Predigt wider das Leistungsstreben

Ich aber sage Euch, hütet Euch vor dem Streben nach Leistung, denn “nicht selten” begleiten “Täuschungs- und Betrugsversuche” das Prinzip der Leistung. Und hat nicht, jenes Prinzip des Erfolgs Begleiteffekte wie Fortschritt, Anstrengung und Unabhängigkeit?

SermonNicht umsonst hat das “Christentum eine eher ambivalente Haltung zum Leistungsdenken”. Nicht umsonst, sehen wir die Herrscher der Kurie in Pomp und Pracht, während sie den Gläubigen das Leben in weniger Pomp und Pracht verkünden, während sie sich vom reich verzierten Papstuhl aus mit den Armen der Welt solidarisch erklären oder als Bettelmönch bei den erfolgreicheren ihrer Spezies durchessen.

Wir aber fragen Euch: bis “zu welchem Punkt” sind “Leistung und Erfolg ethisch wünschenswert und vertretbar?” Was ist der Erfolg heute wert, wenn wir morgen tot sind? Strebt nicht, denn ich sage euch: “Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen und trinken werdet, auch nicht für euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr denn Speise? und der Leib mehr denn die Kleidung? Sehet die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie?”

Doch!

Deshalb rufen wir nach Mainz, um in theologisch-kritischer Reflexion über die Leistung zu sinnieren, beim gemeinsamen Abendessen in der Mainzer Altstadt. Kritisch reflektieren wir mit Bruder Michael Roth, über die “kirchliche Kritik am sportlichen Leistungsprinzip, dem Leistungsprinzip”, das einen Lance Armstrong dazu verleitet hat, sich Dopingmittel zu verabreichen. Sehet: Gäbe es kein Leistungsprinzip, es gäbe kein Doping. Also lasset und alle gemeinsam bei der nächsten Tour de France über die Ziellinie fahren, auf dass es keinen Sieger gebe!

Bruder Stephan Grätzel fragt uns und sich: Was können “wir unter ‘christlicher Verantwortung’ im Sport verstehen”? Und was können wir unter christlicher Verantwortung im Sport verstehen?

Gehen wir in uns.

Fragen wir uns.

Sagt nicht Manager Paulus im ersten Briefing seiner Korinther-Mannschaft: “Wisst ihr nicht, dass die Läufer im Stadion zwar alle laufen, aber nur einer den Siegespreis bekommt? Lauft so, dass ihr ihn gewinnt!”? Und der gleiche Manager schreibt an sein altes Team der Hebräer: “Lasst uns mit Ausdauer in dem Wettkampf laufen, der uns aufgetragen ist”.

So ist denn der Wettkampf eine christliche Mission. Eine Aufgabe für uns alle. Sollte Bruder Grätzel deshalb nicht zu dem Schluss kommen, dass christliche Verantwortung uns zur Leistung verpflichtet?

Gott bewahre, nein. Denn Manager Paulus ist bekannt für seine “männlichen Metaphern”. Er ist bekannt als einer, der “Kampf, Sport und Sieg” verherrlicht, fast schon zum maskulistischen Ziel erhebt. So lasst uns dann mit Bruder Frenschkowski der männlichen Metaphern und dem Leistungsgedanken in christlicher Verantwortung abschwören und fortan von den Früchten fremder Arbeit leben.

Zuvor jedoch lasset uns Mittagessen – in der Mainzer Altstadt.

Unsere kleine Predigt beruht auf dem Programm der Tagung “Leistung und Erfolg in Sport, Kirche und Gesellschaft“, die am 26. und 27. Juni an der Evangelisch-Theologischen Faktultät der JGU Mainz stattfinden soll, sowie auf der dazu gehörigen Pressemeldung. Was diese Tagung mit Wissenschaft zu tun hat, das wissen wir ebenso wenig, wie wir eine Idee davon haben, warum diese Tagung vom Informationsdienst Wissenschaft verbreitet wird.

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19 Responses to Predigt wider das Leistungsstreben

  1. Pingback: [Kritische Wissenschaft] Predigt wider das Leistungsstreben | netzlesen.de

  2. seinswandel says:

    Mich würde in der Tat genauer interessieren, welchen Begriff der Leistung Sie haben.
    Bisher lese ich in Ihren Beiträgen, dass Sie wohl annehmen in einer (gender)ideologiebefreiten Schule wäre Leistung etwas, dass man objektiv und fair messen könne und deshalb ein gerechter Zuteilungsmechanismus für Lebens- und Teilhabechancen.
    Weiterhin scheint es mir, dass lohnarbeitslose Transferleistungsbezieher (ALG I & II) unter dem Verdacht stehen, der Gemeinschaft zur Last zu fallen, während derselbe Verdacht Kapitaleinkommensbezieher, die unabhängig von Leistung Mehrwert abschöpfen, nicht gleichermaßen trifft.
    Was ist also Leistung? Welche Leistung zählt? Wie messen wir sie? Ist Leistung mit Lohn gekoppelt? Ist die routinemäßige, institutionalisierte Unterscheidung in Gewinner und Verlierer förderlich für die soziale Ordnung?
    Fragen über Fragen – bin gespannt.

