Berliner Senatsverwaltung wirbt bei Schwulen und Lesben um Strafanzeigen

Von Menschen wird angenommen, dass sie rationale Akteure sind. Von rationalen Akteuren wird angenommen, dass sie dann, wenn sie die Wahl zwischen zwei alternativen Wegen, auf denen sie ein Ziel erreichen können, haben, die Alternative wählen, mit der sich die größere Wahrscheinlichkeit verbindet, das Ziel auch zu erreichen.

Die Berliner Senatsverwaltung, genauer: die Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung, die bei der Senatsverwaltung für [ausgerechnet] Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung angesiedelt ist, wirbt gezielt darum, Straftaten als „homo-/transfeindlich“ einzuordnen. Früher hätte man das einen Justizskandal genannt, heute ist des rotrotgrüne Wirklichkeit.

Der Reihe nach.

Die Broschüre „Hilfe und Unterstützung für LSBTI bei homo- und transfeindlicher Gewalt und Diskriminierung“ hat „Beratung, Begleitung und Anzeigeerstattung in Berlin“ zum Gegenstand. Ziel der Broschüre ist die derzeit am häufigsten hofierte Minderheit in Deutschland: LSBTI.

LSBTI sind keine Menschen wie andere, keine heteronormativen, wie Andreas Kemper wohl in seinem stillgelegten Online-Pranger schreiben würde, wenn er es noch schreiben dürfte. LSBTI sind Menschen, die bevorzugt behandelt werden müssen, Menschen, die dann, wenn sie Opfer einer Straftat werden, nicht einfach zur Polizei gehen können, um dort Anzeige zu erstatten. Nein, das können nur normale Menschen. Aber LSBTI sind für die Senatsverwaltung keine normalen Menschen. Sie sind LSBTI.

Deshalb brauchen sie besondere Bedingungen, eigene Ansprechpartner bei Polizei und Staatsanwaltschaft und eigene Antidiskriminierungs- und Antigewaltberater. Die Stadt Berlin stellt sie bereit. Alle Berliner Steuerzahler zahlen dafür und natürlich die Steuerzahler in Bayern und Hessen und Baden Württemberg über den Länderfinanzausgleich.

Nicht genug damit. Die Landesstelle für Gleichbehandlung und Diskriminierung, bei der man noch nicht bemerkt hat, dass die Bevorzugung einer gesellschaftlichen Gruppe notwendig die Diskriminierung aller anderen gesellschaftlichen Gruppen zum Ergebnis hat, sie erstellt Broschüren, in denen LSBTI nicht nur dazu aufgerufen werden, verstärkt Anzeigen zu erstatten, sie werden auch dazu aufgerufen, die entsprechenden Anzeigen als „homo-/transfeindlichen Vorfall“ einzuordnen.

Der Aufruf zur Anzeige:

„Wussten Sie schon, dass je mehr Menschen Anzeige erstatten, homo- und/oder transfeindliche Gewalt besser sichtbar gemacht werden kann?“

Wohlgemerkt, der Aufruf erfolgt unbedingt, er wird nicht an die Begehung einer Straftat gekoppelt. Er richtet sich lediglich auf die Erstattung einer Anzeige. Je mehr Anzeigen, umso besser.

„Wussten Sie schon, dass bei einem Strafantrag durch das Opfer wegen eines mutmaßlichen homo-/transfeindlichen Vorfalls grundsätzlich vom öffentlichen Interesse ausgegangen und ein Verfahren eingeleitet wird?“

Nehmen wir z.B. eine Beleidigung:

Jemand sagt in Berlin, Sie seien ein Arschloch.
Normalerweise erleidet eine entsprechende Anzeige bei der Polizei das nachfolgende Schicksal einer Einstellung durch den Staatsanwalt. In der Regel nach § 153 wegen Geringfügigkeit. Nicht so, wenn das Opfer von sich behaupten kann, „homo“ oder „trans“ zu sein. Dann wird das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung generell bejaht, egal, wie nichtig der Anlass auch sein mag.

