Islamismus und Identitätslinke: Ursachensuche nach dem Wiener Terroranschlag

Es wird eine neue Normalität.
Dresden.
Paris.
Nizza.
Wien.
Was kommt als nächstes?

Alle vier Orte haben gemeinsam, dass Menschen ermordet wurden.
Alle vier Orte haben gemeinsam, dass Islamisten gemordet haben.
Unter dem Dach der Religion des Friedens finden sich ziemlich viele Attentäter ein.

Abdullah al-Haj Hasan, der syrische Täter, der in Dresden einen Menschen ermordet, einen verletzt hat, ist als angeblicher Flüchtling nach Deutschland gekommen. Er wurde in Dresden für den IS-angeworben und hat selbst versucht, selbst Kämpfer für den islamischen Staat anzuwerden. 2018 wurde er vor dem Landgericht Dresden zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten, u.a. für den Versuch der Bildung einer terroristischen Vereiningung, Körperverletzung und Bedrohung verurteilt. al-Haj Hasan war den Behörden als Islamist bekannt. Fünf Tage nach seiner Entlassung aus der Haftanstalt hat er in Dresden einen Menschen ermordet und einen verletzt. Abdullah al-Haj Hasan ist 20 Jahre alt.

Abdoulah Anzorov, der in Paris den Lehrer Samuel Paty geköpft hat, wohl weil Paty eine Karikatur von Mohammed im Ethikunterricht gezeigt hat, wurde 18 Jahre alt. Er wurde in Moskau geboren und lebte seit 2008 in einem Vorort von Paris. Anzorov, tschetschenischer Abstammung, galt seinen Nachbarn als stiller junger Mann, der sich dem Studium des Koran verschrieben hat, ein Einzelgänger, der als höflich beschrieben wird und der offenkundig in der Zeit seines “Selbststudiums” einen Radikalisierungsprozess durchlaufen hat.

Brahim Aouissaoui der Attentäters von Nizza, ist am 14. September von Sfax, Tunesien, aus, an Bord eines kleinen Boots mit maximaler Kapazität für 20 Personen, nach Italien aufgebrochen. Am 8. Oktober wurde er aus der Quaratäne entlassen und in Bari an Land gesetzt. Er hat sich abgesetzt, ist nach Paris gereist und am 29. Oktober in Nizza aufgetaucht, um dort innerhalb von 30 Minuten drei Menschen zu töten. Aouissaoui ist 21 Jahre alt.

Kutjim Fejzulai, einer der Attentäter des gestrigen Abends in Wien, die vier Menschen getötet und 17 verletzt, 7 davon lebensgefährlich verletzt haben, ist Österreicher. Seine Familie stammt aus Albanien. Fejzulai war für die österreichischen Behörden kein unbeschriebenes Blatt. Im September 2018 wurde er von der türkischen Polizei in einem sogenannten “Safe-House” aufgegriffen, im Begriff, sich dem IS in Syrien anzuschließen. Nach seiner Auslieferung an Österreich wurde er wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu einer Haftstrafe von 22 Monaten verurteilt. Im Dezember 2019 wurde er aus der Haft entlassen. Im Rahmen des Prozesses, der gegen ihn geführt wurde, hat Fejzulai seine Radikalisierung damit zu erklären versucht, dass er in die falsche Moschee geraten sei. Fejzulai wurde 21 Jahre alt.



Vier Täter, keiner älter als 21 Jahre.
Vier junge Männer, die sich radikalisiert haben, die wohl ihre Freude an islamistischem Terror entdeckt haben.
Vier junge Männer, die in den Dunstkreis des IS gehören.
Zwei junge Männer, die als Zuwanderer, manche nennen sie auch “Schutzsuchende”, nach Europa gekommen sind und dort gemordet haben.
Zwei junge Männer, die in Europa geboren wurden, das Schulssystem ihres Landes, Österreich bzw. Frankreich, durchlaufen haben, offenkundig ohne dass ihnen die liberalen Werte, die die westlichen Demokratien voraussetzen, bekannt gemacht wurden.

