Britannien müsse re-industrialisiert, die Steuern reduziert, die Bürger entlastet werden. Bei Immigration müsse sich viel, schnell und durchgreifend ändern.
Das sind keine Aussage eines Reform UK – Kandidaten, das ist die Zusammenfassung wesentlicher Punkte der „Siegesrede“ von Andy Burnham. Burnham (Labour UK) hat die Nachwahl in Makerfield mit großem Abstand gewonnen (dazu gleich mehr) und seine Rede zum Anlass genommen, seine Absicht, Keir Starmer vor die Tür von No. 10 Downing Street zu setzen, zu bekunden. Eine Rede, die Keir Starmer wiederum zum Anlass genommen hat, Burnham davor zu warnen, Land und Partei ins Chaos zu stürzen, was im Vergleich zum derzeitigen Zustand keine wirkliche Veränderung wäre. Zudem hat Starmer bekundet, sein Amt als PM nicht kampflos aufgeben zu wollen. Mit anderen Worten: Den Briten stehen unterhaltsame, mit dem Kampf der Labours untereinander angereicherte Tage ins Haus.
Burnham hat bis zum Schluss einen auf seine Person und von allen Insignien, die an Labour erinnern, weitgehend gereinigten Wahlkampf geführt:
Ein paar Ausschnitte aus der Rede von Burnham, die das eingangs Zusammengefasste zum Gegenstand haben, bevor es weitergeht:
“You have to respond to what people here are saying. You have to do something to make life more affordable, to put more money in people’s pockets, to give people more breathing space again, so that they can have a better life, that’s what people were saying, and we must respond to that. We need an economy that works for everybody, not a few in far off places from here, but an economy that works for people right here.
[…]
We do need to bring down water bills, energy bills, rail fares, just as we brought down bus fares in Greater Manchester to make life more affordable for people.
[…]
I heard on so many doorsteps people’s concerns about the unfairness of the immigration system, that cut price approach to procurement that means areas like this can end up like HMO Britain.“
Das sind alles warme Worte, Absichtsbekundungen, die bei vielen Briten auf offene Ohren stoßen werden, mit denen sich indes die Frage verbindet, ob Burham auch den Willen hat, Manns genug ist, sie durchzusetzen, gegen einen Mob von Labour-Backbencher, die so weit nach links gedriftet sind, dass sie längst von einer flachen Erde gekippt wären, wenn es eine gäbe. Es wird lustig werden, in den nächsten Wochen.
Und natürlich ist eine Re-Industrialisierung von Großbritannien ein Traum, der solcher bleiben wird, wenn es Andy Burnham nicht gelingt, Mad Ed Miliband aus seinem Amt als „Energieminister“ zu entfernen. Eine Übung, an der schon Sir Keir mit seinem Versuch, Ed zu extrahieren, kläglich gescheitert ist. Burnham wird wohl spezialisierte Unternehmen mit der Entsorgung von Mad Ed Miliband beauftragen müssen, wenn er je in die Situation gelangt, in der dies zu einer Notwendigkeit wird, um seine Behauptungen nun als PM in die Tat umzusetzen.
Darum ging es bei dieser Wahlfarce eigentlich.
Burnham hat sich als nunmehr gewählter Abgeordneter im House of Commons die Grundlage geschaffen, um Keir Starmer herauszufordern und mit Starmer und vermutlich Wes Streeting und John Healey und Al Carns, um das Amt des PM zu streiten. Dazu war es notwendig, einen sicheren Labour-Wahlkreis zu finden, den bisherigen Abgeordneten für diesen Wahlkreis zu entsorgen und die Wähler des Wahlkreises mit ihrer Rolle als Stimmvieh für einen zu höherem Berufenen (nach eigener Ansicht) vertraut und zufrieden zu machen. Man muss Andy Burnham zugestehen, dass ihm das gelungen ist (und man kann mit Spannung erwarten, was aus Josh Simons wird, dem entsorgten Abgeordneten, der durch seine Resignation der peinliche Situation zuvorgekommen ist, Gegenstand einer parlamentarischen Untersuchung zu werden, weil er als Verantwortlicher von Labour Together hat Journalisten ausschnüffeln lassen).
Die Wahl in Makerfield war in einiger Hinsicht eine „Andy-Wahl“.
Es dürfte weitgehend Burnham geschuldet sein, dass die Wahlbeteiligung gestiegen ist. Er konnte Wähler für sich mobilisieren.
SciFi-Supt
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Burnham dürfte zudem von taktischem Wahlverhalten der Wähler der Greens und der LibDims profitiert haben. Beide Parteien wurden in einer Weise dezimiert, die man nur dadurch erklären kann, dass es den Wählern darum gegangen ist, einen Sieg von Reform UK zu verhindern.
Indes, wenn man die Ergebnisse betrachtet, war ein solcher Sieg in Makerfield gegen Burnham zu keinem Zeitpunkt im Bereich des Möglichen.
Reform UK hat weniger Stimmen hinzugewonnen als Restore UK, scheint im Wesentlichen darauf begrenzt worden zu sein, die Konservativen zu kannibalisieren und hat ansonsten Wähler an Restore UK verloren. Aber auch beider Stimmenzahl zusammengenommen reicht nicht aus, um Burnham zu verhindern.
Nigel Farage hat das Ergebnis seiner Partei als enttäuschend gewertet und sich ansonsten an diejenigen gewendet, die ihre Stimme Restore UK gegeben haben: „What do you want?“ So seine Frage an die Wähler, die offenkundig gemacht haben, was sie wollen und vor allem nicht wollen, indem sie Restore UK ihre Stimme gegeben haben, eine Handlung, von der sie auch die Tatsache, dass Reform UK in allen Umfragen einzige Partei war, die Burnham hätte gefährlich werden können, nicht abgehalten hat. Es scheint mir eine eher verzweifelte Strategie zu sein, zu versuchen, Leute, die eine Abwahl getroffen haben, nunmehr dadurch zurückgewinnen zu wollen, dass man ihnen vorwirft, de facto für Labour zu stimmen – genau das Argument, das Conservatives 2024 mit Blick auf Reform UK gemacht haben und sicherlich nicht das Argument, das 3.111 wohl im Wesentlichen von Reform zu Restore gewechselte Wähler zurückbringen wird:
Vielleicht ist es an der Zeit, die beiden inkompatiblen Parteiführer von Restore und Reform durch junges Blut zu ersetzen, durch Leute zu ersetzen, die eine gemeinsame Sache verfolgen wollen, in einer Partei, in der Leute wie Carl Benjamin, Ben Habib, Darren Grimes und Michael Heaver Führungsposition übernehmen und die alten Zankhähne auf die Rolle von Ehrenvorsitzenden gestutzt werden.
Man darf mal träumen – oder?
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