Die Sache scheint, jedenfalls für etliche Kommentatoren in Medien und sozialen Medien, klar: Schüler mit Migrationshintergrund (in den PISA-Elaboraten heißen diese Schüler nun “Schüler mit Zuwanderungshintergrund”) haben das Ergebnis der “deutschen Schüler”, in den PISA-Elaboraten sind das, und das ist wichtig: Schüler OHNE Zuwanderungshintergrund, verdorben. Ohne diese Negativselektion von Schülern, die per Zuwanderung importiert wurde, so die Ansicht, wäre das deutsche PISA-Ergebnis hervorragend, das beste in der EU oder so.
Das erste, was mich an dieser Diskussion irritiert, ist das einfache Handling per Etikettierung, die Leichtigkeit, mit der man Leute mit einem Begriff “Migrations-/Zuwanderungshintergrund” bei ihren Vorurteilen abholen kann. Ich behaupte, weil ich weiß, wie man sich verbiegen muss, um die entsprechenden Daten zu erhalten, dass keiner der sich über “Migrationshintergrund” [ich bleibe jetzt bei diesem Begriff, wer lieber “Zuwanderungshintergrund” mag, muss den Begriff statt dessen lesen] äußert, eine Ahnung davon hat, wer eigentlich in die entsprechende Kategorie gestopft wird.
Beginnen wir daher mit der Definition von Migrationshintergrund: Ein solcher wird jedem Schüler attestiert, dessen BEIDE Eltern im Ausland geboren wurden. Schüler, die mit einem ausländischen und einem deutschen Elternteil ausgestattet sind, finden sich automatisch in der authochthonen Gruppe. Die Gruppe der “deutschen Schüler” ist somit um die Schüler aufgefüllt worden, die noch vor einigen PISA-Wellen als “Schüler mit Migrationshintergrund” gezählt wurden. Sie sind nun Schüler “ohne Migrationshintergrund”. Wer der Ansicht ist, die “deutsche Schüler-Gruppe” sei eine migrationsfreie Gruppe, hat sich schon zum ersten Mal geirrt. Und ich wette, weitere Irrtümer folgen.
Die Gruppe der Schüler mit Migrationshintergrund wird weiter unterteilt in Schüler der 2. Generation, also in Deutschland geborene Schüler, die die komplette Institutionenfolge, die zum Bildungssystem und zum Vor-Bildungssystem gehört, durchlaufen haben, und Schüler der 1. Generation, die mit ihren Eltern zugewandert sind, unterschieden nach Schülern, die vor dem 11. Lebensjahr zugewandert sind und Schülern, die nach dem 11. Lebensjahr zugewandert sind. Gemeinhin absolviert ein Schüler im Alter von 6 bis 10 Jahren die Primarschulbildung, das mag Erklärung für diese Grenze sein.
Indes, wie viele Schüler in den jeweiligen Gruppen zu finden sind, das ist ein Geheimnis, das im gesamten PISA-Bericht nicht gelüftet wird. Man muss es mühsam rekonstruieren und kommt, bei 11.407 realisierten Tests mit Schülern, von denen 6.659 verwertbar sind, auf rund 900 Schüler, die der 2. Generation angehören, 540, die vor dem 11. Lebensjahr zugewandert sind und 300, die nach dem 11. Lebensjahr zugewandert sind. 29% der Schüler (1.931) haben in PISA-2025 einen Migrationshintergrund, 71%, also 4.728 haben nach der PISA-Definition keinen.
Übrigens ist der PISA-Bericht, ein Bericht, in dem so gut wie keine Fallzahl vorkommt. Tabelle und Abbildungen weisen generell nur Prozentwerte aus, ein eklatanter Lapsus für Autoren, die einen wissenschaftlichen Anspruch erheben wollen, den man nur erklären kann, wenn man annimmt, die Fallzahlen, wären sie veröffentlicht worden, würden die Ergebnisse in eine fragwürdiges Licht rücken.
Doch zurück zu den Migranten, die den deutschen Schülern, die in PISA nicht als “deutsche Schülergruppe”, sondern als deutsche und Schüler mit eineltern-Migrationshintergrund-Gruppe vorhanden sind, das Ergebnis verhagelt haben sollen.
