Heiko Maas und Philosophie: Zwei Welten, nichts Gemeinsames

Heiko Maas twittert wieder. Dieses Mal hat er eine philosophische Erkenntnis getwittert, die ihm wohl auf der Toilette gekommen ist:

 

Wir sind zwar nicht alle gleich.
Aber wir sind alle gleich viel wert.

Wir haben schon die mannigfaltigsten Verwirrungen über Gleichheit gelesen, aber Heiko Maas schafft es, noch die letzte Normalität aus dem Fenster zu werfen, denn: Wir sind alle gleich, aber wir sind nicht alle gleich viel wert: Das ist die Crux der philosophischen Geschichte des Abendlandes, die mehrere tausend Jahre zurückreicht. Nein, das war die Crux, denn jetzt gibt es ja Heiko Maas, den Philosophen aus dem Saarland.

Halten wir uns dennoch an den Standard, der vorhanden war, bevor die Maassche Verwirrung eine Verständigung über Grundlegendes zerstört hat.

sciencefiles-rationaler-widerstand-vorlageEntsprechend sind wir alle bei Geburt gleich. Liest man z.B. bei Thomas Hobbes nach, dann geht die Gleichheit noch weiter und erstreckt sich auf alle Rechte, die man als Mensch von Natur aus so haben kann. Von Naturrechten ist entsprechend die Rede. Die umfassen z.B. das Recht auf Freiheit und finden bei Hobbes gar kein Ende, denn bei ihm gibt es keine Instanz außer dem jeweiligen Menschen selbst, die das Recht auf alles, das ein Mensch hat (und das umfasst ausdrücklich das Recht, Leben und Besitz eines anderen zu nehmen) einschränken kann. Und weil Menschen neben Rechten auch mit Verstand ausgestattet sind, vertraut Hobbes darauf, dass sie zu einer Übereinkunft dahingehend kommen, dass es besser ist, sein Recht auf alles, einzuschränken, weil man, wenn man z.B. das Recht, anderer Leben zu nehmen, abgibt und einen Leviathan einsetzt, um zu überwachen, dass auch andere das entsprechende Recht nicht mehr nutzen, zwar nicht mehr Leben nehmen kann, aber in der Gewissheit Leben kann, das eigene Leben nicht genommen zu bekommen. An dieser Übereinkunft sind alle Menschen in gleicher Weise beteiligt, mit den gleichen Rechten, denn von Natur aus sind alle Menschen gleich.

Da kommt so ein Mensch also auf die Welt, wächst und entwickelt sich, und ein anderer Mensch kommt auf die Welt, wächst und entwickelt sich anders. Der eine wird Erfinder, der nächste wird Maurer, wieder ein anderer wird Politiker und alle drei sind sie nicht dasselbe wert, denn der Wert, den Heiko Maas im Munde führt, er ist nicht von Geburt an vorhanden, wie die Gleichheit, von der oben die Rede war, der Wert wird zugewiesen.

In einem Markt erfolgt die Zuweisung durch die Nachfrage. Wir alle wollen ein Dach über dem Kopf. Der Maurer wird entsprechend gewertschätzt, hat einen angegbaren Wert. Der Erfinder, der den Mörtel und die Ytongsteine erfunden hat, ohne ihn hätte der Maurer nichts zu mauern oder nichts so Schönes zu mauern, entsprechend hat der Erfinder auch einen Wert, einen, der vielleicht höher geschätzt wird, als der des Maurers. In Kriegszeiten wird der Wert von Soldaten hoch geschätzt. Wer einen Unfall hat, kann den Wert des Feuerwehrmannes, der ihn aus dem Auto schneidet, gar nicht hoch genug einschätzen.

Je nach Situation und Motiv der Zuschreibung von Wert, variiert der Wert von Menschen. Für die Gesellschaft sind Menschen, die arbeiten und einen Nutzen erwirtschaften, mehr wert als Menschen, die nur konsumieren und keinen Finger krumm machen. Wir sind entsprechend nicht alle dasselbe Wert. Um das zu sehen, muss man sich einfach nur überlegen, was passieren würde, wenn man einen bestimmten Menschen einfach streichen würde. Streichen wir Howard W. Florey, Ernst B. Chain und Norman Heatley aus der Geschichte und wir haben damit Penicillin gestrichen, Antibiotika ade, denn Florey, Chain und Heatley sind für die Erfindung des Penicillin verantwortlich (und Ian Fleming war später auch dabei). Der Beitrag, den Florey, Chain und Heatley zur Wohlfahrt der Menschheit geleistet haben ist viel mehr wert als z.B. der Beitrag von Wladimir Iljitsch Lenin, der hauptsächlich darin bestand, Marxens Ausgangspunkt zu einer totalitären Philosophie weiter zu entwickeln und einen blutigen Bürgerkrieg vom Zaun zu brechen. Oder nehmen wir Heiko Maas, wer würde, wenn er sich entscheiden müsste, zwischen seinem Müllfahrer und Heiko Maas, auf den Müllfahrer verzichten und Heiko Maas wählen?

Eben.
Deshalb sind wir nicht alle gleich viel wert.

P.S.

Die Behauptunug, wir seien alle gleich viel wert, ist Ergebnis eines Essentialismus, der sich aus der Maaschen Formel der Ungleicheit ableitet: Wir sind nicht alle gleich, was bedeutet: schon bei Geburt verschieden. Diese Aussage macht nur Sinn, wenn man Menschen Eigenschaften unterstellt, die sie definierren, und zwar so, dass sie nicht gleich sein können, Eigenschafen wie Geschlecht, sexuelle Orientierung, ethnische Abstammung usw. Diese Eigenschaften müssen für Heiko Maas essentiell, also unveränderlich sein, und sie müssen auf alles durchschlagen, was den entsprechenden Menschen ausmacht. Damit löst Maas die Gemeinsamkeit zwischen Menschen auf, ersetzt sie durch essentielle Unterschiede und stellt sich auf eine Stufe mit den Nationalsozialisten, die auch der Meinung waren, es gäbe Eigenschaften, die Menschen qua Geburt und unwiderruflich so definieren, dass sie nicht gleich sind, dass die einen zu Unter-, die anderen zu Herrenmenschen geboren sind. Ob Heiko Maas diese Konsequenz seiner Philosophie bedacht hat?


Werden Sie Teil des Rationalen Widerstands mit Mug und Shirt:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

t-Shirts und MUG kosten je 27,50 Euro – Beitrag für Rationalen Widerstand, MUG oder t-Shirt und ein wenig Unterstützung für ScienceFiles. Hinzu kommen 7,50 Euro Versandkosten (bei Bestellung von t-Shirts in 2X bitte 3 Euro Stoffmehrverbrauchs-Zuschlag einrechnen (pro Shirt).

Neu ist die Möglichkeit, direkt per PayPal zu bestellen: Einfach die Anzahl von t-Shirts und MUGs summieren, mit 27,50 Euro multiplizieren, 7,50 Euro Versandkosten addieren und uns über die Möglichkeit, Paypal-Zahlungen mit Nachricht zu versehen, mitteilen, woraus sich die Endsumme zusammensetzt.

Paypal:

 

 

Und hier über den traditionellen Weg:

NoHateSpeech.DE ist QuatschSpeech

Es gibt sie noch, die No-Hate-Speech Deutschland Kampagne, die offensichtlich die besten Nicht-Denker aus Deutschland versammelt hat, und die sagen von sich, dass sie mit dem Herzen und nicht mit dem Gehirn denken, was einiges erklären mag.

Und wenn die NoHateSpeecher mit dem Herzen denken, dann kommt Unsinn wie der folgende dabei heraus:

„Wer empathisch ist, verzichtet auf Hate Speech. Für mehr Kommentare, die mit dem Herzen gedacht wurden!“

Empathie und Hate Speech schließen sich demnach aus, was, nimmt man den zweiten zitierten Satz hinzu, zur Konsequenz hat, dass Empathie im Herzen „gedacht“ wird, während Hate Speech vom Gehirn erdacht werden muss.

mit-dem-herz-denkenNun sollte man eigentlich denken, dass die menschliche Anatomie und die Tatsache, dass Neuronen im Gehirn, nicht aber im Herzen zu finden ist, dass Letzteres nicht mehr und nicht weniger als ein überdimensionierter Schließmuskel ist, der auf elektrische Impulse reagiert, also ein Reiz-Reaktions-Gewächs, das nach allem, was uns die Neurologie so lehrt, vom daumengroßen Hirnstamm gesteuert wird, sei auch NoHateSpeecher seit der fünften Klasse bekannt. Wenn Empathie also im Herzen angesiedelt ist, kann sie nicht gedacht werden, sondern nur ein Ergebnis eines elektrischen Impulses sein, der vom Hirnstamm ausgeht.

