Wofür steht die Humboldt-Universität zu Berlin in der Zwischenzeit?
Nehmen wir unsere Erfahrungen der vergangenen Monate, die Rückmeldungen, die wir erhalten und den Eindruck, den wir als Beobachter aus Wales und somit auch als Beobachter u.a. britischer Medien haben, dann kann man die Außendarstellung der Humboldt-Universität u.a. so zusammenfassen:
Die Humboldt-Universität hat mit den Gender Studies einen ganzen Studienbereich, bei dem der Verdacht besteht, dass er durch Betrug zustande gekommen ist. In jedem Fall ist er durch politische Intervention geschaffen worden als ideologischer Brückenkopf in einer vermeintlich wissenschaftlichen Institution.
An der Humboldt-Universität findet sich eine Reihe von Studenten, die die Universität umbenennen wollen, weil sie die Brüder Humboldt für rassistische, ableistische, sexistische und sonstistische Schweine halten.
Die Humboldt-Universität beherbergt eine Schmiede für ideologische Kader, die Sekten angehören, von denen man nicht geglaubt hätte, dass es sie noch gibt, z.B. von Trotzkisten (Leon Trotzky ist geistiger Vater und emsiger Anwender so illustrer Techniken der Gewaltherrschaft wie der willkürlichen Massenerschießung und des „roten Terrors“, lange bevor es die Nazis in relevanter Anzahl gab) und von Stasi-Nachwuchs, dessen Hauptaufgabe derzeit darin besteht, den politischen Feind zu überwachen und im Blog „Münkler-Watch“ anonym zu diffamieren, nein, zu kritisieren, so jedenfalls die Selbstbeschreibung der Watcher, die Anonymität zum Schutz gewählt haben wollen, nicht etwa, weil sie feige sind oder nicht zu dem stehen können, was sie behaupten.
Und die Humboldt-Universität hat ein „Studierendenparlament“, dass „mit großer Mehrheit eine Resolution verabschiedet“ hat, die das „Recht von Studierenden, ihre Professoren zu kritisieren, verteidigt“.
In dieser Resolution heißt es:
Das Studierendenparlament weist die heftigen Angriffe von Medien und von Lehrenden unserer Universitat auf »Münkler-Watch« scharf zuruck. Die Studierenden haben nichts anderes getan, als die politischen und akademischen Standpunkte eines Professors zu dokumentieren und zu kritisieren. Dies entspricht nicht nur den Grundsatzen einer kritischen Universität. Das Recht auf freie Meinungsaußerung ist ein grundgesetzlich verbrieftes Recht. Das gilt auch fur anonyme Kritik. So entschied der Bundesgerichtshof am 23. Juni 2009, dass »die Verpflichtung, sich namentlich zu einer bestimmten Meinung zu bekennen«, nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sei. Dies wurde »die Gefahr begrunden, dass der Einzelne aus Furcht vor Repressalien oder sonstigen negativen Auswirkungen sich dahingehend entscheidet, seine Meinung nicht zu außern«.
Die Anonymität der Studierenden hinter »Münkler-Watch« ist begrundet. Die Hochschulgruppe der International Youth and Students for Social Equality (IYSSE), die ihre Kritik an Herfried Münkler und Jorg Baberowski nicht anonym, sondern öffentlich vorbringt, wird in Stellungnahmen auf der öffentlichen Website der Universität direkt angegriffen.“
Ein Meisterwerk der Begründung aus den Archiven trotzkistischer und damit wirklich antiquierter Propaganda: Die eigenen Aussagen werden als Kritik deklariert, die Aussagen der Gegenseite werden als Angriffe bezeichnet und schon hat man, nach eigener Ansicht, eine Berechtigung aus dem Hinterhalt der Anonymität die eigene (natürlich berechtigte) Kritik zu äußern, um den (natürlich unberechtigten) Angriffen zu entgehen.
Klappt derartige dünne Rabulistik bei jemandem?
