„Performativer Selbstwiderspruch“ Professurbesetzer-Geschwätz

Unter Sozialwissenschaftlern gibt es manche, die wenig zu sagen haben, zuweilen auch gar nichts, dieses Wenige oder gar nichts jedoch in eine sprachliche Form kleiden, deren monumentaler Umfang zum nicht vorhandenen Inhalt in einem gewissen Widerspruch, gemessen am Aussagegehalt in einem Selbstwiderspruch – weil die Aussage eben keine Aussage hat, steht.

“André Brodocz ist Professor für Politische Theorie an der Universität Erfurt und Mitherausgeber der Zeitschrift für Politische Theorie. Von 2003 bis 2011 war er Mitglied im Vorstand der DVPW-Sektion „Politische Theorie und Ideengeschichte“.

Und weil das nicht reicht, hat er nunmehr im Theorieblog seinen Senf zum Urteil der Karlsruher BGH-Richter aus dem VI. Zivilsenat gegeben, die „Frauen keinen Rechtsanspruch auf weibliche Personenbezeichnungen in Vordrucken und Formularen“ zugesprochen haben, wie er meint.

Dann kommt viel Text mit nur wenig Inhalt bis wir schließlich bei der Aussage angekommen sind, dass die Richter beim BGH durch ein Geschlechtssuffix als männlich oder weiblich ausgezeichnet werden, Richter am BGH oder Richterin am BGH. Wer selbst auf seinen Geschlechtszusatz Wert lege, so Brodocz, der dürfe anderen den Geschlechtszusatz nicht als Rechtsanspruch verweigern. Wer es dennoch tue, begehe einen „performativen Selbstwiderspruch“.

Oh je.
Zunächst Brodocz im Original:

„Dazu gehört der eigene Name, mit dem die Senatsmitglieder die Urteile persönlich zeichnen. Dazu gehört offensichtlich auch ihr Geschlecht, das sie als „Richterin“ oder „Richter“ ebenso zum Ausdruck bringen. Der Sprachgebrauch der Senatsmitglieder sieht im generischen Maskulinum des „Richters“ anscheinend eine Personenbezeichnung, die ihnen nur dem Anschein nach neutral ist. Diese Geschlechtersensibilität lassen sie folgerichtig auch Personen in Gerichtsverfahren zuteilkommen, die sie als „Kläger“ oder „Klägerin“, als „Beklagte“ oder „Beklagter“ ansprechen. Frau K. wollen sie aber mit genau diesem Sprachgebrauch das Recht auf eine solche Ansprache durch die Sparkasse nicht zugestehen. Diesem performativen Selbstwiderspruch bieten sich nur wenig Auflösungen …”

Dann ScienceFiles in der Bewertung: Wer solche Professoren hat, braucht sich nicht über Studenten zu wundern. Zumindest wenn sie in Erfurt politische Theorie studieren wollten und statt dessen mit Genderismus abgefüllt wurden, sind sie entschuldigt.

Nun zum performativen Widerspruch.

Perfomativ ist ein Begriff, den der Sprachwissenschaftler John L. Austin geprägt hat. Performative Aussagen werden von Austin von „constativen“ Aussagen unterschieden. Im Gegensatz zu diesen sind performative Aussagen weder wahr noch falsch. Eine performative Aussage ist für Austin ein Illokutionärer Akt, mit dem ein Gefühl, ein Wunsch, eine Absicht oder eine Überzeugung zum Ausdruck gebracht wird. Wenn jemand sagt, ich haue jetzt diesen Studenten in die Pfanne, dann ist das ein illokutionärer Akt in Form einer performativen Aussage, denn mit der Aussage ist keinerlei Hinweis darauf, ob die Absicht auch in die Tat umgesetzt wurde, verbunden. Später hat Austin noch zwischen expliziten „Ich hasse alle Rechten“ und impliziten performativen Aussagen, deren Bedeutung aus dem Teil der Aussage erwächst, der nicht ausgesprochen wird (kontextabhängige Aussagen im Sinne von Stuart Hall), unterschieden. Zudem hat Austin darauf hingewiesen, dass der Gehalt einer performativen Aussage sozial umstritten sein kann. Bestes Beispiel dafür die Behauptung: „Ich biete Qualitätsjournalismus“, ein performativer Sprechakt, der in der Wirklichkeit keine Geltung hat.

Soviel zum performativen Sprechakt.

Nun zum “performativen Widerspruch” von Brodocz.

In der klassischen Logik wird nicht erst seit Aristoteles darauf hingewiesen, dass etwas nicht zugleich sein kann und nicht sein kann, nicht zugleich Eigenschaften haben und nicht haben kann.
Ein sprachlicher Widerspruch entsteht in der Regel dann, wenn man zwei Behauptungen aufstellt, die einander widersprechen, also z.B. Professor kann heute jeder werden, und Professor kann heute nicht jeder werden. Beide Aussagen widersprechen sich.

Sie widersprechen sich, weil sie widersprüchliche Behauptungen über die Wirklichkeit aufstellen und entscheidbar wahr oder falsch sein können.

Widersprüche zwischen Aussagen, die weder wahr noch falsch sein können, gibt es nicht. Der Satz: „Im Namen des Volkes verurteile ich Sie zum Tod am Galgen“ ist ein Satz, der zu nichts im Widerspruch stehen kann. Ein Widerspruch kann sich erst ergeben, wenn über diesen Satz berichtet wird. Richter R verurteilte den Angeklagten X zum Tode bzw. verurteilte ihn nicht. Nun ist entscheidbar, welche Berichterstattung zutrifft oder nicht. Der Satz über den berichtet wird, ist weiterhin ein performativer Sprachakt ohne Wahrheitswert. Oder wie man auch sagen kann: Worte sind geduldig.