LSBTI sind eben keine normalen Menschen, sie sind besonders schützenswerte, besonders fragile Geschöpfe, denen man nicht die normale Behandlung normaler Bürger zuteil werden lassen kann. Jedenfalls nicht in Berlin.

Die Tatsache, dass dann, wenn ein vermeintliches Opfer behauptet, es sei wegen seiner Identität als „Homo“ oder „Trans“ Opfer einer Straftat geworden, die Mühlen der Justiz in jedem Fall laufen, macht diesen Vorwurf zu einer veritablen Waffe in der Hand all derer, die aus einer Ohrfeige unter Streitenden gerne einen homophoben Angriff machen wollen.

Die Vorzugsbehandlung ist ein eklatanter Verstoß gegen das Prinzip einer Gleichbehandlung durch die Justiz. Dass sich Rote (und Grüne) nie sonderlich um Gleichbehandlung geschert haben, ist ein bekanntes Phänomen. Dass Landesstellen nunmehr dazu übergehen, unter LSBTI darum zu werben, dass Straftaten angezeigt werden, egal, ob es sich um Nichtigkeiten handelt und dieses Werben mit dem Zuckerbrot verbinden, dass jede Lappalie dann, wenn sie mit den Vokabeln „homo-„ oder „transfeindlich“ verbunden wird, zur Straftaten im öffentlichen Interesse aufgeblasen wird, das ist eine neue Entwicklung, eine Entwicklung, die die Grenze zwischen Rechtsstaat und Willkürherrschaft einmal mehr verschwimmen lässt.

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Untersuchung: Neid und Eigeninteresse als Motive hinter Umverteilungs-Befürwortung

Seit Mittwoch, den 19. Juli 3.27 Uhr arbeiten Erwerbstätige in Deutschland wieder für das eigene Portemonnaie. Bis zum 19. Juli haben sie für ihren Staat gearbeitet. 55,6 Cent von jedem Euro nimmt sich der Staat, um sie umzuverteilen. Die Begründung dafür, dass ein Erwerbstätiger in Deutschland mehr für andere als für sich selbst arbeiten muss, wird gewöhnlich mit Gerechtigkeit oder sozialer Gerechtigkeit oder Kampf gegen Armut oder ähnlich vagen, aber positiv konnotierten Abstrakta angegeben.

Wenn einem rationalen Akteur vom Lohn seiner Arbeit mehr abgezogen wird als ihm bleibt, dann sollte man eigentlich annehmen, dass seine Begeisterung für und die Unterstützung von Umverteilung schwindet. Wahlweise kann auch die Arbeitsbegeisterung schwinden und es für Akteure rational sein, teilzeit oder gar nicht zu arbeiten und sich als Nettogewinner nicht Nettoverlierer staatlicher Umverteilungsmaßnahmen zu etablieren. Die Entscheidung dafür, sich zum Empfänger staatlicher Umverteilung und nicht zum Geber zu machen, hängt natürlich von einer Vielzahl von Faktoren ab. Für manche ist es eine moralische Pflicht, den eigenen Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Andere haben sich im Verlauf ihres Erwerbslebens etwas aufgebaut und sind nun perfekt erpressbar. Sie haben keine Alternative zur Erwerbstätigkeit und können von ihrem Staat nach Herzenslust ausgenommen werden.

Und ausgenommen werden Sie. Von einem Euro, den Sie verdienen, bleiben ihnen nach den Berechnungen des Bundes der Steuerzahler 45,4 Cent. Und dennoch ist in Deutschland die Zustimmung zu staatlicher Umverteilung vorhanden, dennoch können Parteien allen Ernstes mit der Losung „sozialer Gerechtigkeit“, in Deutsch: Umverteilung und Ausbeutung der Arbeitenden, in den Wahlkampf ziehen und tatsächlich hoffen, gewählt zu werden.