Ja, sie klappt beim Studierendenparlament der Humboldt-Universität zu Berlin, das am 11. Juni die Resolution beschlossen hat. Die Studierendenvertreter sind also der Ansicht, das Äußern einer Meinung sei auch aus dem Schutz der Anonymität heraus möglich, wenn jemand Repressalien fürchtet.
Der Antrag stammt, wie gesagt, von den Trotzkisten vom IYSSE (International Youth and Students for Social Equality, die in ihrer Entwicklung 1921 stehen geblieben zu sein scheinen und der Ansicht sind, sie hätten Konsequenzen für ihre Kritik zu erwarten, würden dafür „angegriffen“. Selbst wenn das so wäre, was es definitiv nicht ist, denn dafür ist die entsprechende Kritik einfach zu irrelevant, aber selbst wenn die Aktivisten von der roten Front für ihre Meinung angegriffen werden würden, ist es nicht gerade dieser Angriff, der den Aktivisten zum wirklichen Aktivisten macht?
Man stelle sich vor, das Kommunistische Manifest wäre anonym veröffentlicht worden. Man stelle sich vor, Marx hätte seine Streitschriften gegen die französischen Sozialisten anonym in Zeitungen veröffentlich oder Karl Liebknecht seine Kritik an der SPD anonym vorgetragen? Schon die Beschreibung wirkt lächerlich, denn: Was ist eine Meinung wert, zu der derjenige, der sie so wichtig findet, dass er sie gebeten und ungebeten anderen zumutet, nicht namentlich stehen will?
Nichts.
Nein, moderner Aktivismus wird anonym geführt, anonym lässt sich viel besser Unbelegtes und Falsches behaupten, besser agitieren. So z.B. wenn der „Korrespondent“ der „World Socialist Web Site“, der der 3. Sitzung des 23. Studierendenparlaments der HU-Berlin beigewohnt hat, schreibt:
„Nach einer wochenlangen, von der Universitätsleitung unterstützten Kampagne in den Medien ist die gewählte Vertretung der über 33.000 Studierenden an der HU dem Versuch, kritische Studierende einzuschüchtern und zu verleumden, mutig entgegengetreten.“
Die Opferrolle, die Genderisten für sich reklamieren, wird ihnen also von Trotzkisten streitig gemacht. Das wird lustig. Wie auch immer, die gewählte Vertretung der über 33.000 Studierenden, das klingt richtig gut, … solange man die Wirklichkeit nicht daneben stellt.
Zur Stimmabgabe anlässlich der Wahl zum 23. Studierendenparlament der HU-Berlin waren 37.008 Studenten berechtigt.
2.598 Studenten von 37.008 Studenten haben gewählt. Das entspricht einer Wahlbeteiligung von 7,02%. Die „gewählte Vertretung“ vertritt also gerade einmal 2.598 Studenten.
Eine Wahlbeteiligung von 7,02% kann man nur so deuten, dass den Studenten der HU-Berlin ihr Studierendenparlament vollkommen egal ist. Das sollte es aber nicht sein, denn zum einen werden diejenigen, die im Studierendenparlament palavern von Studenten finanziert, auch von den 92,98% der Studenten, die nicht wählen gehen, zum anderen behaupten diejenigen, die im Studierendenparlament der HU-Berlin sitzen, sie würden die gesamte Studentschaft vertreten.
Wer also nicht weiter vom Studierendenparlament der HU-Berlin vereinahmt werden will, wer sich nicht damit abfinden will, als Student mit dem falschen Bewusstsein durch die Avantgarde im Studierendenparlament für dumm verkauft zu werden, der muss sich dafür einsetzen, dass dieses überkommene Instrument aus einer Zeit, in der man dachte, etwas sei demokratisch, wenn man demokratische Instutionen einrichte, verschwindet, aufgelöst wird und die freiwerdenden Mittel einer sinnvollen Verwendung zugeführt werden.
