Neue Studie: Linke wollen Hilfe, andere wollen Freiheit

Warum wählen Wähler bestimmte Parteien? Warum sagen manche von sich, sie seien links oder rechts, liberal oder konservativ?

Lipset rokkanDiese Fragen bewegen die Politikwissenschaft seit langem. Entsprechend der langen Zeit, sind viele Antworten gegeben worden: Parteien und Wähler, so behaupten die einen, verbinde ein rationales Kalkül. Wähler wählten nach Sachthemen und die Partei, die ihre Interessen am besten vertritt. Weit gefehlt sagen andere: Wähler sind keine rationalen Akteure, sondern affektiv Getriebene: Sie wählen Kandidaten, die ihnen sympathisch sind. Wieder andere glauben, Wähler und Parteien befänden sich auf der selben Seite von Konfliktgräben (cleavages), die vor Jahrhunderten ausgehoben worden sind, zwischen Staat und Kirche, Arbeit und Kapitel. Wähler wählen also traditional, weil sie immer so gewählt haben. Schließlich gibt es die Forscher, die als Verbindung zwischen Partei und Wähler die Ideologie sehen, die Inszenierung dessen, woran die einen behaupten, zu glauben, was wiederum die anderen glauben.

Sie alle liegen daneben, wenn man die Ergebnisse einer Untersuchung, die Joshua J. Clarkson und fünf weitere Autoren gerade in den Proceedings of the National Academy of Science veröffentlicht haben: Nicht affektive Bindungen, rationale Wahlen oder traditionales Verhalten sind demnach die Ursachen der Parteiwahl und die Grundlagen einer Verbindung zwischen Wähler und Parteien, sondern ein psychologische Disposition: Wähler wählen Parteien, weil die Politiker der Parteien an eine bestimmte psychologische Disposition appellieren, kurz:

Für Wähler: Linke wollen Hilfe, alle anderen, also nicht-Linke wollen Freiheit.

Für Parteien: Rechte oder konservative oder liberale Parteien appellieren an Freiheit, linke Parteien bieten Hilfe.

Dieses Ergebnis reiht sich in eine Reihe entsprechender Ergebnisse ein, die Folgendes gezeigt haben:

  • Studenten, die sich als politisch nicht links einordnen, erreichen an Universitäten bessere Ergebnisse und zeigen bessere Leistungen als Studenten, die sich politisch links einordnen. Kemmelmeier, Danielson und Basten (2005) erklären dieses Ergebnis damit, dass nicht linke Studenten im Gegensatz zu linken Studenten häufiger der Ansicht sind, sie seien für ihre Handlungen und somit für ihre Leistungen verantwortlich.
  • Personen, die sich auf dem politischen Spektrum nicht links einordnen, attribuieren die Ergebnisse von Handlungen häufiger auf persönliche Leistung und Anstrengung, während Personen, die sich auf dem politischen Spektrum links einordnen, eher der Ansicht sind, die Ergebnisse von Handlungen seien durch Umstände determiniert und nicht durch die Leistung oder Anstrengung einzelner (Carroll et al., 1987).
  • Schließlich unterscheiden sich Personen, die sich auf dem politischen Spektrum nicht links verorten, von denen, die sich links verorten, im Hinblick auf die Wertschätzung, die sie dem freien Willen entgegen bringen. Nicht-Linke schätzen einen freien Willen höher ein als Linke, die den freien Willen gering schätzen oder abwerten (Carey & Paulus, 2013).

Clarkson et al. (2015) ergänzen die Phalanx dieser Ergebnisse mit einem weiteren Ergebnis: Personen, die sich links einordnen, haben weniger Selbstkontrolle als Personen, die sich nicht links einordnen. Moderiert wird diese Verbindung über die jeweilige Einstellung zum freien WIllen, die Clarkson et al. als locus of control modelliert haben, also als Überzeugung, man sei für die eigenen Handlungen verantwortlich bzw. als Überzeugung, dass man nur im Rahmen vorgegebener Strukturen handeln könne und entsprechend für seine Handlungen nur bedingt, wenn überhaupt verantwortlich sei: Je überzeugter die Probanden in den Experimente von Clarkson et al. davon waren, Herr ihrer eigenen Handlungen zu sein, desto mehr Selbstkontrolle hatten sie. Personen, die sich nicht links auf dem politischen Spektrum einordnen, waren häufiger die  Überzeugung, für ihre Handlungen verantwortlich zu sein:

“Three studies documented a clear difference in self-control as a function of political ideology, as political conservatism (…) was consistently related to greater self-control. Indeed, this enhanced self-control manifested in the form of attention regulation and task persistence. Moreover, these effects not only occurred across not only different indices of self-control but also different paradigms and different participant samples …” (Clarkson et al., 2015: 3).

