Deutscher Gesetzgebungs-Dilettantismus [ScienceFiles-Rätsel]

Einst hat sich Amtsrichter Kallembach am Amtsgericht Chemnitz darüber geärgert, dass das Arbeitnehmerentsendegesetz in weiten Teilen unlesbar ist, in den meisten Teilen, in denen es lesbar ist, nicht verständlich ist und in den Teilen, in denen es verständlich ist, nicht anwendbar ist. Den Leipziger Landrichter Ommeln haben die Verweise ins Nichts, die sich im Sozialgesetzbuch in großer Zahl finden und besonders dann interessant sind, wenn sie mit dem Hinweis erfolgen, dass man ansonsten verfahre, wie in § XY angegeben, also so wie in dem Paragraphen angegeben, den es nicht gibt, schier zur Verzweiflung getrieben.

Schlechte Gesetze, handwerklich schlechte Gesetze voller vager Begriffe, voller Formulierungen, die sich schon bei oberflächlicher Betrachtung im Bedeutungsnichts verlieren, Gesetze, die in entscheidenden Passagen auf nicht vorhandene Ausführungsbestimmungen oder andere Paragraphen verweisen, die genauso durch Abwesenheit glänzen, sind in Deutschland Realität. Was fehlt ist die Kritik an diesem Gesetzes-Dilettantismus.

Um Kritik an dem Sprachschrott, der Gesetz genannt wird, zu hören, muss man viel Zeit investieren, um mit Richtern bekannt zu werden, um die entsprechende Kritik zu lesen, muss man suchen, lange suchen.

Aber: Wir haben Kritik am deutschen Gesetzgebungsdilettantismus gefunden, daran, dass die Gesetzgeber in Deutschland sich seit Jahren, nein Jahrzehnten dadurch auszeichnen, dass sie machen, einfach machen, ohne Sinn und Zweck. Und weil wir wissen, dass manche, vielleicht auch viele unserer Leser an Sonntagen in ein Loch fallen, ein Untätigkeitsloch, aus dem sie nur schwer herausfinden, hier unsere Aufgabe für die besonders motivierten: Wer hat den folgenden Text geschrieben? Für die weniger Motivierten belassen wir es bei einer multiple-Choice Aufgabe und fragen: Wann wurde der Text geschrieben?

„Die Mängel der meisten Gesetze beginnen bei der Formulierung der zu realisierenden Ziele, die entweder in der Begründung oder im Gesetz selbst genannt sind. Diese Ziele sind normalerweise extrem unklar formuliert. Falls sie überhaupt diskutiert werden, läßt die Art der Argumentation erheblich zu wünschen übrig. Theorien, die implizit angewendet werden, kann man nur erahnen: die Begriffe, aus denen die Theorien vermutlich bestehen, sind häufig Leerformeln. Normen, die ebenfalls Leerformeln sind (z.B. die Normen des Grundgesetzes), werden zur Rechtfertigung angeführt, so dass es sich hier um Scheinlegitimation handelt.

Inwieweit die vorgeschlagenen Maßnahmen tatsächlich zur Realisierung des propagierten Ziels führen und welche anderen (positiv oder negativ bewerteten) Konsequenzen diese Maßnahmen haben, wird normalerweise nur angedeutet. Auch hier werden die angewendeten Theorien nicht explizit formuliert.

Inwieweit die zu realisierenden Ziele faktisch bereits realisiert sind, wird lediglich vermutet. Weiterhin erfährt man nicht, ob nicht andere Maßnahmen als die vorgeschlagenen vielleicht effektiver wären.

Da bei der Formulierung eines Gesetzes normalerweise keine Untersuchungen durchgeführt werden, wird auch nicht geprüft, inwieweit die zu ergreifenden Maßnahmen bereits realisiert sind.

