Wir fordern: Meldestelle für Halfwit-Speech!

Heiko Mass und nicht nur er fordert eine Meldestelle für Hatespeech – weil Hatespeech so furchtbar gefährlich ist. Dass Hatespeech ganz furchtbar gefährlich ist und zu Straftaten en masse führt, das wurde bislang zwar in nicht einer einzigen wissenschaftlichen Studie belegt, aber: Politiker wie Heiko Mass sind ja nicht an den Folgen, dem messbaren Ergebnis von etwas interessiert, sondern an Kontrolle und um Kontrolle zu erreichen, z.B. über die Meinungen, die frei geäußert werden dürfen, muss man eben phantasiereich sein und sich vorstellen, vorsagen und es schließlich glauben, dass etwas, was man gerade erfunden hat, ganz erhebliche Konsequenzen hat, die man zwar nicht nachweisen und nicht belegen kann, aber die dennoch da sind.

Diese Art des ich phantasiere etwas, also gibt es das, was ich phantasiere, ist Teil eines Syndroms, mit dem wir uns schon seit längerem beschäftigen, ein Syndrom, das Politiker im Speziellen und Funktionäre im Allgemeinen ihre Phantasien als Realität ausgeben sieht, sie Lügen verbreiten sieht, Studien, die sie nicht verstanden haben, entstellen sieht und zu den weitreichendsten Schlüssen auf Grundlage von keinerlei empirischer Evidenz kommen sieht.

hate_speech1Wir definieren ab sofort die beschriebene Art von Aussagen als Halfwit-Speech. Halfwit bezeichnet im Englischen eine Person, deren kognitive Fähigkeiten sie nicht in die Lage versetzt, komplexe Zusammenhänge zu erfassen oder Transferleistungen vorzunehmen, die aufgrund dieser kognitiven und geistigen Schwäche nicht in der Lage ist zu erkennen, dass andere, z.B. Bürger, die entsprechende kognitive Schwäche nicht teilen und deshalb ohne Skrupel Behauptungen aufstellt, die sich bei auch nur oberflächlicher Betrachtung als falsch, erfunden oder erlogen heraustellen.

Da Politiker und Funktionäre in der Öffentlichkeit stehen und Zugang zu öffentlich-rechtlichen Medien haben, die, wie wir schon häufig belegt haben, von Funktionären geäußerte falsche, erfundene oder erlogene Behauptungen einfach verbreiten, da, mit anderen Worten, Funktionäre, die falsche, erfundene oder erlogene Behauptungen als Fakten ausgeben und verbreiten, einen kognitiven Schaden bei Leichtgläubigen oder jüngeren Menschen verursachen können, die noch an das Gute und das Wissen z.B. im Politiker glauben, fordern wir die Einrichtung einer Meldstelle für Halfwit-Speech.

Zwar gilt, wie wir mit Heiko Mass feststellen müssen, auch (oder selbst) in Deutschland Meinungsfreiheit, aber das bedeutet nicht, dass Funktionäre im Allgemeinen und Politiker im Besonderen jede falsche Behauptung, jede Lüge und jeden Unsinn, der ihnen einfällt, einfach so verbreiten dürfen. Funktionäre haben eine öffentliche Funktion, können Vorbild für noch nicht stabile Persönlichkeiten sein und haben somit eine besondere Veranwtortung für den Umgang mit Fakten und Wahrheit.

Deshalb ist es notwendig, Hinweise auf Aussagen von Funktionären und Politikern, die falsch, erfunden, erlogen oder aus welchen Gründen auch immer nicht mit den Grundsätzen von Redlichkeit und Ehrlichkeit und Wahrheit und geistiger Gesundheit in Einklang gebracht werden können, bei einer Meldestelle für “Halfwit-Speech” zu sammeln, sie von den dort versammelten Spezialisten prüfen zu lassen und dann, wenn sie sich als falsch, erfunden oder erlogen herausstellen sollten, aus dem Internet und aus allen Publikationen zu löschen, in denen sie ohne Kritik und ohne Hinweis auf ihre Falschheit verbreitet werden. Funktionäre, die wiederholt bei der Meldestelle wegen falscher, erfundener oder erlogener Aussagen auffallen, sind von der Teilnahme am öffenlichen Diskurs auszuschließen oder ihre Aussagen mit dem Zusatz zu versehen: “Vorsicht Halfwit – Wenn Sie dies Aussage ernst nehmen, dann kann dies ihre kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigen und zu Verblödung führen“.

