Kauf Dir einen wissenschaftlichen Beitrag in einer Fachzeitschrift

Die Welt der wissenschaftlichen Zeitschriften ist schon lange nicht mehr in Ordnung. Behauptete Peer Reviews finden nicht statt. So ziemlich jeder Junk, der eingereicht wird, wird auch veröffentlicht (es sei denn, er wird bei Rationality and Society eingereicht und Dr. habil. Heike Diefenbach ist der Gutachter). Veröffentlichte Artikel müssen zurückgezogen werden, weil sich herausstellt, dass die Autoren ihre Daten gefälscht haben, dass Sie Ergebnisse erfunden haben oder so schlampig gearbeitet haben, dass es dem ersten, der den Text wirklich ließt, auffallen muss.

Wer Beispiele für veröffentlichten Junk sucht, der kann bei uns nach Junk-Science suchen oder bei New Real Peer Review schmökern.

Kurz: Der Haussegen bei wissenschaftlichen Verlagen hängt ziemlich schief, was sie nicht davon abschreckt, horrende Preise, für die von ihnen verlegten Artikel zu verlangen.

Aber weil das alles noch nicht reicht, kommt nun Pravin Bolshete und veröffentlicht Texte wie den folgenden, den wir von Retraction Watch übersetzt haben:

„Aufgrund meiner Arbeitsüberlastung bin ich nicht in der Lage, ein wissenschaftliches Paper, einen wissenschaftlichen Artikel zu schreiben. Diesen benötige ich aber, um promovieren zu können. Einer meiner Kollegen hat mir den Tipp gegeben, mich an Sie zu wenden, in der Hoffnung, dass Ihre Zeitschrift mir helfen kann. Ich würde mich freuen, wenn Sie mich als Ko-Autor eines beliebigen Fachartikels im Bereich der Medizin ergänzen könnten oder wenn sie jemanden benennen könnten, der den entsprechenden Artikel für mich schreiben kann und mir bei der Veröffentlichung weiterer Artikel behilflich ist.“

Diese oder eine ähnliche Anfrage hat Bolschete an vornehmlich medizinische Zeitschriften verschickt, die auf Beall‘s Liste der „predatory publishers“ verzeichnet sind. 117 der angeschriebenen Verleger oder Zeitschriften haben ihm geantwortet, 63 (53,8%) davon in einer wie Bolschete fand, unethischen Weise. 19 Verleger waren damit einverstanden, Bolschete als Autor eines Artikels zu ergänzen, 10 Verleger boten an, ihm einen Artikel zu schreiben, Veröffentlichung inbegriffen.

Eine Antwort, die Bolschete von einem Verlag erhalten hat, verwies darauf, dass zwei Autoren, die einen Text eingereicht haben, die Gebühren, die bezahlt werden müssen, um den Text veröffentlicht zu sehen, nicht aufbringen könnten. Zahle Bolschete $300, dann sei er Mitautor des entsprechenden Artikels.

Welcher Leser hat Bedarf an einer Veröffentlichung? $300 beim richtigen Verlag und Sie sind Autor z.B. eines medizinische Papers ohne auch nur die geringste Anstrengung, ohne den geringsten Aufwand.

Empörend.

Vielleicht auch nicht.

Professoren u.a. in den Wirtschaftswissenschaften sind dafür bekannt, sich frank und frei studentischer Arbeiten zu bedienen, sofern sich darin Ideen finden, die ihnen interessant vorkommen und diese dann unter eigenen Namen zu veröffentlichen. Andere lassen ihre wissenschaftlichen Mitarbeiter Artikel schreiben, denen sie dann namentlich vorstehen, ohne auch nur einen Strich am Artikel getan zu haben. Diese Art von Frondiensten sind an deutschen Hochschulen normal, und sie sind nur eine Haaresbreite von den Praktiken entfernt, die Bolschete in seinem neuesten Coup offengelegt hat.

Anregungen? Hinweise? Kontaktieren Sie ScienceFiles

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2 Responses to Kauf Dir einen wissenschaftlichen Beitrag in einer Fachzeitschrift

  1. Pingback: [Kritische Wissenschaft] Kauf Dir einen wissenschaftlichen Beitrag in einer Fachzeitschrift

  2. Ist Bolschete eine Verballhornung von Bullshit?

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