Wie viel überlegener erscheint doch die Hate Speech, die selbst für die Un-Anatomie-Begabten des NoHateSpeech Projekts im Gehirn geformt werden muss, in rationaler Weise und unter Einsatz von Neuronen.

Blödsinn, wie der, dass alles Gute aus dem Herzen kommt, während die bösen rationalen Gedanken im Gehirn angesiedelt sind, ist dafür verantwortlich, dass Deutschland einen vergleichsweise großen Stamm von kognitiv Minderbegabten beherbergt, die der alten romantischen Liebe an das organische Einssein mit der Gutheit anhängen und sich dann für besonders gut halten, wenn sie ihrer Meinung nach nicht mit ihrem Gehirn denken, jenem Organ, das kalte, rationale und unempathische Gedanken erst möglich macht.

Wenn NoHateSpeech bedeutet, sich einzureden, man würde Gutes mit dem Herzen und Schlechtes mit dem Gehirn denken, also zu verdummen, dann können wir nur hoffen, dass rationale HateSpeech und begründete Empathie sich als überlegen erweisen werden.

Die Arbeitswelt: Unbekannte Weiten für LINKE

Bei ScienceFiles haben wir, unter anderem zwei Maximen:

1. Was jemand von etwas weiß, kann man auf Basis der Irrtümer erschließen, die er begeht, wenn er über dieses „etwas“ redet.
2. Themen, die in einer Gesellschaft besonders brisant sind, sind die Themen, über die nicht oder nur sehr ungern gesprochen wird (die Nachteile von Jungen in der Schulbildung zum Beispiel).

Dieser Post basiert auf ersterer Maxim und hat einen Beitrag im Neuen Deutschland zum Gegenstand, der wiederum die Welt der Arbeit zum Gegenstand hat, jene Arbeit, die vielen Linken so große Probleme zu bereiten scheint, weil sie sie schlicht nicht kennen. Besonders problematisch wird die Beziehung zur Arbeit dann, wenn Linke Arbeit zum Gegenstand ihrer politischen Propaganda machen wollen, wie dies Katja Kipping, die Co-Vorsitzende der Linkspartei gerade gegenüber dem Neuen Deutschland getan hat.

“Solange die 90-Stunden-Woche“, so hat Kipping gesagt, „solange die 90 Stunden-Woche als Standard in Führungsämtern gilt, geht ein Führungsamt für Frauen in der Regel mit Verlusten im Familienleben einher.“

Oh No!Potzblitz haben wir uns gedacht: Die 90-Stunden-Woche herrscht bei Managern, also in Führungspositionen, 90 Stunden Arbeit in der Woche, bei einer fünf Tage Woche sind das 18 Stunden am Tag, die der arme Tropf da in Führungsposition zubringt. Arbeitet er sechs Tage in der Woche, dann bleiben dem Manager immerhin noch 9 Stunden des Tages, um zu schlafen und zu essen. Eine Verbesserung gegenüber den 6 Stunden der 5-Tage-Woche. Und am siebten Tage wollen wir selbst den deutschen Managern einen Ruhetag gönnen.

Kein Wunder, dass Manager keine Zeit für Familie und Muse haben, wie sie es haben sollten, wenn es nach der Co-Vorsitzenden der Linkspartei geht, und kein Wunder, dass das Familienleben leidet, bei Frauen, nicht bei Männern. Männer können sich offensichtlich auch mit 90-Stunden-Woche noch um alles kümmern, was von ihnen erwartet wird. Aber lassen wir den Gender-Unsinn und wenden uns dem zu, was der Linkspartei und ihrer Co-Vorsitzenden so fremd ist und den Redakteuren des Neuen Deutschlands, die die Standard-90-Stunden-Woche gleich noch zur Schlagzeile gemacht haben, auf dass auch jeder diesen Unsinn mit Sicherheit zur Kenntnis nimmt: Die Arbeit. Denn Unsinn ist es. Manager haben nämlich gar keine 90-Stunden-Woche.

Die 90-Stunden-Woche ist nämlich gar kein Standard. Nicht einmal in Führungspositionen.

Die 90-Stunden-Woche ist eine Phantasie von Kipping, die offensichtlich keinerlei Ahnung hat, wie viele Stunden in einer Woche man arbeiten kann und wie viele Stunden in der Woche andere arbeiten, in Führungspositionen. Also phantasiert sie 90 Stunden.

Denn:
„Deutsche Manager arbeiten im Durchschnitt 70 Stunden pro Woche, so titelte die WELT im Jahre 2000.

infografik-manager-arbeitszeitEtwas detaillierter hat man die Arbeitszeit bei der FAZ im Jahre 2007: „80 Prozent aller deutschen Manager arbeiten mehr als 50 Stunden die Woche, das zeigt eine Kienbaum-Studie zum Thema Work-Life-Balance.“ Aber kaum einer der Manager arbeitet mehr als 70 Stunden die Woche. Selbst die Intensivtäter unter den arbeitenden Führungspersonen, schaffen es nicht auf die 90-Stunden-Woche, die Kipping in ihrer (Wahn-)Vorstellung zum Standard erhoben hat (siehe die Grafik).

Selbst beim Berufsverband der deutschen Führungskräfte kennt man die Standard-90-Stunden Woche, die Kipping, so hat es den Anschein, frei erfunden hat, nicht, das zeigen Daten für das Jahr 2015:

“In Krisenzeiten sind Führungskräfte besonders gefordert. Deshalb ist es wenig überraschend, dass die Arbeitszeit der Manager noch einmal angestiegen ist und jetzt bei durchschnittlich 54 Wochenstunden liegt.
Dies hat der Berufsverband „die Führungskräfte“ (DFK) in seiner aktuellen Studie ermittelt. 25% der Manager arbeiten laut DFK sogar mehr als 56 Stunden in der Woche.

Und zu guter letzt belegt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung mit seinen Daten, wie groß der Unsinn ist, den Kipping geredet hat: 1.550 Führungskräfte haben die DIWler im Rahmen des SOEP befragt, unter anderem zu ihrer Arbeitszeit, ganze 7% der Männer und 5% der Frauen in Führungspositionen gaben im Jahr 2013 an, 60 oder mehr Wochenstunden zu arbeiten. Für beide, Männer wie Frauen, liegt der Modus der Arbeitszeit zwischen 41 und 50 Wochenstunden. Der Standard liegt somit bei der Hälfte der Kippingschen Phantasie.

Man soll eben nicht über Dinge reden, von denen man keine Ahnung hat. Und Kipping hat nachweislich keine Ahnung davon, wie viele Stunden Führungskräfte im Durchschnitt arbeiten und aus der Tatsache, dass sie eine 90-Stunden-Woche zum Standard erhebt, kann man schließen, dass sie auch ansonsten von Arbeit nicht allzu viel Ahnung hat.


Haben Sie Fragen oder Anregungen?
Kontaktieren Sie uns

ScienceFiles ist ein Non-Profit-Blog. Damit wir unser Angebot aufrechterhalten und vielleicht sogar ausbauen können, benötigen wir Ihre Unterstützung
durch eine Spende (via Paypal) durch eine Spende (via Banküberweisung) als ScienceFiles-Clubmitglied
  • Bank: Tescobank plc.
  • Accountname: ScienceFiles-Account
  • BIC: TPFGGB2EXXX
  • IBAN: GB40TPFG40642010588246
  • Kontoinhaber: Michael Klein
  • Bankgebühren umgehen mit Transferwise

Neues aus der Anstalt: der ganz alltägliche Unsinn

Wir wollen unsere Leser mit drei Schlagzeilen, die wir über den Tag gesammelt haben, mit etwas Spaß in den Feierabend entlassen, mit einem Schlaglicht auf den Unsinn der täglich auf uns niederprasselt.

