Warum Deutsche so leicht zu regieren sind

Vor einigen Jahrzehnten haben Gabriel Almond und Sidney Verba ihr Buch “The Civic Culture” veröffentlicht, in dem sie Deutschland als subject culture eingeordnet haben, d.h. es gibt in Deutschland ausgeprägte Institutionen, aber die Bürger nehmen keinen Anteil an ihnen, sie lassen die Institutionen gewähren, so als ginge es sie nichts an, denken z.B. nicht, dass die Ausgaben eines Ministeriums etwas mit ihnen zu tun haben.

civic cultureMan kann einen derartigen Staat auch einen Obrigkeitsstaat nennen, der von einer entsprechenden Mentalität getragen ist, die sich quer durch das politische Spektrum findet. Egal, welche Probleme zu lösen sind, viele Deutsche suchen die Lösung immer bei einem “Über-Ich”, bei einem Pater Familias, dem WDR-Rundfunkrat oder der Petitionsseite des Bundestags. Kaum jemand kommt auf die Idee, die Dinge in die eigene Hand zu nehmen, die eigene Bedeutungslosigkeit scheint davor zu sein.

Und genau dieser Glaube an die Obrigkeit, er definiert den Unterschied zwischen der subject culture und der participatory oder civic culture, in der die Bürger Institutionen als Dienstleister sehen, die zu tun haben, was die Bürger von ihnen verlangen und damit sie tun, was von ihnen verlangt, wird muss man sie kontrollieren.

Zum Beispiel muss man kontrollieren, was sie mit Steuergeldern machen.

So haben wir gestern darüber berichtet, dass die britische TaxPayers’ Alliance die Verwendung der 1,46 Milliarden Euro kontrolliert hat, die die EU in “Creative Europe” steckt, um nach außen hin Kultur zu fördern und tatsächlich Einfluss auf die Fernsehprogramme, die Europäern zugemutet werden, zu nehmen und sie zu manipulieren.

In einer civic culture, in der den Bürgern klar ist, dass die entsprechende Finanzierung aus Steuergeldern (also von ihnen) stammt, ist die normale Reaktion auf einen Bericht wie den der TaxPayers’ Alliance Verärgerung über die Verwendung der Steuergelder, gefolgt vom Ruf nach stärkerer Kontrolle und letztlich nach einer Beendigung der Finanzierung absurder Projekte mit den Geldern der Steuerzahler.

Nicht so in Deutschland.

In Deutschland suchen manche nach einer Rechtfertigung für die Zweckentfremdung von Steuergeldern, eine Rechtertigung, die entweder auf einer Form von Egomanie basiert, die die eigenen Vorlieben so hoch setzt, dass die Tatsache, dass Steuermittel aufgebracht werden müssen, und zwar von allen, um diese Vorlieben zu finanzieren, so weit in den Hintergrund tritt, dass sie nicht mehr sichtbar ist – oder die Ausgaben werden als “Peanuts” angesehen und man wird bezichtigt, dadurch, dass man auf derart mickrige Summen, wie ein paar Milliönchen und ihre Veruntreuung hinweise, wolle man das große Ganze der EU in Misskredit bringen, denn natürlich ist das große Ganze der EU nicht so korrupt, wie das kleine Ganze, das man gerade als korrupt dargestellt hat.

Gegen derart psychologisch motivierte Realitätsverweigerung ist man so lange machtlos, so lange es nicht möglich ist, die Kosten für die eigenen Vorlieben denen aufzubürden, die die Vorlieben haben bzw. die wenigen Milliönchen, die zweckentfremdet wurden, von denen gegenfinanzieren zu lassen, die es nicht schlimm finden, dass ein paar Milliönchen zweckentfremdet wurden.

Mit anderen Worten: Das Problem besteht darin, dass Einzelne die Externalitäten ihrer Meinungen nicht zu tragen haben. Deshalb können sie durch die Welt randallieren und den Unsinn, den sie für eine Meinung halten, von sich geben, wobei sie nicht mit affektiven Zuweisungen und Beschimpfungen sparen und sich in das kumulieren, was sie schon immer einmal sagen wollten.