    • Klar kann man Leistung messen. Es ist das, was jemand dafür bezahlt. Oder, es ist das, was es auf einem unbeeinflußten Markt erbringt. Für den Empfang einer Leistung wird niemand bezahlen, keiner zahlt doppelt. Eine Leistung muß also etwas sein, für das bezahlt wird.

      Carsten

      Flundern bügeln
      http://www.toonpool.com/user/856/files/fish_895175.jpg

    • Martin says:

      Das schöne am Leistungsprinzip ist ja, das es eben keinen “Zuteilungsmechanismus für Lebens- und Teilhabechancen” geben muß. Sondern das dieser bereits durch die Leistung gegeben ist. Aber aus ihren Formulierungen alleine wird ja bereits klar, das da eigentlich nur wieder der alte sozialistische Parasitismus lauert.

    • seinswandel says:

      @Carsten Thumulla: Wenn Leistung nur das ist, wofür bezahlt wird, dann können wir den Begriff abschaffen und durch Tauschwert ersetzen. Im Alltagsverständnis ist Leistung einer Belohung oder Bezahlung oder Gegenleistung vorgängig. In der Schule beispielsweise wird nicht bezahlt sondern benotet. Kollegen oder Freunde tun sich gegenseitig ein Gefallen, Ehrenamt, Fürsorge für Kinder usw. – alles keine Leistung?

      @Martin: Das “LeistungPRINZIP” ist also kein Mechanismus? Es geht also nicht um die Zu- und Verteilung von Ressourcen und um den Zugang zu bestimmten Bereichen wie höhere Bildung, Operntickets, Eigenheim, Urlaub in Übersee usw. usf.? Das müssen Sie mir mal erklären (anstatt argumentationsbefreit “sozialistischen Parasitismus” zu unterstellen).

      Mir scheint, für einige ist DIE LEISTUNG wohl ein heiliger Begriff, der aus sich selbst soziale Ordnung, Gerechtigkeit und den Weltfrieden schafft. Das passt ja dann zur Bibelexegese.

      • Sieht man die Benotung als Bezahlung, dann stimmt es wieder. Der Lehrer erzeugt ja auch Noten wie der Staat gern Geld erzeugen möchte, aus dem Nichts. Bei Geld klappt das noch nicht so, deshalb hat eine Leistung, die mit Geld bezahlt wird, einen materiellen Gegenwert. Eine Leistung, die nur benotet wird, ist letztlich nichts, ist letztlich ebenso Luft, wie die Note, die es dafür gibt.
        So, das war der erste Streich. Und warum reißt sich jemand den Arsch auf für Noten? Weil er darauf spekuliert, daß er dafür mal Geld bekommt. Lehrer generieren also Geld, ähnlich wie Banken. Danke, wieder was gelernt. Es ist zwar nicht das, was Sie meinten, aber trotzdem gut.

        Einen Gefallen tun? Jetzt könnte ich die Theorie bemühen, die behauptet, daß alles nur die Spekulation auf eine Gegenleistung ist. Das mache ich natürlich nicht. Ich nehme an, daß das nur einer guten Gemeinschaft dient — die wiederum von Gegenleistungen lebt und nur gut ist, wenn die Bilanz ausgeglichen ist.

        Egal, ob Geld, ob Noten oder ob gemerkte und im Hinterkopf bilanzierte Leistungen, wir wissen jetzt, was Leistung ist und was Geld ist.

        Carsten

        “Was die Bösen brauchen sind die Guten, die alles mit sich machen lassen.”
        Dr. Alfons Proebstl

        • seinswandel says:

          Es scheint in der Tat so, dass Leistung gemeinsam mit Gegenleistung gedacht werden muss. Das legen auch die permanenten Beschwerden über ungenügende Gegenleistung (sei es Bezahlung oder Anerkennung durchaus auch bei Geschenken oder Gefallen anzutreffen) nahe.

          Ich bezweifle, dass sich insbesondere jüngere Kinder deshalb in der Schule um gute Noten bemühen, weil sie verstanden und durchdrungen haben, dass sie dieses Bildungskapital später (bei günstigen Bedingungen) in ökonomisches Kapital eintauschen können. Mikrosoziologisch wirken da sicher noch andere Mechanismen – das muss aber kein Widerspruch sein.

          Benotung könnte man in der Tat als Bezahlung fassen (bei ständig mitlaufender Sanktionsdrohung durch schlechte Noten). Bei Sportveranstaltungen könnte man die Titel, Pokale etc. ebenfalls als Bezahlung ansehen (vlt. schon etwas weniger plausibel?). Gemeinsam ist allen, dass diese Symbole aus dem Nichts geschöpft werden, um Leistung zu bewerten. Das zentrale Paradigma der modernen, kapitalistischen Wirtschaftsordnung – die Leistung – beruht einzig auf der Messung durch hoch symbolische, willkürlich geschöpfte Wertäquivalente. Interessanter Gedanke…
          Der nächste Schritt ist dann kurz: Darüber, was Leistung ist und wie sie zu bewerten ist, bestimmen überwiegend diejenigen, die die Deutungsmacht über die symbolische Wertäquivalente haben – sprich Lehrer und Kapitaleigentümer. Damit verabschieden wir ein objektives oder auch nur demokratisches Verständnis von Leistung.