Warum ist das so?
Warum unterstützen Menschen die Umverteilung von Einkommen?
Diese Frage haben sich Daniel Sznycker und 8 Ko-Autoren nicht nur gestellt, sie haben sie auch beantwortet: 13 einzelne Studien mit insgesamt 6.024 Befragten waren dazu notwendig, Studien, in denen die Autoren Konzepte wie Neid, Gerechtigkeit, Eigennutzen und Mitgefühl operationalisiert und zur Erklärung der Unterstützung von Umverteilung genutzt haben. Besonders spannend ist dabei die Operationalisierung von Neid, die über ein Szenario erfolgt, in dem die Befragten zwischen im Vergleich zur Normalbesteuerung hohen Steuern für Reiche, die Armen einen relativ geringen Nutzen bringen und etwas höheren Steuern für Reiche, die Armen einen relativ hohen Nutzen aus Umverteilung bringen, wählen mussten. Die Mehrzahl hat die hohen Steuern bevorzugt, was, da es den Armen wenig bringt, nur mit Neid erklärt werden kann, destruktivem Neid, der darauf aus ist, andere, die man beneidet, zu schädigen. Staatliche Umverteilungspolitiken bieten sich insofern als Neid-Waffe des kleinen Bürgers gegen die eingebildeten Reichen an.

Um Zweifel daran auszuräumen, dass mit diesem Szenario auch tatsächlich Neid gemessen wurde, haben die Autoren zusätzlich eine Neidskala, die sich aus acht Items zusammensetzt, genutzt. Die Angaben, die die Befragten zu den acht Items gemacht haben, wurden mit den Ergebnissen aus obigem Szenario verglichen und siehe da: beide Male wird dasselbe, wird Neid gemessen.

Insgesamt kommen die neun Autoren zu dem Ergebnis, dass die Befürwortung von Umverteilung durch die folgenden Motive erklärt wird:

Neid auf Reiche;
Mitleid mit Armen;
Eigennutz, also die Hoffnung, Nutznießer der Umverteilung zu sein;

Überhaupt keine Rolle spielen Fragen der Fairness. Dazu haben die Autoren Verteilungs- und Prozessgerechtigkeit in ihre Analysen aufgenommen und sind beide Male ohne signifikante Korrelation geblieben. Gerechtigkeit hat mit der Befürwortung von Umverteilung überhaupt nichts zu tun.

Also muss man feststellen, dass z.B. der deutsche Staat auf eine Legitimation dafür, dass er seine Bürger ausnimmt, in Form einer Unterstützung für Maßnahmen angeblicher sozialer Gerechtigkeit oder der Einkommensumverteilung verweisen kann, deren Ursache darin liegt, dass sich Wähler aus Neid, der Hoffnung auf Eigennutz aus Umverteilung und zuweilen auch aus Mitleid dazu entschließen, die entsprechende Politik zu unterstützen. Das Verlangen, zu nutznießen oder andere zu schädigen, die Möglichkeit, sich durch die Gabe von Mitleid anderen als überlegen zu inszenieren, da man selbst Mitleidgeber ist, nicht -nehmer, alles Motive, die eher niedrig als ehrenwert sind, sie führen also dazu, dass selbstverletzendes Verhalten in Deutschland die Regel ist und Bürger eine Umverteilungspolitik unterstützen, der sie selbst zum Opfer fallen.

Sznycer, Daniel, Lopez Seal, Maria Florencia, Sell, Aaron, Lim, Julian, Porat, Roni, Shalvi, Shaul, Halperin, Eran, Cosmides, Leda & Tooby, John (2017). Support for Redistribution is Shaped by Compassion, Envy, and Self-Interest, but not a Taste for Fairness. Proceedings of the National Academy of Science of the United States (PNAS) Early Edition: doi: 10.1073/pnas.1703801114

 

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Ende der Lebensleistung: Kollektive Gerechtigkeitsphantasten in der ARD

Wer heute bei der ARD liest, stolpert vielleicht über den Text „Die Probleme der Parteien mit der Jugend“, der unter dem Schlagwort „Generationengerechtigkeit“ verfasst wurde. Im Text hat Ulla Fiebig vom ARD-Studio Berlin minimale Eigenleistung mit weitgehendem Kopieren eines 11 Punkte Planes der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen kombiniert und so durchgereicht, was die seltsame Stiftung von sich gibt.

