Der folgende Beitrag fand sich vor wenigen Tagen im Reutlinger Anzeiger:
Darin heißt es:
„REUTLINGEN-BRONNWEILER. Die Spatzen pfiffen es schon länger leise von den Bäumen. Nun ist es amtlich: Auf dem Käpfle bei Bronnweiler weht zu wenig Wind. »Die einjährige Messung hat ergeben, dass das Windaufkommen für einen wirtschaftlichen Betrieb moderner Windenergieanlagen nicht ausreicht«, heißt es in einer Pressemitteilung aus dem Reutlinger Rathaus. Danach haben die Städte Reutlingen und Pfullingen und die projektierende Schöller SI Erneuerbare die Ergebnisse gemeinsam bewertet – mit dem Ergebnis, dass das Projekt mit vier Rädern auf der Vorrangfläche RT-TÜ-01 unter den gegebenen Rahmenbedingungen nicht sinnvoll ist und nicht weiterverfolgt werden kann.“
Auf RTF1 ist als Grund dafür, dass der Windpark nicht gebaut wird, zu lesen:
„Die einjährige Windmessung habe ergeben, dass das Windaufkommen für einen wirtschaftlichen Betrieb moderner Windenergieanlagen nicht ausreiche, so die Begründung. Die gemessene mittlere Windgeschwindigkeit lag deutlich unter den Werten des Windatlas Baden-Württemberg.“
Ahlborn, Saur und Thorwart haben für den Windatlas, den das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes Baden-Württermberg 2019 veröffentlicht hat und der bis heute gültig ist, geprüft, ob die darin angegebenen Werte auch nur ansatzweise mit der Realität in Einklang zu bringen sind.
Ergebnis: Sie sind es nicht.
Tatsächliche Windgeschwindigkeiten, tatsächliche Windleistungsdichten und zwangsläufig tatsächliche Erträge werden um rund 30% ÜBERSCHÄTZT, wie Ahlborn, Saur und Thorwart für eine Reihe existierender Windparks in Baden-Württemberg, für die sie die Werte, die im Atlas genannt sind, mit dem, was vor Ort an Wind vorhanden ist und an Ertrag durch die Windturbinen realisiert werden kann, verglichen haben. In allen Fällen blieb die Realität sehr weit hinter dem zurück, was die politisch Verantwortlichen in ihrem Windatlas als realisierbar verkündet haben.
“Zusammenfassend halten wir fest, dass die im Windatlas prognostizierten Erträge um ca. 30 % überschätzt werden. Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse ergeben sich große Zweifel an der Verwendung des Windatlas Baden-Württemberg 2019 als verlässliche Planungsgrundlage für die Energieversorgung einer der großen Wirtschaftsregionen in Europa.” (Ahlborn, Saur & Thorwart, 2023)
Diese Feststellung hat sich als korrekt erwiesen, denn auch die LIDAR-Messungen, die ein Jahr lang am geplanten Windpark „Auf dem Käpfle“ bei Reutlingen durchgeführt wurden, haben lausige Windgeschwindigkeiten ergeben, die offenkundig deutlich unter den Windgeschwindigkeiten von 5,4 m/s bis 5,8 m/s liegen, die im Windatlas für diese Region verzeichnet sind.
Das hat Folgen für die ganze Region und bestätigt unsere Analysen, denn:
Der Windpark, der gestrichen wurde, weil man Windparks ohne ausreichenden Wind nicht wirtschaftlich betreiben kann, liegt in unmittelbarer Nähe zu den geplanten Windparks „Im Rammert“ und im Steinlachtal. Beide Windparks haben wir auf Wirtschaftlichkeit geprüft und für beide Windparks sind wir zu dem Ergebnis gelangt, dass ein wirtschaftlicher Betrieb mangels Wind nicht möglich ist, am Ende von 20 Betriebsjahren somit ein Verlust im doppelstelligen Millionenbereich steht.
Es ist immer eine feine Sache, wenn die eigene Arbeit extern validiert wird.