Die größere Selbstkontrolle, die nicht-Linke an den Tag legen und die von der Überzeugung, für die eigenen Handlungen verantwortlich zu sein, moderiert wird, mündet somit in größere Persistent und Aufmerksamkeit bei der Lösung von Problemen.

Die Ergebnisse von Clarkson et al. (2015) passen gut zu Beobachtungen, wie man sie im täglichen Leben oder auch im Blog machen kann:

  • Free will Hobbes calvinDer Ruf nach Hilfe, nach dem Staat, nach einer Autorität, die die Randbedingungen für das eigene Leben möglichst so gestaltet, dass man ab besten nichts mehr tun muss und dennoch ein angenehmes Leben führen kann, ist unter Linken weit verbreitet.
  • Entsprechend sind Linke regelmäßig der Ansicht, das eigene Handeln sei in Strukturen eingebunden, die ein Vorankommen verunmöglichen, egal, wie sehr sie sich anstrengen würden, wenn sie sich anstrengen würden.
  • Linke sind häufig sehr erratisch in der Behandlung von Themen, d.h. sie bleiben nicht am Ball: Heute sind sie darüber engagiert, dass der Wald stirbt, morgen ist das Waldsterben vergessen und es wird der Bau und Erhalt von Kohlekraftwerken gefordert. Die Inkonsistenz linken Denkens kann man als Ergebnis mangelnder Selbstkontrolle, die sich in geringer Aufmerksamkeit und darin manifestiert, dass Linke schnell die Lust an ihrem neuesten Spielzeug verlieren.
  • Verantwortung, die ja auch immer voraussetzt, dass man zu dem steht, was man tut, ist unter Linken nur in verkümmerter Form, wenn überhaupt vorhanden. Die Folgen politischer Entscheidungen werden nicht thematisiert. Die Tatsache, dass linke Bildungspolitik die Bildungschancen von bereits mehr als einer halben Million Jungen zerstört hat, wird ignoriert und es wird im Schutze der Anonymität agitiert. Alles Indikatoren dafür, dass Linke keine Verantwortung für ihr Handeln übernehmen wollen.
  • Schließlich ist es mit vielen Linken nicht möglich, über Fakten und deren Erklärung zu reden, geschweige denn, zu diskutieren. Mit Fakten konfrontiert, die ihrer Ideologie widersprechen, gehen sie sofort in den Verteidigungsmodus, reagieren affektiv, beleidigt und beleidigend und unterbinden jede Möglichkeit, über die Erklärung von Fakten zu reden und damit, auf die Fakten zu reagieren.

Das soll genügen, um die generelle Tendenz der Ergebnisse, die Clarkson et al. (2015) gerade publiziert haben, deutlich zu machen: Nicht-Linke sehnen sich nach Freiheit und danach, vom Staat in Ruhe gelassen zu werden, sie wollen Verantwortung für ihr Leben übernehmen und in eigener Regie von den Ergebnissen ihrer Leistung leben. Linke fürchten Freiheit, rufen nach dem Staat und wollen, dass ihr Staat ihnen hilft. Dafür sind sie nur zu bereit, Freiheit zu opfern, im Austausch für Transferzahlungen, nach deren Erhalt sie sich einbilden können, sie hätten einen Selbstwert.

Die Erklärung politischer Präferenzen scheint sehr einfach.

Zur Untersuchung:
Die Untersuchung umfasst drei Experimente mit 147, 176 und 135 Probanden. Die Probanden mussten einen Stroop-Test absolvieren, mit dem das Ausmaß ihrer Selbstkontrolle erhoben wurde. Sie gaben ihre politischen Präferenzen an und beantworteten Fragen, mit denen ihre Einstellung zu freiem Willen und Selbstwirksamkeit gemessen wurden.