Gerechtigkeitswahnstifung logo

Quelle: Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=27855288

Der Kollektivismus feiert in Deutschland wieder frohe Feste. Man nehme eine Gesellschaft, teile sie willkürlich in Rothaarige, über 190 cm Große, in Menschen mit einem IQ von mindestens 130 oder in solche mit Schuhgröße von mindestens 44 und fordere z.B. für die nunmehr geschaffene Gruppen derjenigen, mit einer Schuhgröße von mindestens 44 Rechte. Denn: Im Bundestag ist die Gruppe der Schuhgröße 44 Träger deutlich unterrepräsentiert, so dass die Interessen derjenigen, die auf großen Fuß leben, nicht entsprechend berücksichtigt werden. Deshalb muss eine Quote her. Die Landesliste aller Parteien, die zur Bundestagswahl zugelassen werden wollen, muss auf den vorderen Plätzen mindestens 20% Personen aufweisen, die Schuhgröße 44 und mehr vorzuweisen haben. Als Nachweis genügt ein Zertifikat eines Orthopäden.

Das finden Sie lustig?

Nun, dann ersetzen Sie die Schuhgröße, den IQ, die Haarfarbe oder die Körpergröße durch Frauen oder durch Menschen unter 35 Jahren und schon kommen wir bei der neuesten Idiotie aus dem Hause kollektiver Wahnvorstellungen an:

Generationenwahnstiftung

Kollektiv-Viren haben bei uns keine Chance!

„Die Parteien müssen für eine zunehmende Rotation bei den Mandats- und Amtsträ- ger*innen sorgen. Parteiämter werden aktuell teilweise über Jahrzehnte behalten. Das fördert weder die Innovation, noch die Nachwuchsförderung. Im Bundestag und den Landesparlamenten zeigt sich aktuell ein ähnliches Bild. Deswegen fordert die Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen eine Nachwuchsquote in Parteien und Parlamenten. Bei der Listenaufstellung der Parteien sollten mindestens 20 Prozent der Kandidat*innen auf den vorderen Plätzen unter 35 Jahre alt sein.“

Wie weit kann man Irrsinn treiben. Das ist die einzig spannende Frage, die es heute zu stellen gibt.

Mit ihrer Quote will die Stiftung angeblich Generationengerechtigkeit herstellen. Die Gerechtigkeit nach Generationen ist für die Stiftungslobbyisten hergestellt, wenn die Verteilung z.B. der Bundestagsabgeordneten einen Anteil von 20% unter 35jähriger aufweist. Das hat nun mit Gerechtigkeit gar nichts zu tun. Gerechtigkeit ist ein Konzept, das mit Leistung zusammenhängt, z.B. mit Lebensleistung. Wer es schafft, in der SPD die Ochsentour von Parteieintritt über die Gremien der Partei auf unterschiedlichen Ebenen zu durchleiden. Wer sich durch Intrigen, Gerüchte und Versuche, ihn zu diskreditieren, nicht abschrecken lässt und für einen Listenplatz bei z.B. der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz kandidiert, der soll den gerechten Lohn, Listenplatz für seine jahrzehntelange Parteitortur auch einstreichen können.

Eine Quote für unter 35jährige will diese interne Parteileistung kappen und unter 35jährige aufgrund ihres Alters bevorzugen. Damit zielt die Stiftung auf Ergebnisgleichheit, nicht auf Gerechtigkeit. Wie so oft, basiert die Forderung nach Gerechtigkeit auf einer vollkommenen Ahnungslosigkeit davon, was Gerechtigkeit eigentlich darstellt.

