Wehrpflicht, selbst die gewaltsame Durchsetzung von Wehrpflicht gegen die Willen der Betroffenen, wird von einigen, meist von Leuten, die keinerlei Skin in the Game haben, keinerlei Gefahr laufen, Gegenstand einer gewaltsam durchgesetzten Wehrpflicht zu werden, mit einem “Recht des Staates” oder einer “Notlage” oder einer sonstigen, die Beseitigung individueller Agency quasi-legitimierenden Rechtfertigung versehen.
In diesem Post will ich auf die sparsamste Weise, die mir möglich ist, ein Argument entwickeln, das zeigt, dass es keine Wehrpflicht und keinerlei Legitimation darauf gründender Übergriffe auf die individuelle Agency / Handlungsfähigkeit, jedenfalls nicht außerhalb verbrecherischer, kollektivistischer Herrschaftssysteme, geben kann.
Das elementare Ziel menschlichen Handelns ist der Selbsterhalt, die Sicherung des eigenen Überlebens. Alle anderen Ziele bauen auf dieser Grundlage auf, werden durch diese Grundlage erst möglich.
Menschen weisen Dingen Wert / Nutzen zu und werden sich, entsprechend diesem attribuierten Wert für die jeweiligen Dinge einsetzen, sie aus eigenem Entschluss heraus verteidigen, wenn diese Verteidigung notwendig werden sollte.
“Der Staat” ist eine sprachliche Klammer über einem Geflecht von Institutionen, das Positionen umfasst, die den Inhabern Möglichkeiten geben, das Leben anderer zu beeinflussen. Die Wahrnehmung dieser Möglichkeiten dient dem Ziel, das Leben dieser anderen ZU VERBESSERN. Eine andere Form der Wahrnehmung dieser Möglichkeiten kann es in demokratischen Staaten nicht geben. Eine Wahrnehmung dieser Position, um das Leben anderer in Gefahr zu bringen, ist grundsätzlich ausgeschlossen.
Das größte Problem für eine Freie Gesellschaft, eine Offene Gesellschaft, wie sie Karl R. Popper entworfen hat, findet sich in Punkt 3, denn Positionen, die mit einer a-priori Legitimation als Position zur Verbesserung des Lebens anderer einhergehen, stellen offene Scheunentore für Missbrauch dar, bieten sich quasi denen, die Positionen zum eigenen Vorteil missbrauchen wollen, selbständig an. Der Grund schlechthin, warum die Kontrolle der Inhaber dieser Positionen so wichtig ist.
Die beste Möglichkeit Positionsinhaber zu kontrollieren, besteht indes nicht darin, sie von der Zustimmung eines politischen Herren, der wiederum auf die Zustimmung eines Parlaments angewiesen ist, abhängig zu machen. Denn eine solche Regelung führt postwendend in die Probleme einer “feindlichen Übernahme” neutraler Positionen durch interessierte Gruppen, wie sie gerade beschrieben wurden.
Die beste Möglichkeit, Positionsinhaber zu kontrollieren, besteht darin, sie von der KATALLAXIE des politischen Marktes abhängig zu machen. Der Begriff der Katallaxie wurde von Friedrich A. von Hayek geprägt, er bezeichnet die Herstellung einer spontanen Ordnung durch weit über einen Markt verstreute Akteure, die unabhängig von einander handeln. Eine politische Katallaxie gründet auf freiwilligen Handlungen unabhängiger Akteure, um eine politische Ordnung oder eine aggregierte gesellschaftliche “Handlung” herzustellen.
Übertragen auf die Frage einer Wehrpflicht bedeutet dies, die beste Möglichkeit zu vermeiden, dass unverantwortliche politische Akteure Kriege vom Zaum brechen, um ihre Mütchen zu kühlen und ihre Interessen in einem Spiel durchzusetzen, das sie zumeist ohne Gefahr für das eigene Leben spielen, besteht darin, die Entscheidung, ob ein Bürger an einem Krieg teilnehmen will, ihm selbst zu überlassen.
