Familiennachzug und Zuwanderung. Die Illusion der Sondierungsgespräche trifft die Wirklichkeit

Alle sprechen vom Familiennachzug, wir haben die Zahlen. Sie stammen aus einer kleinen Anfrage der FDP, in der u.a. nach der Anzahl der Anträge auf Familiennachzug gefragt wird. Die Antwort inklusive subtiler Zurechtweisung der Bundesregierung gibt an dieser Stelle die Anzahl der Anträge auf „Erteilung eines Visums zum Familiennachzug“ an. Demnach wurden 2015 81.052 derartige Anträge gestellt, 2016 waren es 115.095 und in der Zeit vom 1. Januar bis zum 30. September 2017 wurden bereits 103.915 Anträge auf ein Visum zum Familiennachzug gestellt.

Wir haben einmal zusammengesammelt, welche Informationen für einen Antrag auf Familiennachzug nebst zugehörigem Visa notwendig sind. Das Auswärtige Amt bietet auf einer eigens für syrische Flüchtlinge eingerichteten Website die Möglichkeit einer „Express-Application“, also die Möglichkeit, das Antragsverfahren zum Familiennachzug zu beschleunigen. Die nachfolgenden Screenshots zeigen den Online-Antrag in seinen einzelnen Stufen. Der eigentliche Antrag, mit dem ein nachziehendes Familienmitglied ein Visum beantragen muss, haben wir für Interessierte hier verlinkt. Der relevante Teil findet sich unter Punkt 9 und macht ein Kästchen aus.

Doch zurück zur Frage, wie viele Personen im Rahmen des Famliennachzugs in den Jahren 2015, 2016 und 2017 nach Deutschland gekommen sind. Die folgende Tabelle ist aus der Antwort der Bundesregierung auf die kleine Anfrage der FDP entnommen. In der Summe sind vom 1. Januar 2015 bis zum 30. November 2017 289.196 Personen über einen Familiennachzug nach Deutschland gewandert. 177.168 (61,3%) davon waren 18 und mehr Jahre alt.

Bekanntlich haben CDU, CSU und SPD in ihrem Sondierungspapier, dessen Status wohl mit als noch nicht widerrufen angegeben werden muss, Folgendes vereinbart:

„Bezogen auf die durchschnittlichen Zuwanderungszahlen, die Erfahrungen der letzten zwanzig Jahre sowie mit Blick auf die vereinbarten Maßnahmen und den unmittelbar steuerbaren Teil der Zuwanderung – das Grundrecht auf Asyl und die GFK bleiben unangetastet – stellen wir fest , dass die Zuwanderungszahlen (inklusive Kriegsflüchtlinge, vorübergehend Schutzberechtigte, Familiennachzügler, Relocation, Resettlement, abzüglich Rückführungen und freiwilligen Ausreisen künftiger Flüchtlinge und ohne Erwerbsmigration) die Spanne von jährlich 180 000 bis 220 000 nicht übersteigen werden.

Wir haben auf Grundlage der Daten aus der kleinen Anfrage der FDP und auf Grundlage von Daten, die das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge regelmäßig veröffentlicht, untersucht, wie realistisch eine Obergrenze von 220.000 Zuwanderern für 2018ff ist. Wie die folgende Abbildung zeigt, ist in die Obergrenze von 220.000 Zuwanderern in keinem Jahr seit 2015 eingehalten worden, wobei die Daten für 2017 nur bis zum 30. November 2017 reichen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass im Jahr 2018 eine entsprechende Obergrenze eingehalten werden kann, ist aus mehreren Gründen sehr gering. Zum einen waren zu Beginn des Jahres 2017 noch 385.665 Asylverfahren beim BAMF offen. Zum anderen steigt seit Jahren die Anzahl der abgelehnten Asylbewerber, für die ein Abschiebeverbot erlassen wurde. Schließlich hinkt die Anzahl der Anträge auf Familiennachzug erheblich hinter der Anzahl der anerkannten Asylbewerber hinterher, so dass man annehmen kann, dass deren Anzahl noch steigen wird.

Kurz: Die Sondierungsgespräche wurden offensichtlich dazu genutzt, eine Illusionen von der Zuwanderungs-Situation zu schaffen, die mit der Realität in keinerlei Zusammenhang steht.

