Politainment: Jamaica Live im Ersten, Zweiten und auf allen Dritten Programmen

Das gibt es eigentlich nur am Fasching: Prunksitzung vorne, Prunksitzung hinten, Mainz bleibt Mainz im ZDF, Kölle Alaf in der ARD, Prunksitzungen aus Hintertupfingen und Wanne Eickel in den Dritten und auf Arte ein Beitrag über die Kunst hinter der Karnevalsmaske.

Eigentlich.
Tatsächlich gibt es das Ganze auch heute: in bewährter Monotonie, nicht zu überbietender Inhaltsleere und ständigem Bangen: Fällt sie oder fällt sie nicht. Sie fällt, nein, sie fällt nicht. Die Obergrenze natürlich.

Als Andreas Dörner 2001 sein Buch zum Thema Politainment geschrieben hat, hat er damit eine Entwicklung beschreiben wollen, die sich nach seiner Ansicht dadurch auszeichnet, dass Politiker sich mehr und mehr medialer Unterhaltungsformate bedienen, um ihre sowieso schon dünnen Inhalte farblich aufgemotzt und mit Musik und Effekten in die Länge gezogen, unter das Volk zu bringen. Politainment, so hat Dörner geschrieben, mache Politik auch denen zugänglich, die nicht an Politik, sondern an Unterhaltung interessiert seien. Und Thomas Meyer, in der Regel von Sorgen geplagt, fürchtete dass, „[f]ür den Bürger … ja unmittelbar gar nicht mehr nachzuvollziehen [ist], welche der Darstellungen von Politik leere Inszenierungen und welche geschickte Präsentationen tatsächlichen Vollzugs ist“.

Das Putzige an Meyers Einwand: Er geht tatsächlich davon aus, dass Politik auch aus nicht-leeren Inszenierungen bestünde. Einfach putzig.

Sowohl Meyer als auch Dörner hatten nicht auf der Rechnung, dass Politik schnell und gründlich über Politainment die Unterhaltung ruiniert. An die Stelle guter Unterhaltung treten immer dieselben Kommentare von immer denselben Journalisten, die immer dieselben Fragen stellen und weil das alles noch nicht reicht, präsentieren die Gebühren finanzierten Medien die Armut der Sondierungsgespräche, das unsägliche Geschachere darum, wer sich bewegen muss, bei gleichzeitiger Versicherung, dass man sich bewegen müsse, live und auf allen Kanälen.

Volle Dröhnung.

Aber natürlich ist man nicht einmal im Ersten in der ersten Reihe dabei. Das beste, was die Gebührensender zu bieten haben, ist ein Blick auf verschlossene Türen, hinter denen geschachert wird, seit Tagen nun, geschachert wird. Der Blick auf die Tür, der Blick auf den Balkon am Reichstag, das hat keinen Erlebniswert, das ist kein Entertainment, nicht einmal Politainment.

In Britannien spricht man von something as exciting as watching paint dry.

Damit die Zuschauer medialer Eintönigkeit, bei der Betrachtung der Jamaica-Armut nicht auf die Idee kommen, dabei handle es sich um Jamaica, haben wir ein paar Eindrücke aus Jamaica zusammengestellt, die mit Sicherheit aufregender sind, als die Frage: Fällt sie, oder fällt sie nicht.

Verhandlung unter vier Augen:

Aufregung aus Jamaica analog zur Aufregung in Deutschland:

Tipps für Verhandlungspausen

Für Nachdenkliche

Man soll die Hoffnung ja nicht aufgeben:

„Emancipate yourself from mental slavery, none but ourselves can free our minds…“ (Soviel an die Adresse der Whiteness-Studierer!)

In Jamaica kommen sie mit Leistung zum Ziel:

Und in Berlin? Kommen Sie in Berlin auch durch Leistung zu einem Ergebnis?

870.000 Flüchtlinge beziehen Hartz-IV: Arbeit für die meisten nicht in Sicht

Im Mai 2017 waren 870.000 Flüchtlinge aus Afghanistan, Eritrea, dem Irak, dem Iran, Nigeria, Pakistan; Somalia und Syrien Empfänger von Grundsicherungsleistungen nach SBG-II, rund 80% davon Syrer. Damit sind 14% der 6,1 Millionen Bezieher von Hartz-IV Flüchtlinge. So nachzulesen im neuesten IAB-Kurzbericht, der sich mit den Arbeitsmarktchancen von Flüchlingen beschäftigt.

Nach wie vor ist es das Ziel, die 870.000 Flüchtlinge, die derzeit in Hartz-IV geparkt sind, mit einer Arbeit zu versorgen. Welche Hindernisse einem derartigen Unterfagen im Weg stehen, das ist die Fragestellung des IAB-Berichts, den Sebastian Bähr, Jonas Beste und Claudia Wenzig erstellt haben.

Dazu greifen sie auf eine Stichprobe von 497 Flüchtlingen zurück, die SGB-II-Neuzugänge sind, wobei das mit dem Neuzugang nicht so wörtlich zu nehmen ist, denn der Neuzugang kann bereits im Sommer 2015 erfolgt sein. Für diese 497 Flüchtlinge haben die drei Autoren untersucht, welche Hindernisse ihrem Eintritt in den Arbeitsmarkt entgegenstehen. Die Stichprobe der drei Autoren ist insofern eine interessante Stichprobe als der Anteil der Flüchtlinge mit einem (Fach-)Hochschulabschluss mit 26,7% sehr hoch ist. Auch die Tatsache, dass 50,8% der Flüchtlinge in der Stichprobe von Bähr, Beste und Wenzig eine (Fach-)Hochschulreife erworben haben, ist interessant und weist die Stichprobe als eine aus, in der der Anteil der Flüchtlinge, die gute Chancen auf einen Arbeitsplatz haben sollten, überproportional hoch ist.

Dessen ungeachtet sind die Flüchtlnge überwiegend nicht erwerbstätig. 0,6% von ihnen gehen einer Vollzeitarbeit nach, 0,9% arbeiten in Teilzeit, 9,2% haben einen Minijob. Der Rest ist arbeitslos (47,9%), befindet sich in einer (schulischen) Ausbildung (20,9%) oder ist aus anderen Gründen nicht erwerbstätig (20,5%). Diese Zahlen sind insofern erschreckend als die Stichprobe und vor allem deren Verzerrung in Richtung höher gebildete Flüchlinge eine höhere Beteiligung am Arbeitsmarkt hätte erwartet lassen.

