Bildung für nachhaltige Gleichschaltung

Im Jahre 1632 wurde Galileo Galilei von der Inquisition in Rom gezwungen, öffentlich seine Unterstützung des kopernikanischen Weltbildes, demzufolge die Erde nicht im Zentrum des Weltalls steht, zu widerrufen. Denn die katholische Lehre von 1632, sie sah die Erde im Zentrum des Weltalls und duldete keinen Zweifel an dieser damaligen Wahrheit.

Vok Nationalsozialismus„Am 14. November wurden die Juden endgültig aus den deutschen Hochschulen ausgeschlossen, – ebenso aus den deutschen Schulen, die am 15. November judenfrei waren.“ (Rühle, G. (1938). Das Dritte Reich, zitiert in Schmitz-Berning, 2007: 334).

Juden, so die Überzeugung im Dritten Reich, sind dem deutschen Volkskörper schädlich, weshalb man sie von Schulen, die der Heranbildung und Erziehung des ebenselben dienen, ausschließen muss. Zweifel an dieser damaligen Wahrheit wurden von ihren Verfechtern nicht zugelassen.

Thomas Hohn vom „Bündnis ZukunftsBildung“, einer Initiative deutscher Nichtregierungsorganisationen aus den Bereichen Jugend, Umwelt und Naturschutz, Bildungspolitik, Entwicklung und Menschenrechte machte vor den Abgeordneten auf das aktuelle Greenpeace Nachhaltigkeitsbarometer aufmerksam. Dies zeige, dass Jugendliche nicht mehr in Frage stellen, dass eine nachhaltige Gesellschaft nötig ist.“

Eine nicht nachhaltige Gesellschaft, so die derzeitige Wahrheit, ist, ja was eigentlich? Schlecht, schädlich, hat die falschen „Konsequenzen für künftige Generationen oder das Leben in anderen Weltregionen“?

Drei Splitter aus der Geschichte, die jedesmal eine vermeintliche Wahrheit zum Gegenstand haben, die nicht nur mit dem Schwerte der heiligen Überzeugung vorgebracht, sondern auch durchgesetzt wird. Die Erde ist im Zentrum des Weltalls, Juden wirken sich an Schulen schädlich aus und eine „nachhaltige Gesellschaft“ ist nötig. Zweifel daran sind aus Sicht ihrer Verfechter weder berechtigt noch werden sie geduldet.

Insofern weisen die drei Episoden aus der Geschichte dieselbe logische Struktur auf, und sie verweisen auf dieselbe geistige Verfasstheit derer, die die gerade aktuelle Wahrheit verkünden, und zwar mit einer Inbrunst der Überzeugung, von der sie ewige Gültigkeit erwarten. Nun zeigt die Geschichte, dass die entsprechenden Wahrheiten mehr oder weniger kurzlebig sind. Das kopernikanische Weltbild hat sich durchgesetzt, dem Rassismus der Nazis wurde ein heftiges Ende bereitet und die nachhaltige Gesellschaft, sie wird sich in absehbarer Zeit in die lange Reihe der gescheiterten Wahrheiten einreihen, jener angeblichen Wahrheiten, die an der Realität zu Grunde gegangen sind, jene Realität, die u.a. durch zwei wichtige Dinge charakterisiert ist:

  1. Handlungsintentionen sind nicht mit Handlungsfolgen identisch.
  2. Die Zukunft ist offen, weil nicht vorhersagbar.

1 hat zur Folge, dass selbst die derzeit als besonders gut bewerteten Handlungsintentionen negative Handlungsfolgen produzieren können. Man denke z.B. an Dr. McCoy, der in bester Intention einen Klingonen retten will und zu spät bemerkt, dass er keinerlei Ahnung von der Physignomie des Klingonen hat (immerhin erkennt er es). Ähnlich wird es den Nachhaltigkeits-Gläubigen gehen. Sie werden eines Tages feststellen, dass die besten Intentionen negative Effekte haben können, z.B. weil Solarenergie auf Giftstoffen basiert und Windräder zwar die Metallindustrie florieren lassen, aber wenig darüber hinaus.