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870.000 Flüchtlinge beziehen Hartz-IV: Arbeit für die meisten nicht in Sicht

Im Mai 2017 waren 870.000 Flüchtlinge aus Afghanistan, Eritrea, dem Irak, dem Iran, Nigeria, Pakistan; Somalia und Syrien Empfänger von Grundsicherungsleistungen nach SBG-II, rund 80% davon Syrer. Damit sind 14% der 6,1 Millionen Bezieher von Hartz-IV Flüchtlinge. So nachzulesen im neuesten IAB-Kurzbericht, der sich mit den Arbeitsmarktchancen von Flüchlingen beschäftigt.

Nach wie vor ist es das Ziel, die 870.000 Flüchtlinge, die derzeit in Hartz-IV geparkt sind, mit einer Arbeit zu versorgen. Welche Hindernisse einem derartigen Unterfagen im Weg stehen, das ist die Fragestellung des IAB-Berichts, den Sebastian Bähr, Jonas Beste und Claudia Wenzig erstellt haben.

Dazu greifen sie auf eine Stichprobe von 497 Flüchtlingen zurück, die SGB-II-Neuzugänge sind, wobei das mit dem Neuzugang nicht so wörtlich zu nehmen ist, denn der Neuzugang kann bereits im Sommer 2015 erfolgt sein. Für diese 497 Flüchtlinge haben die drei Autoren untersucht, welche Hindernisse ihrem Eintritt in den Arbeitsmarkt entgegenstehen. Die Stichprobe der drei Autoren ist insofern eine interessante Stichprobe als der Anteil der Flüchtlinge mit einem (Fach-)Hochschulabschluss mit 26,7% sehr hoch ist. Auch die Tatsache, dass 50,8% der Flüchtlinge in der Stichprobe von Bähr, Beste und Wenzig eine (Fach-)Hochschulreife erworben haben, ist interessant und weist die Stichprobe als eine aus, in der der Anteil der Flüchtlinge, die gute Chancen auf einen Arbeitsplatz haben sollten, überproportional hoch ist.

Dessen ungeachtet sind die Flüchtlnge überwiegend nicht erwerbstätig. 0,6% von ihnen gehen einer Vollzeitarbeit nach, 0,9% arbeiten in Teilzeit, 9,2% haben einen Minijob. Der Rest ist arbeitslos (47,9%), befindet sich in einer (schulischen) Ausbildung (20,9%) oder ist aus anderen Gründen nicht erwerbstätig (20,5%). Diese Zahlen sind insofern erschreckend als die Stichprobe und vor allem deren Verzerrung in Richtung höher gebildete Flüchlinge eine höhere Beteiligung am Arbeitsmarkt hätte erwartet lassen.

Dass dennoch nur 10,7% einer rudimentären Form von Arbeit nachgehen, liegt nach Ansicht der drei Autoren unter anderem an Sprachdefizien: 77% haben nur unzureichende Kenntnisse des Deutschen, 64,1% haben keinen beruflichen Bildungsabschluss, 24,2% keinen Schulabschluss. Folglich befinden sich 38,4% in einer Ausbildung, 34,3% in einem Sprachkurs und sind deshalb von einer Arbeitssuche freigestellt. Freigestellt sind auch 22% der Flüchtlinge, weil sie Kinder betreuen, was ja in Deutschland als wichtiger gilt, als die Grundlage für eine Integration in den Arbeitsmarkt zu legen.

Insgesamt haben die Jobcenter nur 22,8% der Flüchtlinge in der Stichprobe die Pflicht auferlegt, sich um einen Arbeitsplatz zu kümmern und das bei einer Stichprobe mit einem extraordinär hohen Anteil hoch Gebildeter. Bei der Verpflichtung, einen Arbeitsplatz zu suchen, gibt es übrigens keine Gleichstellung. Während die Jobcenter 31,6% der geflüchteten Männer eine solche Verpflichtung auferlegt haben, sind nur 9,5% der geflüchteten Frauen verpflichtet, sich eine Arbeit zu suchen.

Man kann also feststellen, dass in einer Stichprobe, die sich dadurch auszeichnet, dass gebildete und mit einem (höheren) Schulabschluss ausgestattete Flüchtlinge überproportional vertreten sind, dennoch keine Integration in den Arbeitsmarkt feststellbar ist. Bestenfalls kann man von einer verzögerten Integration ausgehen, da rund 73% der Flüchtlinge zunächst Sprachkenntnisse erwerben und einen Schulabschluss bzw. einen beruflichen Abschluss erreichen müssen. Ob den Abschlüssen dann eine Arbeit folgt, ist eine Frage, die derzeit nicht beantwortet werden kann. Die 870.000 Flüchlinge werden also auf absehbare Zeit von Hartz-IV-Bezügen leben und somit mehr Kosten produzieren als sie Nutzen bringen.

