Achtsamkeitstraining: FH-Erfurt steht für Entprofessionalisierung

und Infantilisierung

Als Beobachter der deutschen Hochschullandschaft muss man langsam den Eindruck gewinnen, dass es nach unten keinen Boden mehr gibt.

Wer glaubt, Hochschul-Abschlüsse in Prostitution seien ein Witz, der hat die Rechnung ohne die Hochschule Merseburg gemacht, die eben einen solchen Abschluss anbietet.

FH-ErfurtWer glaubt, Hochschulen seien Orte, an denen von Steuerzahlern finanzierte Experten ihres Fachs ihr Wissen einsetzen, um Erkenntnis zu gewinnen, die zu Wachstum und Wohlstand der Gesellschaft führt, der hat seine Rechnung ohne die Genderisten gemacht, deren Programm darin besteht, an Universitäten vorhandenes Wissen zu zerstören und Wachstum und Wohlstand der Gesellschaft zu schädigen.

Und wer bislang geglaubt hat, Hochschulen seien der falsche Ort, um Entwicklungsaufgaben, die es in der Kindheit zu bewältigen gilt, nachzuholen, der hat seine Rechnung ohne die Fachhochschule Erfurt gemacht, die einen Workshop zu “Kompetenz in “Achtsamkeit” anbietet, wie man in der Pressestelle der Fachhochschule Erfurt glaubt.

Die Anbieter der “10-Schritte in mentaler Achtsamkeit”, Prof. Dr. Gerd Hofmeister und Prof. Dr. Cordula Boden sind indes der Ansicht, sie würden einen “Qualifizierungskurs für Trainer/-innen” anbieten, für den es die Kleinigkeit von 3.500,00 Euro zu berappen gilt.

Als Gegenleitung für die 3.500 Euro erhalten die Lernenden in Sachen Achtsamkeit, nein, mentaler Achtsamkeit, Informationen über

  • den “Ausstieg aus dem medialen Autopiloten, SEIN versus TUN”;
  • Informationen darüber, wie man “Achtsamkeit gezielt lenken” und “Konzentration fördern” kann;
  • Es gibt Informationen zum “Atemraum für verschiedene Lebenssituationen”,
  • Informationen zur “Selbstfürsorge” mit der “Work-Life-Balance” und
  • einen Überblick über das “Training der Achtsamen Lebensgestaltung in 10 Schritten”.

Und das Ganze ist für 3.500 Euro quasi geschenkt.

Nur, es wirkt irgendwie esoterisch. Man wartet die ganze Zeit auf die heilenden Steine und das Gong oder Oing, das über “Sitzmeditation” Erkenntnis vermittelt. Dass die Esoterik derart vernachlässigt wird, in der Kursbeschreibung, das liegt daran, dass der Kooperationspartner, Dr. Wilms Expertise Psychological Consulting, nicht zu Wort kommt. Käme er zu Wort, wo er doch immerhin am Kurs, den die FH-Erfurt für schlappe 3.500 Euro anbietet, beteiligt ist, er hätte Folgendes zu sagen:

“Das Hauptanliegen von MBCT (Mindfulness-Based Cognitive Training) ist die wirksame und nachhaltige Verankerung von Fähigkeiten, die als Puffer bei Depressionen, Stress und Burnout-Situationen dienen und die achtsame Monotaskingfähigkeit schulen. Ihr Achtsamkeitstraining ist darauf ausgerichtet, dass Sie achtsam mit sich selbst umgehen, Ihre Wahrnehmung im Hier und Jetzt kultivieren sowie Ihre Gedanken auf hilfreiche und unterstützende Weise restrukturieren. So werden Sie noch empathischer mit sich selbst und anderen umgehen können.

Achtsamkeit bedeutet „Lenken der Aufmerksamkeit in Art und Weise: zielgerichtet, im jetzigen, gegenwärtigen Moment, wertfrei“.

Es ist offensichtlich, dass Hochschulen immer häufiger dazu missbraucht werden, esoterischen Unsinn zu verbreiten und Selbstfindungskurse anzubieten, die man früher selbst an Volkshochschulen umsonst gesucht hätte. Die Zeiten, zu denen Hochschulen der Ort von methodischer Suche nach Erkenntnis, von Systematisierung und Theoriebildung waren, sie geraten immer mehr aus dem Blick. Hochschulen werden derzeit von einer Horde esoterischer Anbieter von Krötentrunken und selbstgerührten Heilelixieren überrannt.

Und als wäre dies nicht schon schlimm genug, geht diese ganze Entprofessionalisierung einher mit einer Infantilisierung, die man kaum für möglich hält.

Das Erlernen von Achtsamkeit ist Gegenstand der frühkindlichen Entwicklung. Entsprechend wäre der Kindergarten der geeignete Ort, um Achtsamkeitstraining durchzuführen, sofern die Eltern es nicht geschafft haben, ihr Kind vor Besuch des Kindergartens zu Achtsamkeit zu erziehen.

Das scheint für Hochschullehrer, die Lehrstühle besetzen, kein Hinderungsgrund dafür zu sein, “mentales Achtsamkeitstraining”, bei dem die Teilnehmenden lernen “achtsam mit sich selbst umgehen, Ihre Wahrnehmung im Hier und Jetzt [zu] kultivieren sowie Ihre Gedanken auf hilfreiche und unterstützende Weise [zu] restrukturieren”, anzubieten, für 3.500 Euro!

Offensichtlich machen wir etwas falsch.

Offensichtlich haben wir den Markt falsch eingeschätzt und irrtümlicher Weise gedacht, an Hochschulen kämen erwachsene Menschen an, seien erwachsene Menschen beschäftigt.

Enstprechend haben wir uns entschlossen, auch ein paar Trainings anzubieten.

Für nur 3.500 Euro können sich Interessenten für einen der folgenden Kurse anmelden:

  • 10 Schritte zum Essen mit Messer und Gabel. Intensivtraining für Fast-Food-Geschädigte.
  • Schuhe richtig tragen: Wie sie den täglichen Kampf mit dem Schnürsenkel bestehen und dabei ein eigenständiger und mental gesunder Mensch werden bzw. bleiben.
  • Das Einmal-Eins der Sauberkeit: Richtiger Umgang mit Waschlappen und Toilette;
  • Mein, Dein, Nicht-Mein – Woran man fremdes Eigentum erkennt.
  • Schrei Dich frei – frei nach Schröders Roadshow
Print Friendly, PDF & Email
20 Comments

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Translate »