Es kann also keinen performativen Selbstwiderspruch geben, weil performativen Aussagen keine empirische Entsprechung zugeordnet werden können. Eine solche müsste aber zuordenbar sein, um einen Widerspruch festmachen zu können. Der Satz, „Deutschland, Du mieses Stück Scheisse“ ist performativ und weder wahr noch falsch. Man kann ihn mit Austin als „unglücklich“ bezeichnen, aber seine Äußerung hat keinerlei Bedeutung für die Wirklichkeit. Auch das Todesurteil des Richters hat diese Bedeutung übrigens nicht. Die Bedeutung wird nachträglich verliehen, durch den Henker, ohne den ein Richter sich nahtlos in die Riege anderer Schwätzer einreihen würde.

Performativer Widerspruch ist also Unsinn.

Mit dem Begriff will Brodocz der Trivialität, die er entdeckt zu haben glaubt, mehr Gewicht verleihen, nämlich der, dass die Richter, die einen Geschlechtssuffix für sich beanspruchen, denselben auf Vordrucken der Sparkasse nicht für notwendig finden.

Und auch hier ergibt sich kein Widerspruch, lediglich ein weiteres trauriges Bild für den Zustand der deutschen Sozialwissenschaften.

Der Geschlechtssuffix bei den BGH-Richtern bezeichnet einen konkreten Richter, der es scheinbar für relevant hält, auf sein Geschlecht hinzuweisen. Damit Kläger gleich wissen, hier sind weibliche Richter in der Mehrzahl, zieht am besten eure Klage zurück, denn hier werden Urteile, kein Recht gesprochen.

Vordrucke sind Raster zur Erfassung von Merkmalen, auf deren Grundlage man Gruppen bilden kann. Derjenige, der den Vordruck erstellt, weiß nicht, wer den Vordruck ausfüllt. Nicht nur deshalb ist ein Vordruck ein Ausdruck kollektiver und eben nicht individueller Ansprache. Weil dem so ist, weil Gruppenmerkmale und nicht individuelle Merkmale abgefragt werden, deshalb hat es sich im Deutschen eingebürgert, dass man das Deutsche korrekt verwendet und die Gruppenbezeichnungen, nach denen man fragt, auch korrekt bezeichnet: Geburtsdatum als Feld mit sechs Stellen, in das individuelle Geburtsdaten eingetragen werden können; Name des Kontoninhabers als Feld desjenigen, auf den das entsprechende Konto eingerichtet wurde oder werden soll.

Insofern hier nicht das Individuum „Kontoinhaber“, sondern die Gruppe der „Kontoinhaber“ angesprochen wird, ist das generische Maskulinum die richtige Bezeichnung und ein Vergleich mit dem Geschlechtssuffix konkreter Richter unsinnig.


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„Falsche Fakten“ – Geht auch das letzte bisschen Verstand bei der FAZ stiften?

Alternative Fakten waren gestern. Heute sind wir bei „falschen Fakten“. Diesen Begriff legt ein besonders versierter (in was auch immer) Redakteur der FAZ dem Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert in den Mund, wie die fehlenden Anführungszeichen nahelegen.

Damit hat der Journalismus seinen täglichen Tiefpunkt einmal mehr erreicht.

Zur Erinnerung: Die Idee von Sprache war Verständigung.

Nun ist die Idee, dass Sprache der Verständigung und somit der Übermittlung von Information zwischen einem Sender und Empfänger dient, schon vor einiger Zeit vor die Hunde gegangen. Seit Begriffe affektiv assoziiert und nicht mehr in ihrer Wortbedeutung verwendet werden, seit es als schick gilt, dass man mit Begrifflichkeiten, die gut klingen, von deren Bedeutung man aber keinerlei Ahnung hat, um sich wirft, hat die gute alte Verständigung gelitten. Die Annäherung an das schlichte Grumpf der vorsprachlichen Menschheitsgeschichte, Grumpf für „das mag ich“ bzw. Nogrumpf „das mag ich nicht“, sie macht Fortschritte.

Ein Wegbereiter der sprachlichen Verkümmerung ist das Entkoppeln von Begriff und Bedeutung von Bezeichnendem und Bezeichnetem, eine besondere Spezialität der Genderista und anderer Viertel-Intellektuellen, die denken, Sprache sein ein Vehikel der Ideologie, nicht der Verständigung.

Der neueste Hype, der in Deutschland grassiert, ist nicht damit zufrieden, Worte in die Bedeutungslosigkeit zu entlassen, nein, er setzt noch einen drauf und schafft begriffliche Monstren der Widersprüchlichkeit.

Die FAZ hat ein Beispiel geliefert: „falsche Fakten“. Auf einen solchen Begriff kann eigentlich nur derjenige kommen, für den Sprache keine Bedeutung mehr hat. Der sich losgelöst hat von dem Bezeichneten und in seinem eigenen sprachlichen Orbit herumschwirrt, wie eine Fliege, die nicht verstehen kann, dass die sichtbare Welt von einer Glasscheibe versperrt wird. Nur: Der Fliege macht das etwas aus. Dem Redakteur bei der FAZ nicht.

Er bewirft seine Leser mit „falschen Fakten“.

Das nächste, das ihm einfallt, sind ehrliche Lügner oder abschüssige Steigungen, vielleicht wird er auch zum Freund der „falschen Rechtschreibung“, wenngleich die Bedeutung von „Rechtschreibung“ schon lange verloren gegangen ist. Es kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass die FAZ bald vom gleisenden Licht der Dunkelheit fabuliert oder der sprossenlosen Tonleiter ein Denkmal sprengt. Man muss heute auf alles gefasst sein, auf falsche Fakten, mutige Feiglinge, aufrechte Schleimer und dyskalkulierende Taschenrechner.

Am Ende erzählt noch jemand die Geschichte von dem aufrechten Politiker, der ein systemkonformer Widerstandskämpfer war … Der Letzte macht dann bitte das Licht aus.

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Max(imilian) = Nazi-Vorname, deshalb: verbieten. Keine Ahnung, große Klappe – debile Mischung

Zusammen gegen Intoleranz heißt eine Aktion auf Facebook, an der unter anderem die Grünen/Bündnis90 und Pro-Asyl beteiligt sind. Der Kampf gegen Intoleranz nimmt auf dieser Seite in der Regel eine Form an, die man nicht anders als Intoleranz gegen alles und jeden, der nicht die Meinung derer, die die Seite betreiben, teilt, bezeichnen kann.

