Die nicht mit dem Gehirn denken: Dummheit 1. Ordnung

Stammlesern von ScienceFiles ist unser Konzept der Dummheit erster, zweiter und dritter Ordnung bekannt. Allen anderen sei es an dieser Stelle noch einmal kurz dargelegt:

Dummheit erster Ordnung:

Fakten können nicht deskriptiv, sondern nur normativ wahrgenommen und entsprechend interpretiert werden.

Dummheit zweiter Ordnung:

Fakten werden in ihrer bereits bewerteten Form zu erklären versucht, wobei Erklärungsversuch und Bewertung auf denselben Prämissen basieren, was folgerichtig zu einer Tautologie führt.

Dummheit dritter Ordnung:

Die tautologische Erklärung bewerteter Fakten wird durch eine Verschwörungstheorie oder einen sonstigen Verweis auf das Wirken geheimer Mächte qualifiziert, deren Motivation über einen genetischen Fehlschluss oder einen anderen Essentialismus herbeigebogen wird, z.B. die essentiell bösen Männer, die nichts lieber wollen, als Frauen zu benachteiligen.

Die drei Formen der Dummheit sind in Deutschland endemisch, und entsprechend ist nicht verwunderlich, dass auch wir ab und zu Kommentare erhalten, die Ausdruck einer der drei Formen der Dummheit sind.

Ein besonders schönes Beispiel der Dummheit erster Ordnung, das uns in Kommentarform erreicht hat, wollen wir unseren Lesern nicht vorenthalten, schon weil der Urheber des entsprechenden Kommentars so viel Wert auf eine Veröffentlichung seiner affektiven Betroffenheit legt, dass er den Kommentar im Abstand von jeweils fünf Minuten gleich mehrfach abgesetzt hat. Damit die Erleichterung, die der Kommentierende sich mit dem Kommentar verschaffen wollte, nicht verpufft, hier also sein Kommentar, ein perfektes Beispiel für Dummheit erster Ordnung, das er unter dem Pseudonym „wasfüreinschwachsinn“ abgesetzt hat. Ob sich der Kommentator in einem Anflug von selbstreferentieller Gehirntätigkeit „wasfüreinschwachsinn“ genannt hat, ist leider nicht feststellbar.

evil-gnome“Und wieviel kosten uns all die rauchenden Alkoholiker pro Jahr, die nirgends aus Angst um ihr Leben hinfliehen müssen? Und die rein mutwillig aus Spaß an der Sucht diese Kosten produzieren? Sorry, aber dieser ganze Artikel ist menschenverachtender Humbug! Und bei über 5 Milliarden Haushaltsüberschuß alleine dieses Jahr: Wir schaffen das sehr wohl! Mir Links sogar!”

Wir haben es hier offensichtlich mit einem affektiv getriebenen und von empirischen Eindrücken nicht mehr zu erreichenden Kommentatoren zu tun, der nicht in der Lage ist, den Sinn von geschriebenem Text zu erfassen.

Sein Kommentar zu unserem Beitrag „2000 Euro Behandlungskosten pro Flüchtling und Jahr – Daten und Fakten zur medizinischen Versorgung” gibt einen Einblick in die Psyche eines Menschen, deren ganzes Wohl und Wehe darauf gerichtet ist, als gut zu erscheinen.

Zur Erinnerung: Im Beitrag gehen wir den Fragen nach, wer die Kosten der medizinischen Behandlung von Flüchtlingen/Asylbewerbern trägt und wie hoch die Kosten sind. Beides sind deskriptive Fragen, und entsprechend finden sich in unserem Text ausschließlich Fakten: Paragraphen aus Gesetzen, die die Zuständigkeit bei der Finanzierung aufzeigen und das wenige an Daten, das es zur Frage der tatsächlichen Kosten gibt, die die medizinische Behandlung eines Flüchtlings/Asylbewerbers pro Jahr im Durchschnitt verursacht.

Diese deskriptive Darstellung liest unser Kommentator als Anklageschrift. Offensichtlich kann er nicht anders als Kosten im Zusammenhang mit Flüchtlingen mit seinen negativen Konnotationen von vermutlich Rassismus oder Rechtsextremismus oder Menschenfeindlichkeit zu verbinden und diese Konnotationen, die ihm einfallen, dann anderen unterschieben zu wollen, quasi als Form der Purifikation, denn derartige Konnotationen würden guten Kommentatoren wie „wasfüreinschwachsinn“ natürlich nie in den Sinn kommen. Diese Form der Schizophrenie, die es schafft, die Verarbeitung affektiver Bedürfnisse und kognitiver Fakten im eigenen Gehirn so zu trennen, dass Letztere unter den Tisch fallen, ist ein Indikator für Dummheit erster Ordnung und vermutlich einer für eine psychische Störung.

Denn: Ehrlich gesagt, wir haben keine Ahnung wie ein Kommentator wie „wasfüreinschwachsinn“ ein normales Leben leben will. Wenn er beim Bäcker Brötchen kauft und ihm „das macht 6 Euro 50“ gesagt wird, dann fängt er vermutlich an, den Verkäufer zu beschimpfen, weil dieser ihn wohl für einen kapitalistischen Ausbeuter hält. Hört er im Radio, dass der 1. FC Kaiserslauten in der zweiten Liga auf einem Abstiegsplatz steht, dann echauffiert er sich vermutlich darüber, dass damit eine strukturschwache Region schlecht gemacht wird, und wenn er hört, dass die medizinische Versorgung von Flüchtlingen 2000 Euro pro Kopf und Jahr kostet, dann kann er nicht anders, als dahinter die Prämisse zu vermuten, dass jemand den Flüchtlingen das Kommen oder die medizinische Behandlung verweigern will, weil die Kosten zu hoch sind, denn nur vor dieser Prämisse macht sein Kommentar überhaupt Sinn. Nur: Das ist die Prämisse von „wasfüreinschwachsinn“, nicht die Prämisse unseres Beitrags. Es sind seine Gedanken, nicht unsere. Er ist zu diesen Verbindungen im Stande, nicht wir. Er sollte sich dafür schämen, sofern er noch weiß, was Scham ist. Wir hoffen, dass er noch zur Scham fähig ist, denn „der Verlust von Scham“, so soll Siegmund Freud gesagt haben, „ist das erste Anzeichen des Schwachsinns“.

Die Überschrift „Die nicht mit dem Gehirn denken“ kann man als Selbstwiderspruch auffassen, denn womit sonst als dem Gehirn, sollte man denken? Die Wahl dieses Titels ist eine Form von Hilflosigkeit, denn wir wissen nicht, wie wir die Tatsache, dass manche einerseits in der Lage sind, Kommunikationsformen, deren Nutzung eine rudimentäre Beteiligung von Denkprozessen voraussetzt, zu nutzen, andererseits diese Denkprozesse von der Formulierung der Inhalte der Kommunikation vollständig auszuschließen im Stande sind. Wer eine Idee zur Benennung dieses Störungsbildes hat, der möge sie uns mitteilen.

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