75% können nicht schreiben: Berliner Grundschüler werden in Dummheit gleichgestellt

Der Tagesspiegel berichtet heute von den Ergebnissen einer Schulleistungsstudie, die unter Berliner Grundschülern im Jahre 2017 durchgeführt wurde und die bislang nur dem Tagesspiegel vorliegen. Demnach erreiche „knapp die Hälfte“ der rund 24.000 Berliner Grundschüler in dritten Klassen „nicht einmal die Mindestanforderungen“, die die Kultusministerkonferenz an Rechtschreibung stellt, 25% schafften nur den Mindeststandard, d.h. 50% der Berliner Grundschüler sind als funktionale Analphabeten anzusehen, 25 weitere Prozent als rudimentär des schriftlichen Ausdrucks Fähige. Lediglich ein Viertel der Berliner Grundschüler erreicht demnach in Berliner Grundschulen, weshalb alle Schüler eigentlich Berliner Grundschulen besuchen: Sie erlernen eine grundlegende Kulturtechnik: zu schreiben.

Aber mit Sicherheit sind alle Berliner Grundschüler hervorragend in politischer Ideologie ausgebildet, intime Kenner abstruser Sexpraktiken, vertraut mit dem Binnen-I und darüber hinaus in der Lage, Rassismus und Rechtsextremismus zu bekämpfen, wenn auch nicht im schriftlichen Ausdruck.

Wenn man nun denkt, die Tatsache, dass staatliche Bildung hier komplett versagt, sei der eigentliche Skandal, dann irrt man. Doch verbleiben wir noch einen Moment beim staatlichen Bildungsauftrag. Die Begründung für Schulpflicht besteht darin, eine einheitliche Vermittlung von Bildung zu gewährleisten. Entfällt die Vermittlung von Bildung durch öffentliche Schulen, dann entfällt normalerweise auch die Schulpflicht.

So heißt es im Paragraphen 3 des Berliner Schulgesetzes:

“(1) Die Schule soll Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Werthaltungen vermitteln, die … Schüler in die Lage versetzen, ihre Entscheidungen selbständig zu treffen und selbständig weiterzulernen, um berufliche und persönliche Entwicklungsaufgaben zu bewältigen, das eigene Leben aktiv zu gestalten, verantwortlich am sozialen, gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Leben teilzunehmen und die Zukunft der Gesellschaft mitzuformen.

Sofern man der Ansicht ist, dass die Beherrschung der deutschen Schriftsprache eine notwendige Voraussetzung dafür ist, „Entscheidungen selbständig zu treffen und selbständig weiterzulernen“, muss man feststellen, dass Berliner Grundschulen hier gegen das Berliner Schulgesetz verstoßen, denn die Vermittlung der notwendigen Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten findet nicht statt.

Dies mag daran liegen, dass im weiteren Verlauf des Paragraphen 3 des Berliner Schulgesetzes eine Vielzahl von unsinnigem, weil ideologischem Müll zusammengestellt wird, der keinerlei Bedeutung für die Entwicklung von Kompetenzen und Fertigkeiten von Schülern hat, sich ein eigenständiges Urteil zu bilden, aber dennoch die Zeit, die z.B. für die Vermittlung von Rechtschreibung zur Verfügung steht, reduziert, offensichtlich in einem Ausmaß in Berlin reduziert, das es nicht mehr erlaubt, Grundschülern Rechtschreibung zu vermitteln.

Das Berliner Bildungsideal?

