Ende der Lebensleistung: Kollektive Gerechtigkeitsphantasten in der ARD

Wer heute bei der ARD liest, stolpert vielleicht über den Text „Die Probleme der Parteien mit der Jugend“, der unter dem Schlagwort „Generationengerechtigkeit“ verfasst wurde. Im Text hat Ulla Fiebig vom ARD-Studio Berlin minimale Eigenleistung mit weitgehendem Kopieren eines 11 Punkte Planes der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen kombiniert und so durchgereicht, was die seltsame Stiftung von sich gibt.

Gerechtigkeitswahnstifung logo

Quelle: Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=27855288

Der Kollektivismus feiert in Deutschland wieder frohe Feste. Man nehme eine Gesellschaft, teile sie willkürlich in Rothaarige, über 190 cm Große, in Menschen mit einem IQ von mindestens 130 oder in solche mit Schuhgröße von mindestens 44 und fordere z.B. für die nunmehr geschaffene Gruppen derjenigen, mit einer Schuhgröße von mindestens 44 Rechte. Denn: Im Bundestag ist die Gruppe der Schuhgröße 44 Träger deutlich unterrepräsentiert, so dass die Interessen derjenigen, die auf großen Fuß leben, nicht entsprechend berücksichtigt werden. Deshalb muss eine Quote her. Die Landesliste aller Parteien, die zur Bundestagswahl zugelassen werden wollen, muss auf den vorderen Plätzen mindestens 20% Personen aufweisen, die Schuhgröße 44 und mehr vorzuweisen haben. Als Nachweis genügt ein Zertifikat eines Orthopäden.

Das finden Sie lustig?

Nun, dann ersetzen Sie die Schuhgröße, den IQ, die Haarfarbe oder die Körpergröße durch Frauen oder durch Menschen unter 35 Jahren und schon kommen wir bei der neuesten Idiotie aus dem Hause kollektiver Wahnvorstellungen an:

Generationenwahnstiftung

Kollektiv-Viren haben bei uns keine Chance!

„Die Parteien müssen für eine zunehmende Rotation bei den Mandats- und Amtsträ- ger*innen sorgen. Parteiämter werden aktuell teilweise über Jahrzehnte behalten. Das fördert weder die Innovation, noch die Nachwuchsförderung. Im Bundestag und den Landesparlamenten zeigt sich aktuell ein ähnliches Bild. Deswegen fordert die Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen eine Nachwuchsquote in Parteien und Parlamenten. Bei der Listenaufstellung der Parteien sollten mindestens 20 Prozent der Kandidat*innen auf den vorderen Plätzen unter 35 Jahre alt sein.“

Wie weit kann man Irrsinn treiben. Das ist die einzig spannende Frage, die es heute zu stellen gibt.

Mit ihrer Quote will die Stiftung angeblich Generationengerechtigkeit herstellen. Die Gerechtigkeit nach Generationen ist für die Stiftungslobbyisten hergestellt, wenn die Verteilung z.B. der Bundestagsabgeordneten einen Anteil von 20% unter 35jähriger aufweist. Das hat nun mit Gerechtigkeit gar nichts zu tun. Gerechtigkeit ist ein Konzept, das mit Leistung zusammenhängt, z.B. mit Lebensleistung. Wer es schafft, in der SPD die Ochsentour von Parteieintritt über die Gremien der Partei auf unterschiedlichen Ebenen zu durchleiden. Wer sich durch Intrigen, Gerüchte und Versuche, ihn zu diskreditieren, nicht abschrecken lässt und für einen Listenplatz bei z.B. der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz kandidiert, der soll den gerechten Lohn, Listenplatz für seine jahrzehntelange Parteitortur auch einstreichen können.

Eine Quote für unter 35jährige will diese interne Parteileistung kappen und unter 35jährige aufgrund ihres Alters bevorzugen. Damit zielt die Stiftung auf Ergebnisgleichheit, nicht auf Gerechtigkeit. Wie so oft, basiert die Forderung nach Gerechtigkeit auf einer vollkommenen Ahnungslosigkeit davon, was Gerechtigkeit eigentlich darstellt.

Die Forderung danach, unter 35jährige auf Parteilisten besser zu stellen als über 35jährige ist somit ungerecht denen gegenüber, die über 35 Jahre alt sind, denen gegenüber, die eine wie auch immer geartete Parteileistung erbracht haben, um sich nach oben zu arbeiten.

ideology of madnessDie Forderung ist darüber hinaus naiv und dumm. Naiv deshalb, weil Parteien nepotistische Strukturen sind, in denen Mitglieder sich gegenseitig die Hände waschen. Die Ochsentour in Parteien dient dazu, Kontakte zu knüpfen und Abhängigkeiten zu schaffen. Wer denkt, er könne sich auf eine Liste setzen lassen, weil er das richtige Alter hat und abschneiden, was die Parteimitgliedschaft nun einmal ausmacht, wird ziemlich einsam sein, in seiner Partei und entsprechend zum Sonnenkönig, der nur einen Sommer regiert, werden.

Die Forderung ist dumm, weil unterstellt wird, dass Personen, die älter als 35 Jahre alt sind, nicht in der Lage sind, die Interessen von Personen zu vertreten, die unter 35 Jahre alt sind. Warum der Schnittpunkt der Interesseninkompatibilität ausgerechnet bei 35 Jahren verläuft und nicht z.B. bei 29 Jahren 8 Monaten und 3 Tagen, das ist eine Frage, die man wohl nur beantworten kann, wenn man entsprechend wahnsinnig ist.

Aber nehmen wir kurz an, diese Annahme, Interessen von über und unter 35jährigen seien inkompatibel, eine Annahme, die man nur als Ausgeburt von Wahnsinn ansehen kann, träfe zu. Dann müssen wir Schulen schließen, denn Lehrer sind außerstande, die Interessen von Schülern wahrzunehmen. Wir müssen aus dem selben Grund, Eltern ihre Kinder entziehen und letztere mit der Wahrnehmung ihrer Interessen alleine lassen. Wir müssen den Bundestag schließen, denn Bundestagsabgeordnete, die weiblich und über 50 Jahre alt sind, können die Interessen von Bauarbeitern, die 40jährig und geschieden sind, nicht wahrnehmen usw. Kurz: Nichts geht mehr.

Aber ein gutes hätte das ganze: Die Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen, jene Ausgeburt eines nagenden Azathoth, sie müsste schließen, denn wie wollen die paar Hanseln der Stiftung die Interessen ganzer Generationen wahrnehmen, die erst noch geboren werden?

Die deutlichste Folge von Kollektivismus besteht offensichtlich im Verlust der Denkfähigkeit und somit in einer Form von Debilität, von der man es sich nicht leisten kann, dass sie im öffentlichen Diskurs repräsentiert ist.

Annalen des Gutmenschen-Dummdeutsch – heute: Chancenungerechtigkeit

Die Wortschöpfungen, mit denen sich immer mehr als Gutmenschen outen wollen, sie werden immer abenteuerlicher. Offensichtlich führt die neue Mode, sich als guter Mensch, der sich um das Schicksal von denen sorgt, die er sozial unter sich verortet, zu einer gewissen begrifflichen Armut, die durch innovative Schöpfungen, die sich regelmäßig als Blödsinn erweisen, bekämpft werden muss.

Heute ist es „Minister a.D, Walter Hirche“, auf den die Zeit als Minister so prägend gewirkt hat, dass er den sprachlichen Unsinn, der sein Amt ausgezeichnet haben muss, bis heute nicht los wird, der sich in die Annalen des Gutmenschen-Dummdeutsch einträgt.

Nachdem die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz die Chancengerechtigkeit erfunden hat, einen Begriff ohne Inhalt, kann die UNESCO nicht zurückstehen. Da man bei der UNESCO lamentieren und nicht fordern will, wird nicht von Chancengerechtigkeit, sondern von Chancenungerechtigkeit fabuliert. Hier ein Teil des Dummdeutschen, das aus den Hallen der UNESCO kommt, und zwar unter der irrsinnigen Überschrift: “UNESCO-Studie fordert: Chancenungerechtigkeit in der tertiären Bildung beseitigen“.

