Die Birne ist aus der Fassung: Zum Tode von Helmut Kohl

Nur ein kleiner Einwurf von Pfälzern zu einem Pfälzer, der wie kein anderer, die Geschicke Deutschlands zu verantworten hat, durch den Anschluss Rest-Deutschlands an die Bonner Republik.

DSC_2Mega_PixWeil abzusehen ist, das sich die politischen Intensivtäter in ihrem Nachruf und ihrer Empathie und ihrer Trauer und ihren schönen Worten, die sie für „Birne“ finden werden, überschlagen, so dass das Heuchelometer an seine Kapazitätsgrenze zu geraten droht, hier der Hinweis, dass diejenigen, die Helmut „Birne“ Kohl und seinem System „Kohl“ heute so öffentlichkeitswirksam nachweinen, diejenigen sind, die ihn zu Lebzeiten oft auf übelste Art und Weise beleidigt und bekämpft haben.

Wenn wir Helmut Kohl eine Träne nachweinen, dann deshalb, weil er einer der letzten Staatsmänner war, die trotz aller Häme und trotz allen Spotts, der sich über den „Mänchen“ aus Ludwigshafen ergossen hat, nie auf die Idee gekommen ist, denen, die sich über ihn lustig machen, die Meinung oder gar deren Äußerung zu verbieten. Insofern überragt Helmut Kohl Heiko Maas und all die anderen Laiendarsteller, die ihm nachgefolgt sind, in Statur, Moral und Anstand, was für einen, der die Parteifinanzen der CDU durch illegale Spenden saniert zu haben scheint, eine reife Leistung ist.

Als Nachruf senden wir daher den letzten Mitschnitt, in dem Helmut Kohl und Ronald Reagan gemeinsam für die Ewigkeit festgehalten wurden:

Under 4 Eyes:

Keine intellektuelle Kanzlerdämmerung: Börsianer sind keine Menschen

Die meisten Politiker sind keine Logiker.
Das ist bekannt.

Logik fuer DummiesDie meisten Politiker wissen gar nicht, dass es eine formale, eine Aussagen-, eine Prädikatenlogik gibt.

Den wenigsten Politikern ist bewusst, dass Mathematik auf Logik beruht.

Kaum einem Politiker ist bekannt, dass auch Sprache auf Logik beruht, dass Sprache, ohne Logik zum bloßen Gebrabbel wird.

Die meisten Politiker sind nicht an Logik interessiert, weil ihre Sprache keine Argumente enthält, nicht auf Argumentation ausgelegt ist, sondern darauf, die Adressaten ihrer sprachlichen Ergüsse affektiv, also über den Bauch und nicht über das Gehirn, zu erreichen.

Etwa so:

Was sind Finanzmärkte?
Die Mehrzahl von Finanzmarkt.

Was ist ein Finanzmarkt?
„Finanzmarkt ist ein Oberbegriff für alle Märkte, auf denen ein Handel mit Kapital stattfindet“, so Wikipedia.
An Finanzmärkten wird also mit Kapital gehandelt.

Wer handelt mit Kapital?
Menschen handeln. Der Gütertausch, hier in Form von aktuellem Kapital gegen zukünftiges Kapital, ist eine Interkation, eine soziale Handlung, die nur zwischen Menschen erfolgen kann.

An Finanzmärkten handeln Menschen miteinander.

Handeln ist ein „bewusstes und willentliches menschliches Tun, das auf die Grundlage der Wirklichkeit gerichtet ist; der Handelnde verfolgt dabei bestimmte Ziele und hat dafür bestimmte Motive” (Giesecke 2010: 21). Soziales Handeln zwischen Menschen ist „am vergangenen, gegenwärtigen oder für künftig erwarteten Verhalten anderer … [orientiert]” (Weber 1988: 562)

nyse2Wenn nun Kanzler Merkel sagt:
„Bei Globalisierung geht es um Menschen und deren Lebenschancen, nicht um Interessen der Finanzmärkte“, dann stellt sie die Menge der Menschen, den Finanzmärkten gegenüber. Beide sind im Bezug zu einander exklusiv: Finanzmärkte haben zwar Interessen, wie Frau Merkel meint, aber dort gibt es keine Menschen, die handeln, denn die Menschen und ihre Lebenschancen sind inkompatibel zu Finanzmärkten, was zur logischen Konsequenz hat, dass es an Finanzmärkten keine Menschen geben kann.

