Einmal mehr: Wissenschaftsscharlatanerie entlarvt. Dr. habil. Heike Diefenbach zum „Grievance Studies“-Projekt

Viel Arbeit haben James Lindsay, Peter Boghossian und Helen Pluckrose in ihr “Grievenace Studies” Projekt gesteckt und damit systematisch belegt, dass all diejenigen, die Klagen zur Wissenschaft machen wollen, die Gender Studies, Postcolonial Studies, die Whiteness Studies und Cultural Studies keine Vorstellung davon haben, warum sie Wissenschaft sind (Wir haben gestern darüber berichtet). Das erschütternde Ergebnis, das die jeweiligen Fachvertreter selbst Texte von Adolf Hitler als vermeintlich generische wissenschaftliche Texte akzeptieren sieht, wenn die richtige Ideologie transportiert und die richtigen Begriffe benutzt werden, macht sehr deutlich, dass Gender Studies und all die anderen Studies keine Wissenschaft sind, dass es sich dabei um Ideologie handelt.

Damit ist die Grundlage für einen Verbleib der entsprechenden Fächer an Hochschulen ebenso entfallen wie die Grundlage einer Förderung der entsprechenden Fächer aus den (öffentlichen) Töpfen der Wissenschaftsförderung.

Wir haben dies zum Anlass genommen, um eine Reihe von Wissenschaftsorganisationen, Organisationen der Wissenschaftsförderung und Wissenschaftler um eine Stellungnahme zu den Ergebnisse von James Lindsay, Peter Boghossian und Helen Pluckrose zu bitten.

Die Stellungnahmen werden wir in den nächsten Tagen auf ScienceFiles veröffentlichen.

Den Anfang macht Dr. habil. Heike Diefenbach, eine der international bekanntesten deutschen Wissenschaftlerinnen und die wohl renommierteste Kritikerin von Gender Studies und ihren Ausgeburten in Anti-Rassismus oder sonstigen Versuchen, Wissenschaft vorzutäuschen.


Stellungnahme von Dr. habil. Heike Diefenbach zum “Grievance-Studies”-Projekt, über das wir gestern berichtet haben:

“So wenig überraschend die Erfahrungen sind, die James Lindsay, Peter Boghossian und Helen Pluckrose mit Fachzeitschriften, bei denen sie ihre aus nichts als sinnlosen, aber dem Lebensgefühl der akademischen Linken entsprechenden, Floskeln bestehenden Texte zwecks Publikation eingereicht haben, so wichtig war und ist es, den grundlegenden Unterschied zwischen Wissenschaft und Scharlatanerie in systematischer – und daher unabweisbarer Weise – deutlich zu machen.

Man kann es nicht oft genug sagen:

Wissenschaft will beobachtbare Phänomene erklären. Zu diesem Zweck formuliert sie Zusammenhangsaussagen, die vernünftig begründet sind, d.h. durch logisch auseinander abgeleitete Sätze und unter Berücksichtigung vorliegender empirischer Daten, und sie setzt ihr methodisches Instrumentarium auf systematische und nachvollziehbare Weise ein, um diese Zusammenhangsaussagen daraufhin zu überprüfen, ob sie belegbar sind oder sich als falsch erweisen. Alles, was nichts erklären, sondern nur beklagen will, was den Grundsätzen logischer Argumentationsregeln widerspricht, was empirische Daten über die beobachtbare Realität ignoriert, um eine alternative Erzählung durchzusetzen, die nur dem persönlichen Geschmack und der persönlichen psychologischen Verfassung entspricht, alles, was sich der Möglichkeit entzieht, als falsch erwiesen werden zu können, ist keine Wissenschaft, sondern etwas anderes. In Fachzeitschriften, die mit dem Anspruch auftreten, wissenschaftliche Veröffentlichungsorgane zu sein, hat nur Platz, was der Idee und Praxis der Wissenschaft entspricht.

Wohlgemerkt: Dass es einheitliche Kriterien dafür gibt, was Wissenschaft ist und was nicht, bedeutet nicht, dass es nur eine einzige Forschungsmethode geben kann o.ä.. Es bedeutet aber, dass einige Methoden besser sind als andere, und es bedeutet, dass alle Methoden nachvollziehbar sein und zu Ergebnissen führen müssen, die von anderen prinzipiell überprüfbar sind und außerdem den zuvor formulierten Zusammenhangsaussagen widersprechen können. Ein Text mit dem Titel „SELF-REFLECTIONS ON SELF-REFLECTIONS: AN AUTOETHNOGRAPHIC DEFENSE OF AUTOETHNOGRAPHY“ sollte schon aufgrund der zweifachen Nennung  von „[s]elf“ und der zweifachen Nennung von „[a]uto“ im Titel hinreichend klar machen, dass in ihm mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit gegen die grundlegenden Kriterien, die Wissenschaft ausmachen, verstoßen wird.