Die Wirkungen eines Gesetzes werden – wenn überhaupt – durch ‚Erfahrungsberichte‘ von Richtern, Polizei usw. abgeschätzt. Hier feiert also die intuitive Alltagsforschung mit ihren Mängeln Triumphe. Zuweilen versucht man, aufgrund vorliegender offizieller Statistiken den ‚Erfolg‘ eines Gesetzes zu ermitteln. So pflegt man z.B. den Erfolg von Änderungen der Straßenverkehrsordnung dadurch abzuschätzen, dass man die Zahl der Unfälle bestimmter Unfallarten (z.B. mit tödlichem Ausgang) vor und nach dem Inkrafttreten einer Gesetzesänderung miteinander vergleicht. Dass auch andere Faktoren als die Gesetzesänderung eine Rolle gespielt haben könnten, wird dabei selten diskutiert. Zuweilen werden auch Statistiken herangezogen, ohne dass deren Fragwürdigkeit deutlich gemacht wird. Das gilt vor allem für Statistiken über die Veränderung in den Häufigkeiten von Straftaten; Sozialwissenschaftlern ist seit langem bekannt, dass diese Statistiken normalerweise nicht die real vorhandene Delikthäufigkeit beschreiben.

Es wäre an der Zeit, auch in der Bundesrepublik bei wichtigen Gesetzen endlich Untersuchungen durchzuführen. Forschungen anderer Länder könnten hierfür als Vorbilder dienen“.

Nationaler Sozialismus: Wie aus Marxisten Nationalisten werden [ScienceFiles-Rätsel]

Der folgende Text ist uns heute wieder begegnet, nach rund 20 Jahren zum ersten Mal wieder. An Aktualität hat er nichts eingebüßt, obwohl er eher ein alter Text ist, geschrieben in einer Zeit, in der in Deutschland diejenigen Konjunktur hatten, die keinerlei Zweifel daran haben, im Recht zu sein. Der Text steht am Ende einer kleinen Abhandlung, in der der Autor sich mit dem Parlamentarismus befasst. Notwendig kommt er dabei bei den kommunistischen und sozialistischen Feinden jeglichen Parlamentarismus‘ an.

Was viele heute nicht mehr wissen oder nicht mehr wissen sollen: Alle Sozialistischen Parteien sind als Feinde der Demokratie und vor allem des ihnen verhassten britischen Parlamentarismus gestartet. Manche haben sich von diesem Ausgangspunkt etwas entfern, andere gar nicht. Ihre Rhetorik verrät sie, zeigt sich doch die Aktualität von fixen Ideen eines Klassenkampfes in ihren Köpfen, jenes Klassenkampfes, von dem sich einige Ewiggestrige immer noch erhoffen, dass er in die Diktatur des Proletariats führt.

Auch das war einst das Ziel sozialistischer Parteien: Die Diktatur des Proletariats, an deren Spitze die Avantgarde der Arbeiterklasse, die natürlich nicht aus Proletariern, sondern aus Vertretern der mittellosen Mittelschicht bestückt zu sein hat, steht. Das Mittel, um die Diktatur des Proletariats zu erreichen, war dabei immer Gewalt. Und die Rechtfertigung für die Gewalt erfolgte über eine Mythenbildung, die man heute als Hate Speech bezeichnen würde. Unser Autor hat diese Mythenbildung zum Gegenstand:

“Die große psychologische und geschichtliche Bedeutung der Mythentheorie kann gar nicht geleugnet werden. Auch die mit den Mitteln Hegelischer Dialektik unternommene Konstruktion des Bourgeois hat dazu gedient, ein Bild von einem Gegner zu schaffen, auf das alle Affekte von Hass und Verachtung sich häufen konnten. Ich glaube, die Geschichte dieses Bildes vom Bourgeois ist ebenso wichtig wie die Geschichte des Bourgeois selbst. Eine zuerst von Aristokraten geschaffene Spottfigur wird im 19. Jahrhundert von romantischen Künstlern und Dichtern weitergeführt. Seitdem die Wirkung von Stendhal sich verbreitet, verachten alle Literaten den Bourgeois, auch wenn sie von ihm leben oder wenn sie zur Lieblingslektüre eines bürgerlichen Publikums werden, wie Murger mit seiner Bohème. Wichtiger als solche Karikaturen ist der Hass sozial deklassierter Genies, wie Baudelaire, der dem Bild neues Leben gibt. Diese in Frankreich von französischen Autoren angesichts des französischen Bourgeois geschaffene Figur stellen Marx und Engels in die Dimensionen einer weltgeschichtlichen Konstruktion. Sie geben ihr die Bedeutung des letzten Repräsentanten der vorgeschichtlichen, in Klassen zerteilten Menschheit, des letzten Feindes der Menschheit überhaupt, des letzten odium generis humani. So wurde das Bild unendlich erweitert und mit einem großartigen, nicht nur weltgeschichtlichen, sondern auch metaphysischen Hintergrund nach dem Osten weitergetragen. Hier konnte es dem russischen Hass gegen die Kompliziertheit, Künstlichkeit und den Intellektualismus westeuropäischer Zivilisation neues Leben geben und von ihm selber neues Leben empfangen. Auf russischem Boden vereinigten sich alle Energien, die dieses Bild geschaffen hatten. Beide, der Russe wie der Proletarier, sahen jetzt im Bourgeois die Inkarnation alles dessen, was wie ein tödlicher Mechanismus ihre Art Leben zu knechten suchte.

