Neues aus der Anstalt: der ganz alltägliche Unsinn

Wir wollen unsere Leser mit drei Schlagzeilen, die wir über den Tag gesammelt haben, mit etwas Spaß in den Feierabend entlassen, mit einem Schlaglicht auf den Unsinn der täglich auf uns niederprasselt.

Hier unsere Hitliste des heutigen Tages:

Oh No!1. Hochqualifiziert – aber nicht ausgebildet, so betitelt die ARD in einem Anflug logischer Umnachtung einen Beitrag, in dem es um eine erste Studie der Bundesagentur für Arbeit zum Bildungsniveau der Flüchtlinge geht. Angeblich sind die Flüchtlinge schulgebildet und deshalb hochqualifiziert, wie die ARD formuliert, aber nicht ausgebildet, weil sie in der Mehrzahl über keine Berufsausbildung verfügen. Wir folgern: Wer eine Schulbildung und eine Berufsausbildung hat, der ist hyperqualifiziert, weil er ja schon nach der Schule hochqualifiziert war. Wenn die Sucht, Dinge gutzureden, mit Redakteuren durchgeht, kommt selten etwas Positives dabei heraus. Einigen wir uns also darauf, dass 46% der Asylbewerber mit Bleibeabsicht, die 2015 nach Deutschland gekommen und an der Befragung der Bundesanstalt für Arbeit teilgenommen haben, ein Abitur haben. Ob Sie deshalb hochgebildet sind, ist eine Frage, die man aufgrund der Annahme, dass auch ARD-Redakteure in der Mehrheit ein Abitur haben, nicht unumwunden bejahen kann.

scully facepalm2. „Gewerkschaften sind laut IW-Studie im Westen stärker organisiert, aber weniger weiblich“, so lässt die Rheinische Post mit einem Titel ihre Leser raten, was wohl die Vergleichsbasis ist, die der zweistellige Funktor stärker als eigentlich erwarten lässt. Aber als gut sozialisierte Deutsche wissen wir natürlich, dass der Westen immer mit dem Osten und nie dem Norden oder dem Süden verglichen wird und deshalb ist klar: Die Gewerkschaften im Osten, also in Ostdeutschland, nicht etwa in Russland, sind weiblicher als die im Westen, also in Westdeutschland nicht in Frankreich. Wie eine Gewerkschaft mehr oder weniger weiblich sein kann, ist ein Rätsel, dem wir uns mangels Interesse nicht widmen wollen. Wichtiger ist, dass Gewerkschaften es gerade noch auf eine Organisationsquote von 16% in Ost- wie Westdeutschland bringen. Wenn also demnächst ein Streik ins Haus steht, denken Sie daran, hier drangsalieren 16% der Beschäftigten einer Branche, die restlichen 84% der Branche und alle anderen.

Prof Facepalm3. Soziale Medien, so heißt es in der Überschrift des heutigen Highlights von der LMU in München, “soziale Medien sie steigern den Leistungsdruck”. Wer nun denkt, die Steigerung des Leistungsdrucks, natürlich am Arbeitsplatz, wo sonst?, sie sei der Tatsache geschuldet, dass man nicht gleichzeitig SMSen und arbeiten kann, der sieht sich getäuscht, denn der Leistungsdruck, so hat „Tanja Carstensen, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Soziologie und Gender Studies der LMU“ herausgefunden, wie sie glaubt, er ist das Ergebnis von Freiheit. Denn: „Damit gehen neue Freiräume einher, zugleich gibt es aber eine Tendenz zur Selbstausbeutung“. Ja, so ist das: Wer nicht gezwungen ist, zu tun, was er tun muss, der muss überlegen, was er eigentlich tun will und das ist schlecht, jedenfalls dann, wenn man am Lehrstuhl für Soziologie und Gender Studies der LMU als wissenschaftlicher Mitarbeiter angestellt ist. Der Zusatz Gender Studies ist wohl Erklärung genug für diesen Unsinn.

Das ist unsere Hitliste des Tagesunsinns. Wer noch etwas beitragen möchte, die Kommentarfunktion steht offen.

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8 Responses to Neues aus der Anstalt: der ganz alltägliche Unsinn

  1. myosotis says:

    Nach meiner nicht repräsentativen Erfahrung sehen auch Mitarbeiter der Arge Abiturienten als Hochqualifiziert an. Was mich überrascht hat. Wozu dann noch studieren?

  2. Heiner says:

    Vielleicht handelt es sich ja bei der ersten Schlagzeile um einen Übersetzungsfehler, dazu ist mein arabisch, Farsi oder sonst was zu schlecht.

    Zu DDR-Zeiten sprachen vor allem mittlere SED-Funktionäre gern davon, daß “Facharbeiter aus der DDR und sowjetische Spezialisten” irgendwas gefertigt haben.

    Leider waren die nicht, wie Uns Angela, bei der Russischolympiade, sonst hätten sie gewußt, daß im russischen “spezialist” (специалист) auch nur “Facharbeiter” bedeutete.

    🙂

  3. T,Resias says:

    Ausserdem wird oft verwechselt : engl. ‘student’ ist einer, der etwas lernt
    (z.B. auch Schüler) und keineswegs immer an einer Hochschule.

    Und wenn dann ein Migrant in seinem spärlichen Englisch sagt :
    ‘I want to study…’ dann heisst das er möchte etwas lernen.

    Hochschulstudium ist damit keineswegs immer gemeint, und dafür fehlen
    meist auch die Voraussetzungen ( selbst ein ‘Abitur’ in irgendeinem
    arabischen Land müsste erst einmal anerkannt und als zum Studium
    an dt. Unis berechtigend eingstuft werden – vom Nachweis durch
    Dokumente ganz abgesehen.

  4. micha jäger says:

    das ergänzt sich doch perfekt : treffen die HochqualifziertenNichtausgebildeten auf unsere HochbegabtenAbschlußlosen , den Rest machen Anwälte und Beziehungen ,
    специалистen brauchts in dieser Welt nicht mehr

  5. mkaru says:

    Ich habe den ersten verlinkten Text (Hochqualifiziert – aber …) heute morgen durchgelesen. Eben habe ich nochmals reingeschaut, da fiel mir auf, dass einzelne Formulierungen stillschweigend geändert wurden. Hat vielleicht jemand den Text gestern oder heute morgen abgespeichert?

  6. Pingback: Anschlag auf den Intellekt: Wird an der Universität Duisburg-Essen Unsinn gelehrt? | ScienceFiles

  7. Florian Geyer says:

    Gewerkschaften haben zum Glück das gleiche Problem wie Kirchen und Parteien:
    Sie sterben aus, ganz genderneutral.
    und das ist gut so!

  8. Pingback: JAWOs Links am Mittwoch – KW 34/16 – Umfrage "Sorgen" - NICHT-Feminist

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