Holzhammer-Manipulation: Von der Schlafstörung zur Wahrnehmungsstörung mit der ARD

Haben Sie Lust auf eine kleine Reise in die Welt der ideologisch veränderten Wahrnehmung, die Welt, in der alles rosarot oder dunkelbraun ist, die Welt, in der schreckliche neoliberale Menschenschinder ihre Arbeitssklaven um den Schlaf bringen?

Dann los.

Unser Reiseführer ist Christoph Scheld aus dem ARD-Hauptstadtstudio. Natürlich ist die Reise nur figurativ, nicht wirklich. Sagen wir lieber, Scheld hält uns einen Vortrag mit dem Titel:

„Deutschland schläft schlecht“.

study_sleepless_01Ein missglückter Titel, den Scheld hier gewählt hat, denn Deutschland schläft gar nicht, weil es Deutschland in keiner materiellen und schlaffähigen Form gibt. Seien wir nachsichtig, schließlich bemerkt Scheld schon im dritten Satz seines öffentlich-rechtlichen Vortrags, dass er Unsinn gesprochen hat. Natürlich schläft nicht Deutschland schlecht: „Vier von fünf Berufstätigen schlafen schlecht“. Und diese Zahlen, so lesen wir in Satz 2, sie seien „alarmierend“.

Mehr als 3.500 ihrer berufstätigen Versicherten, so versichert Scheld, habe die DAK befragt. Vier von fünf hätten zumindest gelegentlich Störungen beim Einschlafen oder Durchschlafen…“

Gelegentlich. Haken wir hier doch einmal nach, und zwar bei der DAK und dem Gesundheitsreport, den die DAK auf Grundlage der Daten von 2,6 Millionen erwerbstätigen Versicherten und einer Befragung von 5.200 Erwerbstätigen im Alter von 18 bis 66 Jahren durchgeführt hat bzw. hat durchführen lassen, u.a. von Forsa, was das Vertrauen in die Daten nicht unbedingt erhöht.

Aufmerksame Leser werden festgestellt haben: die „mehr als 3.500 Befragten“, von denen Scheld weiß, tauchen bei der DAK nicht wirklich auf oder sollte Scheld mit seinen „mehr als 3.500 Befragten“ die 5.200 von Forsa Befragten oder die 2,6 Millionen Versicherten, deren Daten analysiert wurden, gemeint haben?

Er wird es wissen. So wie wir wissen, dass die 3.500 Befragten von Scheld bei der DAK zu 5.200 von Forsa Befragten bzw. zu 2,6 Millionen Versicherten geworden sind.

Von den 5.200 Befragten geben 80% an, dass sie mindestens gelegentlich Schlafprobleme haben. Was damit genau gemeint ist: Niemand außer Forsa weiß es. Vermutlich haben die Forsierer von Forsa gefragt: Wie oft im vergangenen Monat (oder Woche, oder 14 Tagen) hatten Sie Probleme beim Einschlafen: Oft, selten, gelegentlich, nie. Alle, die nicht nie sagen, haben dann Schlafprobleme. Vielleicht hat Forsa auch gefragt: Wie sehr stimmen sie der folgenden Aussage zu: „Ich habe Schlafproblem“ – voll und ganz, eher, eher nicht, ganz und gar nicht. Alle bis eher nicht haben gelegentlich Schlafprobleme.

Für Schlafprobleme: x files

Was genau gefragt wurde. Was genau „gelegentliche Schlafprobleme“ sind, niemand sagt es uns und deshalb ist Vorsicht geboten: Wenn nicht mitgeteilt wird, was genau sich hinter einer schwammigen Formulierung wie „gelegentlich“ verbirgt, dann haben die, die es verschweigen, in der Regel einen Grund, es zu verschweigen, z.B. Belanglosigkeit von Ergebnissen. Und sind Ergebnisse belanglos, dann kann man nicht die ganze Bevölkerung in Schlafprobleme reden.

Und man kann Journalisten, wie Christoph Scheld nicht dazu veranlassen, Unsinn zu schreiben, wie er das tut.

Denn: Scheld, immer unter Berufung auf die Studie der DAK oder die Autorität von Ingo Fietze (Schlafforscher) und Andreas Storm (Vorsitzender der DAK), behauptet nicht nur, dass 80% der Berufstätigen Schlafprobleme haben, er behauptet auch, dass diese Schlafprobleme, sich aus den folgenden Ursachen speisen:

“Die Gründe hängen bei den meisten Betroffenen mit dem Berufsleben zusammen. Nachtschichten, starker Termin- und Leistungsdruck gelten als Risikofaktoren. Und wer von sich sagt, häufig an der Grenze der Leistungsfähigkeit zu arbeiten, ist prädestiniert für ernsthafte Schlafprobleme.“

Sind sie jetzt erschrocken, weil sie ein Workaholic sind, der derzeit noch keine Schlafprobleme hat? Dann geben wir Entwarnung, denn entweder Scheld schreibt Quatsch, weil er intellektuell überfordert ist, oder er lügt bewusst.

Alles beginnt damit, dass bei der DAK jemand Fracksausen bekommen hat. Es mag ja noch angehen, Journalisten, die es einem auch wirklich leicht machen, aufs Glatteis zu führen und sie schreiben zu lassen, 80% der berufstätigen Bevölkerung hätten Schlafstörungen, für die letztlich die fiesen und miesen Arbeitgeber verantwortlich sind, aber natürlich kann man derartigen Unsinn nicht als DAK schreiben.

Entsprechend haben sich die DAKler auf ihre Daten besonnen. In diesen Daten finden sich 9,4% mit Schlafstörungen, die Arztbekannt sind und den Tatbestand der Insomnie erfüllen. Für diese 9,4 Prozent werden die Gründe angeführt, die Scheld oben nennt, nicht für die 80% derjenigen, die gelegentlich von Problemen beim Einschlafen oder Durchschlafen berichten: „Wer zum Beispiel häufig an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit arbeitet, steigert sein Risiko, die schwere Schlafstörung Insomnie zu entwickeln. Auch starker Termin- und Leistungsdruck, Überstunden sowie Nachschichten und ständige Erreichbarkeit nach Feierabend gelten in diesem Zusammenhang als wichtige Risikofaktoren“.

Ob Scheld seine Leser absichtlich täuschen will, um seinen Impuls auszuleben und die bösen Kapitalisten an den Pranger zu stellen, die ihre armen Arbeitnehmer bis ins Privatleben, ja bis in den Schlaf verfolgen? Nun, die Antwort auf diese Frage lautet nach unserer Ansicht: Ja. Denn Scheld schreibt nicht nur die falschen Ursachen der falschen Gruppe von Berufstätigen zu, er verschweigt auch die Gründe, die von der DAK für gelegentliche Probleme beim Einschlafen oder Durchschlafen genannt werden:

“Viele Arbeitnehmer sorgen aber auch selbst für einen schlechten Schlaf. Nach der Studie der DAK-Gesundheit schauen 83 Prozent der Erwerbstätigen vor dem Einschlafen Filme und Serien, 68 Prozent erledigen abends private Angelegenheiten an Laptop oder Smartphone.“

Ganz zu schweigen von dem Säugling in der Nachbarwohnung, der einem den Schlaf raubt, weil er ständig schreit.

Unser Fazit lautet somit:

  • Deceibe infeigle obfuscateScheld täuscht seine Leser über die Prävalenz von Schlafstörungen.
  • Er täuscht seine Leser über die Ursachen von Schlafstörung.
  • Er unterschlägt Ursachen für Schlafstörungen.
  • Und er verbreitet Alarmismus, so wie dies auch die DAK tut.

