Frieren, in den eigenen vier Wändern frieren, das ist wohl das Schlimmste, was einem in nördlichen Breiten widerfahren kann. Wärme, die Möglichkeit, sich im Warmen aufzuhalten, war eine der Errungenschaften moderner Zivilisation. Europäische Union und nationale Regierungen, allen voran die von Friedrich Merz, einem Kanzler, der mehr an Krieg als an Versorgungssicherheit der eigenen Bevölkerung interessiert zu sein scheint, sind dabei, diese Errungenschaft zu beseitigen.
Abbildungen wie die folgende, die wir aus dem Energy-Dashboard der Schweizerischen Eidgenossenschaft geholt haben, sind dem ein oder anderen bereits begegnet:
Der Füllstand deutscher Gasspeicher ist so niedrig wie lange nicht: Zum offiziellen Beginn der Heizperiode am 1. November waren die deutschen Gasspeicher zu rund 61,3% gefüllt. Ein heftiger Unterschied zu den entsprechenden Füllständen der Vorjahre: 99,5% (2023), 98,0% (2024), 75,0% (2025) und nun 61.3% (2026). Um die Dramatik der politischen Entscheidung, Gasspeicher nicht in ausreichender Menge zu füllen, zu verstehen, muss man vorne, bei Gasspeichern anfangen.
Gasspeicher sind keine oberirdischen Anlagen, sondern unterirdische Reservoirs, die es im Wesentlichen in zwei Formen, als Porenspeicher und als Kavernenspeicher gibt. Porenspeicher nutzen ehemalige Erdgas- oder Erölvorkommen, die ausgepumpt wurden oder wasserführende Sandsteinschichten um Gas mit hohem Druck in die kleinen Gesteinsporen zu pressen. Porenspeicher ähneln einem gigantischen unterirdischen Schwamm. Kavernenspeicher sind oft hundert Meter und mehr hohe zylindrische Hohlräume, die mit Wasser ausgespült wurden, sie ähneln einer gigantischen unterirdischen Gasflasche.
Die Gasbestände in diesen Speichern bestehen im Wesentlichen aus Kissengas und aus Arbeitsgas. Letzteres ist zur Verwendung, ersteres, um den Druck, der notwendig ist, um das Arbeitsgas aus dem Speicher herausholen zu können, von Wichtigkeit. Die Anteile von notwendigem Kissengas am gesamten Gas im Speicher schwanken zwischen 20% bis 30% für Kavernenspeicher und erreichen 50% bei Porenspeichern. Abbildungen wie die oben gezeigte, beziehen sich auf Arbeitsgas, also den Teil im Speicher, den man verwenden kann, indes, die physikalischen Gesetze, die einen Gasspeicherbetrieb unter Nutzung von Kissengas beherrschen, sie gelten auch für Arbeitsgas und das hat erhebliche Konsequenzen für die Verfügbarkeit von Arbeitsgas.
Wenn Sie zu denen gehören, die Ketchup aus diesen bescheuerten Plastikflaschen zu quetschen versuchen, dann wissen Sie, dass mit abnehmender Menge von Ketchup in der Flasche, der Druck, der entfaltet werden muss, um das Zeug auf was auch immer zu pressen, erhöht werden muss. Mit Gasspeichern ist das so ähnlich. Von 100% bis rund 40% Füllhöhe funktioniert die Gasentnahme wie am Schnürchen, das Gas strömt aus, das Kissengas wirkt wie eine Kompressionsfeder und verhindert Leistungsabfall.
Ab einer Füllhöhe von 40% wird es dann problematisch. Der Druck lässt nach, die maximale Leistung pro Tag, die in Deutschland bei rund 10 TWh liegt, wird nicht mehr erreicht. Vor allem Porenspeicher verlieren an Fließgeschwindigkeit und machen es erforderlich, dass oberirdische Kompressoren zugeschaltet werden, um das Gas aus dem Speicher zu saugen.
Bei Unterschreiten von 20% Füllhöhe in einem Gasspeicher geht die Kapazität eines Gasspeichers massiv in die Knie. Der Innendruck nähert sich dem Druck des Kissengases, die Entnahme bricht auf weniger als ein Drittel der ursprünglichen Kapazität ein. Bedarf, den zu decken, bei Füllständen jenseits von 40% kein Problem darstellt, kann nicht mehr rechtzeitig gedeckt werden.
Der Bedarf, um den es hier geht, betrifft alle, die im Winter im Warmen sitzen wollen.
Rund 50% der deutschen Haushalte heizen mit Gas, rund 40% des Gasverbrauchs geht in Heizung und Dusche. Der nächstgrößte Abnehmer von Gas ist die Industrie, Unternehmen, die Glas schmelzen, Stahl härten oder Aluminium verarbeiten. Sie benötigen hohe Temperaturen, die man nur mit fossilen Brennstoffen, im Wesentlichen Gas erreichen kann. Es folgen Industrieunternehmen, für die Gas ein Rohstoff ist, aus dem sie Kunststoff, Medikamente oder Düngemittel herstellen. Schließlich ist Gas elementarer Bestandteil für Fernwärme.