Dass dennoch nur 10,7% einer rudimentären Form von Arbeit nachgehen, liegt nach Ansicht der drei Autoren unter anderem an Sprachdefizien: 77% haben nur unzureichende Kenntnisse des Deutschen, 64,1% haben keinen beruflichen Bildungsabschluss, 24,2% keinen Schulabschluss. Folglich befinden sich 38,4% in einer Ausbildung, 34,3% in einem Sprachkurs und sind deshalb von einer Arbeitssuche freigestellt. Freigestellt sind auch 22% der Flüchtlinge, weil sie Kinder betreuen, was ja in Deutschland als wichtiger gilt, als die Grundlage für eine Integration in den Arbeitsmarkt zu legen.

Insgesamt haben die Jobcenter nur 22,8% der Flüchtlinge in der Stichprobe die Pflicht auferlegt, sich um einen Arbeitsplatz zu kümmern und das bei einer Stichprobe mit einem extraordinär hohen Anteil hoch Gebildeter. Bei der Verpflichtung, einen Arbeitsplatz zu suchen, gibt es übrigens keine Gleichstellung. Während die Jobcenter 31,6% der geflüchteten Männer eine solche Verpflichtung auferlegt haben, sind nur 9,5% der geflüchteten Frauen verpflichtet, sich eine Arbeit zu suchen.

Man kann also feststellen, dass in einer Stichprobe, die sich dadurch auszeichnet, dass gebildete und mit einem (höheren) Schulabschluss ausgestattete Flüchtlinge überproportional vertreten sind, dennoch keine Integration in den Arbeitsmarkt feststellbar ist. Bestenfalls kann man von einer verzögerten Integration ausgehen, da rund 73% der Flüchtlinge zunächst Sprachkenntnisse erwerben und einen Schulabschluss bzw. einen beruflichen Abschluss erreichen müssen. Ob den Abschlüssen dann eine Arbeit folgt, ist eine Frage, die derzeit nicht beantwortet werden kann. Die 870.000 Flüchlinge werden also auf absehbare Zeit von Hartz-IV-Bezügen leben und somit mehr Kosten produzieren als sie Nutzen bringen.

Anregungen? Hinweise? Kontaktieren Sie ScienceFiles

Ohne Obergrenze Diversität durch Flüchtlinge – Deutsche Träumerei in FAZ-moll

In Deutschland herrscht die politische Romantik. Politische und journalistische Romantiker sind voller Begeisterung für Flüchtlinge, die man in unbegrenzter Zahl in das doch reiche Deutschland lassen solle und könne. Und während die politischen Romantiker in der Großzügigkeit schwelgen, die sie sich durch die Erwerbstätigkeit und das Geld anderer leisten zu können glauben, präsentieren Journalisten voller Verzückung Beispiele von Ländern, die angeblich durch Vielfalt und die Aufnahme von Flüchtlingen Weltspitze geworden sind.

Einen Leser von ScienceFiles hat ein solcher Jubelartikel in der FAZ, in dem sich der Autor aufschwingt, den großen Nutzen zu feiern, den Flüchtlinge angeblich für Singapur bringen, so verägert, dass er sich ans Werk gemacht hat, um all die Teile der Realität, die politische und journalistische Romantiker ausblenden müssen, um ihre Wolkenkuckucksheime bauen zu können, zusammenzutragen. Das Bild von Singapur, das auf Grundlage der Fakten und Daten, die unser Leser zusammengetragen hat, zum Vorschein kommt, ist eines, das der verklärten Darstellung in der FAZ in jeder Hinsicht widerspricht und einmal mehr zeigt, wie weit verbreitet FakeNews in so genannten “Premiummedien” sind.

“[…] kaum ist der Physikerin Merkel die Quadratur des Kreises gelungen und man hat sich nun auf eine Art Obergrenze geeinigt, insbesondere dadurch,dass man die Obergrenze einfach nicht so nennt, erscheint dieser
heuschlerische Artikel in der FAZ: “Singapur ist die Hochburg für Arbeitsmigranten“:

Heuschlerisch, weil Arbeitsmigration mit der Aufnahme von Flüchtlingen gleichgesetzt wird.

In diesem Artikel wird aufgezeigt, wie gut doch die niedrigqualifizierten Zuwanderer für SEA (South-East Asia) sind, insbesondere für Singapore. Der Artikel ist so geschrieben, und die Überschirft deutet das auch an, dass die viel schlauer sind als  wir und “beliebig” viele reinlassen und natürlich mehr Zuwanderung positive Wachstumseffekte hat.

Nichts ist weiter von der Realität in Singapore entfernt als das!

