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Wahlbeeinflussung? Seltsame Systematiken bei Wahlbefragungen

Noch eine Beschwörungsformel: Die Ergebnisse der Umfrage basieren auf einem repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung.

Diese Beschwörungsformel, sie steht in dieser oder einer ähnlichen Variante unter einer Vielzahl von Meinungsumfragen zu jedem beliebigen Thema. Die Beschwörungsformel ist wichtig, denn welcher Auftraggeber gibt schon Umfragen in Auftrag und bezahlt viel Geld dafür, wenn er hinterher nicht behaupten kann, das Ergebnis, das bei seiner Umfrage herausgekommen ist, sei repräsentativ und deshalb könne man Aussagen für z.B. alle Deutschen oder einen bestimmten Teil der Deutschen machen. Etwa so:

Die tollen Ergebnisse, sie ließen sich nicht mehr so gut und so vollmundig verkaufen, wenn man kleinere Brötchen backen müsste, wenn man sagen müsste, von unseren 1000 Befragten glauben 354 an eine Integration von Flüchtlingen. Deutsche glauben an Flüchtlingsintegration klingt einfach deutlich besser.

Mit einer solchen Meldung kann man Leser beeindrucken, versuchen, sie zu manipulieren, vielleicht glauben sie es ja, und man kann seinen Auftraggeber schröpfen, als Meinungsforschungsinstitut, ihn so richtig satt zur Kasse bitten, für die angeblich repräsentativen Ergebnisse.

Wenn da nur nicht immer diese dummen Wahlen wären, bei denen deutlich wird, dass Meinungsforschung alles andere als repräsentativ ist, dass Meinungsforschung im Gegenteil ein Mittel der Manipulation (je nachdem, wer bezahlt) sein kann und dass Meinungsforschung Ergebnisse produziert, die man mit jedem Würfel besser erreichen könnte.

Wir haben die Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt zum Anlass genommen, um den Vorhersagefehler und das Manipulationspotential von Meinungsumfragen zu berechnen. Dazu haben wir für die Forschungsgruppe Wahlen (FGW), YouGov, Forsa und INSA die jeweils letzte Vorwahlumfrage und das darin prognostizierte Endergebnis mit dem vorläufigen Endergebnis verglichen, um ein Maß für die Akkuratheit der Meinungsumfragen zu erhalten.

Ergebnis: Die Meinungsumfragen sind nicht akkurat. Tippen Sie in Zukunft und Sie haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, richtig zu liegen als Meinungsforschungsinstitute mit ihren angeblich repräsentativen Befragungen.

Die Abbildung zeigt, um wie viele Prozentpunkte die Vorhersagen der vier Meinungsforschungsinstitute daneben lagen. Die Abweichung in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz beträgt dabei (mit der Ausnahme er FGW in Rheinland-Pfalz) regelmäßig mehr als 10 Prozentpunkte, d.h. die Wahrscheinlichkeit, dass die angeblich repräsentative Umfrage ein korrektes Ergebnis ergibt, ist mit einer Fehlerwahrscheinlichkeit belastet, die man in keiner statistischen Analyse dulden würde. Verheerend wird das Ergebnis in Sachsen-Anhalt. Hier liegen FGW, Forsa und INSA um 20 Prozentpunkte daneben. Wer würde ein Medikament nehmen, dessen Nebenwirkungen in 20% der Fälle eintreten?

Und doch gibt es Parteien, Verbände; Zeitungen und andere Medien, die Unsummen für Meinungsumfragen auf den Tisch legen.

Warum?

Weil Meinungsumfragen ein Manipulationspotential haben, das beträchtlich ist. Um dieses Manipulationspotential zu zeigen, haben wir ausgerechnet, wie sich die Vorhersagefehler die in der Abbildung dargestellt sind, prozentual auf die Parteien auswirken, die zu den Landtagswahlen angetreten sind.

Die Tabelle gibt das prozentuale Ausmaß und die Richtung des Vorhersagefehlers an. Ein positiver Wert sagt aus, dass der Anteil der entsprechenden Partei überschätzt wurde, ein negativer Wert zeigt an, dass der Anteil der entsprechenden Partei unterschätzt wurde.

Die Ergebnisse der Tabelle kann man wie folgt zusammenfassen:

Zusammenfassend kann man feststellen, dass die Landtagswahlen zeigen, dass Meinungsforschungsinstitute im Dunkeln stochern, wenn es darum geht, Wahleergebnisse zu prognostizieren, sie entsprechend nicht über repräsentative Stichproben verfügen können, dafür aber ein erheblicher Spielraum für Manipulation vorhanden ist, der auch genutzt zu werden scheint.

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