Literatur

Carey, Jasmine M. & Paulus, Delroy L. (2013). Worldview Implications of Believing in Free Will and/or Determinism: Politics, Morality and Punitiveness. Journal of Personality 81(2): 130-141.

Carroll, John S., Perkowitz, William T., Lurigio, Arthur J. & Weaver, Frances M. (1987). Sentencing Goals, Causal Attribution, Ideology, and Personality. Journal of Personality and Social Psychology 52(1): 107-118.

Clarkson, Joshua J., Chambers, John R., Hirt, Edward R., Otto, Ashley S., Kardes, Frank R. & Leone, Christopher (2015). The Self-Control Consequences of Political Ideology. Proceedings of the National Academy of Science (PNAS): Online first.

Kemmelmeier, Markus, Danielson, Cherry, & Basten, Jay (2005). What’s in A Grade? Academic Succes and Political Orientation. Personality and Social Psychology Bulletin 31(10): 1386-1399.
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19 Responses to Neue Studie: Linke wollen Hilfe, andere wollen Freiheit

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  2. Meier, Hans (Kempten says:

    Lechts und rinks

    Amerikanische und deutsche politische Begriffe sind nicht deckungsgleich. “Liberal” deckte in Deutschland immer ein “mittleres” Spektrum mit linkem und rechtem Flügel ab, wobei “liberal” im Sinne der Betonung individueller Freiheitsrechte viel von dem beinhaltet, was jenseits des großen Teiches als “konservativ” gilt. Umgekehrt gab es in Deutschland immer einen korporativ denkenden Konservativismus, der – wie die Linke – NICHT an den Freiheitsrechten des Individuums interessant war, sondern an dessen Einpassung in Kollektive.

    Simple Wort-zu-Wort-Übersetzung kann da eher Verwirrung als Klarheit stiften.

    Rinks und lechts kann man nicht velwechsern. Werch ein Jandr!

    • Deswegen ist im Text von Links und nicht-Links die Rede.

      • Meier, Hans (Kempten says:

        Klar, aber: Was ist z.B. mit dem einstigen linken FDP-Flügel (Baum etc.), dem es weniger um ökonomische Fragen als gerade um Bürgerrechtsfragen ging. Das waren dort ja die Linken???? Zumindest mit Sicherheit keine Nicht-Linken????

        • Gerhard Baum ist doch nicht links. Was haben Bürgerrechtsfragen mit Links zu tun? Mir scheint Gegenstand und Inhalt linker Positionen gerade nicht darin zu bestehen, Bürgerrechte und Beteiligung von Bürgern z.B. in Volksbefragungen und Ähnlichem durchsetzen zu wollen. Noch weniger kann ich auch nur eine irgendwie geartete Toleranz für abweichende Meinungen sehen, ein Kern dessen, was Baum u.a vertreten haben.

          • Meier, Hans (Kempten says:

            “Baum gilt neben Burkhard Hirsch und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger als profiliertester Vertreter des linksliberalen Flügels der FDP”

            Quelle:

            http://sciencefiles.org/2015/06/23/neue-studie-linke-wollen-hilfe-andere-wollen-freiheit/#comment-54736

            Im Prinzip haben wir es bei unserer kleinen Diskussion mit den Folgen einer schleichenden Begriffsveränderung von “links” zu tun. Tatsächlich ist vieles von dem, was sich heute in Deutschland “links” nennt ein Ergebnis korporationistischen Kollektivdenkens, wie es Faschismus und Bolschewismus gemeinsam ausgezeichnet hat.

            Die aus dem späten 18. Jahrhundert (Französische Nationalversammlung) stammende Differenzierung zwischen links und rechts hat ihre Funktionalität verloren. Diese Begriffe sagen nicht mehr wirklich etwas aus, weil sie zu Phrasen geworden sind, die völlig widersprüchliche Inhalte eher überdecken als präzise bezeichnen.

            • SZ says:

              Mein persönlicher Eindruck zur Begriffsveränderung:

              Ich bin 1976 in Bayern geboren und habe dort bis 1998 gelebt. Solange ich politisch denken konnte, wurde Deutschland von den Konservativen regiert. In Bayern die CSU (Strauß habe ich noch miterlebt) und in Deutschland Kohl. Da ich selbst aus einer Arbeiterfamilie stamme, war die Affinität zur SPD für mich normal. Ich habe mich stets links gefühlt, in der Pubertät deutlich links.