Wenn sich eine Gesellschaft einem kriegerischen Angriff durch einen anderen “Staat” ausgesetzt sieht, dann werden diejenigen, die ihrer Gesellschaft und den sie politisch repräsentierenden Staat einen Wert zuweisen, diese Gesellschaft verteidigen. Tun sie es nicht, dann ist offensichtlich aus ihrer Sicht nichts vorhanden, das es wert wäre, verteidigt zu werden.
Diese simple Beschreibung hat eine Reihe weitreichender Konsequenzen, denn:
Politische Positionsinhaber tun gut daran, eine Gesellschaft zu schaffen, die die Mehrzahl ihrer Bürger als eine, die man verteidigen muss und will, ansehen, die sie verteidigen wollen, weil sie (1) ihr Leben in Gefahr sehen und (2) der Ansicht sind, dass das, was sie verteidigen, besser ist, als das, was feindliche Akteure an seine Stelle setzen wollen.
Politische Positionsinhaber, die auf die Mitwirkung der Mehrheit ihrer Bevölkerung angewiesen sind, werden Politiken vermeiden, die der Mehrheit der Bevölkerung Kosten auferlegen, sie schädigen, die auf Ideologie, nicht auf Realität gebaut sind.
Bürger, die sich freiwillig zum Einsatz für „ihren Staat” einfinden, werden eine ungleich höhere Motivation aufweisen, als dies bei gezwungenen Bürgern der Fall ist.
Der Gefahr, dass Trittbrettfahrer sich vom Acker machen und nach einem Erfolg zurückkehren, um an der Verteilung des Überschusses teilzuhaben, ist leicht dadurch zu begegnen, dass “Kriegsteilnehmer” bevorzugt behandelt werden.
Eine Berufsarmee widerspricht dieser Argumentation nicht, denn ein Berufssoldat hat sich freiwillig zu einem potentiellen Kampfeinsatz bereit erklärt. Indes sollte der Einsatz einer Berufsarmee in einer kriegerischen Auseinandersetzung von einer Zustimmung der Bevölkerung abhängig gemacht werden, einmal mehr auf politischer Katallaxie begründet sein.
Die größte Gefahr für demokratische Regierungssysteme geht von Personen aus, die sich politische Positionen angeeignet haben und aus diesen Positionen heraus Interessen vertreten, die nicht mit den Interessen der Mehrheit der Bevölkerung vereinbar sind.
Dabei besteht generell die Gefahr, dass (ideologische) Eigeninteressen als eine Form des kollektiv Guten für die Gesellschaft ausgegeben werden. Die vorgeschlagene politische Katallaxie als eine Abstimmung mit den Füßen, verhindert den damit verbundenen Missbrauch, denn zwischen der Erfindung eines “kollektiven Guten”, dessen Existenz behauptet wird, um Bürger zu Handlungen zu verpflichten, die ihrem elementaren Ziel des Selbsterhalts widersprechen und einer freiwilligen Entscheidung vieler unabhängiger Bürger sich zu den entsprechenden Handlungen bereitzufinden und auf diese Weise ein kollektives Gut herzustellen, besteht ein riesiger Unterschied, der sich vor allem darin niederschlägt, dass die politische Katallaxie den Missbrauch politischer Positionen und den Versuch, andere in Kriege zu treiben, weitgehend unmöglich macht.
Damit ist ein Individualismus beschrieben und mithin die einzige Möglichkeit, den Missbrauch kollektiver Positionen und vor allem die damit häufig einhergehenden Übergriffe auf individuelle Agency / Handlungsfreiheit, die Selbstbestimmung von Individuen, zu verhindern.
Zugleich ist eine wirkungsvolle Methode beschrieben, um jeden Versuch politischer Akteure, Meinungsfreiheit zu begrenzen, im Keim zu ersticken. Aber das ist ein anderer Post.
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Wie hat es Robert A. Heinlein so schön formuliert? »Ein Staat, der seine Bürger zwingen muß, ihn zu verteidigen, ist es nicht wert, verteidigt zu werden!«
Herr Klein, Ihren Ausführungen ist sonst nichts weiter hinzuzufügen!
