Heiko Maas und Philosophie: Zwei Welten, nichts Gemeinsames

Heiko Maas twittert wieder. Dieses Mal hat er eine philosophische Erkenntnis getwittert, die ihm wohl auf der Toilette gekommen ist:

 

Wir sind zwar nicht alle gleich.
Aber wir sind alle gleich viel wert.

Wir haben schon die mannigfaltigsten Verwirrungen über Gleichheit gelesen, aber Heiko Maas schafft es, noch die letzte Normalität aus dem Fenster zu werfen, denn: Wir sind alle gleich, aber wir sind nicht alle gleich viel wert: Das ist die Crux der philosophischen Geschichte des Abendlandes, die mehrere tausend Jahre zurückreicht. Nein, das war die Crux, denn jetzt gibt es ja Heiko Maas, den Philosophen aus dem Saarland.

Halten wir uns dennoch an den Standard, der vorhanden war, bevor die Maassche Verwirrung eine Verständigung über Grundlegendes zerstört hat.

sciencefiles-rationaler-widerstand-vorlageEntsprechend sind wir alle bei Geburt gleich. Liest man z.B. bei Thomas Hobbes nach, dann geht die Gleichheit noch weiter und erstreckt sich auf alle Rechte, die man als Mensch von Natur aus so haben kann. Von Naturrechten ist entsprechend die Rede. Die umfassen z.B. das Recht auf Freiheit und finden bei Hobbes gar kein Ende, denn bei ihm gibt es keine Instanz außer dem jeweiligen Menschen selbst, die das Recht auf alles, das ein Mensch hat (und das umfasst ausdrücklich das Recht, Leben und Besitz eines anderen zu nehmen) einschränken kann. Und weil Menschen neben Rechten auch mit Verstand ausgestattet sind, vertraut Hobbes darauf, dass sie zu einer Übereinkunft dahingehend kommen, dass es besser ist, sein Recht auf alles, einzuschränken, weil man, wenn man z.B. das Recht, anderer Leben zu nehmen, abgibt und einen Leviathan einsetzt, um zu überwachen, dass auch andere das entsprechende Recht nicht mehr nutzen, zwar nicht mehr Leben nehmen kann, aber in der Gewissheit Leben kann, das eigene Leben nicht genommen zu bekommen. An dieser Übereinkunft sind alle Menschen in gleicher Weise beteiligt, mit den gleichen Rechten, denn von Natur aus sind alle Menschen gleich.

Da kommt so ein Mensch also auf die Welt, wächst und entwickelt sich, und ein anderer Mensch kommt auf die Welt, wächst und entwickelt sich anders. Der eine wird Erfinder, der nächste wird Maurer, wieder ein anderer wird Politiker und alle drei sind sie nicht dasselbe wert, denn der Wert, den Heiko Maas im Munde führt, er ist nicht von Geburt an vorhanden, wie die Gleichheit, von der oben die Rede war, der Wert wird zugewiesen.

In einem Markt erfolgt die Zuweisung durch die Nachfrage. Wir alle wollen ein Dach über dem Kopf. Der Maurer wird entsprechend gewertschätzt, hat einen angegbaren Wert. Der Erfinder, der den Mörtel und die Ytongsteine erfunden hat, ohne ihn hätte der Maurer nichts zu mauern oder nichts so Schönes zu mauern, entsprechend hat der Erfinder auch einen Wert, einen, der vielleicht höher geschätzt wird, als der des Maurers. In Kriegszeiten wird der Wert von Soldaten hoch geschätzt. Wer einen Unfall hat, kann den Wert des Feuerwehrmannes, der ihn aus dem Auto schneidet, gar nicht hoch genug einschätzen.

