Ohne Arbeit werden Menschen wieder zu Affen: ScienceFiles Wissenschaftsrätsel

Wie wäre es einmal wieder mit einem Wissenschaftsrätsel?

Wer googled wird disqualifiziert!

Wir haben einen Text ausgegraben, der von einem Vulgär-Anthropologen geschrieben wurde, für den die Entwicklung von Menschen ein linearer Prozess ist, an dessen Anfang der Affe steht, der eines Tages den aufrechten Gang lernt. Weil er nun keine Verwendung mehr für seine beiden Vorderfüße hat, nennt er sie Hände und nutzt sie für Arbeit. Hat man Arbeit erst einmal in die Hand genommen, dann ergeben sich mannigfaltige Möglichkeiten der Arbeit, die kommuniziert werden müssen. Deshalb entwickelt sich die Sprache, weil Umpf Umpf auf Dauer nicht ausreicht. Weil Sprache langweilig ist, wenn man sie an sich selbst richtet, deshalb folgt die Gesellschaft, die wiederum ein direktes Ergebnis von Arbeit ist.

Wie für die meisten linearen Prozessen, so gilt auch für den soeben beschriebenen, dass er prinzipiell umkehrbar ist: Wenn in einer Gesellschaft Arbeit entwertet wird, dann leidet die Sprachfähigkeit, die Hand entwickelt sich zurück und die Menschen gehen zurück auf die noch verbliebenen Bäume und betätigen sich von da an wie richtige Affen.

Im Folgenden haben wir den soeben zusammengefassten Text im Original und im Anschluss daran fragen wir, von wem der Text stammt. Sechs Kandidaten stehen zur Auswahl:

  • Friedrich Schiller
  • Georg Wilhelm Friedrich Hegel
  • Friedrich Schleiermacher
  • Friedrich Engels
  • Oswald Spengler
  • Ferdinand Lassalle
  • Adolf Hitler

questionmark2[Der aufrechte Gang]

“Wohl zunächst durch ihre Lebensweise veranlaßt, die beim Klettern den Händen andre Geschäfte zuweist als den Füßen, fingen diese Affen an, auf ebner Erde sich der Beihülfe der Hände beim Gehen zu entwöhnen und einen mehr und mehr aufrechten Gang anzunehmen. Damit war der entscheidende Schritt getan für den Übergang vom Affen zum Menschen.

[…]

Wenn der aufrechte Gang bei unsern behaarten Vorfahren zuerst Regel und mit der Zeit eine Notwendigkeit werden sollte, so setzt dies voraus, dass den Händen inzwischen mehr und mehr anderweitige Tätigkeiten zufielen. Auch bei den Affen herrscht schon eine gewisse Teilung der Verwendung von Hand und Fuß. Die Hand wird, wie schon erwähnt, beim Klettern in andrer Weise gebraucht als der Fuß. Sie dient vorzugsweise zum Pflücken und Festhalten der Nahrung, wie dies schon bei niederen Säugetieren mit den Vorderpfoten geschieht. Mit ihr bauen sich manche Affen Nester in den Bäumen oder gar, wie der Schimpanse, Dächer zwischen den Zweigen zum Schutz gegen die Witterung. Mit ihr ergreifen sie Knüttel zur Verteidigung gegen Feinde oder bombardieren diese mit Früchten und Steinen. Mit ihr vollziehen sie in der Gefangenschaft eine Anzahl einfacher, den Menschen abgesehener Verrichtungen. Aber grade hier zeigt sich, wie groß der Abstand ist zwischen der unentwickelten Hand selbst der menschenähnlichsten Affen und der durch die Arbeit von Jahrhunderttausenden hoch ausgebildeten Menschenhand. Die Zahl und allgemeine Anordnung der Knochen und Muskeln stimmen bei beiden; aber die Hand des niedrigsten Wilden kann Hunderte von Verrichtungen ausführen, die keine Affenhand ihr nachmacht. Keine Affenhand hat je das rohste Steinmesser verfertigt.

[Die Hand]

Die Verrichtungen, denen unsre Vorfahren im Übergang vom Affen zum Menschen im Lauf vieler Jahrtausende allmählich ihre Hand anpassen lernten, können daher anfangs nur sehr einfache gewesen sein. Die niedrigsten Wilden, selbst diejenigen, bei denen ein Rückfall in einen mehr tierähnlichen Zustand mit gleichzeitiger körperlicher Rückbildung anzunehmen ist, stehn immer noch weit höher als jene Übergangsgeschöpfe. Bis der erste Kiesel durch Menschenhand zum Messer verarbeitet wurde, darüber mögen Zeiträume verflossen sein, gegen die die uns bekannte geschichtliche Zeit unbedeutend erscheint. Aber der entscheidende Schritt war getan: Die Hand war frei geworden und konnte sich nun immer neue Geschicklichkeiten erwerben, und die damit erworbene größere Biegsamkeit vererbte und vermehrte sich von Geschlecht zu Geschlecht.

