Ein kleines Denkproblem an Star Trek angelehnt:
Sie sitzen auf der Brücke der Enterprise und haben gerade mit einem Raumschiff (schön auf dem Screen zu sehen) Kontakt aufgenommen.
Plötzlich explodiert das Raumschiff vor ihren Augen.
Keiner ihrer Photonen Torpedos fehlt.
Ihr Waffenarsenal ist ohne Lücke.
Da meldet sich das RKI und stellt fest, dass Sie ein Raumschiff in die Luft gesprengt haben, denn 84% der Zuschauer vor dem heimischen Fernsehen haben es gesehen und per Online-Abstimmung bestätigt.
Wem glauben Sie, den 84% der Befragten oder ihrem Waffenlagerverwalter, der gerade noch einmal durchgezählt hat?
Wenn Sie Jens Spahn sind, dann glauben sie dem RKI, denn beim RKI arbeiten mit hoher prognostischer Weitsicht ausgestattete, intuitiv die Wahrheit erfassende Medien und sonstige spirituelle Hochleistungswesen, die genau wissen, was vorgeht, ohne dass sie die Realität dazu als Informationslieferant benötigen würden.
Damit sind wir zurück auf der Erde.
In den Minuten unserer Abwesenheit, hat sich nicht viel geändert.
Das Hysterie- und Idiotieniveau ist unverändert.
Berlin ist nach wie vor ein Epizentrum für Unfug, Blödsinn und Inkompetenz aller Art.
Únd keiner verkörpert den Berliner Geist so gut wie Jens Spahn, der in der WELT [Danke einem ScienceFiles-Leser für den Hinweis] mit folgendem, höchst erstaunlichen Unfug zitiert wird:
„Die Corona-Impfungen in Deutschland sind nach einer neuen Auswertung des Robert Koch-Instituts (RKI) wohl schon weiter als in der Meldestatistik erfasst. Es sei anzunehmen, dass unter den Erwachsenen bereits bis zu 84 Prozent mindestens einmal und bis zu 80 Prozent vollständig geimpft sind, heißt es in einem aktuellen RKI-Bericht mit Stichtag 5. Oktober. Das entspräche jeweils um fünf Prozentpunkte höheren Impfquoten als nach offiziellen Meldungen der Impfstellen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprach von „richtig guten Nachrichten“ und hält Masken-Vorgaben im Freien nicht mehr für nötig – drinnen blieben Schutzregeln aber weiterhin wichtig.
Die Impfkampagne sei „noch erfolgreicher als bisher gedacht“, sagte Spahn mit Bezug auf die RKI-Auswertungen. „Das gibt uns zusätzliche Sicherheit für Herbst und Winter.“
Und doch ist alles ein großer, ein geradezu megalomanischer Unfug, ein so großer Unfug, dass für den Fall, dass dem RKI noch ein Rest an wissenschaftlichem Renommee und wissenschaftlicher Lauterkeit verblieben wäre, beides mit einem Blitz auf nimmer Wiedersehen verschwunden wäre.
Nach Wochen der Berichte darüber, dass die Impfkampagne in Deutschland ins Stocken geraten sei, haben sich offensichtlich eine Reihe von Akteuren zusammengefunden, um das zu ändern, nicht etwa in der Realität, nein, in der Vorstellung. Bekanntermaßen gilt, dass das, was sich Menschen vorstellen, das sei, was in realen Konsequenzen mündet, ein sehr altes Theorem der Soziologie, das so genannte Thomas-Theorem aus den 1920er Jahren. Und mit der Anwendung dieses Theorems verbindet sich offenkundig die Hoffnung, dass dann, wenn man denen, die sich partout nicht impfen lassen wollen, erzählt, dass sie ja so eine kleine, eine klitzekleine Minderheit seien, dass diese letzten Mohikaner der Impfverweigerung sich aufmachen, um doch noch in die ewigen Impf-Jagdgründe einzugehen. Und wie macht man das, angesichts des vom RKI betriebenen Impf-Dashboards, das die schonungslos stockende Impfrealität ausweist? Nun, man verbreitet die Erzählung, dass die Impfkampagne nur deshalb ins Stocken geraten sei, weil bereits so viele geimpft seien, dass zwangsläufig nicht mehr viele übrig bleiben, die geimpft werden könnten.