Je nach Situation und Motiv der Zuschreibung von Wert, variiert der Wert von Menschen. Für die Gesellschaft sind Menschen, die arbeiten und einen Nutzen erwirtschaften, mehr wert als Menschen, die nur konsumieren und keinen Finger krumm machen. Wir sind entsprechend nicht alle dasselbe Wert. Um das zu sehen, muss man sich einfach nur überlegen, was passieren würde, wenn man einen bestimmten Menschen einfach streichen würde. Streichen wir Howard W. Florey, Ernst B. Chain und Norman Heatley aus der Geschichte und wir haben damit Penicillin gestrichen, Antibiotika ade, denn Florey, Chain und Heatley sind für die Erfindung des Penicillin verantwortlich (und Ian Fleming war später auch dabei). Der Beitrag, den Florey, Chain und Heatley zur Wohlfahrt der Menschheit geleistet haben ist viel mehr wert als z.B. der Beitrag von Wladimir Iljitsch Lenin, der hauptsächlich darin bestand, Marxens Ausgangspunkt zu einer totalitären Philosophie weiter zu entwickeln und einen blutigen Bürgerkrieg vom Zaun zu brechen. Oder nehmen wir Heiko Maas, wer würde, wenn er sich entscheiden müsste, zwischen seinem Müllfahrer und Heiko Maas, auf den Müllfahrer verzichten und Heiko Maas wählen?

Eben.
Deshalb sind wir nicht alle gleich viel wert.

P.S.

Die Behauptunug, wir seien alle gleich viel wert, ist Ergebnis eines Essentialismus, der sich aus der Maaschen Formel der Ungleicheit ableitet: Wir sind nicht alle gleich, was bedeutet: schon bei Geburt verschieden. Diese Aussage macht nur Sinn, wenn man Menschen Eigenschaften unterstellt, die sie definierren, und zwar so, dass sie nicht gleich sein können, Eigenschafen wie Geschlecht, sexuelle Orientierung, ethnische Abstammung usw. Diese Eigenschaften müssen für Heiko Maas essentiell, also unveränderlich sein, und sie müssen auf alles durchschlagen, was den entsprechenden Menschen ausmacht. Damit löst Maas die Gemeinsamkeit zwischen Menschen auf, ersetzt sie durch essentielle Unterschiede und stellt sich auf eine Stufe mit den Nationalsozialisten, die auch der Meinung waren, es gäbe Eigenschaften, die Menschen qua Geburt und unwiderruflich so definieren, dass sie nicht gleich sind, dass die einen zu Unter-, die anderen zu Herrenmenschen geboren sind. Ob Heiko Maas diese Konsequenz seiner Philosophie bedacht hat?


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Wir sind nicht gleichwertig: Wir sind mehrwertig!

Eigentlich sollte dies der erste Post in der Reihe über das Programm zur Verschwendung von Steuergeldern und Netzwerk-Finanzierung „Demokratie leben!“ werden. Wurde er aber nicht, denn wir sind nur soweit gekommen:

“Angriffe auf Demokratie, Freiheit und Rechtstaatlichkeit sowie Ideologien der Ungleichwertigkeit sind dauerhafte Herausforderungen für die gesamte Gesellschaft.“

Und jetzt reicht es. Wir können diesen Ungleichwertigkeits- bzw. Gleichwertigkeitsunsinn einfach nicht mehr hören.

Schon 1965 hat J. Stacy Adams seine Equity-Theorie veröffentlicht, die letztlich inhaltlich nicht viel gebracht hat, was nicht bereits bei Homans stand, aber in jedem Fall eine Strukturierung und Systematisierung der bei Homans verstreuten Ideen geleistet hat.

Equity, ist für Adams das Ergebnis eines Vergleichsprozesses: Wenn ich mich mit einem vergleiche, der genau dieselben Kompetenzen hat, genau dieselben Leistungen erbringen soll und auch erbringt, wie ich und der für die entsprechende Leistung auch genau denselben Output, sagen wir in Form von Lohn erhält, dann sind wir beide im Hinblick auf die Leistung und das Leistungsergebnis gleichwertig. In keinem anderen Fall.