Halfwit-Speech kommt in vielen Varianten:

HalfwitspeechBeispiele für Halfwit-Speech, die wir in der Vergangenheit dokumentiert haben, betreffen z.B. die Behauptung, es gebe einen Gender Pay Gap, die Behauptung, Homosexuelle würden diskriminiert und begingen häufiger Selbstmord als Nicht-Homosexuelle. Halfwit-Speech umfasst Behauptungen über das begabtere Geschlecht, knüpft den Schulerfolg von Mädchen an das Vorhandensein von Mädchentoiletten, umfasst Geschichtsklitterung, Versuche, Wahlergebnisse vorab zu fälschen, nimmt benebelte oder umnebelte, in jedem Fall aber falsche Interpretationen der Ergebnisse vermeintlicher Studien vor oder manipuliert die entsprechenden Ergebnisse gleich selbst.

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10 Responses to Wir fordern: Meldestelle für Halfwit-Speech!

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  2. Klaus says:

    Da man gleiche Kriterien wie für Politiker (Vorbildfunktion) auch an die relevanten Medien anlegen sollte, melde ich hiermit Tagesschau und Heute-Nachrichen.

  3. Horst says:

    „ … bei einer Meldestelle für “Halfwit-Speech” zu sammeln, sie von den dort versammelten Spezialisten prüfen zu lassen und dann, wenn sie sich als falsch, erfunden oder erlogen herausstellen sollten, aus dem Internet und aus allen Publikationen zu löschen …“

    Na ja, ihr lieben SFler, damit betreibt ihr aber ebenfalls Zensur, wie es auch die Gedankenpolizei
    zu pflegen bevorzugt. Ferner bleiben diese „geistigen Ergüsse“ dann nicht mehr für die Nachwelt verfügbar, was schade wäre.

    Besser wäre es:
    Ihr seid die Spezialisten, das seid ihr sowieso 🙂 und veröffentlicht den Schachfug (Es gibt nichts Gutes, außer man tut es – Erich Kästner) unter einer eigenen Rubrik auf SF. Um es einer breiteren, deutschen Öffentlichkeit, die Suchmaschinen sind unser aller Freund, auch für Nicht-SF-Leser, zugänglich zu machen, wären statt Halfwit Trottel oder Schwachkopf zu wählen.
    https://www.dict.cc/?s=halfwit
    Trottel, Schwachkopf, (Halbidiot)

    Ist die Idee gut oder ist sie gut? 😀

    • Sie haben das entscheidende überlesen:

      “… aus dem Internet und aus allen Publikationen zu löschen, in denen sie ohne Kritik und ohne Hinweis auf ihre Falschheit verbreitet werden. Funktionäre, die wiederholt bei der Meldestelle wegen falscher, erfundener oder erlogener Aussagen auffallen, sind von der Teilnahme am öffenlichen Diskurs auszuschließen oder ihre Aussagen mit dem Zusatz zu versehen: “Vorsicht Halfwit – Wenn Sie dies Aussage ernst nehmen, dann kann dies ihre kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigen und zu Verblödung führen“.

    • Horst says:

      “Schwachfug” ist gemeint

  4. hgb says:

    Das “wit” im halfwit ist zu positiv. Ich schlage “dim speech” vor.

  5. Plan B says:

    Lüge, Humbug, Bullshit – der amerikanische Philosoph Harry S. Frankfurt hat klare Definitionen dieser drei Begriffe gegeben; das hier konstruierte “Halfwit” ist eindeutig als Bullshit zu definieren (und die Welt ist voll davon).