Natürlich schneiden Migranten, die zuwanderen, schlechter ab. Wenn jemand nach seinem 11. Lebensjahr zuwandert und unmittelbar in die Schule gestopft wird, dann wird er Probleme haben, im Stoff mitzukommen, sofern er nicht ein Genie ist. Da Zuwanderer nicht nach IQ zugelassen werden, ist es unwahrscheinlich, dass er ein Genie ist. Ergo wird bei den meisten Schülern, die im Ausland geboren wurden, ein schlechteres Ergebnis am Ende des Test stehen als bei deutschen Schülern. Darüber muss man sich nicht wundern.
Worüber man sich wundern muss, ist:
Migranten, die nach Deutschland gewandert sind, schneiden im Vergleich zu Migranten in andere EU oder OECD-Ländern generell schlechter ab;
Migranten der 2. Generation, die in Deutschland geboren sind, vom ersten Tag ihrer institutionellen Betreuung in deutschen Kindertagesstätten, Grundschulen und Sekundarschulen waren, schneiden schlechter ab als deutsche Schüler.
Die Frage ist: Warum?
Aber diese Frage stellt sich erst, wenn man die Effekte, die von einem miserablen Schulssystem ausgehen, herausgerechnet, oder in statistischer Formulierung: kontrolliert hat.
Wie Sie sehen, werden alle Schüler in deutschen Schulen, die im Rahmen von PISA gestetet wurden, seit 2012 , das scheint der Wendepunkt gewesen zu sein, schlechter. Das PISA-Ergebnis 2025 für Deutschland beschreibt somit einen Zeitpunkt, zu dem die Ergebnisse in Deutschland getesteter Schüler einen historischen PISA-Tiefpunkt erreicht haben. Ob man ein schlechtes Ergebnis mit Verweis auf noch schlechtere Schüler mit Migrationshintergrund gutreden kann? Es erinnert ein wenig an den Drittklässler, der seine Fünf in Mathematik durch den Verweis auf die Sechs, die sein Freund Ahmend erhalten hat, gutreden will.
In einem Diskurs unter Erwachsenen sollte man darüber hinaus sein, vor allem, wenn man die Ergebnisse betrachtet, die sich einstellen, wenn man deutsche Schüler (also Schüler ohne beider Eltern Migrationshintergrund) mit Schülern vergleicht, deren Eltern einen Migrationshintergrund aufweisen. Wir haben das für die PISA-Studien, für die es vergleichbare Daten und Definitionen gibt, getan. Das Ergebnis sieht so aus:
Schüler mit zwei migrierten Eltern weisen auf geringerem Niveau denselben Verlauf auf, den deutsche Schüler aufweisen: Die Leistungen in Lesen und Mathematik werden schlechter, generell schlechter, ein klassischer Hinweis darauf, dass etwas faul ist im Bildungssystem.
Ein Verdacht, den ein Blick in den Anhang der Ergebnisse zu Kapitel 6 im nationalen Bericht für Deutschland bestätigt:
Zu sehen sind die Ergebnisse von Schülern unterschieden nach Migrationsstatus relativ zu “Schülern ohne Migrationshintergrund”. Die Zahlen geben an, um wie viel “Schüler ohne Migrationshintergrund” besser sind als die jeweiligen Migranten. Man sieht zum einen, dass Schüler mit Migrationshintergrund, die in Deutschland geboren wurden, generell besser abschneiden als Schüler, die mit ihren Eltern zugewandert sind, man sieht zudem, dass das Alter bei Zuwanderung einen erheblichen Effekt auf die Leistung zu haben scheint und man sieht darüber hinaus, dass die Unterschiede zwischen Schülern ohne Migrationshintergrund und Schülern mit Migrationshintergrund in Deutschland viel größer sind als im Durchschnitt der OECD bzw. der EU.
Und, wer genau hinsieht, der sieht etwas besonders Irritierendes: Der Standardfehler, der in Klammern angegeben ist, variiert von 5,85 bis 18,65, was darauf hinweist, dass die Ergebnisse hart an der Grenze zur Insignifikanz entlangschrammen. Um das einmal zu verdeutlichen, ein Wert von 57 mit einem Standardfehler von 5,85 bedeutet im Kontext von PISA, dass die Werte, der Abstand zu “Schülern ohne Migrationshintergrund” irgendwo zwischen 45 und 69 liegen. Ein solcher für einen Wert von 122 und einen Standardfehler von 17,75 verortet das “korrekte” Ergebnis irgendwo zwischen 86 und 188. Was man auf Grundlage derart schwammiger Werte aussagen kann, ist mir nicht klar, klar ist aber, dass im Kontext des methodischen Designs von PISA ein Standardfehler von rund 5 in etwa einem viertel Schuljahr entspricht, während ein Standardfehler von 18 einem ganzen Schuljahr entspricht. Die Spanne der Ergebnisse reicht somit von einem Viertel bis zu einem Schuljahr FEHLER. Man muss schon erhebliche Fehlertoleranz mitbringen, wenn man so etwas interpretieren will.