Ich bin kein Singapore-Experte, habe aber in den 1,5 Jahren, in denen ich dort gelebt habe, ein paar Dinge mitbekommen.
Unabhängig davon kann man sich nicht einfach aus einem Land eine Institution herausgreifen und diese dann international vergleichen, denn in der Regel steht diese Institution in vielerlei Hinsicht mit anderen Institutionen ökonomischer, rechtlicher und gesellschaftlicher Natur in Zusammenhang. Vergleiche funktionieren ja oft nicht mal zwischen zwei deutschen Bundesländern, geschweige denn zwischen zwei Ländern in der EU. Wie abstrus es ist, wie im FAZ-Artikel geschehen, punktuell auf internationaler Ebene zu vergleichen, und dann auch noch einen Flächenstaat mit einem Stadtstaat mit Insellage, das versuche ich hier zu verdeutlichen.
Nachfolgend einige Punkte, die in dem FAZ-Artikel über Singapore nicht erwähnt [oder unterschlagen] werden, die aber für eine Diskussion um Arbeitsmigration evtl. nicht irrelevant sind, die mir SPONTAN einfallen:
  1. Das Land kann nur über zwei Brücken von Malaysia aus erreicht werden. Dort befinden sich zwei harte Grenzübergänge mit entsprechenden Kontrollen inklusive massiver Präsenz von Polizei, die mit (möglicherweise) geladenen MPs patroullieren.
  2. Wegen diesen strengen Kontrollen entstehen zwischen Johor Bahru (Malaysia) und Singapore jeden Morgen und jeden Abend kilometerlange Fahrzeug-, Roller- und Menschenschlangen. Kontrolle muss halt sein (siehe Foto).
  3. Man darf in das Land nur mit einem angebrochnen Zigarettenpäckchen rein und nur mit einem zu 75% gefüllten Tank ausreisen. Sonst drohen horrende Strafen.
  4. Es wird zwischen einer Einreise aus Malaysia und nicht-Malaysia unterschieden, also nach Einreiseland diskrimiert.
  5. Minimalste Mengen von Drogenbesitzt werden mit dem Tod bestraft (durch Erhängen): Soviel zum Thema Grenzkontrolle, die es in Deutschland in dieser Form nicht mal zu nicht-EU-Zeiten gegeben hat.
  6. Wer sich länger als 6 Monate in Singapore aufhält (natürlich nur mit einem Work Permit [Arbeitserlaubnis] möglich), muss einen medizinischen Check durchführen lassen – inklusive Röntgenuntersuchung, in dem auf Syphilis, HIV, Schwangerschaft und Tuberkulose getestet wird. Dies darf nur von einem in Sinagapore registrierten Arzt durchgeführt werden. Die Kosten trägt das Unternehmen, das die ausländische Arbeitskraft beschäftigen möchte.
  7. Wer falsche Angaben bei den Behörden macht, wenn es um die Arbeitserlaubnis geht, dem drohen Geldstrafren von bis zu 20.000 SGD [Singapore Dollar] oder Haftstrafen bis zu 2 Jahren.
  8. Über eine Einreise oder einen Aufenthalt ohne Pass spare ich mir die Erörterung.
  9. Auf Unternehmensebene: Unternehmen müssen für jeden eingestellten “unskilled” [ungelernter Arbeiter] nicht nur höhere levy bonds hinterlegen, also eine Art Versicherung oder Strafe für die Einstellung eines Niedrigqualifizierten bezahlen, es gibt auch eine Mindestquote für Hochqualifizierte, die man einstellen muss. D.h. ab einem bestimmten Moment darf man nur noch einen Niedrigqualifizierten einstellen, wenn man entsprechend auch Hochqualifizierte einstellt bzw. eingestellt hat. In Deutschland sprechen wir von einer Integrationspflicht der niedrigqualifizierten Asyl-Bewerber. Das ist das gegenteilige Arbeitsmarktkonzept.
  10. Diese high-skilled, low-skilled-Quoten sind unternehmensspezifisch und industriespezifisch geregelt:
  11. Die Arbeitskräften im Bereich “Construction” [Baugewerbe] bekommen oft nur 700 bis 1.000 SGD [Singapore Dollar], also 2,5€. D.h. es gibt einen Arbeitsmarkt, in den keine politische Lohnuntergrenze eingezogen ist. Damit kann der Arbeitsmarkt bei niedrigeren Löhnen auch deutlich mehr Menschen aufnehmen.
  12. A propos politisch: Singapore ist keine Demokratie.
  13. Homosexuelle Handlungen zwischen Männern sind strafbar.
  14. Der aktuelle Spitzensteuersatz beträgt 22%. Dieser wird fällig ab einem Jahreseinkommen von 320.000 SGD also 200.000€. Einkommen darunter werden entsprechend niedriger besteuert.
  15. Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen in den sogenannten CPF [Corporate Pension Fund] ein, also in eine Art persönlichen Vorsorgefond. Dieser wird positiv mit ca. 4% pro Jahr verzinst und nicht etwa wie die deutschen Rentenbeiträge negativ.
  16. Man benötigt kein Auto, da Singapore mit dem MRT eines der modernsten und die ganze Stadt durchziehenden U-Bahnsysteme hat.
  17. Vom Staat bezuschusste Wohnungen, sogenannte HDBs, dürfen nur Singaporeans kaufen. Ausländer nicht. Die Untervermietung eines HDB ist nur den “Singapore Citizens” erlaubt, nicht einmal Personen mit einer Permanent Residence” [Ubegrenzte Aufenthaltsgenehmigung)], und es darf nur an Einheimische oder Malayen untervermietet werden. Also eine ganz eindeutige Diskriminierung nach Herkunftsland.

Zusammenfassend kann somit gesagt werden: In den Genuss sozialer Leistungen kommen in Singapore nur Staatsbürger und somit in der Regel diejenigen, die in Sozialkassen einzahlen, während es in Deutschland eher der Fall ist, dass Personen, die nicht in Sozialkassen einzahlen, Arbeitslose, nicht-Erwerbstätige, Frauen, Flüchtlinge (fast) besser gestellt sind, als diejenigen, die die Leistungen erarbeiten.

In Singapore trennt man ganz klar zwischen Einheimischen und Ausländern, was bei uns alles Verstöße gegen das AGG [Antidiskriminierungsgesetz] wären. Niedrigqualifizierte dürfen unter ganz bestimmten Bedingungen in ganz bestimmten Brachen arbeiten, und die Unternehmen werden für diese in Haftung genommen, nicht die Gesellschaft. Man nimmt einen Großteil seines Bruttolohns mit nach Hause und zahlt in seinen eingenen (kapitalgedeckten nicht umlagefinanhzierten) Rentenfond ein. Ähnlich auch bei Gesundheit und Arbeitslosigkeit. Jede Form von Vergehen, geschweige denn Straftaten, werden massiv bestraft und die Strafen durchgesetzt.

Die beiden Systeme von Deutschland und Singapore zu vergleichen, wie es im FAZ-Artikel getan wird, zumindest in der Überschrift, ist bar jeder Vernunft.

Der Satz aus dem Artikel “Dabei wird die Wanderung der Arbeiter – wie auch in Europa – von der Vielfalt der Region angeheizt: Das reichste Land Südostasiens ist 25 Mal wohlhabender als das ärmste.” hat wenn überhaupt nur etwas mit Einkommensvielfalt zu tun. Mit der Vielfalt von der in Deutschland gesprochen wird nicht. Denn hier geht es nur darum, dass alle in die Schweiz Südostasiens wollen, nämlich Singapore, weil man dort so gute Jobs und Löhne bekommt. Und da das die Singaporeans wissen, haben sie sich entsprechend geschützt. Seiner Verletzlichkeit und Begehrtheit bewusst, gibt Singapore einen deutlich größeren Teil seines BIPs für Militär aus als jedes andere südostasiatische Land:

Als Tourist freut man sich in Singapore “Little India”, “Chinatown”, das arabische Viertel um die “Arab Street” oder vorwiegend thailändische Menschen um den Golden Mile Complex (Beach Road) herum zu sehen und sich an der Vielfalt zu begeistern. Diese Vielfalt kommt aber nur durch diese Herkunftsland-bezogenen Viertel zustande.

Wir in Deutschland versuchen dies ja durch eine “gesunde Vermischung/Verteilung” zu verhindern. Auf der anderen Seite brodeln in diesen Viertel die Resentiments gegenüber anderen Kulturen und teilweise auch der religiösen Unterschiede, und eine Kleinigkeit bringt das Pulverfaß zum Überlaufen, wenn beispielsweise ein Bus einen Inder überfährt.

