Wie wir alle wissen, ist das korrekte und richtige Leben umfangreicher Gegenstand der Deliberationen der vielfältigsten Busy-bodies, die sich in den Wahn gesteigert haben, sie wären das Beste, was den Objekten ihrer “Empfehlungen” geschehen könne.
Gemeinhin sind diese Empfehlungen von einer Allgemeinheit, die einen ökologischen Fehlschluss zum Standard erheben und allen rundweg die Gießkannenlösung anempfehlen, die für die meisten im besten Fall unnütz, im schlimmsten Falle schädlich ist.
Das vorausgeschickt, bin ich – wenn Sie so wollen – ein Freak.
Ich verstoße selbst im Schlaf gegen internationale Empfehlungen:
“Internationale Schlafempfehlungen definieren bei Erwachsenen eine Schlafdauer von weniger als sieben Stunden als kurz. Hält eine kurze Schlafdauer über einen längeren Zeitraum an und liegt keine funktionelle Störung vor, so wird auch der Begriff „Schlafmangel“ verwendet.”
Dieser für alle verbindliche Empfehlungsstandard wird im Journal of Health Monitoring als Richtmaß verkündet, an dem die Bevölkerung zu messen ist:
Kaufholdová N, Richter A, Saß AC, Schienkiewitz A. (2026). Welche Bevölkerungsgruppen schlafen eher zu wenig? Ergebnisse der Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell“ (GEDA 2023). Journal of Health Monitoring 11(14).
Denn: “kurze Schlafzeiten” sind “mit einem erheblichen Risiko für nichtübertragbare Erkrankungen” verbunden. Schaun wir mal, worunter ich alles leide, angesichts der Tatsache, dass ich deutlich unter der Empfehlung von sieben verschlafenen Stunden bleibe:
Bluthochdruck – bei mir eher zu gering als zu hoch;
Adipositas – keine;
Diabetes – nicht vorhanden;
Herz-Kreislauf-Erkrankung: Ich laufe die 100 Meter nicht mehr unter 16 Sekunden, keine Ahnung, ob das für eine Erkrankung spricht;
Angstzustände – Prust;
Depression – bei niedrigem Luftdruck fühle ich mich gedrückt;
Wie gesagt, ich bin ein Freak: Ich schlafe weniger als “international empfohlen” und weise keine der Erkrankungen auf, die mir zugeschrieben werden.
Definieren wir ein Unterschreiten der “internationalen Empfehlung” als “Schlafmangel”, obschon natürlich zu zeigen wäre, dass weniger als 7 Stunden Schlaf Schlafmangel bedeuten, dann erweitert sich die Reihe der Konsequnzen auf:
Produktivitätsausfälle – ich habe eigentlich das Gefühl, produktiver als früher zu sein;
Verkehrsunfälle – 40+ Jahre unfallfrei;
Krankheitsbedingte Arbeitsausfälle – nicht ein Tag in all den Berufsjahren, die ich auf dem Buckel habe;
Ich muss mich damit abfinden, ich bin ein Freak, denn die “internationale Empfehlung” von sieben Stunden Schlaf, die ist natürlich über jeden Zweifel erhaben, für jeden Menschen und jede soziale Konstellation, in der er sich befindet kann, von Bedeutung (Wie es wohl um die Produktivität und die krankheitsbedingten Arbeitsausfälle der Soldaten an der Russisch-Ukrainischen Front bestellt ist)?
Es sollte deutlich geworden sein, was ich von Gießkannenergebnissen wie dem vorliegenden aus dem Robert-Koch-Institut halte, davon, dass man der Bevölkerung von rund 80 Millionen Deutschen mindestens sieben Stunden Schlaf verordnet und sie ansonsten als krankheits-berisikot etikettiert. Jenseits dieser “Bewertung” der Ergebnisse haben die Selbstauskünfte über die Stunden, die Deutsche im Durchschnitt verschlafen, 7.314 haben stellvertretend für alle Auskunft während des telefonischen Interviews, das irgendwann zwischen Januar 2023 und Februar 2024 stattgefunden hat, gegeben, einen begrenzten Aussagehalt.
Bleiben wir beim telefonischen Interview. Stellen Sie sich die Situation vor:
Anrufer: Wie lange schlafen Sie im Durchschnitt an Wochentagen?
Befragter: Das kommt darauf an.
Anrufer: Worauf?
Befragter: Ob etwas im Fernsehen kommt.
Anrufer: Okay, jenseits dieser Frage, wenn sie einfach alle Werktage addieren und einen Durchschnitt ihrer Schlafstunden bilden, wie lange schlafen Sie dann in der Regel.
Befragter: In der Regel oder im Durchschnitt?
Anrufer: Im Durchschnitt.
Befragter: Moment. Das muss ich ausrechnen.
Anrufer: Bitte schätzen Sie, ich habe nicht so viel Zeit, werde pro Anruf bezahlt.
Befragter Okay: 6 Stunden.
Anrufer: Genau 6 Stunden?
Befragter: Nein, vermutlich weniger. Aber ich hatte keine Zeit, das genau auszurechnen.
Anrufer: Wären 5 Stunden und 25 Minuten in Ordnung? Ich habe hier zwei Felder, die ich ausfüllen muss.
Befragter: Ist für mich in Ordnung. So oder so falsch.
Anrufer: Und wie sieht es am Wochenende aus?
Befragter: Da schlafe ich länger. Nicht immer, aber gemeinhin.
Anrufer: Um wie viel länger?
Befragter: Keine Ahnung. Das kommt darauf an.
Anrufer: Worauf?
Befragter: Wann meine Katzen damit beginnen, ihr Frühstück einzufordern.
Anrufer: Wann ist das gewöhnlich?
Befragter: Das kommt darauf an…
Wir verlassen das Interview an dieser Stelle, der Punkt, den ich machen wollte, er dürfte angekommen sein.
Aber lassen wir all diese Einbrüche der realen Welt außen vor, denn wir benötigen ein paar Zahlen in einer Tabelle, die wir als Schlafmangel etikettieren können, um dann mehr Geld für Schlafmangelprävention zu fordern, und dann kommen wir zu diesem Ergebnis:
Angegeben ist der Anteil der Standard-Schlaf-Verweigerer
Falls Sie es nicht gewusst haben: Die größten Schlafmützen finden sich unter Frauen mit Abitur. Das größte Widerstandspotential erwächst den internationalen Empfehlern unter Männern im Alter von 45 bis 64 Jahre. Hey, ich bin doch kein Freak…
Und warum wurde geforscht, was geforscht wurde?
Deshalb:
“[D]ieses Thema [sollte] im Public-Health-Kontext weiter betrachtet werden … um ein gesundes Schlafverhalten in der Bevölkerung zu fördern.”
Das Gesetz mit verbindlichen Schlafzeiten, zu deren Einhaltung ab 21 Uhr Abends der Strom abgestellt wird, ist in Vorbereitung … wahrscheinlich – schon um die Blackouts durch unzuverlässige und nicht erneuerbare Energie zu kaschieren.
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… und die Einhaltung der Bundesmindestschlafverordnung wird durch randomisierten Telefonanrufen auf vorschriftsmäßiger Einhaltung hin überprüft…