Für Sozialpsychologen interessant dabei ist, dass sich die Autoren von ZGI „Zusammen gegen Intoleranz“ alle durch eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Ahnungslosigkeit, eine große Klappe, durch keinerlei Empirie zu erschütternde falsche Überzeugungen und somit durch etwas auszeichnen, was man nur als Grenzdebilität, wie sie durch Lernresistenz entsteht, bezeichnen kann.

Ein besonders gutes Beispiel ist „Joyce“:

„Joyce ist 29, studiert Sozialpädagogik und ist eine Aktivistin“.

Wir haben schon wiederholt geschrieben, dass der Status eines Studenten und der eines Aktivisten nicht zusammenpassen. Man ist entweder an Wissen interessiert oder an politischem Aktivismus. Und wenn man liest, was Joyce an Blödsinn von sich gibt, dann wird einem richtig übel bei dem Gedanken, dass Joyce am Ende einen Abschluss in Sozialpädagogik erhalten wird, schon weil es so gut wie unmöglich ist, keinen Abschluss in Sozialpädagogik zu erhalten. Aus diesem Abschluss wird sie den Schluss ziehen, sie habe auch nur entfernt von irgend etwas Ahnung. Und jede Wette: Diese falsche Überzeugung wird dazu führen, dass Joyce sich berufen fühlt, andere zu belehren. Weil es ein fast schon ehernes Gesetz ist, dass die, die andere demonstrativ belehren wollen, keine Ahnung, aber ganz viel Überzeugung haben. Die Katastrophen, die derartige ahnungslose Spinner anrichten, hat Dietrich Dörner in seinem Buch „Die Logik des Misslingens“ beschrieben.

Doch geben wir Joyce die Gelegenheit, ihre gesammelte Ahnungslosigkeit für alle Welt sichtbar auszubreiten und auf Basis von völligem Blödsinn, den Joyce für die Wahrheit hält, weitreichende Forderungen zu erheben, die natürlich in die Freiheit anderer Menschen eingreifen. Das ist noch ein ehernes Gesetz: Je dümmer die Aktivisten, desto mehr wollen sie die Freiheit anderer beschneiden.

Let’s rejoice in the stupidity of Joyce.

„Es ist an der Zeit, dass Kinder bei der Geburt zeitgemäße Vornamen erhalten. Zu viele “deutsche” Namen sind vorbelastet und erinnern an die Gräueltaten der Nazis. Ob Max, Franz, Jakob, Julian, Philipp oder Martin, so wurden Kinder in der düsteren Zeit des dritten Reichs zuhauf in Anlehnung an Nazi-Größen wie Max Amann, Jakob Sprenger, Julian Scherner oder Martin Sandberger genannt. Zudem stecken diese Vornamen Kinder von ihrer Geburt an in die Schublade Mann oder Frau, alle anderen Geschlechter werden sowieso ignoriert; um zu verhindern, dass sich das Kind im späteren Verlauf des Lebens in einer Geschlechtsidentitätskrise wiederfindet, weil es beispielsweise annimmt, es müsse ein Junge sein, weil es Lukas heißt, müssen geschlechtsneutrale Vornamen endlich zur Pflicht werden. Jeder Mensch kennt nur selbst sein wahres Geschlecht. Es gibt so schöne Vornamen, beispielsweise Abrar, Quinn, Abeer, Cameron, Taylor, Alim, Sidney und Kim, um nur einige zu nennen. Daher fordere ich: Schluss mit stigmatisierenden Nazi-Namen! Ja zu modernen Vornamen, die keinen Spielraum für Rassismus und Vorurteile lassen!“

Wenn Joyce tatsächlich Sozialpädagogik studiert, dann wohl in einem Asyl für geistig Demente oder ideologisch Verblödete. Beides dürfte sich kaum unterscheiden. Die Frage, auf Grundlage welchen Rechts, solche kleinen Spinner ihre Forderungen dahingehend, wie sich andere verhalten sollen, stellen, lassen wir einmal links liegen.

Widmen wir uns der Behauptung, Max, Franz, Jakob, Julian, Philipp oder Martin wären Nazi-Namen.

Im Jahre 1938 hat das Reichsministerium des Innern eine Richtline über die Führung von Vornamen veröffentlicht. Die Richtline war im Wesentlichen darauf gerichtet, Juden zu schikanieren, enthält aber zudem einige Passagen, die die nationalsozialistischen Vorlieben für Vornamen beschreiben, darunter Absatz A.3:

„Kinder deutscher Staatsangehöriger sollen grundsätzlich nur deutsche Vornamen erhalten. Es dient der Förderung des Sippengedankens, wenn bei der Wahl der Vornamen auf in der Sippe früher verwendete Vornamen zurückgegriffen wird. Dabei werden besonders auch solche Vornamen in Frage kommen, die einem bestimmten deutschen Landesteil, aus dem die Sippe stammt, eigentümlich sind (z. B. Dierk, Meinert, Uwe, Wiebke).“

Ziel der Nazis war es, nordische Vornamen zu verbreiten, nicht alte deutsche Namen wie Max(imilian – der größte unter den Habsburgern) oder Jakob (im Übrigen ein hebräischer Name, der u.a. Israel bedeutet). Von Namen wie Julian (Abwandlung von Julius, der kein bekannter Nazi-Feldherr war), Philipp (unser griechischer Pferdefreund) oder Martin (Sohn des Mars) ganz zu schweigen.

Wir haben uns an dieser Stelle gefragt, ob es sich vielleicht um eine Satire handeln könnte, diese Idee aber schnell wieder verworfen. Zum einen vermittelt die Seite von ZGI keinerlei Anzeichen der Satire. Die meinen, was sie schreiben. Zum anderen haben wir in den letzten Jahren gelernt, dass Dummheit und Ahnungslosigkeit politische Aktivisten in keiner Weise davon abhalten, ihre Klappe aufzureißen und auf Grundlage ihrer Nichtkenntnis für andere etwas zu fordern.

