Gut-Sein hat seinen Preis – für andere: Wie erneuerbare Energien soziale Ungleichheit verschärfen

Deutschland ist das Land der grünen Energie.

nuclear-smilies (1)Wo andere Länder billigen Strom aus Kernkraft gewinnen, weht in Deutschland das Windrad bzw. scheint die Sonne, wenn sie denn scheint, auf Photovoltaik. Wind und Sonne, das sind die beiden Elemente der grünen Stromrevolution in Deutschland und das sind die beiden Probleme der grünen Stromrevolution. Beide sind nicht verlässlich genug, weshalb es konventionelle Kraftwerke auch weiterhin geben muss, um den Strombedarf dann zu decken, wenn Windflaute und bedeckter Himmel die Produktion von Strom gerade erschweren.

Aber was sind schon derartige kleine Probleme, die z.B. dazu führen, dass in Deutschland von 8760 Stunden, die eine Photovoltaik Anlage ausgelastet Strom produzieren könnte, es gerade einmal 900 Stunden sind, in denen die entsprechenden Anlagen tatsächlich ausgelastet mit der Produktion von Strom sind?

Das sind kleine Probleme, die man durch mehr (entsprechend ineffiziente) Photovoltaik und zusätzliche (gleichermaßen ineffiziente) Windräder beheben kann.

Das kostet natürlich Geld, viel Geld.

Und das lassen sich die Deutschen ihre grüne Ernergie dann auch kosten: Viel Geld.

  • Zwischen 2000 und 2013 haben sich die Stromkosten mehr als verdoppelt, von 13.94 auf 28.84 ct/kWh.
  • Ein typischer Haushalt mit einem Stromverbrauch von 3.500 kWh im Jahr zahlt im Jahr 2013 520 Euro mehr als im Jahr 2000.
  • Die Kosten für die Anlagen zur Gewinnung grünen Stroms addieren sich zwischen 2000 und 2013 für die Steuerzahler auf 110 Milliarden Euro.
  • In der Europäischen Union ist Deutschland führend, beim Strompreis jedenfalls: Nicht einmal die Dänen erreichen mit 22.04 ct /kWh das deutsche Niveau von 28.84 ct/kWh

Ja, die Deutschen lassen sich ihre Angst vor Kernkraft und ihre fast schon irrationale Liebe zu einer ineffizienten Energieform, deren Jahresauslastung nicht einmal 11% der Kapazität der entsprechenden Anlagen beträgt, etwas kosten.

Die berichteten Daten entstammen einem Beitrag aus dem RWI (Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung) in Essen. Sie entstammen einem Beitrag von Manuel Frondel, Stephan Sommer und Colin Vance, einem sehr guten Beitrag, der zeigt, dass es auch in Deutschland noch gute Sozialforscher gibt. “The Burden of Germany’s Energy Transition – An Empirical Analysis of Distributional Effects” ist in englischer Sprache erschienen, was gut ist, kann der Beitrag doch auf diese Weise weite Verbreitung im englischsprachigen Ausland finden und als Warnung vor den Folgen “grüner Energiegewinnung” dienen.

RWI BurdenDie oben zusammengestellten Kostensuperlative der grünen Energie sind nur ein Teil des Beitrags von Frondel, Sommer und Vance. Es gibt noch mehr, können Sie doch auf Daten von rund 7800 Haushalten zurückgreifen, die zu drei Zeitpunkten im Rahmen des Deutschen Energie Konsumenten Survey befragt wurden. In diesem Survey haben die Befragten Angaben u.a. zu der Höhe der Kosten, die ihrem Haushalt durch Strom, Wasser, Heizung usw. entstehen, gemacht.

Damit nicht zufrieden haben sich die drei Autoren mit dem beschäftigt, was deutsche Politiker so gerne im Munde führen: Mit sozialer Ungleichheit. Soziale Ungleichheit ist ein Mode-Thema unter Gutmenschen, die ihr Geld damit verdienen, Personen, die sie als bildungsfern bezeichnen, auch weiterhin vom Zugang zu formaler Bildung abzuhalten, die ihr Geld damit verdienen, dass sie gemeinsam mit Hartz-IV-Empfängern jammern, anstatt Wege in Beruf und Einkommen zu zeigen oder die damit ihr Geld verdienen, dass sie Statistiken zusammenschustern, die zeigen sollen, wie viele Kinder in Armut leben oder in relativer Armut leben oder von Armut bedroht sind. Die entsprechenden Kennzahlen sind so gestaltet, dass man selbst unter einer Bevölkerung von Millionären immer einen bestimmten Anteil finden wird, der in relativer Armut lebt, so dass das Auskommen der Armutsbearbeiter in der Sozialindustrie auf Dauer gesichert ist.