Verkürzt man das Gesagte auf Einsatz (Input) und Ergebnis des Einsatzes (Output), dann kann man die Bedingung für Gleichwertigkeit und daraus resultiert, das Empfinden von Gerechtigkeit und das Vorliegen von Gerechtigkeit, auf Basis der normalmenschlichen Maßstäbe in eine Gleichung packen, die den eigenen Input ins Verhältnis zum eigenen Output setzt und mit dem entsprechenden Verhältnis eines Partners (z.B. eines Arbeitskollegen) vergleicht:

Input (A) / Output (A) = Input (B) / Output (B)

In allen Fällen, in denen der Vergleich Unterschiede im Input oder im Output zum Ergebnis hat, liegt keine Gleichwertigkeit vor und entsprechend wird eine Gleichbehandlung dahingehend, dass ungleichwertige Leistungen gleich behandelt werden, als Ungerechtigkeit bezeichnet:

“ The magnitude of the inequity experienced will be a monotonically increasing of the size of the discrepancy between the ratios of outcomes to inputs. The discrepancy will be zero, and equity will exist, under two circumstances: first, when Person’s and Other’s outcomes are equal and their inputs are equal. …” (Adams 1965: 281-282)

Und weil dem so ist, muss nun einmal und ein für alle Mal gesagt werden:
Wir sind nicht gleichwertig!

Wir sind mehrwertig im Vergleich zu denen, die ihre Qualifikationen fälschen oder bei anderen abgekupfert haben. Wir haben unsere Qualifikationen durch Arbeit und nicht durch Betrug erworben.

Philosophie for dummiesWir sind mehrwertig im Vergleich zu all denen, die es nötig haben, andere mit persönlichen Angriffen und unter Zuhilfenahme entsprechend konnotierter Begriffe abzuwerten, weil sie keine Argumente haben. Wir haben dann, wenn wir uns zu Themen äußern, Argumente und sind deshalb nicht gleichwertig, sondern mehrwertig.

Wir haben alles, was wir besitzen, erarbeitet. Keines der Mitglieder der ScienceFiles-Redaktion hat jemals staatliche Transferleistungen bezogen. Im Vergleich zu allen, die sich von ihrem Staat haben kaufen lassen, sind wir mehrwertig.

Wir leben davon, wissenschaftliche Leistungen zu verkaufen, die nachgefragt werden. Unsere Kunden kommen zu uns. Wir haben es nicht nötig, von staatlichen Programmen zu leben und uns als Lobbyisten zu verdingen, um unsere Finger an Steuermittel zu bekommen. Wir sind im Vergleich zu all denen, die sich als pseudo-wissenschaftliche Kostgänger an den Staat verkaufen, mehrwertig.

Wir stehen zu Prinzipien und biegen sie nicht in einer Weise, die, wäre Scham vorhanden, Schamesröte entstehen lassen würde, wie dies z.B. bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes der Fall ist, wo die offene Diskriminierung von Männern befördert wird, während gleichzeitig behauptet wird, man sei gegen Diskriminierung.

Das soll genügen, um den Kern von Ungleichwertigkeit herauszuarbeiten: Leistung. Wer mehr leistet als andere, ist mit diesen nicht gleichwertig, sondern er ist mehr wert. Wie kognitiv geringwertig muss ein Gehirn sein, wenn der Inhaber tatsächlich denkt, Albert Einstein sei gleichwertig mit ihm, er sei für die Menschheit gleichviel wert wie Albert Einstein? Wie ideologisch verblendet muss man sein, wenn man denkt, ein Arbeitgeber, der einen Mitarbeiter, der mehr Erfahrung, bessere Referenzen und mehr Motivation hat, besser bezahlt als einen, der weniger Erfahrung, schlechtere Referenzen und weniger Motivation hat, würde Letzteren nicht gleichwertig behandelt, sondern diskriminieren?

