ZEIT-Wert: BILD-Texte zu kompliziert für ZEIT-Leser

Es vergeht keine Woche ohne eine eMail von der ZEIT, in der das Blatt wie Sauerbier angepriesen wird. Der Hintergrund der ständigen Werbeaktionen, die sich immer darin gleichen, dass man die ZEIT billiger bekommt, mehrere Wochen umsonst lesen können soll oder gleich für eine bestimmte Zeit geschenkt bekommt, ist natürlich die Tatsache, dass man auf diese Weise die Media Daten schönen, die Verbreitung der ZEIT, die Zahl ihrer Leser künstlich hochhalten kann. Zeitungen verdienen schon lange nicht mehr daran, dass sie gelesen werden, sondern daran, dass sie Werbemittel sind. Viele Leser sind nur deshalb notwendig, weil viele Leser es erlauben, hohe Preise für Werbung und Anzeigen zu verlangen.

Heute nun ist uns die folgende Variante der immerselben eMail in die Box geflattert.

Einmal mehr versucht die ZEIT, aus Donald Trump Kapital zu schlagen, einmal mehr wird ein verbilligtes und zeitlich begrenztes Abonnement angeboten, um die Abonnentenzahlen künstlich zu erhöhen. Dieses Mal gibt es noch ein „edles Schreibset mit Notizbuch“ für diejenigen, die sich erweichen lassen.

Und warum soll man die ZEIT abonnieren, für 16 Euro und fünf Wochen lang, inklusive edlem Schreibset und Notizbuch?

Weil man dann erfährt, „was Trump bewegt“. Denn bei der Zeit arbeiten Medien, die den Geist von Donald Trump rufen und befragen können, was ihn bewegt. Das wird als „fundierte Reportage“ und „Hintergrundbericht“ verkauft, als das, was „unabhängige Beobachter, die nachforschen, nachfragen und einordnen“ bei der ZEIT zum Besten geben, in einer Zeit, in der die internationale Politik für die ZEIT auf dem Kopf steht.

Zudem wird man, wer die ZEIT liest, schlau, wohl ein Ergebnis nachforschender Nachfrage unabhängiger ZEIT-Beobachter: Ein ZEIT-Leser, so das Versprechen, versteht bei ZEIT-Lektüre mehr als die Schlagzeile, denn die meisten Leser sind mit dem Text, der den Schlagzeilen anderer Zeitungen z.B. der BILDzeitung folgt, überfordert: Sie verstehen nur den Text, der in der ZEIT nach der Schlagzeile folgt, woraus notwendig folgt, dass das Niveau in der ZEIT geringer sein muss, als das der BILDzeitung, nur so ist es möglich, dass die Leser, die man bei der ZEIT für dumm hält, durch das Lesen von mehr als den ZEIT-Schlagzeilen, weniger dumm werden und mehr verstehen.

37% Ersparnis für diejenigen, die so dumm sind, dass sie die Texte der BILDzeitung nicht verstehen, aber keine Probleme mit der ZEIT nach Schlagzeilen haben. Ein angemessener Preis für diejenigen, die die Einladung annehmen, um aus dem Kreis der Dummen, in den Kreis der ZEITgebildeten aufzusteigen….

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10 Responses to ZEIT-Wert: BILD-Texte zu kompliziert für ZEIT-Leser

  1. derPragmatiker says:

    Ich brauche keine ZEIT.
    Ich habe Zeit.
    Für unsere junge Katze, auf der Terrasse mit dem tablet sciencefiles lesen, am Hafen sitzen und übers Meer schauen, über die Walking Street laufen und leckere Snacks essen, mit Anderen am Tisch sitzen und über Gott und die Welt plaudern, im Tempel Kerzen und Räucherstäbchen anzünden, mich auf Frühling und Sommer in Deutschland und Europa freuen, nix müssen, nur Möglichkeiten, die ich gar nicht alle schaffen kann/will…
    Oft reichen mir die Überschriften, und dann vom Weiterlesen abzusehen.
    Da hat ZEIT-Werbung keine Chance bei mir.

  2. corvusalbusberlin says:

    “Was bewegt Trump ?”
    Das will uns ausgerechnet die “Zeit” verklickern? Ist das ein verspäteter Aprilscherz?

    Ich erinnere mich, dass die !Zeit” auf ihrer Titelseite nach dem Brexit geschrieben hat. Der Brexit ist von Rechtspolulisten gewählt. Das sollen 53 % der Briten gewesen sein.

    Zum täglichen “Erbsesuppenessen” hat man sie bereits verdammt.

  3. Gereon says:

    Ich denke, die Antwort ist ATP, wie bei den meisten, aber von der ZEIT ist doch eh nur Trump-Bashing zu erwarten, un d garantiert nix, was ich nicht online schon gelesen und von verschiedenen Seiten besser beleuchtet wahrgenommen habe.

  4. Kai says:

    Ich lese nur Online, auch die ZEIT, dabei lese ich sehr selten die Artikel, überfliege sie meist, denn sachliche Informationen sind spärlich, und eingefärbte Sichtweisen überwiegend.

    Was ich aber in ihrem Medium schätze, ist die Kommentarspalte, da oft recht viele Informationen zu dem eigentlichen Sachverhalt zusammenkommen und man ein viel ausgiebigeres Bild bekommt.

    Aus eigener Erfahrung sollte man die Themen Klima, Trump und Brexit meiden, da ist die überwiegende Mehrheit sehr schwarz/weiss eingestellt, à la Klimawandel Menschengemacht, Trump Schlecht, Briten blöd, EU gut

  5. derwaidler says:

    In meinem Postfach finde ich von Zeit zu Zeit auch dieses Angebot. Die werden schon wissen, warum man dort keine “Sofortantwort” geben kann, denn dann würde der Praktikant, der die Mails absetzt, flennend davonlaufen, wenn er sieht, was die Leute wirklich von diesem überflüssigen Käseblatt halten. Hab ich vor 20 Jahren mal gerne gelesen.