Solange ein russischer Aggressor und Kriegstreiber wie Putin regelmässig den freien Westen und die Nato bedroht und mit dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen ein voll souveränes Land wie die Ukraine nicht aufhört, hat der freie Westen, die Demokratie und auch gerade Deutschland die Aufgabe, diesem Kriegstreiber und Faschisten alles entgegenzusetzen, was nötig ist. Weer das nicht erkennt, dem ist nicht mehr zu helfen.
Wer ist dieser Akteur „Deutschland“, der die Aufgabe hat, „diesem Kriegstreiber und Faschisten alles entgegenzusetzen“?
Und wenn ich nicht einsehe, dass man diesem „Kriegstreiber und Faschisten“ in Ihrer Wertung „alles entegenzusetzen“ hat, weil ich ihre pseud-göttliche Instanz, die das dekretiert nicht anerkenne, was dann: Wollen Sie mich dazu zwingen? Mich erschießen, weil ich anderer Meinung bin und wenn ja, wo unterscheiden Sie sich dann noch von diesem „Kriegstreiber und Faschisten“ Putin?
Zum großen Teil richtig, aber Sie haben einen Faktor ausgelassen: in einer Volksarmee, die auf die Dauer nur mit der Wehrpflicht erhalten bleiben, finden sich alle Persönlichkeitsstrukturen ein, die es in der Menschheit gibt. In den Feinheiten ist die Verteilung zufällig, aber je größer die Armee ist, desto sicherer gibt es dort immer etwa dieselben Anteile unterschiedlicher Persönlichkeiten, und die große Mehrheit der Männer ist psychisch und sozial soweit gesund, dass sie nicht gefährlich wird. Anders zusammengesetzt ist eine Berufsarmee. In ihr dienen zuerst nur einige, später sogar dann, wenn alle Soldaten zur selben Ethnie oder Nation gehören, zu über 90% Söldnertypen. Ein Söldner ist mutig, und damit sind seine guten Eigenschaften aufgezählt. Ein Söldner kämpft ein bisschen für seinen vorgesetzten Offizier, den er persönlich mag, also nicht, weil er Sinn für den Aufbau einer Gesellschaft oder Teilgesellschaft hätte. Ein Söldner kämpft im Wesentlichen für seine eigenen Interessen, die gerne auch kriminell sein dürfen. Kurz gesagt, eine Söldnerarmee ist weit gefährlicher als eine Volksarmee.
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Zu den dauerhaften Nachteilen der Staaten gehören ihre Armeen. Ein Staat, der keine starke Armee und keinen Schutz durch die Armee eines stärkeren Staates besitzt, dessen Vasall der erstgenannte Staat ist, wird nach kürzester Zeit überrannt, geplündert und an den Staat der angreifenden Armee angeschlossen. Spätestens nach ein paar Generationen dienen die jungen Männer des zeitweise entmilitarisierten und damit entstaatlichten Gebietes für den Staat, der ihre Gegend übernommen hat. Ohne Militär – gegebenenfalls in einem Verteidigungsbündnis – ist keine dauerhafte, schützende Institution „Staat“ möglich. Staaten sind entstanden, weil die Notwendigkeit besteht, die Zivilbevölkerung zu schützen; erst wenn dieser Schutz einigermaßen stabil ist, werden rechtliche und infrastrukturelle Staatsaufgaben überhaupt möglich. Staaten existieren nur solange, wie sie diesen Schutz übernehmen und übernehmen können, ob allein oder zusammen mit verbündeten Staaten. Eine groteske Hippiegemeinde wie Deutschland seit 2015 kann sich trotz der Mitgliedschaft in einem starken Bündnis nicht mehr verteidigen und wird von Invasoren übernommen.
Ich denke Armeen sind vor allem entstanden um den Machterhalt der jeweils Herrschenden sicherzustellen.
Die Zivilbevölkerung ist vielleicht als Ressource interessant, steht aber bestimmt nicht besonders hoch auf der Prioritätenliste.
