Warum schulische Leistungen über Zeit betrachtet immer schlechter geworden sind, Schulleistungstests von IGLU bis PISA gemeinhin ein tristes Bild zeigen, ist eine Frage, in deren Beantwortung eine Vielzahl von Variablen eingeht.
Beginnt man unten, dann hat die Zusammensetzung von Klassen und die Lernfähigkeit von Schülern einen Effekt. Wer die Unterrichtssprache nicht versteht, wird Probleme haben, dem Unterricht zu folgen. Wer aus seiner vorschulischen Lebenszeit die Fähigkeiten (motorische, audio-visuelle usw.), die seinen erfolgreichen Schulbesuch erst möglich machen, nicht ausreichend oder gar nicht mitbringt, ist kaum beschulbar. Das sind Variablen, die eine Rolle spielen und für die belegt ist, dass sie sich auf schulischen Erfolg auswirken. Wir haben über die verheerenden Ergebnisse von Schuluntersuchungen und vorschulischen Tests und die Effekte, die der Anteil von Migranten auf die schulischen Leistungen hat, ausführlich geschrieben.
Indes, Schüler gehen in Schulen, um dort beschult zu werden, kommen dort als „Rohmasse“, nicht als fertiges Produkt an. Ergo bedarf es der Lehrer, um Schüler das Wissen zu vermitteln, wegen dessen sie Schulen besuchen. Das nächste Problem, denn die Feminisierung von Schulen hat Schulen entprofessionalisiert und Lehrer zu einem Nebenbeijob gemacht, den man in Teilzeit ausüben kann. Sie hat dazu geführt, dass Leute per Quote in den Schuldienst gelangt sind, deren Eignung als Lehrer mindestens fragwürdig ist. Darüber hinaus hat Feminisierung auch auf die verbliebenen männlichen Lehrer einen negativen Effekt, der sich langsam in seiner ganzen Dramatik bemerkbar macht und am besten in die Frage verpackt werden kann: Welche Art von Typ fühlt sich in einem von „Frauen“ dominierten Lehrerkollegium und der davon ausgehenden Atmosphäre wohl? Und sie hat nicht zuletzt dazu geführt, dass 50% der Rollenmodelle in deutschen Schulen kaum noch vorkommen. Dadurch hat sich auch das Gratifikationsschema in Schulen verändert. Schüler werden kaum mehr gefordert, sondern gehätschelt. Schüler, die besonders anschmiegsam sind, werden belohnt, der Widerporst wird bestraft.
Und natürlich spielt das, was vermittelt werden soll, eine Rolle. Die Themen die das Curriculum vorgibt, sind in den letzten Jahren voller ideologischem Junk gestopft worden. Unter dem Vorwand, „Demokratie“ lehren zu wollen, wird Schule dazu missbraucht, Schülern das richtige Denken anzuerziehen. Nicht mehr die Fähigkeit, sich ein eigenständiges Urteil zu bilden, ist Ziel schulischer Ausbildung, sondern sicherzustellen, dass Schüler das, was Lehrer als richtige Meinung verbreiten, reproduzieren, aufsagen, auswendig lernen. Schule hat nicht mehr das Ziel individualistische Denker mit eigener Urteilsfähigkeit hervorzubringen, sie zielt vielmehr auf den kollektiven Meinungssoldaten.
Nichtzuletzt sind Schulen, wie dies in der DDR der Fall war, zu einer Indoktrinationsanstalt umfunktioniert worden, was für manche dann akzeptabel klingt, wenn man den „sozialistischen Menschen“, der am Ende einer schulischen DDR-Indoktrination stehen sollte, mit dem „demokratischen Menschen“ ersetzt, dem vermeintlich demokratische Normen so eingeprügelt wurden, dass sich die frei flottierende Meinungsfreiheit wundert, wie sich das ganze mit ihr vereinbaren lässt.
But here we are.