Das Bild war von Westen nach Osten gewandert. Hier aber bemächtigte sich seiner ein Mythos, der nicht mehr rein aus Klassenkampfinstinkten wächst, sondern starke nationale Elemente enthält. Sorel hat, als eine Art Testament, der letzten Auflage seiner Reflexionen über die Gewalt 1919 eine Apologie für Lenin beigefügt. Er nennt ihn den größten Theoretiker, den der Sozialismus seit Marx gehabt hat und vergleicht ihn als Staatsmann mit Peter dem Großen, nur dass heute umgekehrt nicht mehr ein westeuropäischer Intellektualismus Russland sich assimiliert, vielmehr umgekehrt die proletarische Gewaltanwendung hier mindestens eines erreicht hat, nämlich dass Russland wieder russisch geworden ist, Moskau wieder die Hauptstadt, und dass die europäisierte, ihre eigenes Land verachtende russische Oberschicht vernichtet wurde. Die proletarische Gewaltanwendung hat Russland wieder moskowitisch gemacht. Im Munde eines internationalen Marxisten ist das ein merkwürdiges Lob, denn es zeigt, dass die Energie des Nationalen größer ist als die des Klassenkampfes“.

Unser Autor hat nicht nur die Synergie von Sozialismus und Gewalt klar gesehen, er hat auch bereits die Funktionsweise von Linken, die ohne ein Feindbild, jemanden, den sie hassen können, den Bourgeois damals, den Rechtspopulisten oder den Kapitalisten heute, nicht auskommen, nichts sind, prägnant beschrieben, und er hat bereits darauf hingewiesen, dass Nationalismus und Sozialismus nicht im Gegensatz zueinander stehen, sondern notwendig eine Symbiose eingehen, zum nationalen Sozialismus russischer, französischer oder deutscher Prägung.

Wer ist der klarsichtige Autor, dessen Beschreibung wir hier entliehen haben?

Der gesuchte Autor ist:

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„Angelsächsische Götzendiener des Geldes“: ScienceFiles-Rätsel

Das letzte Rätsel war zu einfach. Gleich mehrere unserer Leser haben es angemerkt.

Zu einfach!

Im letzten Rätsel hatten wir nach einem Vulgär-Anthropologen gefragt, den seine Einsicht in das, was Menschen antreibt, zu dem Schluss getrieben hat, dass Menschen ohne Arbeit notwendig auf das Niveau von Affen retardieren müssen (wobei man anfügen muss, dass es für manche Menschen ein evolutionärer Schritt, keine Retardierung wäre).

624 Leser haben an unserem Rätsel teilgenommen. Ihre Antworten verteilen sich auf die potentiellen Vulgär-Anthropologen wie folgt:

  • Friedrich Schiller: 10 (2%),
  • Friedrich Schleiermacher: 31 (5%),
  • Oswald Spengler: 48 (8%),
  • Georg Wilhelm Friedrich Hegel: 52 (8%),
  • Adolf Hitler: 63 (10%),
  • Ferdinand Lassalle: 74 (12%),
  • Friedrich Engels: 346 (55%)

questionmark2Unser Rätsel ist einer der (seltenen) Fälle, in denen die Mehrheit Recht hat. Friedrich Engels, bei dem man Unsinn in jeglicher Form und zu (fast) jedem Thema finden kann, ist der Urheber dessen, was wir zitiert haben. Entsprechender Unsinn ist offensichtlich notwendig, um zum Helden linker Ideologen zu werden.

Um uns nicht wieder dem Vorwurf auszusetzen, unser Rätsel sei zu einfach, haben wir dieses Mal keine Kosten und Mühen gescheut und ein Zitat aus einem Buch [!sic] entnommen, das es im Internet nicht doch zu googlen gibt. Wer sich also um den Spaß bringen will, der kann das tun, sofern er weiß, wonach er suchen muss.

