Das Letzte vor Weihnachten: Das Familienminist und das Gott

Während man bei der EU darüber nachdenkt, wie man traditionelle Rollenbilder aus Kinderbüchern entfernen kann (was das für Dornröschen bedeutet, wage ich mir gar nicht vorzustellen, und wen die Hexe statt Hänsel fressen will, darauf bin ich schon richtig gespannt), also während man bei der EU nachzudenken versucht, ist man bei der Bundesregierung schon einen Schritt weiter und hat die leidige Frage der Differenzierung durch Benutzung bestimmter Artikel, die noch dazu in der deutschen Sprache in zwei von drei Fällen ein grammatikalisches Geschlecht zum Ausdruck bringen, dadurch gelöst, dass der Artikel „das“ nunmehr die Artikel „die“ und „der“ ersetzt.

Nach Recherchen von rubbish press hat sich die Bundesregierung noch nicht Schildbuergerzu der Frage unbestimmter Artikel geäußert, was vermutlich daran liegt, dass derzeit fieberhaft an einem neuen unbestimmten Artikel der weder „ein“ noch „eine“ ist und somit kein grammatikalisches Geschlecht nahelegt, gearbeitet wird. Nach Informationen eingeweihter Kreise gehen derzeitige Überlegungen dahin, anstelle von „ein“ und „eine“ sowie den Deklinationen davon (eines, einer, einen) nunmehr nur „ei“ zu verwenden, ei sei zum universellen Einsatz vorgesehen und solle zudem an die Stelle von z.B. „man“ treten. Über die dabei entstehenden Probleme mit dem nämlichen Gegenstand, den „das“ Huhn produziert, wird offensichtlich noch gestritten. Damit sich die Leser von ScienceFiles jedoch bereits jetzt an die neue Nomenklatur der deutschen Sprache gewöhnen, hier die richtige Fassung einer falschen Meldung aus „das WELT“.

Um die richtige Fassung zu erstellen, war es notwendig, alle Genderismen zu bereinigen. Die dabei entstandene Version von Deutsch erinnert mich an etwas, was ich im Moment nicht genau benennen kann, aber vielleicht fällt es ja einem der Leser ein.

Angela Merkel (ob man in Zukunft noch Vornamen, die eindeutige Geschlechtsangaben darstellen, verwenden darf, wird derzeit geprüft) stellt sich hinter „das Gott“.

Das Gott ist nach Einschätzung das Bundesregierung nicht beleidigt, wen es als das Gott angesprochen wird. „Was (Ersatz für Wer) an das Gott glaubt, das (Ersatz für dem) sind das Artikel egal“, erklärte Regierungssprache (Ersatz für Sprecher), Steffen Siebert. Das Ausdruck ‚das liebe Gott‘ haben in das Herzen (Ersatz für den) vieler Menschen seit Jahrhunderten ei Platz. Wenn ei (Ersatz für man) das Gott anders anspricht, dringen das Gebete auch durch.

Das Familienminist Kristina Schröder (CDU) hatte zuvor heftig (neue Schreibweise ohne “e”) Kritik aus das Reihen das Union für das Aussage geerntet, das männliche Artikel bei das Redewendung „das liebe Gott“ sei eigentlich egal und ei könne auch das Gott sagen.

Schröders Sprache Christoph Steegeis (neue Schreibweise von Steegmans)  führte sogar das Papst als Zeug (neue Schreibweise ohne “e”) ins Feld. „Das Papst Benedikt höchstpersönlich schreibt in seiner Jesus-Biografie: „Natürlich ist Gott weder Mann noch Frau“, sagte Steegeis. „Das Kritiker sollten also nicht päpstlicher sein als das Papst“.