“ Die DAK-Analyse zeigt, dass sich dieser Trend auch bei den Krankmeldungen auswirkt. Die Fehltage aufgrund von Schlafstörungen stiegen um rund 70 Prozent auf jetzt 3,86 Tage je 100 Versicherte. „

Alarmierend, alarmierend wie einfach es ist, Journalisten durch Grundrechenarten zu überfordern. Wenn 3,68 Fehltage je 100 Versicherte zu verzeichnen sind, dann heißt das, jeder Versicherte, der von der DAK untersucht wurde (vielleicht 2,9 Millionen, vielleicht 5.200 – wer weiß), fehlt im Durchschnitt 0,04 Tage am Arbeitsplatz und in einem Jahr. Alarmierend. Und die Steigerung, wie alarmierend die Steigerung erst ist: 0,016 Tage pro Versichertem und Jahr.

Alarmierend.
Fast, dass diese alarmierenden Zahlen uns den Schlaf rauben könnten.

Geographie-Legasthenie: ARD zeichnet Deutschlandkarte neu

Kaiserslautern liegt nicht in Thüringen!

Darauf bestehen wir als gebürtige Pfälzer.

Und die Wartburg steht auch nicht auf dem Betzenberg. Nicht, dass noch jemand auf Ideen kommt, bei der Tagesschau.

Denn: Bei der Tagesschau sind Menschen beschäftigt, die sich offensichtlich mit Deutschland nicht auskennen, die nicht wissen, dass Eisenach nicht in der Pfalz liegt und Kaiserslautern nicht in Thüringen.

Nein, das kann nicht einmal passieren, nicht in einer Institution die aus Steuergeldern finanziert wird, und zwar dafür, zumindest rudimentär richtige Informationen zu verbreiten.

 

Die Falschmeldungen und Fehler, die die ARD über den Tag verteilt, unter die, die immer noch in der ersten Reihe sitzen wollen, bringt, sind beträchtlich. Stichproben, die unsystematisch gezogen werden, haben heute bereits Fakenews und FakeGeographie (wir fangen an den Fake-Begriff zu mögen) zu Tage befördert. Was würde wohl zu Tage befördert, wenn man die ARD und das, was sie über einen Tag verteilt als angebliche Information verbreitet, systematisch untersuchen würde?

Wollen Sie es wissen?

Nachtrag

Zwischenzeitlich hat man bei der ARD die Landkarte, auf der Eisenach in die Pfalz und Kaiserslautern nach Thüringen verlegt wurden, aus dem Tweet entfernt und Kaiserslautern wieder an die Pfalz übergeben.

 

Manipulation der Leser durch die ARD – heute: Die Schläger verschweigen

Aus dem Einmaleins der Informationsmanipulation haben wir heute ein schönes Beispiel, das uns ein Leser zugeschickt hat. Es zeigt, wie die ARD oder dpa oder beide versuchen, zu berichten, ohne zu berichten.

Anlass sind Auseinandersetzungen zwischen Anhängern von Donald Trump und seinen Gegnern u.a. in Berkeley, Kalifornien. Dort und an anderen Plätzen ist es zu Schlägereien gekommen, wie im Beitrag der ARD zu lesen ist. Der Beitrag ist in einem Tenor geschrieben, dass man denken kann, der (ungenannte) Autor wünscht sich einen Bürgerkrieg in den USA herbei: „Beide Lager stehen sich zunehmend feindselig gegenüber“, so weiß er zu berichten – auf welcher Datengrundlage auch immer.

Ansonsten zeichnet sich der Bericht durch den fast schon virtuosen Versuch aus, nicht zu schreiben, von wem die Gewalt ausgegangen ist. Das an sich ist schon ein Indikator dafür, dass die Gewalt nicht von den Trump-Fans ausgegangen ist. Wäre sie es, die Schreiber bei dpa und ARD hätten mit Sicherheit nicht vergessen darauf hinzuweisen. Da die Gewalt aber offensichtlich von Trump Gegnern ausgegangen ist, müssen sich die dpa/ARD-Schreiber zum Teil unsinnige Formulierungen überlegen, um die Wahrheit zu verschleiern:

“Am Regierungssitz von Tennessee in Nashville wurden zwei Menschen in Gewahrsam genommen, nachdem sie mit Trump-Unterstützern aneinandergeraten waren.“

Offensichtlich hat die Polizei hier eine andere Lesart der Vorgänge als die Schreiber von dpa/ARD, die es nicht über sich bringen zu berichten, dass diejenigen, die mit „Trump-Unterstützern aneinandergeraten waren“ offensichtlich diejenigen, sind, von denen die Gewalt ausging, sonst wären sie nicht diejenigen, die festgenommen wurden. Entsprechend kann man auch nicht von „mit Trump-Anhängern aneinandergeraten“ reden, sondern müsste, wollte man über die Realität berichten, schreiben, dass die Festgenommenen Trump-Anhängern mit Gewalt begegnet sind und nicht umgekehrt.

Der Höhepunkt des Versuchs, die Realität anders darzustellen als sie sich dargestellt hat, findet sich in einem Bild, auf dem ein Mann mit blutverschmiertem Gesicht zu sehen ist. Offensichtlich haben die dpa/ARD-Schreiber nicht der Versuchung widerstehen können, Blut zu zeigen, um den entsprechend morbiden Trieb bei manchen ihrer Leser, aber vor allem bei sich zu befriedigen. Dummerweise wäre durch die korrekte Darstellung des Mannes mit dem blutverschmierten Gesicht, wie er durch das Internet gegangen ist, aber die ganze Mimikry des Artikels, der mehr oder weniger kunstvolle Versuche, die Wirklichkeit dahingehend zu manipulieren, dass nicht bekannt sei, von wem die Aggression und Gewalt in den USA ausgegangen ist, vernichtet worden, denn:

Urteilen Sie selbst:
Hier das Bild, das die dpa/ARD-Schreiber sich nicht wegdrücken konnten.

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Quelle: Screenshot tageschau.de

Und hier das ganze Bild, das den Mann mit dem blutverschmierten Gesicht mit seinem Pro-Trump-t-Shirt zeigt, das bei ARD und dpa abgeschnitten wurde.

trump-schlaegerei

Die angeblichen Journalisten bei ARD und dpa sind offensichtlich der Ansicht, sie hätten es bei ihrem Publikum durchweg mit leichtgläubigen Narren zu tun, denen man jede Form von Manipulation unterschieben kann. Entsprechend muss man feststellen, dass die Schreiber keinerlei Respekt für ihre Leser haben.

ARD Meinungsdiktatoren FÄLSCHEN Nachrichten

Wenn man seine Leser an der Nase herumführen will, sie manipulieren will, sie so indoktrinieren will, dass sie ein völlig falschen Bild von der Wirklichkeit haben, dann kann man dies auf viele Weisen tun. Eine der Methoden, die seit jeher von Diktatoren und totalitären Herrschern aller Provenienz angewendet wurde, ist die Informationskontrolle und die selektive Darstellung.

ard-wahlfaelschung-gbMan lässt einfach weg, was nicht in die Weltsicht passt, die man verbreiten will und beschreibt das Verbleibende in den schillerndsten Farben. Auf diese Weise lassen sich Wähler in den Glauben lullen, Martin Schulz, die SPD und linke Parteien generell, seien europaweit im Aufwind, und sie lassen sich dahingehend manipulieren zu denken, die vermeintlich rechtspopulistischen Parteien seien im Niedergang.