Kälte, das sei an dieser Stelle eingeschoben, ist um ein vielfaches gefährlicher als Hitze. Die Anzahl der Kältetoten liegt in der Regel um ein Vielfaches über der Anzahl der Hitzetoten, und während Letztere in Tausenden herbeimodelliert werden, um Angst und Schrecken vor einem eingebildeten und angeblich von Menschen verursachten Klimawandel zu verbreiten, ist die reale Gefahr, die von KÄLTE ausgeht, kein Thema für Medien und eines, das mit wenigen Ausnahmen keinen Niederschlag in der Forschung gefunden hat. Eine dieser Ausnahmen sind:
Gasparrini, Antonio, Yuming Guo, Masahiro Hashizume, Eric Lavigne, Antonella Zanobetti, Joel Schwartz, Aurelio Tobias et al. (2015). Mortality risk attributable to high and low ambient temperature: a multicountry observational study.“ The lancet 386(9991): 369-375.
Die Autoren haben für 384 Orte von Australien über Südkorea, Spanien bis ins Vereinigte Königreich und die USA Temperaturdaten und Sterbedaten gesammelt und auf Basis von Poison-Modellen für Zeitreihen, also per Regressionsanalyse berechnet, welchen Effekt kalte Tage und warme Tage auf die Sterblichkeit an den entsprechenden Orten haben. Das Ergebnis ist eindeutig:
Quelle: Gasparrini et al. (2015).
7,7% der Gesamtsterblichkeit in den berücksichtigten Ländern ist auf die Temperaturen zurückzuführen, 7,29% auf Kälte, 0,42% auf Hitze. Die Mortalität, die durch Kälte verursacht wird, ist somit um das 17fache höher als die Mortalität, die auf Hitze zurückzuführen ist. Selbst in warmen Ländern wie Australien, Brasilien, Spanien oder Italien ist das Verhältnis eindeutig: Kälte ist ein größerer Killer als Hitze. Indes, die Kampagnen, die im Winter vor den Gefahren kalten Wetters warnen, in denen Menschen Ratschläge darüber erteilt werden, wie sie sich im Winter warmhalten und vermeiden, dass sie an Atemwegserkrankungen oder Herzkreislauferkrankungen versterben, sie sind nicht ansatzweise in dem Ausmaß und getragen von der Hysterie zu finden, wie das bei der Hitzeberichterstattung der Fall ist – sofern es sie überhaupt gibt.
Das sind bekannte, wenn auch nur von Mutigen erforschte Zusammenhänge. Eine Regierung, die in Kauf nimmt, dass große Teile der eigenen Bevölkerung im Winter in Kälte leben, nimmt deren Tod billigend in Kauf.
Zurück zum Gasspeicher.
Ein typischer Wintertag sieht in Deutschland so aus:
~ 1.500 GWh Gas werden aus Norwegen und über eine Pipeline importiert;
~ 800 GWh Gas werden über LNG-Terminals z.B. in Wilhelmshaven oder Brunsbüttel bereitgestellt;
~ 400 GWh Gas werden über eine Pipeline aus den Niederlanden und Belgien importiert;
~ 100 GWh Gas werden über inländische Förderung generiert.
Das macht 2.800 GWh Gas zum Verbrauch pro Tag.
Der Verbrauch an einem normalen Wintertag sieht so aus:
1.800 GWh Gas gehen an private Haushalte und Gewerbe;
1.100 GWh Gas werden von der Industrie, im Wesentlichen für Prozesswärme nachgefragt;
600 GWh Gas gehen an Gaskraftwerke um Strom und Fernwärme zu erzeugen.
Das macht einen Gesamtverbrauch von 3.500 GWh, also 700 GWh mehr als importiert bzw. gefördert. Die Differenz wird aus den Gasspeichern gedeckt.
Stellt sich eine Dunkelflaute ein oder, generell gesprochen, bleibt die Stromproduktion von Solar- und Windparks unter 10% ihrer Nennleistung, was recht häufig der Fall ist, dann springt der Gasbedarf von Gaskraftwerken, die nun den Strom erzeugen müssen, den Wind und Sonne nicht liefern können, von 600 GWh auf 1.500 GWh. Ist es zudem kalt, steigt der Gas-Verbrauch privater Haushalte, die mehr heizen müssen. Posten 1 klettert von 1.800 GWh auf 2.300 GWh. Die Nachfrage pendelt bei 4.900 GWh pro Tag. Die Differenz von 2.100 GWh wird aus Speichern gedeckt.
Angesichts des Gesagten ist es mehr als deutlich, dass die Frage, ob die Gasspeicher, die zu 61% gefüllt sind, ausreichen werden, um die Deutschen über den Winter warm zu halten oder ob sie leerlaufen und viele Deutsche einen der ersten Winter seit der Nachkriegszeit der späten 1940er Jahre im Kalten werden zubringen müssen, eine Frage ist, die sich auf Basis der Forsttage und auf Basis der physikalischen Grenzen, an die Gasspeicher stoßen, wenn bestimmte Füllstände unterschritten werden, beantwortet werden muss.