              Heute ist es nun so, dass ich in Berlin lebe und feststellen muss, dass die Ansichten, die ich vor 20 Jahren hatte und die vor 20 Jahren in meiner bayerischen Heimat als “links” galten, in diversen Berliner Kreisen als “rechtspopulistisch” diffamiert werden. (Warum gibt es eigentlich den Begriff “linkspopulistisch” nicht wirklich?).

              Mit anderen Worten: obwohl meine eigenen Ansichten sich nicht radikal geändert haben, werde ich heute auf der stramm rechten, zumindest jedoch auf der konservativen Seite verordnet, obwohl ich mich selbst immer noch eher als “linksliberal” sehe. Was mich besonders frustriert ist, dass ich keine politische Wahl habe. Ich fühle mich nirgends politisch zuhause. Die Parteien des linken Spektrums sind für mich allesamt unwählbar geworden und bei den Konservativen sieht es auch nicht besser aus, wobei da zumindest weniger Ideologie in den Parteiprogrammen ist.

              Der politische Zeitgeist hat sich in den letzten 20-30 Jahren massiv nach links bewegt. Dies ist nicht nur schlecht, wenn man bedenkt, dass heutzutage Homosexuelle auch in konservativen Parteien zu ihrer sexuellen Orientierung stehen können, ohne Repressalien erwarten zu müssen.

              Wie dem auch sei: ich denke, dass das Pendel bald wieder in die andere Richtung ausschlagen wird und wir vielleicht in den nächsten 10-20 Jahren wieder vernünftiger über gesellschaftliche Entwicklungen sprechen können als dies derzeit der Fall ist. Was mich vor allem frustriert, ist die Argumentationsverweigerung der heutigen Linken. Da tritt die Diffamierung anstelle der inhaltlichen Auseinandersetzung. Da wird das persönliche Empfinden höher gewichtet als Fakten (Christopher Hitchens sagte einst so schön: “You´re offended? I´m still waiting for your argument!”). Und das Schlimme ist: die kommen damit durch! Meine Vermutung: Die linken Parteien werden hauptsächlich von Geisteswissenschaftlern gewählt, die in der Universität lernen, dass grundsätzlich jedes Argument valide ist, wenn es eloquent genug vorgetragen ist und dass Logik nur ein Spleen der gefühlskalten Naturwissenschaftler ist.

              • Linksliberal ist Unsinn, ist ein Widerspruch in sich. In den USA ist liberal eher links? vielleicht daher die Verwirrung?
                Rechts oder links ist eigentlich egal. Sicher, man kann da vielleicht Unterschiede herausrechnen. Das ist aber unwesentlich. Wesentlich ist der Konflikt zwischen staatlich und freiheitlich. Rechte und Linke stehen auf der staatlichen Seite, sind eher Feinde der individuellen Freiheit.

                Carsten

                Das Leben ist Kampfsport

    • rjb says:

      Angesichts beispielsweise dieser Sache
      https://juliareda.eu/2015/06/panoramafreiheit-in-gefahr/
      und der Rolle, die ein sog. “Liberaler” dabei spielt, bin ich sehr im Ungewissen, ob das Prädikat “liberal” überhaupt noch irgendeine faßbare Bedeutung hat. Was nicht heißen soll, daß das in Bezug auf “konservativ” oder “sozialistisch” besser wäre. Es gibt kein brauchbares Vokabular mehr für grundlegende politische Ausrichtungen. Das ist alles kaputtideologisiert/propagandisiert/geschwurbelt.

