Umverteilung macht unzufrieden

Moderne Wohlfahrtsstaaten zeichnen sich durch eine hohes Maß an Paternalismus aus, zu dessen Finanzierung große Summen von Steuergeldern aufgewendet werden muss. Paternalismus hat generell den Ausgleich sozialer Ungleichheiten zum Gegenstand, wobei die Ungleichheiten in den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen geortet werden. Das muntere Ungleichheitsfinden beginnt bei der Einkommensverteilung, führt über den Zugang zum Internet und die Verteilung von Demenz und endet bei Aufsichtsratsposten. Scheinbar ist keine Verteilung frei vom Verdacht, ungleich zu sein, und entsprechend steht jede Verteilung einer Problematisierung durch professionelle Ungleichheits-Bekämpfer offen.

BartholomewBesonderen Aufwind haben die Gegner von Ungleichheiten aller Art durch ein Buch von Richard Wilkinson und Kate Pickett mit dem Namen “The Spirit Level” erhalten, in dem die Autoren gezeigt haben wollen, dass in Gesellschaften, in denen eine größere Einkommensgleichheit herrscht, die zufriedeneren Bürger leben. Dieses Ergebnis hat Christopher Snowdon zwar zwischenzeitlich als falsch bloßgestellt, seine Widerlegung ändert aber nichts daran, dass das Mantra von “Gleich macht glücklich” sich unter Linken aller Provenienz großer Beliebtheit erfreut und immer dann vorgebracht wird, wenn es neue Umverteilungsmaßnahmen zu fordern oder zu rechtfertigen gilt.

Eine neue Untersuchung von Christian Bjornskov, Axel Dreher, Justina A. V. Fischer, Jan Schnellenbach und Kai Gehring (2013) räumt nun mit der Annahme, dass Einkommensumverteilung und damit hergestellte Einkommensgleichheit glückliche und zufriedene Menschen hinterlässt, endgültig auf. Umverteilung, so zeigt sich, macht nur diejenigen glücklich, die davon profitieren und selbst sie nur dann, wenn sie Prinzipien der Fairness nicht zu ihrem Normenkanon zählen.

Ich will ausnahmsweise einmal am Ende der Untersucht von Bjornskov et al. anfangen:

“Inequality is easier to accept if it is the result of unequally distributed skills and chosen effort levels that if it is due to institutional design and low social mobility. Our results suggest that creating a society with such equal opportunities would be superior with regard to fostering higher subjective well-being to a paternalistic and overly redistributive welfare state. (36).

Young EquityDieses Ergebnis ist nicht weiter verwunderlich. Tatsächlich wird hier in Worte gegossen, was Sozialpsychologen im Allgemeinen und J. Stacy Adams (1965) im Besonderen in der Equity Theory zusammengefasst haben und was sich auch unter der Bezeichnung prozedurale Gerechtigkeit (procedural justice) finden lässt: Verteilungen, auch ungleiche Verteilungen, werden dann als gerecht angesehen und hingenommen, wenn sie fair erreicht wurden, wenn sie das Ergebnis entsprechender Anstrengungen darstellen, oder in den Worten von Bjonskov et al. (2013), S.7:

“…we define an income generating process as ‘fair’ if there is a direct link between own investment in human capital, on-the-job effort and individual economic outcome. The weaker this link becomes, i.e., the more the individual outcome depends on chance and at the same time is related to inherited starting positions, the less fair the income generating process is”.

Davon ausgehend machen die Autoren zwei Annahmen:

  1. Die Wahrnehmung einer Einkommensverteilung in einer Gesellschaft als fair oder nicht fair, hat einen Effekt auf die individuelle Zufriedenheit, d.h. wer die Einkommensverteilung als fair ansieht, ist insgesamt zufriedener.
  2. Die Differenz zwischen wahrgenommener Fairness der Eigentumsverteilung und tatsächlicher Verteilung hat einen Effekt auf das Niveau der Zufriedenheit. Je größer die Distanz wahrgenommen wird, desto geringer die Zufriedenheit.