Egomanie und psychologische Schäden, sie gehen hier Hand in Hand, die Egomanie, die das “Ich” über alles setzt und der psychologische Schaden, der denkt, das “Ich” habe einen Anspruch von anderen wahrgenommen zu werden, sei ein Wert an sich und die Welt als ganzes ein großer Umverteilbahnhof, bei dem das Geld aus der Steckdose kommt, und niemand dafür arbeiten muss.

Nach unserer Auffassung handelt es sich bei diesen Personen um fragile Persönlichkeiten, und es sind diese fragilen Persönlichkeiten, die verhindern, dass Deutschland sich auf den Weg in eine civic society macht, fragile Persönlichkeiten, die Halt nur in der Zuordnung zu Autoritäten finden und Ordnung im Leben nur dadurch gewinnen, dass sie Vorgaben übernehmen und eigenes Denken durch affektive Vorlieben ersetzen.

Zum Vergleich eine Reaktion von der Insel aus der Daily Mail.

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16 Responses to Warum Deutsche so leicht zu regieren sind

  1. Pingback: [Kritische Wissenschaft] Warum Deutsche so leicht zu regieren sind

  2. rote_pille says:

    Aber wie wollen wir jemals die Kosten den Verantwortlichen aufbürden? Die scheuen sich nicht davor, die Gelder des Staates zu verwenden, die der Staat uns vorher unter Androhung von Gewalt abgenommen hat. Effektiv rauben sie uns also legal aus. Diskussion mit denen ist nicht möglich, da die kein Interesse an Gerechtigkeit haben, solange sie von der Ungerechtigkeit so sehr profitieren. Mit friedlichen Mitteln wird man die nicht zur Einsicht bringen können.

  3. Nils says:

    “…die Halt nur in der Zuordnung zu Autoritäten finden und Ordnung im Leben nur dadurch gewinnen, dass sie Vorgaben übernehmen und eigenes Denken durch affektive Vorlieben ersetzen.”

    Das könnte man schon auch historisch betrachten.

  4. Hawey says:

    Hat dies auf meinfreundhawey.com rebloggt und kommentierte:
    Müsste eher heißen warum Deutsche so leicht zu verführen sind.

  5. zrwd2 says:

    Die Rede um den Glauben an die Obrigkeit entspricht dem linken Klischeedenken der 60er und 70er. Es bringt nichts und ist falsch.

    Vielmehr sollte man die personelle Zusammensetzung der politischen Eliten betrachten, von denen ungewöhnlich viele berufslos sind und eine extremistische Biographie aufweisen. Das gleicht der Zusammensetzung des NS von 1933 und ist tatsächlich das Alleinstellungsmerkmal Deutschlands innerhalb westlicher Demokratien.

    Entsprechend stehen die Bürger fassungslos vor ihrer eigenen politischen Entmündigung und müssen sich von Gestalten, die in der freien Wirtschaft max. Würstchen verkaufen dürften, auch noch als Rassisten etc. beleidigen lassen.

  6. Pingback: Aktuelles vom 3.9.2015 und: …die totale Blockade des Stoffwechsels – Fettsucht | mikeondoor-news

  7. Horst says:

    Ich frage mich, welche Möglichkeiten der Bürger hat, der nicht auswandern kann oder möchte?
    Petitionen überzeugen mich nicht wirklich, denn sie sind nicht mehr als eine Bitte an z.B. den
    Bundestag. Eine Bitte ist ein schwaches Instrument.

    Als GEZ-Jungfrau leiste ich zumindest keinen finanziellen Beitrag zur Erhaltung der
    Staatspropaganda. Seit 2013 macht das so richtig Spass. Mein Schnellhefter ist prall gefüllt mit
    Schreiben des “Beitragsservice”, die meisten davon haben keinerlei rechtliche Bewandnis.
    Zwei dieser Schreiben sind Festsetzungsbescheide und enthalten eine Rechtsmittelbelehrung, worauf unverzüglich Widerspruchsschreiben meinerseits erfolgten, welche per
    Einschreiben/Rückschein versandt wurden. Der letzte Widerspruch liegt nunmehr einige Monate
    zurück und seither ist Ruhe. Es folgten weitere Schreiben, jedoch ohne Rechtsmittelbelehrung,
    welche lediglich abgeheftet wurden.
    Außer den Einschreibebriefen zu je 5 Euro sind bisher keine Kosten entstanden.