Das Zitat lautet wie folgt:

“Entweder soll die preußisch-deutsch-germanische Weltanschauung – Recht, Freiheit; Ehre, Sitte – in Ehre bleiben oder die angelsächsische – das bedeutet: dem Götzendienste des Geldes verfallen. In diesem Kampf muss die eine (Weltanschauung) unbedingt überwundern werden. Den Sieg der deutschen Weltanschauung gilt es“

Von wem stammt dieses Zitat?

  • Kaiser Wilhelm II (nur Kaiser)
  • Paul von Hindenburg (Feldmarschall und Reichspräsident)
  • Otto von Bismarck (Reichskanzler)
  • Friedrich Ebert (Reichspräsident)
  • Rosa Luxemburg (Spartakusbund)
  • Richard Wagner (Komponist)
  • Kurt Eisner (USPD, Bayerischer Ministerpräsident)
  • Walther Rathenau (Staatssekretär und Außenminister)

Wer ist Urheber dieser germanischen Hatspeech, mit der die Angelsachsen zum Ihr vom uns aus, dem Wir, gemacht werden sollen? Wer ist der Ausgangspunkt des in Deutschland wieder, immer noch zu findenden Hasses auf den Kapitalismus?

Sieg der richtigen Weltanschauung:

Ohne Arbeit werden Menschen wieder zu Affen: ScienceFiles Wissenschaftsrätsel

Wie wäre es einmal wieder mit einem Wissenschaftsrätsel?

Wer googled wird disqualifiziert!

Wir haben einen Text ausgegraben, der von einem Vulgär-Anthropologen geschrieben wurde, für den die Entwicklung von Menschen ein linearer Prozess ist, an dessen Anfang der Affe steht, der eines Tages den aufrechten Gang lernt. Weil er nun keine Verwendung mehr für seine beiden Vorderfüße hat, nennt er sie Hände und nutzt sie für Arbeit. Hat man Arbeit erst einmal in die Hand genommen, dann ergeben sich mannigfaltige Möglichkeiten der Arbeit, die kommuniziert werden müssen. Deshalb entwickelt sich die Sprache, weil Umpf Umpf auf Dauer nicht ausreicht. Weil Sprache langweilig ist, wenn man sie an sich selbst richtet, deshalb folgt die Gesellschaft, die wiederum ein direktes Ergebnis von Arbeit ist.

Wie für die meisten linearen Prozessen, so gilt auch für den soeben beschriebenen, dass er prinzipiell umkehrbar ist: Wenn in einer Gesellschaft Arbeit entwertet wird, dann leidet die Sprachfähigkeit, die Hand entwickelt sich zurück und die Menschen gehen zurück auf die noch verbliebenen Bäume und betätigen sich von da an wie richtige Affen.

Im Folgenden haben wir den soeben zusammengefassten Text im Original und im Anschluss daran fragen wir, von wem der Text stammt. Sechs Kandidaten stehen zur Auswahl:

  • Friedrich Schiller
  • Georg Wilhelm Friedrich Hegel
  • Friedrich Schleiermacher
  • Friedrich Engels
  • Oswald Spengler
  • Ferdinand Lassalle
  • Adolf Hitler

questionmark2[Der aufrechte Gang]

“Wohl zunächst durch ihre Lebensweise veranlaßt, die beim Klettern den Händen andre Geschäfte zuweist als den Füßen, fingen diese Affen an, auf ebner Erde sich der Beihülfe der Hände beim Gehen zu entwöhnen und einen mehr und mehr aufrechten Gang anzunehmen. Damit war der entscheidende Schritt getan für den Übergang vom Affen zum Menschen.

[…]

