Atomwaffenfreie Kinderträume im ZDF – Die Welt als friedliches Paradies

„Von einer friedlichen Welt ohne Atomwaffen sind wir noch weit entfernt“, schreibt das ZDF. Anlass ist natürlich der Jahrestag von Hiroshima und nicht einmal in diesem Zusammenhang vergessen deutsche Medien den Seitenhieb auf Donald Trump (siehe das Video).

Viele von uns Alten waren einst Ostermarschierer, haben gegen den NATO-Doppelbeschluss vom Dezember 1979 demonstriert, gegen Pershing II gestritten und am Ende mit angesehen, wie die neue Generation von Atomwaffen auch in Deutschland stationiert wurde.

Damals haben nicht wenige gedacht, die Welt geht unter, versinkt im atomaren Chaos.
Wenn man jung ist, hat man ein gewisses Recht, naiv und uninformiert zu sein, und Idealen nachzulaufen, die weltfremd sind.

Wenn man dann aber erwachsen wird, Erfahrung im Leben sammelt, lernt, beobachtet, einen Beruf ergreift, vielleicht Journalist wird, dann sollte man einen Reifungsprozess durchgemacht haben, an dessen Ende die Erkenntnis steht, dass die meisten Dinge zwei Seiten haben und nicht so einfach zu entscheiden sind, wie man das dachte.

Seltsamerweise setzt dieser Reifeprozess und seine Erkenntnis, dass Dinge zumeist nicht so einfach sind, wie sie aus ideologischer Sicht erscheinen sollen, bei denen, die Populisten von Rechts vorwerfen, mit einfachen Antworten Menschen zu fangen, in der Regel nicht ein.

Dass eine Welt ohne Atomwaffen eine friedliche Welt wäre, ist eine einfache Aussage, dass Abrüstung von Atomwaffen die Antwort auf Fragen der Sicherheit ist, ist eine einfache Antwort (Und dass Donald Trump an allem schuld ist, auch – aber das nur nebenbei).

Früher war nicht alles besser, aber man konnte von Journalisten erwarten, dass sie in einem Beitrag über Abrüstung auch darauf eingehen, dass Atomwaffen nicht – wie Linke uns glauben machen wollen – von einer mächtigen Rüstungslobby entwickelt wurden, um damit viel Geld zu verdienen – sondern dass ihre Entwicklung einem Ziel gedient hat. Die Wissenschaftler, die jahrelang in Los Alamos an der A-Bombe gebaut haben, waren zum einen überzeugt, sich im Wettlauf mit Nazi-Deutschland zu befinden und hatten zum anderen die Hoffnung, den Krieg mit Japan durch die Abwürfe auf Hiroshima und Nagasaki schnell zu beenden.

Die Frage, ob durch die beiden Abwürfe mehr Menschen ums Leben kamen als ums Leben gekommen wären, hätten die USA auf die Atombombe verzichtet und Japan entsprechend den Krieg fortgeführt, ist eine offene Frage. Dass man sie stellen kann zeigt bereits, dass es mit den Atombomben nicht so einfach ist, wie es in den Hirnen mancher ZDF-Redakteure zuzugehen scheint.

Wir Alten, die wir unseren Widerstand gegen die Nachrüstung aufgegeben haben, haben dies auch deshalb getan, weil Bürger westlicher Nationen seit 1945 in der friedlichsten Welt gelebt haben, die Europa je gesehen hat. Keine Kriege, keine Auseinandersetzungen und keinerlei Einsatz von nuklearen Waffen.

Dass die letzten Jahrzehnte für Bewohner westlicher Staaten so friedlich waren, wie sie waren, hängt mit nuklearen Waffen zusammen, hängt mit dem zusammen, was man gemeinhin Abschreckung nennt.

In der naiven Welt der geistigen Kinder benötigt man keine Abschreckung. Die Welt ist ein Paradies. Alle haben sich lieb. Jeder kooperiert mit jedem, vorbehaltlos und ohne Hintergedanken. Niemand versucht sich einen Vorteil zu verschaffen. Niemand will auf Kosten anderer leben. Eigentum bleibt Eigentum. Gefahr für Leib und Leben geht von anderen Menschen nicht aus. Es gibt keine Kriminalität, keine Abweichung von der Norm, keine Lügen, keinen Betrug, kurz: All das was menschliche Gesellschaften auszeichnet, ist im geistigen Paradies oder in der sterilen Hölle, wie sie linken Phantasten vorschwebt, nicht vorhanden.