Die Forderung danach, unter 35jährige auf Parteilisten besser zu stellen als über 35jährige ist somit ungerecht denen gegenüber, die über 35 Jahre alt sind, denen gegenüber, die eine wie auch immer geartete Parteileistung erbracht haben, um sich nach oben zu arbeiten.

ideology of madnessDie Forderung ist darüber hinaus naiv und dumm. Naiv deshalb, weil Parteien nepotistische Strukturen sind, in denen Mitglieder sich gegenseitig die Hände waschen. Die Ochsentour in Parteien dient dazu, Kontakte zu knüpfen und Abhängigkeiten zu schaffen. Wer denkt, er könne sich auf eine Liste setzen lassen, weil er das richtige Alter hat und abschneiden, was die Parteimitgliedschaft nun einmal ausmacht, wird ziemlich einsam sein, in seiner Partei und entsprechend zum Sonnenkönig, der nur einen Sommer regiert, werden.

Die Forderung ist dumm, weil unterstellt wird, dass Personen, die älter als 35 Jahre alt sind, nicht in der Lage sind, die Interessen von Personen zu vertreten, die unter 35 Jahre alt sind. Warum der Schnittpunkt der Interesseninkompatibilität ausgerechnet bei 35 Jahren verläuft und nicht z.B. bei 29 Jahren 8 Monaten und 3 Tagen, das ist eine Frage, die man wohl nur beantworten kann, wenn man entsprechend wahnsinnig ist.

Aber nehmen wir kurz an, diese Annahme, Interessen von über und unter 35jährigen seien inkompatibel, eine Annahme, die man nur als Ausgeburt von Wahnsinn ansehen kann, träfe zu. Dann müssen wir Schulen schließen, denn Lehrer sind außerstande, die Interessen von Schülern wahrzunehmen. Wir müssen aus dem selben Grund, Eltern ihre Kinder entziehen und letztere mit der Wahrnehmung ihrer Interessen alleine lassen. Wir müssen den Bundestag schließen, denn Bundestagsabgeordnete, die weiblich und über 50 Jahre alt sind, können die Interessen von Bauarbeitern, die 40jährig und geschieden sind, nicht wahrnehmen usw. Kurz: Nichts geht mehr.

Aber ein gutes hätte das ganze: Die Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen, jene Ausgeburt eines nagenden Azathoth, sie müsste schließen, denn wie wollen die paar Hanseln der Stiftung die Interessen ganzer Generationen wahrnehmen, die erst noch geboren werden?

Die deutlichste Folge von Kollektivismus besteht offensichtlich im Verlust der Denkfähigkeit und somit in einer Form von Debilität, von der man es sich nicht leisten kann, dass sie im öffentlichen Diskurs repräsentiert ist.

Annalen des Gutmenschen-Dummdeutsch – heute: Chancenungerechtigkeit

Die Wortschöpfungen, mit denen sich immer mehr als Gutmenschen outen wollen, sie werden immer abenteuerlicher. Offensichtlich führt die neue Mode, sich als guter Mensch, der sich um das Schicksal von denen sorgt, die er sozial unter sich verortet, zu einer gewissen begrifflichen Armut, die durch innovative Schöpfungen, die sich regelmäßig als Blödsinn erweisen, bekämpft werden muss.

Heute ist es „Minister a.D, Walter Hirche“, auf den die Zeit als Minister so prägend gewirkt hat, dass er den sprachlichen Unsinn, der sein Amt ausgezeichnet haben muss, bis heute nicht los wird, der sich in die Annalen des Gutmenschen-Dummdeutsch einträgt.

