Unsinn der Woche: Die kleine Hexe unter Negern

scully facepalmIch hatte schon immer Vorbehalte dagegen, dass es quasi zur Pflicht erhoben wurde, dass Mittelschichtseltern ihren Kindern vorzulesen haben. Was dabei alles herauskommen kann, zeigt eine Posse, über die in der Taz berichtet wird. Mekonnen Mesghena, bei der Heinrich-Böll-Stiftung für “Migration und Diversity” zuständig, stolperte über die Begriffe “Negerlein”, “Chinesenmädchen” und “Türken”. So steht es in der Taz zu lesen. Und weil diese Begriffe, wie er angibt, seine Tochter, der er vorgelesen hatte, bevor er über die Begriffe gestolpert ist, verstört haben sollen, hat er einen Brief an den Verlag, in dem Ottfried Preusslers “kleine Hexe” erscheint, geschrieben und hat sich darin  über die “rassistischen und ausschließenden Begriffe” beschwert. Und der Thienemann-Verlag, der die “kleine Hexe” herausgibt, hat sich doch tatsächlich bereit erklärt, das Wort “Neger” zu streichen. (Erinnern Sie sich eigentlich noch an Ernst Neger, aus Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht? Was machen wir nur mit Ernst Neger? Ich meine, kann man seinen Grabstein unzensiert auf dem Friedhof stehen lassen?).

Das ist doch mal ein Sieg für die Politische Korrektheit, und das Neuschreiben von Büchern im Sinne des gerade herrschenden Zeitgeistes hat eine neue Dimension erreicht. Man wird sich also darauf einstellen müssen, dass die Ideologen damit beginnen, die Werke der Literatur zu durchforsten, um “ausgrenzende Begriffe” zu beseitigen. Nur: Was sind ausgrenzende Begriffe? Haben Sie verstanden, was an Neger ausgrenzend ist? Oder haben Sie jemals einen Neger, Black, Afro-american, Schwarzen, Farbigen getroffen, der bestritten hätte, er sei ein eben solcher? Ist es wirklich so ein großer Unterschied, wenn wir jetzt nicht mehr Neger oder was auch immer sagen, und statt dessen Grumpf (und jeder weiß, Neger ist gemeint) oder Mensch aus der südlichen Halbkugel oder Deutscher nicht bleicher Abstammung oder was auch immer?

Und was um aller Götter willen soll man zu Menschen sagen, die weiblichen Geschlechts und chinesischer Nationalität sind: gelbes Gör? Little child with two x-chromosomes born near the Great Wall? Weiblicher Mensch aus dem Süden von Asien? Nicht europäische heranwachsende Frau? Und dann die Türken, was machen wir aus dem kranken Mann am Bosporus? Muselmanen? Generell Muslime? Personen, die aus dem ehemaligen Reich von Mustafa Kemal Atatürk kommen?

Wie immer, wenn Gutmenschen sich äußern, zeigen sie zum einen, dass sie nicht allzuviel Ahnung von dem haben, worüber sie reden, zum anderen, dass Sie einen Essentialismus ihr eigen nennen, der seines Gleichen sucht. Es gibt in Sprachen einen Unterschied zwischen “dem Bezeichneten” und “dem Bezeichnenden“. Wenn ich also Türke zu einer Person sage, die vor mir steht, dann mache ich damit keine Aussage über das Wesen dieser Person, sondern eine Aussage über die von mir vermutete Abstammung oder geographische Herkunft, nicht mehr. Ich weiß nicht, was Personen wie Mekonnen Mesghena hören, wenn sie den Begriff “Türke” hören, vermutlich nichts Gutes. Aber Personen wie Mekonnen Mesghena sollten langsam einsehen, dass die Konnotationen, die sie hören, die ihnen einfallen, nicht die Schuld des Begriffs sind, sondern ihre ganz eigenen Assoziationen – oder wer außer Herrn Meshgena wäre wohl der Ansicht, dass der Begriff “Türke” ausgrenzend sei. Ein Begriff ist schlicht und ergreifend ein Begriff, er bezeichnet etwas, that’s it.