Als Einschub: In der Logik gibt es eine große Fraktion, die vor den Problemen, die sich mit Analogieschlüssen verbinden, warnen. Die Probleme resultieren vor allem daraus, dass man mit einem willkürlich gezogenen Analogieschluss massiv auf die Nase fallen kann, dann nämlich, wenn sich der Schluss als absurd und grottenfalsch erweist (d.h. man muss, um Analogieschlüsse ziehen zu können, viel über den Kontext, in dem z.B. Beobachtungen oder Erfahrungen gemacht wurden, wissen).

Joyce meint auf verbreitete Nazi-Namen schließen zu können, weil sie schon einmal etwas von „Nazi -Größen wie Max Amann, Jakob Sprenger, Julian Scherner oder Martin Sandberger“ gehört haben will.

Max Amann war eher einer der Mitläufer, ein untalentierter Redner, dem zudem jegliche Fähigkeit, sich zu profilieren gefehlt hat. Ihm wurde der Titel eines SS-Obersturmführers verliehen. Ein kleines (oder großes) Vermögen hat Amann als Verleger von Mein Kampf und anderen Nazi-Schriften verdient. Er wurde zum Präsidenten der Reichspressekammer und Vorsitzenden des Vereins Deutscher Zeitungsverleger ernannt und von den Alliierten als Hauptschuldiger in Nürnberg verurteilt.

Auch Jakob Sprenger ist einer der Nazis, die in der mittleren Staatshierarchie ihr Dasein gefristet haben – als Reichsstatthalter des Volksstaates Hessen, dann Reichsverteidigungskommissar des Wehrkreises XII und Oberpräsident der preußischen Provinz Nassau. Er hat am 7. Mai 1945 Selbstmord verübt.

Julian Scherner war SS-Polizeiführer in Krakau und hat das Kriegsende nicht erlebt.

Martin Sandberger war SS-Standartenführer und Verantwortlicher für die Ermordung von Juden in Estland.

Alle vier, deren Vornamen Joyce verbieten will, sind nicht unbedingt Nazis, die eine hohe Bekanntheit genießen, so dass man sich fragt, wo Joyce ihre Namen aufgeschnappt hat. Was sie in jedem Fall nicht sind, ist repräsentativ für die Vornamen ihrer Zeit oder Vorbild für die Vornamensgebung im Dritten Reich. Die Liste der Vornamen, die Nazis Eltern im Dritten Reich vorgegeben haben, enthält keinen einzigen der von Joyce genannten Namen. Das genau ist das Problem mit Analogieschlüssen: man kann sich leicht als ahnungsloser Depp entpuppen.

Weibliche Namen Männliche Namen
Ada
Adda
Adele
Adelgard
Adelgund
Adelheid
Adeltraut
Adolfine
Alberta
Albertine
Aloisia
Alrun
Altrud
Alwine
Amalie
AnselmaBernhild
Bernhilde
Berta
Berthild
Berthilde
Bertraud
Borghild
Brita
Brunhild
BrunhildeDagmarEdelburg
Edelgard
Edeltraud
Edeltrud
Edith
Ehrengard
Eiltraut
Elfride
Ella
Ellengard
Elvira
Elvire
Emma
Engelberta
Engelgard
Erdmute
Erika
Erna
ErnestineFerdinande
Frieda
Friedegard
Friedgard
Friedegund
Friederike
Friderun
FriggaGenoveva
Gelmut
Gerburg
Gerda
Gerharde
Gerhild
Gerhilde
Gerlind
Gerlinde
Gesine
Gertraud
Gertrud
Gisa
Gisela
Giseltraud
Giseltrud
Giesinde
Gudrun
Gunhild
Gunthild
GunthildeHadmut
Hedda
Hedwig
Heide
Heilburg
Helga
Helgard
Helma
Hemtraud
Helmtrud
Henrike
Herma
Hermine
Herta
Hertraud
Hertrud
Hilde
Hildegard
Hildegund
Hiltraud
Hiltrud
Hulda

Ida
Ise
Inge
Ingeborg
Ingried
Irma
Irmela
Irmfriede
Irmgard
Irmhild
Irmlind
Irmlinde
Irmtraud
Irmtrud
Ilsa
Ishild
Ishilde
Isolde

Karla
Karoline
Klothild
Klothilde
Kriemhild
Kriemhilde
Kunigund
Kunigunde

Leopolda
Leopoldine
Liebgunde
Lina
Ludwiga

Malwine
Mathild
Mathilde
Mechthild
Mechthilde
Miltrud
Minna

Northild
Northilde
Nortrud
Notburg
Notburga

Olga
Ortraud
Ortrud
Ortrun
Oslinde
Oswine
Otilde
Ottilie

Reimunde
Reinhild
Reinhilde
Richarda
Roberta
Rosa
Rosamund
Rosamunde
Roswitha
Rotraut
Rotrud
Rudolfine
Runfrid
Runhilde
Ruperta

Selma
Senta
Siegberta
Sighild
Sieghilde
Sieglinde
Siegrun
Sigburg
Sigrun
Sigmut
Solweig
Swanhild

Thekla
Theodelinde
Thusnelda
Tilla
Traudlind
Traudlinde
Trude

Udalberta
Ulberta
Ulla
Ulrike
Undine
Ute

Walburg
Walfriede
Walpurga
Waltraud
Waltrud
Wanda
Werngard
Wilfriede
Wilhelma
Wilhelmine
Wilma
Wildrud
Wiltrudt
Winfriede
Wunhild

Adalbert
Adelbert
Adolf
Alarich
Albert
Albrecht
Alfons
Alfred
Alois
Alwin
Anselm
Armin
Arnold
ArnulfBalduin
Baldur
Baldwin
Benno
Bernd
Bernhard
Bertold
Bertram
Bodo
Bruno
BurckhardDagobert
Detlef
Dietger
Dietmar
DietrichEberhard
Eckhard
Edgar
Edmund
Eduard
Edward
Edwin
Egbert
Eginhard
Egon
Einhard
Eisenhard
Emmerich
Engelbert
Erdmann
Erhard
Erich
Ernst
Erwin
EwaldFalk
Falko
Ferdinand
Frank
Franz
Friedel
Friedolin
Freidrich
Fritz
Frowein
FürchtegottGebhard
Gerald
Gerd
Gerfried
Gerhard
Gero
Gisbert
Godecke
Gottfried
Gotthard
Gotthelf
Gotthold
Gottlieb
Gottwald
Götz
Guido
Gundolf
Günter
Guntram
GustavHagen
Harald
Harro
Hartmann
Hartmut
Hartwig
Heinrich
Heinz
Helmuth
Henning
Herbert
Hermann
Hildebrand
Hilmar
Hinz
Horst
Hubert
Hugo
Humbert