Studien fordern bekanntlich nichts, und wenn diejenigen, die eine Studie erstellt haben, etwas fordern, dann belegen sie damit, dass sie keine Studie ausgeführt haben, in der es um Wissenschaft geht, sondern eine Auftragsarbeit, in der es darum geht, Politiker oder Gutmenschen-Organisationen mit Material zu versorgen, an dem sie ihr Dummdeutsch ausprobieren können, etwa so:

facepalm orang utan“Im Einklang mit dem weltweiten Trend studieren auch in Deutschland immer mehr junge Erwachsene. Über eine halbe Million junger Menschen haben im vergangenen Jahr ein Studium begonnen. Doch trotz dieser deutlichen Expansion wirken auch bei der Studienaufnahme soziale Herkunftseffekte. Diese Chancenungerechtigkeit müssen wir beseitigen. Chancengerechtigkeit beginnt bei der frühkindlichen Bildung und kann auch im Hochschulwesen nur durch systematische Maßnahmen entlang der gesamten Bildungsbiografie geschaffen werden. Nur so kann das Potenzial von Bildung für eine nachhaltige Entwicklung voll genutzt werden“, betont Walter Hirche, Minister a.D., Vorstandsmitglied der Deutschen UNESCO-Kommission.

Chancenungerechtigkeit ist ein ebensolches sprachliches Unding wie Chancengerechtigkeit. Es kann Chancengleichheit geben, aber keine Chancengerechtigkeit.

Und jetzt alle:

Gerechtigkeit ist ein relationales Konzept, das sich auf die Bewertung prozeduraler Erträge bezieht. Wenn Kinder in der Schule für die gleiche Leistung die gleiche Note bekommen, dann ist das (verfahrens-)gerecht. Wenn sie, wie es in deutschen Schulen der Fall ist, mehr leisten müssen, weil sie männlich sind, um die selben Noten zu erhalten, wie weibliche Schüler oder wenn sie, weil sie aus Familien kommen, die die Mittelschichts-Lehrer als Schicht unterhalb ihrer eigenen ansehen, selbst bei gleicher Leistung schlechtere Grundschulempfehlungen bekommen als die Kinder der Mittelschicht, dann ist das ungerecht. In keinem Fall hat es etwas mit Chancen zu tun.

Wollte man Sinn aus dem Begriff „Chancenungerechtigkeit“ machen, dann müsste man annehmen, dass Chancen nicht gleich verteilt sind, aber dafür gibt es schon die Begriffe der Chancengleichheit bzw. -ungleichheit. Chancengerechtigkeit ist schlichter Blödsinn, den man nur im Mund führen kann, wenn man nichts sagen, nichts kommunizieren will oder kann, was Sinn und Bedeutung hat, sondern affektive Ladungen transportieren will: Seht her, wie gut ich bin, ich sorge mich um die Kinder der Unterschicht. Ich habe zwar keine Ahnung, warum die Unterschichtskinder aus dem Bildungssystem ausscheiden und noch weniger Ahnung habe ich, warum ich den Trend, nachdem immer mehr studieren, gut finde, aber das macht nichts, ich will mich produzieren, als guter Mensch, als einer, der keine Ahnung, aber viel Empathie mit was oder wem auch immer hat.

In der Pfalz nennt man derartige Produzenten kurz und knapp: Dummbabbler.

Zum Verteilen und Auswendig lernen, besonders Ministern, Ministern a.D. und Politikern empfohlen: Unser Idiotentest für Verteilungsfragen.

Unser Häupling Seattle meint (an Genderisten und Politiker gewandt): „Erst wenn der letzte Begriff sinnentleert, das letzte Wort bedeutungslos, der letzte Satz entstellt und das letzte Konzept verballhornt ist, werdet ihr feststellen, dass Blödsinn weder sprachlich noch praktisch brauchbar ist.“

Wider das Gender-Dummdeutsch

Es reicht uns wieder einmal. Die Chancengerechtigkeit, von der die Mitglieder der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz gestern gefaselt haben, sie hat unseren Geduldsfaden einmal mehr reißen lassen. Das Kapern wissenschaftlicher und philosophischer Konzepte durch Minderbemittelte oder Opportunisten muss ein Ende haben. Wir sind es der Rationalität und dem klaren Verstand schuldig, der leidet, wenn Blödsinn wie „Chancengerechtigkeit“ verbreitet wird.

sciencefiles-rationaler-widerstand-3Wir fühlen uns langsam wie Sir Karl Raimund Popper, der bei seinem xten Versuch, zu zeigen, dass es keine Begründung für das Induktionsprinzip geben kann, seiner entsprechenden Verzweiflung ob der Klarheit seiner Beweisführung Luft gemacht hat. Wir haben schon so oft über Gerechtigkeit und Gleichheit geschrieben (z.B. hier (Fussnote 13) und hier), dass es mehr als ärgerlich ist, wenn immer noch (tatsächlich oder angeblich) Ahnungslose unterwegs sind, die nicht wissen, wovon sie sprechen, oder Begriffe nur deshalb missbrauchen, weil sie deren affektive Ladung als warm glow auf die eigenen mickrigen Versuche, intelligent und gut zu erscheinen, fallen lassen wollen.

Hier nun also unser neuester und kürzester Versuch, die Konzepte von Gleichheit und Gerechtigkeit darzustellen.

  • Gleichheit gibt es als
    Chancengleichheit und als Ergebnisgleichheit;
  • Gerechtigkeit gibt es als
    prozedurale (Verfahrens-) und distributive (Verteilungs-)Gerechtigkeit;

Um die Konzepte deutlich zu machen, schicken wir acht Läufer an den Start eines 100 Meter Laufes.

Sie alle haben dieselbe Strecke von hundert Metern zurückzulegen und werden zur gleichen Zeit und auf die gleiche Weise auf den Weg geschickt.
Das ist Chancengleichheit!

Sie alle haben eine ebene Strecke zurückzulegen, auf der sich nicht für einige Hindernisse finden und für andere nicht.
Das ist prozedurale (oder Verfahrens-)Gerechtigkeit.

Derjenige, der als erster durchs Ziel geht, erhält eine Goldmedaille. Derjenige, der als letzter durchs Ziel geht, erhält keine Medaille.
Das ist distributive (oder Verteilungs-) Gerechtigkeit.

Derjenige, der im Vergleich zu anderen mit höherem Einsatz eine bessere Leistung erbracht hat, wird also herausgehoben und belohnt.

Das ist Gerechtigkeit.

Einfacher können wir die Konzepte nun wirklich nicht mehr darstellen.

Aus opportunistischen Gründen oder weil ihre geistigen Kapazitäten nicht ausreichen, um eingeführte Konzepte korrekt zu benutzen, verballhornen Genderisten alles, was mit Gleichheit und Gerechtigkeit zu tun hat. Sie tun das entweder durch begriffliche Neuschöpfungen wie die unsinnige „Chancengerechtigkeit (der auf das legitime Einräumen unterschiedlicher Chancen, z.B. auf Basis von Geburt, abzielt)“, die wir gestern bereits als Blödsinn entlarvt haben. Oder sie tun das, in dem sie neue Begriffe einführen und für diese Begriffe eine Verwandtschaft mit Gerechtigkeit oder den Konzepten der Gleichheit erfinden.

Begriffe wie:

  • Gleichstellung
  • Gender Mainstreaming
  • Professorinnenprogramm

Schicken wir wieder unsere acht Läufer an den Start des 100 Meter Laufes und gehen wir dieses Mal davon aus, dass zwei der acht Läufer weiblich sind, sechs männlich.

Gleichstellung
Gleichstellung zielt auf Ergebnisgleichheit ab, d.h., unabhängig davon, ob die beiden weiblichen Läufer als vorletzter oder letzter oder fünfter Läufer durchs Ziel gehen, sie werden mit den besten männlichen Läufern gleichgestellt. Entsprechend gibt es zwei Goldmedaillen und zwei Silbermedaillen. Ergebnisgleichheit nivelliert Unterschiede in der Leistung und stellt Menschen im Hinblick auf ein willkürliches Merkmal, wie in diesem Fall Geschlecht und unabhängig von der Leistung, die sie tatsächlich erbracht haben, gleich.

Gender Mainstreaming
Gender Studies T ShirtGender Mainstreaming zielt darauf, die Bedingungen dafür, dass Frauen sich in einem 100 Meter Lauf gegen Männer durchsetzen, zu verbessern. Entsprechend liegt Gender Mainstreaming dann vor, wenn die beiden weiblichen Läufer 30 Sekunden Vorsprung vor den männlichen Läufern erhalten oder die 100 Meter für die beiden weiblichen Läufer auf 40 Meter verkürzt werden. Ziel von Gender Mainstreaming ist abermals die Ergebnisgleichheit, bei der Leistung nicht belohnt, sondern bestraft wird und das Prinzip der Chancengleichheit verletzt wird.

Professorinnenprogramm

Beim Professorinnenprogramm muss zwischen Veranstalter (den Hochschulen) und Financiers (dem BMBF und den Kultusministerien der Länder)  unterschieden werden.