Aber wir leben nicht in dieser sterilen Traumwelt.

In der wirklichen Welt gibt es Betrug, Schmarotzer, es gibt nette Menschen und boshafte Genderisten, es gibt Diebe und Mörder, Politiker, die versuchen, sich selbst zu bereichern, Korruption in unzähligen Facetten, Bestrebungen, den eigenen Machtbereich zu erweitern und dazu Waffengewalt zu nutzen und vieles mehr, was menschliches Zusammenleben auszeichnet.

Menschen sind nicht sozial, wie uns Phantasten glauben machen wollen. Menschen sind gezwungen, zu kooperieren, das ist etwas vollkommen anderes.

Weil die Welt nicht dem Traum der Linken entspricht, deshalb ist Abschreckung wichtig. Selbst Linke wissen das. Keiner der Abgeordneten der Linken, die eine Welt ohne Atomwaffen fordern, käme auf die Idee, sein Auto unverschlossen abzustellen oder die Tür zu seinem Haus / seiner Wohnung generell offenstehen zu lassen. So weit ist es mit dem Vertrauen in die Mitmenschen dann selbst bei Linken nicht gediehen.

Dass Atomwaffen ein elementarer Bestandteil der Abschreckung und eine Ursache der langen Friedenszeiten sind, dass sich eine friedliche Welt nicht einstellt, wenn Atomwaffen verschwunden sind, sondern sich eingestellt hat, weil Atomwaffen vorhanden sind, das ist ein Ergebnis, das wir u.a. dem Nobelpreisträger Thomas C. Schelling verdanken. Schelling hat 1960 das Buch „The Strategy of Conflict“ veröffentlicht, in dem er seine Variante der Spieltheorie in einer Sprache entwickelt, die für alle Leser nachvollziehbar ist, nicht nur für diejenigen, die Mathematik studiert haben, wie dies bei den meisten Arbeiten von John von Neumann der Fall ist.

Das Kooperationsproblem als spieltheoretisches “Prisoner’s Dilemma”

Schelling’s genialer Einfall nennt sich „non-zero-sum-game“. Vor Schelling galt in Spielen der Spieltheorie die Maxime, dass das, was der eine Spieler gewinnt, vom anderen Spieler verloren werden muss. Typische Situationen, die von Spieltheoretikern untersucht wurden, hatten individuelle Entscheidungen zum Gegenstand, deren Zweck darin bestand, das beste Ergebnis bei gleichzeitiger Minimierung des Verlusts zu erreichen. Die Spiele waren Konkurrenzkämpfe in idealisierter Form, die in einem Gleichgewicht endeten, das Nash als eines beschrieben hat, in dem sich keiner der beiden Spieler schlechter stellen kann, egal, wie sich sein Kontrahent entscheidet..

Mit Schelling hat sich das geändert.

Stellen Sie sich vor, zwei Revolverhelden stehen einander gegenüber und wollen sich duellieren. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass einer von beiden schießt, wenn beide wissen, dass der andere, egal, ob er getroffen wird oder nicht, IN JEDEM FALL noch Zeit genug haben wird, um gezielt zurückzuschießen?

Kein normaler Mensch macht den ersten aggressiven Schritt, wenn er weiß, dass er, unabhängig vom Ausgang, mit einem ebensolchen und vielleicht noch höheren Maß an Aggressivität, dessen Ziel er ist, sicher zu rechnen hat.

Das ist die Doktrin der „massive Retaliation“, die die USA übernommen haben. B52-Bomber mit Atomwaffen bestückt, von denen immer einige in der Luft sind, Atom-U-Boote írgendwo im Meer, garantieren, dass jeder Erstschlag der UdSSR mit einem Gegenschlag beantwortet wird, der dazu führt, dass die Sowjetunion den Erfolg des Erstschlags nicht auskosten kann, weil sie von Gegenschlägen zerstört wird. Ein Erstschlag bringt also nichts.

Diese Strategie hat dabei geholfen und hilft auch nach dem Ende der Sowjetunion weiter dabei, den Frieden in westlichen Staaten zu sichern. Atomwaffen sind ein integraler Teil der Friedenszeiten, die für viele im Westen so selbstverständlich geworden sind. Deshalb verbieten sich einfache Antworten, wie sie linke Parteien und Medien geben, wenn es um die Frage von Nutzen und Schaden durch Atomwaffen geht, jedenfalls dann, wenn das Ziel nicht darin besteht, populistisch zu sein und Menschen mit einfachen Antworten zu ködern.

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