Das, was Herrn Mesghena stört, ist eine affektive Verbindung, die bei ihm die Form einer Abwertung angenommen hat. Aber dass er bei Neger an eine Abwertung von Schwarzen denkt, dass er bei Chinesenmädchen oder Türken an Ausgrenzung denkt, das ist sein Problem und nur sein Problem. Und man kann kaum dem Begriff anlasten, was manche denken, wenn sie ihn hören. Bertrand Russell hat einst gefürchtet, dass man einen Irren, der sich für ein Rührei hält, nur deshalb verurteilen könne, weil er sich in der Minderheit befindet. Ich habe langsam den Eindruck, dass man den Irren, der sich für ein Rührei hält, langsam daran erkennt, dass er sich in der Mehrheit befindet, oder wie sonst kann man es verstehen, dass Verlage ihre Bücher auf politisch korrekt trimmen und Begriffe, die rassistisch sind, wie sie befinden, streichen. Begriffe sind Begriffe, sie bezeichnen etwas, mehr nicht, und deshalb können sie auch nicht rassistisch sein.

Rassismus beschreibt ein Verhalten oder eine Einstellung. Begriffe sind weder ein Verhalten noch eine Einstellung, also können sie auch nicht rassistisch sein. Warum also denken manche (oder viele), dass Begriffe “rassistisch” sind? Nun, hier hilft die Definition von Rassismus weiter, die  Benjamin Isaac gegeben hat und die ich für eine der besten Definitionen halte:

“I would define racism as follows: an attitude towards individuals and groups of peoples which posists a direct and linear connection between physical and mental qualities. It therefore attributes to those individuals and groups of people collective traits, physical, mental and moral, which are constant and unalterable by human will, because they are caused by hereditary factors or external influences, such as climate or geography” (Isaac, 2004, p.23).

Invention of RacismIssac beschreibt hier denselben Essentialismus, den ich oben beschrieben habe, einen Essentialismus, der in dem Glauben gipfelt, dass die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Ethnie oder Nation mit von allen geteilten Eigenschaften einhergeht, einen Rassimus, der z.B. allen Frauen dasselbe Opfermerkmal zuschreibt, einen Rassismus, der sich darin niederschlägt, dass jemand denkt, wenn er den Begriff “Neger” hört, der Begriff sei mit allem Negativem verbunden, das ihm selbst gerade in den Kopf kommt. Wer also behauptet, Begriffe wie “Neger”, “Chinesenmädchen” oder “Türken” seien ausgrenzende Begriffe, der hat eine ganz gehörige Phantasie darüber, welche direkten physischen, mentalen und moralischen Merkmale sich mit den Personen verbinden, die mit dem Begriff bezeichnet werden, und da diese Gedanken seine Gedanken sind, ist er wohl als Rassist zu werten. Wieder kann der Begriff nichts dafür.

Aber wir leben in einem Zeitalter, in dem Begriffe böse sind und Menschen mit erschreckenden Phantasien und Assoziationen als Weltverbesserer duchgehen und weil offensichtlich jeder seinen Splin öffentlich ausleben darf, will ich auch nicht zurückstehen und eine Übermalung oder malerische Verbesserung dieser furchtbaren und fetten Menschen, die Rubens gemalt hat, fordern. Das schmerzt das Auge des Betrachters und ist darüber hinaus vor allem Kindern und Menschen aus bildungsnahen Schichten nicht zu zumuten. Ich meine, was ist der Sinn davon, dass die Regierung sich müht, Menschen die Schädlichkeit von Zucker und Fettsäuren deutlich zu machen, wenn dieselben Menschen dann in Museen laufen und ihnen dort adipöse Gestalten als Kunst vorgeführt werden? Das geht nicht an. Entsprechend sind die Menschen in den Bildern von Rubens zu verschlanken, die entsprechenden Bilder dem “heutigen Menschenbild” anzupassen, schon damit sie nicht missverstanden werden können und damit sich der Betrachter nicht ausgegrenzt fühlt, und vor allem damit keine dieser bildungsnahen Intelligenzbestien gezwungen ist, die Zeit und die Bedingungen, unter denen Rubens gemalt und Ottfried Preussler geschrieben hat, in Rechnung zu stellen. Am Ende hätten die noch etwas gelernt…

Isaac, Benjamin (2004). The Invention of Racism in Classical Antiquity. Princeton: Princeton University Press.