Nun gibt es verlässliche Beobachtungen von z.B. Börsen in New York, London, ja selbst in Frankfurt, die berichten, sie hätten Menschen beim Handel an der Börse, am Finanzmarkt beobachtet. Diese Beobachtungen müssen nach der Logik von Kanzler Merkel falsch sein, denn an Börsen und Finanzmärkten gibt es keine Menschen. Folglich muss Frau Merkel der Ansicht sein, an Finanzmärkten handeln entweder Aliens oder Unmenschen. Beide Konsequenzen der Merkelschen Aussage muss man als menschenfeindlich ansehen.

Ist die Menschenfeindlichkeit von Merkel nun Ergebnis der Tatsache, dass sie Unsinn erzählt oder ist die Menschenfeindlichkeit ernstgemeint. Ist Frau Merkel also tatsächlich der Ansicht, Börsianer, Broker, Investmentbanker seien keine Menschen?

Deutsche Polit-Elefanten trampeln in internationalen Porzellanläden

Das Verhältnis zu den USA ist gespannt bis zerrüttet.
Das Verhältnis zu Ungarn ist gereizt.
Das Verhältnis zu Polen ist problematisch.
Das Verhältnis zum Vereinigten Königreich ist … nicht das beste.
Das Verhältnis zu Russland ist nicht vorhanden.

Mit der Türkei herrscht Streit.
Mit Israel herrscht Streit.

250px-1890_bismarcks_ruecktritt

Stellenausschreibung: Lotse gesucht!

Die deutsche Diplomatie zeichnet sich derzeit durch eine komplette Abwesenheit von Fingerspitzengefühl und Intelligenz aus.

Im Wörterbuch „Deutsch als Fremdsprache“, in dem immer alles ganz einfach und verständlich erklärt wird, wird Diplomatie als „Wahrnehmung von Aufgaben, Interessen durch Beauftragte in den (offiziellen) Beziehungen … verschiedener Staaten zueinander“ beschrieben.

Das sollten auch deutsche Politiker verstehen.

Um z.B. deutsche Interessen in Israel wahrnehmen zu können, ist es notwendig, auf die Empfindlichkeiten der dortigen Regierung zu achten. Denn: Wenn man andere da tritt, wo es besonders weh tut, dann werden sie ungehalten. Benjamin Netanyahu ist empfindlich, wenn er mit Aussagen israelischer Soldaten konfrontiert wird, die allen berichten, was sie wirklich auf palästinensischem Gebiet tun. Er mag es nicht, wenn Videos zeigen, wie ein wehrloser Palästinenser, der am Boden liegt, von einem Soldaten erschossen wird, und er hat seine Probleme, wenn ihm bedeutet wird, dass der illegale Siedlungsbau, den Israel seit Jahren auf Palästinensischem Gebiet betreibt, nun einmal illegal ist.

Das alles musste Siegmar Gabriel wissen.

Dennoch hat er sich mit den israelischen Organisationen getroffen, die für die oben berichtete Missstimmung von Netanyahu verantwortlich sind. Und Netanyahu hat aus Rache das Treffen mit Gabriel platzen lassen.

So ist das, wenn zwei, die nicht über die eigene Schuhspitze hinaus blicken können, aufeinander treffen.

Womit wir wieder bei Diplomatie angekommen sind.
Diplomatie ist zunächst ein formales Unterfangen, kein inhaltliches. So sehr Gabriel oder wir auch der Ansicht sind, es sei wichtig, die Organisationen, die Frieden auch für Palästinenser erreichen wollen, aufzuwerten, so wenig können diese Organisationen im Rahmen von Diplomatie eine Rolle spielen. Weil Netanyahu empfindlich ist.

Gabriel StinkefingerWill man etwas bei ihm erreichen, muss man geschickt und intelligent vorgehen, nicht wie der Elefant im Porzellanladen. Um das zu verstehen, muss sich Gabriel nur vorstellen, der russische Außenminister würde sich mit Vertretern von Pegida und der AfD treffen, um das Augenmerk darauf zu richten, dass in Deutschland die Meinungsfreiheit und die demokratischen Grundwerte nichts mehr gelten.