  3. A.S. says:

    Es hat sich ein Weltbild entwickelt, in dem Links irgendwie zum Synonym für Gut geworden ist. Ich hab den Eindruck, viele setzen den Wunsch nach Gleichberechtigung, Gerechtigkeit, Frieden usw. mit einer linken Haltung gleich. Und Rechts ist dann das Gegenteil. Das findet auf einer reinen Affektebene statt, Argumente oder gar Definitionen der Begriffe findet man nicht. Eine inhaltliche Trennung zwischen Rechts und Links macht im heutigen Deutschland kaum noch Sinn. Argumente werden durch Brüllen und manchmal durch Gewalt ersetzt. Beispiele sind der Umgang mit Tilo Sarrazin, mit Bernd Lucke, mit Wilders, mit Eva Herman, mit Heinz Buschkowsky usw.
    Alles Leute, bei denen es starke Versuche gegeben hat sie mit dem Begriff „Rechts“ zu „bösen Menschen“ zu stempeln. Da ging es nie um die Argumente oder eine sachliche Auseinandersetzung, sondern gleich um Gut vs. Böse.
    Konsequenter weise gibt es auch massenhaft Veranstaltungen „gegen Rechts“. Nicht Rechtsextremismus, sondern schon Rechts ist „böse“. Veranstaltungen „gegen Links“ gibt es dagegen schlicht nicht. Auch da ist Rechts böse und Links gut.

    Wenn man mangels eigener Standfestigkeit eine fremde Gruppenidentität übernehmen muss, dann bietet sich z.Z. Links sein einfach an. Leute, die eine externe Identität suchen, übernehmen dankbar das, was der Zeitgeist als „Gut“ anbietet. Das ist im Moment nun mal links. Sofort kann man sich als Kämpfer für das Gute fühlen und dabei auch der eigenen Krawalllust frönen, sich schlicht gehen lassen. Das kann man an der sog. Antifa z.Z. genaustens beobachten.

  4. jakob sparrov says:

    Danke für diesen Artikel!

  5. Wahr-Sager says:

    Ein hochinteressanter Artikel! Die Meinungsforscherin Professor Dr. Elisabeth Noelle schrieb 2003 in einem FAZ-Artikel mit dem Titel “Der Linkstrend ist gestoppt” (womit sie leider unrecht hatte) u. a. folgendes:
    “Links steht für den Wert der Gleichheit, rechts für Differenzierung, Unterschiede individueller, sozialer und nationaler Art.
    Linke Werte sind Nähe, Wärme, Formlosigkeit im Umgang mit anderen Menschen, Spontaneität. Rechte Werte sind Distanz, Disziplin und Umgangsformen. Im Deutschen gehört dazu die sprachliche Unterscheidung zwischen ‘du’ und ‘Sie’.
    Aus linker Sicht wird der Mensch vor allem durch sein Milieu geprägt, die Gesellschaft wird für das Schicksal des einzelnen verantwortlich gemacht. Aus rechter Sicht liegt die Verantwortung dagegen beim Individuum, der einzelne ist für sich selbst verantwortlich.”
    Und als Ergebnis einer Umfrage des Allensbacher Instituts im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ergab sich:
    “So sind für die Mehrheit der Bevölkerung Patriotismus, der Stolz auf das Vaterland ebenso als rechts einzustufen wie das Eintreten für eine entschiedene Bekämpfung der Kriminalität. Als links gilt dagegen das Streben nach sozialer Gerechtigkeit und nach der Gleichberechtigung der Frauen in der Gesellschaft.”
    Ich finde diese Einteilung auch heute noch ziemlich brauchbar, wenngleich es aber sicherlich auch Überschneidungen und Gemeinsamkeiten gibt. So wäre es paradoxerweise eine linke Sichtweise, wenn z. B. Rechte die Gesellschaft für das Schicksal des Einzelnen verantwortlich machen, weil sie sich einer politischen Ideologie unterwirft, die Andersdenkende ins gesellschaftliche Aus manövriert.
    Links und rechts schließen sich also keineswegs aus, nur wird der Begriff “rechts” infolge des Einflusses der heute noch an den Schalthebeln von Politik und Medien sitzenden Alt-68er missbraucht, indem Rechte oft mit Extremisten oder aber (Neo-)Nazis (wobei ich hier aber auch anmerken möchte, dass wir quasi alles, was wir über Nationalsozialismus wissen, von den – gleichgeschalteten – Medien präsentiert bekommen, die wiederum fremden Interessen unterstehen) gleichgesetzt werden, was sich im “Kampf gegen rechts” ausdrückt, dem sich Kirchen, Gewerkschaften, Parteien, Medien, Sportverbände, Universitäten, Stiftungen und “demokratisch orientierte” gesellschaftliche Gruppen und Organisationen, regionale Initiativen und Bündnisse anschließen – eine beeindruckende Solidaritätsfront. Diesbezüglich wird von den etablierten Politikern und Anti-Rechts-Kämpfern auch gern der Begriff der “Zivilcourage” in den Raum gestellt, wobei fraglich ist, was daran mutig ist, sich in der Regel friedlich demonstrierenden “Nazis” in den Weg zu stellen, wenn auf jeden Gegner etwa 1.000 Gesinnungsfreunde kommen. So fragte bezeichnenderweise in einem “Junge Freiheit”-Artikel (“Der Feind im eigenen Land”) aus dem Jahr 2000 der Publizist Claus-Martin Wolfschlag, ob “Zivilcourage” im bundesdeutschen Neusprech möglichenfalls ein anderes Wort ist für das, was man früher “Mitläufertum” nannte…
    In diesem Kontext sei das folgende Buch des Soziologen Manfred Kleine-Hartlage wärmstens empfohlen: http://antaios.de/gesamtverzeichnis-antaios/einzeltitel/3854/die-sprache-der-brd.-131-unwoerter-und-ihre-politische-bedeutung