Veranstalter:

Beim Professorinnenprogramm gehen sechs männliche und zwei weibliche Läufer an den Start. Dies ist der Fall, um dem Sportgesetz genüge zu tun, in dem steht, dass ein 100-Meter Lauf acht Teilnehmer haben muss und kein Teilnehmer aufgrund seines Geschlechts benachteiligt werden darf. Jedoch werden die sechs männlichen Läufer missbraucht, um den Anschein zu erwecken, es handle sich beim 100 Meter Lauf um einen ordentlichen Wettkampf und nicht um Schiebung. Die Schiebung ist das Werk der Financiers:

Financiers:

Die Financiers wollen, dass die beiden weiblichen Läufer als erste durchs Ziel gehen. Nur für diesen Fall, bezahlen Sie den Veranstalter. Deshalb lässt der Veranstalter sechs männliche Läufer an den Start gehen, sie das Rennen aber nicht beenden. Sie werden vom Veranstalter aus fadenscheinigen Gründen disqualifiziert und ausgeschlossen, um sich in den Besitz des Geldes zu bringen, das die Financiers in Aussicht gestellt haben, wenn zwei weibliche Läufer als erste durchs Ziel gehen. Entsprechend dienen männliche Läufer ausschließlich als Staffage, um die Schiebung nicht offenkundig werden zu lassen. Die männlichen Läufer sollen den Zuschauern den Eindruck vermitteln, sie hätten einen ordentlichen Wettkampf gesehen und verbergen, dass der Financier den Veranstalter für das Rennen nur bezahlt, wenn ein weiblicher Läufer gewinnt.

Wir hoffen, auch die Halfwits (oder Nitwits), die mit Genderismus versuchen, sich moralischen Status zu ergaunern, sind dazu in der Lage, diese einfache Darstellung wissenschaflicher und philosophischer Konzepte zu verstehen.

Was uns angeht, wir wollen und können diesen Missbrauch wissenschaftlicher und philosophischer Konzepte, der einzig dazu dient, Frauen (oder eine andere Klientel) zu bevorteilen, nicht mehr ertragen.


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Deutsche Steuergerechtigkeit: 10,3 Mrd. € zuviel einbehalten

Die Frage nach der Steuergerechtigkeit wird in Deutschland ausschließlich im Hinblick darauf gestellt, ob auch eine „gerechte Verteilung der Abgabenlast“ vorliegt, wie es Norbert Dautzenberg in Gablers Wirtschaftslexikon formuliert.

Die Betonung liegt auch Abgabenlast, denn: Wenn es darum geht, Bürger zu schröpfen, dann ist Deutschland europäische Spitze. Die Last der Abgaben ist mittlerweile so hoch, dass den meisten Steuerzahlern von jedem Euro, den sie verdienen, weniger als 50 Cent verbleiben.

Diejenigen, die arbeiten, können also nicht einmal die Hälfte der Früchte ihrer Arbeit für sich verbrauchen, schon weil Legionen von Kostgängern am Tropf des Staates hängen, die z.B. von Ministerien dafür gefüttert werden, dass sie sinnlose Studien zu uninteressanten Themen erstellen, die in den Regalen der Verwaltung verschwinden, die sie in Auftrag gegeben hat.

Laffer Curve 2Aber das ändert sich jetzt, denn Martin Schulz hat schon angekündigt, dass er Steuergerechtigkeit zum Wahlkampfthema machen wird. Nun würde jeder, der sich mit Ökonomie ein wenig auskennt, eigentlich erwarten, dass angesichts der Höhe der Steuerlast und der Erkenntnisse, die z.B. in die Laffer-Kurve eingeflossen sind, Steuergerechtigkeit im Hinblick auf die Höhe der Abgaben thematisiert wird – schon weil ein Ergebnis der Überlegungen von Arthur Laffer, die in die Laffer-Kurve eingeflossen sind, darin besteht, dass Steuersysteme, die ihren Bürgern eine zu hohe Abgabenlast auferlegen, zwangsläufig an Legitimation verlieren, was zu Widerstand führt, der sich z.B. darin zeigt, dass die Bereitschaft, Steuern zu entrichten, sinkt.

Derartige Kenntnisse sind es jedoch nicht, die die Thematisierung der Steuergerechtigkeit im Wahlkampf durch die SPD anleiten. Vielmehr soll die alte Neiddebatte aufgewärmt und darüber diskutiert werden, ob auch alle gerecht an der Abgabenlast beteiligt sind, also die Reichen relativ zu den Armen angemessen zur Kasse gebeten werden.

Über diesem Ablenkungsfeuer verglimmt dann jeder Strohhalm, an dem sich eine Diskussion darüber, ob die Haushalte von Bund und Ländern nicht über alle Proportionen aufgeblasen sind und entsprechend reduziert werden müssten, z.B. dadurch, dass man jede Form von Auftragsforschung durch Wissenschaftler und für Ministerien beendet oder dadurch, dass die Parteienfinanzierung abgeschafft wird, festhalten könnte. Statt also über die Höhe der Abgabenlast zu diskutieren und die Frage zu stellen, ob die Höhe der Abgaben rechtfertigbar ist, wird über die Verteilung der Abgabenlast gestritten und im Geschrei der (bezahlten) Aktivisten darüber, dass Reiche relativ zu wenig Steuern bezahlen, geht die Frage nach der Höhe der Abgabenlast verloren.

So wie eine Ungeheuerlichkeit verloren geht, die das Statistische Bundesamt gerade wieder veröffentlicht hat: Im Jahr 2012, für das die aktuellsten Daten vorliegen, haben 13,1 Millionen „unbeschränkt Steuerpflichtige, die ausschließlich Einnahmen aus nichtselbständiger Arbeit … erzielen“, also Vollzeit-Arbeiter und –Angestellte, Steuern entrichtet. Von diesen 13.1 Millionen Arbeitern, denen die Steuern vom Lohn einbehalten wurden, haben 11,4 Millionen eine Steuerrückerstattung erhalten, d.h. 87% der „unbeschränkt Steuerpflichtigen“ werden zu viel Steuern abgequetscht. Gnädiger Weise zahlen deutsche Finanzämter derzeit noch die zuviel einbehaltenen Steuern zurück: 901 Euro waren es im Durchschnitt pro „unbeschränkt Steuerpflichtigem“, dem zuviel abgezogen wurde. Insgesamt haben deutsche Finanzämter im Jahr 2012 10,3 Milliarden Euro zu viel einbehalten.

Dem stehen 1,5 Milliarden Euro gegenüber, die die Finanzämter im Jahr 2012 von 1,5 Millionen „unbeschränkt Steuerpflichtigen“ zu wenig erhalten haben. Im Durchschnitt beliefen sich die Nachforderungen auf 965 Euro pro „unbeschränkt Steuerpflichtigem“.

Der Finanzamtsirrtum zu eigenen Gunsten betrug somit im Jahr 2012: 8,8 Milliarden Euro. 8,8 Milliarden Euro, die ihnen nicht zustehen, haben die Finanzämter im Jahr 2012 einbehalten.

Was vom Euro bleibt

Jedes private Zahlungssystem, bei dem sich der Rechnungssteller in 87% der Fälle zu seinen Gunsten verrechnet, wäre über kurz oder lang ein Fall für die Staatsanwaltschaft, schon weil der Verdacht naheliegt, dass hier systematischer Betrug vorliegt. Denn: das zu viel einbehaltene Steuergeld trägt natürlich Zinsen, zwar nicht viel im Moment, aber genug, um von 8.8 Milliarden Euro noch einen netten Gewinn, der natürlich nicht zurückerstattet wird, zu erwirtschaften (und wenn es durch vermiedene Zinszahlungen für Kredite ist, die man nicht aufnehmen muss).

Rent Seeking SocietzDas deutsche Steuersystem, wie viele andere Regelungen, verdeutlich die obrigkeitsstaatliche Ausrichtung eines Landes, das nie wirklich in einer Demokratie angekommen ist. Zuerst kommen die Interessen des Staates, also die Interessen der Clique von Politikern, die sich und ihre Klientel gerade aus den Steuerkassen bedienen, dann kommen die Interessen derjenigen, die die Veranstaltung bezahlen.

Eine derartige Umkehr der Verhältnisse konnte sich nicht einmal Thomas Hobbes vorstellen, und er konnte sich viel vorstellen, wenn es um Machtmissbrauch geht. Er war jedoch bis zu seinem Tod unbeirrbar der Ansicht, dass der Souverän, also die Bürger für Hobbes, diejenigen seien, auf deren Legitimation der Leviathan angewiesen ist. Ein Leviathan, der seine Untertanten dazu zwingt, ihre Legitimation zum Besitz ihres Eigentums nachzuweisen, wie dies im deutschen Steuerrecht der Fall ist, war Hobbes schlicht nicht vorstellbar. Vermutlich hätte er schallend gelacht.