Gabriel würde sich sicher nicht darüber freuen – wäre irritiert – würde sich ärgern …

So geht es Netanyahu. Und wer sich ärgert und sich in einer Position der Stärke oder Überlegenheit wähnt, der wird den, über den er sich ärgert, wissen lassen, dass er sich ärgert. Ihn entsprechend vor den Kopf stoßen, ihn brüskieren. So, wie Netanyahu das mit Gabriel gemacht hat.

Damit hat die deutsche Außenpolitik das nächste Fiasko erlebt, abermals zur Schau gestellt, dass Laiendarsteller Politik und Diplomatie üben wollen.

Wenn zwei mit Sendungsbewusstsein aufeinander treffen, dann bleibt die Rationalität auf der Strecke. Sendungsbewusstsein zeichnet sich dadurch aus, dass der, der es hat, meint, er habe die moralische Weisheit mit Löffeln gefressen, sei auch ansonsten im Besitz der Wahrheit und könne auf dieser Grundlage durch die Welt gehen und andere brüskieren. Wenn zwei mit Sendungsbewusstsein aufeinander treffen, sitzt der am längeren Hebel, der sich in einer Position der Stärke befindet.

Insofern zeigt die Abfuhr, die Netanyahu Gabriel erteilt hat, dass Ersterer denkt, er sei in der besseren Position als Letzterer, was angesichts der historischen Schuld, die man immer als Faustpfand einsetzen kann, um jedes Argument zu töten, sicher zutrifft. Und die Abfuhr zeigt, wo sich die deutsche Diplomatie international wirklich befindet: Auf einer Lachplatte.

Am 8. März 2017  hat sich übrigens Boris Johnson u.a. mit Peace Now, einer der vier Organisationen, die Netanyahu nicht mag, und mit Netanyahu getroffen.

Es ist eben alles eine Frage der Diplomatie!

Parlamente voller Rassisten

Neuankömmlinge im Kindergarten.

Sie stören das Gleichgewicht, das zwischen den Kindern, die sich seit längerem im Kindergarten befinden, besteht. Zum Beispiel bei der Verteilung der Spielsachen. Es ist klar geregelt, wer wann mit den Bauklötzen spielen darf. Neuankömmlinge stören diese Regeln gegenseitigen Verständnisses. Entsprechend werden sie zunächst ignoriert und abwehrend behandelt, ausgegrenzt, wenn es um den Zugriff auf Bauklötze geht. Die Neuankömmlinge bilden die Fremdgruppe. Ihnen gegenüber steht die Ingroup derer, die bislang Zugang zu den Spielsachen haben.

Im Kindergarten wird entweder eine Intervention durch das so genannte pädagogische Personal erfolgen, das darauf hinwirken will, die Neuankömmlinge zu integrieren und ihnen den Zugang zu Spielressourcen zu sichern oder – bei Kindern nicht auszuschließen – die Neugier der alteingesessenen Kinder wird den Graben zwischen In- und Outgroup überwinden und dazu führen, dass die Neuankömmlinge integriert werden.

In der Welt der Erwachsenen ist dies anders.

Hier gibt es feste kodifizierte Regeln, Regeln wie z.B. diese:

“(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.” Artikel 3 Absatz 3 des Grundgesetzes

Oder diese Regel:

“Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.” § 1 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes

Szenenwechsel.

In gleich drei Landtage sind politische Paria eingezogen, Personen, die vor allem wegen ihrer Weltanschauung Neuankömmlinge in den Parlamenten sind. Entsprechend sehen sich die Neuankömmlinge, so wie die Neuankömmlinge im Kindergarten, einer Ingroup Alteingesessener gegenüber, die ihnen den Zugang zu Ressourcen verwehren wollen. Die Bauklötze, mit denen in bestimmten Ausschüssen gespielt wird, die Neuankömmlinge, sie werden von ihrer Benutzung ausgeschlossen. Bestimmte Posten in der Hierarchie der Parlamente, sie werden den Neuankömmlingen verschlossen bleiben, denn die Neuankömmlinge, sie sind fremde Usurpatoren, die die Ressourcenverteilung unter den Alteingesessenen stören.