Wir erklärt man die Radikalisierung von vier jungen Männern, ihre Total-Opposition gegen die Gesellschaft, die sie umgibt, ihre Verachtung für die Werte einer liberalen Gesellschaft?

Offenkundig teilen alle eine Geschichte der Radikalisierung, eine Geschichte des Brainwashings. Wie man sich dieses Brainwashing vorzustellen hat, das kann man im Al Qaeda Manual nachlesen, das die britische Polizei vor einigen Jahren sichergestellt hat. Der Islam bzw. die Auslegung des Islam durch fanatische Muslime, spielt eine große Rolle bei der Radikalisierung. Indes ist es sicher nicht so, dass der Islam die Ursache für die Radikalisierung ist. Die Beispiele von Fejzulai und Anzorov zeigen vielmehr, dass die beiden jungen Männer nach etwas gesucht haben, was ihnen eine alternative Identität verspricht, eine Identität, die sich explizit gegen die Kultur und die Werte der Gesellschaft stellt, in der sie leben. Identität durch Abgrenzug gewinnen zu wollen, ist ein verbreitetes Phänomen. Jugendbanden basieren auf diesem Bemühen. Die Antifa ist Ergebnis dieses Bedürfnisses.

Die eigentliche Frage, die man stellen muss, lautet: Was macht religiöse Radikalisierung im Rahmen des Islam für junge Männer attraktiv? Warum gehen Sie nicht ins Sportstudio und versuchen eine Identität, als starker und toller Typ aufzubauen?



Die Antwort auf diese Frage muss zwei Arten von radikalisierten Islamisten erklären: Diejenigen, die mehr oder minder als Auftrags-Mörder nach Europa kommen, wie Abdullah al Haj Hasan oder Brahim Aouissaoui und diejenigen, die in westlichen Gesellschaften aufwachsen, dort in die Schule gehen, sozialisiert werden: Kutjim Fejzulai und Abdoulah Anzorov.

Offenkundig ist das Motiv, die eigene fanatisch überhöhte Religion gegen westliche Kultur zu stellen, aggressiv die Überlegenheit der eigenen “Kultur” darzustellen, von zentraler Bedeutung. Allein die Wahl der Mittel spricht schon dafür. Anzorov, der einen Frevel an dem, was ihm wohl heilig ist, mit Mord rächt. Al Haj Hasan, der Homosexuelle angreift, einen ermordet, einen verletzt. Aouissaoui, der seine Opfer in einer Kirche sucht, und nun Fejzuali, der wohl gemeinsam mit Mittätern, die noch auf der Flucht sind, einen Überfall im Kern von Wien durchführt, auf Menschen, die in einer Kneipe sitzen oder die ihm auf dem Weg dahin begegnen.

Kutjim Fejzulai

Die normale Erklärung für terroristische Anschläge bezieht sich auf den Versuch, über willkürliche Anschläge Druck auf eine Regierung auszuüben. So gesehen handelt es sich hier nicht um terroristische Anschläge, sondern um einen Vernichtungskrieg gegen eine Kultur, die, nicht nur wegen ihres Erscheinungsbilds von radikalsierten Muslimen nicht nur als ärmlich, dekadent und vor allem schwach angesehen wird. Eine Kultur, in der die Schwäche gefeiert und die Abweichung überhöht wird. Eine Kultur, in der es Positionsinhaber an Hochschulen gibt, die ihr Mütchen an “alten weißen Männern” abarbeiten, begleitet von anderen Positionsinhabern, die Gewalt in allen Varianten und Formen “ganz furchtbar” finden und in jedem Fall finden, dass man “darüber reden” müsse. Eine Kultur, von der man nicht wirklich weiß, wofür sie steht, deren Erscheinungsbild von Leuten geprägt wird, die Zuwanderer überhöhen, ihnen einen moralischen Persilschein ausstellen und jeden, der darauf hinweist, dass mit Zuwanderen auch Kriminalität zuwandert, zum Rechtsxtremen erklären. Kurz: eine infantile Kultur, die fanatischen Muslimen vorkommen muss, wie ein Häresie an allem, was ihnen eingetrichtert wurde, als Monument des Niedergangs und der Schwäche, für das in ihrer Welt, in der sich Starke im Glauben durchsetzen, kein Platz ist.