Hier unsere Hitliste des heutigen Tages:

Oh No!1. Hochqualifiziert – aber nicht ausgebildet, so betitelt die ARD in einem Anflug logischer Umnachtung einen Beitrag, in dem es um eine erste Studie der Bundesagentur für Arbeit zum Bildungsniveau der Flüchtlinge geht. Angeblich sind die Flüchtlinge schulgebildet und deshalb hochqualifiziert, wie die ARD formuliert, aber nicht ausgebildet, weil sie in der Mehrzahl über keine Berufsausbildung verfügen. Wir folgern: Wer eine Schulbildung und eine Berufsausbildung hat, der ist hyperqualifiziert, weil er ja schon nach der Schule hochqualifiziert war. Wenn die Sucht, Dinge gutzureden, mit Redakteuren durchgeht, kommt selten etwas Positives dabei heraus. Einigen wir uns also darauf, dass 46% der Asylbewerber mit Bleibeabsicht, die 2015 nach Deutschland gekommen und an der Befragung der Bundesanstalt für Arbeit teilgenommen haben, ein Abitur haben. Ob Sie deshalb hochgebildet sind, ist eine Frage, die man aufgrund der Annahme, dass auch ARD-Redakteure in der Mehrheit ein Abitur haben, nicht unumwunden bejahen kann.

scully facepalm2. „Gewerkschaften sind laut IW-Studie im Westen stärker organisiert, aber weniger weiblich“, so lässt die Rheinische Post mit einem Titel ihre Leser raten, was wohl die Vergleichsbasis ist, die der zweistellige Funktor stärker als eigentlich erwarten lässt. Aber als gut sozialisierte Deutsche wissen wir natürlich, dass der Westen immer mit dem Osten und nie dem Norden oder dem Süden verglichen wird und deshalb ist klar: Die Gewerkschaften im Osten, also in Ostdeutschland, nicht etwa in Russland, sind weiblicher als die im Westen, also in Westdeutschland nicht in Frankreich. Wie eine Gewerkschaft mehr oder weniger weiblich sein kann, ist ein Rätsel, dem wir uns mangels Interesse nicht widmen wollen. Wichtiger ist, dass Gewerkschaften es gerade noch auf eine Organisationsquote von 16% in Ost- wie Westdeutschland bringen. Wenn also demnächst ein Streik ins Haus steht, denken Sie daran, hier drangsalieren 16% der Beschäftigten einer Branche, die restlichen 84% der Branche und alle anderen.

Prof Facepalm3. Soziale Medien, so heißt es in der Überschrift des heutigen Highlights von der LMU in München, „soziale Medien sie steigern den Leistungsdruck“. Wer nun denkt, die Steigerung des Leistungsdrucks, natürlich am Arbeitsplatz, wo sonst?, sie sei der Tatsache geschuldet, dass man nicht gleichzeitig SMSen und arbeiten kann, der sieht sich getäuscht, denn der Leistungsdruck, so hat „Tanja Carstensen, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Soziologie und Gender Studies der LMU“ herausgefunden, wie sie glaubt, er ist das Ergebnis von Freiheit. Denn: „Damit gehen neue Freiräume einher, zugleich gibt es aber eine Tendenz zur Selbstausbeutung“. Ja, so ist das: Wer nicht gezwungen ist, zu tun, was er tun muss, der muss überlegen, was er eigentlich tun will und das ist schlecht, jedenfalls dann, wenn man am Lehrstuhl für Soziologie und Gender Studies der LMU als wissenschaftlicher Mitarbeiter angestellt ist. Der Zusatz Gender Studies ist wohl Erklärung genug für diesen Unsinn.

Das ist unsere Hitliste des Tagesunsinns. Wer noch etwas beitragen möchte, die Kommentarfunktion steht offen.

Neues vom Klimawandel: Ist der Wahnsinn eine Frau?

Wir kapitulieren wieder einmal vor der Masse der Leserhinweise!

Schon vor gut zwei Jahren haben wir über ein Pamphlet berichtet, das mit dem Titel „Ist der Klimawandel ein Mann“ überschrieben im schulischen Unterricht eingesetzt wird, um Schüler ganz offensichtlich zu indoktrinieren und  – wie man wohl in Anpassung an das trendende Wort der Hetze sagen muss: Geschlechterhetze zu betreiben.

Maßgeblich verantwortlich für das unsägliche und unsäglich dumme Pamphlet war Gotelind Alber, die überall als Diplom Physikerin gehandelt wird und dennoch nichts anderes zu tun scheint, als in Gendernetzwerken Steuergelder einzusammeln.

Prof FacepalmNun hat sich besagte Gotelind Alber wieder zu Wort gemeldet. Nicht, dass sie etwas Neues zu sagen wüsste. Nein. Sie erzählt immer noch denselben Unsinn- nunmehr in der ZEIT. Und wenn Sie sich bislang gewundert haben, warum die ZEIT ihnen fast täglich die eMailBox mit Gratis-Abonnement-Angeboten vollmüllt, nun wissen sie warum. Wer Unsinn druckt, wie den, den Alber von sich gibt, der hat entsprechende Probleme, Leser, die dafür bezahlen wollen, zu finden.

Klimakonferenz: Der Mann als Klimarisiko„, so der Titel eines Beitrags, den man bereits nach diesem Titel aus der Hand legen kann: Fehlschluss der unzulässigen Generalisierung; Fehlschluss der Bejahung des Konsequens: Ein Satz, zwei Fehlschlüsse: Gotelind Alber.

Den Inhalt dessen, was folgt, kann man schnell zusammenfassen: Männer fahren mehr und größere Autos als Frauen, deshalb tragen sie mehr als Frauen zum Klimawandel bei. Zudem essen Männer mehr Fleisch als Frauen und kümmern sich weniger um die Kinder als Frauen, was abermals Männer als verantwortlicher für den Klimawandel auszeichnet.

Dicke Autos, mehr Autofahren und mehr Fleisch, das macht die männliche Umweltsau, während das weibliche Umweltlieschen zuhause sitzt und sich ums Kindlein kümmert.

Oh No!Und so wie der Mann ein Klimarisiko ist, sind es auch die Männer, die mehr fahren als die Frauen. Der Tag an dem Durchschnittswerte auch zum Gebrauch durch Dipl. Physikerinnen freigegeben wurden, die sich als Mitglieder in Gendernetzwerken verdingen müssen, er war ein rabenschwarzer Tag. Der Tag, an dem der Durchschnitt zum normalen und vor allem modalen Rollenbild einer mathematikfeindlichen Genderbewegung geworden ist, die von Standardabweichung noch nichts gehört hat.

Aber lassen wir das, denn die Sprache von Logik und Mathematik, sie ist eine Sprache, die die Diplom Physikerin Gotelind Alber nicht verstehen wird, sie versteht nur Gendersprech.

Damit Männer sich von der ihnen zugewiesenen Rolle des Klimarisikos befreien können, ist es zunächst einmal notwendig, dass Männer nicht mehr zur Arbeit pendeln, dieselbe also niederlegen und entsprechend auch kein Geld mehr nach Hause bringen, von dem Frau und Kind(er) unterhalten werden.

Lkw-Fahrer im Besonderen sind aufgerufen, ihre Arbeit niederzulegen und sich vor allem zu weigern, Waren zu transportieren, die für das Klima schädlich sind. Hier ist in erster Linie an alle Waren zu denken, die zur Kinderpflege und Kinderernährung vorgesehen sind, denn der Mensch ist das größte Klimarisiko: Der Mensch verbraucht Ressourcen, die nicht nachwachsen, er heizt seine Wohnung mit fossilen Brennstoffen, er fährt Auto mit fossilem Brennstoff, er isst Fleisch und verbaut nicht nachhaltige Werkstoffe nicht nur in Kinderzimmern, kurz: Er ist das Klimarisiko par excellence, das es zum Schutz des Klimas zu vermeiden gilt.

Wie die jährliche Statistik zeigt, ist die Notwendigkeit der Nachwuchsvermeidung mitnichten in den Kernbestand des Wissens der Bevölkerung eingegangen. Allein 2014 kamen 714 996 Kinder in Deutschland zur Welt und immer sind es Frauen, die für die Geburt maßgeblich verantwortlich sind, was zeigt: Mütter sind das eigentliche Klimarisiko, über das es in Paris zu verhandeln gilt!

Schluss! Nein, ein Alber geht noch:

„Zu hoffen ist, dass dann der tief in unserer Kultur verwurzelte Mythos von der Beherrschung und Kontrolle der Natur, den der Klimawandel Lügen straft, überwunden werden kann.“

Nach Alber muss man Unsinn neu definieren. Wie seltsam, dass der Mythos der „Kontrolle der Natur“ die Grundlage von nicht nur Berechnung, sondern auch von Gegenmaßnahmen gegen den Klimawandel ist. Wenn es nicht möglich ist, die Natur und damit auch den Klimawandel in Teilen zu beherrschen, wenn dies ein patriarchalischer Mythos ist, was will Alber dann eigentlich?

Wie dem auch sei, nehmt der Diplom Physikerin den Computer weg, jenes Zeichen einer patriarchalischen Naturbeherrschung, schaltet ihr den Strom ab, verweigert ihr die Heizung, denn all das, es sind nur patriarchalische Herrschaftsstrukturen, die den Mythos der Beherrschung der Natur aufrechterhalten sollen, oder war es die Herrschaft der Vernunft über den Wahnsinn?