Nicht nur das, die Neuankömmlinge sie sind keine Flüchtlinge, denen man eine kulturelle Andersartigkeit zu Gute halten kann. Schlimmer, sie sind kulturelle Kollegen, deren Sprache man teilt, deren Sitten und Verhaltensweisen man kennt. Nichts ist schlimmer für eine Ingroup als eine Outgroup, die ihr ähnlich ist. Um sich zu differenzieren, muss man die Outgroup stigmatisieren, ihr allgemeine Etiketten anheften, so wie das Rassisten und Menschen voller Vorurteile tun. Man muss sie rundum als Nazis beschimpfen, sie zu Rechtsextremisten erklären, sie in jeder nur erdenklichen Weise politisch diskriminieren, denn anders ist es nicht möglich, die Ingroup der Alteingesessenen von der Outgroup derer, die sich kaum unterscheiden, zu trennen.

Sherif Robbers caveUnd weil in Parlamenten angeblich Erwachsene sind und pädagogisches Personal zur Betreuung der Insassen nicht vorhanden ist, deshalb gibt es niemanden, der dafür sorgen will, dass der Graben zwischen den Alteingesessenen und den Neuankömmlingen überwunden, dass die Neuankömmlinge integriert werden. Und weil es unter angeblichen Erwachsenen nicht einmal mehr halb so viele Mutige gibt wie unter Kindern, deshalb wird es auch keine Initiative von einem Alteingesessenen, den die Neugier übermannt und der feststellt, dass die Gemeinsamkeiten das Trennende doch überwiegen, geben, die zur Integration der parlamentarischen Neuankömmlinge führen wird.

In der Erwachsenenwelt werden Neuankömmlinge in Parlamenten ausgegrenzt. Keine Maßnahme, die dem Ziel gewidmet ist, zwischen Neuankömmlingen und Alteingesessenen zu vermitteln, ist vorhanden, kein pädagogisches Personal, das die Stereotype und Vorurteile zwischen der parlamentarischen Ingroup und den Neuankömmlingen versucht, abzubauen, ist gegenwärtig und kein Goodwill, wie er im Kindergarten zwischen manden einander fremden Kindern noch vorhanden ist, ist in Parlamenten zu finden.

In Parlamenten herrschen Ausgrenzung und Stereotypisierung. Dort werden Neuankömmlinge wegen ihrer politischen Anschauungen oder Weltanschauung ausgegrenzt und diskriminiert. Parlamente sind deshalb der Ort, an dem sich die Rassisten Deutschlands finden.

Bleibt zu hoffen, dass diejenigen, die nach wie vor an die Kontakthypothese glauben, also die Hypothese die behauptet, Vorurteile würden im direkten Kontakt derer, die sie haben und derer, gegen die sie sich richten, abgebaut, vielleicht in Parlamenten Recht haben. Vielleicht hilft das Bilden von Tischgruppen in der Kantine, mindestens ein AfD-Parlamentarier pro Tisch, dabei, Rassismus und Vorurteile bei Alteingesessenen abzubauen.

Literatur

Baumol, William J. & Blinder, Alan S. (1988). Economics. Principles and Policy. San Diego: Harcourt Brace Jovanovich.

Coase, Ronald H. (1960). The Problem of Social Cost. Journal of Law and Economics 3(October): 1-44.

EU Commission [Commission of the European Communities] (2006). Community Framework For State Aid For Research And Development and Innovation. Official Journal of the European Union C323/1, 30.12.2006.

Molitor, Bruno (2006). Wirtschaftspolitik. München: Oldenbourg.

Pigou, Arthur C., 1920: The Economics of Welfare.

Schulenburg, Johann-Matthias Graf von der (2005). Versicherungsökonomik: Ein Leitfaden für Studium und Praxis. Karlsruhe: Verlag Versicherungswirtschaft.

Stephan, Gunter & Ahlheim, Michael (1996). Ökonomische Ökologie. Berlin: Springer.

Tullock, Gordon (2005). The Rent-seeking Society. Indianapolis: The Liberty Fund.

Varian, Hal R. (2001). Grundzüge der Mikroökonomik. München: Oldenbourg.