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Prozedurale Gerechtigkeit: Warum Rentner nichts und Flüchtlinge viel wert sind

Mal ein wenig Philosophie zum Einstieg:

Am Ende eines Par Force Ritts durch die Philosophiegeschichte definieren wir Gerechtigkeit in drei Grundsätzen:

Lebe ehrenhaft, also im Einklang mit dem Recht;
Füge niemandem Schaden zu;
Gib‘ und belasse jedem das Seine.

Die drei Grundsätze konstituieren ein Leistungsprinzip, das jedem die Ergebnisse garantiert, die seinen Anstrengungen entsprechen.

Dieses Leistungsprinzip bezeichnen wir und die meisten Gerechtigkeitstheoretiker als Materiale Gerechtigkeit, als die Gerechtigkeit eines Ergebnisses.

Nun ersinnen Menschen zuweilen Verfahren, mit denen sie behaupten, Materiale Gerechtigkeit herstellen und sichern zu wollen. Die Gesetzliche Rentenversicherung ist ein solches Verfahren das prozedurale Gerechtigkeit, also eine über ein bestimmtes Verfahren erzeugte Gerechtigkeit des Ergebnisses herstellen will.

rentner-in-deutschlandVerfahrensregeln sollen dafür sorgen, dass über das System der Gesetzlichen Rentenversicherung eine gerechte Rentenzahlung für alle, die am System teilnehmen, erreicht wird. Nun sind Verfahrensregeln keine Binnenregeln, die nur für das entsprechende System gelten. Es sind relationale Regeln, die sich dem Vergleich mit anderen Verfahrensregeln aussetzen und in diesem Vergleich bewähren müssen.

Vergleichen wir doch einmal Hartz IV und die gesetzliche Rentenversicherung.

Die Höhe einer Regelrente, die nach 45 ununterbrochenen Erwerbsjahren erreicht ist, beträgt 1.176 Euro. Ein Rentner, der keine Unterbrechung seiner Erwerbsbiographie aufzuweisen hat und in allen Jahren einen Entgeltpunkt angesammelt hat, also in jedem Jahr das durchschnittliche Jahreseinkommen erzielt hat, erhält diese Rente. Im Jahr 2015 beträgt das Durchschnittseinkommen 34.999 Euro, 2.916.58 Euro brutto monatlich (also vor Abzug von u.a. den Rentenbeiträgen). Ein solcher Rentner, der 45 Jahre lang jährlich seinen Rentenbeitrag in Höhe von derzeit 18.7%, also rund 545 Euro bezahlt hat, erhält eine Rente in Höhe von 1.176 Euro.

Das ist der Idealrentner. Ein normaler Rentner hat Zeiten der Arbeitslosigkeit, erreicht in manchen Jahren das Durchschnittseinkommen nicht uvm. Der Gewinner der Abweichung vom Idealrentner ist immer die Rentenversicherung, wie sich schon daran zeigt, dass der durchschnittliche Auszahlbetrag für einen Rentner im Westen Deutschlands 785 Euro beträgt, also 391 Euro weniger als der Idealrentner erhält.

Nun hat unser Rentner von seiner monatlichen Rente die Miete und die Heizkosten zu tragen. Sagen wir, er bewohnt eine kleine Ein-Zimmer Wohnung in Neufahrn bei München, die 20 Quadratmeter groß ist und kalt 400 Euro kostet. Natürlich muss er auch die Betriebskosten für seine Wohnung aufbringen. Laut Mieterbund addieren sich die durchschnittlichen Betriebskosten für Heizung, Warmwasser, Abwasser, Grundsteuer, Müllabfuhr usw. im Jahr 2015 auf 2,17 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Somit hat unser Rentner Betriebskosten in Höhe von 43,40 Euro monatlich zu tragen.

Daraus ergibt sich eine einfach Rechnung:
Ein Rentner, der 45 Jahre ideal gearbeitet und in die GRV eingezahlt hat, erhält

  • 1.176 Euro monatliche Rente

Davon finanziert er seine Wohnung:

  • 400 Euro Kaltmiete
  • 43,40 Euro Betriebskosten

Es bleiben ihm 732,60 Euro.

Nun ist unser Rentner nicht der Normalrentner, sondern ein Idealrentner. Der durchschnittliche Normalrentner erhält nicht 1.176 Euro monatlich sondern 33% weniger, nämlich 785 Euro aus der Gesetzlichen Rentenversicherung. Entsprechend verbleiben dem Normalrentner nach Abzug der Kosten für Miete und Betriebskosten seiner Einzimmer-Bleibe: 341,60 Euro.

bayles-justiceVergleichen wir den Lebensstandard, den ein alter Mensch nach einem Erwerbsleben erreicht, in dem er regelmäßig Beiträge in die Gesetzliche Rentenversicherung einbezahlt hat, mit dem Lebensstandard, den ein Hartz-IV-Bezieher erreicht, der, sagen wir nach 15 Erwerbsjahren arbeitslos geworden ist und nunmehr von Hartz IV lebt. Wir haben uns die Rechnung etwas erleichtert und keine Pauschalen, die Hartz-IV-Bezieher erhalten, berücksichtigt. Unter Annahme von 400 Euro Kaltmiete und 40,34 Euro Heizkosten erhält der Hartz-IV-Bezieher, der 15 Jahre gearbeitet und Sozialabgaben gezahlt hat, 847,40 Euro. Nach Miete und Betriebskosten bleiben ihm davon 407,06 Euro und somit 65,46 Euro mehr als dem Normalrentner.

Hartz-IV in der selben Höhe erhält ein Flüchtling, der z.B. im Saalekreis in einer privaten Wohnung zu Konditionen untergebracht ist, die den Wohnbedingungen unseres Rentners entsprechen. Der Flüchtling erhält 65,46 Euro mehr als der Normalrentner, obwohl er im Gegensatz zum Normalrentner und im Gegensatz zum Hartz-IV-Bezieher werden in Deutschland einen Beitrag zu einer Sozialversicherung geleistet noch Steuern bezahlt hat.

Aus Sicht prozeduraler Gerechtigkeit ist dies eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, und deshalb ist es an der Zeit, eine öffentliche Diskussion über die Art und Weise zu führen, in der Menschen instrumentalisiert werden, wenn sie einer Rent Seeking Community nützlich sind, wie dies z.B. für Flüchtlinge der Fall ist bzw. wie Menschen abgespeist und ausgesondert werden, wie dies für Rentner der Fall ist, die ein Erwerbsleben geführt und den Wohlstand mit erwirtschaftet haben, den deutsche Politiker nun so großzügig umverteilen, von denen, die ihn erwirtschaftet haben, zu denen, die keinerlei Beitrag geleistet haben, wie z.B. Flüchtling oder Berufsmütter.

Es ist höchste Zeit eine Diskussion über Verteilungsgerechtigkeit zu führen, darüber wer aufgrund welcher Leistung welches Ergebnis, welche finanzielle Ressourcen verdient.


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Freiheit, Gleichheit, Gleichwertigkeit: Die Neusprech neuer deutscher Medienmacher

Matthias Mala hat uns auf einen Beitrag hingewiesen, der bei Roland Tichy erschienen ist. Dort setzt sich Hugo Müller-Vogg mit den Neuen Deutschen Medienmachern auseinander. Die Neuen Deutschen Medienmacher nennen sich wirklich so und sind angetreten, die Sprache in Medien zu standardisieren, zu vereinheitlichen, in politisch korrektes Deutsch zu übersetzen.

Ein Blick auf die Seite der Neuen Deutschen Medienmacher zeigt, es handelt sich vorwiegend um Journalisten mit Migrationshintergrund, die angetreten sind, an der Tatsache, dass die Vielzahl der Personen mit Migrationshintergrund, die in Deutschland lebt, in keinem Verhältnis zu ihrer öffentlichen Repräsentation steht, etwas zu ändern, zunächst in ihrem Bereich des Journalismus.

Ein löbliches Unterfangen.

Leider haben sich die Neuen Deutschen Medienmacher beim Versuch, ihr Ansinnen umzusetzen, in schlechte Gesellschaft begeben und sind nun instrumentalisiert worden, instrumentalisiert, um politisch korrektes Neusprech in Medien zu verankern und einem Sprachpluralismus den Garaus zu machen.

Schmuddelkinder

Das ist die wohlwollende Interpretation des Auftauchens der Neuen Deutschen Medienmacher.