Ingbert
Ingo
Iwein

Karl
Knut
Konrad
Kraft
Kunibert
Kuno
Kurt

Lambrecht
Landhelm
Landolf
Lebrecht
Leonhard
Leopold
Leuthold
Lienhard
Lothar
Ludolf
Ludwig
Luitpold
Lutz

Manfred
Markward
Meinhard
Meinrad

Neithard
Norbert
Norfried
Notker

Odo
Odilo
Olaf
Ortwin
Oskar
Oswald
Oswin
Otmar
Otto
Ottokar
Ottomar

Rainer
Ralf
Randolf
Reimund
Reiner
Reinhard
Reinhold
Richard
Robert
Roderich
Roger
Roland
Rolf
Rudolf
Rupert
Ruprecht

Schwerthelm
Sebald
Siegbert
Siegfried
Siegmar
Siegmund
Siegward
Sigisbert
Sigismund
Sigurd
Sturmhard
Swen

Tassilo
Tasso
Tejo
Theodebald
Theoderich
Timm
Traugott
Tuisko

Udo
Ulrich
Utz

Volkbert
Volker
Volkhard
Volkmar
Volkrad
Volkwin

Waldemar
Walter
Warmund
Werner
Widukind
Wieland
Wilfried
Wilhelm
Willi
Willibald
Winfried
Wolf
Wolfgang
Wolfhard
Wolfram
Wittich
Wulf

Die Liste der Namen entstammt dem deutschen Familenstammbuch von 1937. Neben diesen Namen, die als Vornamen deutschen oder germanischen Ursprungs klassifiziert sind, gibt es noch eine Liste „fremder Vornamen“, die zwar nicht gerne gesehen, aber dennoch geduldet wurden:

Weibliche Namen Männliche Namen
Agathe
Agnes
Alice
Alma
Angela
Angelika
Anna
Anneliese
Annemarie
AugusteBabette
Barbara
Beate
Bettin
Bettina
BrigitteCäcilie
Charlotte
Christel
Christine
CrescentiaDora
Dorothea
DörtheElisabeth
Elise
Elsa
Elsbeth
Else
Emilie
Eugenie
EvaFanni
Florentine
FranziskaGabriele
Grete
Gretel

Hanna
Helene
Henriette

Irene
Isabella

Johanna
Josefa
Josephine
Julie
Jutta

Katharina
Käthe
Kathrein
Kathrine
Klara
Kreszenz

Laura
Lene
Leonore
Liesbeth
Liese
Lieselotte
Lilli
Lore
Lotte
Luise

Magdalene
Margarete
Marianne
Marie
Marie-Luise
Martha

Paula
Pauline

Renate
Ruth

Sophie
Stefanie
Susanne
Suse

Therese
Tine
Toni
Trine

Ursel
Ursula

Valeria
Veronika
Viktoria

Achim
Alexander
Andreas
Anton
Artur
AugustBartel
BenediktChristian
ChristophEmilFelix
FlorianGeorg
GregorHans

Ignatz
Immanuel

Jakob
Joachim
Jobst
Jochem
Jochen
Johann
Johannes
Jörg
Josef
Julius
Jürgen

Karsten
Kaspar
Klaus
Klemens

Leo
Lorenz

Martin
Matthias
Max
Merten
Michael
Moritz

Paul
Peter
Philipp

Sebastian
Sepp
Simon
Stefan

Theo
Theodor
Thomas

Veit
Viktor
Vinzenz

Der beliebteste männliche Vorname im Dritten Reich war übrigens Horst, gefolgt von Otto. Auch Ludwig, Mathias, Peter, Johann oder Nikolaus standen hoch im Kurs. Etwas weniger häufig war Adolph. Beliebte weibliche Vornamen (die gab es auch) waren, Edeltraud, Ingrid, Uta, Ingeborg, Erika, Helga, Gertrude, Ursula oder Sieglinde.

In welcher Zeit leben wir eigentlich, wenn Namen wie Max(imilian), also Namen, die lange bevor es die Nazis gab, beliebt waren, Namen wie Jakob, der hebräischen Ursprungs ist, als Nazi-Vornamen diffamiert werden, in der Irre durch die Gegend laufen, die denken, ein Vorname sei etwas, das ein Wesen in sich trage, ein Nazi-Wesen. Dass solche Spinner auch noch an Fachhochschulen studieren können, frei herumlaufen dürfen, macht die Sache nur noch schlimmer. Wesen wie Joyce sind tickende Zeitbomben. Sie denken Begriffe wären Wesenheiten, Vornamen würden etwas über die Person aussagen oder wären ideologisch inkubiert. Derartiger Geisterglaube, derartige Unkenntnis über den Ursprung und den Sinn von Bezeichnungen, sind erschreckend, fast so erschreckend wie die Tatsache, dass Wesen, die mit 29 Jahren immer noch Sozialpädagogik studieren, meinen, sich in aller Öffentlichkeit als Vertreter abstruser esoterischer Lehren erkennen geben zu können und denken, sie hätten auch nur einen Funken einer Berechtigung, anderen etwas vorschreiben zu können.

Wenn jemand einen Zweifel daran hatte, dass Totalitarismus, Dummheit, die an Debilität grenzt und religiöses Sendungsbewusstsein Hand in Hand geben, das Beispiel von Joyce ist ein weiterer Beleg dafür, dass sie es tun.