All die beschriebenen Prozesse weisen in die selbe Richtung, führen dazu, dass die Dummheit, die in Curriculum und Lehrerschaft Einzug gehalten hat, immer endemischer wird und haben zuletzt eine Diskussion über den „Mythos Neutralität“ ausgelöst, die „Instrumentalisierung“ von „Neutralität“ durch politische Parteien (gemeint ist die AfD).
Einer der Anlässe ist der Fall von Max Heckel, der einst von seiner Schulbehörde abgemahnt wurde, weil er auf die Frage einiger Schüler einer sechsten Klasse, die er in Werken unterrichtet, ob er denn AfD gewählt habe, geantwortet hat:
„Es stehe jedem frei, die AfD zu wählen. Aber wer sie wähle, müsse „sehr reich, frei von Moral oder nicht bei klarem Verstand sein““. Quelle: taz
Das ist eine der Aussagen, die das Problem, das dumme Lehrer in Schulen darstellen, exemplifiziert. Jedes Kind in unserer Generation kannte den Satz „was Du nicht willst, das man Dir tut, das füg‘ auch keinem anderen zu“. Der Satz ist eine Art geronnene Philosophie, kantscher Imperativ, wenn man so will und erfordert nicht viel Grips, um Aussagen, wie sie Heckel gegenüber seinen Schülern getätigt hat, eben nicht auszusprechen. Was, wenn andere es ihm gleichtun?
Es steht jedem frei, die LINKE zu wählen. Aber wer sie wähle, müsse ein sadistischer armer Neidhammel sein, der Freude an Diebstahl und Mord hat, weil beides zwangsläufige Konsequenz von Sozialismus/Kommunismus sind.
Es steht jedem frei, die Grünen zu wählen. Aber wer sie wähle, müsse pervers sein, jede Kontrolle über seine Wahrnehmung dem Wahnsinn überantwortet haben und ansonsten Spaß daran haben, eine Gesellschaft wirtschaftlich zu ruinieren.
Wie wenig intelligent muss man sein, wenn man nicht imstande ist, diese einfache Regel anzuwenden und zu dem Gedanken vorzudringen, dass in einem Land, in dem 40% der erwachsenen Bevölkerung AfD wählen, seine Meinung nicht von allzu vielen geteilt wird und leicht auf averse Reaktionen stoßen kann? Und davon abgesehen, nichts in Schulen zu suchen hat, denn Schulen dienen weder dazu, persönliche Vorlieben zu verbreiten, noch dazu in der perfiden Art von „jedem stehe frei, aber“ … ein logischer Missgriff aus billigen Rhetorikbüchern, der Sätzen entspricht wie: Ich habe nichts gegen Schwarze, aber man muss schon einsehen, dass sie nicht so intelligent wie weiße sind… Die Gesellschaft der guten Menschen ist in erster Linie eine Gesellschaft der Dummen …
Es gab einmal eine Zeit, in der solche Einsichten fixiert und z.B. im Beutelsbacher Konsens festgeschrieben wurden:
Beutelsbacher Konsens
I. Überwältigungsverbot.
Es ist nicht erlaubt, den Schüler – mit welchen Mitteln auch immer – im Sinne erwünschter Meinungen zu überrumpeln und damit an der „Gewinnung eines selbständigen Urteils“ zu hindern. Hier genau verläuft nämlich die Grenze zwischen Politischer Bildung und Indoktrination. Indoktrination aber ist unvereinbar mit der Rolle des Lehrers in einer demokratischen Gesellschaft und der – rundum akzeptierten – Zielvorstellung von der Mündigkeit des Schülers.