Wenn der aufrechte Gang bei unsern behaarten Vorfahren zuerst Regel und mit der Zeit eine Notwendigkeit werden sollte, so setzt dies voraus, dass den Händen inzwischen mehr und mehr anderweitige Tätigkeiten zufielen. Auch bei den Affen herrscht schon eine gewisse Teilung der Verwendung von Hand und Fuß. Die Hand wird, wie schon erwähnt, beim Klettern in andrer Weise gebraucht als der Fuß. Sie dient vorzugsweise zum Pflücken und Festhalten der Nahrung, wie dies schon bei niederen Säugetieren mit den Vorderpfoten geschieht. Mit ihr bauen sich manche Affen Nester in den Bäumen oder gar, wie der Schimpanse, Dächer zwischen den Zweigen zum Schutz gegen die Witterung. Mit ihr ergreifen sie Knüttel zur Verteidigung gegen Feinde oder bombardieren diese mit Früchten und Steinen. Mit ihr vollziehen sie in der Gefangenschaft eine Anzahl einfacher, den Menschen abgesehener Verrichtungen. Aber grade hier zeigt sich, wie groß der Abstand ist zwischen der unentwickelten Hand selbst der menschenähnlichsten Affen und der durch die Arbeit von Jahrhunderttausenden hoch ausgebildeten Menschenhand. Die Zahl und allgemeine Anordnung der Knochen und Muskeln stimmen bei beiden; aber die Hand des niedrigsten Wilden kann Hunderte von Verrichtungen ausführen, die keine Affenhand ihr nachmacht. Keine Affenhand hat je das rohste Steinmesser verfertigt.

[Die Hand]

Die Verrichtungen, denen unsre Vorfahren im Übergang vom Affen zum Menschen im Lauf vieler Jahrtausende allmählich ihre Hand anpassen lernten, können daher anfangs nur sehr einfache gewesen sein. Die niedrigsten Wilden, selbst diejenigen, bei denen ein Rückfall in einen mehr tierähnlichen Zustand mit gleichzeitiger körperlicher Rückbildung anzunehmen ist, stehn immer noch weit höher als jene Übergangsgeschöpfe. Bis der erste Kiesel durch Menschenhand zum Messer verarbeitet wurde, darüber mögen Zeiträume verflossen sein, gegen die die uns bekannte geschichtliche Zeit unbedeutend erscheint. Aber der entscheidende Schritt war getan: Die Hand war frei geworden und konnte sich nun immer neue Geschicklichkeiten erwerben, und die damit erworbene größere Biegsamkeit vererbte und vermehrte sich von Geschlecht zu Geschlecht.

[Die Arbeit]

So ist die Hand nicht nur das Organ der Arbeit, sie ist auch ihr Produkt.Nur durch Arbeit, durch Anpassung an immer neue Verrichtungen, durch Vererbung der dadurch erworbenen besondern Ausbildung der Muskel, Bänder, und in längeren Zeiträumen auch der Knochen, und durch immer erneuerte Anwendung dieser vererbten Verfeinerung auf neue, stets verwickeltere Verrichtungen hat die Menschenhand jenen hohen Grad von Vollkommenheit erhalten, auf dem sie Raffaelsche Gemälde, Thorvaldsensche Statuen, Paganinische Musik hervorzaubern konnte.
Aber die Hand stand nicht allein. Sie war nur ein einzelnes Glied eines ganzen, höchst zusammengesetzten Organismus. Und was der Hand zugute kam, kam auch dem ganzen Körper zugute, in dessen Dienst sie arbeitete – und zwar doppelter Weise.

[…]

[Die Sprache]

Weit wichtiger ist die direkte, nachweisbare Rückwirkung der Entwicklung der Hand auf den übrigen Organismus. Wie schon gesagt, waren unsre äffischen Vorfahren gesellig; es ist augenscheinlich unmöglich, den Menschen, das geselligste aller Tiere, von einem ungeselligen nächsten Vorfahren abzuleiten. Die mit der Ausbildung der Hand, mit der Arbeit, beginnende Herrschaft über die Natur erweiterte bei jedem neuen Fortschritt den Gesichtskreis des Menschen. An den Naturgegenständen entdeckte er fortwährend neue, bisher unbekannte Eigenschaften. Andrerseits trug die Ausbildung der Arbeit notwendig dazu bei, die Gesellschaftsglieder näher aneinanderzuschließen, indem sie die Fälle gegenseitiger Unterstützung, gemeinsamen Zusammenwirkens vermehrte und das Bewußtsein von der Nützlichkeit dieses Zusammenwirkens für jeden einzelnen klärte. Kurz, die werdenden Menschen kamen dahin, dass sie einander etwas zu sagen hatten. Das Bedürfnis schuf sich sein Organ: Der unentwickelte Kehlkopf des Affen bildete sich langsam aber sicher um, durch Modulation für stets gesteigerte Modulation, und die Organe des Mundes lernten allmählich einen artikulierten Buchstaben nach dem andern aussprechen.