ScienceFiles ist ein Non-Profit-Blog. Damit wir unser Angebot aufrechterhalten und vielleicht sogar ausbauen können, benötigen wir Ihre Unterstützung
durch eine Spende (via Paypal) durch eine Spende (via Banküberweisung) als ScienceFiles-Clubmitglied
  • Bank: Tescobank plc.
  • Accountname: ScienceFiles-Account
  • BIC: TPFGGB2EXXX
  • IBAN: GB40TPFG40642010588246
  • Kontoinhaber: Michael Klein
  • Bankgebühren umgehen mit Transferwise

Heteronormative und sexistische Papiertüten

Der wissenschaftliche Nachwuchs macht wieder von sich reden; dieses Mal der Nachwuchs aus Würzburg, wo angehende Wissenschaftler, diejenigen, die in ein paar Jahren für sich beanspruchen wollen, die intellektuelle Elite des Landes, zumindest im Hinblick auf formale Bildungstitel zu stellen, in Papiertüten den Klassenfeind erkannt haben.

Uni WuerzburgEntsprechend machen sie in einer Weise von sich reden, die zeigt: Zwischen formaler Bildung z.B. einer (Fach-)Hochschulreife und Intelligenz besteht zuweilen bestenfalls eine Schnittmenge, über deren Ausmaß man sich genauer unterhalten müsste.

In Würzburg, an der dortigen Universität, ist es üblich, Erstsemestern Semesteranfangstüten auszuhändigen, in denen sich vornehmlich Werbegeschenke befinden. Schon 2013 hat der „Studentische Konvent“ der Universität Würzburg auf Antrag der Referate „Ökologie“ und „Gleichstellung“ die Abschaffung dieser Semesteranfangstüten beschlossen. Zum Sommersemester 2015 hat sich der Sprecherrat an den Beschluss erinnert und die Semesteranfangstüten abgeschafft.

Erstsemestertuete„Durch die Verteilung der Tüten wurde[n] für eine lange Zeit Berge von Müll produziert, die noch Tage in der Mensa sichtbar waren. Die wenigen kostenlosen Werbegeschenke darin standen in keinem Verhältnis zum Aufwand der Entsorgung. Schon 2013 wurde folgender Antrag zu den Semesteranfangstüten beschlossen:

Jedoch wurde dieser Beschluss oftmals vernachlässigt. Nun zur nächsten Erstimesse wird es keine Semesteranfangstüten geben.“

Die Begründung, die hier gegeben wird, lautet demnach: Müllvermeidung. Sie ist nachvollziehbar und somit rational, denn wenn die Menge des entstehenden Mülls durch den Gewinn, der den einzelnen Studenten durch die Semesteranfangstüten entsteht, nicht gerechtfertigt ist, dann macht es durchaus Sinn, über den Wert der Tüten nachzudenken – zumindest ist es eine rationale Begründung, was zeigt, dass der derzeitige Sprecherrat an der Universität Würzburg zumindest aus einigen denkfähigen und rationalen Studenten zu bestehen scheint.

Interessant ist auch, dass die Sprecher die Verbannung der Semesteranfangstüten von der „Erstimess“ (die infantile Sprache ist überall) ausschließlich mit Müllvermeidung begründen. Dies spricht für sie, denn offensichtlich sind sie der Meinung, die ursprüngliche Begründung des später beschlossenen Antrags, der auf die Referate Ökologie und Gleichstellung zurückgeht, sei so absurd und unsinnig, dass man sie besser nicht wiederholt.

Und damit haben die Studentenräte sicher recht.

Denn wie so oft, wenn Referate, die „Gleichstellung“ im Namen führen, an etwas beteiligt sind, zeigt das Produkt, das unter Beteiligung derjenigen, die sich in diesen Referaten zusammenfinden, erstellt wurde, alle Anzeichen eines Ergebnisses, das man nur auf geistige Demenz zurückführen kann.

Und dabei kommen dann Sätze, wie die folgenden heraus:

„Der Sprecher- und Sprecherinnenrat setzt sich bei den Verantwortlichen des Studentenwerks, wie auch bei weiteren Akteurinnen und Akteuren dafür ein, dass die unverhältnismäßig viel Müll produzierenden, heteronormativen, und sexistischen Semesteranfangstüten an der Universität Würzburg nicht mehr ausgeteilt werden.“

Die Sprachverwirrung, sie schreitet voran. Anders formuliert: Es gibt bereits unter Studenten Sprechmaschinen, die ein Inventar von Begriffen haben, die sie unter den Rubriken „gut“ und „schlecht“ kategorisieren, deren Bedeutung sie aber in keiner Weise kennen.

Die Begriffe „heteronormativ“ und „sexistisch“ sind solche Begriffe. Beide beziehen sich auf ein Verhalten bzw. wenn man ganz freundlich ist, kann man annehmen „heteronormativ“ beschreibe auch eine Einstellung. Papiertüten, jedenfalls die Papiertüten, die wir kennen, haben weder eine Einstellung, weshalb sie nicht heteronormativ sein können, noch zeigen sie ein Verhalten, weshalb es nicht möglich ist, Papiertüten als sexistisch zu bezeichnen.

Und jetzt kann man sie schon hören, die Künstler, die schreien, dass es sexistische Darstellungen gibt. Und doch gibt es die entsprechenden Darstellungen nicht. Es gibt ausschließlich Darstellungen. Und dann gibt es Betrachter von Darstellungen, die diese Darstellungen bewerten, z.B. als sexistisch. Sexistisch ist aber keine Eigenschaft der Darstellung oder der Papiertüte, sondern eine Zuschreibung durch den Betrachter. Man sollte meinen, dass derartige Trivialitäten, die unter Studenten sozialwissenschaftlicher Fächer bereits im ersten Semester verbreitet sein sollten, auch tatsächlich verbreitet sind. Sie sind es aber offensichtlich nicht.

Vielmehr findet sich unter Studenten zunehmend eine Unfähigkeit zwischen eigener Bewertung und Zuschreibung und den Eigenschaften von Objekten zu unterscheiden. Das ist bedenklich, denn diese Studenten sind anfällig für z.B. Rassenlehren, die z.B. Juden bestimmte Eigenschaften zuschreiben und behaupten, die Eigenschaften seien Juden inhärent. Der Rassismus beginnt, so kann man formulieren, bei dem irrigen Glauben, es gebe sexistische Papiertüten.

Wer das denkt, ist natürlich auch hervorragend manipulierbar, denn er bemerkt gar nicht, dass er es ist, der seine Bewertung in seinem Bemühen, z.B. Gutes zu tun, an Objekte heranträgt. Entsprechend einfach ist es diese Zombies zu steuern, z.B. in dem man behauptet, ein Objekt sei irgendetwas, sei rassistisch, sexistisch, extremistisch, was auch immer, eine Behauptung, die darauf abzielt, den Affekt auszulösen, der dann auch regelmäßig kommt, da die Zuschreibung ja als „gut“ oder „schlecht“ kategorisiert wurde (Der Hund von Pawlow hat für seinen Reiz-Reaktions-Gehorsam, für seine klassische Konditionierung, wenigstens noch Nahrung – also eine Belohnung erhalten. Studenten in Würzburg zeigen Reaktionen auch ohne nachvollziehbare Belohnung. Da sage noch einer, Hunde wären Menschen unterlegen…).

Spätestens bei Begriffen wie „heteronormativ“ sollte der Unterschied zwischen dem Objekt und der Bewertung des Objekts einem Studenten, der zur intellektuellen Elite gehören will, jedoch auffallen. Normen sind nichts, was sich direkt beobachten ließe. Normen kann man nur aus gleichförmigem Verhalten erschließen. Wenn alle Bekannten, die man hat, sich regelmäßig dann von einem abwenden, wenn man in der Mensa damit beginnt, über seine  Verdauungsprobleme und die Folgen davon zu sprechen, dann könnte man, wäre man ein aufmerksamer Beobachter und vielleicht sogar ein angehender Soziologe, daraus schließen, dass es eine Norm gibt, die es verbietet, beim Essen über Verdauungsstörungen, deren Folgen und die Art und Weise, wie sie sich äußern, zu sprechen.

Da Papiertüten sich nicht verhalten, können Papiertüten auch nicht heteronormativ sein. Sie können bestenfalls das Ergebnis von normativem Verhalten sein, z.B. wenn sie aus nicht mit Chlor gebleichtem Papier hergerstellt wurden.

Studenten sollten das eigentlich wissen.