Die nicht so wohlwollende Interpretation geht wie folgt: Wenn man eine Gesellschaft sprachlich gleichschalten will und nur noch die Begriffe in einer Neusprech zulassen will, die die Prüfung „politisch korrekt“ bestanden haben und als zertifizierte Worthülsen ohne abweichenden Charakter und ohne den Keim von Veränderung freigegeben worden sind, dann bietet es sich an, eine gesellschaftliche Gruppe vorzuschicken, die – wenn überhaupt – zurückhaltend kritisiert wird. Juden hätten sich hier angeboten, denn jeder, der in Deutschland Personen jüdischen Glaubens kritisiert, begibt sich in die Gefahr zum Antisemitisten erklärt zu werden. Aber eine Gruppe jüdischer Neuer Deutscher Medienmacher wäre im Hinblick auf den Gegenstand der Neuen Deutschen Medienmacher verfehlt, da man z.B. im Hinblick auf Islam und Islamismus, ein Kapitel dessen sprachliche Behandlung den Medienmachern ganz besonders am Herzen liegt, etwas irritiert darauf reagieren würde. Die nächstbeste Gruppe sind Deutsche mit Migrationshintergrund, die man vorschicken kann, um die schmutzige Arbeit der sprachlichen Gleichschaltung für die, die dahinter stehen, zu machen.

Was die Frage aufwirft, wer steht dahinter?

Es sind „the usual suspects“, wie ein Blick auf die Seite der Neuen Deutschen Medienmacher zeigt:

NDMedienmacher

Um politisch korrektes Neusprech in den Medien zu verankern, um die sprachliche Gleichschaltung von Medien zu erwirken, haben sich die Neuen Deutschen Medienmacher nicht nur vor den Karren entsprechender Interessenvertreter spannen lassen (oder es wurden extra Willige rekrutiert, um diesen Karren zu ziehen), sie haben auch ein Glossar entwickelt, in dem die richtige, die politisch korrekte Benutzung von Begriffen, wie sie ein guter einheimischer oder „mehrheimischer“ Journalist, wie die im Text zu findende korrekte Bezeichnung für „Eingewanderte“ lautet, auswendig lernt und verwendet.

Es ist an sich schon eine bemerkenswerte Angelegenheit, dass sich Institutionen, wie z.B. die Amadeu-Antonio-Stiftung, die über keinerlei demokratische Legitimation verfügen, aufschwingen, ein Glossar der korrekten Sprache zur Verwendung in Medien zu schreiben (bzw. im Falle der Amadeu-Antonio-Stiftung: zu finanzieren (aus Steuergeldern versteht sich)), es wird unglaublich, wenn man den Inhalt der Neusprech genauer betrachtet.

Neue deutsche MedienmacherWir haben uns auf das Kapitel „Kriminalitätsberichterstattung“ beschränkt und die darin zusammengefassten „Formulierungshilfen“ der Neusprech betrachtet. Neben einem Bias dahingehend, dass Kriminalität bei den Neuen Deutschen Medienmachern vornehmlich aus Blutrache, Ehrenmord, Rechtsextremismus und Hasskriminalität besteht und somit aus Marginalien im 0,001% Bereich der Polizeilichen Kriminalstatistik, die nach wie vor von Diebstahl, Sachbeschädigung oder Körperverletzung, ganz zu schweigen von Verkehrsdelikten beherrscht wird, sind uns zwei Dinge besonders negativ ausgestoßen:

Dass das „Glossar der Neuen deutschen Medienmacher“, dass „die Formulierungshilfen für die Berichterstattung im Einwanderungsland“ einen extremen ideologischen Stallgeruch absondern, dass sie sich entsprechend als ideologischer Versuch der Einflussnahme auf die Art und Weise der Berichterstattung diskreditieren, wird spätestens da deutlich, wo von „subtileren Codes“ die Rede, ist „subtilere Codes“, die man nicht benennen kann und die entsprechend nicht von Einbildung unterscheidbar sind, die aber dennoch „Formen des Rechtsextremismus“ sind, die es „in der Mitte der Gesellschaft gibt“, denn auch in der Mitte der Gesellschaft gibt es „Menschen mit rechtsextremer und/oder neonazistischer Gesinnung“ (24).

Die neuen deutschen Medienmacher sind also angetreten, die politikwissenschaftliche Forschung der letzten 50 Jahre  zum Unsinn zu erklären, die politische Farbenlehre dahingehend umzugestalten, dass braun bereits in der Mitte der Gesellschaft beginnt und entsprechend nur rot, alles, was sich links von der Mitte befindet, den ideologischen Lackmustest besteht und als unbedenklich gelten kann. Es ist schade, dass sich Journalisten mit Migrationshintergrund in ihrem Bemühen, dazu zu gehören, vor einen so schäbigen Karren spannen lassen.

Der seit einiger Zeit zu beobachtende Versuch, die Gesellschaft in gute Linke und in alle anderen, jedenfalls aber nicht gute bzw. nicht als unbedenklich geltende Nicht-Linke zu differenzieren, ein Versuch, zu dem Leipziger Wissenschaftler mit einer unterirdisch schlechten Studie die Munition geliefert haben, die steuerzahlerfinanzierte Stiftungen wie die Amadeu-Antonio-Stiftung nun in Richtung Mitte der Gesellschaft verschießen, wobei sie genau die anvisieren, die sie finanzieren, gehört mit zu den bedenklichsten Formen der Brunnenvergiftung, die derzeit zu beobachten ist.

Aber es ist nicht der einzige Versuch. Ein weiterer Versuch besteht darin, unter der Hand den Begriff der Gleichwertigkeit einzuführen und in eine Reihe mit Gleichberechtigung zu stellen. Und damit auch klar ist, dass Gleichwertigkeit sakrosankt ist, wird Rechtsextremismus als „Ideologie der Ungleichwertigkeit“ bezeichnet (24), und es werden „Ideologien der Ungleichwertigkeit als „Weltanschauungen, in denen die Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung aller Menschen grundlegend abgelehnt werden“ (23) definiert.

Nun gibt es einen erheblichen Unterschied zwischen Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit. Ersteres ist ein objektives Prinzip, Letzteres eine subjektive Behauptung.

Gerechtigkeit beschreibt ein Equitätsprinzip, in dessen Kern Fairness steht. Gerechtigkeit ist dann gegeben, wenn jeder die seiner Leistung angemessene Auszahlung erhält. Wer mehr leistet, der erhält auch eine höhere Auszahlung. Wer mehr leistet, der hat entsprechend im Hinblick auf die Leistung mehr Wert, er ist mehrwertig im Vergleich zu Personen mit geringerer Leistung.

Zu behaupten, dass Menschen gleichwertig seien, kommt entsprechend einer vollständigen Verleugnung von Leistung gleich und negiert somit jede Anstrengung, die ein Mensch im Verlauf seines Lebens unternommen hat. Ein Nobelpreisträger für Physik ist mit einem Professor für Genderforschung gleichwertig, ein Straftäter mit seinem Richter, ein alter Mensch, der sein Leben lang gearbeitet hat, mit den Neugeborenen, ein psychisch Gestörter  mit seinem Irrenarzt, ein Faulenzer mit einem Strebsamen usw.

Menschen sind entsprechend nicht gleichwertig. Sie sind gleich geboren, aber sie entwickeln sich unterschiedlich und je nach Art und Umfang der Investitionen in sich, sind sie in bestimmten Bereichen des öffentlichen Lebens schlicht mehr wert als andere. Wer das nicht glaubt, der möge sein Verhalten an seinen Behauptungen ausrichten und z.B. nach einem Unfall keinen Arzt rufen, denn es genügt die Hausfrau von nebenan, mit der Versorgung des gebrochenen Beines zu beauftragen, denn sicherlich ist sie dem Arzt in allem gleichwertig.

Wenn Gleichwertigkeit ein dermaßen offensichtlicher Unsinn ist, wieso findet er sich dann im Glossar der Neuen Deutschen Medienmacher? Offensichtlich gibt es Gruppen, die sich einen Vorteil davon versprechen, Gleichwertigkeit als Prinzip zu etablieren, wohlwissend, dass man die Gleichwertigkeit bestimmen muss, wie dies bereits im Zusammenhang mit der Bevorzugung von Frauen der Fall ist. Hier wird nicht mehr gleicher Lohn für gleiche Arbeit gefordert, sondern gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit. Was gleichwertige Arbeit ist, wird natürlich von denselben Interessenvertretern bestimmt, die den Begriff der Gleichwertigkeit eingeführt haben: Hausarbeit, also die normalen Verrichtungen im Haushalt werden entsprechend zu gleichwertiger Arbeit, die mit einer produktiven Tätigkeit in der Industrie gleichgesetzt werden soll.