    Die Definition (Harry):
    “Bullshit ist immer dann unvermeidlich, wenn Menschen in die Lage versetzt werden, über Dinge zu reden, von denen sie nichts verstehen….Bullshit ist ein größerer Feind der Wahrheit als die Lüge.”

    Ein Praxistest:
    Befragen Sie einen grünen Energiewender nach den Hauptsätzen der Thermodynamik.

  6. Fiete says:

    Ich weiß ja nicht, ob das nun konkret Halfwit-Speech ist, oder nicht, aber in den Bereich fällt es meiner Meinung nach schon, heute Nacht stolperte ich zufällig ( ehrlich, ich habe das bstimmt nicht gesucht ) über einen Artikel im Stern zum “Weltfrauentag”, der genausogut im Spiegel, Focus, der Welt und noch einigen weiteren Müllstreammedien hätte stehen können. Und konnte mich einfach nicht beherrschen, denselben zerfleddernd zu kommentieren. Ich lege also mal vor ( anschnallen, das ist Hardcore! ):

    “”Armut ist sexistisch”
    sagt der Stern. Na, da sieht man mal wieder, daß In Deutschland ein übler Sexismus gegen Männer betrieben wird.
    Tja, aber irgendwie meint Sternchen das wohl anders, denn:
    “Hungrig, krank und schlecht ausgebildet: Die Situation vieler Frauen in Entwicklungsländern ist dramatisch. Armut, so eine Studie zum Internationalen Frauentag, ist sexistisch.”
    Ach? Es geht gar nicht um Armut, sondern nur um die armen Frauen.
    Kinder, Greise, Männer gar, sind egal?
    Okay, was steht denn nun in der Studie?
    Nix, außer Geschwafel scheinbar. Jedenfalls war sie dem Stern wohl zu peinlich um sie zu verlinken, oder wenigsten ein paar ganz konkrete Ergebnisse zu zitieren.
    Stattdessen wird das Werk dreimal demonstrativ ganz am Anfang des Geschreibsels erwähnt und dann totgeschwiegen. Allerdings erfährt man, daß eine “Entwicklungsorganisation” ( was immer das sein soll, ich lese diesen seltsamen Begriff zum ersten mal ) namens ONE sie verfasst hat. Und wer ist da die zuständige … äh…..Botschafterin? Ach, Frau Furtwängler, die Gattin vom Focus-Eigentümer Burda. Und weiter unten wird auch noch die Welt am Sonntag von Springer ganz wichtig zitiert ( ein paar Celebs sollen einen Benefit-Zettel unterschrieben haben, der an eine Missus Mörkel geschickt wurde – who the Heck is this Mörkel? ). Klar, das muß also echt wissenschaftlich abgegangen sein, bei dieser Studie.
    Daß Frauen in Sierra Leone 157 mal mehr sterben bei der Geburt eines Kindes, als in Deutschland, wurde da herausgefunden. Das ist natürlich schlimm, in der Tat. Aber wo ist da der Sexismus? Ach soo, das liegt daran, daß die Männer ihnen nicht die Landmaschinen und das Saatgut geben. So so. Verstehe, ja, würden diese Mütter den Acker selbst bestellen, anstatt die Väter, würden sie bestimmt 157 mal weniger sterben, is klar, nä? Logisch, Frau Burda hat ja auch irgendwann mal angeblich als Ärztin gearbeitet, deshalb weiß sie sowas natürlich. Ich kenne zwar keinen Arzt, der sich als solcher in Sierra Leone im Statistikbereich beschäftigt hat, aber Furtwängler als Tatortkommissarin hat das bestimmt besser “kombiniert” als Sherlock Holmes.
    Und schließlich hat auch irgendein unbekannter Verband namens “Venro” ( Ven-what? ) die UN aufgefordert, Gerechtigkeit, Geschlechtergerechtigkeit gar, in die Entwicklungsziele mit aufzunehmen. Muß wohl ein Deppenverband sein, der aus Menschen besteht, die noch nicht gelernt haben, was ein Ideal ist und, daß man ein solches nie erreichen kann. Ich denke, Bildung wäre da ein naheliegenderes Ziel, oder?
    Aber nein, selbst die Chefin von Facebook ( und ich dachte, das wäre dieser Marc Zuckerberg, wie man sich doch irren kann ) unterstützt Furtwänglers Verein:
    “”Mütter investieren in ihre Töchter und Söhne und stärken das Gemeinwesen”, erklärte Facebook-Chefin Sandberg, die die Kampagnenorganisation One im Kampf gegen die Armut unterstützt.”
    Wie, Väter nicht? Und war das eben nicht noch eine “Entwicklungsorganisation”? Hmmm!
    Sicher auch ein Ergebnis dieser Studie, die lieber nicht konkret benannt werden möchte.
    Auf solch dämliche Unterstützer könnte ich verzichten.