2. Was in Wissenschaft und Politik kontrovers ist, muss auch im Unterricht kontrovers erscheinen.
Diese Forderung ist mit der vorgenannten aufs engste verknüpft, denn wenn unterschiedliche Standpunkte unter den Tisch fallen, Optionen unterschlagen werden, Alternativen unerörtert bleiben, ist der Weg zur Indoktrination beschritten. Zu fragen ist, ob der Lehrer nicht sogar eine Korrekturfunktion haben sollte, d. h. ob er nicht solche Standpunkte und Alternativen besonders herausarbeiten muss, die den Schülern (und anderen Teilnehmern politischer Bildungsveranstaltungen) von ihrer jeweiligen politischen und sozialen Herkunft her fremd sind.
Bei der Konstatierung dieses zweiten Grundprinzips wird deutlich, warum der persönliche Standpunkt des Lehrers, seine wissenschaftstheoretische Herkunft und seine politische Meinung verhältnismäßig uninteressant werden. Um ein bereits genanntes Beispiel erneut aufzugreifen: Sein Demokratieverständnis stellt kein Problem dar, denn auch dem entgegenstehende andere Ansichten kommen ja zum Zuge.
3. Der Schüler muss in die Lage versetzt werden, eine politische Situation und seine eigene Interessenlage zu analysieren,
sowie nach Mitteln und Wegen zu suchen, die vorgefundene politische Lage im Sinne seiner Interessen zu beeinflussen. Eine solche Zielsetzung schließt in sehr starkem Maße die Betonung operationaler Fähigkeiten ein, was eine logische Konsequenz aus den beiden vorgenannten Prinzipien ist.“
Das sind recht klare Vorgaben, gegen die immer offener verstoßen wird, denn von Links wird derzeit ein Großangriff auf die Neutralität von Schulen geführt, was zwangsläufig, um ein Argument von Dr. habil. Heike Diefenbach aufzugreifen, dazu führt, dass eine Institution, deren Besuch zur Pflicht erklärt wurde, große Teile der Bevölkerung nicht mehr repräsentiert und zwangsläufig zu einer ideologischen Sekte verkommt, die im Widerspruch zur sie umgebenden Gesellschaft steht.
Dessen ungeachtet sind Linke dabei, das Kind mit dem Bade auszuschütten und die Tatsache, dass Schulen normativ überladen wurden, wie westliche Gesellschaften mittlerweile zu normativen Minenfeldern geworden sind, auf denen schon ein falsches Wort eine Kaskade von Explosionen auslösen kann, vor allem dann, wenn die guten Menschen wie Tretminen in die Luft gehen, um einen Falschssprecher öffentlich zu vernichten, diese Tatsache zu instrumentalisieren, um unseren guten alten Bekannten, den Fehlschluss der Bejahung des Konsequens zur Grundlage ihrer logischen Fehler zu machen.
Weil niemand neutral sei, auch Schule nicht, so die Argumentation in aller Kürze, müsse man auch gar nicht mehr nach Neutralität streben, könne Schüler gleich ganz offen mit dem, was dem herrschenden Meinungsdiktat gerade entspreche, vollpumpen:
„Wenn Äußerungen oder Verhaltensweisen gar die freiheitlich-demokratische Grundordnung in Frage stellen, ist die Schule gehalten, Stellung zu beziehen und demokratische Grundwerte zu schützen. Das ergibt sich schon daraus, dass die Vermittlung der normativen Vorgaben für schulische Bildung und Erziehung … zu den Dienstpflichten von Lehrkräften gehört. Deswegen müssen (verfassungs-)rechtlich hochgradig problematische Positionen wie z. B. ein völkisches Demokratieverständnis, geschichtsrevisionistische Positionen, rassifizierte Ungleichwertigkeitsbehauptungen oder die Negation geschlechtsbezogener Gleichheit in der Schule als solche benannt und als verfassungswidrig zurückgewiesen werden. Auf rassistische, antisemitische, antimuslimische, ableistische oder andere Äußerungen Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit durch Schüler:innen müssen Lehrkräfte reagieren. „
Man erfindet Reifikationen, Ismen, die niemand je persönlich kennengelernt hat, erklärt deren Existenz, konnotiert sie mit gut oder böse, je nach gewünschtem Zweck und haftet sie politischen Gegnern an, fertig ist der Klassenfeind, den man nun auf Basis der demokratischen Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik bekämpfen kann, aus der Einheitsliste der Blockparteien ausschließen und entweder in Bautzen inhaftieren oder in den Westen abschieben kann. Ich habe mitten im Satz die Republik gewechselt, indes, die Intention, in der der Schrotttext, den ich gerade zitiert habe, geschrieben wurde, sie passt in beide, die von einer hysterischen Hybris getragene derzeitige Travestie eines demokratischen Systems und die offene Verarschung eines demokratischen Systems, die sich DDR nannte. Unterschiede mögen in Marginalien vorhanden sein, nicht jedoch im gemeinsamen Geist.