“(3) Schulische Bildung und Erziehung sollen die … Schüler insbesondere befähigen,
1. die Beziehungen zu anderen Menschen in Respekt, Gleichberechtigung und gewaltfreier Verständigung zu gestalten sowie allen Menschen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen,
2. die Gleichstellung von Mann und Frau auch über die Anerkennung der Leistungen der Frauen in Geschichte, Wissenschaft, Wirtschaft, Technik, Kultur und Gesellschaft zu erfahren,
3. die eigene Kultur sowie andere Kulturen kennen zu lernen und zu verstehen, Menschen anderer Herkunft, Religion und Weltanschauung vorurteilsfrei zu begegnen, zum friedlichen Zusammenleben der Kulturen durch die Entwicklung von interkultureller Kompetenz beizutragen und für das Lebensrecht und die Würde aller Menschen einzutreten,
4. ihre Aufgaben als … Bürger in einem gemeinsamen Europa wahrzunehmen,
5. die Auswirkungen des eigenen und gesellschaftlichen Handelns auf die natürlichen lokalen und globalen Lebensgrundlagen zu erkennen, für ihren Schutz Mitverantwortung zu übernehmen und sie für die folgenden Generationen zu erhalten,
6. ein Verständnis für Ursachen und Auswirkungen des Klimawandels sowie die notwendigen Anpassungen an dessen Folgen zu entwickeln, Maßnahmen zum Klimaschutz zu erfahren und die eigenständige und verantwortungsbewusste Umsetzung solcher Maßnahmen im Alltag zu erlernen,
7. die Folgen technischer, rechtlicher, politischer und ökonomischer Entwicklungen abzuschätzen sowie die wachsenden Anforderungen des gesellschaftlichen Wandels und der internationalen Dimension aller Lebensbezüge zu bewältigen,
8. ihre körperliche, soziale und geistige Entwicklung durch kontinuierliches Sporttreiben und eine gesunde Lebensführung positiv zu gestalten sowie Fairness, Toleranz, Teamgeist und Leistungsbereitschaft zu entwickeln,
9. ihr zukünftiges privates, berufliches und öffentliches Leben in Verantwortung für die eigene Gesundheit und die ihrer Mitmenschen auszugestalten, Freude am Leben und am Lernen zu entwickeln sowie die Freizeit sinnvoll zu nutzen.”

Der eigentliche Skandal besteht nun nicht darin, dass 75% der Berliner Grundschüler halbe oder ganze funktionale Analphabeten sind, auch nicht darin, dass die Berliner Schüler mit einer Unmenge von Müll zugeworfen werden, wie man angesichts der Ergebnisse annehmen muss, mit dem Ziel, sie eben daran zu hindern, Rechtschreibung und damit die Grundlagen des Bildungsmiteinanders zu erlernen, sondern darin, dass die Ergebnisse vom Berliner Senat, von der Senatorin für Bildung, Jugend und Wissenschaft verheimlicht werden sollten. Dass sie bekannt wurden, ist der Initiative von Joschka Langenbrink, einem SPD-Abgeordneten aus Neukölln zu verdanken und einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Gäbe es Langenbrink nicht, die Ergebnisse wären verschwiegen und verheimlicht worden.

Dass die Ergebnisse verheimlicht werden sollten, sagt viel, über das demokratische Verständnis aus, das den Berliner Senat prägt, und es sagt viel darüber aus, welchen Stellenwert dort das Wohl Berliner Bürger genießt. Offensichtlich keinen. Außerhalb des Berliner Senats ist bekannt, dass man Missstände nur abstellen kann, wenn man sie bekannt macht. Außerhalb des Berliner Senats ist bekannt, dass man Fortschritt nur dadurch erreichen kann, dass man aus Fehlern lernt. Im Berliner Senat ist das anders. Dort wird verheimlich, nicht gelernt. Dort wird geschwiegen, nicht gehandelt. Dort werden Bürger darüber im Unklaren gelassen, dass die Ausbildung in Berliner Grundschulen für die erhebliche Steuergelder aufgebracht werden, keinerlei Qualitätsmaßstab genügt. Es steht zu erwarten, dass die Leistungen der Berliner Grundschüler nicht schlechter ausfallen würden, würden sie von ihren Eltern in Rechtschreibung unterrichtet.

Was also eigentlich verschwiegen werden soll, ist die Tatsache, dass Berliner Bürger für eine Leistung (die Vermittlung von Grundkenntnissen in deutscher Rechtschreibung an Berliner Grundschulen) bezahlen, die nicht erbracht wird, weil die Schulen in Berlin zu schlecht sind, als dass sie Schüler produzieren würden, die der Rechtschreibung fähig sind. Und natürlich sind es nicht die Schulen, die Rechtschreibung vermitteln, es sind die Lehrer, Grundschullehrer. In Berlin sind 87,5% der Grundschullehrer weiblich. Entsprechend ist die Schulkatastrophe, die Unfähigkeit von Berliner Grundschullehrern den Berliner Grundschulkindern deutsche Rechtschreibung zu vermitteln, eine weibliche Katastrophe. Und es ist eine Katastrophe, die ausländische und deutsche Schüler in fast gleicher Weise betrifft, wie die Ergebnisse zeigen. In Berlin ist man auf dem Weg zu absoluter Gleichstellung, Gleichstellung in Armut und vor allem Gleichstellung in Unbildung, in Dummheit.