Wenn also eine vermeintlich wissenschaftliche Fachzeitschrift einen solchen Text akzeptiert, wenn vermeintlich wissenschaftliche Gutachter einen solchen Text nicht als mit Wissenschaft unvereinbar erkennen, dann muss man zugestehen, dass das vermeintlich wissenschaftliche „establishment“ alles mögliche sein mag, aber jedenfalls keinerlei Vorstellung (mehr) davon hat, was wissenschaftliche Erzeugnisse von irgendwelchen anderen Texten – sei es die Bibel, Engels „Ursprung der Familie“ Bachofens „,Mutterrecht“, das Kommunistische Manifest, Hitlers „Mein Kampf“, Henry James‘ „Portrait of a Lady“, der Berufspraktikumsbericht eines Schülers, ein Backrezept oder der Tagungsbericht der 25. Bundeskonferenz der Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen – unterscheidet. Wissenschaft ist eben nicht, was einem gerade gefällt, was in bombastischem Wortschwall formuliert ist oder womit man weltanschaulich übereinstimmt.

Dies einmal mehr und auf so umfassende, systematische Weise deutlich gemacht zu haben, ist ein großes Verdienst von James Lindsay, Peter Boghossian und Helen Pluckrose, denen wir alle, die wir uns der Idee und Praxis der Wissenschaft verpflichtet fühlen, zu Dank verpflichtet sind, insbesondere aufgrund der schon eingetretenen und noch zu erwartenden Beschimpfungen und Bedrohungen, denen sich die Autoren ausgesetzt sehen werden – Lindsay hat bereits berichtet, eine anonym verfasste Drohung erhalten zu haben. Sie sind die Überbringer schlechter Nachrichten, und wie gewöhnlich wird versucht werden, die Überbringer der schlechten Nachrichten zu diskreditieren, statt dem zu begegnen, worüber die schlechten Nachrichten zu vermelden sind, u.a., aber vor allem, der Ideologie an Hochschulen, die eigentlich der Wissenschaft dienen sollen, und den echo chambers, zu denen viele „peer review“-Verfahren verkommen sind.

Wie gewöhnlich werden sich die Wissenschaftsscharlatane der Verpflichtung, unangenehme Fragen zu beantworten, Kritik zu begegnen, entziehen, indem sie in den Angriffsmodus wechseln, die Autoren beschimpfen, bedrohen, sie als „Täuscher“ darstellen, auf die man als gutwilliger, aufrechter Kämpfer für „Studien“ über die Mißstände der Zeit, die rein weltanschaulich definiert sind und gewöhnlich keine reale Existenz beanspruchen können, hereingefallen ist. Das ist nicht anders zu erwarten von Leuten, deren einzige Qualifikation im Jammern und Beschimpfen und deren einzige Identität in der Identifikation mit von ihnen zu bejammernswert Erklärtem besteht. Sie können nichts anderes. Vermutlich wollen sie auch nichts anderes. Jeder dieser beiden Umstände ist ein hinreichender Grund dafür, warum sie in der Wissenschaft nichts zu suchen und nichts verloren haben.

Bleibt zu fragen, ob die Wissenschaftsscharlatane anders auf das Projekt von James Lindsay, Peter Boghossian und Helen Pluckrose reagieren würden, wenn sie nicht Formulierungen aus Hitlers „Mein Kampf“ zugestimmt hätten – und sich oft sogar noch schärfere Formulierungen gewünscht hätten, wie man den Gutachterstellungnahmen entnehmen kann –, sondern Textpassagen aus dem Kommunistischen Manifest. Im Geiste sind nationalsozialistische Rassenlehre, Maxismus-Leninismus und Genderismus/Feminismus identisch: sie sind gleichermaßen kollktivistisch, totalitär, voller gruppenbezogenem Hass, also menschenverachtend, und damit gleichermaßen ungeeignet, die Grundlage einer pluralistischen Gesellschaft zu bilden, die gerade, weil sie pluralistisch ist und sein will, auf individuellen Rechten – und nur individuellen Rechten – basieren muss.

Wenn James Lindsay, Peter Boghossian und Helen Pluckrose Wissenschaftsscharlatane entlarven, dann tun sie deshalb weit mehr als nur auf die enormen internen Probleme des Wissenschaftsbetriebes hinzuweisen: als Wissenschaftler und als Menschen übernehmen sie persönliche Verantwortung für den Fortbestand – oder muss man sagen: die Wiedergewinnung? – einer demokratischen, toleranten, pluralistischen Gesellschaft, in der jedes Individuum als solches anerkannt und geschätzt wird und von seinen Freiheitsrechten den Gebrauch machen kann, den es für die Verwirklichung des eigenen Lebensentwurfes für richtig hält (unter Bewahrung der Rechte anderer Individuen, versteht sich).”

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