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19 Responses to Unsinn der Woche: Die kleine Hexe unter Negern

  1. Zu diesem Unsinn der Woche gäbe es eigentlich noch eine ganze Menge zu sagen, und nichts davon ist auch nur annähernde lustig.

    Ein Punkt, der es, glaube ich, wert ist, noch einmal ganz deutlich herausgestellt zu werden, ist, dass es längst die Grenze zum Pathologischen überschritten hat, wenn jemand die Bezeichnung „Türke“ als ausgrenzend empfindet. Soweit ich weiß ist „Türke“ die Bezeichnugn für eine Person, die die türkische Staatsangehörigkeit hat. Es ist absolut erschreckend, wenn mit dieser Bezeichnung, also „Türke“, nicht mehr diese schlichte Bezeichnung einer Staatsangehörigkeit assoziiert wird, sondern etwas so Negatives, dass der Begriff „ausgrenzend“ oder diskriminierend empfunden wird. Was wohl die Menschen mit türkischer Staatsangehörigkeit (in der Türkei, Deutschland oder sonstwo) dazu sagen würden, dass die Nennung ihrer Staatsangehörigkeit eine Art zu meidendes Schimpfwort geworden ist? Was würden Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit dazu sagen, wenn alle Texte umgeschrieben werden sollten, in denen „Deutsche“ genannt sind, weil es Leute geben könnte, die angesichts der jüngeren Vergangenheit mit der Bezeichnung „Deutsche“ die allerschlimmsten Stereotype von gewalttätigen, hasserfüllten, mordlustigen und ich-weiß-nicht-was-noch-alles Kleingeistigen einhergingen?

    Aber eigentlich illustriert das ganz gut einen anderen Punkt, nämlich den, dass es ein völlig aussichtsloses Unterfangen ist, sprachliche Säuberungen (Parallelen zu ethnischen Säuberungen sind durchaus angebracht und entsprechen der Geisteshaltung derer, die sie propagieren) durchführen zu wollen. Wenn „Neger“, „Behinderte“, „Tussen“, „Machos“ usw. aus dem öffentlichen Sprachgebrauch entfernt worden sind, dann werden sie entweder privat weiterhin gebraucht und dienen gerade wegen ihrer Verbannung aus der Öffentlichkeit als besonders identitäts- und solidaritätsstiftend. Oder der Gebrauch dieser Worte verschwindet tatsächlich, aber jetzt gibt es andere oder weitere Worte, die zu meiden sind, denn die Stereotype, wenn nicht die Voruteile (was etwas anderes ist) bleiben ja erhalten, und man kann jederzeit jeden verdächtigen, genau diese zu assoziieren, wenn ein bestimmtes Wort gebraucht wird, wie z.B. „Türke“. Anders gesagt: wenn der „Kümmeltürke“ verschwunden ist, dann kann „Türke“ dieselbe Funktion erfüllen wie der verschwundene Begriff. Dann muss man nicht nur überlegen, wie man zukünftig diejenigen mit türkischer Staatsangehörigkeit nennt, sondern man hat auch gar nichts gewonnen, denn ein negativ konnotierter Begriff wurde schlicht durch einen anderen ersetzt. Und so wird das immer weitergehen – solange es Menschen gibt. Wer jemanden nicht mag und dies zum Ausdruck bringen möchte, wird zweifellos das entsprechende Vokabular entwickeln und benutzen können.