Vermutlich sollen diese Konsequenzen sozialistischer Politik verheimlicht werden.

Die Ergebnisse für Rechtschreibung sind nur ein Teil der Ergebnisse. Man darf mit Spannung darauf warten, ob die miserablen Ergebnisse in Rechtschreibung durch die Ergebnisse in Mathematik noch unterboten werden.

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8 Responses to 758 können nicht schreiben: Berliner Grundschüler werden in Dummheit gleichgestellt

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  2. Sven Kuchary says:

    Es macht Hoffnung, dass es selbst in der Berliner(!) SPD noch Politiker gibt, die der altbackenen Meinung sind, in der Grundschule solle man Lesen, Schreiben und Rechnen lernen. – Im zweiten Schritt geht es darum, die Ursachen herauszuarbeiten und anzugehen. Andere Bundesländer fallen bei ebenso hohem Frauenanteil an Grundschullehrern nicht ganz so tief wie Berlin. Es dürfte zusätzlich noch Berlin-spezifische Ursachen geben. Speziell in Neukölln ist sicher auch die “Integration” der dort lebenden vielen Ausländer zu betrachten.

  3. corusalbusberlin says:

    Ich landete nach der Flucht aus Berlin 1945 in Ostfriesland. ( nicht in Dänemark oder Norwegen) Mit 8 Jahren wurde ich in die “Volksschule” eingeschult.
    Lesen, Schreiben und das kleine Einmaleins konnten fast alle Schüler bereits bei der Einschulung
    Wir waren durchweg draußen in der Natur, aber auch auf Landstrassen trieben wir uns herum. Wir waren nicht immer fair, auch nicht tollerant und auch nicht vorurteilsfrei.
    Dafür waren wir Kinder.
    “intime Kenner “abstruser” Sexpraktiken……..” waren wir auch nicht, aber wir wussten , wie es ging und durch die Geburt von Kälbern und Fohlen ect. sahen wir das Ergebnis.

    • Markus Meier says:

      Was für schöne Zeiten … ich bin ähnlich aufgewachsen – wünschte meinen Töchtern das heute auch bieten zu können!

  4. Markus Meier says:

    In den Erziehungswissenschaften ist es seit langem bekannt und kritisiert, dass Gesellschaften das, was sie selbst nicht auf die Reihe bekommen, als “Zukunftsaufgabe” an Kinder delegieren: Wir haben ein Problem mit analphabeten Flüchtlingen – die Kinder müssen lieb zu Flüchtlingen sein, keinesfalls genervt. Frauen interessieren sich faktisch weniger für Technik und Ingenieurswesen – die Kinder sollen dort Frauenleistungen aufspüren. Es gibt keinen Konsens mehr, wie das gemeinsame Zusammenleben in Deutschland eigentlich funktionieren soll – Die Kinder sollen friedlich, aufgeschlossen, europäisch, lieb, sanft, super, toll etc. etc. werden. Wird es klinisch psychologisch nennt man das Syndrom “parentizing”: Kinder sollen ihre Eltern beschützen vor dem bösen Leben.

    Je mehr da so zusammenkommt, desto sicherer kann man sein, dass die Gesellschaft einen Haufen echter und eingebildeter Probleme vor sich herschiebt. Eine glückliche Gesellschaft würde so aussehen: Kinder lernen Kulturtechniken wie lesen, schreiben und rechnen und ihre Eltern kümmern sich gefälligst um ihre eigenen Probleme.

    Weit weit weg davon leben wir ….