Damit soll die letzte Meldung vor Weihnachten ihr Bewenden haben. Ich will an dieser Stelle nur nebenbei darauf hinweisen, dass das biologische Geschlecht von „das Gott“ etwas gänzlich anderes ist als das grammatikalische Geschlecht von „das Gott“. So wie das biologische Geschlecht der Katze nicht mit dem grammatikalischen Geschlecht der Katze übereinstimmt. Wer zwischen biologischem und grammatikalischem Geschlecht nicht unterscheiden kann, muss folglich annehmen, dass jedes mit einem grammatikalischen Geschlecht versehene Objekt (a) ein Lebewesen ist und (b) der Spezies der Säugetiere angehört.Die Physiker Die Dummheit, obwohl grammatikalisch betrachtet weiblichen Geschlechts, ist dennoch nicht auf das biologisch weibliche Geschlecht beschränkt, auch wenn man gerade  einen ganz anderen Eindruck gewonnen haben könnte. Ebenso verhält es sich mit der Begriffsstutzigkeit, der Langsamkeit, der Idiotie oder der Demenz. Sie alle sind grammatikalisch weiblichen Geschlechts, aber nicht biologisch weiblichen Geschlechts (Aufmerksame Leser werden bemerken, dass ich mir den Spass erlaubt habe, das grammatikalisch weibliche Geschlecht im Dativ mit dem grammatikalisch männlichen Artikel zu paaren… Man soll die Hoffnung auf einen Aha-Effekt ja auch bei das Familienminist nie aufgeben … I am feeling desperate). Die Meinung, nach der abstrakte sprachliche Konventionen sich  in der Realität auffinden lassen würden, und somit die Unfähigkeit zwischen Bezeichnendem und Bezeichnetem zu unterscheiden, ist ein unter Essentialisten weit verbreitetes Leiden. Und seit der Konstruktivismus, aufgrund des mit ihm verbundenen Versprechens, dass auch noch der letzte Unsinn rechtfertigbar ist, von Essentialisten wie das Familienminist mit Begeisterung aufgenommen wurde, hat sich dieses Leiden zu einer Pandemie entwickelt, bei der nur überraschend ist, dass sich die WHO noch nicht darum kümmert.

Aber in diesen Zeiten des ideologischen Wahnsinns, in denen die Nicht-Irren sich, dem Rat Dürrenmatt folgend, ins Irrenhaus geflüchtet haben und außerhalb des Irrenhauses jeder Unsinn und sei er auch noch so groß, möglich ist, ist anscheinend nichts mehr, wie es einmal war.

Dennoch wünschen wir allen Lesern von ScienceFiles, die mit uns der Meinung sind,

dass am 24. Dezember Weihnachten ist:

FROHE WEIHNACHTEN!

sciencefiles_xmas

Print Friendly, PDF & Email

About Michael Klein

… concerned with and about science

16 Responses to Das Letzte vor Weihnachten: Das Familienminist und das Gott

  1. T.R.E.Lentze says:

    “Wer zwischen biologischem und grammatikalischem Geschlecht nicht unterscheiden kann”

    – das Gefährliche: die können es sehr wohl unterscheiden. Sie wollen nur, daß wir sie für dumm halten. Denn dann nehmen wir sie ja nicht ernst, lassen sie also machen, in der Annahme, sie würden irgendwann schon von selbst zur Vernunft kommen.

    Und irgendwann ist Alles zu spät. Dann wachen wir auf und merken, daß die Hysterokratinnen gar nicht so dumm sind, wie sie tun (und manchmal aussehen). Dann sind wir mit Strukturen konfrontiert, die wir nicht mehr ändern können. Denn bei der Sprache wird es nicht bleiben.

    Warum nicht sofort, betreffend diese Politiker, den Antrag auf psychiatrische Einweisung stellen, per Unterschriftensammlung? Wahrscheinlich würde es nicht den beabsichtigten Erfolg haben; zuviel Zeit ist schon verstrichen. Aber immerhin wäre ein Signal gesetzt.

    Wir sind doch schon mindestens einmal sehend und untätig in den Abgrund geschliddert. Muß sich das wiederholen?

    • Warum nicht sofort, betreffend diese Politiker, den Antrag auf psychiatrische Einweisung stellen, per Unterschriftensammlung? Wahrscheinlich würde es nicht den beabsichtigten Erfolg haben; zuviel Zeit ist schon verstrichen. Aber immerhin wäre ein Signal gesetzt.

      Gute Idee! Wir können ja erst einmal eine Petition schreiben und vielleicht findet sich ein Psychiater, der als Sachverständiger tätig werden will.

      • T.R.E.Lentze says:

        Ich würde in jedem Falle unterschreiben. Und was den Psychiater betrifft, so müßten wir uns an einen solchen wenden, der auch für Familiengerichte, in Sorgerechtsfragen, tätig wird. Denn ein solcher schreibt grundsätzlich Wunsch-Gutachten, Hauptsache, die Kasse stimmt.

        Nein, das war Sarkasmus. Vielleicht findet sich auch ein Psychiater, der aus Wahrheitsliebe und im Bewußtsein politischer Mitverantwortung tätig wird. Der würde natürlich seine Karriere riskieren. Aber solche Männer braucht das Land.