Ein hervorragendes Beispiel dieser Art des Fälschens von Nachrichten kann man heute in der ARD betrachten. Unter dem Titel „Herber Rückschlag für UKIP“ [UKIP ist nach der AfD und dem Front National der Lieblingsfeind der ARD] findet sich ein Beitrag über die Wahl in Stoke-on-Trent: Eine typische Nebenwahl, vergleichbar mit einer kleinen Landtagswahl in Deutschland, bei der es allerdings  um einen Sitz im britischen Unterhaus geht.

Stoke-on-Trent ist ein Wahlkreis, der in Britannien als Labour-Hold gehandelt wird, d.h. er ist ein weitgehend sicherer Wahlkreis für Labour. Tatsächlich hat der Kandidat von Labour, Tristram Hunt mit 7.853 Stimmen, den Wahlkreis auch gehalten. Die Kandidaten von UKIP und den Conservatives kommen zusammen auf 10.387 Stimmen.

by-election-stoke-on-trentObwohl das Ergebnis alles andere als ein klarer Sieg ist und nebenbei noch die Tatsache verschwiegen wird, dass nur 36,7% der Wähler wählen gingen, wird in der ARD der Eindruck erweckt, Paul Nutall, der für UKIP angetreten ist, habe die Wahl in Stoke-on-Trent verloren und Labour habe die Wahl gewonnen. Und um den Eindruck, linke Parteien hätten wieder Aufwind, auch wirklich in den Köpfen der Leser festzuschreiben, ergänzt der namentlich nicht genannte Nachrichtenfälscher der ARD noch:

„Was für die UKIP einen herben Rückschlag bedeutete, ließ Labour aufatmen: Schlechte Wahlergebnisse kann die Partei derzeit nämlich nicht gebrauchen. Sie hat genug mit den Führungsstreitereien in den eigenen Reihen zu kämpfen. Dementsprechend feierte Labour-Chef Jeremy Corbyn das Wahlergebnisse als „klaren Sieg“, wie er per Kurznachrichtendienst Twitter mitteilte.“

Die UKIP-Hoffnung auf den Sitz im Unterhaus, die im ARD-Beitrag mit dem Verweis auf die hohe Zahl von Wählern, die in Stoke-on-Trent für den Brexit gestimmt haben, als Chimäre aufgebaut wird, sie muss nun, da Nuttall nach Ansicht der ARD verloren hat, begraben werden. Nun hat die Frage, wer für den BREXIT gestimmt hat, herzlich wenig mit der Frage zu tun, welchen Kandidaten welcher Partei man im Unterhaus die eigenen Angelegenheiten vertreten sehen will. Warum also, baut der Schreiber der ARD seinen Strohmann auf Grundlage des BREXIT auf? Die Antwort ist schnell gegeben. Vergleicht man das Wahlergebnis für Stoke-on-Trent nämlich mit der letzten Wahl zum Unterhaus aus dem Jahre 2015, dann ergibt sich ein anderes Bild, dann hat Labour 2,2% der Stimmen verloren, während UKIP 2% und die Conservatives 1,8% hinzugewonnen haben. Entsprechend kann man auf Grundlage dieses Vergleichs die Lüge, UKIP habe die Wahl verloren, nicht aufrechterhalten. Das kann man nur, wenn man illusorische Ziele, wie das, UKIP könne einen Labour-Hold gewinnen, den Lesern als realistische Ziele vorgaukelt, an denen man UKIP dann scheitern lassen kann.

Die ARD ist mit diesem Beitrag vollständig zum Verlautbarungsorgan linker Parteien verkommen. Probleme damit, Nachrichten zu fälschen, hat man bei der ARD auch nicht.

Denn: Was den Lesern der ARD verschwiegen wird, ist folgendes. Es fand nicht nur in Stoke-on-Trent eine Nebenwahl statt, sondern auch in Copeland. Copeland ist auch ein Labour-Hold, ein Wahlkreis, der in der Vergangenheit einen sicheren Platz im Unterhaus für einen Kandidaten von Labour bedeutet hat. Nur in Copeland hat etwas stattgefunden, was die ARD ihren Lesern verschweigt, etwas, was es seit 1982 im Vereinigten Königreich nicht mehr gegeben hat: Eine Regierungspartei hat einen Wahlkreis, der als sicherer Wahlkreis der Opposition galt, gewonnen.

by-election-copelandresultsTories in historic by-election Copeland win as Labour holds Stoke, titelt entsprechend die BBC, im Independent heißt es: Labour suffers historic defeat in hard fought Cambrian contest und beim Telegraph ist man der Ansicht, das Wahlergebnis sei eine Erniedrigung für jenen Jeremy Corbin, den die ARD in ihrem Beitrag protegieren will.

Im Vergleich zur Unterhauswahl von 2015 hat Labour in dem sicher geglaubten Wahlkreis von Copeland 5% der Stimmen verloren, während die Conservatives 8,4% an Wählerstimmen hinzugewonnen haben. Mit 13,4% ist dies einer der größten „Swings“, wie es hier heißt, in der Wahlgeschichte, und es ist – wie schon gesagt – seit 1982 das erste Mal, dass es einer regierenden Partei gelingt, einen sicheren Wahlkreis der Opposition in einer By-Election zu gewinnen.

Die Realität entspricht somit in keiner Weise dem Eindruck, den die ARD erwecken will. Labour hat die Neben-Wahlen in Britannien mit mehr oder weniger lauten Pauken und Trompeten verloren, nicht etwa gewonnen. Es ist ein weiteres schlechtes Ergebnis für Labour, eines der schlechten Ergebnisse, das die Partei nach Ansicht der ARD so wenig gebrauchen kann, dass es schlicht unterschlagen wird. Die Agenda 2017 der ARD ist somit offensichtlich: Linke Parteien werden auf breiter Front hochgejubelt, um den Eindruck zu erwecken, es sei wieder „In“, Sozialisten zu wählen. Dass alle Mittel recht sind, um diesen Eindruck zu erwecken, Fälschung, Unterschlagung und Lüge, macht der Beitrag der ARD mehr als deutlich.

Derartige Versuche, die Öffentlichkeit zu täuschen und zu manipulieren, wären natürlich Erfolg versprechender, wenn es gelänge, diese elendigen neuen Medien entweder zu diskreditieren oder zu kontrollieren. Versuche in beide Richtungen, werden derzeit mit den FakeNews- und Hasskommentar-Kampagnen unternommen. Denn merke: Sind die sozialen Netzwerke erst diskreditieren, dann lügt es sich öffentlich-rechtlich ganz unkontrolliert.


Hinweise für ScienceFiles?
Schreiben Sie uns.

ARD: Sigmar Gabriel hat keine Vernunft, und er kann sie auch in Deutschland nicht finden

Gabriel in den USA. Auf der Suche nach Vernunft.“

ard-gabriel-ohne-vernunftDas schöne an prätentiösen Produzenten von Unsinn ist, dass sie in vielen Fällen gar nicht wissen, was sie da schreiben. Da überschreibt Michael Mair, ARD-Hauptstadtstudio, einen Beitrag mit „Gabriel in den USA. Auf der Suche nach Vernunft“, ganz offensichtlich, weil er auch zum dem isomorphen Haufen deutscher Journalisten gehört, die man wie Pawlows Hund so abgerichtet hat, dass ihnen im Zusammenhang mit Donald Trump nur Derogative einfallen, und stellt dadurch den neuen Außenminister, Sigmar Gabriel, bloß.