Bildnachweis

Greening the land
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Germanen Kult bei Grünen: Baumwoll-Dämonen, besessene Busfahrer und Thor Steinar

Deutschland 2015. Dämonische Kräfte treiben ihr Unwesen. Nur wenige wagen sich, den Dämonen in den Weg zu stellen, jenen Dämonen, die in ordinären Kleidungsstücken versteckt, in t-Shirts, in Thor Steinar t-Shirts, dem Baumwolle gewordenen Bösen, die sterbliche Hülle schwäbischer Busfahrer bekleiden und benutzen, um ihr zerstörerisches Werk als Busfahrer verkleidet, durchzuführen.

gargoyleWenige stellen sich den Baumwoll-Dämonen in den Weg. Nur dem wackeren Jörg Rupp ist es überhaupt zu verdanken, dass die zarten Anfänge institutioneller Inquisition, wie sie z.B. beim Regierungspräsidium Karlsruhe vorhanden sind, in Bewegung ge- und in Druck umgesetzt werden, damit der Arbeitgeber des Busfahrers, der von Baumwoll-Dämonen besessen ist, den Besessenen entlässt und fortan wieder in reinweißer Weste abgelehnte Asylbewerber zum Flughafen kutschiert.

Wir zeichnen die Geschichte des heldenhaften Kampfes gegen Baumwoll-Dämonen hier zu Dokumentationszwecken und für eine hoffentliche rationale Nachwelt auf.

Wie alles begann:

Jörg Rupp engagiert sich gegen die Abschiebung von Asylbewerbern. Von zuhause aus. Von zuhause aus verfolgt er die Vorgänge, die das Freiburger Forum im Internet dokumentiert und zuhause hat er ein Foto von einem Busfahrer, der abgelehnte Asylbewerber zum Flughafen fährt, gesehen, das den Mann in einem t-Shirt von Thor Steinar zeigt.

Thor Steinar!

Empörung bitte: Thor Steinar!

Jörg Rupp hat umfassendes Wissen über Thor Steinar:

Thor Steinar ist “eine Designermarke für und von Rechte[n]”, schreibt Rupp. Das behauptet die Antifa. Eine gute und verlässliche Quelle. Wikipedia schreibt, dass Thor Steinar ein “Spiel mit mehr oder weniger verhohlenen Andeutungen an der Grenze zur Strafbarkeit” betreibt, wobei die Andeutungen sich auf einen Germanen-Kult richten. Wikipedia muss das wissen ,und Wikipedia ist natürlich die Quelle, wenn es um Germanen Kult und Anspielungen durch Thor Steinar geht – die objektive Quelle.

GargoyleUnd dann weiß Jörg Rupp noch: Thor Steinar bekommt man nur in “einschlägigen Shops”. Auf Grundlage seiner gesammelten Erkenntnisse darüber, dass Thor Steinar in “einschlägigen Shops” vertrieben wird, Andeutungen auf einen Germanen-Kult macht und “eine Designermarkte für und von Rechte[n]” ist, hat Jörg Rupp einen Handlungsplan entworfen und etwas gemacht, denn: “Dass ein Rechtsextremer Abschiebefahrten durchführt – das geht in meinen Augen gar nicht”.

Nun wissen wir eigentlich überhaupt nichts über den Busfahrer, außer dass er ein t-Shirt getragen hat, dass Jörg Rupp kraft seiner Informationen aus Antifa und Wikipedia als von einer dunklen Macht, einer dunklen rechtsextremen Macht besessen ansieht, eine rechtsextreme Macht, die sich auf den Träger niederzulassen, ihn zu besetzen scheint, so sehr, dass man vom rechtsextremen t-Shirt durch klassischen Fehlschluss der Bejahung des Konsequens auf die rechtsextreme Einstellung des Busfahrers schließen kann.

Dieser Schluss ist nur auf Basis des Glaubens an eine dunkle, eine dämonische Macht und damit eine Re-Inkarnation irrationaler Glaubensinhalte, die man im Jahre 2015 nicht für möglich gehalten hätte, möglich. Ebensowenig hätte man die folgende Quelle dieses neuen Dämonenglaubens, der unter Grünen zu grassieren scheint, für möglich gehalten:

Justiz in alter Zeit“In gleicher Weise ‘heilig’ waren die Gegenstände, die für ihr Leben besondere Bedeutung hatten, wie z.B. Waffen, Schiffe, Glocken, das Haus, der Herd. Der Umgang mit diesen erforderte nicht nur Geschicklichkeit, sondern auch den Gleichklang der heiligen Kräfte, welcher oft durch bestimmte Zeremonien hergestellt werden musste, z.B. durch Richtfeste des neuerbauten Hauses, durch bestimmte Praktiken beim Schmieden des Schwertes. Manche Gegenstände verloren ihre übernatürliche, im Normalfall nicht zu beherrschende Kraft nie. Sie wurden außerhalb der Ordnung des Lebens gestellt, ex-kommuniziert und […] ‘tabuisiert’. Sie wurden gemieden und gefürchtet, zugleich aber insgeheim begehrt und verehrt. Das führte zur Ausbildung bestimmter magischer Praktiken und/oder Personen, die ein streng ritualisiertes Freisetzen und Wirkenlassen dieser dämonischen Kräfte ermöglichten. (Schild, 1989: 61)”