  2. Max Erdinger says:

    Die Unterscheidung zwischen grammatikalischem und biologischem Geschlecht überfordert gewisse teutsche Torfköppe inzwischen. Deswegen sollte man sich auch nicht damit aufhalten, ihnen diesen Unterschied zu erklären. Man muß ja schon froh sein, wenn sie die Patriarchat richtig buchstabieren. Um nun dem ausgesprochenen Egalitätsbewußtsein der feministisch Zerebralgeschädigten gerecht zu werden, schlage ich vor, die Artikel einfach zu vertauschen. So für die nächsten … äh … tausend Jahre vielleicht. Das läßt sich recht einfach bewerkstelligen. Kurz “der Baum” überlegt und schon “die Baum” dahergeplappert. Das schafft jedes. Und wenn wir Glück haben, hat sich die Sache binnen zwölf Jahren erledigt. Dann können wir Weihnachten 2024 wieder Deutsch sprechen. Frohe Weihnachten und eine gute Rutsche!

  3. dentix07 says:

    Auch von mir:

    Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

  4. qed says:

    Weg mit das Dativ!
    Das Genitiv brauchmer ja auch schon nicht mehr!
    Zurück zum Dreiwortsatz!

  5. Dann sind nur noch Frauen zukünfitg eine Seele und alle Männer Seeler. Schönen Gruß von meinem Uwe!

  6. Urs Brechbühl says:

    ja, das Ganze ist voll krank. Und wie dumm die Leute sind, sich mit Feminismus, Esoterik, Gendermainstreaming, unzähligen Glaubensrichtungen und weiterem Hokuspokus zu beschäftigen. Und all dieser Schrott wird für wahr und positiv gehalten. Gutgläubig Dumm! Realität war einmal.

    Oh stille Nacht heilige Nacht 🙂

    • heureka47 says:

      Falls du wissen willst, um welche Krankheit es sich handelt bzw. wie man sie heilen kann, googele evtl. nach “Kollektive Zivilisations-Neurose”.
      Frohe Weihe-Nacht!

  7. jck5000 says:

    Wundervoll. Sie haben allerdings im Zitat vergessen, dass auch Pronomina ein grammatikalisches Geschlecht haben, hier das Papst “seine”.

    Frohe Weihnachten!

    • jck5000 says:

      Ich mach dann auch noch einen Vorschlag, da es immer die 3. Person Singular betrifft, vor allem, wenn das Pronomen auf “e” endet, in irgendeiner Deklinationsform. Ergo wird das Wort ab inklusive dem e einfach beendet. Da kommen schöne Wörter bei raus, zum Beispiel “welch” oder “manch”. Die Wörter “er, sie, es” werden durch “s” ersetzt. Und mit “dies” und “jen” hat doch sicher niemand Probleme? Für seine/ihre bräuchte man eine Ausnahmeregel, aber angelehnt an das “ei” könnte man ja “eis” verwenden.

      Ei Eis ist nur dann jen Eis, wenn s eis ist. Ist s nicht eis, ist s nicht eis Eis.

  8. Hans Meier says:

    Wie wär`s, mit Humor und Gelassenheit, den Unsinn der modischen Irrläufer und -Innen, die der Realität ihre Gender-Visionen, als „missionierenden, pseudowissenschaftlichen Schnickschnack“, aufzwingen wollen, munter weiter zu entlarvend entgegen zu treten und trotzdem fröhlich zu bleiben. Siehe:







    Also „Fröhliche Weihnachten!“

  9. T.R.E.Lentze says:

    Soeben erst bin ich auf diesen Artikel gestoßen, aus welcher hervorgeht, daß Frau Schröders oben zitierte Äußerungen nur die Spitzen eines mentalen Eisberges darstellen:

    http://kultur-und-medien-online.blogspot.de/2012/12/weltweites-kopfschutteln-uber-kristina.html

    Demnach sind die Reaktionen noch bis ans andere Ende der Welt zu vernehmen:

    ” Insbesondere die Brasilianer – ein besonders herzliches Volk – schäumen vor Wut. Sie können es nicht verstehen, dass man in einer solchen Art und Weise ein 18monatiges Mädchen zu indoktrinieren versucht.

    Die Kommentare in den Nachrichtenmeldungen sind derart aggressiv, dass man sie kaum wiedergeben kann. Wer sich ein Bild machen will (und portugiesisch lesen kann), kann folgenden Link zu einem der wichtigsten Portale des riesigen Landes, Terra, folgen.”

  10. Pingback: Komm’ lass uns eine Gender-”Fachtagung” abhalten – das muntere Verschwenden von Steuergeldern geht ungebremst weiter « Kritische Wissenschaft – critical science

  11. Pingback: Unsinn der Woche: Die sprachliche Armut der Nationalen Armutskonferenz | Kritische Wissenschaft - critical science

  12. Pingback: Internationaler Frauentag | Kritische Wissenschaft - critical science

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

Translate »
error: Content is protected !!
Skip to toolbar