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Beheimatete und Zuwanderer: Untertanen bleiben eben Untertanen

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat einen neuen Begriff erfunden: Beheimatete. Beheimatete finden sich derzeit unter den Kategorien „Willkommen in Deutschland“ und „Integrationsprojekte“ auf der Webseite des BAMF in Formulierungen wie:

„Die Projekte setzen da an, wo Zugewanderte und Beheimatete sich begegnen: im Stadtteil oder Wohnbezirk.“

Beheimatete, das sind diejenigen, die schon da sind. Zugewanderte sind diejenigen, die dazukommen und ab jetzt da sind. Beide Begriffe dienen offensichtlich dazu, Unterschiede zu verwischen und alle, die neu kommen, egal, ob es sich um EU-Migranten, Flüchtlinge oder Expatriates handelt, über einen Kamm zu scheren und allen, die schon da sind, ein daraus ableitbares Recht als Steuerzahler, Eigentümer oder Wähler abzusprechen.

Das Besondere an der Kreation des „Beheimateten“ ist jedoch das Präfix „Be“.

  • Bedienter
  • Belieferter
  • Betrogener
  • Begünstigter
  • Berechtigter
  • Betroffener

Egal, in welchem Zusammenhang „Be“ vorkommt, es beschreibt immer ein Individuum, das Objekt einer Zuweisung oder eine Handlung, in jedem Fall nicht Subjekt seiner eigenen Handlungen ist. Betroffene sind von etwas betroffen, ob sie wollen oder nicht. Begünstigte werden von etwas begünstig, ob sie wollen oder nicht. Beheimatete werden von der Obrigkeit an ihrem derzeitigen Wohnort geduldet, ob sie wollen oder nicht. Mit dem „Be-„ und der damit verbundenen Objektivierung der von „Be“ Betroffenen, wird Individuen jede Form von Eigenverantwortung und Selbstbestimmung im Hinblick auf die in Frage stehende Zuweisung abgesprochen. Die Objektivierung ist immer der erste Schritt auf dem Weg zur Entrechtlichung. Ist man von einem Individuum erst zu einem Bürger, zu einem Wähler, zu einem Begünstigten, Betroffenen oder Berechtigten geworden, dann ist die Selbstbestimmung durch die Kästchen des Vordrucks beseitigt worden. Wird aus einem Wähler, einem Deutschen, einem Einwohner, einem Mitglied der Bevölkerung ein Beheimateter, dem sein Aufenthaltsort zugewiesen wird, der eben beheimatet wird, dann ist der Unterschied zu einem Zugewanderten der, dass dem Zugewanderten, bis er dann beheimatet wird, immerhin noch der Status eines Subjekts und nicht der eines Objekts zugewiesen wird.

Gibt es einen Aufschrei bei denen, die so gerne das „Othering“ beklagen?
Nein.

Einmal Untertan, immer Untertan.

Verwaltung befiehl, wir folgen.

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Ohne Obergrenze Diversität durch Flüchtlinge – Deutsche Träumerei in FAZ-moll

In Deutschland herrscht die politische Romantik. Politische und journalistische Romantiker sind voller Begeisterung für Flüchtlinge, die man in unbegrenzter Zahl in das doch reiche Deutschland lassen solle und könne. Und während die politischen Romantiker in der Großzügigkeit schwelgen, die sie sich durch die Erwerbstätigkeit und das Geld anderer leisten zu können glauben, präsentieren Journalisten voller Verzückung Beispiele von Ländern, die angeblich durch Vielfalt und die Aufnahme von Flüchtlingen Weltspitze geworden sind.

Einen Leser von ScienceFiles hat ein solcher Jubelartikel in der FAZ, in dem sich der Autor aufschwingt, den großen Nutzen zu feiern, den Flüchtlinge angeblich für Singapur bringen, so verägert, dass er sich ans Werk gemacht hat, um all die Teile der Realität, die politische und journalistische Romantiker ausblenden müssen, um ihre Wolkenkuckucksheime bauen zu können, zusammenzutragen. Das Bild von Singapur, das auf Grundlage der Fakten und Daten, die unser Leser zusammengetragen hat, zum Vorschein kommt, ist eines, das der verklärten Darstellung in der FAZ in jeder Hinsicht widerspricht und einmal mehr zeigt, wie weit verbreitet FakeNews in so genannten “Premiummedien” sind.