    Als nächstes möchte ich das Thema Energieumlage angreifen und bin auf der Suche nach
    brauchbaren Quellen, welche mir das nötige Rüstzeug geben sollen.
    Der Gewerbetreibende könnte sich dem Thema IHK-Zwangsbeitrag widmen.

    M.E. ist das beste Mittel, den Geldhahn für den hier genannten Schwachsinn abzudrehen.
    Leider gibt es nicht viele Menschen, die in dieser Richtung aktiv werden.
    Würden mehr Menschen den Mut zu solchen Maßnahmen aufbringen, würde das alle
    “Querulanten” entlasten.

    Welche Möglichkeiten hat der Bürger sonst noch, dem Unsin etwas entgegen zu setzen?
    Keine Steuern zahlen dürfte schwierig werden…

    • @Horst

      In jedem Fall finde ich es prima, dass Sie mit den Mitteln, die Ihnen zur Verfügung stehen (und die Sie als solche erkennen), Widerstand zu leisten, anstatt bloß darüber nachzusinnen, dass es so schwierig ist, überhaupt Widerstand zu zeigen, und man ja keine Mittel habe!

      Was Sie zeigen, ist eine sehr weitgehend kostenfreie und leicht in den Alltag zu integrierende Form der systematischen Nicht-Zusammenarbeit, wie sie zu den klassischen Mitteln des friedlichen Widerstands zählt. Aber ich fürchte, Sie gehören in Deutschland einer kleinen, fast hätte ich gesagt: avantgardistischen, Minderheit an, die den Weg in die Zivilgesellschaft weisen könnte, wenn ihn nur mehr Leute in Deutschland beschreiten wollten!

      Aber dazu fehlt wohl den meisten das Rückgrat, eben wegen der Obrigkeitshörigkeit, die in Deutschland alles andere als überwunden ist.

      • Horst says:

        @Frau Doktor

        Danke für die Blumen.

        Leider ist es mir bisher nicht gelungen, andere Menschen davon zu überzeugen,
        es ebenfalls zu versuchen und ihr Lastschriftmandat zu widerrufen.
        Ich wäre auch mit dem “Papierkram” behilflich.
        Wenn ich nur wüsste, welchen Schalter man beim Gegenüber dazu drücken muss.
        Bisher erhalte ich als Antwort nur : “die 17,50€ tun mir nicht weh” oder
        “ist mir zuviel Aufwand”.
        Mir tun sie auch nicht weh und der Aufwand ist überschaubar, wenn man seine Zeit
        nicht vor der Glotze vertrödelt. Die üble Propaganda hingegen ist unerträglich.

        @Michael Klein

        Über’s Auswandern habe ich auch nachgedacht, alleine schon deshalb, weil mir die
        “Schafigkeit” meiner Mitmenschen sehr zuwider ist.
        Sollte ich mein Einkommen zukünftig via Internet generieren können, wird das zu einer
        realistischen Option.

    • Fiete says:

      GEZ? Betrachte ich als unerwünschte Reklame und behandle den Mist auch so. Landet mit der restlichen Werbung im Altpapier.

      • Horst says:

        @Fiete
        Das ist kein guter Tipp. Die gedankenlose Entsorgung dieser Schreiben, wie sie bis
        Ende 2012 möglich war, kann heutzutage unangehmen, bzw. teuer werden.
        Daher sollte man die Briefe des “Beitragsservice” unbedingt auf das Signalwort
        “Rechtmittelbelehrung” prüfen und dann zeitnah, wie oben beschrieben, reagieren.
        Für eine etwaige Klage in erster Instanz vor dem Verwaltungsgericht besteht kein Anwaltszwang. Die Kosten (ca. 200€) kann man mit dem gesparten Geld bestreiten,
        falls keine Rechtsschutzversicherung vorliegt.

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