    So geht es weiter mit Geschwurbel, das einem Quietschgeräusche zwischen den Kopfhörern verursacht.

    Okay, ein Ergebnis dieser Studie – sofern es überhaupt eines ist, ich denke, es ist wohl eher eine Meldung irgendeiner Presseagentur – besagt, daß Pakistan ( na ja, eine Provinz dort ) das Heiratsalter für Mädchen von 16 auf 18 Jahre erhöht hat und Kinderhochzeiten jetzt mit ( lächerlich geringen ) Geldbußen bestrafen will. Das ist schön, aber sicherlich nicht dem Getröte von Feuchtwängler und ihrem Club zu verdanken.
    Eigentlich macht der ganze Artikel den Eindruck, als wenn der Chefredakteur einen Freiwilligen bestimmt hat, der dazu verdonnert wurde, irgendwas ganz tolles und gleichzeitig ganz dramatisches zum Weltfrauentag zu schreiben, ob ihm das nun passt oder nicht. ( “Müller, Sie machen das jetzt und basta! Nix da, mit mit immer nur über’n FC St Pauli schreiben!” )

    So fällt dem armen Schreiberling dann zu Deutschland auch nix anderes ein, als, daß die AIDS-Hilfe angeblich gesagt haben soll, daß Ärzte Frauen diskriminieren, indem sie sie zu selten auf HIV testen.
    Facepalm!
    ( Nur als Hinweis für ganz unbedarfte: kein Arzt testet mal eben diesen oder jenen auf HIV, das muß man schon schon selbst initiieren und warum das angeblich Frauen seltener tun als Männer, weiß ich nicht, aber den Ärzten würde ich das nicht gerade in die Schuhe zu schieben versuchen. Oder soll damit gesagt werden, daß das bestimmt die männlichen Ärzte sind, die patriarchalerweise die armen Frauen – Armut ist ja sexistisch, you remember? – unterdrücken und ihnen regelmäßige Aidstests verweigern? )

    Nachzulesen ist das oberpeinliche Gesülze hier:
    http://www.stern.de/panorama/studie-zum-weltfrauentag—armut-ist-sexistisch–5936974.html

    Also da fand ich den Artikel von Wolf Jacobs, oder besser von Ravi Kumar über die Gendersituation in Indien letztens deutlich informativer und vor allem: nicht so hilflos und konfus zusammengeschmiert!
    http://nicht-feminist.de/2015/10/indien-die-menschenrechte-der-maenner/

  7. @ineitzke says:

    Die Umsetzung Ihrer Forderung geht leider sehr schleppend voran. Ob dafür dies ausbaufähig ist oder zwecks Neubau eingestampft werden sollte, kann ich derzeit nicht beurteilen. Der Domain-Name ist zumindest ziemlich gut.

    Sehr sauer stößt mir jedoch auf, dass dort nicht auf Seite 1 vor § 145d gewarnt wird, obwohl es doch aus unserer Geschichte noch so viel über vorauseilenden Kadavergehorsam zu lernen und zu überprüfen gibt. Das verstärkt meine mich bereits krankmachende Angst.

    Noch mehr Sorgen bereitet mir der nicht stattfindende oder hier zumindest nicht sichtbare Multilog von Heiko Maas mit Ihnen, obwohl er Zeit zum Twittern hat.

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