Ein paar Fragen an all diejenigen, die der Ansicht sind, ZGI sei eine Satireseite:

  1. Was wäre der Zwecke dieser Art von Satire?
  2. Welches Zeil verfolgen die vermeintlichen ZGI-Satiriker?
  3. Woran erkennt man diese Art der Satire bzw. was macht Sie so sicher, dass es sich dabei um Satire handelt?
  4. Welcher Satiriker ist darauf aus, seine Leser konsequent und dauerhaft zu belügen und sich ihren Ärger dauerhaft zuzuziehen?

Komische Satire:

 
Wenn das Satire ist, dann wird dem Leser unter dem Deckmantel der Satire Queer.de untergeschoben.

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Deutschland ist nur ein imaginiertes „Wir-Phantasma“ – Wissen

Angeblich leben wir in der Moderne. Wenn wir in der Moderne leben, dann teilt die Moderne viele Eigenschaften der vor-sokratischen Phase, in der Philosophie noch als das Forschen nach dem letzten Grund betrieben wurde. Dieser letzte Grund, ob er monistisch oder pluralistisch bestimmt wurde, er galt als das, was die Welt im Innersten zusammenhält, und er war den einen die reine Idee und den anderen die reine Materie.

Heute sind manche nicht viel weiter, gibt es doch Strömungen, die man als Umkehrung der Suche nach dem letzten Grund ansehen kann, Strömungen, die von dessen nicht-Existenz ausgehen, es gibt ihn weder als reine Idee noch als reine Materie. Was es für die Vertreter dieser Ansicht gibt, sind (reine?) Symbole und andere Formen von Einbildungen, aus denen dann doch und irgendwie eine materielle Existenz erwächst.

anderson-imagined-communitiesEine dieser Einbildungen ist die Nation. Die Nation, nennen wir sie Deutschland, ist keine reine Idee und auch keine reine Materie, das kann sie auch nicht sein, denn Deutschland wurde als Begriff nicht im Walhalla der Weltenschöpfung festgelegt und Deutschland als Land kann keine materielle Eigenheit für sich beanspruchen, wie schon die Tatsache sich verändernder Bevölkerung und Außengrenzen zeigt. Daraus müsste man nun eigentlich den Schluss ziehen, dass Deutschland eine mehr oder weniger willkürliche Bezeichnung für eine gegebene Entität ist und dass die Konstitution dieser Entität über eine Vermengung objektiver Fakten und ideeller Zuschreibungen erfolgt. Ersteres wird deutlich, wenn man versucht, von Deutschland in die USA zu reisen, und zwar ohne einen materiellen Beleg für die Existenz Deutschlands, genannt Pass, der dieses Unterfangen erst ermöglicht. Letzteres wird dadurch deutlich, dass die Existenz Deutschlands schnell beendet wäre, wenn die Bewohner des Gebiets, das mit Deutschland umschrieben wird, aufhören, an die Existenz Deutschlands zu glauben und sich statt dessen, anders, vielleicht Bewohner des MilchundHong-Landes nennen, MuHols…

Das, wie gesagt, wäre die normale Reaktion, die man von rationalen Menschen und allen voran von Wissenschaftlern erwarten würde. Und dann gibt es die Reaktion von denen, die sich für besonders kritisch halten, dabei aber das Problem haben, dass Anspruch und Wirklichkeit ihrer intellektuellen Kapazität auseinanderklaffen, so weit, dass die entstehende Lücke durch ein Geflecht aus sprachlichen Lauten, die man am besten als pseudo-intellektuelles Geschwätz bezeichnen kann, überdeckt werden muss, etwa so:

„ (1) Die nationalstaatliche Regulation der migrationsgesellschaftlichen Tatsache ist ganz sicher nicht die einzige bedeutsame Regulationsebene, aber eine relevante. (2) Sie antwortet einem strategischen Bedarf, der dadurch entsteht, dass die imaginierte Einheit ‚Nation‘ durch Prozesse, die nicht allein mit Migrationsphänomenen, aber auch mit diesen einhergehen und aus ihnen resultieren, bei denen Phänomene des faktischen und symbolischen Überschreitens und Infragestellens der nationalen Grenzen eine prominente Rolle spielen, in eine Krise gerät. (3) Es können hier zwei Typen von Krisen unterschieden werden: eine Art Identitätskrise, die zentral darauf verweist, dass die Plausibilität eines Wir-Phantasmas in Bedrängnis gerät, und eine Funktionskrise, in der es um die quantitativ-qualitative Regelung des Nachschubs an Subjekten für den funktionalen Bestand nationalstaatlicher Realität geht.“

Produziert wurde dieser Beleg dafür, dass Sprache eben nicht der Verständigung dient, von Inci Dirim und Paul Mecheril, und zwar unter der Überschrift: Warum nicht jede Sprache in aller Munde sein darf? Formelle und informelle Sprachregelungen als Bewahrung von Zugehörigkeitsordnungen.

Popper hat sich einst den Spaß gemacht, prätentiöses Geschwafel von Habermas auf dessen nichtssagenen Kern zu reduzieren. Wir wollen es Popper hier einmal gleichtun.

Die oben aneinandergereihten Sätze, die wir durchnummeriert haben, können wie folgt übersetzt werden:
(1) Nationalstaaten regeln die Ein- und Ausreise, z.B. durch Gesetze.
(2) Diese Regelung wird notwendig, weil Nationalstaaten eingebildet sind, nicht wirklich existieren. Deshalb geraten Nationalstaaten (also die Einbildung es gäbe Nationalstaaten) dann in eine Krise, wenn eine große Zahl fremder Personen einreist.
(3) Zwei Krisen können unterschieden werden: (a) die Identitätskrise: Die Einbildung vom Nationalstaat wird durch Zuzug gefährdet. (b) die Funktionskrise: Die Frage, sind Geburten oder Migranten wichtiger, um die Phantasie „Nationalstaat“ aufrechtzuerhalten, wird diskutiert.

Was oben so wortreich zusammengeschrieben wurde, klingt doch ziemlich profan, wenn man es auf seinen Bedeutungskern reduziert: Menschen bilden sich ein, dass es ihren Nationalstaat gibt und wenn Menschen zuziehen, die fremd sind, dann geraten die Menschen mit ihrer Einbildung in die Krise, funktional und symbolisch.