Nachdem die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz die Chancengerechtigkeit erfunden hat, einen Begriff ohne Inhalt, kann die UNESCO nicht zurückstehen. Da man bei der UNESCO lamentieren und nicht fordern will, wird nicht von Chancengerechtigkeit, sondern von Chancenungerechtigkeit fabuliert. Hier ein Teil des Dummdeutschen, das aus den Hallen der UNESCO kommt, und zwar unter der irrsinnigen Überschrift: “UNESCO-Studie fordert: Chancenungerechtigkeit in der tertiären Bildung beseitigen“.

Studien fordern bekanntlich nichts, und wenn diejenigen, die eine Studie erstellt haben, etwas fordern, dann belegen sie damit, dass sie keine Studie ausgeführt haben, in der es um Wissenschaft geht, sondern eine Auftragsarbeit, in der es darum geht, Politiker oder Gutmenschen-Organisationen mit Material zu versorgen, an dem sie ihr Dummdeutsch ausprobieren können, etwa so:

facepalm orang utan“Im Einklang mit dem weltweiten Trend studieren auch in Deutschland immer mehr junge Erwachsene. Über eine halbe Million junger Menschen haben im vergangenen Jahr ein Studium begonnen. Doch trotz dieser deutlichen Expansion wirken auch bei der Studienaufnahme soziale Herkunftseffekte. Diese Chancenungerechtigkeit müssen wir beseitigen. Chancengerechtigkeit beginnt bei der frühkindlichen Bildung und kann auch im Hochschulwesen nur durch systematische Maßnahmen entlang der gesamten Bildungsbiografie geschaffen werden. Nur so kann das Potenzial von Bildung für eine nachhaltige Entwicklung voll genutzt werden“, betont Walter Hirche, Minister a.D., Vorstandsmitglied der Deutschen UNESCO-Kommission.

Chancenungerechtigkeit ist ein ebensolches sprachliches Unding wie Chancengerechtigkeit. Es kann Chancengleichheit geben, aber keine Chancengerechtigkeit.

Und jetzt alle:

Gerechtigkeit ist ein relationales Konzept, das sich auf die Bewertung prozeduraler Erträge bezieht. Wenn Kinder in der Schule für die gleiche Leistung die gleiche Note bekommen, dann ist das (verfahrens-)gerecht. Wenn sie, wie es in deutschen Schulen der Fall ist, mehr leisten müssen, weil sie männlich sind, um die selben Noten zu erhalten, wie weibliche Schüler oder wenn sie, weil sie aus Familien kommen, die die Mittelschichts-Lehrer als Schicht unterhalb ihrer eigenen ansehen, selbst bei gleicher Leistung schlechtere Grundschulempfehlungen bekommen als die Kinder der Mittelschicht, dann ist das ungerecht. In keinem Fall hat es etwas mit Chancen zu tun.

Wollte man Sinn aus dem Begriff „Chancenungerechtigkeit“ machen, dann müsste man annehmen, dass Chancen nicht gleich verteilt sind, aber dafür gibt es schon die Begriffe der Chancengleichheit bzw. -ungleichheit. Chancengerechtigkeit ist schlichter Blödsinn, den man nur im Mund führen kann, wenn man nichts sagen, nichts kommunizieren will oder kann, was Sinn und Bedeutung hat, sondern affektive Ladungen transportieren will: Seht her, wie gut ich bin, ich sorge mich um die Kinder der Unterschicht. Ich habe zwar keine Ahnung, warum die Unterschichtskinder aus dem Bildungssystem ausscheiden und noch weniger Ahnung habe ich, warum ich den Trend, nachdem immer mehr studieren, gut finde, aber das macht nichts, ich will mich produzieren, als guter Mensch, als einer, der keine Ahnung, aber viel Empathie mit was oder wem auch immer hat.

In der Pfalz nennt man derartige Produzenten kurz und knapp: Dummbabbler.

Zum Verteilen und Auswendig lernen, besonders Ministern, Ministern a.D. und Politikern empfohlen: Unser Idiotentest für Verteilungsfragen.

