Meistens, wenn sich Journalisten in öffentlich-rechtlichen Medien mit Wissenschaft beschäftigen und ihre Leser über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse unterrichten wollen, wird es peinlich, für die Journalisten. Erinnert sei nur an die Berichte über den Beitrag in der „Spaß-Ausgabe“ des British Medical Journal, in dem britische Forscher um Dennis Lendrem eben einmal die „Male Idiot Theory“ erfunden und sehr erfolgreich vor allem deutschen Journalisten untergeschoben haben..
Das besonders Peinliche an der Darstellung von Jaecker, er schreibt einen Text, der sich nach seinen eigenen Kriterien, die Jaecker zur Identifikation einer Verschwörungstheorie gibt, als eine Verschwörungstheorie darstellt.
Verschwörungstheorien zeichnen sich für Jaecker dadurch aus, dass (1) „willkürlich herausgegriffene Fakten … in kausale Zusammenhänge gestellt werden“, (2) dass sie ein Körnchen Wahrheit enthalten, dass sie (3) auf Vorurteilen oder Ressentiments aufbauen und (4) dass sie auf mächtige Gruppen abstellen, die im Hintergrund die Fäden ziehen.
Alle vier Kriterien befriedigt Jaecker mit seinem eigenen Text
(1) Willkürlich herausgegriffene Fakten in kausalem Zusammenhang
Jaecker behauptet: Verschwörungstheorien seien in Krisenzeiten der Renner, wenn Menschen von politischen und wirtschaftlichen Umbrüchen überrollt würden, lieferten solche Theorien „simple, scheinbar schlüssige Erklärungen“. Die offiziellen Erklärungen würden als Lug und Trug abgetan, die die Wahrheit verbergen sollen.
Alles, was Jaecker hier behauptet, trifft auf seine eigene „Theorie“ zu (und abgesehen davon ist es die reine Erfindung, da es keinerlei empirisch belastbare Daten gibt, die zeigen, was Jaecker hier behauptet). Er hat keinerlei Beleg dafür, dass Verschwörungstheorien in „Krisenzeiten der Renner“ sind, er hat nicht einmal einen Beleg dafür, dass wir derzeit in einer Krisenzeit leben, wie er suggerieren will. Er liefert vielmehr eine simple, aus seiner Sicht schlüssige Erklärung dafür, warum Verschwörungstheorien florierten und macht seine eigene Theorie somit zur Verschwörungstheorie, mit der alles, was nicht der offiziellen Erklärung genügt, als Lug und Trug abgetan und die Wahrheit offizieller Erklärungen in Abrede gestellt werden soll.
(2) Körnchen Wahrheit
Das Körnchen Wahrheit ist leicht zu finden, es muss ja nur ein Körnchen sein, im Fall von Jaecker besteht es in der Aussage, Verschwörungstheorien basierten darauf, einer kleinen Gruppe zu unterstellen, sie wolle das Volk täuschen. Da Verschwörungstheorien so definiert sind, wie es Jaecker hier schreibt, ist es nicht verwunderlich, dass man in seiner Aussage ein Körnchen Wahrheit findet.
(3) Vorurteile und Ressentiments
(4) Mächtige dunkle Mächte im Hintergrund
Eine regelrechte „Verschwörungsindustrie, … die auf die Verbreitung derartiger Gerüchte spezialisiert sei“, so weiß Jaecker zu berichten, habe sich in Deutschland etabliert. Warum? Um Geld zu verdienen, quasi eine anti-jüdisch-kapitalistische Weltverschwörung, die uns Jaecker hier nahebringen will. Insofern zeigt sich Jaecker als bestes Beispiel eines Verschwörungstheoretikers, der wie er schreibt – für ihn „undurchschaubare Ereignisse in ein geschlossenes Weltbild einordne[t] und alte Feindbilder bediene[t]“.
Bei/mit der ARD hat man, im Bemühen FakeNews und Verschwörungstheorien zu bekämpfen, wieder einmal den Bock zum Gärtner gemacht. Es ist, wie so oft, wenn man bei öffentlich-rechtlichen Anstalten in die erste Reihe gezwungen wird – in den Worten Jaeckers: alles „ein großer Bluff“.
Und der positive Teil zum Schluss:
Eine Verschwörungstheorie ist eine Theorie, die eine Verschwörung als Ursache einer Entwicklung oder eines Ereignisses behauptet.
Wie jede Theorie müssen sich auch Verschwörungstheorien an drei Kriterien, die Theorien auszeichnen, messen lassen:
- Die Theorie muss einen empirischen Gehalt haben: Es muss möglich sein, aus der Theorie singuläre Aussagen abzuleiten, die an der Realität scheitern können.
- Die Theorie muss in sich stimmig sein und darf keine logischen Widersprüche enthalten. Warum nicht? Weil man dann etwas und sein Gegenteil aus der Theorie ableiten kann (z.B.: Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist.).
- Singuläre Aussagen, die aus der Theorie abgeleitet, die an der Empirie getestet wurden und die sich als falsch erwiesen haben, müssen zu einer Veränderung der Theorie führen. Die Theorie muss entsprechend modifiziert werden, so dass die falsifizierende Beobachtung nicht mehr im Gegensatz zu den Aussagen der Theorie steht. Ist eine solche Modifikation nicht möglich, ist die Theorie zu verwerfen.
Wenig verwunderlich genügt der Text über Verschwörungstheorien, den Jaecker fabriziert hat, seine Theorie der Verschwörungstheorie keinem der drei Kriterien, womit seine Verschwörungstheorie der Verschwörungstheorie hinter einer Vielzahl von Verschwörungstheorien zurückbleibt.