Wir haben vor diesem Hintergrund vier Szenarien berechnet, die allesamt von mehr Frosttagen als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre ausgehen. Der Durchschnitt liegt bei 45 Tagen unter Null Grad Celsius, unser erstes Szenario nimmt 15%, das zweite 25% mehr Frosttage also 52 Tage und 56 Tage an. Das entspricht einem Tagesmehrbedarf von 12,6 TWh (15%) und 19,8 TWh (25%). Rein rechnerisch reichen die Speicher in beiden Fällen, um die Nachfrage zu decken.
Indes, es gibt einen Unterschied zwischen einer rechnerischen Unterdeckung und der physikalischen Unterdeckung, die auf das rekurriert, was oben bereits ausgeführt wurde: Mit sinkender Füllhöhe geht die Leistung der Gasspeicher zurück, die Fließgeschwindigkeit sinkt und die Leistung lässt deutlich nach (gut 20% weniger Leistung ab weniger als 40% Füllhöhe, weniger als 30% Leistung ab Unterschreitung von 20% Füllhöhe). Mit anderen Worten: Vorhandener Bedarf kann nicht mehr gedeckt werden. Das Netz bricht zusammen.
Das alles wirkt sich auf die Wahrscheinlichkeit aus, dass die Versorgung zusammenbricht, die Nachfrage nach Gas nicht mehr gedeckt werden kann, die Bundesnetzagentur den Schritt vollziehen muss, der aller Welt deutlich macht, dass Deutschland zum Entwicklungsland degeneriert ist, heruntergewirtschaftet wurde: Gas Rationierung.
Wie hoch die Wahrscheinlichkeit dafür ist, haben wir zudem für den eher wahrscheinlichen Fall berechnet, dass 7 bzw. 14 Tage im Winter hinzukommen, an denen Solar- und Windparks weniger als 10% ihrer Nennleistung produzieren, ausgehend von einem Szenario, in dem 15% mehr Frosttage als im Durchschnitt der letzten Jahre angenommen werden.
Das Ergebnis sieht so aus:
Dass die Gasspeicher in Bereiche verringerter Leistungsfähigkeit gelangen werden, das ist sicher. In allen Szenarien ist ein Füllstand von weniger als 20% wahrscheinlich, wenn nicht sicher. Die dadurch verursachten Probleme, die physikalischen Grenzen, an die Gasspeicher stoßen, sorgen dafür, dass die Wahrscheinlichkeit, einer physikalischen Unterdeckung, die über Rationierung nicht mehr aufgefangen werden kann, zwischen 35% und 75% für unsere beiden Frosttage Szenarien (+15% und +25%) variiert. Kommen nun noch Tage hinzu, an denen weder Wind noch Sonne bereit sind, die Versorgung Deutschlands mit Strom zu übernehmen, dann steigt die Wahrscheinlichkeit eines Kollapses der Gasversorgung auf 60% bzw. 85% nur im Szenario mit 15% mehr Frosttagen.
Ziehen Sie sich warm an.
Sicher, die ganze Berechnung hängt an der Anzahl der Frosttage und der Super El-Nino, der derzeit unterwegs ist, soll dafür sorgen, dass das Jahresende 2026 nass und stürmisch aber nicht extrem kalt wird. Stimmt. Aber der El-Nino geht nicht mit ins Neue Jahr. Er endet und nach vielen Prognosen kommt der Winter dann mit Macht, und er kommt zu einer Zeit, zu der die Gasspeicher ohnehin die 40% Füllhöhe längst unterschritten haben und damit nicht mehr voll leistungsfähig sind. Ergo wird sich der kalte Hintern mit hoher Wahrscheinlichkeit im Februar in den Kalenderwochen 6 bis 8 einstellen:
Gas-Rationierung ist in diesem Winter mehr oder weniger eine Gewissheit.
Dass man überhaupt über derartige Dinge wie Rationierung, die ein Entwicklungsland auszeichnen, sprechen muss, das verdanken wir der idiotischsten Energiepolitik, die man sich denken kann, einer entweder böswillig und absichtlich betriebenen maximalen Schadenspolitik, die zu De-Industrialisierung und maximaler Zahl von Kältetoten führen soll oder einer in ideologischer Verblödung betriebenen Politik, wie sie nur Leute betreiben können, deren IQ irgendwo zwischen Debilität und 80 rangiert.
Was darf es sein?
Dass immer mehr Regierungschefs, die den kommenden Winter der kalten Hintern zu verantworten haben, ihr Heil in „Krieg“ suchen, um „Putin“ und „Russland“ dann die Schuld für die eigene Unfähigkeit geben zu können, ist kein Wunder – oder?
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Der Gauckler sagte doch vor einiger Zeit: #Für unsere Werte können wir auch mal frieren.# Wohlan.