Dann bleibt sehr wenig von Integration und Vielfalt übrig.

Bis hierhin bezog sich meine Erörterung auf Arbeitsmigration in Singapore. Das Thema in Deutschland war aber auf die Aufnahme von Flüchtlingen bezogen. Und es ging in der politischen Diskussion in den letzten zwei Jahren um eine Obergrenze für die Asyl-Einwanderung. Nun wie sieht es da in Sinagpore aus? So:

Singapore nimmt keinen einzigen Flüchtling auf.

Daher benötigt man auch keine Willkommenskultur.

Den Rest, der reinkommt (Touristen und Arbeitkräfte), muss man nicht Willkommen heißen, denn die
wollen ja was von Singapore und nicht umgekehrt.

Und wozu führt das (zumindest bis Ende Januar 2017)? Man wird Magnet für
Hochqualifizierte

Andere Länder, andere Sitten.

Wir bedanken uns für diesen einsichtsreichen und informierten Leserbrief!

Indoktrination erfolgreich – Kritikfähigkeit tot – Wie an Bremens Schulen Kader herangezogen werden

Wir haben gestern auf den Versuch des Freistaates Sachsen hingewiesen, Denk- und Kritikfähigkeit bei Schülern zu unterbinden und Letztere zu Reproduzenten (Multiplikatoren) vorgegebener Inhalte zu standardisieren. Heute veröffentlichen wir einen Beitrag von Dr. Dr. Marcus Ermler, der langsam zum festen Bestandteil der Redaktion wird, in dem er am Beispiel von Bremer Schülern zeigt, wie das, was in Sachsen versucht werden soll, in Bremen bereits erfolgreich durchgeführt worden ist. Am Beispiel der bundesweit gefeierten Schülerzeitung „heimatlos“ macht Marcus Ermler deutlich, wie Schüler zu Ja-Sagern manipuliert werden, wie sie wiederkauen, was ihnen als richtige Sicht auf die Welt vorgegeben wird und wie sie in einer erschreckenden Weise ihre Unfähigkeit zur Kritik und zum kritischen Denken zur Schau stellen. Man darf nicht verallgemeinern, was über einige Vorzeigeschüler, deren Erziehung zum Gesellschafts-Zombie offensichtlich erfolgreich war, an Erschreckendem in Ermlers Beitrag zum Vorschein kommt. Aber man muss zum einen konstatieren, dass die vielen Versuche, Schüler zu Durchlauferhitzern vorgegebener Einstellungen und Ideologien zu machen, zumindest bei manchen (in Bremen) erfolgreich sind, zum anderen muss man fürchten, dass die Fähigkeit, kritisch zu denken und in Frage zu stellen, was einem als korrekt vorgegeben wird, gerade bei Schülern (in Bremen) langsam zu einem seltenen Gut zu werden scheint.

Nach dieser Vorrede übergeben wir das Wort an Dr. Dr. Marcus Ermler:


„Wenn ich mir die Berichterstattung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und den Leitmedien vor, während und nach der Bundestagwahl vergegenwärtige, bekomme ich den Eindruck, dass Betroffenheits- und Hofjournalismus immer mehr als Markenkern von ARD, ZDF, Welt, ZEIT und Co. etabliert werden soll. Wer eine rechtsstaatliche Partei, wie die AfD, wiederholt in die Nähe der NSDAP rückt, hat meiner Meinung nach, nicht mehr alle Blätter in seinem „Kapital“. Ohnehin halte ich diesen Vergleich für eine entsetzliche Verharmlosung der Taten der Nazis und insbesondere des Holocaust.

Bereits beim Umgang mit der Flüchtlingskrise hat sich ja 2015 und 2016 nur zu deutlich dieses widerliche mediale Spiel gezeigt: Jeder Kritiker war Nazi, Unmensch, Wutbürger oder was es sonst noch so für ehrenvolle Titel gab. Wie kommen also Deutschlands Journalisten auf diese abwegigen Vergleiche, diese fragwürdigen historischen Ungenauigkeiten und das permanente Verteufeln von liberalen und konservativen Kritikern (und ja, es gibt auch progressive Kritiker, nur sind die in meinen Ohren merklich still)? Tangiert hiervon sind insbesondere die Journalisten, die sich aus den linksalternativen Milieus bundesdeutscher Großstädte rekrutieren.

Ich möchte dafür zuerst einen historischen Bogen spannen und dies dann anhand eines aktuellen Beispiels aus Bremen veranschaulichen.

Manchem Leser mag das DDR-Schulsystem aus eigenen qualvollen Erfahrungen vertraut sein, anderen, wie mir beispielsweise, können nur Erzählungen und sorgfältigen Dokumentationen vor Augen führen, welch’ perfides Spiel die DDR-Staatsmacht in der Erziehung zur sozialistischen Persönlichkeit vollzog. Beginnend im Vorschulalter wurde die Jugend durch Schule, dies dort in allen Fächer, und darüber hinaus in allen Institutionen des Staates sowie den DDR-Medien massiv indoktriniert, um als Ergebnis eben diese sozialistische Persönlichkeit zu formen, bzw. – um historisch genau zu bleiben – zu zwangsentwickeln.

Das DDR-Jugendgesetz setzte die Staatserziehung wie folgt fest: die Jugend sollte (1) den Ideen des Sozialismus treu ergeben sein, (2) als Patrioten und Internationalisten denken und handeln sowie (3) den Sozialismus stärken und gegen alle Feinde zuverlässig schützen. Ferner war es ihre ehrenvolle Pflicht, sich für Frieden und Völkerfreundschaft einzusetzen und antiimperialistische Solidarität zu üben. Verbunden war diese Indoktrination mit der Konstruktion von Feindbildern, der Unterrichtung in Marxismus-Leninismus, der Wehrerziehung einschließlich Waffenübungen sowie einer totalitären Variante des linken Antifaschismus.

Aus der Schülerzeitung “heimatlos” des Gymnasiums links der Weser

Wenn man diese pädagogische Tätigkeit in einem weiteren Rahmen fassen will, bietet sich der Blick auf die Zehn Gebote der sozialistischen Moral und Ethik an, die Walter Ulbricht dereinst verkündete. Dort heißt es im achten Gebot: „Du sollst Deine Kinder im Geiste des Friedens und des Sozialismus zu allseitig gebildeten, charakterfesten und körperlich gestählten Menschen erziehen.“ Wenn ich auf das heutige Schulsystem in der Bundesrepublik blicke, in dem linksliberale und sozialistisch angehauchte Lehrerdarsteller (der Arbeitersozialist ist tot, es lebe der Lehrersozialist) mit ihrer ganztägigen, inklusiven, diversen sowie gendergerechten Indoktrination Kinder und Jugendliche auf das Leben in der raubtierkapitalistischen und bellizistischen Wirklichkeit vorbereiten (vergaß ich „faschistisch“ zu erwähnen?), scheint immer mehr eine DDR-hafte Erziehung zur sozialistischen Persönlichkeit Vorbild zu werden, die sich noch deutlicher bei linksradikalen und gewaltaffinen Studenten an Universitäten fortsetzt und letztlich in Betroffenheitsjournalisten kulminiert.