Aber was soll man von Studenten erwarten, die Sätze wie die folgenden von sich geben:

Wuerzburger Knalltueten„Die UNICUM-Tüten preisen die Zweigeschlechtlichkeit: es gibt nur die Wahl zwischen Frauen- und Männer-Tüten, die jeweils durch ihren Inhalt als auch durch das rosa und blaue Band geschlechtsstereotyp gekennzeichnet sind. Zu den Produkten sei ein Beispiel in Bezug auf die UNICUM-Tüten im Wintersemester 2012/13 genannt: In den Tüten zu Beginn des Wintersemesters 2012/13 befand sich in den Männer-Tüten ein bekannter Energiedrink, in den Frauen-Tüten fand man selbigen in der „zuckerfrei“-Variante. Hier wird sich also zusätzlich zur Zweigeschlechtlichkeit einem bestimmten Körperbild verschrieben, dem vor allem Frauen zu entsprechen haben, da es gesellschaftlich anerkannt sei.“

Tüten sind also nicht nur heteronormativ und sexistisch, sie preisen auch die Zweigeschlechtlichkeit.

Nun, hätten die Eltern der Studenten, die sich hier über das Lob der Zweigeschlechtlichkeit beschweren, nur von diesem Lob und Preis abgesehen, dann wäre uns einiges an Unsinn erspart geblieben. Z.B. die Notwendigkeit gebetsmühlenartig zu wiederholen, dass Sexismus nicht in den Gegenständen liegt, sondern in den Betrachtern. Die für die zitierten Sätze Verantwortlichen, sie sind wahre sexistische Monster, die nicht anders können, als in allen Dingen danach zu forsten, ob sie nicht vielleicht sexistisch interpretiert werden können.

Derartige Fixierungen wurden früher auf der Couch von Psychiatern behandelt. Heute sind sie in manchen Bereichen zur Normalität geworden. Die Normativität des faktischen Wahnsinns, die denjenigen, die sich ihr unterwerfen, vorgaukelt, sie seien normal, sie ist in manchen Bereichen total. In diesen Bereichen herrscht ein Glaube, von dem die Besessenen nicht einmal durch die Tatsache abzubringen zu sein scheinen, dass die Umgebung über sie lacht, jene Umgebung, die mit normalen Menschen bevölkert ist, die in Tüten Tüten erblicken und keine sexistischen Fanale, jene Umgebung, in der zuckerfreie Marmelade zum Frühstück gegessen wird, und zwar von zwei gegengeschlechtlichen Frühstückern, die nicht eine Sekunde auf die Idee kommen, mit der zuckerfreien Marmelade verbinde sich ein „bestimmtes Körperbild“.

Warum kommen sie nicht auf die Idee? Weil sie in der ratio-normativen Welt leben, in der die eigene Idiotie nicht in Kanaldeckel und Papiertüten projiziert wird, sondern Papiertüten und Kanaldeckel eben Papiertüten und Kanaldeckel sind.

Bleibt abschließend noch die Frage, ob es notwendig sein wird, einen antirational-normativen Zug an deutschen Hochschulen einzurichten, in dem diejenigen gesammelt werden, die es aus nicht nachvollziehbaren Gründen an Hochschulen geschafft haben, damit sie von dort direkt in geschlossene Anstalten transferiert werden können, Anstalten, in denen sie von morgens bis Abends über heteronormative Papiertüten und sexistische Kanaldeckel diskutieren können, Anstalten, die am besten vom Bundesministerium für FSFJ finanziert werden, schon wegen vorhandener personeller Überlappungen.

Diese Art der Internierung hätte auch den Vorteil, dass die Internierten nicht anderen vorschreiben können, wie sie z.B: Semesteranfangstüten zu bewerten haben und andere, die diese Tüten vielleicht gerne gehabt hätten, durch ihr Verhalten schädigen.

Weiteres zum #TütenGate gibt es bei Hadmut Danisch.

Nennt mich schlicht: Gott! Herr Gott!

Im November-Heft von „Forschung und Lehre“ hat Lann Hornscheidt irgendwie einen Beitrag publiziert bekommen, denn davon das Lann Hornscheidt Forschung betreibt, ist nichts bekannt und von Lehre, naja, stülpen wir lieber den Mantel des X darüber.

Person of Colour, die es vor Rassismus schützen will.

Person of Colour, die es vor Rassismus schützen will.

Mit „Gendergerechte Sprache“ ist der Beitrag überschrieben. Er (der Beitrag) wendet sich gegen „andorgendernde Maskulina“ und „tradierte rassistische Begriffe“, also gegen Begriffe wie „der Haushalt“ und „die Kolonien“.

Diese, so das Lann Hornscheidt, sollten nicht verwendet werden, weil sich im ersten Fall Frauen nicht „mitgemeint fühlen“, im zweiten Fall PoCs gerne einen anderen Begriff hätten (PoCs, das sind Leute, die leicht erröten, people of colour). Entsprechend, so es, das Lann Hornscheidt weiter, sollte die Gesellschaft (also alle) die „neue Selbstbenennung von Personen“ akzeptieren, denn: „Soziale Veränderung zeigt sich im Versuch sprachlicher Veränderung“.

Kurz: Wir alle sollen jeden so ansprechen, wie er das will, damit sich derjenige „mitgemeint“ fühlen kann, und es zu einer sozialen Veränderung kommt, die „ich-bin- mitgemeint-soziale-Veränderung“.

Ich bin zu dem Schluss gekommen, Lann Hornscheidt hat recht.

Denn:

Wann immer Politiker u.a. mich mit „Liebe Bürger oder Bürgerinnen“ oder mit „Liebe Wähler oder Wählerrinnen“ ansprechen, fühle ich mich nicht mitgemeint.

Mein Nachname ist Klein, ganz im Gegensatz zu meiner Statur, die ist groß. Wann immer mich jemand mit „Herr Klein“ anspricht, fühle ich mich nicht mitgemeint, schon angesichts der Legionen von Kleins, die es da draußen gibt. Und wie könnte ich mich mit „Klein“ mitgemeint fühlen, wo ich doch groß bin?

Nein, Lann Hornscheidt hat Recht, hier muss eine soziale Veränderung her, hier muss eine angemessene Ansprache von mir, dem Individuum das ich bin, her.

Gleiches gilt für meinen Vornamen: Michael. Ein In-Name der 1960er Jahre.

Wer heißt nicht alles Michael? Ich bin mir sicher, kennte ich alle Michaele, die wenigsten davon könnte ich leiden. Wie also soll es möglich sein, dass ich mich mit Michael identifziere, dass ich mich dann, wenn jemand „Michael“ zu mir sagt, mitgemeint fühle?

Nein, so geht das nicht.

Deshalb habe ich kurz über die soziale Veränderung nachgedacht, die sich in einer veränderten Ansprache meiner Person zeigen würde.

Was ist eine angemessene Bezeichnung für mich, durch die ich mit „mitgemeint fühlen“ kann?

Mal sehen.

Ich bin, wie gesagt, groß, knapp 2 Meter hoch.

Ich halte mich für intelligent.

Ich habe eine Universität besucht und denke.

Ich beziehe keinerlei Transferleistungen meines Staates und habe immer auf eigenen Beinen gestanden, in voller Höhe.

Das genau ist es: Ich bin etwas ganz Besonderes und bislang nie in den Genuss staatlicher Transferleistungen gekommen.

karel-gott

Unglaublich: Da ist noch ein Gott … Mehr Informationen durch Click!

Staatliche Transferleistungen sind Steuergelder. Steuergelder sind Tributzahlungen an einen Staat, der mich bislang keines Groschens gewürdigt hat, obwohl ich von körperlich hoher Statur, groß, imposant, (eigen)mächtig bin – obwohl ich denke und deshalb Respekt verdiene, ja Anerkennung, Ehrerbietung ob der Qualität meines Denkens, das an Universitäten begründet wurde – ein ganz besonderes Denken, mein Denken! Eigentlich zu schade, um es der schnöden Welt mitzuteilen. Was ich dennoch tue, aus reinem Altruismus, aus Menschenliebe, aus Nächstenliebe und aus Gründen der intellektuellen Emanzipation, die ich anderen dadurch ermögliche, dass ich ihnen den Weg zur Wahrheit, zum richtigen Ergebnis des Denkens, zum Heil, zum Paradies weise – kurz: Ich bin gottgleich und entsprechend will ich auch als solcher angesprochen werden und in den Genuss von Tributzahlungen der Steuerbürger kommen. Nur wenn man mich mit Gott oder Eure Heiligkeit anspricht, fühle ich mich mitgemeint.

Ich meine, was ist falsch daran?

Lann Hornscheint fühlt sich nur bei Profx mitgemeint, ich nur bei Gott.

Gleiches Recht für alle – oder? Oder will man mir in sexistisch, ableistisch, rassistisch feministischer Weise die sprachliche und damit die soziale Existenz absprechen?