Für besonders problematisch halte ich aus eigener Erfahrung beim Militär, dass es sich zu großen Teilen um Blasenbewohner handelt.
Das hat dramatische Auswirkungen auf die Wahrnehmung der Realität. Das kann auch eine Wehrpflicht nicht verhindern, denn die, die von außen zuströmen haben nix zu melden.
„Die allgemeine Wehrpflicht und das Christentum sind unvereinbare Dinge.“
„Was die Kirche als Christi Lehren predigt, ist nicht Christi Lehre. Christus hat nie an eine Organisation gedacht, wie es die Kirche ist, und nie mystischer Behelfe bedurft. Was er lehrt, ist dazu bestimmt, ein Zusammenleben der Menschen herzustellen, in dem die Gesamtheit wie der Einzelne das höchste Maß von Glückseligkeit genießt. Von diesem Ziel ist das von Fürsten und Priestern aus Herrschsucht geschaffene Christentum ganz und gar abgewichen. Christi Lehre ist in ihr Gegenteil verkehrt. Überall herrscht die Gewalt, während Christi erste und höchste Lehre die Verleugnung aller Gewalt ist. (…) Kein Christ dürfte einen Eid leisten, denn die reine Lehre des Evangeliums verbietet jeden Eid. Vor allem aber dürfte niemand (…) einem Herrscher den Eid der Treue leisten und sich unter das Joch der allgemeinen Wehrpflicht beugen. Denn was bedeutet die allgemeine Wehrpflicht? Sie bedeutet nichts anderes, als daß der Mensch durch den einmal geleisteten Eid sich zum Gehorsam gegen jedes Wort des Befehlshabers verpflichtet, und forderte es von ihm auch das Schlimmste. Das aber darf kein Christ thun. Die allgemeine Wehrpflicht und das Christentum sind unvereinbare Dinge.“ Raphael Löwenfeld, Einführung in: Leo N. Tolstoi: Das Reich Gottes ist in Euch oder: Das Christentum als eine neue Lebensauffassung, nicht als mystische Lehre (Christi Lehre und die Allgemeine Wehrpflicht). Tolstoi Friedensbibliothek Norderstedt 2023 Seite 13, 14
Und hier spricht Tolstoi jeden Leser direkt an:
„Und gerade dadurch, daß andere ebenso klägliche, verirrte Menschen wie du, dir versichert haben, du seiest Soldat, Kaiser, Gutsbesitzer, Kapitalist, Priester, General, beginnst du das Uebel, das unzweifelhaft deiner Vernunft und deinem Herzen widerspricht, einleuchtend zu machen:
du beginnst zu züchtigen, zu plündern, die Menschen zu töten, dein Leben aufzubauen auf den Leiden der anderen, und vor allem, anstatt das einzige Werk deines Lebens zu erfüllen, die dir bekannte Wahrheit anzuerkennen und zu bekennen, gibst du dir Mühe zu heucheln, du kennest sie nicht, verbirgst sie dir und anderen und thust damit, was geradewegs dem einzigen Werk widerspricht, zu dem du berufen bist.
Und unter welchen Umständen thust du das? Du, der du jeden Augenblick sterben kannst, unterschreibst ein Todesurteil, kündigst Krieg an, ziehst in den Krieg, richtest, peinigst, beraubest die Arbeiter, schwelgest inmitten von Bettlern und lehrst den schwachen Menschen, die dir glauben, es müsse das alles so sein, darin liege die Pflicht der Menschen, und du läufst dadurch Gefahr, daß in demselben Augenblick, wo du dies thust, eine Bakterie oder eine Kugel dich erfaßt, du röchelst und hinstirbst und in alle Ewigkeit die Möglichkeit verlierst, das Uebel gut zu machen und zu ändern, das du anderen und vor allem dir selbst zugefügt hast, indem du unnütz das Leben verloren hast, das dir einmal in der ganzen Ewigkeit gegeben war, da du in ihm nicht das eine gethan hast, was du unzweifelhaft hättest thun müssen.“ (a.a.O, S. 349, 350)
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Herr Klein, Ihren Ausführungen ist sonst nichts weiter hinzuzufügen!