Die beschriebenen Praktiken beziehen sich auf die alten Germanen, sie haben Gegenständen wie beschrieben, dämonische Kräfte zugeschrieben, ähnlich wie dies Jörg Rupp mit t-Shirts von Thor Steinar tut, bei denen es sich offensichtlich um die zuletzt beschriebenen ex-kommunizierten Gegenstände handelt, die gefürchtet und begehrt zugleich sind und ein “streng ritualisiertes Freisetzen … dieser dämonischen Kräfte” verlangen.

Im vorliegenden Fall hat Jörg Rupp versucht, die dämonischen Kräfte durch das ritualisierte Schreiben einer Beschwerde-eMail an das Regierungspräsidium Karlsruhe freizusetzen, die er gleich an eine Reihe von Zeitungen weitergeleitet hat, um Journalisten als Helfer beim Exorzismus der Baumwoll-Dämonen zu gewinnen.

Offensichtlich unterhält das Regierungspräsidium Karlsruhe bereits eine Abteilung, die sich mit dem Exorzismus von Baumwoll-Dämonen beschäftigt und sich derzeit noch damit begnügt, verdächtige Besessene und ihre Arbeitgeber mit Zwang zu behandeln, der Marke: Entweder der Busfahrer wird entlassen oder das Busunternehmen “Eberhardt” aus Engelsbrand erhält keine öffentlichen Aufträge mehr.

Ein sehr wirkunsvoller Exorzismus, dem zwischenzeitlich der Busfahrer zum Opfer gefallen ist. Damit ist den Baumwoll-Dämonen die Möglichkeit genommen, am Steuer von Fahrzeugen, die dem Abtransport von Asylbewerbern gewidmet sind, Unheil anzurichten, und Jörg Rupp hat bewiesen, dass auch Grüne Anhänger eines Germanen-Kults sind, nämlich dem oben dargestellten. Ob ihm das einen entsprechenden Eintrag bei Wikipedia, dem Online-Lexikon, das für seine intime Kenntnisse von Germanen-Kulten und ihren Andeutern bekannt ist, einbringt, bleibt abzuwarten, ebenso wie abzuwarten bleibt, ob Jörg Rupp der Ehren halber in Opus Dei aufgenommen wird.

Die Praxis, einen Sündenbock zu bestrafen, um die eigene Schuld und Mitwirkung an der Asylgesetzgebung zu sühnen, eine Schuld, die Grünen wie ein Dämon auf der Schulter sitzt, sie ist übrigens noch älter als der beschriebene Germanen-Kult. Man kann Jörg Rupp also nicht vorwerfen, dass er geistig nur hinter die Renaissance zurückgefallen wäre. Und wer in Zukunft nicht als Sündebock gehandelt werden will, als Busfahrer, der trägt Birkenstock-Schuhe oder Sandalen, kurze Hosen zu seinen bleichen Beinen, lässt sich die Haare wachsen und setzt eine Optiker Meise Brille auf. Die beschriebenen Insignien sind besser als Knoblauch, wenn es darum geht, die Baumwoll-Dämonen-Seher abzuwehren.

In jedem Fall ist es notwendig, zum Ende dieses Posts noch einmal darauf hinzuweisen, dass wir im Jahre 2015 leben, also im Jahr 700 nach dem Einsetzen der Renaissance, die – so glaubte man damals – der Vernunft und Ratio zum Durchbruch verholfen hat.

Es ist übrigens kaum zu erwarten, dass die Entlassung des Busfahrers vor irgend einem Arbeitsgericht einer Überprüfung standhält. Wer die Geschichte verfolgen kann, wir sind für entsprechende Informationen dankbar.

Schild, Wolfgang (1989). Missetaten und Missetäter. In: Hinckeldey, Christian (Hrsg.). Justiz in alter Zeit. Rotheburg o.d.T.: Mittelalterliches Kriminalmuseum, S.59-296.

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