Gleichwertigkeit öffnet so die Büchse der Pandora, die Büchse der Willkür, denn mit der Behauptung, Menschen wären ungeachtet ihrer Anstrengungen und ihrer Kompetenzen gleichwertig, wird nicht nur jede Leistung von Menschen in Frage gestellt, deren Anerkennung verweigert, es wird auch deutlich, wer sich als Mitglied der Neuen Deutschen Medienmachergesellschaft diskreditiert hat: Alle diejenigen nämlich, die darauf beharren, dass ein Mensch, der etwas leistet, mehr Wert hat als ein Mensch, der nur nimmt. Alle diejenigen, die eine Gesellschaft wünschen, in der Leistung belohnt wird, deren erstes Interesse darin besteht, sich und nicht nutznießende Interessenvertreter durch eigene Leistung zu belohnen. Aber für derartige Menschen hat man im Neusprech-Glossar auch schon eine Kategorie vorgesehen: Sie sind die Rechtsextremen, die Mitte der Gesellschaft, die – wie man früher gesagt hat – Stützen der Gesellschaft.

Obwohl einem, angesichts solcher Machwerke der Humor im Hals stecken bleiben kann, wollen wir diesen Post mit einer humoresken Einlage von Seite 24 des Glossars der Neuen Deutschen Medienmacher abschließen.

Dort steht:

„Opfer _ ist in der Kriminaliätsberichterstattung gängig als Bezeichnung für Betroffene von Diskriminierung oder Gewalt. Mit dem Begriff werden allerdings Eigenschaften wie Hilflosigkeit oder
Versagen assoziiert. Eine sinnvolle Alternative ist: Betroffene.“

Wenn sie demnächst von Unfallbetroffenen und Mordbetroffenen lesen und sich fragen, ob ein Unfallbetroffener nun ein Zuschauer am Wegrand ist, der betroffen ist, ob dessen, was er sieht oder ob der Mordbetroffene der Erbe des Ermordeten ist, dann wissen sie, wem sie diesen neuen deutschen Unsinn zu verdanken haben, dessen vermutlich betroffenes Opfer sie gerade geworden sind.

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Umverteilung macht unzufrieden

Moderne Wohlfahrtsstaaten zeichnen sich durch eine hohes Maß an Paternalismus aus, zu dessen Finanzierung große Summen von Steuergeldern aufgewendet werden muss. Paternalismus hat generell den Ausgleich sozialer Ungleichheiten zum Gegenstand, wobei die Ungleichheiten in den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen geortet werden. Das muntere Ungleichheitsfinden beginnt bei der Einkommensverteilung, führt über den Zugang zum Internet und die Verteilung von Demenz und endet bei Aufsichtsratsposten. Scheinbar ist keine Verteilung frei vom Verdacht, ungleich zu sein, und entsprechend steht jede Verteilung einer Problematisierung durch professionelle Ungleichheits-Bekämpfer offen.

BartholomewBesonderen Aufwind haben die Gegner von Ungleichheiten aller Art durch ein Buch von Richard Wilkinson und Kate Pickett mit dem Namen „The Spirit Level“ erhalten, in dem die Autoren gezeigt haben wollen, dass in Gesellschaften, in denen eine größere Einkommensgleichheit herrscht, die zufriedeneren Bürger leben. Dieses Ergebnis hat Christopher Snowdon zwar zwischenzeitlich als falsch bloßgestellt, seine Widerlegung ändert aber nichts daran, dass das Mantra von „Gleich macht glücklich“ sich unter Linken aller Provenienz großer Beliebtheit erfreut und immer dann vorgebracht wird, wenn es neue Umverteilungsmaßnahmen zu fordern oder zu rechtfertigen gilt.

Eine neue Untersuchung von Christian Bjornskov, Axel Dreher, Justina A. V. Fischer, Jan Schnellenbach und Kai Gehring (2013) räumt nun mit der Annahme, dass Einkommensumverteilung und damit hergestellte Einkommensgleichheit glückliche und zufriedene Menschen hinterlässt, endgültig auf. Umverteilung, so zeigt sich, macht nur diejenigen glücklich, die davon profitieren und selbst sie nur dann, wenn sie Prinzipien der Fairness nicht zu ihrem Normenkanon zählen.

Ich will ausnahmsweise einmal am Ende der Untersucht von Bjornskov et al. anfangen:

„Inequality is easier to accept if it is the result of unequally distributed skills and chosen effort levels that if it is due to institutional design and low social mobility. Our results suggest that creating a society with such equal opportunities would be superior with regard to fostering higher subjective well-being to a paternalistic and overly redistributive welfare state. (36).

Young EquityDieses Ergebnis ist nicht weiter verwunderlich. Tatsächlich wird hier in Worte gegossen, was Sozialpsychologen im Allgemeinen und J. Stacy Adams (1965) im Besonderen in der Equity Theory zusammengefasst haben und was sich auch unter der Bezeichnung prozedurale Gerechtigkeit (procedural justice) finden lässt: Verteilungen, auch ungleiche Verteilungen, werden dann als gerecht angesehen und hingenommen, wenn sie fair erreicht wurden, wenn sie das Ergebnis entsprechender Anstrengungen darstellen, oder in den Worten von Bjonskov et al. (2013), S.7:

„…we define an income generating process as ‚fair‘ if there is a direct link between own investment in human capital, on-the-job effort and individual economic outcome. The weaker this link becomes, i.e., the more the individual outcome depends on chance and at the same time is related to inherited starting positions, the less fair the income generating process is“.

Davon ausgehend machen die Autoren zwei Annahmen:

  1. Die Wahrnehmung einer Einkommensverteilung in einer Gesellschaft als fair oder nicht fair, hat einen Effekt auf die individuelle Zufriedenheit, d.h. wer die Einkommensverteilung als fair ansieht, ist insgesamt zufriedener.
  2. Die Differenz zwischen wahrgenommener Fairness der Eigentumsverteilung und tatsächlicher Verteilung hat einen Effekt auf das Niveau der Zufriedenheit. Je größer die Distanz wahrgenommen wird, desto geringer die Zufriedenheit.

Diese beiden Hypothesen sind meine Zusammenfassung von vier Annahmen, die sich im Text finden und die die Autoren auf der Grundlage des World Value Survey und auf der Basis von rund 300.000 Befragten aus 80 Ländern testen. Die Ergebnisse bestätigen, was hier bereits angerissen wurde: Wahrgenommene Fairness der Einkommensverteilung und die Distanz zwischen wahrgenommener und tatsächlicher Fairness, schlagen sich im Niveau der Lebenszufriedenheit der Befragten nieder:

fairness1According to the results, the respondents‘ belief that income inequality in their society is the result of a comparably fair market process makes them considerably more satisfied with their lives, while a demand for more government redistribution for correcting the market-income distribution is negatively associated with happiness. … The findings challenge the standard Lerner argument that more redistribution and less income inequality unambiguously leads to an increase in welfare of the average person, and thus, in average welfare. Instead, the model and the empirical analysis suggest that for broad groups of countries the potential effects of inequality depend on the interplay between perceived and actual fairness of the institutional framework“ (34). [Wie die Ergebnisse zeigen, sind Befragte, die der Ansicht sind, die Einkommensungleichheit in ihrer Gesellschaft sei das Ergebnis fairer Marktprozesse deutlich zufriedener mit ihrem Leben, während diejenigen, die mehr Umverteilung durch die Regierung verlangen, um die Einkommensungleichheit zu korrigieren unzufrieden mit ihrem Leben sind … Diese Ergebnisse stehen im Gegensatz zu der im Anschluss an Lerner gemachte Standardannahme, nach der Umverteilung und eine geringere Einkommensungleichheit unzweideutig zu einem Wachstum von Wohlfahrt für den durchschnittlichen Bürger und die Gesellschaft als Ganze führt. Vielmehr zeigen das vorliegende Modell und die empirische Analyse, dass der Effekt der Ungleichheit auf die Lebenszufriedenheit für viele Länder davon abhängt, wie sich die durch die Bürger wahrgenommene Fairness zur tatsächlich gegebenen Fairness im jeweiligen Land verhält.]

Damit steht fest, dass Umverteilung nicht zu größerer Zufriedenheit in einer Gesellschaft führt, nicht führen kann, denn Umverteilung verletzt das Gerechtigkeitsempfinden einer großen Anzahl von Bürgern, die z.B. der Ansicht sind, dass „harte Arbeit sich auf lange Sicht auszahlt“, „Armut ein Ergebnis von Faulheit, nicht von Ungerechtigkeit ist“ und „eine Möglichkeit besteht, der Armut durch Arbeit zu entkommen“. Wie Bjornskov et al. in ihren Analysen zeigen können, zeichnen sich Personen, die einem oder allen dreien dieser Aussagen zustimmen, durch eine hohe Lebenszufriedenheit aus.