Solange ein russischer Aggressor und Kriegstreiber wie Putin regelmässig den freien Westen und die Nato bedroht und mit dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen ein voll souveränes Land wie die Ukraine nicht aufhört, hat der freie Westen, die Demokratie und auch gerade Deutschland die Aufgabe, diesem Kriegstreiber und Faschisten alles entgegenzusetzen, was nötig ist. Weer das nicht erkennt, dem ist nicht mehr zu helfen.
Wer ist dieser Akteur „Deutschland“, der die Aufgabe hat, „diesem Kriegstreiber und Faschisten alles entgegenzusetzen“?
Und wenn ich nicht einsehe, dass man diesem „Kriegstreiber und Faschisten“ in Ihrer Wertung „alles entegenzusetzen“ hat, weil ich ihre pseud-göttliche Instanz, die das dekretiert nicht anerkenne, was dann: Wollen Sie mich dazu zwingen? Mich erschießen, weil ich anderer Meinung bin und wenn ja, wo unterscheiden Sie sich dann noch von diesem „Kriegstreiber und Faschisten“ Putin?
Zum großen Teil richtig, aber Sie haben einen Faktor ausgelassen: in einer Volksarmee, die auf die Dauer nur mit der Wehrpflicht erhalten bleiben, finden sich alle Persönlichkeitsstrukturen ein, die es in der Menschheit gibt. In den Feinheiten ist die Verteilung zufällig, aber je größer die Armee ist, desto sicherer gibt es dort immer etwa dieselben Anteile unterschiedlicher Persönlichkeiten, und die große Mehrheit der Männer ist psychisch und sozial soweit gesund, dass sie nicht gefährlich wird. Anders zusammengesetzt ist eine Berufsarmee. In ihr dienen zuerst nur einige, später sogar dann, wenn alle Soldaten zur selben Ethnie oder Nation gehören, zu über 90% Söldnertypen. Ein Söldner ist mutig, und damit sind seine guten Eigenschaften aufgezählt. Ein Söldner kämpft ein bisschen für seinen vorgesetzten Offizier, den er persönlich mag, also nicht, weil er Sinn für den Aufbau einer Gesellschaft oder Teilgesellschaft hätte. Ein Söldner kämpft im Wesentlichen für seine eigenen Interessen, die gerne auch kriminell sein dürfen. Kurz gesagt, eine Söldnerarmee ist weit gefährlicher als eine Volksarmee.
–
Zu den dauerhaften Nachteilen der Staaten gehören ihre Armeen. Ein Staat, der keine starke Armee und keinen Schutz durch die Armee eines stärkeren Staates besitzt, dessen Vasall der erstgenannte Staat ist, wird nach kürzester Zeit überrannt, geplündert und an den Staat der angreifenden Armee angeschlossen. Spätestens nach ein paar Generationen dienen die jungen Männer des zeitweise entmilitarisierten und damit entstaatlichten Gebietes für den Staat, der ihre Gegend übernommen hat. Ohne Militär – gegebenenfalls in einem Verteidigungsbündnis – ist keine dauerhafte, schützende Institution „Staat“ möglich. Staaten sind entstanden, weil die Notwendigkeit besteht, die Zivilbevölkerung zu schützen; erst wenn dieser Schutz einigermaßen stabil ist, werden rechtliche und infrastrukturelle Staatsaufgaben überhaupt möglich. Staaten existieren nur solange, wie sie diesen Schutz übernehmen und übernehmen können, ob allein oder zusammen mit verbündeten Staaten. Eine groteske Hippiegemeinde wie Deutschland seit 2015 kann sich trotz der Mitgliedschaft in einem starken Bündnis nicht mehr verteidigen und wird von Invasoren übernommen.
Ich denke Armeen sind vor allem entstanden um den Machterhalt der jeweils Herrschenden sicherzustellen.
Die Zivilbevölkerung ist vielleicht als Ressource interessant, steht aber bestimmt nicht besonders hoch auf der Prioritätenliste.