  6. Martin says:

    “Schließlich ist es mit vielen Linken nicht möglich, über Fakten und deren Erklärung zu reden, geschweige denn, zu diskutieren. Mit Fakten konfrontiert, die ihrer Ideologie widersprechen, gehen sie sofort in den Verteidigungsmodus, reagieren affektiv, beleidigt und beleidigend und unterbinden jede Möglichkeit, über die Erklärung von Fakten zu reden und damit, auf die Fakten zu reagieren.”

    Ich habe über etliche Jahre recht intensive Diskussionen mit Religiösen aller (naja, vieler) Couleur geführt, vor allem mit Evangelikalen, Kreationisten und ähnlichen Richtungen. Mein Wandel “weg von links” begann eigentlich dann, als mir bewußt wurde, das die Argumentations- und Verhaltensweisen sehr vieler Linker sich kein bischen von denen der religiösen unterscheiden.

    “Links” ist halt auch nur eine Religion.

  7. Pingback: Uranus – Neptun | Blue's Astrologie Café

  8. BeFree says:

    “Für Wähler: Linke wollen Hilfe, alle anderen, also nicht-Linke wollen Freiheit.”
    Interessanterweise korrespondiert diese Aussage mit einer US-Untersuchung auf einer anderen Ebene, die sich mit dem Problem der Übergewichtigkeit und der mentalen Bereitschaft etwas dagegen zu unternehmen, auseinandersetzt und dessen Ergebnis sich so zusammenfassen lässt:
    “STUDY: Conservatives better at dieting than liberals… Link between political ideology and ability to exert self-control**”
    [Übers./Interpretation: Studie: Konservative sind bei Diäten erfolgreicher als Linke …. Link/Verbindung zwischen politischer Ideologie und der Fähigkeit zur Selbstkontrolle]
    (**Quellen: http://investmentwatchblog.com/study-conservatives-better-at-dieting-than-liberals-link-between-political-ideology-and-ability-to-exert-self-control/#H0gJz6rjdpbQ4F03.99
    und ausführlicher in der LAtimes: http://www.latimes.com/science/sciencenow/la-sci-sn-study-conservatives-liberals-self-control-20150619-story.html)

    Fazit: Wer links wählt, ist bequem und sucht eher danach vom Staat bzw. der Solidarität anderer ohne oder mit nur geringem eigenem Aufwand irgendwie am Ende gerettet zu werden.
    Wer konservativ, also eher rechts wählt, rettet sich selbst ohne Inanspruchnahme der Solidargemeinschaft.
    Daraus lässt sich ableiten, warum links sein so attraktiv ist: Weil es der menschlichen Faulheit weitgehend entgegenkommt, Denkverbote dankbar annimmt, Alternativen bekämpft, weil die Auseinandersetzung damit ja eine Mühe bedeuten würde, der man sich gerne entzieht.
    Gibt es zu links eigentlich noch mehr zu sagen, als dass der Weg dorthin immer der in die Unfreiheit ist. Mit jedem Schritt weiter nach links wächst die individuelle Unfreiheit exponentiell an.
    Dies kann man aktuell in der EU in vivo verfolgen, wo die Soziale Marktwirtschaft hin zu einer kommunistisch-sozialistischen Planwirtschaft umfunktioniert wird, weshalb die EU und der EURO den Linken so gut gefällt.
    Wobei sie blöderweise nicht bemerken, dass sie damit nichts weiter als das Werk des verhassten Großkapitals befördern. Wie blöd muss man eigentlich sein, um links zu sein?