Diese beiden Hypothesen sind meine Zusammenfassung von vier Annahmen, die sich im Text finden und die die Autoren auf der Grundlage des World Value Survey und auf der Basis von rund 300.000 Befragten aus 80 Ländern testen. Die Ergebnisse bestätigen, was hier bereits angerissen wurde: Wahrgenommene Fairness der Einkommensverteilung und die Distanz zwischen wahrgenommener und tatsächlicher Fairness, schlagen sich im Niveau der Lebenszufriedenheit der Befragten nieder:

fairness1According to the results, the respondents’ belief that income inequality in their society is the result of a comparably fair market process makes them considerably more satisfied with their lives, while a demand for more government redistribution for correcting the market-income distribution is negatively associated with happiness. … The findings challenge the standard Lerner argument that more redistribution and less income inequality unambiguously leads to an increase in welfare of the average person, and thus, in average welfare. Instead, the model and the empirical analysis suggest that for broad groups of countries the potential effects of inequality depend on the interplay between perceived and actual fairness of the institutional framework” (34). [Wie die Ergebnisse zeigen, sind Befragte, die der Ansicht sind, die Einkommensungleichheit in ihrer Gesellschaft sei das Ergebnis fairer Marktprozesse deutlich zufriedener mit ihrem Leben, während diejenigen, die mehr Umverteilung durch die Regierung verlangen, um die Einkommensungleichheit zu korrigieren unzufrieden mit ihrem Leben sind … Diese Ergebnisse stehen im Gegensatz zu der im Anschluss an Lerner gemachte Standardannahme, nach der Umverteilung und eine geringere Einkommensungleichheit unzweideutig zu einem Wachstum von Wohlfahrt für den durchschnittlichen Bürger und die Gesellschaft als Ganze führt. Vielmehr zeigen das vorliegende Modell und die empirische Analyse, dass der Effekt der Ungleichheit auf die Lebenszufriedenheit für viele Länder davon abhängt, wie sich die durch die Bürger wahrgenommene Fairness zur tatsächlich gegebenen Fairness im jeweiligen Land verhält.]

Damit steht fest, dass Umverteilung nicht zu größerer Zufriedenheit in einer Gesellschaft führt, nicht führen kann, denn Umverteilung verletzt das Gerechtigkeitsempfinden einer großen Anzahl von Bürgern, die z.B. der Ansicht sind, dass “harte Arbeit sich auf lange Sicht auszahlt”, “Armut ein Ergebnis von Faulheit, nicht von Ungerechtigkeit ist” und “eine Möglichkeit besteht, der Armut durch Arbeit zu entkommen”. Wie Bjornskov et al. in ihren Analysen zeigen können, zeichnen sich Personen, die einem oder allen dreien dieser Aussagen zustimmen, durch eine hohe Lebenszufriedenheit aus.

Dagegen sind diejenigen, die eine “gleiche Einkommensverteilung” fordern, “große Einkommensunterschiede beseitigen wollen” oder “eine Grundsicherung einführen wollen” eher unzufrieden mit ihrem Leben. Zwar kann Umwerteilung die Zufriedenheit der zuletzt genannten Unzufriedenen erhöhen, dies erfolgt jeodch auf Kosten der Zufriedenen, die entsprechend unzufrieden sein werden, was deutlich zeigt, dass die Idee, man könne durch Umverteilung Zufriedenheit und Glück herstellen, nur von Personen stammen kann, die von Umverteilung profitieren.