Gabriel, „erst seit kurzem im Amt“, wie Mair in seinem Beitrag betont, reist eigens in die USA: „Auf der Suche nach Vernunft“. Wenn ein Mensch an einen bestimmten Ort reist, um dort nach Vernunft zu suchen, dann ergeben daraus zwei logische Schlussfolgerungen:

  1. Da, wo er herkommt, kann er die Vernunft nicht finden.
  2. Er selbst hat keine Vernunft, denn hätte er sie, er müsste sie nicht suchen.

Eigentlich wollte Michael Mair nur Donald Trump beleidigen, implizit, denn zu sagen, dass er Trump für einen Menschen ohne Vernunft hält, das traut er sich nicht. Er suggeriert lieber, lässt andere schlussfolgern, was er nahe legt, wenn er mehrfachbetont, Gabriel brauche Verbündete um mäßigend auf Trump einzuwirken.

Leider führt das Bemühen, Derogation mit Suggestion zu kombinieren, zum sprachlichen Fiasko und Michael Mair attestiert dem deutschen Außenminister nicht nur, dass er keinerlei Vernunft hat, er stellt auch klar, dass Gabriel in Deutschland keine Vernunft finden kann [nur Pack], deshalb muss reist er in die USA.

Hoffen wir, dass Sigmar Gabriel in den USA die Vernunft findet, die ihm fehlt und die er in Deutschland nicht finden kann.

Überall FakeNews: Beschwerden gegen Mainstream-Medien nehmen zu

Wussten Sie schon, dass auch öffentlich-rechtliche Sender und Mainstream-Medien FakeNews verbreiten? Angesichts der Versuche öffentlich-rechtlicher Medien, von Politikern, Ministerdarstellern und von Organisationen, die am Tropf der entsprechenden Ministerien hängen (und würgen) und mit Steuergeldern am Leben erhalten werden, FakeNews zum Monopol sozialer Netzwerke zu stilisieren, ist es notwendig, diese Frage zu stellen. Zum einen kann man damit prüfen, wie erfolgreich die öffentlich-rechtliche FakeNews Indoktrination ist, zum anderen sehen, wie verschüttet der gesunde Menschenverstand schon ist.

FakeNews.pngWer erinnert sich zum Beispiel an die Ukraineberichterstattung der ARD. Die sei zu russlandkritisch haben selbst Mitglieder des ARD-Programmbeirats befunden und eine entsprechende Rüge erteilt. Wenn man sich in Erinnerung ruft, dass Programmbeiräte u.a. mit Gewerkschaftlern, Politikern und Kirchenvertretern bestückt sind, ein ungeheuerlicher Vorgang. Dass beim ZDF schon einmal manipuliert wird, ist auch amtlich und öffentlich gemacht durch den ZDF-Programmbeirat. Kurz: Öffentlich-rechtliche Rundfunksender sind gar nicht die leuchtenden Vorbilder einer intellektuell ungetrübten und interessefreien Berichterstattung.

Weil dem so ist, steht natürlich zu befürchten, dass dann, wenn das immense Wachstum von FakeNews, das von so vielen behaupten und von niemandem belegt wird, tatsächlich in sozialen Netzwerken stattfindet, auch in öffentlich-rechtlichen Medien die falsche, tendenziöse oder hasserfüllte Berichterstattung zunimmt. Schließlich befinden sich die sozialen Netzwerke nicht in einer anderen Gesellschaft als die öffentlich-rechtlichen Medien.

Ein Indikator, anhand dessen man untersuchen könnte, ob die Anzahl von FakeNews, die in öffentlich-rechtlichen Medien verbreitet wird, die Zahl der tendenziösen oder hasserfüllten Berichte zunimmt, wäre z.B. die Entwicklung der Anzahl der Zuschauerbeschwerden gegen das Programm der entsprechenden Rundfunksender.

Seltsamerweise führen ARD und ZDF, die ansonsten jeden Zuschauer akribisch in ihren Mediadaten festhalten, um die Höhe der Werbekosten zu bestimmen, keinerlei Statistik über Zuschauerbeschwerden. Dieselben werden in einer kursorischen Weise berichtet. Die Erstellung des entsprechenden Berichts, der höchst selektiv und ohne jegliche Quantifizierung der Anzahl von Beschwerden ist, hat man Radio Bremen als dem Sender, mit den wenigsten Ressourcen aufgedrückt. Ein Beispiel aus dem Bereich der Transparenzverhinderung.

Beim ZDF sieht es nicht anders aus. Auch hier findet sich keinerlei Statistik, der sich die Anzahl der jährlich beim Sender eingehenden Zuschauerbeschwerden gegen Programminhalte entnehmen lässt.

Bereits 2009 hat Hans-Martin Kepplinger, ein Urgestein der Medienwissenschaft, in einem Beitrag mit dem Titel „Wohlverstandenes Interesse“ und unter der Überschrift „Für mehr Transparenz“ gefordert: „Teil der Jahrbücher [von ARD und ZDF] sollte eine aktuelle Statistik der Programmbeschwerden sein, die geordnet nach Gründen der Beschwerde sowie den Programmen und Sendern, gegen die sie sich gerichtet haben, ausgewiesen werden“ (63).

Wir schreiben das Jahr 2017: Ein entsprechender Nachweis auch nur der Anzahl der Beschwerden, die bei öffentlich-rechtlichen Sendern eingereicht werden, findet nicht statt. Offensichtlich sind ARD und ZDF nicht erpicht darauf, dass das Ausmaß von Kritik und Ärger, das ihre Sendungen hervorrufen, bekannt wird. Lieber deuten sie mit den Fingern auf die sozialen Netzwerke und rufen Hate Speech und FakeNews.

Vielleicht hat diese Verschwiegenheit öffentlich-rechtlicher Sender wenn es um die negative Resonanz auf ihre Programme geht, dazu geführt, dass der VereinStändige Publikumskonferenz der öffentlich-rechtlichen Medien e.V.gegründet wurde. Der Zweck des Vereins wird wie folgt angegeben:

“Zweck des Vereins ist die Wahrnehmung und Förderung der demokratischen Mitsprache bei der Umsetzung des gesellschaftlichen Programmauftrages der öffentlich-rechtlichen Medienanstalten.
Die Ständige Publikumskonferenz hat sich unmittelbar aus der Lanz-Petition heraus etabliert.
Wir verstehen uns als unabhängige basisdemokratische Beschwerde- und Optimierungsinstanz, die aktiv an der Verbesserung des von den BeitragszahlerInnen finanzierten Angebotes der Öffentlich-Rechtlichen mitwirken wird.“

Tatsächlich ist es möglich, sich einen Eindruck darüber, wie unzufrieden die Zuschauer in ihrer öffentlich-rechtlichen, ersten Reihe sind, zu machen, indem man durch das Forum liest, in dem die Programmbeschwerden, die beim Verein gegen die Sendungen in ARD oder ZDF eingereicht werden, veröffentlicht sind.
Auch Tageszeitungen und Printmedien sind nicht die leuchtenden Verbreiter von realen News, nicht die Orte, an denen fern jeder Hate Speech die Wahrheit, nichts als die Wahrheit und nur die Wahrheit berichtet wird. Die Statistiken des Presserates dokumentieren dies eindrücklich, und sie dokumentieren, dass die Unzufriedenheit mit der Berichterstattung in Tagesszeitungen und anderen Printmedien kontinuierlich steigt. Waren es 2009 noch 1268 Beschwerden, die beim Deutschen Presserat eingingen, so beträgt deren Anzahl 2015 bereits 2358, ein Zuwachs von 86%.