Was passiert wohl, wenn radikalisierte junge Männer, die auf die schrille Gesellschaft, die sie umgibt, mit Verachtung und Hass blicken, deren Mitglieder sie für schwache Memmen halten, so getrimmt werden, dass es nur einen Auslöser braucht, um sie zu Attentätern zu machen, nur eines Wortes bedarf, und sie laufen, wie die aufgezogenen Blechfiguren, zu denen sie indoktriniert wurden.

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Von Fejzulai, dem Wiener Attentäter, wissen wir, dass er seine Radikalisierung auf die “falsche Moschee” zurückgeführt hat. Bei Aouissaoui kann man davon ausgehen, dass er in Tunesien und vor seiner Abreise nach Italien in entsprechenden Moscheen aufgezogen wurde. Al Haj Hasan ist in Deutschland festgenommen worden. Das Wissen über ihn ist entsprechend sehr beschränkt. Von Anzonov ist bekannt, dass er sich intensiv mit Religion auseinandergesetzt hat und Kontakt zu radikalen Islamisten hatte.

Das erschreckende Ergebnis dieser Analyse ist ein diabolisches Zusammenspiel zwischen

  • denen, die nichts unversucht lassen, um die westliche Kultur, das Erbe aus Liberalismus, Kapitalismus, das mit weißen Männern, westlichen Werten, mit heterosexueller Arbeitsteilung und einer Dominanz von Männern im öffentlichen Leben verbunden ist, zu zerstören;
  • denen, für die das Angebot, sich als Mitglied einer schwachen Gesellschaft, in der jede Form der Ehre und Würde als rechtsextrem gilt und das, was die Mehrheit praktiziert, als patriarachlische Herrschaftsstruktur bekämpft wird;
  • und denen, die junge Männer, die wie Treibholz im Meer der gesellschaftlichen Dekadenz schwimmen, abfischen und ihrer Sehnsucht nach Halt und Bedeutung, eine neue Richtung geben: Den Hasspredigern und Rekruteuren für den radikalen Islam;

Wenn unsere Analyse richtig ist, dann sind nicht nur diejenigen, die junge Männer radikalisieren, das Problem, sondern auch diejenigen, die von Hochschulen und staatlich finanzierten Organisationen aus, nichts unversucht lassen, um die westliche Kultur, das Erbe westlicher Gesellschaften zu zerstören, um sie mit einem Patchwork diverser Abweichungen zu ersetzen, für die Radikalisierung junger Männer verantwortlich. Letztere dadurch, dass sie Schulausbildung und öffentlichen Diskurs mit ihren linksidentitären Vorstellungen inkubieren, erstere dadurch, dass sie junge Männer, die in der identitären Gesellschaft nicht heimisch werden, abfischen und ihnen einen neuen Lebenssinn, eine Identität bereitstellen.

Wenn unsere Analyse richtig ist, dann ist es nicht nur notwendig, dass sich Muslime von den radikalen Predigern in ihren Reihen differenzieren, dann müssen sie diese Prediger aus ihrer Umma ausschließen. Und wenn unsere Analyse richtig ist, dann reicht das nicht, denn diejenigen, die dafür verantwortlich sind, dass junge Männer, die sich nicht als patriarchalische Täter, nicht als Feministen unterordnen wollen, die weder schwul noch trans noch an irgend einer Diskussion über den Kapitalismus interessiert sind, tragen ihren Teil dazu bei, die haltlosen jungen Männer zu produzieren, die dann leichte Beute für radikale Islamisten werden.



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