Die beiden geplanten Windparks im Rammert und im Steinlachtal teilen mit dem Windpark, der gerade gestrichen wurde, das, was für Windparks entscheidend ist: Sie liegen in einem windarmen Gebiet, und unterscheiden sich im Hinblick auf die durchschnittlich herrschenden Windgeschwindigkeiten nicht. Der geplante Windpark „Im Rammert“ ist rund 7,5 Kilometer vom gescheiterten Windparkprojekt „auf dem Käpfle“ entfernt, der, mit dem das Steinlachtal verschandelt werden soll, rund 5,6 Kilometer. In dieser Entfernung werden sich Windgeschwindigkeiten nicht gundlegend verändern, eine Einschätzung, die der bereits zitierte Windatlas mit identischen Windstärke-Bändern für die drei Standorte bestätigt.
Dessen ungeachtet trotzt die Südwestpresse (offenkundig im Einklang mit den Verantwortlichen und im Gegensatz zu kritischem Journalismus) dem Aus für das Nachbarprojekt:
Wobei „trotzt“ hier mit Bedacht gewählt wurde, denn es wirkt wie der sprichwörtliche Trotz des Kleinkindes, das nicht akzeptieren will, dass es kein Bonbon mehr bekommt und entsprechend zu schreien beginnt und mit dem Fuß aufstampft. Dass man sich bei den Stadtwerken in Tübingen nicht wirklich sicher über die „Wirtschatflichkeit“ ist, zeigt sich schon daran, dass das Projekt in seinem Umfang um drei Windturbinen reduziert wurde . Das macht man nicht, weil die Anlage so lukrativ ist, eher, weil man retten will, was zu retten ist, quasi in der Annahme, dass weniger Windturbinen bei gleich wenig Wind wirtschaftlicher sind als mehr … Es gibt auch Grüne, die denken, man können eine Dunkelflaute mit mehr Solar- und Windparks bekämpfen. Nichts Verwunderliches hier also. Nur die übliche Idiotie.
Unsere Analyse, die zeigt, dass beide Windparks, der im Rammert und der im Steinlachtal NICHT wirtschaftlich sein werden, nach 20 Jahren Betrieb einen Verlust erwirtschaftet haben werden, basiert im übrigen auf den Windgeschwindigkeiten im Windatlas, und damit auf – wie die LIDAR-Messung auf dem Käpfle zeigt, zu hohen Windgeschwindigkeiten. Und selbst dann, ist die Anlage nicht rentabel, der Wind zu gering.
Aber das ist Realität, nicht Ideologie und in Deutschland herrscht Ideologie, wird Ideologie gegen Realität durchgesetzt.
Wenn Sie einen Windpark in ihrer Nähe haben oder einer in Ihrer Nähe geplant wird, dessen Wirtschaftlichkeit Sie gerne analysieren lassen wollen, dann schreiben Sie uns über das folgende Formular. Das Angebot ist unentgeltlich, aber natürlich haben wir keine Einwände, wenn Sie uns mit einer kleinen Spende (Wie? Siehe im Anschluss an diesen Post) dabei helfen, dieses und das Gesamtangebot von ScienceFiles (SciFi wird über Spenden finanziert) aufrecht zu erhalten und dem neuronalen Verschleiß, sowie dem Aufwand an Zeit und Nerven, der in diese Analysen fließt, Rechnung zu tragen.
Falls Sie unsere Arbeit unterstützen, und dafür sorgen wollen, dass bei ScienceFiles auch weiterhin das Rad rund läuft, dann kaufen Sie uns doch einen Kaffee:
Oder unterstützen Sie uns auf einem der folgenden Wege
Unser herzlicher Dank ist Ihnen sicher!
DENN: ScienceFiles lebt von Spenden.
Helfen Sie uns, ScienceFiles auf eine solide finanzielle Basis zu stellen, damit Sie uns auch morgen noch lesen können!Wir haben drei sichere Spendenmöglichkeiten:
Wir sehen, dass du dich in folgendem Land befindest: Vereinigte Staaten von Amerika (USA). Wir haben unsere Preise entsprechend auf US-Dollar aktualisiert, um dir ein besseres Einkaufserlebnis zu bieten. Stattdessen Euro verwenden.Ausblenden