Dieser Schluss kann auch direkt aus den Ergebnissen von Bjornskov et al. abgeleitet werden. Die Autoren kontrollieren die Zustimmung zu den Prinzipien prozeduraler Gerechtigkeit nach Alter, Bildung, Einkommen und Geschlecht und auch nach Kontrolle dieser Variablen bleibt der Zusammenhang zwischen einer höheren Lebenszufriedenheit und der Zustimmung zu “harte Arbeit zahlt sich auf lange Sicht aus”, “Armut ist das Ergebnis von Faulheit, nicht von Ungerechtigkeit” und “Arbeit ist eine Möglichkeit, um Armut zu entkommen” bestehen. Es sind also nicht nur die Reichen und Gutbetuchten (die Besserverdiener), diejenigen, zu deren Lasten die Umverteilung gehen würde, die den Prinzipien prozeduraler Gerechtigkeit zustimmen, sondern gerade auch diejenigen, für die die Umverteiler zu handeln in Anspruch nehmen. Wie die Analysen zeigen, wäre es vielen Arbeitern und Angehörigen der Unterklasse lieber, man würde ihnen Chancengleichheit und prozedurale Gerechtigkeit garantieren, ihnen gleiche Startchancen geben und garantieren, dass sich Leistung für sie lohnt, als dass sie ein Interesse daran haben, sich zum Almosen-Empfänger eines umverteilenden Staates zu machen.

socialismDamit stellt sich die Frage, wer diejenigen sind, die mit ihrem Leben unzufrieden sind und so großen Wert auf eine Umverteilung legen, wenn ein Großteil derer ausfällt, die als angebliche Globalisierungsverlierer, weil nicht hinreichend qualifiziert, von Funktionären aus Gewerkschaften und Parteien immer ins Feld geführt werden. Da ein Großteil der Umverteilungsmaßnahmen, wie z.B. alle Familienleistungen und alle finanziellen Begünstigungen, die Verheirateten zu Gute kommen, den Lebensstil der Mittelschicht finanzieren, ist die Antwort auf diese Frage nicht schwierig: unzufrieden und Anhänger der Umverteilung sind die Angehörigen der Mittelschicht, die in prekären Verhältnissen leben, die ständig von der Angst geplagt sind, sozial abzurutschen, weil der Dispo-Kredit ausgeschöpft ist oder die Raten, die für die Finanzierung des Eigenheims auf 600 Quadratmeter Fläche zu zahlen sind, regelmäßig das vorhandene Kapital fast bis auf Null abschmelzen und die doch überschüssiges Kapital so dringend brauchen, um die symbolischen Devotionalien zu kaufen, die den Lebensstil der Mittelschicht und ihre sowie die Außendarstellung ihrer Kinder auszeichnen.

Bjornskov, Christian, Dreher, Axel, Fischer, Justina A. V., Schnellenbach, Jan & Gehring, Kai (2013). Inequality and Happiness. When Perceieved Social Mobility and Economic Reality do not Match. Freiburg: Walter Eucken Institut: Freiburger Diskussionspapiere zur Ordnungsökonomik, Nr. 13/2.

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11 Responses to Umverteilung macht unzufrieden

  1. jck5000 says:

    Ich frage mich bei allen Gleichheitsfantasien Linker immer, ob die auch nur 5 Sekunden darüber nachgedacht haben, was sie da reden.

    Aber “sozialistische” linke Politik besteht immer nur aus Forderungen. Fordern ist nämlich einfach – dafür muss man nichts machen, nicht einmal denken. Mehr Hartz4 fordern, das kann jeder. Begründen, wieso man darauf einen Anspruch hat, das ist sicher schwieriger. Ich habe neulich irgendwo (hier?) gelesen, dass sozialistische Demokratien nur so lange funktionieren, bis die Bürger feststellen, dass sie die Partei wählen können, die ihnen am meisten Leistungen verspricht. Wer die bezahlen soll? Jemand anderes. An anderer Stelle brachte das dann ein anderer (auch hier?) auf den Punkt (wie Ihre Grafik): Sozialismus funktioniert, bis einem das Geld anderer Leute ausgeht.

    Mich persönlich macht es sehr, sehr unglücklich, dass selbst die “rechten” Politiker dieses System weitertreiben, obwohl langsam auch dem Dümmsten auffallen sollte, dass es nicht funktionieren kann. Was mich freuen würde, wäre, wenn mal jemand bemerkt, dass der Teil mit “National” nicht das einzig schlechte am Nationalsozialismus war.