“[…] kaum ist der Physikerin Merkel die Quadratur des Kreises gelungen und man hat sich nun auf eine Art Obergrenze geeinigt, insbesondere dadurch,dass man die Obergrenze einfach nicht so nennt, erscheint dieser
heuschlerische Artikel in der FAZ: “Singapur ist die Hochburg für Arbeitsmigranten“:

Heuschlerisch, weil Arbeitsmigration mit der Aufnahme von Flüchtlingen gleichgesetzt wird.

In diesem Artikel wird aufgezeigt, wie gut doch die niedrigqualifizierten Zuwanderer für SEA (South-East Asia) sind, insbesondere für Singapore. Der Artikel ist so geschrieben, und die Überschirft deutet das auch an, dass die viel schlauer sind als  wir und “beliebig” viele reinlassen und natürlich mehr Zuwanderung positive Wachstumseffekte hat.

Nichts ist weiter von der Realität in Singapore entfernt als das!

Ich bin kein Singapore-Experte, habe aber in den 1,5 Jahren, in denen ich dort gelebt habe, ein paar Dinge mitbekommen.
Unabhängig davon kann man sich nicht einfach aus einem Land eine Institution herausgreifen und diese dann international vergleichen, denn in der Regel steht diese Institution in vielerlei Hinsicht mit anderen Institutionen ökonomischer, rechtlicher und gesellschaftlicher Natur in Zusammenhang. Vergleiche funktionieren ja oft nicht mal zwischen zwei deutschen Bundesländern, geschweige denn zwischen zwei Ländern in der EU. Wie abstrus es ist, wie im FAZ-Artikel geschehen, punktuell auf internationaler Ebene zu vergleichen, und dann auch noch einen Flächenstaat mit einem Stadtstaat mit Insellage, das versuche ich hier zu verdeutlichen.
Nachfolgend einige Punkte, die in dem FAZ-Artikel über Singapore nicht erwähnt [oder unterschlagen] werden, die aber für eine Diskussion um Arbeitsmigration evtl. nicht irrelevant sind, die mir SPONTAN einfallen:
  1. Das Land kann nur über zwei Brücken von Malaysia aus erreicht werden. Dort befinden sich zwei harte Grenzübergänge mit entsprechenden Kontrollen inklusive massiver Präsenz von Polizei, die mit (möglicherweise) geladenen MPs patroullieren.
  2. Wegen diesen strengen Kontrollen entstehen zwischen Johor Bahru (Malaysia) und Singapore jeden Morgen und jeden Abend kilometerlange Fahrzeug-, Roller- und Menschenschlangen. Kontrolle muss halt sein (siehe Foto).
  3. Man darf in das Land nur mit einem angebrochnen Zigarettenpäckchen rein und nur mit einem zu 75% gefüllten Tank ausreisen. Sonst drohen horrende Strafen.
  4. Es wird zwischen einer Einreise aus Malaysia und nicht-Malaysia unterschieden, also nach Einreiseland diskrimiert.
  5. Minimalste Mengen von Drogenbesitzt werden mit dem Tod bestraft (durch Erhängen): Soviel zum Thema Grenzkontrolle, die es in Deutschland in dieser Form nicht mal zu nicht-EU-Zeiten gegeben hat.
  6. Wer sich länger als 6 Monate in Singapore aufhält (natürlich nur mit einem Work Permit [Arbeitserlaubnis] möglich), muss einen medizinischen Check durchführen lassen – inklusive Röntgenuntersuchung, in dem auf Syphilis, HIV, Schwangerschaft und Tuberkulose getestet wird. Dies darf nur von einem in Sinagapore registrierten Arzt durchgeführt werden. Die Kosten trägt das Unternehmen, das die ausländische Arbeitskraft beschäftigen möchte.
  7. Wer falsche Angaben bei den Behörden macht, wenn es um die Arbeitserlaubnis geht, dem drohen Geldstrafren von bis zu 20.000 SGD [Singapore Dollar] oder Haftstrafen bis zu 2 Jahren.
  8. Über eine Einreise oder einen Aufenthalt ohne Pass spare ich mir die Erörterung.
  9. Auf Unternehmensebene: Unternehmen müssen für jeden eingestellten “unskilled” [ungelernter Arbeiter] nicht nur höhere levy bonds hinterlegen, also eine Art Versicherung oder Strafe für die Einstellung eines Niedrigqualifizierten bezahlen, es gibt auch eine Mindestquote für Hochqualifizierte, die man einstellen muss. D.h. ab einem bestimmten Moment darf man nur noch einen Niedrigqualifizierten einstellen, wenn man entsprechend auch Hochqualifizierte einstellt bzw. eingestellt hat. In Deutschland sprechen wir von einer Integrationspflicht der niedrigqualifizierten Asyl-Bewerber. Das ist das gegenteilige Arbeitsmarktkonzept.
  10. Diese high-skilled, low-skilled-Quoten sind unternehmensspezifisch und industriespezifisch geregelt:
  11. Die Arbeitskräften im Bereich “Construction” [Baugewerbe] bekommen oft nur 700 bis 1.000 SGD [Singapore Dollar], also 2,5€. D.h. es gibt einen Arbeitsmarkt, in den keine politische Lohnuntergrenze eingezogen ist. Damit kann der Arbeitsmarkt bei niedrigeren Löhnen auch deutlich mehr Menschen aufnehmen.
  12. A propos politisch: Singapore ist keine Demokratie.
  13. Homosexuelle Handlungen zwischen Männern sind strafbar.
  14. Der aktuelle Spitzensteuersatz beträgt 22%. Dieser wird fällig ab einem Jahreseinkommen von 320.000 SGD also 200.000€. Einkommen darunter werden entsprechend niedriger besteuert.
  15. Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen in den sogenannten CPF [Corporate Pension Fund] ein, also in eine Art persönlichen Vorsorgefond. Dieser wird positiv mit ca. 4% pro Jahr verzinst und nicht etwa wie die deutschen Rentenbeiträge negativ.
  16. Man benötigt kein Auto, da Singapore mit dem MRT eines der modernsten und die ganze Stadt durchziehenden U-Bahnsysteme hat.
  17. Vom Staat bezuschusste Wohnungen, sogenannte HDBs, dürfen nur Singaporeans kaufen. Ausländer nicht. Die Untervermietung eines HDB ist nur den “Singapore Citizens” erlaubt, nicht einmal Personen mit einer Permanent Residence” [Ubegrenzte Aufenthaltsgenehmigung)], und es darf nur an Einheimische oder Malayen untervermietet werden. Also eine ganz eindeutige Diskriminierung nach Herkunftsland.