Aber wir waren bei den Migranten, die den “deutschen Schülern”, die es in der von “deutsch” nahegelegten “reinen Form”, wie oben beschrieben, nicht gibt, das Ergebnis verhagelt haben sollen. In diesem Zusammenhang ist es doch interessant herauszufinden, aus welchen Herkunftsländern diese “Schüler mit Migrationshintergrund” bzw. deren Eltern stammen. Und siehe da, diese Information halten die PISAner bislang geheim.
Man muss sie mühsam rekonstruieren. Die größten Gruppen von Schülern mit Migrationshintergrund, die an PISA 2022 teilgenommen haben, waren Schüler, deren Eltern in einem der Staaten der ehemaligen Sowjetunion geboren wurden, Schüler mit türkischen und Schüler mit polnischen Eltern. Ein guter Ausgangspunkt, um die wahrscheinliche Zusammensetzung der Schüler mit Migrationshintergrund im Hinblick auf ihre Herkunftsländer für die 1.931 Schüler, deren Tests in die Ergebnisse von PISA-2025 eingeflossen sind, zu bestimmen.
Eine weitere Hilfestellung findet sich in Nordrhein-Westfalen. Das dortige Kultusministerium veröffentlicht für jedes Schuljahr die Nationalitäten der Schüler. Wir haben es mit Neuntklässern zu tun, d.h. unsere Zeitrechnung beginnt im Schuljahr 2016/17, in dem die Schüler “mit Migrationshintergrund” aus den folgenden Herkunftsländern kamen:
Türkei (rund 44k),
Syrien (rund 34k),
Polen (rund 17k),
Irak (rund 14k),
Afghanistan (rund 12k),
Italien (rund 12k),
Rumänien (rund 11k),
Im Schuljahr 2024/2025 hat sich die Zusammensetzung verändert und sieht nun so aus:
Syrien (rund 88k);
Ukraine (rund 56k);
Irak (rund 28k);
Rumänien (rund 22k);
Afghanistan (rund 21k);
Polen (rund 20k);
Türkei (rund 20k);
Bulgarien (rund 17k);
Spanien (rund 10k);
Aus diesen Daten kann man mit relativer Sicherheit erschließen, dass die meisten, der in PISA-2025 getesteten Neuntklässler mit einem Migrationshintergrund aus
dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion;
der Türkei und
Polen
stammen. Schüler, die in der Türkei zur Schule gehen, und dort getestet wurden, schneiden in PISA-2025 indes besser ab als Schüler, die in Deutschland zur Schule gehen, für Schüler aus Polen gilt daselbe, Schüler aus der Ukraine oder Kasachstan, oder anderer ehemaliger Sowjet-Republiken deren Ergebnisse in PISA vorhanden sind, schneiden schlechter ab.
Die ursprüngliche Intuition, so mancher Kommentatoren, das schlechte Abschneiden vornehmlich Schülern mit syrischem, irakischem, afghanischem, vielleicht auch türkischem Migrationshintergrund zuzuschieben, geht also insofern ins Leere, als diese Gruppen unter den getesteten Schülern nicht in dem Maße vorkommen, wie es notwendig wäre, um einen Effekt auf das Gesamtergebnis auszuüben.
Fassen wir zusammen:
“Deutsche Schüler” sind in PISA als “Schüler ohne Zuwanderungshintergrund” definiert, diese Gruppe von Schülern umfasst Schüler mit einem Elternteil, das im Ausland geboren wurde. In vergangenen PISA-Studien finden sich diese Schüler bei “Schülern mit Migrationshintergrund”. Die Gruppe “deutsche Schüler” existiert in PISA nicht.
Schüler mit Migrationshintergrund, die an deutschen Schulen zu finden sind, weisen allesamt deutlich schlechtere Leistungen auf als Schüler mit Migrationshintergrund in anderen Ländern.
Die Leistungen aller Schüler in Deutschland sind im Vergleich der letzten PISA-Wellen schlechter geworden, unabhängig vom Migrationsstatus.