Geradezu exemplarisch ist in diesem Zusammenhang die Bremer Schülerzeitung „heimatlos“, die sich nach eigener Darstellung mit Flüchtlingen und Rechtspopulismus beschäftigt und, dass sei hier bereits vorweg genommen, im besten Sinne der DDR-Schulerziehung von „allseitig gebildeten, charakterfesten und körperlich gestählten“ Jugendlichen geschrieben worden ist. Eine Zeitung, die sich in Sprache und Bildern nicht zu schade ist, auch den Holocaust mit ins Boot zu holen, wenn es um die moralinsaure Rechtfertigung von Migrationsbewegungen im Ausmaß der Völkerwanderung oder die Anklage gegen rechtspopulistische Islamhasser geht.

Dieser Beitrag soll, um das hier klar und deutlich zu sagen, nicht das Ziel haben, diese Jugendlichen der Lächerlichkeit preis zu geben, sondern die neosozialistischen Methoden des deutschen (in diesem speziellen Fall des Bremer) Bildungssystems, welche sich durch Schulen, staatliche Institutionen und Medien ziehen, offenzulegen und hiermit insbesondere ihre Lehrer und alle anderen Personen, die in die Erstellung dieses fragwürdigen Machwerks involviert waren, eindeutig zu adressieren und nach ihrer pädagogischen Verantwortung zu fragen (Und das sind nicht wenige. Um eine Auflage von 10.000 Exemplaren erreichen und finanzieren zu können, haben die Schüler eine professionelle Werbeagentur, Bremer Bürgerprojekte und Unternehmen als Unterstützter gewinnen können.). Aber ebenso den Blick dafür schärfen, dass diese jungen Menschen die Journalisten von morgen sein können, die bereits heute bestens geschult in Betroffenheits- und Hofjournalismus, diesen morgen dann noch ausweiten und radikalisieren.

Doch, und das wird nun die wenigsten Leser hier verblüffen, bin ich in meiner kritischen Analyse vom Blick der Bremer Bürgergesellschaft aus eher in der Minderheit. Bremen war diese Zeitung sogar einen Preis wert, den Hilde-Adolf-Preis der Bürgerstiftung Bremen, der mit 3000 Euro dotiert und vom Weser-Kurier (der Bremer Tageszeitung) gestiftet worden ist. Was war die Begründung? Der Chefredakteur des Weser-Kuriers hob „die journalistische Qualität“ hervor, die sich darin offenbart, dass „kompliziert Sachverhalte […] gut erklärt“ werden würden und dass die Redakteure „Geschichten Geflüchteter anrührend“ erzählten, den Mut haben „sich einzumischen und Stellung zu beziehen“ und eine „zutiefst politische Veröffentlichung“ auf den Weg gebracht haben. Ich möchte hier gleich einwerfen: Ein als Chefredakteur arbeitender Journalist sieht es als journalistische Qualität an, Geschichten anrührend (und damit emotionalisierend und nicht sachlich) zu erzählen, in journalistischen Texten eindeutig Stellung zu beziehen (was ist da der Informationsgehalt, und wo bleibt die Neutralität?) und eine „politische Veröffentlichung“ statt einer „journalistischen“ anzubieten?

Über wen sagt dieses Verständnis von Journalismus mehr aus, über die Jugendlichen oder über diesen Chefredakteur?

Aus der Schülerzeitung “heimatlos” des Gymnasiums links der Weser

Die Schülerzeitung als Zeitung zu erkennen, fällt bereits beim ersten Blick darauf sehr schwer. Eher erinnert sie an ein Werbeprospekt von Pro Asyl oder einer beliebigen anderen Schlepperinstitution, die ihr Gutmenschentum auf dem Rücken aller anderen ausleben müssen. Die Motivation war nicht, sich kritisch und sachlich mit Flucht, Flüchtlingen und den Auswirkungen auf die deutsche Gesellschaft auseinanderzusetzen, sondern vielmehr sehr persönlich: „120 Flüchtlinge wohnten über ein halbes Jahr in der Turnhalle unserer Schule“, denen die Schüler „angetrieben von dem Wunsch, den neuen Nachbarn zu helfen und diese so gut wie möglich zu unterstützen“ ihre Schülerzeitung widmeten.

Lieber Herr Chefredakteur des Weser-Kurier, dies als Journalismus zu bezeichnen ist ein schlechter Scherz. Was hat Hanns Joachim Friedrichs einst einprägsam über Journalismus gesagt: „Distanz halten, sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten, nicht in öffentliche Betroffenheit versinken, im Umgang mit Katastrophen cool bleiben, ohne kalt zu sein.“

Die Unfähigkeit Distanz zu halten, fängt in der Schülerzeitung „heimatlos“ bereits bei der Bildersprache an. Gibt es Bilder von Flüchtlingen so sind es hauptsächlich Bilder von Kindern und Familien (Afghanische Kinder, die auf Kleidung und medizinische Grundversorgung warten, Großfamilien, die über Äcker laufen, syrische Familien, die durch Stacheldrahtzaun klettern, ein Kind, das im Müll arbeitet). Dass sich hauptsächlich junge Männer auf den Weg nach Europa machten und machen, kommt in diesen Bilder nicht herüber. Das ist, höflich formuliert, eine Manipulation, die sich 2015 und 2016 durch fast alle Mainstream-Medien zog und auch hier nicht halt macht. Was genau haben die Lehrer, die die Schüler beim Schreiben unterstützt haben, eigentlich dazu beigetragen?

Erhellend sind auch die Beiträge, die sich in Artikel, Interviews, Erfahrungsberichte und Meinungen aufteilen. Dabei sind die Übergänge sehr fließend. Im Grunde sind alle Artikel Meinungen, zumindest schließen viele „neutrale“ Artikel mit persönlichen Meinungen der Autoren. Nehmen wir eine Auswahl von Überschriften, die bereits hier auf den weiteren Textinhalt mehr als deutlich hinweisen: „Afghanistan: Ein sicheres Drittland? Sprachkurse werden afghanischen Flüchtlingen verweigert“, „Flüchtlingsheime nach Religionen trennen?“ „Wertegemeinschaft ohne Asylrecht? Notizen zur deutschen und europäischen Flüchtlingspolitik“,„Australiens Politik der Abschreckung“, „Wir lassen sie verhungern!“ sowie „Piraterie in Somalia – ein hausgemachtes Problem?“.