Zusammenfassend kann somit gesagt werden: In den Genuss sozialer Leistungen kommen in Singapore nur Staatsbürger und somit in der Regel diejenigen, die in Sozialkassen einzahlen, während es in Deutschland eher der Fall ist, dass Personen, die nicht in Sozialkassen einzahlen, Arbeitslose, nicht-Erwerbstätige, Frauen, Flüchtlinge (fast) besser gestellt sind, als diejenigen, die die Leistungen erarbeiten.

In Singapore trennt man ganz klar zwischen Einheimischen und Ausländern, was bei uns alles Verstöße gegen das AGG [Antidiskriminierungsgesetz] wären. Niedrigqualifizierte dürfen unter ganz bestimmten Bedingungen in ganz bestimmten Brachen arbeiten, und die Unternehmen werden für diese in Haftung genommen, nicht die Gesellschaft. Man nimmt einen Großteil seines Bruttolohns mit nach Hause und zahlt in seinen eingenen (kapitalgedeckten nicht umlagefinanhzierten) Rentenfond ein. Ähnlich auch bei Gesundheit und Arbeitslosigkeit. Jede Form von Vergehen, geschweige denn Straftaten, werden massiv bestraft und die Strafen durchgesetzt.

Die beiden Systeme von Deutschland und Singapore zu vergleichen, wie es im FAZ-Artikel getan wird, zumindest in der Überschrift, ist bar jeder Vernunft.

Der Satz aus dem Artikel “Dabei wird die Wanderung der Arbeiter – wie auch in Europa – von der Vielfalt der Region angeheizt: Das reichste Land Südostasiens ist 25 Mal wohlhabender als das ärmste.” hat wenn überhaupt nur etwas mit Einkommensvielfalt zu tun. Mit der Vielfalt von der in Deutschland gesprochen wird nicht. Denn hier geht es nur darum, dass alle in die Schweiz Südostasiens wollen, nämlich Singapore, weil man dort so gute Jobs und Löhne bekommt. Und da das die Singaporeans wissen, haben sie sich entsprechend geschützt. Seiner Verletzlichkeit und Begehrtheit bewusst, gibt Singapore einen deutlich größeren Teil seines BIPs für Militär aus als jedes andere südostasiatische Land:

Als Tourist freut man sich in Singapore “Little India”, “Chinatown”, das arabische Viertel um die “Arab Street” oder vorwiegend thailändische Menschen um den Golden Mile Complex (Beach Road) herum zu sehen und sich an der Vielfalt zu begeistern. Diese Vielfalt kommt aber nur durch diese Herkunftsland-bezogenen Viertel zustande.