Unser Häupling Seattle meint (an Genderisten und Politiker gewandt): “Erst wenn der letzte Begriff sinnentleert, das letzte Wort bedeutungslos, der letzte Satz entstellt und das letzte Konzept verballhornt ist, werdet ihr feststellen, dass Blödsinn weder sprachlich noch praktisch brauchbar ist.”

Wider das Gender-Dummdeutsch

Es reicht uns wieder einmal. Die Chancengerechtigkeit, von der die Mitglieder der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz gestern gefaselt haben, sie hat unseren Geduldsfaden einmal mehr reißen lassen. Das Kapern wissenschaftlicher und philosophischer Konzepte durch Minderbemittelte oder Opportunisten muss ein Ende haben. Wir sind es der Rationalität und dem klaren Verstand schuldig, der leidet, wenn Blödsinn wie „Chancengerechtigkeit“ verbreitet wird.

sciencefiles-rationaler-widerstand-3Wir fühlen uns langsam wie Sir Karl Raimund Popper, der bei seinem xten Versuch, zu zeigen, dass es keine Begründung für das Induktionsprinzip geben kann, seiner entsprechenden Verzweiflung ob der Klarheit seiner Beweisführung Luft gemacht hat. Wir haben schon so oft über Gerechtigkeit und Gleichheit geschrieben (z.B. hier (Fussnote 13) und hier), dass es mehr als ärgerlich ist, wenn immer noch (tatsächlich oder angeblich) Ahnungslose unterwegs sind, die nicht wissen, wovon sie sprechen, oder Begriffe nur deshalb missbrauchen, weil sie deren affektive Ladung als warm glow auf die eigenen mickrigen Versuche, intelligent und gut zu erscheinen, fallen lassen wollen.

Hier nun also unser neuester und kürzester Versuch, die Konzepte von Gleichheit und Gerechtigkeit darzustellen.

  • Gleichheit gibt es als
    Chancengleichheit und als Ergebnisgleichheit;
  • Gerechtigkeit gibt es als
    prozedurale (Verfahrens-) und distributive (Verteilungs-)Gerechtigkeit;

Um die Konzepte deutlich zu machen, schicken wir acht Läufer an den Start eines 100 Meter Laufes.

Sie alle haben dieselbe Strecke von hundert Metern zurückzulegen und werden zur gleichen Zeit und auf die gleiche Weise auf den Weg geschickt.
Das ist Chancengleichheit!

Sie alle haben eine ebene Strecke zurückzulegen, auf der sich nicht für einige Hindernisse finden und für andere nicht.
Das ist prozedurale (oder Verfahrens-)Gerechtigkeit.

Derjenige, der als erster durchs Ziel geht, erhält eine Goldmedaille. Derjenige, der als letzter durchs Ziel geht, erhält keine Medaille.
Das ist distributive (oder Verteilungs-) Gerechtigkeit.

Derjenige, der im Vergleich zu anderen mit höherem Einsatz eine bessere Leistung erbracht hat, wird also herausgehoben und belohnt.

Das ist Gerechtigkeit.

Einfacher können wir die Konzepte nun wirklich nicht mehr darstellen.

Aus opportunistischen Gründen oder weil ihre geistigen Kapazitäten nicht ausreichen, um eingeführte Konzepte korrekt zu benutzen, verballhornen Genderisten alles, was mit Gleichheit und Gerechtigkeit zu tun hat. Sie tun das entweder durch begriffliche Neuschöpfungen wie die unsinnige „Chancengerechtigkeit (der auf das legitime Einräumen unterschiedlicher Chancen, z.B. auf Basis von Geburt, abzielt)“, die wir gestern bereits als Blödsinn entlarvt haben. Oder sie tun das, in dem sie neue Begriffe einführen und für diese Begriffe eine Verwandtschaft mit Gerechtigkeit oder den Konzepten der Gleichheit erfinden.