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Legte man an die entsprechenden Medien dieselben Kriterien an, die diejenigen, die gegen FakeNews zu Felde ziehen, anlegen, man müsste konstatieren, dass FakeNews in den Tageszeitungen und Printmedien auf dem Vormarsch sind und zu einem immer größeren Problem werden, dessen man nur dadurch Herr werden kann, dass man die entsprechenden Tageszeitungen und Printmedien zwingt, innerhalb von maximal einem Tag und auf der ersten Seite eine Gegendarstellung zu drucken.

Die verfügbaren Daten machen deutlich, dass FakeNews, so sie denn ein Problem darstellen, mit Sicherheit kein Problem darstellen, das auf soziale Netzwerke beschränkt ist. Auf Grundlage der Daten, die wir zusammengetragen haben, muss man feststellen, dass FakeNews in Mainstream Medien auf dem Vormarsch sind, so dass es an der Zeit ist, das Heiko Maas eine Task Force einrichtet, an der Vertreter der sozialen Medien und unabhängige, nicht von einem Ministerium finanzierte Sachverständige teilnehmen. Ziel der Task Force muss es sein, der zunehmenden Anzahl von FakeNews und Hasskommentare in öffentlich-rechtlichen Medien und in Mainstream Medien Herr zu werden. ScienceFiles wird damit beauftragt, die FakeNews in öffentlich-rechtlichen Medien zu identifizieren und mit dem Siegel „geprüfter Fake“ zu versehen. Die Kosten tragen die Steuerzahler – wie immer.

Kepplinger, Hand-Martin (2009). Wohlverstandenes Interesse. Wie effektiver werden? In: Lilienthal, Volker (Hrsg.). Professionalisierung der Medienfausicht. Neue Aufgaben für Rundfunkräte – Die Gemeindedebatte in epd Medien. Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften, S.59-64.

Die gruppenbezogenen Menschenfeinde der ARD

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Rassimus ist eine Unterkategorie davon, kann man als Extrakt der Vielzahl unterschiedlicher Definitionen, die es derzeit gibt, wie folgt definieren:

  • Menschen werden aufgrund willkürlicher Merkmale wie Sprache, Rasse oder Alter in Gruppen eingeteilt.
  • Die Gruppeneinteilung wird dazu benutzt, den jeweiligen Gruppen aufgrund der die Gruppen definierenden Merkmale unterschiedliche Wertigkeiten zuzuschreiben.

Das ist die kürzeste Definition von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, die wir kennen. Und für all diejenigen, die sie gerade abschreiben um sie z.B. in ihren studentischen Arbeiten zu verwenden, es ist unsere, die Definition von ScienceFiles. Also bitte die Definition mit einer Quellenangabe kenntlich machen. Es kommt sowieso wieder bei uns an, über Plagscan, das regelmäßig bei uns fündig wird. Zuletzt von der HU-Berlin aus benutzt (ausgerechnet).

Doch zurück zur gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit.
Stellen wir uns vor, Homosexuellen wird generell der Zugang zu öffentlichen Schwimmbädern verweigert oder Frauen werden nicht mehr zu öffentlichen Veranstaltungen wie z.B. Fußballspielen zugelassen, die Ismen, die in den aufgebrachten Medien, die in der ARD dafür verwendet würden, man kann sie sich lebhaft vorstellen.

Stellen wir uns vor, die Tatsache, dass in Ludwigshafen gerade ein kleiner Teil der BASF in die Luft geflogen ist und entsprechender Rauch verbreitet wurde, wird zum Anlass genommen, um darauf hinzuweisen, dass die Nähe zur BASF die Hauspreise in Ludwigshafen senkt. Nicht auszudenken, das aufgeregte Gegacker, das auf die Kapitalisten- und Bonzenfreunde, die so etwas anmerken, einprasseln würde.

Und jetzt stellen wir uns nichts vor, jetzt lesen wir einen Text von der Tagesschauseite vom heutigen Tag:

ard-kinder-menschenfeinde“Sie sind den Emissionen ausgesetzt, die die Erwachsenen produzieren: Rund 300 Millionen Kinder weltweit müssen extrem verschmutzte Luft einatmen. Das UN-Kinderhilfswerk warnt: Die verschmutze Luft sei mit verantwortlich für den Tod von jährlich 600.000 Kindern.“

Ist man bei der ARD der Ansicht, dass es Luft gibt, die von Kindern eingeatmet wird, und Luft, die von Erwachsenen eingeatmet wird? Wohl kaum, so dumm sind nicht einmal Redakteure der ARD, obwohl man manchmal am Wahrheitsgehalt dieser gerade gemachten Aussage zweifeln kann.

Entsprechend bleibt nur die folgende Interpretation:

Wenn Kinder verschmutzte Luft einatmen, dann ist dies schlimmer als wenn Erwachsene verschmutzte Luft einatmen. Warum ist das schlimmer? Weil allen Kindern die verschmutzte Luft, die von (allen) Erwachsenen produziert wurde, zum Einatmen vorgesetzt wird, während alle Erwachsene sich zu Mitschuldigen an der verschmutzten Luft, die einige von Ihnen herstellen, gemacht haben.

Die Dummheit ist nicht auszuhalten.
Nicht nur, dass jedes logische Gesetz bei der ARD außer Kraft gesetzt wird, wenn es mit dem verantwortlichen Redakteur durchgeht (z.B. der Unterschied zwischen einige und alle im Bezug auf Erwachsene), nein, wenn die Dämme der marginale Vernunft, die in öffentlich-rechtlichen Medien noch zu finden ist, einmal gebrochen sind, dann schwappt hervor, was so mancher Redakteur dort denkt, vom reinen, vom unbefleckten Kindlein, dessen Leben soviel mehr wert ist als das Leben eines Erwachsenen.

Lassen wir Erwachsene also extrem verschmutzte Luft einatmen. Sie sind ja dafür verantwortlich (alle). Aber Kindlein, Kindlein die daran sterben, welche Grausamkeit, 600.000 pro Jahr sterben an extrem verschmutzter Luft wie das „Kinderhilfswerk der UN“ festgestellt haben will, auf Basis welcher Daten auch immer. Die Datenquelle interessiert niemanden bei der ARD, es reicht, den Titel des Berichts „Saubere Luft für Kinder“ zu berichten. Sicher ist richtig, so muss der Redakteur glauben, was die UNICEF schreibt, denn bei der UNICEF arbeiten nur gute Kinderfreunde, denen offensichtlich Erwachsene vollkommen egal sind, so wie sie dem Redakteur bei der ARD, den man entsprechend in die Gruppe der Kinder einordnen muss, egal sind (wir nehmen mit allen Philosophen an, dass Selbsterhalt die Triebkraft menschlichen Lebens ist, deshalb die Einordnung in die Gruppe der Kinder).