  6. Karl Friedrich says:

    Wissen Sie was das Schöne an den alternativen Medien ist? Man weiß das hinter jedem Artikel noch ein Mensch sitzt der sich seine eigenen Gedanken zum Zeitgeist macht. Ob die veröffentliche Meinung nun meinen persönlichen Ansichten entsprechen oder nicht ist dabei gar nicht mal so wichtig. Wichtig ist, das man sich nach dem lesen eines Artikels auf die Suche nach weiter Informationen zum besagten Thema macht. So sollte Journalismus sein, es sollte die Leser dazu anregen sich initiativ zu informieren und sich seine eigene Meinung zu bilden, frei von ideologischen Einflüssen.

    • Heike Diefenbach says:

      … ja, und genauso sieht das anscheinend die große Mehrheit der Nutzer sozialer Medien.

      Jedenfalls verhält sie sich entsprechend.

      Jedenfalls dann, wenn man die Ergebnisse der Studie aus dem Vereinigten Königreich, über die wir hier auf Sciencefiles schon berichtet haben, auf andere Länder (mehr oder weniger zutreffend) verallgemeinern darf (was natürlich eine Frage ist, die man nur durch entsprechende Untersuchungen in verschiedenen Ländern beantworten kann).

      Ich zitiere noch einmal aus unserem Bericht über die Studie:

      “Das Ergebnis im Originalton von Grant Blank: „Whatever the causes of political polarisation today, it is not social media or the internet”, denn die Studie ergab, dass Personen soziale Medien weniger dazu nutzen, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen oder Informationen nur aus ihnen weltanschaulich nahestehenden Medien zu suchen, sondern viel mehr dazu, Informationen, die sie irgendwo gelesen haben, zu überprüfen. Sie nutzen dazu meistens Suchmaschinen und werden dabei häufig mit Darstellungen oder Meinungen konfrontiert, die nicht ihren eigenen entsprechen. Die Forscher haben festgestellt, dass die Nutzer in der Stichprobe durchschnittlich vier verschiedene Medien als Hauptinformationsquellen nutzten und auf Plattformen dreier verschiedener sozialer Medien einen account hatten. Sie haben weiter festgestellt, dass einige der Nutzer in der Stichprobe aufgrund dieser Art der Mediennutzung ihrer Meinung über bestimmte Fragen geändert haben.”

      Dass man diese Ergebnisse verallgemeinern kann, scheint plausibel, denn wenn ein Medium Möglichkeiten bietet, nutzen Menschen dieselben oder einen Teil derselben normalerweise. Und soziale Medien bzw. das Internet i.A. bietet eben u.a. die Möglichkeit, sich “just one click away” weitere Informationen zu ein und demselben Thema zu besorgen.

      Nur, wer einen ausgeprägten ideologischen Tunnelblick, hat, übersieht diese Möglichkeit oder meint, alle Leute würden auf die Nutzung dieser Möglichkeit verzichten, nur, weil man selbst auf diese Möglichkeit verzichtet. Oder schlimmer: Solche Menschen haben regelrecht Angst davor, dass Menschen sich ein komplexeres Bild von den Verhältnissen machen können, als es die “Einbahnstraßen-Verkündigung” gleichgeschalteter Printmedien oder öffentlich-rechtlicher Medien zeichnet.

      So oder so sagt sagt das einiges über die ewig gestrigen Kritiker des Internets bzw. sozialer Medien.

      Bibiliographische Informationen zur Studie:

      Dubois, Elisabeth & Blank, Grant, 2018: The Echo Chamber is Overstated: The Moderating Effect of Political Interest and Diverse Media. Information, Communication & Society 21(5): 729-745.
      https://doi.org/10.1080/1369118X.2018.1428656

  7. Sven Kuchary says:

    Das Kreuzworträtsel im ZEIT-Magazin war Kult! Vor knapp 30 Jahren mit meiner Freundin auf dem Fußboden liegend, und wer am Ende mehr Buchstaben in seiner Farbe hatte, der hatte gewonnen. Die ZEIT-Artikel wendeten schon damals die Themen langatmig hin und her, oft hatte man dasselbe woanders (SZ, FAZ) prägnanter schon gelesen, als im ZEIT-Predigt-Stil. Ein Blatt für evangelische Pfarrer, nur die haben soviel Zeit.

  8. archenlaender says:

    Ich hätte das Angebot angenommen, aber ich kann gar nicht lesen! 🙂

  9. Tom Hess says:

    Die Zeit war das erste und zugleich einzige Medium, welches mich in der Kommentarfunktion sperrte (ausgerechnet für einen Satz, den der Mitgründer Schmidt sagte, was für mich sehr vielsagend war). Auch der Umstand, dass das 2015 war, entschuldigt das nicht.

    Aber: diese nervigen “bitte bitte abonnier mich” Mails, die an die E-Mail-Adresse gesendet werden, mit der ich mich damals bei der Zeit anmeldete, die kommen tatsächlich noch in extrem regelmäßigen Abständen. Auffällig, weil eben so häufig wie penetrant.

    Das ist für mich noch wesentlich aussagekräftiger: meine Meinung will man nicht, aber mein Geld kann gar nicht (politisch) schmutzig genug sein. Wenn ich jemanden nicht mag, dann mag ich ihn auch als Kunden nicht mehr. Das wäre konsequent.

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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