Deshalb bitte in Zukunft: Gott!

Vorname?

„Herr“ reicht.

Falls jemand unter den Lesern dieses Dekrets sich bei „Leser“ nicht mitgemeint fühlt, so möge er uns mitteilen, wie er sonst angesprochen zu werden wünscht. Wir werden es in Erwägung ziehen.

So, nun haben wir keine Zeit mehr für Euch. Wir müssen, gemeinsam mit Frau Gott göttliches tun.

Die guten Sitten – Neues aus der Anstalt

Die Sozialpsychologie kennt das Framing. Framing sagt letztlich, dass man durch die Formulierung von Aussagen, durch den Einbau negativer oder positiver Begriffe, bei den Adressaten der Aussagen bestimmte Wahrnehmungen und Bewertungen hervorrufen kann. Die Sozialpsychologie kennt die Projektion, die letztlich eine Form der Neurose darstellt, bei der die eigenen Befürchtungen nach außen verlagert und Dritten unterstellt werden. Die International Classification of Diseases (ICD-10) kennt die Manie (F30.1), die sich unter anderem in Wahrnehmungsstörungen niederschlägt;

Perceptual disorders may occur, such as the appreciation of colours as especially vivid (and usually beautiful), a preoccupation with fine details of surfaces or textures, and subjective hyperacusis. The individual may embark on extravagant and impractical schemes, spend money recklessly, or become aggressive, amorous, or facetious in inappropriate circumstances…

Soweit zur Theorie, nun zur Diagnose.

Die Diagnose beginnt im §8 Abs. 1 der Verordnung über die Zulassung von Fahrzeugen im Straßenverkehr:

Nuts in Bedlam(1) Die nach Landesrecht zuständige Behörde (Zulassungsbehörde) teilt dem Fahrzeug ein Kennzeichen zu, um eine Identifizierung des Halters zu ermöglichen. Das Kennzeichen besteht aus einem Unterscheidungszeichen (ein bis drei Buchstaben) für den Verwaltungsbezirk, in dem das Fahrzeug zugelassen ist, und einer auf das einzelne Fahrzeug bezogenen Erkennungsnummer. Die Zeichenkombination der Erkennungsnummer sowie die Kombination aus Unterscheidungszeichen und Erkennungsnummer dürfen nicht gegen die guten Sitten verstoßen.

Die weitere Diagnose führt uns in die juristische Anstalt und die Frage, was als Verstoß gegen die guten Sitten anzusehen ist:

LU-MP„Die sog. Sittenwidrigkeit liegt vor, wenn etwas gegen die guten Sitten verstößt. Nach Ansicht der Rechtsprechung ist etwas sittenwidrig, wenn es gegen das Anstandsgefühl aller billig und gerecht denkenden Menschen verstößt (BGH 10, 232; 69 297).“ Oder: „Definition: Sittenwidrig ist das, was der herrschenden Rechts- und Sozialmoral entgegensteht.“ Oder: „a) objektiv: auffälliges Missverhältnis von Leistung und Gegenleistung. b) subjektiv: Unerfahrenheit, Willensschwäche, Mangel an Urteilsvermögen oder Zwangslage des Ausgebeuteten. c) Ausbeutung = Ausnutzung der Situation.“

Wie kann ein gegen die guten Sitten verstoßendes Kennzeichen aussehen?

Woran ist es zu erkennen?

Daran: DE – PP – 88 oder daran: STA – SI- 89 oder daran: SE – D – 89 oder daran: WAN – ZE – 99 oder daran: NK – WD – 47?

Weit gefehlt.

Man erkennt die sittenwidrigen Kennzeichen daran:

  1. KZ
  2. und dran: NS
  3. und daran: SA
  4. und daran: HJ
  5. und daran: AH
  6. und daran: SS
  7. und daran: HH
  8. und daran: N-PD
  9. und daran: N-SU
  10. und daran: IZ-AN
  11. und daran: HEI-L
  12. und daran: 18
  13. und daran: 88
  14. und daran: 14

Haben Sie die Sittenwidrigkeit erkannt?

Hier die Auflösung:

  1. ROW-DYKZ bedeutet natürlich Konzentrationslager und nicht etwa KennZeichen.
  2. NS bedeutet nicht Neue Sachlichkeit sondern natürlich Nationalsozialismus, was sonst?
  3. SA bedeutet SturmAbteilung nicht SonderAngebot;
  4. HJ bedeutet HitlerJugend und somit Pech für alle Hans-Jürgen, die ohne Wunschkennzeichen bleiben müssen. bad luck!
  5. AH ist nicht die Altherrenmannschaft sondern Adolf Hitler, für alle die es nicht wussten.
  6. SS ist die Sturmstaffel und nicht der SendeSchluss;
  7. HH, ja, da haben Sie gedacht, das sei Hansestadt Hamburg, aber nein, es ist Heinrich Himmler!
  8. NPD
  9. und NSU können wir überspringen, weil offensichtlich: NPD = Norwegian Petroleum Directorate und NSU ist Näh- und Strickunion;
  10. IZ-AN ist Nazi rückwärts, für alle, die es nicht gemerkt haben und wohl ein Präzedenzfall für ZK und AS;
  11. 18 ist: AH in Verkleidung, als Code, wenn man so will, nämlich der erste und der achte Buchstabe des Alphabets und AH, also 18 ist natürlich Adolf Hitler;
  12. in gleicher Unlogik ist 88 natürlich wieder der Hühnerzüchter aus München und
  13. 14 ist, nein nicht AD, sondern das als „14 Words bekannte rassistische Glaubensbekenntnis der White-Power-Bewegung der USA“.

Wir kannten die 14 Words nicht, entsprechend harmlos ist uns die Zahl 14 bislang vorgekommen. Aber nun haben wir ja eine Kleine Anfrage der Linken, aus der dies alles hervorgeht.

KI-NGEs gibt in Deutschland tatsächlich Landkreise bzw. Städte, die die Zeichenkombinationen, die oben dargestellt sind, nicht verwenden, die Zahlenkombinationen wie die oben dargestellten 18, 88, 14, nicht zulassen, weil damit ein geheimes Wissen einhergeht, das jedem Verkehrsteilnehmer sofort einleuchtet oder das „von Neonazis als Erkennungscode genutzt werden kann“. Man fragt sich wirklich, ob die entsprechenden Verwaltungsmenschen nichts Besseres mit ihrer Zeit anzufangen wissen, als ihre Einbildung in Kennzeichen zu lesen?

Für alle, die sich gefragt haben, ob sie von einem Sack voller Narren regiert und verwaltet werden, dürfte die Frage nunmehr beantwortet sein. Bleibt nur noch die Frage, welche der oben dargestellten Formen mentaler Störung bei den entsprechenden Verwantwortlichen vorhanden ist.

Wir haben dazu nur eines zu sagen: IQ – KA – 70 oder 22 14 19 9 14 14.

Übrigens die geheime Nachricht in den Lottozahlen dieser Woche, die die Nazis hineingeheimnist haben, lautet: YZCCBC-IDF (hat also offensichtlich etwas mit Israel zu tun!)

Öffentliche Verkehrsmittel sind schuld an Bildungsungleichheit

Eine Revolution, ein Paradigmenwechsel in der Bildungsforschung bahnt sich an!

Unglaublich wichtige Erkenntnisse aus der Welt der Bildungsforschung haben heute unser Augenmerk erregt. Dabei ist das Ergebnis einer Untersuchung, nein, was sage ich, einer „korrelativ angelegten Studie“ (wenn jemand weiß, was das ist, dann soll er sich bitte bei uns melden, denn wir kennen nur quantitative Befragungen, die in einen Datensatz münden, der in Zeilen und Spalten organisiert ist und es z.B. erlaubt, Kreuztabellen oder Korrelationen zu berechnen. Insofern ist jeder Datensatz grundsätzlich der Berechnung von Korrelationen zugänglich, was die Frage, was eine „korrelativ angelegte Studie“ ist, umso dringlicher macht), also eine „korrelativ angelegte Studie“ hat ein besonders interessantes Ergebnis gebracht, nämlich den Stein der Bildungsweisen, nein, die Erklärung für alles, worauf die Bildungsforschung seit Jahrzehnten gewartet hat: Die Erklärung für Bildungsungleichheit.