Dass die guten Kinderfreunde bei der UNICEF ein Auskommen, ein recht hoch dotiertes Auskommen damit verdienen, in regelmäßigen Abständen Berichte zu veröffentlichen, in denen das Leid von Kindern so dargestellt wird, als lebten diese Kinder in einer Welt für sich, in der Erwachsene nur als Umweltverschmutzung und –schmutzer vorkommen, dass diese Berichte, den Interessen der UNICEF-Angestellten und dem Zweck der UNICEF dienen, auf Kosten der Allgemeinheit ihr vermeintlich gutes Werk zu tun, das kommt bei der ARD niemandem in den Sinn.

Dort werden die wenigen Neuronen, die sich in den Gehirnen der entsprechenden Redakteure noch mit der Verbreitung kognitiver Inhalte beschäftigen, weggeschwemmt von einer affektiven Welle purer Menschenfeindlichkeit, denn (1) werden alle Kinder als Opfer von allen Erwachsenen fein säuberlich getrennt, (2) wird den Kindern ein höherer Wert beigemessen, denn dass Sie „extrem verschmutzte Luft“ einatmen, ist berichtens- und beklagenswert, dass Erwachsene unter der gleichen Luftverschmutzung leiden, ist keiner Erwähnung wert, da alle Erwachsene in den Augen der Redakteure nicht so viel wert sind, wie alle Kinder.

Das ist gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in Reinkultur, in öffentlich-rechtlichen Sendern, mit GEZ-Gebühren finanziert.

Überall Fremdenfeindlichkeit – von Béziers bis Berlin

Fremdenfeindlichkeit ist eine Begriffsmode, die sich langsam aber sicher nicht nur in den Medien durchsetzt, und zwar zur Bezeichnung aller Erscheinungen, die man als negative Form der Betrachtung von Migranten oder als Kritik an der Migrationspolitik von Regierungen ansehen könnte. Vor allem in Deutschland werden normative Begriffe, wie die Fremdenfeindlichkeit genutzt, um Stimmung für die Regierungspolitik zu machen und alle, die die Regierungspolitik im Hinblick auf Migranten nicht mittragen, zu ächten, zu bösen Menschen, zu Rechtsextremisten oder zu sonst etwas zu erklären, was deutlich macht, dass die entsprechenden Menschen den Boden der Regierungskonformität verlassen haben.

Die vollkommene Ächtung jeder Kritik an z.B. der großen Zahl von Migranten, die in Deutschland aufgenommen wurden und werden, kommt einem Redeverbot gleich, das in dieser Form vor allem aus faschistischen Systemen bekannt ist, in denen versucht wird, bestimmte Sprachregelungen durchzusetzen und bestimmte Informationen nicht mehr zuzulassen. Insofern ist die Weigerung die Migrationspolitik der Bundesregierung zu diskutieren, ein Zeichen dafür, dass demokratische Grundprinzipien in Deutschland nicht mehr gelten, dass der öffentliche Diskurs vielmehr von bestimmten Themen, die der Sprachregelung, die durchgesetzt werden soll, nicht entsprechend, gereinigt werden sollen.

Fremdenfeindlichkeit hat sich als Begriff in diesem Zusammenhang bewährt, um Kritiker der Politik der „Willkommenskultur“, zu diskreditieren und aus dem öffentlichen Diskurs zu drängen. Fremdenfeindlichkeit ist ein normatives Konzept, das die Bewertung gleich in sich trägt, denn wer „feindlich“ eingestellt ist, der kann in der Plastikwelt moderner Vielfalt nicht gut sein, muss vielmehr verderbt sein. Der gute Bürger ist nicht feindlich, schon gar nicht gegenüber Fremden. Er ist ein sanftmütiger, friedliebender Altruist, der die zweite Hälfte seines St. Martinsmantel teilt, nachdem ihm die erste Hälfte bereits von seinem Staat (als Steuer) abgenommen wurde. Der gute Bürger hält den Mund und nickt an der richtigen Stelle.

Der gute Bürger kritisiert nicht. Er kritisiert vor allem keine Einwanderungspolitik, Migrationspolitik, Frauenpolitik, Schwulen- und Lesbenpolitik, Sozialpolitik, sonst gilt er als Fremdenfeind, Rassist, Anti-Genderist, als homophob und egoistisch.

Eigentlich ein lustiges Spiel, dieser Versuch einer schwachen Republik, Kritiker mit Begriffen einzuschüchtern. Ganz so lustig ist das Spiel jedoch nicht, denn die Begriffe genügen, um soziale Leben zu zerstören, durch anonyme Anzeige, Anschwärzen beim Arbeitgeber, durch vorauseilende Diffamierung besonders treuer Staatsvasallen …, die auf Begriffe reagieren, die sie in der Regel nicht verstehen und schon gar nicht hinterfragt haben.

menard-beziersNehmen wir z.B. Ellis Fröder, die gerade einen wüsten Beitrag über Robert Ménard, den Bürgermeister von Béziers für die ARD verfasst hat, in dem sie Robert Ménard nicht freundlich gegenübersteht, den Bürgermeister vielmehr als Fremdenfeind und Opportunisten, ja fast feindlich darstellt. Da Robert Ménard und Ellis Fröder sich nicht persönlich kennen werden, ist Robert Ménard für Ellis Fröder ein Fremder, ihre Darstellung von Ménard ein Beispiel der Fremdenfeindlichkeit.

Der Begriff der Fremdenfeindlichkeit, analytisch genutzt, wie wir das gerade getan haben, verliert somit jeden Wert. So betrachtet ist jeder ein Fremdenfeind, denn jeder von uns kann Personen benennen, die er nicht kennt, die ihm fremd sind und die er nicht leiden kann, denen er feindlich gegenübersteht. Wir können das. Sie können das. Probieren sie es: Fremdenhass hat etwas Kathartisches. Wir stehen z.B. allen überzeugten Sozialisten feindlich gegenüber. Sozialisten sind uns fremd, wollen Dinge durchsetzen, die unsere Freiheit beeinträchtigen und entsprechend von uns nicht friedlich, sondern feindlich goutiert werden, fremdenfeindlich.

winnetouWie gesagt, analytisch hat der Begriff der Fremdenfeindlichkeit keinerlei Wert. Man muss ihn normativ aufladen, indem man zunächst seinen ersten Teil positiv belegt, denn: fremd ist gut! Fremd ist nicht schlecht. Mit dem Begriff des Fremden gehen nur gute Assoziationen einher, keine schlechten. Der Begriff des „Fremden“, wie er von denen benutzt wird, die ihre Einwanderungspolitik jeder Kritik und Diskussion entziehen wollen, ist Ausdruck des Motivs des Edlen Wilden, das sich durch den Orientalismus des 19. Jahrhunderts ebenso zieht, wie durch die Winnetou Bücher von Karl May. Der Fremde kann nur edel und gut sein. Auf diesem Niveau sind offensichtlich eine ganze Menge Deutscher stehen geblieben.

Folgerichtig kann man eigentlich gar nicht fremdenfeindlich sein. Wer würde dem edlen Wilden niedere Motive unterstellen? Winnetou ist ein guter Indianer, ein edler Wilder, der jede Sekunde Blutsbruderschaft von Old Shatterhand wert war. Und genau auf diesem Stadium der verklärten Bewunderung des edlen Wilden finden sich eine Reihe wissenschaftlicher Definitionen des Begriffs „Fremdenfeindlichkeit“. So schreibt Bornewasser:

“Fremdenfeindlichkeit wird im vorliegenden Bericht als eine motivierte Bereitschaft verstanden, sich gegenüber Personen, die nicht dem eigenen Volk oder der eigenen Nation angehören und die vorübergehend oder auf Dauer im eigenen Land leben, abwertend, abweisend und diskriminierend zu verhalten“ (Bornewasser 1999: 292).