Solche Ergebnisse verweisen auf grundlegende, auf strukturelle Probleme eines Bildungssystems, das offenkundig nicht einmal in der Lage ist, Schüler zu integrieren, die in Deutschland als Kind ausländischer Eltern geboren und in Deutschland die institutionelle Schiene von Vorschule über Grundschule bis Sekundarschule durchlaufen haben.
Einige Kommentatoren wollen dieses Ergebnis daran festmachen, dass in manchen Haushalten (wer weiß in wie vielen?) mit zwei Eltern mit Migrationshintergrund nicht deutsch gesprochen werde.
Indes, Forschung zur Bilingualität von Schülern und deren Einfluss auf die schulische Leistung kommen gemeinhin zu dem Ergebnis, dass bilinguales Aufwachsen keinen Nachteil darstellt, sich im Gegenteil als Vorteil erweisen kann, in keinem Fall eine Erklärung für schlechtere schulische Leistungen ist.
Die Frage, was das im Vergleich zu vorhergehenden PISA-Studien schlechte Abschneiden deutscher Schüler in PISA-2025 erklärt, ist eine Frage, die teilweise, wenn nicht in weiten Teilen unabhängig von Migrationshintergrund beantwortet werden muss, eine Frage, die sich nicht ausschließlich mit dem Verweis auf die Leistungsfähigkeit von Schülern beantworten lässt, die vielmehr die Leistung und Qualität von Lehrern und Schulen berücksichtigen muss. Und in diesem Kontext gibt es mindestens drei Entwicklungen, die die Qualität schulischer Bildung in den letzten Jahrzehnten negativ beeinflusst haben:
Die Feminisierung des Lehrerberufs, die mit einer Reduktion der Lehrqualität einhergegangen ist.
Die Entprofessionalisierung des Lehrerberufs durch Verteilzeitlichung. Lehrer ist ein Vollberuf, kein Nebenjob.
Die Zerstörung des Curriculum durch ideologischen Junk. Die Zeit, die mit der Erkundung „hunderter Geschlechter“ vergeigt wird, fehlt für sinnvolle Dinge …
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In Schweden gehen alle Gruppen, mit Ausnahme von Schüleren die an Eliteschule in und um Stockholm lernen, nach unten. Der Abstand zwischen Bioschweden und den anderen dürfte ähnlich sein. Des Rätsels Lösung? Die lesen nicht mehr und eine Trainingsschule der 50 oder 60er Jahre ist verpönt. Ohne Lesen entwickeln die Kinder das deep reading nicht mehr. Viele verstehen einfache Textaufgaben nicht mehr. Man wird die Schüler aufteilen müssen: Leser und YouTube Konsumenten. Das wars. Abgesehen davon unterrichtet man hier in Mathe in der zweiten Klasse die Uhr. Wenige können die analoge Uhr ablesen. Viele werden das auch nie lernen. Training besteht aus Abschreiben von ein paar Buchstaben, oder bearbeiten von2-3 Aufgaben/Schultag. Das ganze ist verloren. Aber hej, wer braucht die alle später noch? Die Arbeit und Entwicklung macht die ai, den Mensch braucht man als Konsumenten. Zumindest noch.
Und wie gesagt, die Bildungselite geht weitestgehend auf Eliteschulen.
Schweden 2026…
sehr spannendes thema, danke für die aufarbeitung. ein paar fragen bzw. anmerkungen ergeben sich dann daraus:
1. mir schwant übles vor dem ergebnis der nächsten PISA studie – die zusammensetzung der migrationsgruppen bei der testung wird sich nicht positiv verändern.
2. interessant wäre ein vergleich der unterschiedlichen schultypen, insbesondere gymnasium vs. realschule. auch ein vergleich auf andere länder, die auf das konzept der gesamtschulen setzen, wäre spannend.
3. das problem der mehrsprachigkeit zuhause ist doch, dass die meisten eltern selbst nur eingeschränkte sprachkenntnisse aufweisen. ich habe mehrere fälle, im bekanntenkreis, wie auch in der familie, wo die kinder der dritten generation wieder schlechter deutsch sprechen, als zumindest ein elternteil. und wieso? weil zuhause gebrochen russisch, türkisch oder arabisch gesprochen wird.
Also liegt es an anderem, daß wir zunehmend Analphabeten als Schulabgänger haben.