Universitaet_zu_Koeln-SiegelBildungsungleichheit, also z.B. die soziale Stratifizierung von Bildungsabschlüssen: je höher der Bildungsabschluss desto weniger Kinder aus Arbeiterhaushalten, oder die Stratifizierung nach Geschlecht: Jungen machen seltener ein Abitur als Mädchen, dafür bleiben sie häufiger ohne Schulabschluss als Mädchen, oder die Stratifizierung nach Herkunft: Migranten, egal, wie viele Generationen vor ihnen die Einwanderung nach Deutschland stattfand, schneiden im deutschen Schulssystem schlechter ab als nicht-Migranten, all diese Formen der Bildungsungleichheit sind auf einen Schlag und mit einer „korrelativ angelegten Studie“, die Ralf Rummer, Professor für Allgemeine Psychologie und Instruktionspsychologie an der Unversität Erfurt und Petra Herzmann, Professor für Empirische Schulforschung an der Universität Köln durchgeführt haben, gelöst.

Schlechte Schulnoten, so eine (idealistische) Annahme, sind ursächlich für schlechte Schulabschlüsse und ursächlich für Grundschulempfehlungen, die auf Hauptschulen und nicht auf Gymnasien verweisen. Bildungsungleichheit resultiert (idealtypisch und) somit aus schlechten Schulnoten und den sich daraus ergebenden Schulwahlen. Entsprechend ist die Ursache schlechter Schulnoten mittelbar ursächlich für die Bildungsungleichheit in Deutschland (das ist eine einfach Anwendung der Transitivität der Implikation). Und nach langer Suche haben deutsche Forscher nun die mittelbare Ursache für die Bildungsungleichheiten gefunden: Öffentliche Verkehrsmittel sind schuld! Schlimmer noch: je mehr Zeit Schüler in öffentlichen Verkehrsmitteln verbrachten, desto negativer die Wirkung der öffentlichen Verkehrsmittel auf die schulische Leistung.

Uni erfurtDieses revolutionäre Ergebnis haben Ralf Rummer und Petra Herzmann bisher nur als Pressemeldung über die Universität Erfurt lanciert. Eine Veröffentlichung behalten sich die beiden Revolutionäre der Bildungsforschung offensichtlich noch vor, denn auch der Bitte von ScienceFiles, doch Näheres über die Ergebnisse und die Art und Weise, wie sie zustande gekommen sind, mitzuteilen, wurde von Ralf Rummer bislang mit Schweigen begegnet. Und so müssen wir die Brocken kommentieren, die uns die Pressemitteilung der Universität Erfurt bereitstellt.

Der Umsturz in der Bildungsforschung, dieser Paradigmenwechsel, der die Suche nach den an der Bildungsungleichheit Schuldigen ein für alle Mal von Schülern oder Lehrern oder von den Eltern von Schülern auf die öffentlichen Verkehrsmittel konzentriert, basiert auf den Angaben von „137 Schülerinnen und Schüler[n] der 6. Jahrgangsstufe eines großen, im ländlichen Raum angesiedelten Gymnasiums in Nordrhein Westfalen“, die Rummer und Herzmann „ins Visier“ genommen haben. Erlegt haben sie dabei, wie schon gesagt, die bisherige Bildungsforschung, mit einer „korrelativ angelegten Studie“, wie bereits festgestellt (Ich kann die Studenten der Universität Köln, an der Petra Herzmann „empirische Schulforschung“ lehrt, nur ermuntern, die Vorlesungen insbesondere zu „Methoden der empirischen Schulforschung“ zu besuchen, denn dort werden scheinbar Geheimnisse ausgebreitet und revolutionäre Neuerungen eingeführt – man merkt, ich bin immer noch nicht über die „korrelativ angelegte Studie“ weg gekomemn).

Doch zurück zu den „bahn“brechenden Ergebnissen, dazu verrät uns die Pressemeldung:

Schulbus„Erstaunlich: Die Daten weisen signifikante korrelative Zusammenhänge [das sind dann wohl Zusammenhänge, wie man sie nur in korrelativ angelegten Studien finden kann…?] zwischen dem in öffentlichen Verkehrsmitteln absolvierten Schulweg [ich habe meinen Schulweg immer mit, nie in öffentlichen Verkehrsmittel absolviert…] und der Gesamtdurchschnittsnote und der Durchschnittsnote der Kernfächer aus: Je länger Schüler in Bussen, Bahnen oder Pkw unterwegs waren, desto schlechter fielen ihre Schulnoten aus“. Aber: „Darüber hinaus zeigte sich, dass Kinder mit langen Fahrzeiten sogar mehr Zeit auf die Erledigung der Hausaufgaben … verwendeten als Kinder mit kürzeren Anfahrtszeiten“. Und: „Interessanter Weise zeigt sich kein Effekt der zu Fuß bzw. mit dem Fahrrad zurückgelegten Zeiten“. Und deshalb: „Rummer: ‚Basierend auf weiteren statistischen Analysen haben wir festgestellt, dass nicht in erster Linie fehlender Schlaf oder weniger häusliche Lernzeit für die beeinträchtigende Wirkung langer Fahrzeiten verantwortlich ist, sondern dass sich die in Bussen und Bahnen oder Pkw verbrachte Zeit direkt in negativer Weise auf die Schulleistungen auswirkt“.

Damit haben wir die Hauptschuldigen: alles, was mit Motorkraft betrieben wird, ist schuld an der Bildungsungleichheit und nicht nur öffentliche Verkehrsmittel, nein, auch der Pkw ist schuld, während Fahrrad fahren und zu Fuß gehen als zumindest nicht leistungsbeeinträchtigend identifiziert sind. Schlimmer noch: Wer mit Motorkraft und in (öffentlichen) Verkehrsmitteln zur Schule kommt, dem hilft auch ein Mehr an Aufwand zur Erledigung der Hausaufgaben nicht, um die negative Wirkung der Verkehrsmittel zu kompensieren.

Was folgt aus diesen Ergebnissen? Zunächst muss man Vorsicht walten lassen, denn es ist nicht klar, wie lange die schädlichen Fahrzeiten eigentlich sind, da die Pressemeldung ohne ein relevantes Datum veröffentlicht wurde. Aber ignorieren wir diese Hürde, so ist die Forderung klar: Hausunterricht muss her oder Schüler müssen wieder per Rad oder zu Fuß zur Schule fahren/laufen. Wie Charles Dickens berichtet, war es z.B. im 18. Jahrhundert üblich, dass Schüler mehrere Stunden auf sich nahmen, um zu Fuß zur Schule zu kommen. Und natürlich wirkt sich diese Leibesertüchtigung nicht nur positiv auf die schulische Leistung aus, wie uns die Forscher aus Erfurt und Köln gerade gezeigt haben, nein, sie wirkt sich auch positiv auf Adipositas und körperliche Tüchtigkeit aus und: mens sana in corpore sano!

Schulweg_ErfurtLeider gibt es in der Pressemeldung einen abschließenden Satz, der den Paradigmenwechsel in Frage stellt und den Verdacht nährt, dass hier Artefakte berichtet werden und die öffentlichen Verkehrsmittel gar nicht schuld sind: bei Kindern mit überdurchschnittlichen Leistungen hat ein in öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegter Schulweg keinen negativen Effekt auf die schulische Leistung. Also wirkt sich der Schulweg „korrelativ“ auf die Leistung aus bzw. er wirkt sich nicht auf die schulische Leistung aus, jedenfalls dann, wenn die Leistungen „überdurchschnittilch“ sind. Man fragt sich zunehmend, was die beiden Forscher da eigentlich gerechnet haben, und noch mehr frage ich mich, was man im Rahmen der „empirischen Schulforschung“ an der Universität Köln eigentlich so lernt.

Bleibt abschließend noch darauf hinzuweisen, dass der nach wie vor mögliche Paradigmenwechsel bislang dadurch erschwert ist, dass es keinerlei theoretische Grundlage für den gemessenen Zusammenhang gibt. Wie (öffentliche) Verkehrsmittel Bildungsungleichheit verursachen, ist bislang ein Rätsel, leistungsmindernde Abgase oder leistungsmindernde und wenig kognitiv erbauliche Landschaften sind zwei ad-hoc Hypothesen, deren Gültigkeit erst noch zu klären sein wird. Aber es besteht kein Zweifel, dass irgend ein Forscher an irgend einer Universität in Deutschland einen „korrelativen“ Datensatz hat oder gerade ein paar Fragen im Kopf hat, die er schon immer einmal stellen wollte und die dann, sind sie erst „korrelativ“ untersucht, ganz wichtige, ja revolutionäre Erkenntnisse liefern. Wir haben dann eine weitere Antwort auf der Suche nach der passenden Frage.

Lass‘ uns eine Sucht erfinden – Heute: Eßsucht –

Öfter einmal etwas Neues, so habe ich mir heute gedacht, und ausgerechnet einen alten Bekannten aus der Forschung zur Internetsucht gefunden: Dieselbe Skala, die zur Messung von Internetsucht und Spielsucht benutzt wird, wird nunmehr auch benutzt, um Eßsucht zu messen – unter dem Namen Yale Food Addiction Scale. Klingt doch gleich viel besser als Eßsucht – oder?