Man muss in einem solchen Fall ein sozialistisch durchsetzes Gehirn haben, eines, das man als Indikator für die Stalinfeld-Josef-Krankheit ansehen muss, ein Gehirn, in dem Leistung nichts zählt, sondern bestenfalls das ist, was andere, an deren Leistung man sich gütlich tut, im Sozialismus bereitstellen, damit man selbst, der in seiner Leistung ungleichwertig ist, gleichwertig erscheinen kann ohne es weiterhin zu sein.

Wir sehen derzeit einen unglaublichen Anschlag auf soziale Vergleiche, dessen Ziel darin besteht, jede Form des Vergleichs zwischen Menschen als neoliberalistischen Anschlag auf die heile Kinderwelt des Sozialismus zu ächten und zu verunmöglichen. Lassen wir es nicht so weit kommen, damit wir auch morgen noch sagen können, ein Gerd Binnig ist mehr wert als ein Heiko Maas und eine Marie Curie mehr als eine Anetta Kahane.

Das Schöne an dieser Konzeption von (In)Equity: Sie ist empirisch. Gleichwertigkeit wird in der Empirie als Verhältnis der Relationen von Input und Output gemessen. Gleichwertigkeit ist somit bestimmbar, messbar, und wahrscheinlich ist es das, was diejenigen, die in ihrer transzendenten Vorstellungswelt der Gleichwertigkeit schwelgen, in der eine fixe Idee Gutheitsstatus besitzt, so fürchten, die Vorstellung, jemand könnte die in den Legionen von Projekten Beschäftigten, deren Haupttätigkeit darin besteht, sich auf Netzwerktreffen den Hintern plattsitzen, fragen, was das höhere Gehalt, das sie im Vergleich zur Putzfrau beziehen, deren Wirken man eindeutig anhand von Kriterien wie Sauberkeit und entsprechendem Geruch nachvollziehen kann, rechtfertigt. In einer empirischen Welt der Gleichwertigkeit ist das höhere Gehalt nur durch den im Vergleich zur Putzfrau höheren Input zu rechtfertigen. Und was ziehen die meisten Deutschen wohl vor, ein sauberes Gebäude oder eine mit 170.000 Euro vom Steuergeldverschwender Nr. 1, dem BMFSFJ, ausgehaltene Internetseite, die gegen Hatespeech agitiert, und zwar mit Hatespeech?

Unsere Gleichwertigkeit ist demnach eine empirische, keine essentielle Qualität, wie sie die Apostel der Gleichwertigkeit predigen, wenn sie tief im Innern noch des letzten Versagers den Kern der Gleichwertigkeit ausgraben wollen. Es mag sein, dass alle Menschen gleich geboren sind, was sie dann aus ihrem Leben machen, ist jedoch eine empirische, keine transzendente Frage.


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Was kostet ein Bundestagsabgeordneter?

China, bekannt für seine endlosen Wälder und seine Expertise auf dem Gebiet der „nachhaltigen Forst- und Holzwirtschaft“ ist Ziel einer Delegation des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages. Die Delegation wird vom 18. bis zum 25. August in China Bäume staunen und mit „der chinesischen Staatsforstverwaltung und der chinesischen Staatsforstakademie“ sprechen. Ob die Abgeordneten auch mit Menschen sprechen, ist eine derzeit ungeklärte Frage. Die Delegation besteht aus den Abgeordneten Cajus Caesar, André Berghegger, beide CDU/CSU, und Christian Petry von der SPD: Ob die Abgeordneten das Wissen, das sie (hoffentlich) von ihrer siebentägigen Reise mitbringen, in einem Reisebericht oder gar in einer Abhandlung über die nachhaltige Holzwirtschaft in China niederschreiben oder auf welche andere Art, sie den Steuerzahlern, die den Ausflug finanzieren, den Nutzen desselben erklären, ist eine weitere Frage, die ebenfalls ihrer Beantwortung harrt.