Tatsächlich kling das so profan, dass sich drei Fragen aufdrängen: (1) Was hat das mit Wissenschaft zu tun? (2) Ist es wirklich Wissenschaft, wenn man die Existenz von etwas, das sich im täglichen Leben der Menschen niederschlägt, als imaginiert behauptet und Krisen konstruiert, die das, was als imaginiert behauptet wird, faktisch, nämlich durch ganz materiellen Zuzug in die als imaginiert phantasierte nationale Welt in Frage stellen? Oder, logisch gefragt: Kann man eine „ideell gedachte Entität“ (Nationalstaat) durch materielle Entitäten (Flüchtlinge) in Frage stellen? Und (3) ist das noch normal, die real erfahrbare Welt in Frage zu stellen, und zwar auf Grundlage des Missverständnisses, dass Begriffe wie „Deutschland“, die natürlich keine Existenz haben, sondern sprachliche Repräsentationen von etwas sind, deshalb, weil sie willkürlich sind, sich auch auf kein real existierendes Objekt beziehen können? Eigentlich beginnt Wissenschaft damit, dass man die Ontologie und die Erkenntnisfähigkeit zu unterscheiden im Stande ist, also z.B. weiß, dass es einen Unterschied zwischen dem, was bezeichnet wird und dem, was es bezeichnet, gibt. Derzeit sehen wir einen Advent von Spinnern, die der Ansicht sind, das Bezeichnende sei das Bezeichnete. Offensichtlich ist hier in der Sozialisation einiges schief gegangen, was uns zu W. V. Quine bringt, der sich umfassend mit Wort und Gegenstand befasst hat und in seinem gleichnamigen Buch eine hervorragende Beschreibung für das hier aufgezeigte Phänomen bietet:

quine-wort-gegenstand“Eine der Merkwürdigkeiten unserer schwatzhaften Spezies ist die Lallphase im ausgehenden Säuglingsalter. Während dieser Zeit gibt das ziellose Stimmverhalten den Eltern anhaltende Gelegenheit zu Verstärkung von Zufalls-Äußerungen, die ihnen passend erscheinen und so werden die ersten Anfangsgründe der gesprochenen Sprache weitergegeben. Das Lallen fällt unter das von Skinner so bezeichnete operante Veralten, das nicht ausgelöst, sondern vielmehr geäußert wird. Operantes Verhalten läßt sich bei Menschen und anderen Lebewesen durch rasche Belohnung selektiv verstärken. Das Lebewesen neigt dazu, die belohnende Handlung zu wiederholen, wenn Reize, die bei der ersten Ausführung zufällig präsent waren, erneut auftauchen“ (Quine, 1980: 149)

Was, wenn in der Lallphase das Lallen belohnt wird, von Peers oder in Netzwerken, in denen dem Lallen ein hoher Wert zugewiesen wird. Dann ist anzunehmen, dass Lallen zu einem festen konditionierten Verhalten wird, dessen Belohnung darin besteht, dass die Angehörigen im Netzwerke des Lallens, das Lallen, zwar nicht verstehen, aber positiv bewerten. Somit bleibt nur noch eine Frage: Wie konnten es Mitglieder aus Lall-Netzwerken an Universitäten schaffen.

Deutschland dreht durch: Was, wenn die Irren zur Normalität werden?

Wir haben schon lange keinen Test mehr mit unseren Lesern gemacht. Machen wir doch einmal einen Selbst-Rohrschachtest. Betrachten Sie bitte das folgende Bild und notieren Sie sich alles, was Ihnen dazu eingefallen ist.

nazi-rohrschachtest

Wenn Ihnen zu diesem fast original Rohrschach-Motiv nicht Heil Hitler und auch nicht Heil Hitler und vor allem nicht Heil Hitler eingefallen ist, dann können wir Ihnen für den Moment attestieren, dass sie noch normal sind. Sie gehen noch durch die Welt und sehen, was in der Welt ist, nicht, was ihnen ideologische Spinner zu sehen vorgeben.

Wer das Testbild genau ansieht, sieht ein HH 88. HH 88 bedeutet: HH 88.

Wir hätten auch BB 33 schreiben können oder DD 77, haben uns aber für HH 88 entschieden, weil wir ja testen wollten, wie viele Irre wir unter unseren Lesern haben. Irre, nein sagen wir gepflegt: Manische sehen hier nämlich nicht HH und 88 sondern Heil Hitler und Heil Hitler, denn HH steht in der Welt der Nazi-Manischen nur und ausschließlich für Heil Hitler und 8 steht in der Welt der Nazi-Manischen nur und ausschließlich für den achten Buchstaben im Alphabet also für H, und damit haben wir noch ein HH, das bekanntlich nur Heil Hitler bedeuten kann, für Nazi-Manische jedenfalls.

Nun sind H’s und Achten Zeichen. Das H bezeichnet sich quasi selbst und bedeutet an sich: H … sonst nichts. Ein H kann mit anderen Buchstaben zu Zeichenketten, die Bedeutung tragen, verbunden werden, z.B. zu Heilanstalt. Die 8 symbolisiert eine acht, also acht, acht Mal etwas, acht volle Stunden oder acht Kasten Bier, je nach Präferenz.

Nuts in BedlamWenn man nun HH 88 sieht, dann bedeutet dies zunächst einmal: HH 88, denn die Zeichen transportieren keine Bedeutung. Denn: Es gibt einen Unterschied zwischen Zeichen und Bezeichnetem.

Und weil es diesen Unterschie gibt, deshalb transportieren Zeichen nur sich also H-H-8-8.

Bedeutung ist etwas, das nur aus den Gehirnen von Betrachtern kommen kann. Wenn nun jemand HH 88 sieht, dann muss er dem Gesehenen Bedeutung zuweisen, das Zeichen bezeichnen, also z.B.: Hans Hubert wird 88 Jahre alt oder Hansestadt Hamburg (19)88 denken, an das 1:2 gegen Holland verlorene Halbfinale der Fußball-Europameisterschaften 1988.