  9. Florian Geyer says:

    Wer sich noch an die unglaubliche “Hilfe” erinnern kann, die man in der DDR vom Regime zugeteilt bekam, der weiß:
    Linke “Hilfe” besteht aus Konzentrationslagern, Todesstreifen und Mauerschützen!
    Und wer das zurückwill, dem kann sowieso keiner helfen!

  10. hausfrau says:

    Stichwort “Ruf nach Hilfe” von den Linken:
     
    “Links” hat man recht genaue Vorstellungen, wie der Mensch _zu sein hat_, damit er in die jeweiligen Utopien passt, und man geht dabei von einem prinzipiell völlig formbaren Wesen aus, wie einer Tablua rasa, auf der dann der Neue, der sozialistische, der grüne Weltmensch entworfen wird.
    Wer in dieses Design nicht passt oder passen will, muss passend gemacht werden, und in den Fällen, da dies nicht funktioniert, wird der Mensch zum “Element”, ausgesondert und “gesäubert”, sonst verhindert es ja das Entstehen der schönen, neuen Welt.
    Doch solang diese nicht verwirklicht ist, kann der einzelne Linke für gar nix, “denn die Verhältnisse, sie sind nicht so”, erst muss also erst der Umsturz her.

    Man könnte auch sagen, dass die Linken zu ständigem Umsturz verdammt sind, anders können sie ja nicht erklären, warum das Paradies immer noch nicht herrscht.
    Und im Umsturz denkt man doch nicht an so schnöde Dinge wie die eigene Daseinsfürsorge. So was tut ein Revolutionär doch nicht! Ganz im Gegenteil! Man RETTET doch DIE WELT (die Menschheit, das Klima, den Planeten, etcpp).
    Und das tun die Linken doch nicht für sich, nein, das tun sie für UNS ALLE, da können wir doch auf die paar lumpigen Kröten verzichten, nicht? Ist doch zu nur unserem Besten.
    Da spielt es auch keine Rolle, ob sie heute da und morgen dort helfen. Hauptsache geholfen, und sie “rufen nach Hilfe” doch nur, damit sie UNS ALLEN endlich/richtig/besser helfen können (zeigen, wo’s lang geht).

    Und wenn sich die Utopie einfach nicht realisiert? Dann müssen a) mehr von denen her, die nur unser Bestes wollen, wofür sie wiederum unsere Hilfe “verdienen”, denn es ist b) der Beweis für rechte/böse/kapitalistische/… Kräfte, die verhindern, dass sie uns allen helfen können, also muss der Umsturz doch ERST RECHT vorangetrieben werden, nicht? ad infinitum….

    Das ist ein wirkmächtiges und praktisch vollständig immunisiertes Narrativ, da find’ mal was gegen …
     
    “Rechts” wiederum sagt man, _der Mensch ist halt so_, sein So-Sein eine anthropologische Konstante, deren gute Seiten zu fördern und weniger gute in Schach zu halten sind. Für dieses In-Schach-halten wird zwar ebenfalls auf das Kollektiv zurückgegriffen (in der Regel als Mittel zum Zweck, nicht als Ziel), aber auch Selbstkontrolle und Eigenverantwortlichkeit gefordert.
     
    Dafür läuft man dort Gefahr, sich oft mit eigentlich unhaltbaren Zuständen abzufinden und in Resignation oder Fatalismus zu flüchten, indem man sagt, “so ist er halt, der Mensch”.
    Außerdem wird schnell befürchtet, wenn man etwas ändert, könne plötzlich “das Schlechte” überhand nehmen, wogegen dann auch schon mal gerne Tabus und jede Menge Sanktionen in Stellung gebracht werden. Zudem kommt oft noch ein sakrales Element ins Spiel …

    Könnte man sagen, dass die nicht-linke/rechte Seite wenigstens prinzipiell anschlussfähig ist für Wissenschaft und Liberalismus, während es für den Zirkelschluss der Linken kein Korrektiv außer einem Paradigmenwechsel gibt?

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