Erschreckend ist ein Fakten-Kasten „Die Gesichter der Armut“, in dem Fakten über Gesundheit, Hunger, Wasser, Landwirtschaft und Auswirkungen der Armut auf Frauen (warum eigentlich nur Frauen?) selektiv dargeboten werden. Die Intention ist klar: wir sind schuld am Elend der Welt (links neben diesem Info-Kasten steht direkt der Artikel „Wir lassen sie verhungern!“), diese Menschen können sich nicht selbst helfen, und wir müssen einschreiten. In der Summe grenzt dies bereits an Menschenrechtsimperialismus und ist so in seiner moralisierenden Penetranz wirklich ein übles Propagandastück. Wenn man dann in die Artikel schaut, wird es nicht besser.

Ein Beispiel ist die Einordnung der Ereignisse an Silvester vor bald zwei Jahren: „Die gewaltsamen Angriffe auf Frauen in der Silvesternacht in Köln sind aus meiner Sicht ebenfalls nicht der Religion oder einem vermeintlich pauschalen islamischen Frauenbild anzulasten. Offensichtlich ging es hier um männliches, sexuelles Machtstreben, das man durchaus auch in unserer Kultur immer wieder erlebt – und nicht zu knapp. Es hat, so denke ich, eher mit bestimmten Männern und ihrer Einstellung Frauen gegenüber zu tun, nicht notwendigerweise mit der Religion.“ Hier sollte deutlich werden, was ich meine, wenn ich von der Entwicklung hin zu einer sozialistischen Persönlichkeit rede. Dieses Bild ist nicht nur von vielen Medien, neolinken Frauenrechtlerinnen und Politikern von SPD, Grünen bzw. Linkspartei verbreitet worden, sondern findet offenkundig auch Eingang in den Schulunterricht [Die ScienceFiles-Redaktion erlaubt sich anzumerken, dass Handlungen von Akteuren ausgeführt werden. Entsprechend sind diese Akteure und die Gelegenheitsstrukturen, die sich ihnen bieten, Ursache und Determinanten ihres Handelns. Eine Religion kann somit nicht für individuelles Handeln verantwortlich sein. Es handelt immer ein Mensch, nie eine Religion.]

Ein weiteres Beispiel, wobei es hier um die AfD geht: „Ist diese AfD eine Alternative? Raus aus der EU, Abschottung, Schießbefehl, tausend Jahre Deutschland, Kinder und Küche, rassistischen Irrwitz und Boateng nicht als Nachbarn. Deutschland und Europa haben ohne Frage viele Probleme – aber mit so schlichten und rückwärtsgewandten Ansichten wird man sie nicht lösen, geschweige denn erfassen“. Ich finde es erschreckend, dass hier von Aussagen einzelner AfD- Politiker, gegen die sogar Ausschlussverfahren laufen, auf die gesamte Partei geschlossen wird. Und ich finde es wenig glaubhaft, wenn Menschen, die Wahnvorstellungen des 150 Jahre alten Marxismus das Wort führen, andere als Reaktionär titulieren. Vielleicht erklärt sich diese journalistische Voreingenommenheit auch durch das Vorbild, das die Schülerzeitung hat: „Bekannt für viele wurde die AfD auch, als Oliver Welkes Satire die „Heute Show“ sie in die Mangel nahm. Er besuchte die Partei auf ihren Parteitagen und setzte sich dort mit ihr in spezieller Weise auseinander“. Die heute-show ist bekannt dafür, sich stets „speziell“ mit der AfD oder vor Jahren mit der FDP auseinanderzusetzen.

Einen Volksbelustigungsbetrieb für Salonmarxisten als Informationsquelle über die AfD heranzuziehen, ist, nun sagen wir es positiv, sehr originell. Andererseits gehen ja, wie eingangs erwähnt, Bildung und ZDF-Bildungsfernsehen Hand in Hand für das sozialistische Experiment des neuen Menschen. Und dann gibt es als Schmankerl obendrauf noch ein wunderbares Zitat von Jean Ziegler, seines Zeichens ehemaliger Sonderberichterstatter der UN für das Recht auf Nahrung und, was die Autoren verschweigen, in seiner Selbstsicht Kommunist im Sinne Marx sowie Unterstützer der MLPD: „Neoliberalismus und Freihandel haben mit Freiheit überhaupt nichts zu tun. Das ist eine riesige Lüge, es ist die Freiheit des Raubtiers im Dschungel, etwa wenn Nestlé gegen ein afrikanisches Bauernsyndikat antritt, dann ist dies als ob der Schwergewichtsweltmeister im Boxen gegen einen arbeitslosen, ausgehungerten Bengalen in den Ring geschickt wird.“ Das Raubtier Nestlé gegen das afrikanische Bauernsyndikat? Klingt für mich wie Rocky Balboa gegen Ivan Drago, Kapitalismus gegen Kommunismus. Ein Hauch von jüdischer Weltverschwörung schwingt auch immer mit, wenn von der „unbeschreiblichen Dominanz des Finanzkapitals“, dem „BankenBanditismus“ sowie den „Hedgefonds und Großbanken“ die Rede ist.

Aus der Schülerzeitung “heimatlos” des Gymnasiums links der Weser

Lektion „Kapitalismus ist böse, Kommunismus das Heil der Welt“ gelernt und verinnerlicht. Was dem Fass aber dann den Boden ausschlägt, ist ein Bericht über eine Studienfahrt ins Konzentrationslager Auschwitz. Während es in der restlichen Zeitung einzig und allein um liebe Flüchtlinge und böse Rechtspopulisten geht, gibt es auf der vorletzten Seite ohne nähere Begründung diesen Bericht. Es ist der leicht durchschaubare Versuch eine Verbindung zwischen Holocaust und der Flüchtlingskrise zu konstruieren und so eine historische Kontinuität Deutschlands festzuschreiben: Wurden damals Juden verfolgt und getötet, trifft es heute die Juden des 21.Jahrhunderts, also Flüchtlinge, und hierbei insbesondere die von deutschen Rechten (alles was rechts von der politischen Meinung dieser Schülerzeitung ist) unterdrückten Muslime.