Damit sich die Leser ein Bild davon machen können, was für ein ideologisch illustres Häuflein von Studenten sich im Studierendenparlament der HU-Berlin zusammenfindet, hier eine Aufstellung der Studenten-Parlamentarier nebst der Studentenliste, der sie zugehören:
| Name | Studentenliste |
| Chris Ebert | Queer-feministische LGBT*I*Q-Liste |
| Marie Kaufmann | Queer-feministische LGBT*I*Q-Liste |
| Anna Damm | Queer-feministische LGBT*I*Q-Liste |
| Mia Thiel | Jusos HU |
| Laura Schwesinger | Jusos HU |
| Iris Wohnsledler | Jusos HU |
| Toralf Ließneck | Jusos HU |
| Annika Klose | Jusos HU |
| Georg Heyn | Jusos HU |
| Jonas Kayser | Jusos HU |
| Tine Feddersen | RCDS – Die Studentenunion |
| Tom Callsen | RCDS – Die Studentenunion |
| Franziska Dezember | RCDS – Die Studentenunion |
| Luise Zacharias | RCDS – Die Studentenunion |
| Dustin Kass | RCDS – Die Studentenunion |
| Laura Redmer | GRUENBOLDT – gruen alternative Liste |
| Geraldine Arndt | GRUENBOLDT – gruen alternative Liste |
| Felix Haßelmann | GRUENBOLDT – gruen alternative Liste |
| Florian Robbert | GRUENBOLDT – gruen alternative Liste |
| Lena Hornung | GRUENBOLDT – gruen alternative Liste |
| Iphigenia Andreou | GRUENBOLDT – gruen alternative Liste |
| David Kaupp | GRUENBOLDT – gruen alternative Liste |
| Masanch Ceesay | Die LINKE SDS |
| Rhonda Koch | Die LINKE SDS |
| Anton Thun | Die LINKE SDS |
| Max Manzey | Die LINKE SDS |
| Ana Melina Morr de Perez | anti-rassismus liste SCHWARZE LISTE |
| Olenka N. B. Bordo | anti-rassismus liste SCHWARZE LISTE |
| Sarah Mouwani | anti-rassismus liste SCHWARZE LISTE |
| Marco Ebert | Schwule Liste – Die SchwuLis |
| David Rodriguez Edel | PDB – die Partei, die bewegt |
| Lisa Gottwald | Liste unabhängiger Studierender |
| Johannes Roeder | Liste unabhängiger Studierender |
| Lennart Fey | Liste unabhängiger Studierender |
| Bejamin Dummer | Liste unabhängiger Studierender |
| Jakob Hoffmann | Liste unabhängiger Studierender |
| Annika Schauer | Liste unabhängiger Studierender |
| Katharina Kanthak | FSI Charité |
| Pinkus Tober-Lau | FSI Charité |
| Simon Drees | FSI Charité |
| Andia Mirbagheri | FSI Charité |
| Helge Schumann | the autonome alkoholiker_innen |
| Veronika Belcheva | Liste kritischer Studierender |
| Janian Dobrusskin | Liste kritischer Studierender |
| Kaspar Metzkow | Liste kritischer Studierender |
| Bafta Sarbo | Liste kritischer Studierender |
| Tina Krell | Danke, gut – Trackliste |
| Sven Wurm | IYSSE (International Youth and Students for Social Equality |
| Schada Ghardban | Für ewig und drei Tage – Langzeitstudierend |
| Joao Pedro Presumido Fidalgo | Für ewig und drei Tage – Langzeitstudierend |
| Kristin Wappler | AWESOME |
| Anke Engemann | AWESOME |
| Rosalie Trautmann | AWESOME |
| Hans-Christian Bandholz | AWESOME |
| Wilhelm Tschakert | AWESOME |
| Christine Ilgert | Linke Liste an der HU, LiLi |
| Tobias Roßmann | Linke Liste an der HU, LiLi |
| Isabella Babut | Linke Liste an der HU, LiLi |
| Katharina Paar | Linke Liste an der HU, LiLi |
| Felix Ladendorf | Gegen Beitragsverschwendung |