Für besonders problematisch halte ich aus eigener Erfahrung beim Militär, dass es sich zu großen Teilen um Blasenbewohner handelt.
Das hat dramatische Auswirkungen auf die Wahrnehmung der Realität. Das kann auch eine Wehrpflicht nicht verhindern, denn die, die von außen zuströmen haben nix zu melden.
„Die allgemeine Wehrpflicht und das Christentum sind unvereinbare Dinge.“
„Was die Kirche als Christi Lehren predigt, ist nicht Christi Lehre. Christus hat nie an eine Organisation gedacht, wie es die Kirche ist, und nie mystischer Behelfe bedurft. Was er lehrt, ist dazu bestimmt, ein Zusammenleben der Menschen herzustellen, in dem die Gesamtheit wie der Einzelne das höchste Maß von Glückseligkeit genießt. Von diesem Ziel ist das von Fürsten und Priestern aus Herrschsucht geschaffene Christentum ganz und gar abgewichen. Christi Lehre ist in ihr Gegenteil verkehrt. Überall herrscht die Gewalt, während Christi erste und höchste Lehre die Verleugnung aller Gewalt ist. (…) Kein Christ dürfte einen Eid leisten, denn die reine Lehre des Evangeliums verbietet jeden Eid. Vor allem aber dürfte niemand (…) einem Herrscher den Eid der Treue leisten und sich unter das Joch der allgemeinen Wehrpflicht beugen. Denn was bedeutet die allgemeine Wehrpflicht? Sie bedeutet nichts anderes, als daß der Mensch durch den einmal geleisteten Eid sich zum Gehorsam gegen jedes Wort des Befehlshabers verpflichtet, und forderte es von ihm auch das Schlimmste. Das aber darf kein Christ thun. Die allgemeine Wehrpflicht und das Christentum sind unvereinbare Dinge.“ Raphael Löwenfeld, Einführung in: Leo N. Tolstoi: Das Reich Gottes ist in Euch oder: Das Christentum als eine neue Lebensauffassung, nicht als mystische Lehre (Christi Lehre und die Allgemeine Wehrpflicht). Tolstoi Friedensbibliothek Norderstedt 2023 Seite 13, 14
Und hier spricht Tolstoi jeden Leser direkt an:
„Und gerade dadurch, daß andere ebenso klägliche, verirrte Menschen wie du, dir versichert haben, du seiest Soldat, Kaiser, Gutsbesitzer, Kapitalist, Priester, General, beginnst du das Uebel, das unzweifelhaft deiner Vernunft und deinem Herzen widerspricht, einleuchtend zu machen:
du beginnst zu züchtigen, zu plündern, die Menschen zu töten, dein Leben aufzubauen auf den Leiden der anderen, und vor allem, anstatt das einzige Werk deines Lebens zu erfüllen, die dir bekannte Wahrheit anzuerkennen und zu bekennen, gibst du dir Mühe zu heucheln, du kennest sie nicht, verbirgst sie dir und anderen und thust damit, was geradewegs dem einzigen Werk widerspricht, zu dem du berufen bist.
Und unter welchen Umständen thust du das? Du, der du jeden Augenblick sterben kannst, unterschreibst ein Todesurteil, kündigst Krieg an, ziehst in den Krieg, richtest, peinigst, beraubest die Arbeiter, schwelgest inmitten von Bettlern und lehrst den schwachen Menschen, die dir glauben, es müsse das alles so sein, darin liege die Pflicht der Menschen, und du läufst dadurch Gefahr, daß in demselben Augenblick, wo du dies thust, eine Bakterie oder eine Kugel dich erfaßt, du röchelst und hinstirbst und in alle Ewigkeit die Möglichkeit verlierst, das Uebel gut zu machen und zu ändern, das du anderen und vor allem dir selbst zugefügt hast, indem du unnütz das Leben verloren hast, das dir einmal in der ganzen Ewigkeit gegeben war, da du in ihm nicht das eine gethan hast, was du unzweifelhaft hättest thun müssen.“ (a.a.O, S. 349, 350)