    Ach ja, und dann gibt es noch die Möglichkeit, dass die „bösen“ Begriffe rehabilitiert werden, und dies passiert gewöhnlich durch diejenigen, die mit dem Begriff belegt wurden/werden. Das ist z.B. so mit Bezug auf den Begriff „nigger“, der bei Anhängern der „Black Power“-Bewegung Kultstatus erreicht hat und von Rap-Sängern geliebt und geschätzt wird, weil er ermöglicht, sich von den „white negroes“ bzw. den assimilierten Mittel-Klasse-Black Americans, die man in gewissen Kreisen aus bestimmten Gründen nicht mag, abzusetzen. In Großbritannien erheben bestimmte Leute ebenfalls Anspruch darauf, „Black“ zu sein und nicht z.B. als „Nachkommen von nicht-weißen Zuwanderern afrikanischer Abstammung, die zum Zweck der Zwangsarbeit auf Zuckerplantagen auf den westindischen Inseln aus Afrika entführt und verkauft wurden“ bezeichnet zu werden, und zwar, weil diese Leute (noch) andere ihrer Charakteristika für wichtig oder wichtiger halten oder dieses Charakteristikum für sich einfach genauso wenig relevant finden wie der durchschnittliche Weißhäutige in der westlichen Welt es relevant findet, dass er ein Nachkomme ist von Weißen, die sich in Regionen niedergelassen haben, die bereits von Menschen mit anderer Hautfarbe bewohnt wurden und auf entsprechenden Widerstand gestoßen sind, diesen Widerstand aber mit Waffengewalt gebrochen und die Unterlegenen in die Zwangsarbeit verkauft haben. So ist das eben mit lebendigen Sprachen: sie dienen dazu, Dinge auszudrücken, die Menschen ein Anliegen sind. (Und manche Anliegen sind nur generationenspezifisch zu verstehen, so auch das Anliegen, das angeblich benachteiligte Kollektiv der Frauen auf dieser Erde von ihren Unterdrückern zu befreien.) Ob man diese Anliegen (für wen) legitim findet oder nicht, ist eine Frage, die jede und jeder für sich selbst beantworten muss. Es steht aber ganz sicher niemandem an, hierüber ein pauschales Urteil zu fällen, das er für andere Menschen verpflichtend machen will. Und selbst wenn er sich dazu erdreistet, wird das wie oben schon gesagt ein müßiges Unterfangen sein (was ja durchaus tröstlich ist).

    Last, but not least:
    Symbolische Kämpfe um Worte sind ein wunderbares Mittel, um davon abzulenken, dass man an realen Verhältnissen nichts ändern kann oder will. Z.B. wären all die Flüchtlinge und Zuwanderer, die sich in der Totalen Institution Asyl (die mit der Einreise nach Deutschland anfängt und oft genug noch Jahre und Jahrzehnte später zu einem Leben mit unsicherem Aufenthaltsstatus, kaum menschenwürdigen materiellen und psychologisch kaum zumutbaren Lebensumständen, räumlicher Ausgrenzung bzw. Konzentration auf Flüchtlingsunterkünfte und die Deprivation von Staatsbürgerrechten führt) gefangen sehen, Herrn Mekonnen sicherlich sehr dankbar, wenn er seine Position dazu nutzen würde, an ihrer Lebenslage etwas zum Besseren zu verändern. Aber vermutlich würde dies seine Position von Stiftungs Gnaden erheblich gefärden, und vermutlich würden die Rap-„Nigger“ jemanden in dieser Position einen „Negro“ nennen, um ihre Kritik zum Ausdruck zu bringen. Ich enthalte mich meinerseits lieber einer einschlägigen Bezeichnung.

    • A. Behrens says:

      ‘nemezki’ ist ein rassistisches Schimpfwort. Jedenfalls in Teilen Russlands und bedeutet ‘deutsch’. Wir reden uns jetzt alle mal als ‘Du Deutscher’ an und wissen dann, was Türken fühlen, wenn wir sie als Türken anreden oder Intensiv-Pigmentierte als Neger. Nämlich nix. Wir sind halt Deutsche.

      Ein Bekannter von mir hat sich bezüglich Schimpfwörtern mal in der Art ausgelassen “Warum ist ‘Du Arsch’ ein Schimpfwort? Nimm einen beliebigen anderen Körperteil und sprich es als Schimpfwort aus. Also ‘Du Bauchnabel’, ‘Du Handgelenk’ oder ‘Du Ohrläppchen’. Ein Körperteil wird dann zu einem Schimpfwort, wenn der Benutzer es glaubt.”

      Übersetzt müsste man daher sagen: Türke, Neger, Russe, Pole wird dann zu einem Schimpfwort, wenn die Benutzer glauben es sei ein rassistisches Schimpfwort. Die wahren Rassisten sitzen damit in der Heinrich-Böll-Stiftung.

  2. Frontinus says:

    Wie man eine neue Welt herbeischreiben könnte:
    Alles, was jemals geschrieben wurde, politisch korrekt umschreiben: Die Bibel, Ramses Siegesinschriften in Abu Simbel, Cäsars Gallischen Krieg, Hitlers Mein Kampf, Machiavelli, Maos Schriften und und und
    Ein neues Leben und Denken in eia popeia …

  3. T.R.E.Lentze says:

    Es wurden Beispiele genannt, wie sprachliche Säuberungs-Kampagnen durch die vermeintlich Betroffenen ad absurdum geführt wurden. Weiteres Beispiel: Schwule. Ursprünglich ein Schimpfwort, jetzt angenommen zur Selbstidentifikation.