  5. Susanne says:

    Meine Tochter ist 8 Jahre und geht seit vielen Jahren in Waldorfeinrichtungen. Nun ist sie in der zweiten Klasse der Rudolf—Steiner—Schule.
    Auch in dieser Schule ist nicht alles Problemlos. Ihre Klasse besteht mehrheitlich aus deutschen Kindern und russischen Aussiedler Kindern ( was daran liegt, dass seit der 1.Klasse Russisch gelehrt wird ).
    Zunehmend muß ich mit Sorge beobachten, dass immer mehr Eltern ihre verhaltensauffällige Kinder lieber in die Waldorfschule gehen lassen, als sie in einer Sonderschulen unterzubringen.
    Trotzaller Umstände hat mein Kind ohne Lehrbuch und ohne Vorgaben, wie linierte Blätter, ganz von selbst Lesen und Schreiben gelernt.
    Im Unterricht werden zwei Sprachen gelehrt sowie Deutsch, Mathematik, Religion, Handarbeit und Eurythmie.
    Politische Themen sind nicht an der Tagesordnung. Die Kinder hören russische Sagen, deutsche Märchen und englische Lieder.
    Sexualkunde ist erst sehr viel später in den Biologieunterricht eingegliedert.
    Die Schule kostet uns einiges an Geld, trotzallem bin ich heutzutage, mehr als je zuvor, froh, dass es diese Schule gibt.

  6. Robert Steinkogler says:

    On Topic:

    Das Schreiben der deutschen Sprache sollte nach dem Pro Laut (pro Phonem)-ein Schriftzeichen-Prinzip ablaufen !

    Ich habe ein fertiges Konzept dazu, welches als Büchlein veröffentlicht werden könnte. Ich suche einen Herausgeber bzw eine Herausgeberin. Kontakt bitte über Science Files.

    Einen großen Teil des Büchleins nimmt die aufklärerische Darstellung der “gewohnheitsmässigen” Irrsinne beim SChreiben der deutschen Sprache ein. Ein weiterer Teil sind die Anprangerungen wofür Schriftzeichen bisher FEHLEN bzw im Sinne einer konstruktiven Krtitik wo diese erstellt werden.

    Ein großer Teil sind die Hinweise auf all das was sinnvoll weglaßbar ist …….

    Ich würde meinen, die Kosten für ein Kaplaken (einem kleinen Textbuch) mit diesen Inhalten belaufen sich für eine erste Auflage auf mehrere Tausend Euros.

    Wer bereit ist diese Investition für die erste Auflage zu übernehmen, dem kann ich vertraglich eine Beteiligung an den weiteren Auflagen zusichern. Der Markt – das Bedürfnis sinnvoll die deutsche Sprache abzubilden – kann sicher generiert werden !

    …. zumal das Pro Phonem-ein Schriftzeichenprinzip ca mindestens 10 Prozent weniger Schreibarbeit verursacht.

    Und das ist ziejlich viel Zeit- und Arbeitsgewinn…

  7. Sebastian says:

    Die Mathematik-Ergebnisse sind in der vom Zeitungsartikel verlinkten Anfrage ebenfalls veröffentlicht!
    Dort liegt der Anteil unter Mindeststandard
    Bei “Muster & Strukturen” bei 30 % (nicht-deutsch, ndt.) bzw. 14 % (deutsch, dt.) sowie
    bei “Größen & Messen” bei 52 % (ndt.) bzw. 29 % (dt.)

    Man sollte generell bei VERA II beachten, dass hier DRITTKLÄSSLER an den Anforderungen nach ENDE DER GRUNDSCHULE gemessen werden. Sie haben also noch mehr als ein Schuljahr Zeit, fehlende Kompetenzen aufzuholen.

    Weitere Kritik an VERA III:
    “Aus empirischer Sicht erscheint den Kritikern das Verfahren der Auswertung fraglich: Da Lehrkräfte die Antworten der Schüler ihrer eigenen Klassen bewerten, kann ein identischer Bewertungsmaßstab aller Lehrkräfte nicht generell unterstellt werden.”

    Sind also Berliner Schüler schlecht oder ihre Lehrkräfte besonders kritisch? Vermutlich viel von Ersterem und wenig von letzterem, aber das ist Spekulation, solange keine “Kreuzkorrektur” stattfindet, wie vom Land NRW empfohlen.

    Sven Kuchary:
    “Speziell in Neukölln ist sicher auch die “Integration” der dort lebenden vielen Ausländer zu betrachten.”

    Dafür spricht, dass bei der Studie 32 % der Schüler deutsch nicht als “Verkehrssprache” hatten. Von diesen sind bei der Rechtsschreibung 61 % unter dem Mindeststandard, von den Muttersprachlern nur 41 %. Aber auch letzteres ist ein desaströses Ergebnis und sicherlich nicht durch Probleme bei der kulturellen Integration verursacht.

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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