Vom Blutbad zum Krawall: Die Geschichte des Ersten Mai

Am 1. Mai 1946 hat der Alliierte Kontrollrat den 1. Mai als Feiertag bestätigt. Seitdem wird er begangen, mit oder ohne Brückentag.

Die Geschichte des 1. Mai ist jedoch älter. Sie beginnt bereits im Jahre 1890.

Die Sozialistische Internationale hat den 1. Mai 1890 zum Kampftag der Arbeiterbewegung bestimmt. Die sogenannte “Haymarket Square Affair” aus dem Jahre 1886 diente dabei als Aufhänger. Am 4. Mai 1886 war es zwischen protestierenden Arbeitern und der Polizei auf dem Chicagoer Haymarket Square zu einer Auseinandersetzung gekommen, in der Verlauf eine Bombe gezündet und vier Polizeibeamte getötet wurden. Die anschließende Auseinandersetzung zwischen Polizei und Demonstranten endete mit weiteren sieben Toten und vielen Verletzten.

Zum 1. Mai 1890 galt in Deutschland noch das Bismarcksche Sozialistengesetz (es wurde zum 1. September 1890 aufgehoben), das Gründung, Versammlung und Schriften sozialistischer und kommunistischer Vereine verbot. Deshalb wurden die Versammlungen zum 1. Mai zur Maifeier umfunktioniert. Als Erkennungszeichen für die, die mehr Sinn als feiern mit dem 1. Mai verbanden, galt eine rote Nelke im Knopfloch.

Mit dem ersten Weltkrieg verloren SPD und Gewerkschaften das Interesse am 1. Mai. Nur der Spartakusbund rief zu illegalen Maikundgebungen gegen Krieg und Militarismus auf.

Der 1. Mai 1919 wurde von der damaligen Nationalversammlung zum Feiertag erklärt (siehe Plakat unten). Der Feiertag war einmalig, da im Parlament keine Einigung mit DNVP, DVP und Teilen des Zentrums über einen nationalen Feiertag der Arbeit hergestellt werden konnte.

Erst Adolf Hitler und die NSDAP haben den 1. Mai als deutschlandweiten Feiertag verankert. Er wurde zum 1. Mai 1933 zum ersten Mal als Tag der nationalen Arbeit begangen. In Städten wurden Aufmärsche und zentrale Kundgebungen veranstaltet, der Höhepunkt fand 1933 in Berlin mit einer Rede des Reichskanzlers Adolf Hitler statt. Gegenstand der Rede war nach Angaben der Vossischen Zeitung (siehe Plakat) das Problem, der „Arbeit ihre Würde wiederzugeben und Gegensätze im Volk zu versöhnen“. In der heutigen Diktion ging es um also Gerechtigkeit und darum, Einkommensunterschiede zu verringern.

Nach dem Krieg, wurde der 1. Mai in der Westzone durch den Kontrollrat der Alliierten als Feiertag zugelassen und seither vom DGB mit Massenkundgebungen begangen. Im Osten Deutschlands führte die SED die Tradition des Ersten Mai mit Massenaufmärschen und einer Militärparade fort, 1960 z.B. unter dem Motto „Der Sozialismus siegt“.

Die Geschichte des 1. Mai in der Bundesrepublik und im vereinigten Deutschland haben wir im Folgenden als kleine Bilderstrecke zusammengestellt. Sie zeigt Plakate des DGB und die Veränderung des 1. Mail von einem Tag, an dem es konkret um Rechte der arbeitenden Bevölkerung ging (1950er bis Ende 1960er Jahre), zu einem Tag, an dem für Frieden und internationale Solidarität geworden wurde (1970er bis Ende 1980er Jahre), bei dem seit den 1990er Jahren das „Soziale“ in den Vordergrund gestell wirdt und nach und nach in den 2000er Jahren um eine Infantilisierung und um das, was man bei Gewerkschaften für „Gerechtigkeit“ hält, ergänzt wurde.

Und natürlich darf man nicht vergessen, dass der 1. Mai zu seinen Wurzeln zurückgekehrt ist. Die Toten aus dem Chicago des Jahres 1886 wurden von der Sozialistischen Internationalen zu Märtyrern einer Arbeiterbewegung aufgebaut und instrumentalisiert, um den 1. Mai mit symbolischem Gehalt auszustatten. 132 Jahre später ist der 1. Mai wieder zu einem Tag der Randale und der Kriminalität geworden, der in Berlin, Hamburg und Leipzig von autonomen Chaoten, ausgebrannten Fahrzeugen und eingeschlagenen Schaufensterscheiben, und natürlich von verletzten Polizeibeamten gekennzeichnet ist.

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