[Die Arbeit]

So ist die Hand nicht nur das Organ der Arbeit, sie ist auch ihr Produkt.Nur durch Arbeit, durch Anpassung an immer neue Verrichtungen, durch Vererbung der dadurch erworbenen besondern Ausbildung der Muskel, Bänder, und in längeren Zeiträumen auch der Knochen, und durch immer erneuerte Anwendung dieser vererbten Verfeinerung auf neue, stets verwickeltere Verrichtungen hat die Menschenhand jenen hohen Grad von Vollkommenheit erhalten, auf dem sie Raffaelsche Gemälde, Thorvaldsensche Statuen, Paganinische Musik hervorzaubern konnte.
Aber die Hand stand nicht allein. Sie war nur ein einzelnes Glied eines ganzen, höchst zusammengesetzten Organismus. Und was der Hand zugute kam, kam auch dem ganzen Körper zugute, in dessen Dienst sie arbeitete – und zwar doppelter Weise.

[…]

[Die Sprache]

Weit wichtiger ist die direkte, nachweisbare Rückwirkung der Entwicklung der Hand auf den übrigen Organismus. Wie schon gesagt, waren unsre äffischen Vorfahren gesellig; es ist augenscheinlich unmöglich, den Menschen, das geselligste aller Tiere, von einem ungeselligen nächsten Vorfahren abzuleiten. Die mit der Ausbildung der Hand, mit der Arbeit, beginnende Herrschaft über die Natur erweiterte bei jedem neuen Fortschritt den Gesichtskreis des Menschen. An den Naturgegenständen entdeckte er fortwährend neue, bisher unbekannte Eigenschaften. Andrerseits trug die Ausbildung der Arbeit notwendig dazu bei, die Gesellschaftsglieder näher aneinanderzuschließen, indem sie die Fälle gegenseitiger Unterstützung, gemeinsamen Zusammenwirkens vermehrte und das Bewußtsein von der Nützlichkeit dieses Zusammenwirkens für jeden einzelnen klärte. Kurz, die werdenden Menschen kamen dahin, dass sie einander etwas zu sagen hatten. Das Bedürfnis schuf sich sein Organ: Der unentwickelte Kehlkopf des Affen bildete sich langsam aber sicher um, durch Modulation für stets gesteigerte Modulation, und die Organe des Mundes lernten allmählich einen artikulierten Buchstaben nach dem andern aussprechen.

[…]

Arbeit zuerst, nach und dann mit ihr die Sprache – das sind die beiden wesentlichsten Antriebe, unter deren Einfluß das Gehirn eines Affen in das bei aller Ähnlichkeit weit größere und vollkommnere eines Menschen allmählich übergegangen ist. Mit der Fortbildung des Gehirns aber ging Hand in Hand die Fortbildung seiner nächsten Werkzeuge, der Sinnesorgane. Wie schon die Sprache in ihrer allmählichen Ausbildung notwendig begleitet wird von einer entsprechenden Verfeinerung des Gehörorgans, so die Ausbildung des Gehirns überhaupt von der der sämtlichen Sinne.

[…]

[Die Gesellschaft und die Arbeit]

Die Rückwirkung der Entwicklung des Gehirns und seiner dienstbaren Sinne, des sich mehr und mehr klärenden Bewußtseins, Abstraktions- und Schlußvermögens auf Arbeit und Sprache gab beiden immer neuen Anstoß zur Weiterbildung, einer Weiterbildung, die nicht etwa einen Abschluß fand, sobald der Mensch endgültig vom Affen geschieden war, sondern die seitdem bei verschiednen Völkern und zu verschiednen Zeiten verschieden nach Grad und Richtung, stellenweise selbst unterbrochen durch örtlichen und zeitlichen Rückgang, im ganzen und großen gewaltig vorangegangen ist; einerseits mächtig vorangetrieben, andrerseits in bestimmtere Richtungen gelenkt durch ein mit dem Auftreten des fertigen Menschen neu hinzutretendes Element – die Gesellschaft.