Frondel, Sommer und Vance haben sich die Armutsgefährdungsgrenze zu Nutze gemacht, um die Verteilung der Finanzierungslasten für die grüne Phantasie deutscher Politiker zu bestimmen, und damit können sie die Bigotterie und Heuchelei deutscher Politiker in einer fast schon dramatisch zu nennenden Deutlichkeit zeigen.

Erinnern sie sich an die letzte Sonntagsrede eines Politikers oder eines Funktionärs, in dem er die soziale Benachteiligung von Bevölkerungsschichten, die vermeintliche Bildungsferne der Ärmsten oder die Armut, in der Kinder in Deutschland angeblich aufwachsen, bejammert hat. Erinnern sie sich, wie ihm die Tränen in den Augen standen, ob der sozialen Kälte, die in Deutschland gerade den Ärmsten der armen Armen ins Gesicht weht?

windkraftgegenerNun wechseln wir die Baustelle und erinnern uns an eine Rede des entsprechenden Politikers zu grüner Energie, zur rosigen Zukunft Deutschlands, von einer Menschenpromenade, die über die grünen Wiesen zieht und sich dabei zwischen den Pfeilern der Windkrafträder durchwindet, von dem Dank der nächsten Generationen, dem Dank dafür, dass die Energiewende vollzogen und die Natur gerettet wurde, vor was auch immer und davon, dass der deutsche Sonderweg bei der Energiegewinnung, wie alle Sonderwege zuvor, der richtige Weg ist.

Die beiden Baustellen leben davon, dass sie nicht mit einander in Verbindung gebracht werden.

Aber genau das haben Frondel, Sommer und Vance in ihrem Beitrag, den man nicht anders als als politisch unkorrekt bezeichnen kann, getan. Sie haben die grüne Energiewende mit der sozialen Ungleichheit zusammengebracht, und siehe da:

  • Je mehr grüne Energiewende, desto mehr soziale Ungleichheit!
  • Warum? Weil die Kosten der grünen Energiewende, weil die höchsten Strompreise in Europa überproportional am Einkommen ausgerechnet der Ärmsten unter den Armen, jener Klientel zehren, für die Politiker besonders gerne – zumindest verbal – da sind.
  • 5,5% des Einkommens von Haushalten, die die Definitionsgrenze der Armutsgefährdung erreichen, die also 60% des Median-Nettohaushaltseinkommens verdienen, müssen für Strom ausgegeben werden und damit ungefähr so viel, wie für die Beheizung der Wohnung.
  • Dagegen gibt ein Haushalt mit durchschnittlichem Einkommen in Deutschland 2,6% des Einkommens für Strom aus.
  • Seit 2000 ist der Anteil, den die Stromkosten vom Haushaltseinkommen fressen, stetig gewachsen, und da die Bundesregierung bis 2030 plant, Haushalten 50% grüne und teure Energie aufzuzwingen, ist absehbar, dass die finanzielle Belastung weiterhin steigen wird.
  • Da Haushalte mit einem geringen EInkommen proportional einen höheren Anteil ihres Einkommens für Strom aufwenden als Haushalte mit einem durchschnittlichen oder einem hohen Einkommen, führt die Energieutopie der Bundesregierung und die konkrete Politik, die sich damit verbindet, zu einer Verstärkung sozialer Ungleichheit.

Kurz: Die Energiewende verschärft die soziale Ungleichheit, öffnet die Schere zwischen gring- und durchschnittlichverdienenden Haushalten immer weiter.

Daran sollten sich alle erinnern, wenn sie den nächsten Politiker von sozialer Ungleichheit fabulieren hören und vor allem wenn sie Funktionäre beim Brunnenvergiften erwischen, also dann, wenn z.B. Gewerkschaftsfunktionäre erzählen, dass es die bösen arbeitgebenden Kapitalisten sind, die auf Kosten der Arbeiter immer reicher werden, die dafür sorgen, dass Letztere immer weniger Anteil am gesellschaftlichen Reichtum haben.

Frondel, Manuel, Sommer, Stephan & Vance, Colin (2015). The Burden of Germany’s Energy Transition – An Empirical Analysis of Distributional Effects. Essen: Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung; Ruhr Economic Papers #542.

Die geradezu grotesken Folgen der Energiewende zeigt Klaus Peter Krause anhand des Irrsinns von Irsching, wo der Welt modernste und effizienteste Gasturbine still steht.

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