Wir in Deutschland versuchen dies ja durch eine “gesunde Vermischung/Verteilung” zu verhindern. Auf der anderen Seite brodeln in diesen Viertel die Resentiments gegenüber anderen Kulturen und teilweise auch der religiösen Unterschiede, und eine Kleinigkeit bringt das Pulverfaß zum Überlaufen, wenn beispielsweise ein Bus einen Inder überfährt.

Dann bleibt sehr wenig von Integration und Vielfalt übrig.

Bis hierhin bezog sich meine Erörterung auf Arbeitsmigration in Singapore. Das Thema in Deutschland war aber auf die Aufnahme von Flüchtlingen bezogen. Und es ging in der politischen Diskussion in den letzten zwei Jahren um eine Obergrenze für die Asyl-Einwanderung. Nun wie sieht es da in Sinagpore aus? So:

Singapore nimmt keinen einzigen Flüchtling auf.

Daher benötigt man auch keine Willkommenskultur.

Den Rest, der reinkommt (Touristen und Arbeitkräfte), muss man nicht Willkommen heißen, denn die
wollen ja was von Singapore und nicht umgekehrt.

Und wozu führt das (zumindest bis Ende Januar 2017)? Man wird Magnet für
Hochqualifizierte

Andere Länder, andere Sitten.

Wir bedanken uns für diesen einsichtsreichen und informierten Leserbrief!

7,94 Millionen Zuwanderer bis 2035 – Bevölkerungsrückgang gebremst, ARD frohlockt

Die ARD frohlockt: 2035 leben in Deutschland eine Million Menschen mehr als heute. Die Bevölkerung nimmt zu. Sie schrumpft nicht. „Ein Grund ist die Geburtenrate“, so steht es bei der ARD zu lesen, jene Geburtenrate, die schon seit Jahren weit unter den für eine Reproduktion der vorhandenen Bevölkerungszahl von 2 notwendigen Geburten pro Frau liegt. Was will die ARD uns hier eigentlich erzählen?

Die Zahlen, auf die sich die gebührenfinanzierten ARDler beziehen, sie stammen vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW). Vom IW muss man wissen, dass es schon seit einiger Zeit einen Szenario-Krieg gegen das Statistische Bundesamt führt. Denn: Das Statistische Bundesamt weigert sich bislang standhaft, die eigenen Bevölkerungsprognosen an die Zuwanderung von Flüchtlingen anzupassen. Warum, darüber kann man nur spekulieren.

Fest steht jedoch:
Schon 2014 betrug die Nettozuwanderung nach Deutschland (also die Zuwanderung reduziert um die Auswanderer) rund 550.000 Menschen. Seither ist die Nettozuwanderung gestiegen: 1,1 Millionen Menschen waren es bereits 2015. Bis 2020 rechnet die Bundesregierung mit mindestens 3,6 Millionen Zuwanderern und bis 2035 rechnet das IW mit insgesamt 7,94 Millionen Zuwanderern. Und diese Zahl von 7,94 Millionen Zuwanderern hat das Institut der eigenen Bevölkerungsprognose zugrunde gelegt.

Deshalb kann Deutschland seine Bevölkerung von heute gut 82 Millionen nicht nur halten, sondern auf 83 Millionen erhöhen. Nicht weil die Geburtenrate dazu ausreichen würde, das Schrumpfen der deutschen Gesellschaft zu stoppen, sondern deshalb, weil so viele Zuwanderer zuwandern, dass selbst die Tatsache, dass die Geburtenrate nicht zur Reproduktion ausreicht, davon ausgeglichen und das gesellschaftliche Schrumpfen in ein gesellschaftliches Bevölkerungswachstum umgedreht wird.

Mit der Geburtenrate hat das alles so gut wie gar nichts zu tun.
Dass 2035 in Deutschland eine Million Menschen mehr leben als heute, das liegt an der Zuwanderung von 7,94 Millionen Menschen, nicht an der erhöhten Geburtenrate, wie man bei der ARD fabuliert.

Die Meldung der ARD ist schlicht falsch, es ist FakeNews. Ein wenig Überlegen und Recherche reicht bereits aus, um festzustellen, dass eine Geburtenrate von 1,5 nicht genügt, um zwei Erwachsene zu ersetzen.

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