Hunderttausende von Jahren – in der Geschichte der Erde nicht mehr als eine Sekunde im Menschenleben sind sicher vergangen, ehe aus dem Rudel baumkletternder Affen eine Gesellschaft von Menschen hervorgegangen war. Aber schließlich war sie da. Und was finden wir wieder als den bezeichnenden Unterschied zwischen Affenrudel und Menschengesellschaft?
Die Arbeit.”

Von wem stammt der zitierte Unsinn?
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25 Responses to Ohne Arbeit werden Menschen wieder zu Affen: ScienceFiles Wissenschaftsrätsel

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  2. Roland says:

    Die Rätsel sind zu leicht ^.^

    • corvusalbusberlin says:

      Schiller und Hitler soll man natürlich nicht in einem Atemzug nennen. Aber diese beide waren es nicht. Trotzdem bin ich sicher, eine falsche Antwort zu geben.

      • Dr. Fritz Baur says:

        …vielleicht in zwei Atemzügen? – Jedenfalls hat jeder für sich mehr als nur einen Hauch oder eben Atemzug hinterlassen, allerdings – wie allseits bekannt – in äußerst unterschiedlicher Weise. Der Text stammt von keinem der beiden.

    • Hans Hennig says:

      das passt irgendwie auf unsere Politiker….

  3. Karl-Ernst Schwartz says:

    Engels, der Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen

  4. Richardt Rosenhain says:

    Dass das Friedrich Engels war (Der Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen) weiß man als in der DDR Sozialisierter auch ohne Suchmaschine und erst recht ohne die hier genannte, die ich nicht benutze.

    Ein klein wenig unfair ist der Vorwurf der Linearität aber schon, denn die Darstellung eines Prozesses, in dem verschiedene Merkmale sich in Interaktion miteinander herausbilden und weiterentwickeln, muss ja durch die textliche Darstellung zwangsläufig in irgendeine lineare Form projiziert werden.

  5. Marcus Junge says:

    Den Text kann man natürlich Googeln und damit die Antwort erlangen, aber eines fällt sofort auf, es wird überdeutlich von “Affen zum Mensch”, von der “Evolution” gesprochen, daher fallen alle Personen vor Darwin (der Annahme der Evolutionstheorie) raus und von Hitler sind solche Auslassung mir zumindest nicht bekannt …

    Trotzdem hätte ich eine falsche Antwort gegeben.

  6. Dogbert says:

    Ich konnte auch nur eine Negativselektion vornehmen, also nur ausschließen. Im Prinzip danach geraten und tippte auf Friedrich Engels.

  7. Autor says:

    Ich plädiere aufgrund der Fixierung auf Arbeit und dem evolutionären Bezug für Friedrich Engels, der sich auch schon bezüglich der Enstehung des “Patriarchats” in besonders hirnrissigen Fantastereien hervorgetan hat.

  8. leipzigoma says:

    Friedrich Engels
    (“Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates”, bin mir da aber nicht ganz sicher)

  9. Guest #3 says:

    Ich bin ein Kulturbanause, ich sehe meine Stärke in der Logik. Ich habe mich vorher auf Engels festgelegt und dann gegoogelt.

    Friedrich Schiller
    Georg Wilhelm Friedrich Hegel
    Friedrich Schleiermacher
    Friedrich Engels
    Oswald Spengler
    Ferdinand Lassalle
    Adolf Hitler

    Von Schleiermacher und von Lassalle kann ich nichts, Schiller, Hegel, Spengler und Hitler schieden aus meiner Sicht aus, so blieb nur das mechanistische Denken des Juden Engels.
    Schade, dass ich mich disqualifiziert habe und die Reise nun nicht gewinnen kann.

  10. Notwende says:

    Ich werde den Text noch lesen – versprochen!
    Eines aber kann ich jetzt schon mit Sicherheit behaupten:
    Adolf Hitler war es garantiert nicht.
    Der ist es bei solchen Rätseln nie 😁

  11. Der zentrale Irrtum, daß die Entwicklung umkehrbar wäre, wird unmerklich untergeschoben. Die Entwicklung ist wie die zwangsläufige Bewegung zu höherwahrscheinlichen Systemzuständen, Entropieerhöhung, nicht umkehrbar, denn sie ist deren Fortführung.

    Ich habe es gegoogelt. Ja, es war einer meiner beiden Kandidaten. Also geraten und nicht abgestimmt. Bei dem zweiten Kandidaten hätte der Stil nicht gepaßt und der hob eher auf Pferderassen ab. Also geratener Treffer.

