Prof. Dr. Günter Buchholz: Gender-Feminismus ist Quasi-Theologie und Wissenschaftsbluff

Die zweite Stellungnahme, die uns zum “Grievance-Studies” Projekt von James Lindsay, Peter Boghossian und Helen Pluckrose erreicht hat, stammt von Prof. Dr. Günter Buchholz:


Der Ausgangspunkt von Wissenschaft ist das Nicht-Wissen, die Skepsis gegenüber tradierten oder anderen Behauptungen und der Zweifel an dem, was als bereits erkannt gilt, und daher beginnt alle Wissenschaft mit einer Frage, die zu beantworten ist, also mit einer Forschungsfrage. Etwas, z. B. ein Blitz, soll erklärt, oder etwas, z. B. ein literarisches Werk, soll verstanden werden, und daraus wird ggf. ein umfangreiches und  differenziertes Forschungsprogramm abgeleitet, um dann abgearbeitet zu werden. Wissenschaft ist ein spezialisierter Zweig der gesellschaftlichen Arbeit, und das zeigt sich z. B. in den Großforschungseinrichtungen.

Wissenschaft selbst ist ein Arbeitsprozeß, nämlich der Übergang vom Nicht-Wissen zum Wissen durch Anwendung jeweils geeigneter Methoden, wobei das bereits erreichte Wissen, das man sich allererst aneignen muß, gültig und dennoch prinzipiell vorläufig bleibt, denn es könnte zukünftig widerlegt oder durch Verallgemeinerung überholt werden. Wissenschaft ist daher gegenüber dem erreichten vorläufigen Wissenstand ein notwendig kritischer, und zugleich ein offener, stets selbstkritischer Prozeß, der die Möglichkeit seines Scheiterns geradezu braucht, um sich seiner relativen Gültigkeit zu vergewissern. Da sowohl das Erklären wie das Verstehen rationale, also nachvollziehbare gedankliche Vorgänge sind, müssen sie im Hinblick auf die Regeln des Denkens, also in logischer Hinsicht (i. w. S.) fehlerfrei sein.[1] Um gültig zu sein, müssen sie sich, wenn es sich um Realwissenschaften handelt, zusätzlich praktisch bewähren. Daher werden gedankliche Erklärungsansätze innerwissenschaftlich überprüft und ggf. an der Erfahrung getestet, in den Naturwissenschaften durch Experimente, oder allgemein: in der Praxis.

Nur in Theologien, christlichen oder islamischen oder sonstigen, ist das anders. Denn dort beginnt alles mit der irrationalen Gewißheit des Glaubensaktes, wie er sich in Bekenntnissen ausdrückt. Am Anfang steht hier also nicht eine offene Forschungsfrage, sondern das Bekenntnis, und dann das Bestreben, die jeweilige irrationale Glaubensgewißheit zu plausibilisieren, um sie so „nachzuweisen“ und ggf. durchzusetzen.
Bisherige Stellungnahmen:

Zweifel ist hier gerade nicht zugelassen, denn die Gewißheit duldet ihn nicht. Es geht folglich immer nur darum, plausibilisierende Bestätigungen für das zu finden, was von Anfang an vermeintlich „gewußt“, weil geglaubt wird. Was dabei nicht als Bestätigung taugt, das muß folglich ignoriert und geleugnet und ggf. vernichtet werden, wie z. B. die Buddha-Statuen von Bamian in Afghanistan. Diesem Irrationalismus ist daher mit rationalen Verfahrensweisen logischer und empirischer Art nicht beizukommen. Das  gilt nun aber nicht nur für Religionen, wie wir sie kennen, sondern ebenso für strukturell analog aufgebaute irrationale Ideologien mit ihren sozialen Bewegungen, wie z. B. dem Gender-Feminismus: es handelt sich bei ihm um eine Quasi-Theologie.

Wissenschaft ist immer eine Gestalt des Rationalismus, und jeglicher Irrationalismus ist der Gegenpol. Daher ist es nicht akzeptabel, wenn Theologien oder Quasi-Theologien einen Ort an den Hochschulen und in Wissenschaftseinrichtungen finden. Der Rationalismus muß vor dem Irrationalismus bewahrt, und er muß gegen ihn verteidigt werden, insbesondere dann, wenn sich der Irrationalismus pseudowissenschaftlich als Rationalismus tarnt, um in und mittels dieser Tarnung übergriffig zu werden und den rationalen Wissenschaftsprozeß durch immer mehr irrationale Elemente zu zersetzen. Das ist es, was seit der politischen Etablierung des Gender-Feminismus in den Weltfrauenkonferenzen (zuletzt Beijing 1995) zunehmend zu beobachten ist. Jetzt hat der Prozeß bereits die Großforschungseinrichtung Cern erreicht.

In dem Projekt von Lindsay, Boghossian und Pluckrose geht es darum, solche Irrationalismen im Bereich des Rationalismus, insbesondere der Wissenschaft dadurch zu enttarnen, daß Verfahren angewendet werden, durch die sich der Irrationalismus unfreiwillig unmittelbar als solcher zeigt, indem der bewußt und planmäßig als Unsinn eingespeiste Input in der Evaluation (peer review) als sinnvoll anerkannt und bewertet wird, weil eben rationale Prüfverfahren dort gar nicht zur Verfügung stehen. Daher tritt notwendig eine ideologische Meinung der „Prüfer“ an Stelle solcher Prüfverfahren. Und genau sie ist es, die durch die kritische Prüfung in ihrer Beliebigkeit und wissenschaftlichen Bedeutungslosigkeit und Irrationalität aufgedeckt wird.

So kann gezeigt werden, daß hierbei rationale Prüfungen gar nicht stattfinden können, so daß Fälschungen als echt, wertvoll und weiterführend anerkannt werden, sofern sie plausibel wirken.  Irrationalität wird dadurch nachgewiesen, daß die innere Verfahrenslogik dieser Segmente ad absurdum geführt wird. So zeigt sich, daß es sich lediglich um eine simulierte Verfahrensrationalität handelt, die dem Als-ob – Status des jeweiligen Bereichs entspricht: es wird dort bloß so getan und verfahren, als ob es sich um Wissenschaft handelte.

Tatsächlich aber handelt es sich um Pseudo-Wissenschaft, um einen Wissenschaftsbluff.

Ergänzend sei hier verwiesen auf:

https://www.cuncti.net/geschlechterdebatte/501-die-vorurteile-der-feministinnen
http://www.gender-diskurs.de/2016/01/warum-der-gender-begriff-ueberfluessig-und-irrefuehrend-ist/
https://www.cuncti.net/gesellschaft/421-diversity-management-wem-nuetzt-das
https://www.cuncti.net/geschlechterdebatte/852-deutung-statt-erklaerung
https://www.cuncti.net/wissenschaft/510-braucht-unsere-gesellschaft-gender-studies
http://www.gender-diskurs.de/2016/02/gender-studies-die-niedersaechsische-forschungsevaluation-und-ihre-offenen-fragen/


[1]              Tugendhat, Ernst/Wolf, Ursula: Logisch-semantische Propädeutik, Reclam: Stuttgart 1993.

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