Abschließend möchte ich ihnen als Hausaufgabe mit auf den Weg geben, sich die folgenden Zehn Geboten des Sozialismus (auch zu finden im FDGB-Lexikon, hg. von Dieter Dowe, Karlheinz Kuba, Manfred Wilke, bearb. von Michael Kubina, Berlin 2009, http://library.fes.de/FDGBLexikon/) sorgsam durchzulesen und daran anschließend genau zu überprüfen, inwieweit unsere Schüler bereits in den sozialistischen Menschen transformiert worden sind, und was das für den Journalismus in Deutschland in der Zukunft bedeuten könnte:

1. Du sollst Dich stets für die internationale Solidarität der Arbeiterklasse und aller Werktätigen sowie für die unverbrüchliche Verbundenheit aller sozialistischen Länder einsetzen.

2. Du sollst Dein Vaterland lieben und stets bereit sein, Deine ganze Kraft und Fähigkeit für die Verteidigung der Arbeiter-und-Bauern-Macht einzusetzen.

3. Du sollst helfen, die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen zu beseitigen.

4. Du sollst gute Taten für den Sozialismus vollbringen, denn der Sozialismus führt zu einem besseren Leben für alle Werktätigen.

5. Du sollst beim Aufbau des Sozialismus im Geiste der gegenseitigen Hilfe und der kameradschaftlichen Zusammenarbeit handeln, das Kollektiv achten und seine Kritik beherzigen.

6. Du sollst das Volkseigentum schützen und mehren.

7. Du sollst stets nach Verbesserung Deiner Leistung streben, sparsam sein und die sozialistische Arbeitsdisziplin festigen.

8. Du sollst Deine Kinder im Geiste des Friedens und des Sozialismus zu allseitig gebildeten, charakterfesten und körperlich gestählten Menschen erziehen.

9. Du sollst sauber und anständig leben und Deine Familie achten.

10. Du sollst Solidarität mit den um nationale Befreiung kämpfenden und den ihre nationale Unabhängigkeit verteidigenden Völkern üben.

Und wer jetzt immer noch nicht von den hehren Zielen der jungen Journalisten, ihrer Lehrer, Förderer und Unterstützer sowie ihrem Einsatz für Flüchtlinge und gegen Rechtspopulismus überzeugt ist, dem will ich die Worte des Festredners zur Verleihung des Hilde-Adolf-Preises an die Schülerzeitung “heimatlos”, dem ehemaligen Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse, ans Herz legen: „Genau das ist unsere demokratische Herausforderung und die ist eine politische wie moralische Herausforderung: Dem rechtspopulistischen, rechtsextremistischen Trend, der sichtbar stärker und selbstbewusster geworden ist, zu begegnen, zu widersprechen, zu widerstehen.“

Anmerkung der ScienceFiles-Redaktion: Im Einklang mit der Forderung von Wolfgang Thierse sind nun die Eltern gefordert, der Indoktrination ihrer Kinder in öffentilchen Schulen zu widersprechen, zu begegnen und zu widerstehen.

Anregungen? Hinweise? Kontaktieren Sie ScienceFiles

Flüchtlingskriminalität: Landeshauptstadt München belügt ihre Bürger

Ein Leser hat uns auf eine Faltblattreihe der Stadt München aufmerksam gemacht, die den Titel trägt „Das wird man doch noch fragen dürfen“. Eine Frage, die man in München noch fragen darf, lautet: „Sind Ausländer und Flüchtlinge krimineller als Deutsche?“ Die Antwort können wir vorweg nehmen: Ja. Allerdings wird diese Antwort im Faltblatt der Stadt München nicht direkt gegeben. Vielmehr wird die Antwort umschrieben, und es werden Daten des Polizeipräsidiums München in einer Weise interpretiert, die man nur als Fälschung bezeichnen kann.

Das Faltblatt folgt dem alten Trick: Zunächst etwas zugeben und es dann Stück für Stück zurücknehmen: „Richtig ist“, so steht es im Faltblatt, „im Münchner Sicherheitsreport – der Tatverdächtige erfasst, aber nicht die wirklich Verurteilten – erscheinen gemessen an ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung mehr Ausländer als Deutsche.

Dass Tatverdächtige nicht mit Verurteilten gleichgesetzt werden können, ist zwar richtig, gilt aber nicht nur für ausländische Tatverdächtige, sondern auch für deutsche. Es hat einen Grund darin, dass Staatsanwälte je nach Arbeitsbelastung mehr oder weniger liberal von der Möglichkeit einer Einstellung des Verfahrens Gebrauch machen. Entsprechend bleibt so mancher Tatverdächtige, selbst wenn er ein Straftäter ist, ohne Verurteilung. Das Bemühen, Kriminalität von Flüchtlingen als etwas darzustellen, das, selbst wenn es in den Daten erscheint, aber dennoch etwas anderes ist als wenn es sich um Kriminalität von Deutschen handelt, es ist bereits nach wenigen Zeilen unverkennbar.

Falls sie sich wundern, dass in der Frage Ausländer und Flüchtlinge vermengt werden: Das hat seinen Grund. Denn nachdem zugestanden wurde, dass Flüchtlinge und Ausländer häufiger unter den Tatverdächtigen zu finden sind als es ihrem Anteil an der Bevölkerung entspricht, kommt die Behauptung, dass „Fremde viel schneller angezeigt werden als Einheimische“. Diese Behauptung wird Christian Pfeiffer in den Mund gelegt, und wir haben keinen Grund zu bezweifeln, dass Pfeiffer ähnlichen Unsinn von sich gegeben hat. Tatsächlich gibt es einige wenige Studien, die zeigen, dass Ausländer bei bestimmten Straftaten, z.B. bei Leistungserschleichung oder bei Ladendiebstählen eine höhere Wahrscheinlichkeit haben als Täter ermittelt zu werden. Sie werden jedoch nicht schneller angezeigt als Deutsche. Wäre dem so, dann müsste man annehmen, dass das Personal der Münchner Verkehrsbetriebe deutsche Schwarzfahrer laufen lässt, während es ausländische Schwarzfahrer anzeigt. Die Faltblattmacher der Stadt München bezichtigen somit Angestellte der Stadt München der Rechtsbeugung und des Rassismus. Interessant.

