Als Christopher Pissarides in den 1980er Jahren seine Matching-Theory aufgestellt hat, mit der er Arbeitslosigkeit erklärt hat, und zwar über eine ganze Reihe von Variablen, hat er bereits darauf hingewiesen, dass die Aufnahme einer Arbeit nicht nur davon abhängig ist, dass die Kompetenzen dessen, der den Arbeitsplatz ausfüllen soll mit den Anforderungen, die der Arbeitsplatz stellt, im Einklang stehen sondern auch davon, dass die Erwartungen, die Arbeitnehmer und Arbeitgeber an die Zusammenarbeit herantragen, kongruent sind. Schließlich, und gerade im deutschen Zusammenhang kann man das nicht oft genug sagen, hat Pissarides darauf hingewiesen, dass das, was er und andere Ökonomen den Reservation Wage nennen, sich erheblich auf die Bereitschaft auswirkt, einen Arbeitsplatz aufzunehmen. Wer durch Arbeit nur wenig mehr verdient als er an Ersatzleistungen wie Hartz-IV erhält, der wird den um 11 Uhr beginnenden Müßiggang der Mühsal des pünktlichen Erscheinens am Arbeitsplatz vorziehen.
Soweit die Theorie, nun das Ganze in Praxis.
Die guten Menschen der Bad Vilbeler Flüchtlingshilfe hatten Unternehmer, die im Gewerbering Bad Vilbel zusammengeschlossen sind, zu einem Treffen mit Flüchtlingen eingeladen, um deren Vermittlung in den Arbeitsmarkt zu erleichtern. Die Schützlinge der Bad Vilbeler Helfer bringen selbst nach deren Ansicht eine Reihe von Problemen mit in die Arbeitsplatzsuche: Sie seien nur am schnellen Geld interessiert, nicht an einer Ausbildung, sie wollten weder Schichtdienst noch körperlich anstrengende Arbeit leisten und hätten ihre Probleme mit dem pünktlichen Erscheinen am Arbeitsplatz. Wie ein Treffen mit Unternehmern etwas an diesen Problemen ändern soll, die sich letztlich daraus ergeben, dass sich die Flüchtlinge diese Probleme leisten können, ohne dass es einen Effekt auf die Höhe der Transferzahlungen hat, die ihnen monatlich zugehen, das ist eine Frage, deren Antwort uns wirklich sehr interessiert hätte, die wir aber leider nie bekommen werden, denn: Die Flüchtlingshelfer sind mit ihren Schützlingen unter sich geblieben. Kein einziger Arbeitgeber ist der Einladung gefolgt.
Die Gründe dafür und eine Vielzahl von Einsichten, die man dem Alltagsverstand zuschreiben muss, jenem Alltagsverstand, der bei Politikern so überhaupt nicht vorhanden zu sein scheint, kann man in den Kommentaren zu dem Beitrag in der Wetterauer Zeitung nachlesen. Die Kommentare lesen sich zum Teil wie eine Anwendung der Theorie von Pissarides:
Sehr gut bringt den Missstand, den Pissarides als zu niedrige Anreize, einen Arbeitsplatz aufzunehmen und damit als zu hohen „Reservation Wage“ bezeichnen würde, der Kommentator R. Gator zum Ausdruck. Er schreibt:
„Das naive, bunte und tolerante Weltbild der ‚Flüchtlingshelfer‘ lässt sich nun mal nicht der Realität der Gewerbetreibenden aufzwingen: Ein gut versorgter Schutzsuchender, der bei freier Kost und Logis staatliche Transferleistungen ohne Gegenleistung, praktisch als bedingungsloses Grundeinkommen in einer Höhe erhält, die in seiner Heimat einem Vermögen entsprochen hätten, sieht selbstverständlich keine Notwendigkeit, sich hierzulande in einem prekären Arbeitsverhältnis oder unbezahlten Praktikum ausbeuten zu lassen. Solch niedere Tätigkeiten, welche die Bereitschaft zum ungeliebten Schichtdienst, zu körperlich schwerer Arbeit und Pünktlichkeit sowie Zuverlässigkeit erfordern, kann man nur denen als alternativlos verkaufen, die schon länger hier leben und sich bei Ablehnung solcher Jobangebote der Verfolgungsbetreuung und den Schikanen des Jobcenters ausgeliefert sehen“.
Man muss nicht allen Inhalten zustimmen, aber in der Sache hat der Kommentator vollkommen recht. Wenn es das Ziel war, durch die Zuwanderung von Flüchtlingen nicht nur sozialen Unfrieden zu stiften, sondern nach deren Einreise durch Vergünstigungen, Sonderbehandlung und was auch immer dafür zu sorgen, dass die Integration von Flüchtlingen, die aufgrund ihrer mangelhaften Ausbildung zunächst nur über Minijobs, Hilfsarbeiterjobs und Anlerntätigkeiten erfolgen kann, scheitert, dann ist die deutsche Gesellschaft auf dem besten Weg, dieses Ziel vollumfänglich zu erreichen.