Begriffe wie:

  • Gleichstellung
  • Gender Mainstreaming
  • Professorinnenprogramm

Schicken wir wieder unsere acht Läufer an den Start des 100 Meter Laufes und gehen wir dieses Mal davon aus, dass zwei der acht Läufer weiblich sind, sechs männlich.

Gleichstellung
Gleichstellung zielt auf Ergebnisgleichheit ab, d.h., unabhängig davon, ob die beiden weiblichen Läufer als vorletzter oder letzter oder fünfter Läufer durchs Ziel gehen, sie werden mit den besten männlichen Läufern gleichgestellt. Entsprechend gibt es zwei Goldmedaillen und zwei Silbermedaillen. Ergebnisgleichheit nivelliert Unterschiede in der Leistung und stellt Menschen im Hinblick auf ein willkürliches Merkmal, wie in diesem Fall Geschlecht und unabhängig von der Leistung, die sie tatsächlich erbracht haben, gleich.

Gender Mainstreaming
Gender Studies T ShirtGender Mainstreaming zielt darauf, die Bedingungen dafür, dass Frauen sich in einem 100 Meter Lauf gegen Männer durchsetzen, zu verbessern. Entsprechend liegt Gender Mainstreaming dann vor, wenn die beiden weiblichen Läufer 30 Sekunden Vorsprung vor den männlichen Läufern erhalten oder die 100 Meter für die beiden weiblichen Läufer auf 40 Meter verkürzt werden. Ziel von Gender Mainstreaming ist abermals die Ergebnisgleichheit, bei der Leistung nicht belohnt, sondern bestraft wird und das Prinzip der Chancengleichheit verletzt wird.

Professorinnenprogramm

Beim Professorinnenprogramm muss zwischen Veranstalter (den Hochschulen) und Financiers (dem BMBF und den Kultusministerien der Länder)  unterschieden werden.

Veranstalter:

Beim Professorinnenprogramm gehen sechs männliche und zwei weibliche Läufer an den Start. Dies ist der Fall, um dem Sportgesetz genüge zu tun, in dem steht, dass ein 100-Meter Lauf acht Teilnehmer haben muss und kein Teilnehmer aufgrund seines Geschlechts benachteiligt werden darf. Jedoch werden die sechs männlichen Läufer missbraucht, um den Anschein zu erwecken, es handle sich beim 100 Meter Lauf um einen ordentlichen Wettkampf und nicht um Schiebung. Die Schiebung ist das Werk der Financiers:

Financiers:

Die Financiers wollen, dass die beiden weiblichen Läufer als erste durchs Ziel gehen. Nur für diesen Fall, bezahlen Sie den Veranstalter. Deshalb lässt der Veranstalter sechs männliche Läufer an den Start gehen, sie das Rennen aber nicht beenden. Sie werden vom Veranstalter aus fadenscheinigen Gründen disqualifiziert und ausgeschlossen, um sich in den Besitz des Geldes zu bringen, das die Financiers in Aussicht gestellt haben, wenn zwei weibliche Läufer als erste durchs Ziel gehen. Entsprechend dienen männliche Läufer ausschließlich als Staffage, um die Schiebung nicht offenkundig werden zu lassen. Die männlichen Läufer sollen den Zuschauern den Eindruck vermitteln, sie hätten einen ordentlichen Wettkampf gesehen und verbergen, dass der Financier den Veranstalter für das Rennen nur bezahlt, wenn ein weiblicher Läufer gewinnt.

Wir hoffen, auch die Halfwits (oder Nitwits), die mit Genderismus versuchen, sich moralischen Status zu ergaunern, sind dazu in der Lage, diese einfache Darstellung wissenschaflicher und philosophischer Konzepte zu verstehen.

Was uns angeht, wir wollen und können diesen Missbrauch wissenschaftlicher und philosophischer Konzepte, der einzig dazu dient, Frauen (oder eine andere Klientel) zu bevorteilen, nicht mehr ertragen.


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