  2. Susanne says:

    @jck5000: Diese Worte kann ich nur von Herzen unterstützen! Leider stehen wir damit so ziemlich alleine da. Von anderen einzufordern ist schon immer das Hauptanliegen der ach so sozialen “Gutmenschen” gewesen. Die, die sich dageben wehren, sind Egoisten.

    @Autorenteam: Ein feiner Beitrag, der hoffentlich weit verbreitet wird! Leider habe ich da so meine Zweifler. Die Umverteilungsfetischisten werden das schon zu verhindern wissen!

    • Die Verbreitung wird schon klappen, dank des Internets. Wer hätte sowas im Zeitschriftengewühl gefunden? Wir sollten alle zusehen, daß wir mit den Techniken, die das Netz bietet, klarkommen! Da ist noch mehr, abseits vom www. Und das kann kaum zensiert werden. Jeder sollte sich bemühen, dazuzulernen und das jetzt zu benutzen, bevor es zu spät ist.

      Daß Umverteilung nur Raub ist und irgendwann nicht mehr geht sollte jedem klar sein, der etwas mehr nachdenkt. Ebenso funktioniert Gleichmacherei nicht. Umverteilung und Gleichmacherei machen eine Gesellschaft nicht menschlich. Sie schaffen auch Spannungen, vielleicht mehr als sie abbauen. Außerdem ist da noch die Frage des wie, und die ist nach wie vor ungeklärt, sieht man vom Konzept, ich kassiere alles und verteile nach Geschmack, ab.

      Carsten

      “Ich bin höllenstinksauer.”
      Hadmut Danisch

  3. Patrick says:

    Da die restlichen Kommentare nur zustimmend sind, muss ich hier einmal einen kritischen Kommentar abgeben.

    Zunächst einmal verteilen wir massiv um, aber nicht in der Richtung, die im obigen Text suggeriert wird, denn Steuern sind nur ein Teil der umverteilten Gelder, zugegebener Maßen der offensichtlichste. Neben den Steuern zahlen alle aber auch noch die Kapitalerträge mit, einmal die Schulden von Bund, Ländern und Kommunen, diese natürlich durch Steuern, aber eigene Kredite und Kredite aller Unternehmen deren Produkte ich nutze, sowie mögliche Mieten bezahlt jeder einzelne eben durch seine Lebenshaltungskosten immer ebenfalls mit. Helmut Creutz kommt mit seinen Berechnungen auf einen Satz von ca 40% der Lebenshaltungskosten die für Zinszahlungen anfallen.

    Jeder der Leser kann nun seine eigenen jährlichen Kosten einmal hochrechnen und dann mit den eigenen Kapitaleinkünften vergleichen. Ich nehme an, dass jedem klar sein dürfte, dass von diesem Mechanismus nur ein kleiner Teil der Bevölkerung wirklich profitiert und der weit größere diesen Profit eben zahlen muss.

    Eine steuerliche Umverteilung steuert diesem Mechanismus also nur entgegen und bewirkt dabei auch keine Umkehr. Weiterhin dient das Sozialsystem auch der internen Sicherheit, denn akute Armut, speziell wenn sie lebensbedrohend wird (was sie in Deutschland sicher noch nicht ist) erzwingt Kriminalität (Verhungern oder Stehlen/Rauben, da denkt niemand lange nach). Es ist also durchaus auch im Eigeninteresse, dass es einen Mindeststandard auch für die unterste Bevölkerungsschicht gibt.

    Dann noch ein konkreter Artikel:

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/zufriedenheitsstudie-so-gluecklich-sind-die-europaeer-a-591421.html

    Wie man auch in den Grafiken erkennen kann sind speziell die Skandinavischen Staaten und Dänemark, also die mit den ausgeprägtesten Sozialsystemen, die Staaten in denen die nach eigener Ansicht zufriedensten Menschen (hier dürfte die subjektive Ansicht auch die wichtige sein). Daneben ist in diesen Staaten auch der Unterschied der Zufriedenheit zwischen oberen und unteren Einkommensschichten am geringsten.