Der zitierte Text findet sich auf den Seiten des Landesamts für politische Bildung Baden-Württemberg und wurde von Dr. Felix Wirth Hanschmann verfasst. Er ist Inhaber des Dieter Hubertus Pawlik Stiftungslehrstuhls für Kritik des Rechts an der Bucerius Law School in Hamburg. Damit sind wir zurück beim Ausgangsproblem der dummen Lehrer, das man an Hochschulen verlängern und um dumme Hochschullehrer ergänzen kann. Einer davon sitzt in Halle und verteidigt Max Heckel. Andreas Petrik will nach einem Beitrag der taz im neuen Semester eine Lehrveranstaltung anbieten, die den Titel „Sei wie Max“ trägt. Manche Leute schreien ihre Ungeeignetheit für die Position, die sie besetzen, anderen regelrecht ins Gesicht.
„Andreas Petrik lehrt nicht nur an der Uni, er forscht auch zu Demokratie an Schulen, am Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt. Damit steht er selbst im Fokus der AfD. Seine Professur und sein Engagement für Schulen ohne Rassismus hat die Partei mehrfach angeprangert. Seinen Studierenden rät er, Gewerkschaftsmitglied zu werden oder eine Rechtsschutzversicherung abzuschließen. Wenn die AfD die Macht übernähme, müsse der Rechtsstaat die Lehrkräfte verteidigen.
Petrik will im neuen Semester den Fall von Max Heckel in seine Vorlesung aufnehmen, verbunden mit dem Aufruf „Seid wie Max“. Sachsen-Anhalt brauche solche Lehrer, sagt er.“
Was würde der selbstgerechte Herr wohl tun, wenn ein Kollege seiner Fakultät sein Amt wie Petrik dazu missbrauchen würde, Studenten idiotische Ratschläge, die keinerlei Verbindung zu der Leistung, für die Leute wie Petrik bezahlt werden, haben, zu geben: Werde Mitglied der AfD, damit wir Leuten wie Petrik das Handwerk legen können. Oder schließe eine Unfallversicherung ab, denn Linken ist nicht zu trauen.
Petrik teilt genau die Unfähigkeit, die wir schon Heckel attestieren mussten, „Was Du nicht willst, das man Dir tut …“ oder in der Kantschen Formulierung: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde“. Wer hätte gedacht, dass das Land der Dichter und Denker zu einem Land der Schwätzer und Henker werden würde, in dem selbstgerechte Deppen dafür sorgen, dass Bildung nicht mehr möglich ist.
Sicher, Arthur Schopenhauer hat die Ursache des Niedergangs beschrieben, in einem einzigen Satz: „Der Intellekt ist allein auf die Erhaltung des Individuums berechnet und nicht zur Ergründung des Welträtsels geeignet.“ Das Problem hat angefangen, als Linke die Erkenntnis von René Descartes „Ich denke, also bin ich“ missverstanden und in „Ich denke, also bin ich gut und genial“ umformuliert haben.
Ein Schöpfungsfehler mit Folgen im Bereich von mehreren 100 Millionen Toten.
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