    Meine Forderung, möglichst bald Entwicklungsprozesse zu verstehen, ist also sehr berechtigt! Der Verfasser des Textes hätte meine Forderung sicher unterstützt.

    Der Text des “Vulgär-Anthropologen” ist in Anbetracht der Entstehungszeit sehr modern und zutreffend. Die Abwertung seiner Arbeit nimmt die Redaktion vor. Ist sie nicht auch für den zentralen Irrtum der umkehrbaren Entwicklung zuständig?

    Carsten

    “Ich zensiere, um die Meinungsfreiheit zu schützen”
    Heiko Maas

  12. Zagreus says:

    Guten Morgen 🙂

    Ich habe nicht gegoogelt und kenne den zitierten Text nicht (der aber als historisches Dokument hoch interessant ist).
    Ich habe versucht ex negatio den Verfasser zu ermitteln:
    die Hälfte fliegt schon einmal raus, weil der Text Darwins ET voraussetzt, also erst nach 1859 entstanden sein kann.
    Übrig bleiben somit Engels, Spengler, Lassalle und Hitler.
    Da hier auf den Übergang vom Affen zum Menschen qua Arbeit und Gesellschaft abgestellt wird, würde ich den Text erst so ab 1870 ansetzen.
    Aber auch nicht viel später als so um 1900 herum, da er noch sehr stark von epigenetischen Vorstellungen durchzogen ist.
    Ich würde ihn als eine Erscheinungsform des ‘linken’ Sozialdarwinismus ansehen – also so im Umkreis von Bebel und der Sozialdemokratie – also weder Hitler noch Spengler, und auch nicht Engels, sondern dann Lassalle.
    Von daher raten ich: Ferdinand Lassalle als Verfasser.

    • Dr. Fritz Baur says:

      …m.E. scharfsinnig geschlossen: trotzdem tippe ich aus ähnlichen Erwägungen auf Fried. Engels (allerdings nicht auf Fried. Krupp, der aber auch nicht zur Wahl stand).

        • Zagreus says:

          Nicht scharfsinnig genug – Sie beiden haben recht und ich habe mit Lassalle unrecht gehabt (mittlerweilen nachgeschaut ^^). Lassalle starb bereits 1864, dafür war der Text einfach zu ‘modern’. Engels ist wohl die richtige Lösung, wobei ich diesen auch aussortiert hätte, weil Marx und Engels sich (später) gegen den Darwinismus unter den Sozialisten wanden (Stichwort: Anti-Dühring).

  13. Gereon says:

    Ok, war der falsche Sozialist.
    Wie oft darf man abstimmen?
    Gelten EU-Regeln? (Es wird solange abgestimmt, bis das Ergebnis passt…)

  14. Katalysator says:

    Nachdem ich die obigen Kommentare gelesen hatte, habe ich mir erlaubt zu googeln. Als “Altlinker” hatte ich richtig getippt. Es geht doch nichts über eine solide Grundbildung in Diamat und Histomat.

  15. Karsten Annmann says:

    Im Text steht was von 6 Kandidaten. Es sind aber 7.

    War das eine Übung in aufmerksamem Lesen, die ich jetzt gewonnen habe? Kann ich dann jetzt endlich Kommissionsvorsitzender der EU werden?

    PS: habe richtig geraten.

    PPS: original evolutionstheoretisch, wie einige Kommentatoren meinen, denkt der Autor nicht. Dass ein Organ aus einem Bedürfnis erwachsen sei, ist nicht evolutionär nach Darwin gedacht, sondern auf Basis von Lamarck (der Hals der Giraffe ist so lang, weil sie unbedingt die Blätter ganz oben essen wollte und durch dieses Bedürfnis wuchs ihr Hals ein bisschen, das vererbte sie an ihre Nachkommen, deren Hals ein bisschen weiter wuchs, die das dann wieder an ihre Nachkommen vererbten usw., bis der Hals aussah wie heute).

    • Zagreus says:

      Nur zur Info: Darwin hat nicht gewusst wie Vererbung genau nun statt findet und deshalb in der “origin of spicies” sowohl von der Mutationstheorie als auch vom Lamarckismus geredet. Die Zurückweisung der Epigenetik für die ET kam erst viel später – nach seinem Tod.

  16. Dr. Reinhold Oberlercher says:

    Menschwerdung des Affen durch Arbeit (= Engels)
    Affenwerdung des Menschen durch Arbeitslosigkeit (= Oberlercher)

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