Bornewasser räumt selbst ein, dass seine Definition „weich und weit“ ist. Er hätte auch sagen können, dass sie nutzlos ist. Nutzlos ist sie schon deshalb, weil sie dann, wenn man die Definition ernst nehmen würde, als fremdenfeindlich qualifiziert werden müsste, denn sie ist denjenigen, die sich abwertend, abweisend und diskriminierend gegenüber Personen verhalten, die „vorübergehend oder auf Dauer“ in ihrem Land leben, abwertend, abweisend und diskriminierend, und da Bornewasser diejenigen, die er abwertet, diskriminiert und denen er gegenüber sich abweisend verhält, nicht kennt, sie ihm fremd sind, ist seine Definition fremdenfeindlich und er auch.

Diesem Problem der Selbsreferentialität der Definition von Fremdenfeindlichkeit, kann man auch nicht dadurch entgehen, dass man, wie Schröder das tut, die „Raumzeitwelt“ einführt:

“Zusammenfassend ist der Fremde also ein ‚Eindringling‘ in eine ihm fremde Raumzeitwelt, die ihm entgegengebrachte Abwehrhaltung soll an dieser Stelle als Fremdenfeindlichkeit bezeichnet werden.“

Polizisten, die Häuser von fremden Besetzern räumen, die wiederrechtlich besetzt wurden, qualifizieren sich damit ebenso zu Fremdenfeinden wie Eigentümer, die einen ihnen fremden Einbrecher aus ihrem Haus vertrieben sehen wollen. Die Definition ist offenkundiger Unsinn und zudem partiell tautologisch, denn der Begriff des Fremden trägt die Wertung „Eindringling“ schon in sich, denn würde der Fremde nicht als Eindringling wahrgenommen, er würde vermutlich auch nicht als Fremder erkannt.

Die dargestellte Unfähigkeit, den Begriff „Fremdenfeindlichkeit“ sinnvoll zu definieren, hat damit zu tun, dass der Begriff nur dann Sinn macht, wenn man ihn auf Basis einer ganz bestimmten normativen Grundhaltung benutzt, einer Grundhaltung, die alles als nicht-Fremd ansieht, was positiv bewertet ist und alles als fremd, was nicht positiv bewertet ist. Entsprechend werden Fremde zu Nicht-Fremden, wenn sie positiv bewertet werden und Nicht-Fremde werden zu Fremden, wenn sie negativ bewertet werden. Klingt kompliziert, ist aber ganz einfach: Zuwanderungs-Enthusiasten sehen in Migranten die edlen Wilden und stehen den Fremden, die da kommen, positiv gegenüber. Gleichzeitig verfremden sie diejenigen, die den Migranten negativ gegenüberstehen, selbst dann, wenn sie sie kennen, und stehen ihnen in Konsequenz feindlich, fremdenfeindlich gegenüber.

Normative Begriffe taugen eben nicht dazu, außerhalb der Welt der eigenen Normen anderen oktroyiert zu werden. Man kann versuchen, sich über Normen zu verständigen, aber man kann sie anderen nicht aufzwingen – nicht in Demokratien.

Das ist der Grund, warum Wissenschaftler, die ernst genommen werden wollen, entweder den Begriff der Fremdenfeindlichkeit nicht benutzen oder ihn so definieren, wie Hans-Gerd Jaschke: Als „die öffentlich demonstrierte aggressive Abwehr des Fremden …“ (62). Aber selbst Jaschke kommt nicht um den normativen Kern von Fremdenfeindlichkeit herum, die den Fremden, der notwendig, vom eigenen abgesetzt und als anders wahrgenommen und bewertet werden muss, voraussetzt.

So definiert und an die Bedingung „aggressiver Abwehr“ geknüpft, eine Bedingung, die noch vage genug ist, zumal die Ansichten darüber, was Aggression ist und was nicht, auseinandergehen, ist die Plakataktion von Robert Ménard keine fremdenfeindliche Aktion, fremdenfeindlich ist jedoch der Beitrag von Ellis Fröder, in dem ohne Not eine Diskreditierung von Ménard vorgenommen wird, einmal durch den Fehlschluss der falschen Assoziation: Weil Ménard auch mit den Stimmen des Front Nationale gewählt wurde, muss er ein Böser sein, einmal durch den Fehlschluss der Trivialisierung, denn: „gerade einmal 40 Flüchtlinge“ soll Béziers aufnehmen, wie Frau Fröder weiß, woran man sieht, wie kleinlich und fremdenfeindlich Robert Ménard doch ist. Wo ist nur das „Wehret den Anfängen“ als analytischer Rat geblieben? Und wieso wird in Deutschland wegen gerade einmal 40 Neonazis, die in einem Nest in Nordbayern auftauchen, der nationale Notstand ausgerufen?

Es ist eben alles eine Frage der Bewertung. Und eine Gesellschaft, die nur noch bewerten und keine Diskussion mehr über Fakten und Konsequenzen führen kann, verkommt notwendig zur totalen Institution, weil sie als freie Gesellschaft nicht funktionieren kann.

Bornewasser, Manfred (1999). Fremdenfeindlichkeit und Polizei. In: Dünkel, Frieder & Geng, Bernd (Hrsg.). Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. Bestandsaufnahme und Interventionsstrategien. Mönchengladbach: Forum Verlag Bad Godesberg, S.289-310.

Jaschke, Hans-Gerd (2001). Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. Begriffe, Positionen, Praxisfelder. Opladen: Westdeutscher Verlag.

Schröder, Sebastian (2003). Fremdsein und Fremdenfeindlichkeit. Marburg: Tectum.


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Schneller als jedes Gericht: ARD spricht Antifa-Dresden frei

Das Bekennerschreiben der Antifa Dresden, das auf Indymedia veröffentlicht wurde, das derzeit von der Sächsischen Polizei geprüft wird und das zudem in genau der Weise verfasst ist, wie man sie von linken Radikalen gewohnt ist, es ist ein Fake, da ist sich die ARD ganz sicher.

Genau so schnell, wie öffentliche Medien dabei sind, noch nicht ermittelte Täter in den Reihen von Rechten zu wissen, genau so schnell gelangen die selben öffentlichen Medien zu dem Wissen, dass das Bekennerschreiben der Antifa Dresden nicht von der Antifa Dresden stammt.

Die Indizienkette der ARD ist erschütternd:

  1. linksunten_bekennerschreibenDas Bekennerschreiben verlinke auf die Webseite des Antifa-Bündnisses in Dresden, auf der gegen die Einheitsfeier mobilisiert werde.
  2. Das Anschlagziel Moschee spreche nicht für linksradikale Täter.
  3. Im Bekennerschreiben finde sich kein Täterwissen.
  4. „Vor allem haben sich die angeblich linken Urheber bereits gestern via Twitter von dem ‚Bekennerschreiben‘ distanziert.“

Bei der ARD sind offensichtlich redaktionelle Koryphäen am Werk, die mit allem, was Logik und Kunst des Schließens ist, auf Kriegsfuß stehen.