Dagegen sind diejenigen, die eine „gleiche Einkommensverteilung“ fordern, „große Einkommensunterschiede beseitigen wollen“ oder „eine Grundsicherung einführen wollen“ eher unzufrieden mit ihrem Leben. Zwar kann Umwerteilung die Zufriedenheit der zuletzt genannten Unzufriedenen erhöhen, dies erfolgt jeodch auf Kosten der Zufriedenen, die entsprechend unzufrieden sein werden, was deutlich zeigt, dass die Idee, man könne durch Umverteilung Zufriedenheit und Glück herstellen, nur von Personen stammen kann, die von Umverteilung profitieren.

Dieser Schluss kann auch direkt aus den Ergebnissen von Bjornskov et al. abgeleitet werden. Die Autoren kontrollieren die Zustimmung zu den Prinzipien prozeduraler Gerechtigkeit nach Alter, Bildung, Einkommen und Geschlecht und auch nach Kontrolle dieser Variablen bleibt der Zusammenhang zwischen einer höheren Lebenszufriedenheit und der Zustimmung zu „harte Arbeit zahlt sich auf lange Sicht aus“, „Armut ist das Ergebnis von Faulheit, nicht von Ungerechtigkeit“ und „Arbeit ist eine Möglichkeit, um Armut zu entkommen“ bestehen. Es sind also nicht nur die Reichen und Gutbetuchten (die Besserverdiener), diejenigen, zu deren Lasten die Umverteilung gehen würde, die den Prinzipien prozeduraler Gerechtigkeit zustimmen, sondern gerade auch diejenigen, für die die Umverteiler zu handeln in Anspruch nehmen. Wie die Analysen zeigen, wäre es vielen Arbeitern und Angehörigen der Unterklasse lieber, man würde ihnen Chancengleichheit und prozedurale Gerechtigkeit garantieren, ihnen gleiche Startchancen geben und garantieren, dass sich Leistung für sie lohnt, als dass sie ein Interesse daran haben, sich zum Almosen-Empfänger eines umverteilenden Staates zu machen.

socialismDamit stellt sich die Frage, wer diejenigen sind, die mit ihrem Leben unzufrieden sind und so großen Wert auf eine Umverteilung legen, wenn ein Großteil derer ausfällt, die als angebliche Globalisierungsverlierer, weil nicht hinreichend qualifiziert, von Funktionären aus Gewerkschaften und Parteien immer ins Feld geführt werden. Da ein Großteil der Umverteilungsmaßnahmen, wie z.B. alle Familienleistungen und alle finanziellen Begünstigungen, die Verheirateten zu Gute kommen, den Lebensstil der Mittelschicht finanzieren, ist die Antwort auf diese Frage nicht schwierig: unzufrieden und Anhänger der Umverteilung sind die Angehörigen der Mittelschicht, die in prekären Verhältnissen leben, die ständig von der Angst geplagt sind, sozial abzurutschen, weil der Dispo-Kredit ausgeschöpft ist oder die Raten, die für die Finanzierung des Eigenheims auf 600 Quadratmeter Fläche zu zahlen sind, regelmäßig das vorhandene Kapital fast bis auf Null abschmelzen und die doch überschüssiges Kapital so dringend brauchen, um die symbolischen Devotionalien zu kaufen, die den Lebensstil der Mittelschicht und ihre sowie die Außendarstellung ihrer Kinder auszeichnen.

Bjornskov, Christian, Dreher, Axel, Fischer, Justina A. V., Schnellenbach, Jan & Gehring, Kai (2013). Inequality and Happiness. When Perceieved Social Mobility and Economic Reality do not Match. Freiburg: Walter Eucken Institut: Freiburger Diskussionspapiere zur Ordnungsökonomik, Nr. 13/2.

Tabus deutscher Sozialwissenschaften: Diebstahl durch Mitarbeiter

Die letzten Jahre, fast schon Jahrzehnte, haben eine Unmenge internationaler Regulierungsversuche von supra-nationalen Organisationen wie der OECD, der EU Kommission und von nationalen Regierungen gesehen, um Betrug durch Unternehmen, z.B. durch eine Manipulation der Bilanz, indem Schulden in eine Zweckgesellschaft transferiert werden, dann in der Konzernbilanz nicht auftaucht und entsprechend den so bilanzierten Konzern finanziell gesünder erscheinen lassen als er tatsächlich ist, zu verunmöglichen. Sogenannte Corporate Scandals waren häufig in der Presse, Worldcom, Enron, Merck gelten als Wahrzeichen für „Corporate Fraud“ und ein Manager wie Nick Leeson (2000), der die alteingesessene Barings Bank auf dem Gewissen hat, ging als selbsternannter „Roque Trader“ in die Sachliteratur-Geschichte ein. (Informationen zu den angesprochenen Corporate Scandals finden sich bei Forbes, Nick Leeson hat durch seine Spekulationsgeschäfte die Barings Bank letztlich in die Insolvenz getrieben, das Scheitern der Barings Bank kann mit der Insolvenz der deutschen Herstatt Bank im Juni 1974 verglichen werden).

Die Skandale und Insolvenzen haben in der öffentlichen Darstellung das bereits vorhandene Bild der „bösen Kapitalisten“, die in Unternehmen versammelt sitzen und um der eigenen Bereicherung Willen das Wohl aller anderen mit Füßen treten, weiter verstärkt. Die Finanzkrise in der Folge des US-amerikanischen Subprime Mortgage Krise hat dem Bild vom „bösen Kapitalisten“ noch das Bild des „bösen Bankers“ hinzugefügt. Ginge man davon aus, dass sich Geschichte wiederholt, dann müsste man nunmehr auf das Auftauchen des „internationalen jüdischen Finanzkapitals“ warten, um die Analogie zur Geschichte des frühen 20. Jahrhunderts abzurunden.

All die genannten Skandale und Geschichten über „böse Kapitalisten“ führen mit schöner Regelmäßigkeit dazu, dass der Ruf nach staatlichen Regulierern laut wird: Bisher vorhandene Regeln wie sie z.B. für Banken gelten und im Basel-II-Akkord niedergelegt sind und die offensichtlich trotz ihrer Existenz keine Finanzkrise verhindern konnten, werden in aller Eile in den Basel-III-Akkord überführt, von dem nunmehr erwartet wird, dass er all die unvorhersehbaren Eventualitäten zu verhindern im Stande ist, an denen sein Vorgänger gescheitert ist. Bilanzierungsregelwerke wie die IFRS (International Financial Reporting Standards) und die IAS (International Accounting Standards) werden – obschon seit Jahren ein laufendes Projekt – abermals verschärft, Konsolidierungspflichten neu geregelt, Zweckgesellschaften neu reguliert und der Corporate Governances Codex der OECD bürdet Unternehmen weitere Anforderungen auf, die nunmehr unter dem Stichwort der „Compliance“ subsumiert werden und dazu führen, dass eine neue Schar von Mitarbeitern eingestellt werden muss, deren Aufgabe darin besteht, die vielfältigen Regulationen aufzuarbeiten, auf Unternehmen zu übertragen und deren Einhaltung durch die Mitarbeiter von Unternehmen zu kontrollieren. All die damit verbundenen Kosten setzen auf Kosten auf, die Unternehmen bereits dadurch entstehen, dass Mitarbeiter von Unternehmen in der selben Weise Gelegenheiten nutzen, wie dies die im Aphorismus beinhalteten Diebe tun.

Ja, nicht nur die Leitung von Unternehmen, das Management, kann sich delinquent verhalten, auch Mitarbeiter. Was in der öffentlichen Schwarz-Weiß-Bearbeitung der Corporate Scandals meistens auf der Strecke bleibt und von Gewerkschaften geflissentlich nicht angesprochen wird, ist in einer kleinen Forschergemeinde seit Jahrzehnten bekannt, und hat vor allem durch die Arbeiten von Jerald Greenberg empirische Fundierung erhalten: Mitarbeiter beklauen ihr Unternehmen, und sie tun dies in geradezu endemischem Ausmaß. So schätzt die US-amerikanische Association of Certified Fraud Examiners in der neuen „Global Fraud Study“ (ACFE, 2012), dass einem durchschnittlichen Unternehmen in einem Geschäftjahr ein Schaden von rund 5% des Umsatzes durch Diebstahl und Betrug durch Mitarbeiter entsteht. Hochgerechnet auf die Weltwirtschaft ergibt dies einen Schaden von rund 3.5 Billionen US-Dollar jährlich. Die Palette der Straftaten reicht vom Material-Diebstahl, über den Griff in die Kasse, den Transfer von Geldmitteln bis hin zur Abwicklung kompletter Transaktionen im Namen des Unternehmens, aber zum Nutzen der eigenen Tasche. Dickens et al. (1989) haben vor diesem Hintergrund und auf der Basis konkreter Unternehmensdaten bereits 1989 hochgerechnet, dass zwischen 5% und 30% der Insolvenzen in den USA durch Diebstahl und Betrug von Mitarbeitern verursacht sind. Es ist kaum notwendig darauf hinzuweisen, dass im Land der Deutschen, in dem Arbeitnehmer grundsätzlich und ausschließlich als die Opfer der Interressen böser Kapitalisten vorkommen, entsprechende Studien weitgehend unbekannt sind.