    Führen wir das doch fort! Wenn versucht wird, uns Feminismus-Kritiker als “rechtslastig” auszugrenzen, dann sollten wir diese Herausforderung annehmen. Ich, Thomas R.E. Lentze, bezeichne mich selbst als rechtsradikal (nicht: rechtsextrem). So möchte ich auch gekennzeichnet werden, denn darauf gründet sich ein Teil meines Selbstwertgefühls. Immerhin haben die Begriffe “recht” und “rechts” etwas mit richtig zu tun. Ich lasse mich nicht ausgrenzen; ich grenze mich selber aus, und sehe das als Ehrensache.

    Wenn das noch mehr Leute machen würden, dann würde diejenigen, welche jetzt noch, der Ausgrenzung halber, die Rechtsradikalismus-Keule schwingen, diese irgendwann beiseitelegen oder neu etikettieren müssen. Nur Mut!

  4. Robert W. says:

    es gibt anscheinend zwei Theorien: die eine besagt, “Sprache formt das Denken” ( Dies hat George Orwell mit seinem “Neusprech” in 1984 Ausgeführt. Und dieser Ansicht sind wohl alle PC-Anhänger) und die andere “das Denken formt die Sprache” (dieser Ansicht bin ich, weil ich oft genug darum kämpfe, meine Gedanken in Sprache auszudrücken. Ausserdem glaube ich, dass dieses “böse-Begriffe-Vermeidungs-Karussell” meine Ansicht stützt. Der Ersatzbegriff Neger/Schwarzer/Afrikaner/Farbiger/People of color/… galt kurze Zeit nach seiner Einführung ebenfalls als diskriminierend und musste ersetzt werden).
    Wenn ich will, kann ich jemand auch mit dem aktuell gehypten PC-Wort diskriminieren 🙂

  5. robert m. says:

    Mit ein bisschen Humor wird die der ganze Unsinn in seiner Absurdität erst so richtig deutlich: “Neger” soll ja nicht durch ein Neusprech-Wort ersetzt werden, sondern gestrichen. Ist natürlich konsequent, denn jede Bezeichnung eines einmal semantisch benachteiligten Bezeichneten birgt in sich die Gefahr, dass die Disakreditierung sich in die Ersatzbezeichnung einschleicht und dann in deren Ersatzbezeichnung…

    ERGEBNIS: Nicht mehr nur das Wort “Neger”kommt nicht mehr vor, sondern jede mögliche Bezeichnung für das davon Bezeichnete ist schon diskreditiert. ERGEBNIS: Diese Menschen kommen im Text nicht mehr vor, werden ausgeschlossen aus jeder Phantasie, werden DISKRIMINIERT.

  6. jck5000 says:

    Ich halte “wir leben in einem Zeitalter, in dem Begriffe böse sind und Menschen mit erschreckenden Phantasien und Assoziationen als Weltverbesserer durchgehen” für den wichtigsten Satz in dem Artikel, den ich 100%ig teile.

    Als ich das mit den Negern bei Preussler gelesen habe, habe ich zuerst fünf verschiedene Artikel dazu gelesen. Der für mich entsetzliche war von der Taz; im Titel steht da (Link macht wg. Paywall keinen Sinn; google “taz kleine hexe”): “Ein Leserbrief hat die Nachkommen des Autors überzeugt”. Das hat Herr Klein schon schön wiedergegeben – und stößt bei den Kommentatoren auf rege Begeisterung. Und Bedauern über Preusslers Tod.

    Das Problem dabei ist: Der Mann ist zwar über 90, aber er lebt noch. Offenbar hat er sich dagegen gewehrt, seine Bücher umzuschreiben. Erfolglos.

    Und der gleiche Artikel erklärt uns dann, dass das andere Verlage, Oettinger z.B., das schon lange machen, sobald sich die Autoren nicht mehr wehren können, beispielsweise Astrid Lindgren, deren Nachkommen das zwar (auch) nicht leiden konnten, aber “Negerkönig” geht ja gar nicht. Vor allem kein Weißer.