    • a.behrens says:

      Das nur ein kleiner Teil der Menschheit von Kapitaleinkünften partizipiert liegt daran, dass auch nur ein kleiner Teil der Menschheit ökonomisch klug handelt.

      Bei einem Durchschnittsbruttoeinkommen von 2500,- EUR (das dürften in Deutschland die meisten Facharbeiter unmittelbar nach Abschluss der Ausbildung bekommen und selbst angelernte Packer (früher sagte man wohl Hilfsarbeiter) bei Amazon kommen in die Region von 2000,- EUR brutto) bezahlt heute rund 500,- EUR in die staatliche Rentenversicherung ein. Beteiligt sich also an der Umverteilung Arbeitende Bevölkerung zu Nicht-Arbeitender Bevölkerung.

      Bei einem durchschnittlichem Zinssatz von 9% (Kursgewinne + Dividende) wäre damit praktisch jeder Arbeitnehmer am Ende seiner Berufstätigkeit Millionär. Und die Berufstätigkeit wäre bereits nach rund 30 Arbeitsjahren zu Ende.

      Das die Deutschen kein Volk von Millionären ist, liegt daran, dass das deutsche Volk insgesamt ökonomisch dumm und verantwortungslos handelt. Dumm weil es nicht über Kapitalaufbau nachdenkt und verantwortungslos, weil man Politiker für sich entscheiden lässt.

      Übrigens: Millionär kann man auch mit 200,- EUR im Monat werden. Dauert halt 40 Arbeitsjahre.

      Ach ja: Ich wäre übrigens dafür, dass die deutschen Politiker endlich aufhören den Kapitalistenschweinen die Zinsen in den Rachen werfen. Und zwar deshalb, weil die Kapitalistenschweine dann aufhören würden deutschen Politiker Kredite zur Verfügung zu stellen. Da dadurch der deutsche Sozialstaat aufhören würde zu existieren. Dann hätten wir Deutschen endlich wieder Chancengleichheit statt Ergebnisgleichheit.

      • Patrick says:

        Fast die Hälfte aller Haushalte in Deutschland hat ein Nettoeinkommen unter 1700€. Wenn Sie schon mit Einkommen rechnen wollen, dann mit Verteilungen, wenn ich Herrn Winterkorn mit 999 Nullverdienern zusammen betrachte hat jeder im Durchschnitt auch fast 15.000 € im Jahr, das nutzt den 999 die nichts haben aber auch nichts.

        Diese fast Hälfte der Haushalte hat die von Ihnen beschworenen 200€ im Monat wahrscheinlich nicht zum Kapitalaufbau verfügbar. Und ich würde auch keine Dumpfe Zinseszinsrechnung mit denen von Ihnen beschworenen 9% (wie kommt man auf so eine Zahl?) als Basis nehmen.

        Was viele, Ihnen offenbar inklusive anscheinend nicht verstehen wollen, Kapital arbeitet nicht! Wenn Kapital sich “vermehrt”, dann muss dafür irgendjemand anderes arbeiten. Ihre schöne Welt, mit den 9% funktioniert eben genau deswegen, weil ein großer Teil der Menschen daran nicht partizipieren kann, und sich somit Werte bei dem kleineren Teil der Bevölkerung sammeln kann.

        Wie gut und ökönomisch klug wurde denn beim Aufblasen und Platzen der Blase 2008 gehandelt? Ist nicht erheblicher Teil der schon real gewordenen Staatsschuld, und wohl auch ein netter noch zu erwartender Teil an Schulden kreditfinanzierten Finanzmarktspekulationen verschiedenster Banken weltweit zu verdanken, wären nicht auch weitere Großbanken gescheitert, wenn die verschiedenen Staatsanleihen nicht von den EU-Staaten zu Lasten ihrer Bevölkerung und zu Gunsten von Banken aufgekauft worden wären?