[…]

Arbeit zuerst, nach und dann mit ihr die Sprache – das sind die beiden wesentlichsten Antriebe, unter deren Einfluß das Gehirn eines Affen in das bei aller Ähnlichkeit weit größere und vollkommnere eines Menschen allmählich übergegangen ist. Mit der Fortbildung des Gehirns aber ging Hand in Hand die Fortbildung seiner nächsten Werkzeuge, der Sinnesorgane. Wie schon die Sprache in ihrer allmählichen Ausbildung notwendig begleitet wird von einer entsprechenden Verfeinerung des Gehörorgans, so die Ausbildung des Gehirns überhaupt von der der sämtlichen Sinne.

[…]

[Die Gesellschaft und die Arbeit]

Die Rückwirkung der Entwicklung des Gehirns und seiner dienstbaren Sinne, des sich mehr und mehr klärenden Bewußtseins, Abstraktions- und Schlußvermögens auf Arbeit und Sprache gab beiden immer neuen Anstoß zur Weiterbildung, einer Weiterbildung, die nicht etwa einen Abschluß fand, sobald der Mensch endgültig vom Affen geschieden war, sondern die seitdem bei verschiednen Völkern und zu verschiednen Zeiten verschieden nach Grad und Richtung, stellenweise selbst unterbrochen durch örtlichen und zeitlichen Rückgang, im ganzen und großen gewaltig vorangegangen ist; einerseits mächtig vorangetrieben, andrerseits in bestimmtere Richtungen gelenkt durch ein mit dem Auftreten des fertigen Menschen neu hinzutretendes Element – die Gesellschaft.

Hunderttausende von Jahren – in der Geschichte der Erde nicht mehr als eine Sekunde im Menschenleben sind sicher vergangen, ehe aus dem Rudel baumkletternder Affen eine Gesellschaft von Menschen hervorgegangen war. Aber schließlich war sie da. Und was finden wir wieder als den bezeichnenden Unterschied zwischen Affenrudel und Menschengesellschaft?
Die Arbeit.”

Von wem stammt der zitierte Unsinn?

ScienceFiles-Rätsel: Welche Partei verkündet hier das Heil des Sozialismus?

Wir haben ein wenig im Archiv gegraben und dort politische Thesen einer Partei der Weimarer Republik gefunden, die – wenn man sie ohne historischen Kontext betrachtet – durchaus aktuell sein könnten. In dem Programm wird ein zügelloser Sozialismus propagiert, was die Partei als eine linke Partei ausweist. Nur: Welche Partei hat die folgenden Absätze in der Weimarer Republik in einen Programmentwurf und in etwas abgewandelter Form in ihr Programm geschrieben?

… Die … verwirft daher das individuelle Wirtschaftssystem des Kapitalismus, dessen Sturz die Voraussetzung zum Gelingen der … ist. Sie bekennt sich mit gleicher Entschiedenheit zum korporativen Wirtschaftssystem des Sozialismus, ausgehend davon und darin endend, dass der Sinn aller Wirtschaft einzig und allein die Deckung des Bedarfs … ist, nicht aber Reichtum und Gewinn.

Die … erklärt daher das Obereigentum an Grund und Boden und Bodenschätzen, deren Eigentümer nur Lehensträger … sind, ihr bzw. ihrem Staat Rechenschaft und Leistung schuldig, …. [sind]

Der Text ist insofern aktuell als man die beschriebene Ablehnung des Kapitalismus heute wieder in Programmen der Linken lesen kann.

Linke, Grüne und Teile der SPD knüpfen entsprechend an ihren historischen Vorbildern an. Lediglich die Enteignung der Bauern und deren Zusammenpferchen in Landwirtschaftlichen Produktionsgemeinschaften ist etwas außer Mode gekommen, seit sich bei Linken herumgesprochen hat, dass es besser ist, Privatbesitz an Produktionsmitteln zuzulassen und den Gewinn der privaten Unternehmungen per Steuer zu enteignen und in die eigenen und die Taschen der eigenen Klientel zu leiten.

Das Ziel, von der Kraft der wirtschaftlich Leistungsfähigen zu leben, ist somit immer noch das Ziel der Linken, nur die Mittel, sich die Früchte von anderer Menschen Arbeit zu verschaffen, haben sich verändert.

Doch zurück zum Rätsel: Von welcher Partei stammen die zitierten Programmaussagen? [Googlen gilt nicht!]

SF-Rätsel: Sozialistische Partei/WR
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