Nun aber ernsthaft, auch wenn die neuen Süchte aus dem Boden schießen, wie Pilze nach dem Regen. Die neue Suchtschwämme passt perfekt in dieses Zeitalter des Paternalismus, in dem sich selbsternannte Wächter über das Körpergewicht, den Teergehalt der Lunge, den Promillespiegel des Blutes an allen Ecken und Ende zu Wort melden, immer mit der Prämisse im Hinterkopf, dass Otto Normalverbraucher nicht in der Lage ist, das richtige Quantum Fett, Nikotin oder Alkohol selbst für sich zu bestimmen. Diese schleichende Entmündigung schlägt sich in Regulierungen nieder, die Otto Normalverbraucher daran hindern sollen, sich über Gebühr zu betrinken (es sei denn, es ist gerade Kölner Karneval). Und sie schlagen sich darin nieder, dass immer neue Süchte erfunden werden, die zum einen Süchtige, also Kranke, schaffen, denen man dann zum anderen, und zwar auf Kosten der Steuerzahler helfen kann.

Und die neueste Erfindung ist die Eßsucht. Vorbei sind die Zeiten eines Igor Maslow, in denen die Nahrungsaufnahme noch als Grundbedürfnis angesehen wurde. Vorbei die Zeiten, in denen Nahrungsaufnahme ein geselliges Ereignis war, bei dem die Bewohner Gallischer Dörfer um ein großes Feuer saßen. Auch die Nahrungsaufnahme wird heutzutage reglementiert, anhand von Angaben zu Kohlenhydraten, Kalorienmenge und ungesättigten Fettsäuren, und die Folgen der Nahrungsaufnahme werden als Body-Mass-Index (BMI) kategorisiert. Der BMI rangiert von zu dünn bis zu fett, und ab einer gewissen Grenze, wird der BMI-Träger zu einem Fall für diejenigen, die sich gerne um sein Wohlbefinden kümmern wollen.

EsssuchtDer neueste Schrei auf diesem Gebiet ist, wie gesagt, die Eßsucht, die anhand der Yale Food Addiction Scale (YFAS) gemessen wird. Die YFAS ist eine aufgepeppte Variante der Internet Addiction Scale (Eine der Skala zur Messung von „Internetsucht“ finden interessierte Leser hier), was an sich schon die mannigfaltige Einsetzbarkeit der Sucht belegt. Und weil es so schön ist, hier ein paar Fragen aus der YFAS, mit denen Eßsucht gemessen werden soll.

Als Antwortkategorien für diese Fragen stehen (1) nie, (2) einmal im Monat, (3) 2 bis 4 Mal im Monat, (4) 2 bis 3 Mal in der Woche und (5) 4 Mal in der Woche bis täglich zur Verfügung.

    1. Ich esse bis ich mich unwohl fühle.
    2. Mein Eßverhalten sorgt für erhebliche Probleme.
    3. Meine Eßgewohnheiten verursachen mir erhebliche psychische Problemen, z.B. Depressionen, Angst, Selbst-Verachtung und Schuldgefühle.
    4. Ich habe festgestellt, dass ich immer größere Mengen von Nahrung aufnehmen muss, um das gute Gefühl zu erreichen, das ich mit Essen erreichen will oder um negative Gefühle zu unterdrücken.
    5. Wenn ich damit anfange, bestimmte Nahrungsmittel zu mir zu nehmen, dann esse ich immer mehr als ich geplant habe.
    6. Zuweilen esse ich bestimmte Nahrungsmittel obwohl ich gar nicht nicht hungrig bin.
    7. Wenn ich bestimmte Nahrungsmittel nicht im Haus habe, dann fahre ich in einen Laden, um sie zu kaufen, und zwar auch dann, wenn ich andere Nahrungsmittel zuhause habe.
    8. Es gab Zeiten, da habe ich private oder berufliche Treffen gemieden, weil ich dort bestimmte Nahrungsmittel nicht bekommen habe.
    9. Wenn ich damit aufhöre, bestimmte Nahrungsmittel zu mir zu nehmen, dann habe ich das heftige Verlangen danach, die entsprechenden Nahrungsmittel zu mir zu nehmen.
    10. Ich habe erhebliche Schwierigkeiten, in meinem täglichen Leben zu funktionieren (tägliche Routine, Beruf, Schule, soziale Aktivitäten, Familie), und zwar wegen meiner Eßgewohnheiten.

Und so geht das weiter. Wer die gesamte YFAS nachlesen will, der kann dies hier tun. Wer sich dafür interessiert, wie aus den Einzelitems eine Einteilung nach Eßsucht und nicht-Eßsucht gezaubert wird, der kann sich hier kundig machen.

GesundheitsfoederungWie ich schon oben bemerkt habe, finden sich nahezu identische Items zur Messung von Internetsucht. Der einzige Unterschied besteht darin, dass an den Stellen, die sich oben auf Nahrung beziehen, Internet, im Internet sein usw. steht. Die entsprechenden Items sind also multifunktional, und wer gerne eine eigene Abhängigkeit erfinden will, der ist herzlich dazu eingladen uns die entsprechende Abhängigkeit nebst den zugehörigen Items zu schicken. Denkbar wäre z.B. eine aus dem Fenster-Schau-Sucht (auch als Hans-Guck-in-die-Luft-Syndrom bekannt), eine #Aufschrei-Sucht (auch als Gender-Sucht bekannt), eine Unsinn-Sucht (auch als das unter Funktionären weitverbreitete Spruchbeutelsyndrom bekannt) und vieles mehr. Wer Spass hat, kann die drei Süchte, die wir hier vorgeschlagen haben, gerne in die Items der YFAS packen und wie gesagt an uns schicken. Wir leiten Sie dann an die WHO und die American Psychiatric Association weiter und beantragen die Aufnahme der neuen Sucht in das DSM bzw. den ICD-10.

Wo es eine Skala gibt, da gibt es natürlich auch Forschung, und entsprechend findet sich bei Plos One ein Beitrag von 12 Autoren (eigentlich müsste man hier von einer Zusammenarbeits-Sucht sprechen), die gemeinsam einen sechseitigen Beitrag mit dem Titel „Food Addiction: Its Prevalence and Significant Association with Obesity in the General Population“ verfasst haben (jeder Autor hat demnach eine halbe Seite beigesteuert), in dem so erstaunliche Dinge stehen wie:

      • 5,4% der Neufundländer (in Kanada) sind Eß-Süchtige. Eß-Süchtige finden sich häufiger unter Frauen (6,7%) als unter Männern (3%).
      • 88,6% der Eß-Süchtigen sind adipös, aber (das haben die Autoren vergessen, auszurechnen, deshalb habe ich es nachgeholt) nur 7,7% der Adipösen sind eßsüchtig.
      • „The third major finding from the current study is the significant correlation between ‚food addiction‘ and the severity of obesity in the general Newfoundland population“ (4). Die „general Newfoundland population“ besteht im vorliegenden Fall aus 237 Männern und 415 Frauen. Wikipedia behauptet, auf Neufundland würden rund 479.000 Menschen leben, so dass hier eine gewisse Diskrepanz zu den Angaben der Autoren besteht.

cartoon cavemenSo ist das. Wer zu viel ißt, ist nicht etwa selbst verantwortlich, dass er zuviel in sich hineinstopft, nein, er ist süchtig nach Essen und weil er das ist, muss ihm geholfen werden, und zwar ärztlich, psychologisch, er braucht einen Gesundheitscoach, einen direkten Ansprechpartner bei der Krankenkasse, einen extra Vertrausmann im Unternehmen, sofern er arbeitet, wenn nicht ist der Vertrauensmann beim Arbeitsamt anzusiedeln, die WHO muss eine task force „food addiction“ einrichten, die Deutsche Forschungsgemeinschaft einen Sonderforschungsbereich mit dem Titel „Warum eß‘ ich nur so viel?“, mit dem Bewusstsein gebildet wird, finanzieren, und das BMFSFJ muss ein Forschungsprojekt in Auftrag geben, das den besorgniserregenden Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit und Geschlecht im neugegründeten Forschungsgang „Gender Fatness“ untersucht.

Niemand ist derzeit so erfolgreich wie Sozialbesorgte, sich mit steuerzahlerfinanzierten Tätigkeiten zu versorgen. Fast, dass man den Hut ziehen müsste, wäre es nicht so offenkundig, so durchschaubar und methodisch so abgrundtief schlecht.