        Warum haben wir Weltweit anscheinend das Problem, mehr als genug produzieren zu können, aber haben irgendwie immer weniger Menschen die das Zeug auch nachfragen.

        Zum letzten Abschnitt: Ihnen ist sicher bewusst, dass wir Weltweit reine Schuldgeldsysteme haben, die existenten Vermögen also nur daher existieren, da irgendwo eine Schuld in gleicher Größe vorliegt. Wenn also Privatvermögen existiert, das angehäuft wird, die Unternehmen, so ist es in Deutschland der Fall, ihren Schuldenstand abbauen, wer bleibt denn noch übrig, der die Schulden machen muss, damit der Vermögenszuwachs von 9% im Jahr gelingt? Da bleibt doch nur der Staat, oder eben das Ausland unter dem Stichwort Exportweltmeister. Perfide daran ist aber, dass man für die tatsächlich hergestellten Waren im Austausch lustige ungedeckte Zahlen auf irgendwelchen Konten bekommt. Wenn irgendwann das passiert was bei jedem Schneeballsystem irgendwann passieren muss, dann kuckt man ziemlich blöd aus der Wäsche, denn die Waren sind weg, und die Zahlen dann auch. Man hat die Waren also simpel und einfach verschenkt.

        Chancengleichheit ohne soziale Absicherung? Sie sind also wirklich der Meinung, die Nachkommen der Aldi Brüder hätten die gleichen Chancen zum Aufbau eines Unternehmens wie die im Waisenhaus aufgewachsenen Kinder einer Mutter ohne eigenen Besitz? Interessante Ansicht.

        • A. Behrens says:

          Und warum ist das Nettoeinkommen unter 1700 EUR? Weil rund die Hälfte bis zu 2/3 umverteilt wird. Und genau deshalb ich vom Bruttoeinkommen gesprochen. Gäbe es keine Umverteilung hätte _jeder_ Haushalt problemlos die Möglichkeit 500,- EUR pro Monat für den Kapitalaufbau zu benutzen.

          Daher auch meine Aussage: “Das die Deutschen kein Volk von Millionären ist, liegt daran, dass das deutsche Volk insgesamt ökonomisch dumm und verantwortungslos handelt. Dumm weil es nicht über Kapitalaufbau nachdenkt und verantwortungslos, weil man Politiker für sich entscheiden lässt.”

  4. Pingback: Informationstext zum System verstehen, lernen & eigene Meinung bilden | winfinmag's Blog

  5. Foren sind doch lustiger Softwaresondermüll. Wo müß man denn hier antworten? Ebenenbegrenzung? Klar, Konzept Schrott, dann wird das nichts.

    @A. Behrens

    Daher auch meine Aussage: “Das die Deutschen kein Volk von Millionären ist, liegt daran, dass das deutsche Volk insgesamt ökonomisch dumm und verantwortungslos handelt. Dumm weil es nicht über Kapitalaufbau nachdenkt und verantwortungslos, weil man Politiker für sich entscheiden lässt.”

    So einfach ist das nicht. Es ist weniger die Dummheit der Bürger als vielmehr der Verrat der Regierung an ihnen. Sie werden durch Umverteilung aktiv davon abgehalten, Kapital aufzubauen. Nehmen wir Wohneigentum. Das angeblich reichste Land hat das geringste Wohneigentum. Dessau ist von 100.000 Einwohnern auf 70.000 runter. Wo sind die Wohnungen? Die sind alle auf Staatskosten, also mit Steuergeldern, abgerissen. Warum wohl? Welche Meschpoke arbeitet da zusammen? Ziel erreicht, es wurde gestern oder vorgestern Wohnungsmangel gemeldet. Die alten Häuser kann man renovieren. Es gibt genug gute Beispiele. Warum sollten Mieter nicht Eigentum an ihrer Wohnung erwerben können? Da steckt mehr dahinter als nur Dummheit der Bürger.