Wie dem auch sei, die zitierten Ergebnisse wurden für Ausländer gefunden, nicht für Flüchtlinge. Ob es sich bei Flüchtlingen so verhält, wie es sich bei Ausländern verhält, zumal Flüchtlinge freie Fahrt in öffentlichen Verkehrsmitteln haben, ist eine offene Frage. Dazu gibt es keinerlei Forschung. Und weil es keine Forschung gibt, deshalb haben die Faltblattmacher aus München hier die Wahrheit etwas gedehnt und Ausländer in den Fragetext eingeführt. Und nun, da die Wahrheit soweit gedehnt wurde, dass sie fast schon zur Lüge geworden ist, können wir die Ausländer auch vergessen.

Nun wird im Faltblatt darauf hingewiesen, dass Flüchtlinge ja in erster Linie junge Männer sind. Junge Männer sind die Bevölkerungsgruppe, die überproportional häufig als Tatverdächtige erfasst wird. Indes gilt dies für alle jungen Männer, deutsche, nichtdeutsche und geflüchtete. Entsprechend kann man daraus keine Entschuldigung für die im Vergleich zu deutschen jungen Männern höhere Kriminalitätsbelastung von jungen männlichen Flüchtlingen in München basteln.

Und weil das alles nicht klappt, deshalb geht man bei der Stadt München zum offenen Verdrehen von Daten, fast zum Datenfälschen über:

50,3% der von Flüchtlingen begangenen Straftaten seien Bagatelldelikte, Vermögens-, Fälschungsdelikte oder Straftaten von geringer Tatschwere. Zwar seien 29,9% der Straftaten, die von Flüchtlingen begangen wurden, Rohheitsdelikte, aber diese würden vor allem gegenüber anderen Flüchtlingen begangen. Ist also nicht so schlimm, so die Stadt München. (Wie sich Gewalt unter Flüchtlingen zur Behauptung, als Flüchtling schneller angezeigt zu werden, verhält, ist eine Frage, die man wohl nur bei der Stadt München beantworten kann).

Wir zitieren nun aus dem Sicherheitsreport der Stadt München, dem auch die Faltblattmacher der Stadt München angeblich ihre Daten entnommen haben. Die Gegenüberstellung dessen, was im Sicherheitsbericht steht, mit dem, was die Faltblattmacher daraus gemacht haben, offenbart einen unglaublichen Drang, die Kriminalität von Flüchtlingen zu verbergen, wegzureden, zu leugnen, einen Drang, den man nur manisch und irre nennen kann.

Hier nun, was die Münchner Polizei zur Kriminalität von Flüchtlingen zu sagen weiß:

„Der größte Straftatenanteil tatverdächtiger Zuwanderer im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums München liegt mit 29,9 % (23,2 %) im Bereich der Rohheitsdelikte. In 46,9 % (38,0 %) der durch Zuwanderer begangenen Rohheitsdelikte befand sich der Tatort in einer Asylbewerberunterkunft. Der überwiegende Anteil aller Rohheitsdelikte wurde zum Nachteil anderer Zuwanderer begangen.

Der Anteil des Deliktsbereichs Vermögens- und Fälschungsdelikte entwickelte sich mit 22,9 % (20,2 %) ähnlich wie 2015. Fast die Hälfte entfiel mit 45,6 % (46,4 %) auf Leistungserschleichungen.

Der Anteil der Straftaten gem. Nebengesetzen nahm um +1,5 % Punkte auf 14,7 % zu. Von den 866 Straftaten gem. Nebengesetzen sind 833 Rauschgiftdelikte. Fast ein Drittel der Tatorte dieser BtMG-Verstöße liegt am Münchner Hauptbahnhof oder in dessen Umfeld (Vgl. Ziff. 2.2.1, S. 67).”

Rauschgiftdelikte zählen bei der Stadt München offensichtlich zu Bagatelldelikten, ebenso wie Betrug, Veruntreuung, Unterschlagung und Urkundenfälschung, die in der Klasse der Vermögens- und Fälschungsdelikte enthalten sind. Wer seinen Pass fälscht oder andere betrügt, gilt in München demnach als Bagatellstraftäter.

In einem weiteren Sicherheitsreport des Polizeipräsidiums München ist die Entwicklung der Straftaten durch Flüchtlinge für die Jahre 2015 und 2016 dargestellt und etwas näher ausgeführt als dies im offiziellen Sicherheitsreport der Fall ist. Demgemäß hat sich die Anzahl der tatverdächtigen Flüchtlinge in München von 3.856 im Jahr 2015 auf 5.898 im Jahr 2016 erhöht. Die Anzahl der Straftaten, die Flüchtlingen zugeordnet werden können, ist im selben Zeitraum um 2.042 Delikte gestiegen. Im gleichen Zeitraum ist die Anzahl der Flüchtlinge in München von 27.310 auf 33.656 gewachsen. Berücksichtigt man diese Zunahme, so kamen 2015 auf rund 7 Flüchtlinge ein Tatverdächtiger, während 2016 auf 6 Flüchtlinge ein Tatverdächtiger kam. Die Anzahl der Tatverdächtigen unter Flüchtlingen nimmt also zu. Ebenso und zur Besorgnis der Münchner Polizei steigt die Anzahl der Rohheitsdelikte, die von Flüchtlingen begangen werden, massiv an. Der Zuwachs von 2.042 Delikten zwischen 2015 und 2016 wird zu 42,6% (869 Straftaten) durch Rohheitsdelikte verursacht, davon sind 768 Straftaten Körperverletzungen.

Wenn man die Frage, die die Faltblattmacher der Stadt München sich selbst stellen, somit ehrlich beantworten will, dann muss man feststellen:

• Die Anzahl der tatverdächtigen Flüchtlinge ist gemessen an ihrem Anteil an der Bevölkerung überproportional hoch. Daraus folgt, dass Flüchtlinge häufiger als Tatverdächtige ermittelt werden als Deutsche.

• Die Anzahl der Rohheitsdelikte, die von Flüchtlingen untereinander und gegenüber Dritten begangen werden, ist von 2015 auf 2016 stark gestiegen. Auch hier finden sich überproportional viele Flüchtlinge unter den Tatverdächtigen, denen z.B. eine Körperverletzung oder ein Raub zur Last gelegt wird.

Sind Flüchlinge krimineller als Deutsche?, so lautet das, was man in München „doch noch fragen“ darf. Die Antwort, die man offensichtlich nicht geben darf, lautet: Uneingeschränkt ja. Flüchtlinge sind gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil in München krimineller als Deutsche. Daran gibt es nichts zu deuteln.

Dieses Ergebnis wird noch dadurch bestätigt, dass ausländerrechtliche Straftaten, die nur von Flüchtlingen begangen werden können, nicht berücksichtigt sind.

Anregungen? Hinweise? Kontaktieren Sie ScienceFiles

Translate »
error: Content is protected !!
Skip to toolbar