Dass Handlungsfolgen mit Handlungsintentionen nicht identisch sind, hat seine Ursache darin, dass die Zukunft nicht vorhersagbar ist. Und weil die Zukunft nicht vorhersehbar ist, deshalb scheitern Gesellschaftsentwürfe, die auf vermeintlichen Wahrheiten basieren, die wiederum Grundlage der Planung der Zukunft sind.

Die schulische Gleichschaltung, die derzeit z.B. im Hinblick auf „nachhaltige Entwicklung“ erfolgt und von Aktivisten wie Thomas Hohn bejubelt wird, sie hat jedoch vorhersehbare negative Konsequenzen.

Zum einen steht sie im Widerspruch zum angeblich angestrebten Ziel, nach dem Schülern „autonomes Denken“ vermittelt werden soll. Gäbe es autonomes Denken, Schüler würden an der Notwendigkeit einer „nachhaltigen Gesellschaft“ zweifeln oder zumindest zweifeln dürfen. Dass sie es nach Ansicht von Hohn nicht tun, ist ein Hohn auf das autonome Denken, zeigt, dass Kritik an deutschen Schulen nicht mehr vorhanden ist und durch eine Gleichschaltung zum Gleichdenken ersetzt wurde.

Eine Gleichschaltung zum Gleichdenken wiederum hat zur Folge, dass das Potential, von dem Gesellschaften leben, nämlich die Abweichung, die Kreativität, die Phantasie geblockt, als Abweichung diskreditiert wenn nicht gar zerstört werden. Wie Gesellschaften, die in ihrer angeblichen Wahrheit gleichgeschaltet sind, auf Krisen reagieren wollen, die durch Phänomene hervorgerufen werden, die im Widerspruch zur vermeintlichen Wahrheit stehen, ist ein Rätsel, das wir gerne an Herrn Hohn zur Lösung geben würden, vielleicht hat er eine, die kein Hohn auf menschlichen Fortschritt ist.

 

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5 Responses to Bildung für nachhaltige Gleichschaltung

  1. Pingback: [Kritische Wissenschaft] Bildung für nachhaltige Gleichschaltung

  2. Dr. McCoy hätte den Klingonen gerettet!!!!!!!!!!! Über den Rest lasse ich mit mir reden.

  3. Heiner says:

    Man kann den 16 bundesdeutschen Kleinstaaten und ihren Bildungsministerien mit ihren Ideologen zumindest nicht vorwerfen, daß sie nichts aus der DDR-Geschichte gelernt haben.

    Dort haben die Ideologen den Fehler gemacht, im Staatsbürgerkundeunterricht Dialektik, wenn auch nur in ihrer historisch-materialistischen Denkweise, zu lehren. Die hatten schlicht und ergreifend vergessen, daß das Grundprinzip der Dialektik auch anders gedacht werden kann. Resultat waren die Ereignisse von 1989.

    Diesen Fehler hat man nun ausgemerzt: Es wird durch Religion, Ethik und wie die Fächer noch so heißen, nur noch ideologischer (Einheits-)Brei vorgesetzt und nachgebetet. Methoden des (philosophischen) Denkens werden hingegen nicht gelehrt.
    Merke: Wer eine Methode zum eigenständigen Denken lernt, wendet die womöglich an!

    Es lebe die „WELTANSCHAUUNG“ und nicht die Philosophie. Beim Anschauen muss man nicht denken, da konsumiert man nur passiv.

  4. Gernot Meyer says:

    Die Menschheit ist ca 2 Mio Jahre alt und ist mit über 7 Mrd Individuen größer denn je.
    Und die Entwicklung ging die ganze Zeit vollkommen ohne „Nachhaltigkeit“. Was ham wir und unserere Vorfahren bloß für einen Dusel gehabt …

  5. rote_pille says:

    Wenn die Regierung irgendwas auf Nachhaltigkeit geben würde, dann gäbe es diese Staatsschulden nicht.

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