    Carsten

    “Und so niedrige Zinsen wie jetzt gab es zuletzt unter Brüning.”
    Wolfgang Schwanke

    • a.behrens says:

      Zitat “Es ist weniger die Dummheit der Bürger als vielmehr der Verrat der Regierung an ihnen.”

      Ach quatsch. Die Regierung setzt sich ja (noch) nicht selbst ein. Sie wird gewählt.

      Spannend wäre für mich (habe ich mir gerade auf der Raucherinsel überlegt) ein soziologisches Experiment. Es gab ja mal ein tolles Setup “Jeder nach seinen Fähigkeiten, jeder nach seinen Bedürfnissen” mit zeitweilig über einer Milliarde Probanden. Das Experiment ist gescheitert, auch wenn es in Europa wiederholt werden soll.

      Spannend wäre für mich ein leicht geändertes Setup. “Jeder nach seinen Fähigkeiten, Jeder für seine Bedürfnisse”. Aufbau ganz einfach: Alles läuft so wie jetzt auch, aber der Bruttolohn wird in voller Höhe ausgezahlt. Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung ist freiwillig. Ebenso wie jede Form von Steuer- und Solizahlungen.

      Das perfide an sozialistischer Politik ist ja, dass Politiker nicht darüber abstimmen lassen, wieviel jeder zahlen möchte. Statt dessen läuft Politik darüber, wie viel jemand bekommen möchte, wenn ein anderer bezahlt.

      • Hm, dann wähle doch mal richtig! Ich suche verzweifelt jemanden, der in der Lage ist, mir das vorzumachen.

        Jede_m_ nach seinen Bedürfnissen — mitm _m_!
        Jeder zahlt was er kann und säuft was er kann — funzt nich. Die Menschen sind merkresistent, völlig! Schau Dir mal die alten Religionen, den Aberglauben und die Ideologien an. Wir leiden heute noch an den Hirnfürzen(sorry Blogwart) von vor 3000 Jahren und die letzten Kriege waren bedingt dadurch. Und wir sind wieder auf dem Weg dahin. Am Ende des Kalten Krieges sagte mein Vater, dann werden die Religionskriege wieder zunehmen. Er wird recht behalten.

        In dem Experiment propagierte man auch ‘arbeite mit, plane mit, regiere mit’. Selbst wenn das ehrlich gemeint war, auch das funzt nich.
        Nimm mal die Hand, Zeigefinger und kleinen Finger nach oben, Mittelfinger und Ringfinger nach unten, den Teufelsaustreiber machen würden die Westgermanen sagen. Jetzt die Hand fest gegen die Tischkante drücken, Zeigefinger und kleinen Finger nach oben, Mittelfinger und Ringfinger nach unten. Nun geht es los. Arbeite mit — mit dem Daumen wackeln. Plane mit — mit dem Zeigefinger wackeln. Regiere mit — mit dem kleinen Finger wackeln. Merkst Du was? Genügt das erstmal als Beweis?

        Die Masse ist zu koordiniertem Handeln nicht in der Lage. Dazu benötigt sie Kommunikation. Deshalb werden diese Kanäle von den Machthabern immer besetzt. Das Internet wäre eine Lösung. Aber ein Antrieb, ein Anführer, ein Ziel… fehlen. Die demokratische Entscheidung nach Rousseau, jeder entscheidet zu seinem Wohl, funktioniert nicht. Wie soll man in dem Chaos zu seinem Wohl entscheiden? Warum soll ich eine Partei wählen, die schon vor der Wahl erklärt, daß ihre Versprechen nachher überdacht und relativiert werden müssen? Wer sich an sowas beteiligt, der gibt Stimme und Verstand ab.

        Carsten

        “Herr, vergib ihnen nicht, denn sie wissen, was sie tun!”

        PS
        Muß man die Felder unten wirklich von oben nach unten ausfüllen? Hat sich der Programmierer da ein Spielchen erlaubt? Kein Wunder, daß alles größer wird.

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