Kraft nicht “angefordert” / “beauftragt” wird, bleibt sie ein “ruhendes Potenzial” und läßt den Menschen in Ruhe – und läßt ihn sein Leben leben und seine Erfahrungen machen. Die Kraft hält sich an das universelle Gesetz der “Nicht-Einmischung”. Denn jeder Mensch ist ein – absolut – freies (Bewußt-)Sein und kann und darf tun und lassen, was ihm beliebt. Erst wenn der Mensch zu erkennen gibt, daß er die Hilfe will, darf die Kraft aktiv werden.

    Herzlichen Gruß!

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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