Nur noch Vorsprung durch Betrug? Verliert Deutschland den Anschluss?

Der Volkswagen-Konzern ist nicht in der Lage, die Werte bei Diesel-Abgasen zu erreichen, die in den USA vorgeschrieben sind. Also wird bei Volkswagen manipuliert, um vorzuspiegeln, man habe die entsprechenden Standards erreicht.

VWUmsonst, wie sich herausstellt, denn die Manipulation ist zwischenzeitlich aufgeflogen, der Markt in den USA für Dieselfahrzeuge von Volkswagen in absehbarer Zukunft schlicht zerstört, die Aktie des Unternehmens im freien Fall an der Börse und der Werbespruch, “Vorsprung durch Technik” mittlerweile zur Lachnummer geworden, ist Volkswagen doch nicht einmal in der Lage, Abgaswerte einzuhalten, die von anderen Autobauern eingehalten werden können.

Es gibt einige Risse in der Fassade des Standorts Deutschland, des Exportweltmeisters, dessen Autobauer den Weltmarkt noch vor den Japanern beherrschen oder besser: beherrschten und dessen Erfindungen und Innovationen die treibende Kraft hinter der Ökonomie des Landes sind (oder sein sollen).

Verliert Deutschland den Anschluss?

Am 17. September wurde in London der diesjährige “Global Innovation Index 2015” (GII) veröffentlicht. Der Index ist ein Gemeinschaftswerk der Cornell University, von INSEAD, World Intellectual Property und AT Kearney und erscheint jährlich. Untersucht werden 7 Bereiche, die für die Innovationen, die die Wirtschaft eines Landes treiben, wichtig sind: (1) die Institutionen eines Landes, (u.a. das Ausmaß der staatlichen Eingriffe in den Markt), (2) das vorhandene Humankapital des Landes (u.a.: Anzahl der Tertiär-Gebildeten, Ausgaben für Bildung, für Forschung und Technik usw.), (3) die Infrastruktur für Innovationen (u.a. Verbreitung von neuen Technologien), (4) die Effizienz des Marktes (u.a. Investorenschutz), (5) die Effizienz der Wirtschaft (u.a. das Humankapital von Arbeitern), (6) der “Output” aus Forschung und Technik bzw. aus der Anwendung von Wissen (z.B. die Anmeldung von Patenten, der Anteil neuer Technologien an den Exporten oder die von Wissenschaftlern veröffentlichten Fachbeiträge), und (7) die Neuheit der Produkte (u.a. gemessen in Trademarks).

Insgesamt gehen eine Vielzahl von Indikatoren in die Erstellung des Rankings des Global Innovation Index (GII) ein, und die Top-10 der Nationen, gemessen an ihrer Innovationskraft, sind die folgenden:

  1. Schweiz
  2. Vereinigtes Königreich
  3. Schweden
  4. Niederlande
  5. Vereinigte Staaten von Amerika
  6. Finnland
  7. Singapur
  8. Irland
  9. Luxemburg
  10. Dänemark

Sie lesen richtig. Unter den Top-10 findet sich kein Deutschland. Deutschland findet sich auf Platz 12 und betrachtet man die 7 Einzelindikatoren, die oben dargestellt wurden, dann schneidet Deutschland besonders schlecht in den folgenden Bereichen ab:GII_2015

  • Institutionen: zu intensive Eingriffe/Regulation in den/des Markt/es behindern die Innovationsfähigkeit Deutschlands (Platz 20 von 114);
  • Infrastruktur: u.a.: die Schaffung und Bereitstellung von Kapital ist in Deutschland besonders schlecht (Platz 112);
  • Markteffizienz: u.a.: der Investorenschutz ist unterentwickelt (Platz 49);
  • Effizienz der Wirtschaft: u.a.: Deutschland ist für ausländische Investoren nicht interessant (Platz 115);

Die vier Mangelbereiche weisen alle in die selbe Richtung, nämlich in eine Gängelung von Akteuren auf Märkten durch die Regierung und nachgeordnete Regulationsbehörden und als Ergebnis die Schaffung von Bedingungen, die einerseits für Investoren nicht attraktiv sind, es andererseits verhindern, dass Kapitalbildung in nennenswertem Ausmaß betrieben werden kann, Kapitalbildung, die wiederum für Investitionen in Forschung und Technik von besonderer Wichtigkeit ist.

Angesichts der Feindlichkeit, die aus Deutschland internationalen Freihandelsabkommen entgegenschlägt, angesichts der Feindlichkeit und der Verbote, mit der/denen Forschung in Bereichen von Biotechnologie oder Nuklearenergie begegnet wird, angesichts der vielfältigen Eingriffe deutscher Regierungen in die Unternehmensfreiheit und den Markt, bis zur Vorschrift, wie hoch der Anteil weiblicher Vorstandsmitglieder zu sein hat, ist es kaum verwunderlich, dass Deutschland langsam den Anschluss an die Weltspitze verliert, wenn es um Innovationen geht.

Betrachtet man die Anzahl der wissenschaftlichen Beiträge in Fachzeitschriften, die aus Deutschland kommen, dann fällt Deutschland noch weiter zurück, auf Platz 31 unter 141 Nationen. Im Vergleich zum GII von 2010 ist dies eine Verschlechterung um 14 Plätze, im Vergleich zum GII von 2012 eine Verschlechterung um 12 Plätze. Ob hier die staatlichen Interventionen in Hochschulen, die Programme zur Entprofessionalisierung der Hochschulen bereits abgebildet sind, ist eine spnanende derzeit nicht einmal beforschte Frage. In jedem Fall ist sicher, dass Programme, die darauf zielen, Geschlecht und nicht Leistung zur Grundlage der Stellenvergabe zu machen, zum einen dazu geeignet sind, bestenfalls mittelmäßige Bewerber auf Positionen zu befördern, zum anderen dazu geeignet sind, Bewerber mit hohem Humankapital von einer Bewerbung in Deutschland abzuschrecken und den Weg ins Ausland antreten zu lassen.

Insofern wäre das neue Motto “Vorsprung durch Betrug” wegweisend, da es das Ergebnis eines Brain Drains zusammenfasst, einer Abwanderung von Fachkräften, die es deutschen Unternehmen unmöglich macht, international mitzuhalten. Volkswagen wäre entsprechend ein Indikator dafür, dass es bereits 5 nach 12 ist und kaum mehr Zeit bleibt, um deutsche Hochschulen wieder nach Meritokratie zu organisieren und u.a. mit absurden staatlichen Eingriffen in die Geschlechtskomposition von Unternehmen aufzuhören.

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