  3. A.S. says:

    Ich frage mich eher was Religion bzw. Theologie an Universitäten zu suchen hat? Ein Wesenselement der Wissenschaft ist Verifizieren und Falsifizieren und das ist beim Thema Gott nicht möglich.
    Es gibt nur einen Weg den Wahrheitsgehalt von religiösen Aussagen zu prüfen, und wer den beschreitet kann nicht mehr berichten.

    • So ist das nicht richtig. Auch Beweise sind abhängig davon, wie wir sie beurteilen. Streng mathematische Beweise sind selten. Indizien werden oft als Hilfsmittel genommen um eine Wahrscheinlichkeitsaussage zu bekommen.

      Das Thema Gott könnte man exakt erledigen, wenn man Grundlagen für eine logische Ableitung hätte. Daß man diese nicht hat, darin sind sich viele einig. Wenn das mal kein Irrtum ist…
      Man braucht aber auch eine Beschreibung des gesuchten Gottes dazu. Darin besteht schon keine Einigkeit. Dieses Indiz genügt mir, die Wahrhaftigkeit der vorgelegten Propheten in Zweifel zu ziehen. Und, wie soll das existieren, dessen Eigenschaften und Botschaft Gegenstand des Streites sind?
      Folglich ist der behauptete persönliche Gott, der zu allem Übel noch Gericht halten soll, ein Hirngespinst. Die Beweise sind da. Man muß sie nur erkennen.

      Religion und Theologie haben insofern etwas an einer Universität zu suchen, als daß sie Untersuchungsgegenstand sind. Daß Theologen und Religioten dort etwas zu suchen hätten sehe ich nicht.

      Carsten

      Messe Druckfehler
      http://ruthe.de/cartoons/strip_0849.jpg

    • Florian Geyer says:

      Gleiches gilt für die weltlichen Gegenstücke wie “Politologie”, “Soziologie”, “Sozialpädagogik” .
      Überflüssig wie Fußpilz und gemeinschädlich.

      • Als u.a. Politikwissenschaftler hätte ich dazu gerne eine Begründung, und zwar unter Angabe der Qualifikation, die es Ihnen ermöglicht, ganze Berufsstände mit jahrhundertelanger Tradition in den verbalen Orkus zu kicken.

  4. HamWerNettUndKriegenWirAuchNettMehrRein says:

    Ja werte Mittdiskutanten , da offenbart sich mal wieder höchstes Nivou.
    Gödels Gottesbeweis.
    Streng mathematisch.
    Schon mal gehört ?

  5. HamWerNettUndKriegenWirAuchNettMehrRein says:

    Her Klein , auch wenn ich Sie sehr schätze , hier haben Sie sich vergalopiert…

    “Die logische Argumentationskette in diesem Gottesbeweis ist nachweisbar korrekt. Zudem konnten wir zeigen, dass die nicht-triviale Beweisführung vom Computer größtenteils vollautomatisch erzeugt werden kann. ”
    http://www.heise.de/tp/artikel/39/39766/1.html

    “passt” mir auch nicht aber Mathe luegt nicht siehe auch:

    https://www.quantamagazine.org/20130222-in-computers-we-trust/

    • Herr HamWerNettUndKriegenWirAuchNettMehrRein, auch wenn ich Sie nicht kenne, Sie haben sich vergalopiert. Heise ist nicht unbedingt die Quelle, die für Richtigkeit steht. Aber wenn Sie zeigen wollen, dass der verlinkte Text falsch ist, kritisieren Sie ihn. Ich habe ihn lediglich verlinkt, um Lesern, die von Goedels Gottesbeweis noch nichts gehört haben, die Möglichkeit zu geben, den entsprechenden Beweis und die Einwände gegen den Beweis nachzulesen. Das ist so in der Wissenschaft. Aber wir zitieren ja auch nicht Heise. Vermutlich ist das das Problem.

  6. HamWerNettUndKriegenWirAuchNettMehrRein says:

    “Das ist so in der Wissenschaft. ”
    Gluecklicherweise !!!

    Anssonsten:
    😉 wuerde ich ga gerne. Aber der Link funktioniert nicht 😉 .( Mozilla on Android ) Generell halte ich die Lösung aber fuer korrekt zumindest was die Mathematik/Logik angeht. Und nur weil Heise die Aufsätze verlinkt heist das noch nicht das Sie falsch sind. Das Problem: Der Beweis ist nur mit Mathe zu erklären ( zumindest fuer/von mir ) und das Forum mit Formeln vollzuposten ist minder lustig, oder ?

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