  1. Das Bekennerschreiben verlinkt nicht nur auf die Seite der Antifa Dresden, es gibt auch als Verfasser die Antifa Dresden an. Beides, dass ein Link gesetzt wird und ein Verfasser angegeben wird, ist für Veröffentlichungen auf Linksunten eher die Regel als die Ausnahme und somit keinerlei Indiz, das für oder gegen etwas spricht. Aus der Tatsache, dass ein Link gesetzt wurde, kann man schlicht nichts schließen, wenn man nicht unbedingt etwas schließen will.
  2. Dass das Anschlagsziel „Moschee“ nicht für linksradikale Täter spricht, ist eine Aussage, die man nur aus einem geschlossenen ideologischen Weltbild heraus treffen kann und selbst von dort aus nur dann, wenn man das Anschlagsziel ICC ausblendet. Letzteres kann man nur ausblenden, wenn man es ausblenden will, um z.B. die Antifa Dresden von jedem Verdacht reinzuwaschen. Im übrigen liegt hier der Fehlschluss vor, den wir bereits gestern thematisiert haben.
  3. Dass etwas nach Ansicht der Journalisten der ARD fehlt, kann nur dann als Argument vorgebracht werden, wenn man belegt, dass das, was im Bekennerschreiben aus Dresden angeblich fehlt als Regel in anderen Bekennerschreiben enthalten ist. Ist es nicht als Regel enthalten, ist die Aussage, dass es fehlt, sinnlos.
  4. Nach der Lex ARD muss ab sofort jeder Angeklagte, der vor Gericht erscheint und den Tatvorwurf, der ihm gemacht wird, bestreitet, freigesprochen werden. Gerichtsverhandlungen können wir uns also sparen.

Es ist schon erstaunlich, wie schnell die ARD auf einen Vorfall reagiert, der doch belanglos sein sollte, wenn es sich so verhält, wie die ARD glauben machen will, dass nämlich die Antifa Dresden ein ganz unschuldiges Opfer von Spaßvögeln geworden ist, die die gute Antifa in ein schlechtes Licht rücken wollen. Offensichtlich gibt es ein massives Bedürfnis in den öffentlich-rechtlichen Redaktionsräumen, das eigene Weltbild, nachdem nur Rechte Anschläge auf Moscheen verüben (und aus welchen Gründen auch immer auf das ICC) das sehr groß ist, wohl in etwa so groß, wie die personellen Verquickungen zwischen ARD-Journalisten und Antifa.

 

Das Kleingedruckte bei Wahlumfragen: Nur die SPD über 20% oder doch nicht?

Die ARD wartet mit der neuesten Wahlumfrage für die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus auf. Titel: „Nur die SPD kommt über 20 Prozent“. Die Zahlen, die im Verlauf des Beitrags präsentiert werden, scheinen die Schlagzeile zu bestätigen:

  • SPD: 21%
    CDU: 19%
    Grüne: 16%
    Linke: 15%
    AfD: 15%

Das Kleingedruckte, das neuerdings bei öffentlich-rechtlichen Beiträgen, die Wahlumfragen zum Gegenstand haben, mit gedruckt wird, weckt jedoch Zweifel an der Schlagzeile und nicht nur an der Schlagzeile. Im Kleingedruckten steht:

stupendous yappi1„Fallzahl: 1002 Befragte
Erhebungszeitraum: 06. bis 07. September 2016
Fehlertoleranz: 1,4* bis 3,1** Prozentpunkte
Durchführendes Institut: Infratest dimap

* bei einem Anteilswert von 5 Prozent ** bei einem Anteilswert von 50 Prozent
*** Die Ergebnisse sind auf ganze Prozentwerte gerundet, um falsche Erwartungen an die Präzision zu vermeiden. Denn für alle repräsentativen Befragungen müssen Schwankungsbreiten berücksichtigt werden. Diese betragen im Falle eine Erhebung mit 1000 Befragten bei großen Parteien rund 3 Prozentpunkte, bei kleineren Parteien etwa 1 Punkt. Hinzu kommt, dass der Rundungsfehler für kleine Parteien erheblich ist. Aus diesen Gründen wird deshalb keine Partei unter 3 Prozent in der Sonntagsfrage ausgewiesen.“

Wie gewöhnlich fehlt die Angabe der „validen Antworten“, also des Anteils der 1002 Befragten, die auch tatsächlich eine Wahlabsicht für eine Partei angegeben haben. In der Regel geben 2/3 der Befragten, wenn sie nach der Partei, die sie wählen würden, wenn am nächsten Sonntag die Wahl zum in diesem Fall Berliner Abgeordnetenhaus anstünde, eine Partei an, 1/3 geben keine Partei an. Die tatsächliche Grundlage der dargestellten Parteienanteile ist entsprechend viel kleiner als suggeriert wird.

Aber das ist nur einer der Taschenspielertricks, die von Umfrageinstituten benutzt werden, um aus wenig viel mehr zu machen.

Die anderen Tricks finden sich im Kleingedruckten.

Nehmen wir zunächst den Hinweis auf die Rundung. Er besagt, dass die 21% der SPD gerundete Prozent sind. Es können entsprechend 21,49% oder 20,50% von rund 700 Befragten sein (zwischen 143 und 147 Befragte), die eine Wahl der SPD angegeben haben. Für die anderen Parteien gilt dasselbe, was für die FDP bedeutet: Ihre Rundung ist ein Politikum, denn aus 4,5% werden eben einmal 5% gerundet (vielleicht werden auch aus 5,49% 5%, aber das ist nicht so wahrscheinlich).

Bleibt festzuhalten, wir haben es hier mit einem Wertebereich zu tun, den wir nicht genau kennen. Denn: Es wurde gerundet, ob ab- oder aufgerundet wurde, weiß außer dem Runder niemand.

Hinzu kommen die „Schwankungsbreiten“, die einmal für große Parteien 3% betragen, einmal 3,1% als Fehlertoleranz. Entsprechend schafft es die SPD nicht auf 21%, sondern auf einen Wert, der irgendwo zwischen 17,9% und 24,1% liegt. Dass die Mitte der Schwankungsbreite angegeben wird, ist eine Konvention, die man ebenso gut einhalten kann, wie man sie lassen kann. Letztlich ist die Wahrscheinlichkeit, dass die SPD bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus bei 17,9% endet, ebenso hoch, wie die Wahrscheinlichkeit, dass sie 21% oder 24,1% der abgegebenen Stimmen erhält. Aber diese statistischen Zusammenhänge sind Gift für Journalisten, die gerne eindeutige politische Aussagen machen wollen, z.B.: „Nur die SPD kommt über 20 Prozent“.

Diese Aussage ist mit ebenso hoher Wahrscheinlichkeit richtig wie sie falsch ist. Sie ist schlicht wertlos, wie ein Blick auf die Wertebereiche zeigt:

  • SPD: 17,9% bis 24,1%
    CDU: 15,9% bis 22,1%
    Grüne: 12,9% bis 19,1%
    Linke: 11,9% bis 18,1%
    AfD: 11,9% bis 18,1%

Theoretisch ist es möglich, dass alle fünf genannten Parteien bei 18% der Wählerstimmen enden. Das ist die Folge der „Schwankungsbreite“, von der im Kleingedruckten die Rede ist. Entsprechend ist die Wahlumfrage der ARD nur insofern nützlich, als sie es erlaubt, die Präferenzen derer zu beschreiben, die die Schwankungsbreite in ein politisches Statement umsetzen wollen, mit dem man vielleicht Wähler beeinflussen kann: „Nur die SPD kommt über 20%“ lautet das Statement, das die ARD gerne verbreiten will. Ob es sich dabei um versuchte Wahlhilfe für die Genossen in Berlin handelt, ist eine Frage, die sich jeder selbst beantworten kann.


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