    Das Gros der Kommentatoren auf den meisten anderen Online-Medien bewegt sich zwischen “und wann verbrennen wir die Bücher?” und “Blödsinn”. Ich habe da also noch Hoffnung.

    Frau Dr. Diefenbach hat den zweiten wichtigen Punkt, “dass es ein völlig aussichtsloses Unterfangen ist, sprachliche Säuberungen … durchführen zu wollen”, formuliert. Man nennt das wohl in bestimmten Kreisen “Euphemismus-Tretmühle”, und das Gegenbeispiel, also das Rehabilitieren der Begriffe, “Reclaiming”. Dass funktioniert aber nicht, dass fordert nur Sonderrechte in der Wortbenutzung. Nein? OK, dann bitte ich einen beliebigen Mann, eine Teilnehmerin einer Slutwalk-Demo als Schlampe zu bezeichnen. Machen sie ja schließlich selbst.

    Worauf das ganze aus Sicht der Propagandierenden rauslaufen soll, weiß ich nicht. Die Probleme löst es sicher nicht, soweit d’accord. Aber lenkt es davon ab, um die Probleme nicht angehen zu müssen – oder sind sie unlösbar?

    Ist man als Deutscher im Ausland, begegnet man dem “Rassismus” selbst. Tendenziell ist das östlich von Wien “Melkkuh mit zu viel Geld”, was sich erfreulich oft bereits mit rudimentären Sprachkenntnissen ausgleichen lässt. Meine eigene Erfahrung zeigt mir ausschließlich, dass es im Gegensatz zu dem, was alle Medien behaupten, nicht um die Integration von Seiten der Mehrheitsgesellschaft geht, sondern vielmehr um Anpassung derer, die in dieser Gesellschaft sind.

    Und an dieser Stelle würde ich das “Problem” dahin überführen, wo ich es sehe: Es geht nicht grundsätzlich um Nationalität oder Ethnik. “Strukturelle Diskriminierung” aufgrund von Vorurteilen existiert sicher, aber jeder Einzelne kann, nein, muss etwas dagegen machen. Und damit meine ich die Betroffenen, nicht die Diskriminierenden. Jeder Mensch hat Vorurteile – Kahneman & Tversky haben für eine ähnliche Erkenntnis (“Framing”) einen Nobelpreis bekommen. Auch Umerziehung hat noch nie funktioniert, das ist historisch wohl ausreichend belegt.

    Der wichtige Punkt ist, dass man den König nicht stürzt, indem man rumbrüllt oder ihm einen Brief schreibt, sondern indem man die Bastille stürmt. Dafür braucht man genügend Menschen, die die Bastille stürmen wollen. Und die Gruppe, mit der ich das machen würde, ist noch zu klein.

    • Basti says:

      @ jck5000

      Unabhängig von dem Schwachsinn Bücher umzuschreiben:

      Wie sieht es denn da mit dem Urheberrecht aus? Ist sowas eigentlich egal.

      Bei Hitlers “Mein Kamp”f heulen die Bayern ja herum aber von Autoren Bücher zu fälschen ist erlaubt?

      Im Übrigen: Bücher sollen so bleiben wie sie sind, weil sie ein Abbild jener Zeit ist.

      Sowas ist in meinen Augen Geschichtsfälschung, gerade wenn es sich um Weltliteratur handelt.

  7. Basti says:

    Mal sehen wie lange es dauert bis meine geliebten Asterix Hefte zensiert werden. Ich habe schon eine Bestellung aufgegeben um die leicht zerfledderten zu ersetzen. Ich besitze die Sammlung in einigen Sprachen.

    War ja auch schon im Gespräch. Alleine Baba mit seinen Monsterlippen bringen politisch korrekte schon zur weißglut.

    Neulich kam Asterix erobert Rom im Fernsehen. Der mit den 12 Prüfungen. Ein echt genialer Film alleine schon wegen dem “Haus das Verrückte macht”.

  8. Terminator-1529 says:

    ( Auch wenn es evtl. schon jeder kennt. )
    Einmal hier die gute alte Harald Schmidt Antwort zu diesem Thema.

    “Der hat Neger gesagt”

    und hier die Dude Karl Version. ( Ziemlich neu ).

    “Gutmenschen installieren Neusprech”

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