Man kann auch schlicht denken, hey: „HH 88!“.

Egal, was man denkt, die Bedeutung kommt immer aus dem Kopf dessen, der sie formuliert. Sie ist nie in den Zeichen vorhanden. Sie muss immer an die Zeichen herangetragen werden.

Deshalb ist es so erschreckend, dass Nazizeichenneurotikern in Deutschland zur Normalität geworden sind; Personen, die nicht HH 88 sondern ein doppeltes Heil Hitler sehen, z.B. wenn sie auf einem Weihnachtsmarkt unterwegs sind.

Waren Sie schon einmal auf einem Weihnachtsmarkt?

Sicher, waren Sie schon einmal auf einem Weihnachtsmarkt. Haben Sie dort das Kinderkarussell betrachtet? Ja? Die Kennzeichen auf den Fahrzeugen, die auf dem Kinderkarussell angebracht sind – sind ihnen die Kennzeichen schon einmal aufgefallen?

Einem Eimsbütteler Bürger, der auf dem Weihnachtsmarkt auf dem „Fanny-Mendelsohn-Platz“ war, fallen Kennzeichen auf. HH 88 ist ihm aufgefallen. Montiert auf einem nostalgischen Feuerwehrauto auf einem rund 60 Jahre alten Kinderkarussell, einem Kinderkarussell aus einer Zeit (1957) als Deutsche noch weitgehend normal waren und harmlose Zeichen nicht mit ihren Nazi-Phantasien vollgepackt haben. 60 Jahre später ist das anders. 60 Jahre später wird in unschuldige Zeichen Nazijargon geheimnist. 60 Jahre später bedeutet HH 88 nicht HH 88, sondern ein doppeltes Heil Hitler.

Das ist erschreckend, vor allem erschreckend, weil sich die Symptomatik dieser Nazi-Manie mehr als 70 Jahre nach dem Ende des Dritten Reiches erst voll zu entfalten scheint.

Holen wir einmal etwas aus.
Nehmen wir einmal an, HH 88 sei tatsächlich und nur ein Geheimcode von Nazis. Was soll mit diesem Geheimcode auf dem nostalgischen Feuerwehrauto des Kinderkarussells auf dem Weihnachtsmarkt in Eimsbüttel eigentlich erreicht werden? Haben Sie eine Antwort? Wir haben keine.

Aber offensichtlich ist der besorgte Eimsbütteler Bürger, der den Geheimcode enttarnt hat, davon überzeugt, dass vom Code eine ganz furchtbar gefährliche Wirkung ausgeht, auf Kinder, auf einem Weihnachtsmarkt. Vielleicht denkt er, der Code würde die Kinder zu Heil-Hitler-Kindern und anschließend zu Heil-Hitler-Nazis machen oder dazu führen, dass die Besucher des Weihnachtsmarkts in Eimsbüttel das Horst Wessel Lied anstimmen.

Sowas kann nur ein Irrer denken, denn natürlich hat der Code keinerlei magische Wirkung, und natürlich hat er nicht dazu geführt, dass in Eimsbüttel das Horst-Wessel-Lied gesungen wird, auf dem Weihnachtsmarkt. Nicht einmal vom Kinderchor. Nein, der Geheimcode ist so geheim, dass es von 1957 bis 2016 gedauert hat, bis er entdeckt und entschärft wurde, denn der Karussellbetreiber hat das HH 88 nun entfernt. 

Was ist also die Motivation dahinter, dass ein besorgter Eimsbütteler die Bedeutung, die er in harmlose Symbole interpretiert, als die einzig wahre Bedeutung ausgibt und weil er diese von ihm phantasierte einzig wahre Bedeutung für schrecklich hält, den Betreiber des Kinderkarussells bei den Behörden anschwärzt?

Arendt_totalitarismusDie Antwort hat Hannah Arendt bereits vor etlichen Jahrzehnten mit dem Begriff „Banalität des Bösen“ gegen. Die Banalität des Bösen kann man auch als alltägliche Lust, anderen zu schaden, begreifen, eine Lust, deren Konsequenzen und Ausmaß man in den Würzburger Gestapo Akten nachlesen kann, in denen Robert Gellately eine weitverbreitete Lust zur Denunziation gefunden hat, deren Motiv einfach nur darin bestand, anderen zu schaden und sich selbst bei der Staatsmacht in ein gutes Licht zu stellen. Der besorgte Bürger aus Eimsbüttel dürfte die Motive, die in den Gestapo Akten allgegenwärtig sind, teilen. Warum sonst sollte er einem Karussellbetreiber schaden wollen, der sich nichts hat zu Schulden kommen lassen?

Offensichtlich ist der gute Bürger aus Eimsbüttel der Meinung, er könne sich mit seiner vermeintlichen Wachsamkeit bei Stellen und Personen anbiedern, auf die er großen Wert legt, und sozialen Status dadurch gewinnen, dass er seine Phantasien anderen unterschiebt und dafür sorgt, dass harmlose Buchstaben und Zahlenfolgen nur noch als Nazi-Geheimcode angesehen werden können.

Dazu ist schon ein gerüttelt Maß an Boshaftigkeit notwendig, so wie auch ein gerütteltes Maß an Boshaftigkeit notwendig ist, um zu fordern, dass dem Betreiber eines Karussells, das seit 1957 in Deutschland unterwegs ist und erst im Jahre 2016 den Nazi-Manischen aufgefallen ist, weil die Manie offensichtlich gerade einen Höhepunkt hat, die Konzession gekündigt wird, wie dies Peter Gutzeit von der Linken-Fraktion in Eimsbüttel getan hat.

Haben Sie sich eigentlich schon einmal gefragt, wie ein Lynchmob möglich ist.
In Eimsbüttel können Sie derzeit die kognitiven Voraussetzungen dafür beobachten. Wenn noch Mut dazu kommen würde oder Alkohol oder beides, müsste man den Betreiber des Karussells vor dem Mob der Nazi-Zeichen-Imaginierer beschützen.

Das passiert, wenn man Manische frei herumlaufen lässt.


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