– Rechenfertigkeiten: ich habe nie die Rechenleistung meiner Mutter erreicht, die als junge Frau an der Kasse noch von Hand addieren mußte. Einfach aus Mangel an Übung.
– Lesen, Schreiben: wenn da nicht irgendwann die Motivation zum Briefeschreiben entsteht, bleibt es mau.
Die Schwierigkeit ist wohl, den Schülern überhaupt ein Umfeld zu geben, in dem diese solche Kenntnisse auch anwenden könnten, denn das müßte wohl ziemlich künstlich sein heutzutage bei dem Übergewicht an audiovisuellen Medienformaten.
Davon ab sind natürlich auch solche schädlichen Experimente wie „Schreiben nach Gehör“ und „Rechtschreibreform“ sehr nachteilig für die Schüler, sowie die seit Aufkommen der Computer unkorrigierten fehlerbehafteten Texte (Zeitungen, Blogs, auch Bücher) allüberall, die den Lesern keine Vorbilder geben können.
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„Die Zeit, die mit der Erkundung „hunderter Geschlechter“ vergeigt wird, fehlt für sinnvolle Dinge …“
Und erst die Zeit die für die Einhämmerung vom Klimawahn, Selbsthaß und Schulkult verbrannt wird.
In Schweden gehen alle Gruppen, mit Ausnahme von Schüleren die an Eliteschule in und um Stockholm lernen, nach unten. Der Abstand zwischen Bioschweden und den anderen dürfte ähnlich sein. Des Rätsels Lösung? Die lesen nicht mehr und eine Trainingsschule der 50 oder 60er Jahre ist verpönt. Ohne Lesen entwickeln die Kinder das deep reading nicht mehr. Viele verstehen einfache Textaufgaben nicht mehr. Man wird die Schüler aufteilen müssen: Leser und YouTube Konsumenten. Das wars. Abgesehen davon unterrichtet man hier in Mathe in der zweiten Klasse die Uhr. Wenige können die analoge Uhr ablesen. Viele werden das auch nie lernen. Training besteht aus Abschreiben von ein paar Buchstaben, oder bearbeiten von2-3 Aufgaben/Schultag. Das ganze ist verloren. Aber hej, wer braucht die alle später noch? Die Arbeit und Entwicklung macht die ai, den Mensch braucht man als Konsumenten. Zumindest noch.
Und wie gesagt, die Bildungselite geht weitestgehend auf Eliteschulen.
Schweden 2026…
sehr spannendes thema, danke für die aufarbeitung. ein paar fragen bzw. anmerkungen ergeben sich dann daraus:
1. mir schwant übles vor dem ergebnis der nächsten PISA studie – die zusammensetzung der migrationsgruppen bei der testung wird sich nicht positiv verändern.
2. interessant wäre ein vergleich der unterschiedlichen schultypen, insbesondere gymnasium vs. realschule. auch ein vergleich auf andere länder, die auf das konzept der gesamtschulen setzen, wäre spannend.
3. das problem der mehrsprachigkeit zuhause ist doch, dass die meisten eltern selbst nur eingeschränkte sprachkenntnisse aufweisen. ich habe mehrere fälle, im bekanntenkreis, wie auch in der familie, wo die kinder der dritten generation wieder schlechter deutsch sprechen, als zumindest ein elternteil. und wieso? weil zuhause gebrochen russisch, türkisch oder arabisch gesprochen wird.
Also liegt es an anderem, daß wir zunehmend Analphabeten als Schulabgänger haben.
– Rechenfertigkeiten: ich habe nie die Rechenleistung meiner Mutter erreicht, die als junge Frau an der Kasse noch von Hand addieren mußte. Einfach aus Mangel an Übung.
– Lesen, Schreiben: wenn da nicht irgendwann die Motivation zum Briefeschreiben entsteht, bleibt es mau.
Die Schwierigkeit ist wohl, den Schülern überhaupt ein Umfeld zu geben, in dem diese solche Kenntnisse auch anwenden könnten, denn das müßte wohl ziemlich künstlich sein heutzutage bei dem Übergewicht an audiovisuellen Medienformaten.
Davon ab sind natürlich auch solche schädlichen Experimente wie „Schreiben nach Gehör“ und „Rechtschreibreform“ sehr nachteilig für die Schüler, sowie die seit Aufkommen der Computer unkorrigierten fehlerbehafteten Texte (Zeitungen, Blogs, auch Bücher) allüberall, die den Lesern keine Vorbilder geben können.