Das macht man natürlich nicht direkt, sondern indirekt.
Das RKI ist dafür das Amt der Wahl, denn offenkundig gibt es beim RKI willige Personen, die sich vor jeden ideologischen Karren spannen lassen und dafür jede Form von wissenschaftlicher Lauterkeit in der Pfeife rauchen.
Report 7 COVIMO basiert auf der unglaublichen Zahl von 1.005 Befragten, die Achtung: „repräsentativ für die Zielgruppe“ sind, und „zufällig aus dem Stichprobensystem des ADM“ [Arbeitskreis Deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitute e.V.] gezogen wurde und, Achtung jetzt kommt es: die mit dem DUAL-Frame Ansatz befragt wurden.
Woah!
Wie, Sie wissen nicht, was ein Dual-Frame-Ansatz ist?
Nun, wie soll man es sagen: Wenn Sie nur Besitzer von Mobiltelefonen anrufen, um sie auszufragen, dann ist das ein single-frame Ansatz. Wenn Sie zudem Festnetznummern anrufen, dann wirds zum Dual-Frame-Ansatz.
Gut, ne!
Die eigentliche Frage, die vollkommen unbeantwortet bleibt, lautet: Wer ist eigentlich im „Stichprobensystem des ADM“ enthalten? Sie? Wir. Wer auch immer enthalten ist, repräsentativ ist der Datensatz schon deshalb nicht, weil Repräsentativität eine Chimäre ist, die erfunden wurde, um naiven Polit-Darstellern bescheuerte Umfragen für viel Geld und mit der Behauptung, das sei für die Gesamtbevökerung repräsentativ, verkaufen zu können. Warum solche Befragungen nicht repräsentativ sind, nicht repräsentativ sein können, das haben wir hier ausführlich zusammengestellt.
Die 1.005 Befragten, die alle 18 Jahre oder älter waren, wurden unter anderem danach gefragt, ob sie geimpft sind. Und jetzt kommt’s: Auf diese Frage haben 87,5% gesagt, sie seien einmal geimpft, und 80,9% haben gesagt, dass sie zweimal geimpft seien, und zwar von denen, die auf diese Frage eine Antwort gegeben haben. Wie viele das auch gewesen sein mögen.
Nun liegen 87,5% Erstgeimpfte und 80,9% Zweitgeimpfte deutlich über den Angaben, die sich im Dashboard des RKI als Ergebnisse der Meldungen durch Impfzentren und Ärzte ergeben, nämlich 74,9% Erstgeimpfte in der erwachsenen Bevölkerung und 68,9% Zweitgeimpfte. Eine Divergenz, die uns zurück zum Eingangsbeispiel bringt: Wer hat Recht mit seiner Behauptung im Hinblick auf die Sprengung des Raumschiffs, das RKI oder der Verwalter des Waffenarsenals?
„Unter Berücksichtigung der genannten Faktoren ist mit einem aktuellen Blick auf alle Impfungen, die bis zum 05.10.2021 durchgeführt wurden, in der Erwachsenenbevölkerung von einem Anteil mindestens einmal Geimpfter von bis zu 84 % und einem Anteil vollständig Geimpfter von bis zu 80 % auszugehen.“
Warum man davon ausgehen sollte?
Keine Ahnung.
Wie die Werte 80% und 84% zustande gekommen sind?
Vermutlich haben die RKIs die Zahlen Pi x Daumen bestimmt, so, dass die politischen Auftraggeber zufrieden waren.
Nun weiß jeder Student der empirischen Sozialforschung bereits im ersten Semester seiner Anstrengungen, dass Befragungen dann ganz besonders nicht zu trauen ist, wenn sie zu gesellschaftlich umkämpften oder sensiblen Themen durchgeführt werden, Themen, bei denen z.B. in Medien das „richtige Verhalten“ weithin propagiert wird. Es ist, als wollte man die Anzahl der Politiker, die sich nicht an ihre eigenen Corona-Auflagen halten, dadurch bestimmen, dass man die entsprechenden Politiker befragt, ob sie sich an ihre eigenen Auflagen halten. Es ist, als wollte die Polizei die Betrüger unter den Mittelmanagern von Unternehmen durch eine Online-Befragung ermitteln, immer in der Hoffnung, dass sich die jeweiligen Betrüger auch als solche ausweisen.