Besonders interessant an der Vielzahl US-amerikanischer und britischer Studien, die sich mit dem delinquenten Verhalten von Mitarbeitern beschäftigen, ist die Frage nach den Ursachen, der Motivation der entsprechenden Straftäter. Hier hat abermals Jerald Greenberg (1990, 1993, 1997, 2002; Greenberg & Scott, 1996) Vorarbeiten geleistet und die Delinquenz von Mitarbeitern als Ergebnis wahrgenommener unfairer Behandlung als Verstoß gegen das Equity-Prinzip erklärt. In einer Reihe von Studien, die er in US-amerikanischen Unternehmen durchführen konnte, kam Greenberg immer wieder zu der Erkenntnis, dass Mitarbeiter, die der Meinung waren, ihr Einsatz und ihre Bemühungen für das Unternehmen würden, verglichen mit dem Einsatz und den Anstrengungen anderer Mitarbeiter nicht in angemessener Weise entgolten, sich den aus ihrer Sicht fehlenden Teil ihrer Entlohnung ohne Wissen ihres Arbeitgebers und aus dessen Eigentum beschafft haben.

Eine Studie, die David Gill, Victoria Prowse und Michael Vlassopoulos (2012) an der University of Southampton und mit 641 Studenten durchgeführt haben, bestätigt den von Greenberg gefundenen Zusammenhang und fügt eine neue Nuance zur Erklärung hinzu, die Greenberg gegeben hat. Gill, Prowse und Vlassopoulos haben Studenten zum Arbeiten angehalten und die entsprechende Arbeit, die das Lösen von Aufgaben am Computer umfasst hat, mit einer Bezahlung verbunden. Je besser die Studenten ihre Aufgabe zu lösen im Stande waren, also je besser sie gerarbeitet haben, desto höher ihr Entgelt. Zum Ende des Experiments wurde den Studenten dann eine weitere Zahlung in Aussicht gestellt, deren Höhe sie selbst beeinflussen konnten, und zwar durch Mogeln. Wie sich herausgestellt hat, sind es vornehmlich männliche Studenten und in jedem Fall die produktivsten Studenten, die mogeln, ein Ergebnis, das sich den von Greenberg produzierten Ergebnissen einpasst, wie ein weiteres Puzzleteil um ein Gesamtbild zu ergeben: Offensichtlich haben Mitarbeiter in Unternehmen oder Studenten in entsprechenden experimentellen Settings eine höhere Wahrscheinlichkeit zu delinquentem Verhalten, zu mogeln, wenn sie viel Einsatz gezeigt haben und aufgrund dieses hohen Einsatzes der Ansicht sind, ihnen stünde mehr Entgelt zu als dem Mitarbeiter nebenan, von dem sie wissen, dass er weniger Einsatz gezeigt hat: „Being unfair to an unfair payment mechanism provides a moral justification for negativ reciprocity in the form of more dishonesty“ (Gill, Prowse & Vlassopoulos, 2012, S.4).

Dieses Ergebnis ist Sprengstoff. Jeder, der in einem Unternehmen beschäftigt ist, weiß, dass unterschiedliche Mitarbeiter unterschiedlich produktiv sind. Jeder, der die Fesseln deutscher Tarifverträge kennt, weiß dass einer unterschiedlichen Entlohnung unterschiedlicher Mitarbeiter sehr enge Grenzen gesetzt sind und dass weitgehend Entgeltgleichheit besteht. So erhält z.B. ein Professor, dessen Themen in der Regel zwischen einem und drei Studenten in die Seminare locken, und bei dem nicht mehr als ein Student pro Semester vorstellig wird, um eine Diplomarbeit zu verfassen, dieselbe Vergütung nach W-Besoldung wie sein Kollege überm Gang, dessen Seminare, Sprechstunde und Diplomantenkolloquien überfüllt sind. Dass der Kollege überm Gang der Ansicht ist, er werde durch das Entlohnungssystem unfair behandelt, ist unter diesen Umständen kein Wunder, dass er sich eine alternative Einnahmequelle sucht, nur die logische Konsequenz. Und was an Universitäten gilt, gilt in Unternehmen, in denen man weit mehr als den Bleistift, die 500 Blatt Papier, die Software-Lizenz usw. „mitnehmen“ kann, erst recht. Folglich weisen die Studien daraufhin, dass diebische Mitarbeiter (auch) das Ergebnis unfairer Entlohnungsstrukturen sind, an denen die Gewerkschaften einen großen Anteil haben, da sie das, was Mitarbeiter als prozedurale Gerechtigkeit ansehen, dem Gewerkschaftsgott der Entgeltgleichheit opfern.

Die beschriebenen unerwünschten Effekte, die von einem Verstoß gegen die prozedurale Gerechtigkeit ausgehen, sind nur der Anfang. Wie sich eine Frauenquote, die weibliche Mitarbeiter in Führungspositionen gehievt sieht, auf die andere Mitarbeiter seit Jahren warten und sich Aussichten machen, auf die von der Frauenquote negativ Betroffenen auswirkt, kann man sich angesichts der soeben berichteten Ergebnisse von Gill, Prowse und Vlassopoulos ohne den Einsatz von Phantasie ausmalen: Die von einer Frauenquote negativ betroffenen Mitarbeiter werden sich nach einer (finanziellen) „Kompensation“ für die erfahrende Ungerechtigkeit umsehen. Und so sehen sich Unternehmen mit einerseits Regulationen konfrontiert, die ihnen Unmengen bürokratischer Notwendigkeiten bei Bilanzierung, Auftragsbewerbung uvm aufbürden, was heutzutage als „Compliance“ bezeichnet wird, andererseits werden sie mit Regulierungen tracktiert, die die prozedurale Gerechtigkeit im Unternehmen beschädigen und damit notwendig zu höheren Verlusten durch Mitarbeiterdiebstahl und -betrug führen müssen. Wie lange können Unternehmen, deren Kosten durch die „Compliance“ -Bürokratisierung ständig höher werden und deren Verluste durch Diebstahl und Betrug durch Mitarbeiter ebenfalls steigen, den Umsatz erwirtschaften, der ihnen nach Steuern noch einen Gewinn lässt?

Literatur
Association of Certified Fraud Examiners (ACFE) (2012). Report to the Nations on Occupational Fraud and Abuse: 2012 Global Fraud Study. Austin: ACFE.

Dickens, William T., Katz, Lawrence F., Lang, Kevin & Simmers, Lawrence H. (1989). Employee Crime and the Monitoring Puzzle. Journal of Labour Economics 7(3): 331-347.

Gill, David, Prowse, Victoria & Vlassopoulos, Michael (2012). Cheating in the Workplace: An Experimental Study of the Impact of Bonuses and Productivity.  Bonn: Institute for the Study of Labor, IZA DP No. 6725.

Greenberg, Jerald (2002). Who Stole the Money, and When? Individual and Situational Determinants of Employee Theft. Organizational Behavior and Human Decision Processes 89(1): 985-1003.

Greenberg, Jerald (1997). The STEAL motive: Managing the Social Determinants of Employee Theft. In: Giacalone, Robert A. & Greenberg, Jerald (eds.). Antisocial Behavior in Organisations. Thousand Oaks: Sage, pp.85-108.

Greenberg, Jerald (1993). Stealing in the Name of Justice: Interpersonal and Informational Moderators of Theft Reactions to Underpayment Inequity Organizational Behavior and Human Decision Processes 54(1): 81-103.

Greenberg, Jerald (1990). Employee Theft as a Reaction to Underpayment Inequity: the Hidden Cost of Pay Cuts. Journal of Applied Psychology 75(5): 561-568.

Greenberg, Jerald & Scott, K. S. (1996). Why Do Workers Bite the Hands that Feed them? Employee Theft as a Social Exchange Process. In: Shaw, Barry M. & Cummings, Larry L. (eds.). Research in Organizational Behavior. Greenwich: JAI-Press, pp.111-155.

Leeson, Nick (2000). Rogue Trader. London: Penguin.

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