Bundesliga der Scheinheiligen – eine öffentliche Hinrichtung

Sir Humphrey Appleby : He told you it was 32 million pounds?
Bernard Woolley : Yes, Sir Humprhey.
Sir Humphrey Appleby : I’m aghast.
Bernard Woolley : So was I. I mean it’s incredible we didn’t know.
Sir Humphrey Appleby : I knew about it.
Bernard Woolley : Then why are you aghast?
Sir Humphrey Appleby : I’m aghast that it got out.

Niemals, wirklich niemals sollst Du es wagen, den schönen Schein, hinter dem sich die Heiligen des Scheins, die Scheinheiligen verbergen, zu lüften und sie zeigen, wie sie wirklich sind.

Dann statuieren wir ein Exempel.
Salomon Kalou hat das mit dem Schein der Heiligen nicht gewusst und die Normalität gefilmt und – dear me – gepostet – im – dearer me – Internet.
Das hier:

Oh Mann!
Wir haben Kontaktsperre!
Corona!
SARS-CoV-2!
COVID-19!
Mindest-Abstandsregel.
No handshake-Regel.
Mundschutzregel.

Und das jetzt, da die Deutsche Fussball-Liga den Spielbetrieb wieder eröffnen will und behauptet, dass “Schutz- und Hygienekonzepte” vorhanden seien, “die einen Trainingsbetrieb und einen Spielbetrieb unter Ausschluss von Zuschauern vertretbar” machten.

Wie man sich Schutz- und Hygienekonzepte vorzustellen hat?

  • Keine Torfeierlichkeiten.
  • Nur Bälle mit Dettol-Anti-SARS-Beschichtung sind erlaubt.
  • Trikots, die einmal getragen wurden, werden verbrannt.
  • Schuhe auch.
  • Socken sind Sondermüll.
  • Keine Gespräche in der Kabine – sie wissen schon: aerosole Übertragung.
  • Handschuhe sind generell zu tragen.
  • Mund- und Nasenschutz ist obligatorisch, wenngleich beim Kopfball etwas hinderlich.
  • Schiedsrichter pfeifen unter dem Mund- und Nasenschutz.
  • Pfeifen sind nach dem Gebrauch in der Mikrowelle zu desinfizieren (20 Minuten bei 1000 Watt).
  • Gelbe und rote Karten sind nur noch als Einwegkarten erlaubt: nach Gebrauch zu entsorgen.
  • Gestaffelter Pausentee. Jeweils zwei Mann pro Mannschaft werden ab der 15 Minute ausgewechselt, um Pause zu machen, im korrekten Abstand von 2 Metern versteht sich.
  • Mannschaftsduschen gibt es nicht mehr. Es gibt nur noch Einzelspielerduschen, die nach jedem Gebrauch vollständig desinfiziert werden müssen.

Und so weiter.



Glauben Sie an ein solches Konzept?

Wir auch nicht.

Ob es ein solches Konzept, ein Schutz- und Hygienekonzept überhaupt gibt?
Wahrscheinlich schon. 
Ob es etwas taugt? 
Sehr wahrscheinlich nicht.

Warum.
Wer das Video anschaut, der kann nicht anders als die Normalität zu bemerken, mit der sich Salomon Kalou und seine Mitspieler bzw. der Fitnesstrainer begrüßen. Der Handschlag, für den Salomon Kalou nun öffentlich hingerichtet wird, ist keine Ausnahme. Er ist die Regel im Trainingsbetrieb von Herta BSC und vermutlich nicht nur dort. Wäre er es nicht, die Spieler und der Fitnesstrainer hätten irritiert reagiert, den Handschlag verweigert. Das haben sie nicht. Warum sollten sie: Er ist normal.

Warum Salomon Kalou und nur Kalou jetzt öffentlich von all den Gutmenschen und den besonders akribischen Scheinheiligen niedergemacht wird, warum sein Verhalten, nicht etwa das Verhalten seiner Mannschaftskameraden als “absolut inakzeptabel” bezeichnet wird, warum Herta BSC Kalou und nicht etwa den Fitnesstrainer suspendiert hat und Herta BSC sich mit Aussagen wie dieser lächerlich macht:

“Salomon Kalou hat mit seinem Video den Eindruck vermittelt, dass die Spieler von Hertha BSC die vorgegebenen Abstands- und Hygieneregeln seitens der Gesundheitsbehörden nicht ernst nehmen. Hertha BSC möchte festhalten, dass dies die Verfehlung eines einzelnen Spielers war”?

Einfach.
Kalou hat hinter den Kulissen gefilmt, gezeigt, wie es wirklich zugeht. Die Normalität verbreitet, die in krassem Widerspruch zur Inszenierung, zum sorgfältig aufgebauten Schein des Schutz- und Hygienekonzeptes steht, das man zwar als vorhanden behaupten, aber offenkundig in keiner Einzelheit beschreiben kann. Es ist existent, so wird behauptet, das muss genügen. 

Eine normale Reaktion auf das Kalou-Video hätte z.B. darin bestanden, das Ganze mit Humor zu nehmen, vielleicht ein neues Video zu drehen , in dem Kalou die Regeln des Schutz- und Hygienekonzepts anwendet, eine lustige Variante des: Wie es sein soll (nicht wie es ist). Eine normale Reaktion wäre gewesen, die Abweichung vom Standard des Schutz- und Hygienekonzepts, die Kalou offenkundig begangen hat, zu thematisieren und die korrekte Verhaltensweise zu beschreiben. Statt einer dieser normalen Reaktionen gibt es eine vollkommen unnormale, ja hysterische Reaktion, eine öffentliche Verurteilung des Spielers, seine Hinrichtung in sozialen Netzwerken, in denen der Anteil der Scheinheiligen in den letzten Wochen das Maß der Unerträglichkeit erreicht hat, die Meute der Ganzkonformen, die einem schon ankotzen, wenn sie den Mund aufmachen mit ihrem sanctimonious crap, ist über den Mann von der Elfenbeinküste hergefallen und hat an ihm ein Exempel statuiert. 

Denn: Der schöne Schein wurde zerstört. Die Realität wurde gezeigt. 
All das, was die Mittelschicht mühsam inszeniert, um ein Kokon um die Wirklichkeit zu weben, ist geplatzt wie eine Seifenblase, was an sich nicht problematisch wäre, ginge es nicht um Geld, viel, sehr viel Geld, Geld, das man nur verdienen kann, wenn man den Leuten erzählt, es gebe ein wirkungsvolles Schutz- und Hygienekonzept, von dem niemand angeben kann, welche Regeln es eigentlich umfasst und wie die Probleme, die bei räumlicher Nähe, wie sie in Umkleidekabinen, in denen sich zwischen 15 und 20 Gesellen einfinden, die nicht nur ihren Schweiß verteilen, gelöst werden sollen. 

Kalou hat einen Frevel begangen. 
Er wurde suspendiert.
Er muss nun büßen.
Er muss öffentlich bereuen,

sich öffentlich demütigen und geißeln.
Beichten und Abbitte tun und hoffen, dass ihm nach angemessener Frist verziehen wird.
Anklänge an Religion sind nicht zufällig.




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