Wie virulent dieses Problem „sozialer Erwünschtheit“ ist, zeigen die deutschen Bundestagswahlstudien, die noch vor ein paar Jahrzehnten regelmäßig durchgeführt wurden, und zwar mit zwei Befragungen vor und einer nach der Bundestagswahl DERSELBEN Befragten. Das dabei regelmäßig auftretende Phänomen: Die Befragung nach der Wahl hat generell einen höheren Stimmenanteil für die siegreiche/n Partei/en erbracht als die Befragung vor der Wahl. Nach der Wahl wurde der Stimmenanteil der Sieger heftig überschätzt, vor der Wahl heftig unterschätzt. Ginge es nach Jens Spahn, müsste man die Ergebnisse der Bundestagswahl angesichts der höheren Werte der Siegerparteien in Nachwahlumfragen auf Grundlage dieser Umfragen neu berechnen. Man kann Idiotie offenkundig nicht übertreiben. Nicht in Deutschland.
Ebenso offenkundig steckt eine politische Agenda hinter COVIMO Report 7, und das ist schändlich. Dass eine politische Agenda hinter dem steckt, was im RKI ausgeheckt wurde, wird auf Seite 5 von Report 7 „COVIMO“ sehr deutlich. Dort diskutieren die RKIs die Gründe dafür, dass die gemeldeten Impfquoten von den Impfquoten, die auf der Angabe von 1.005 Befragen basieren, abweichen. Allein diese Fragestellung führt in einer normalen Situation dazu, dass man am Verstand der Fragenden zweifeln muss. In der derzeitigen unnormalen Situation, in der Polit-Darstellern keine Lüge dumm genug ist, um eine Realität zu gaukeln, die es nicht gibt, wird nicht nur diese Frage gestellt, sie wird auch noch diskutiert:
- Betriebsärzte würden nicht alle Impfungen melden, mutmaßt man beim RKI OHNE irgendeinen BELEG.
- Ärzte würden nicht alle Impfungen melden, wird weiter gemutmaßt, weiter OHNE irgendeinen BELEG.
- Die Nichtberücksichtigung von Migranten könne dazu führen, dass die Impfquote im COVIMO überschätzt werde.
- Es könnten mehr Interviews mit Impfbefürwortern abgeschlossen worden sein als mit Befragten, die sich nicht impfen lassen.
Aus all den Gründen schließt man beim RKI, dass den Ergebnissen aus COVIMO mehr zu vertrauen sei als den Ergebnissen aus der eigenen Meldedatenbank und so werden die Phantasiewerte von 80% Zweitgeimpften (Umfrage: 80,9%; Meldedatenbank: 68,9%) und 84% Erstgeimpften (Umfrage: 87,5%; Meldedatenbank: 74,9%) aus dem Hut gezogen. Das ist nicht nur schändlich, das ist eine Form des brachialen Datenbetrugs, die ihresgleichen sucht.
Um nur kurz auf die vier Punkte oben einzugehen. Ein normaler Sozialforscher würde die Meldedaten zur Grundlage nehmen und sich fragen, WARUM seine Befragungsdaten abweichen. Er käme entsprechend auf den Zustimmungsbias und auf soziale Erwünschtheit, beides sehr gut erforschte Konzepte, die regelmäßig dazu führen, dass Umfragen die Verbreitung der sozialen Phänomene, die sie erforschen sollen, meilenweit über- oder unterschätzen. Er käme vor dem Hintergrund der Feststellung, dass er von etlichen seiner Befragten angelogen wurde, zu der Frage, wie sehr sie ihn angelogen haben. Erst um diese Frage zu beantworten, wäre es notwendig, die Akkuratheit der Meldedaten zu beurteilen. Dass vom RKI eine Umfrage unter 1.005 Hanseln zum archimedischen Punkt erklärt wird, um den herum dann die Phantasiezahlen angeordnet werden, zeigt sehr deutlich, dass RKI und Wissenschaft, RKI und wissenschaftliche Lauterkeit inkommensurabel sind. Das RKI ist zum politischen Vasallen politischer Lügner geworden, das deren Lügen mit Erfundenem stützen soll.
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