Bis die Antworten von Bürgern eingefordert werden und vorliegen, haben wir uns die Frage gestellt: Was kostet so ein Bundestagsabgeordneter eigentlich. Die folgende Rechnung stellt die durchschnittlichen Kosten per Bundestagsabgeordnetem für ein Jahr einer Legislaturperiode auf Grundlage des Bundeshaushaltsplanes für das Jahr 2016 zusammen.

Diäten 104.761 Euro
Kostenpauschale 50.476 Euro
Mitarbeiter von MdBs 321.151 Euro
Geschäftsbedarf / Büromaterial 12.048 Euro
Zuschuss zu Krankheitskosten 12.373 Euro
Übergangsgeld 818 Euro
Beitrag zur Rentenversicherung 72.183 Euro
Kostenerstattung f. Nutzung ÖPNV 3.487 Euro
Reisekostenerstattung 21.111 Euro
Zuschuss an die Fraktionen 133.843 Euro
Gesamtkosten eines MdB pro Jahr 732.251 Euro

Das entspricht monatlichen Kosten von 61.021 Euro pro Bundestagsabgeordnetem bzw. monatlichen Gesamtkosten von 38.443.230 Euro alleine dafür, die 630 Abgeordneten des Bundestages bei Laune zu halten.

Wer von unseren Lesern es schon einmal geschafft hat, 3.487 Euro im Jahr mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu verfahren und darüber hinaus Reisekosten in Höhe von 21.111 Euro zu akkumulieren, der möge sich bei uns melden. Wir wüssten gerne, wie das geht.

Orwell Animal Farm_Während ein Eckrentner mit einer Lebensarbeitsleistung von 45 Jahren monatlich rund 2.700 Euro (brutto) verdienen muss, um am Ende seiner Tage auf die Höhe der Standardrente von rund 1.176 Euro zu kommen, benötigt ein Bundestagsabgeordneterauf Basis seiner Rentenbeirtäge, dazu etwas mehr als 4 Jahre.

Es gibt im Bundestag übrigens eine Reihe von Abgeordneten, die behaupten, alle Menschen seien gleichwertig. Wie sie das mit den soeben beschriebenen Privilegien, die sie als Bundestagsabgeordnete genießen, vereinbaren, und warum sie es ablehnen, eine Rentenquote für Arbeiter einzuführen, die nach 45 Jahren nicht einmal annähernd das erhalten, was ein Bundestagsabgeordneter nach 8 Jahren, die er im Parlament abgesessen hat, einstreicht, und warum Bundestagsabgeordnete nicht einen Fonds einrichten, in den sie einen Teil, sagen wir 50% ihrer Rentenzahlungen einbringen, um die Ungleichheit, die zwischen ihnen und der Mehrheit ihrer Wähler im Hinblick auf die Höhe der Rente im Verhältnis zur Lebensarbeitszeit besteht, zu beseitigen, sind Fragen, die man gezielt den Abgeordneten stellen muss, die die Gleichwertigkeit aller Menschen beschwören.


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AfDler sind minderwertig – jedenfalls nicht gleichwertig

Es gibt in Deutschland ein Neutralitätsgebot, das Minister dazu verpflichtet, die Ressourcen des Ministeriums, dem sie vorstehen, nicht für den politischen Wettbewerb zu missbrauchen. Dieses Neutralitätsgebot hat in jüngster Zeit z.B. Bildungsministerin Wanka verletzt, die auf Webseiten des Ministeriums gegen die AfD zu Feld gezogen ist. Wir haben darüber berichtet, das Bundesverfassungsgericht hat auf Antrag der AfD per einstweiliger Anordnung verfügt, dass die ministerielle Parteipolitik von den Seiten des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zu verschwinden hat.

Nun gibt es einen neuen Fall, in dem offensichtlich gegen das Neutralitätsgebot verstoßen wird, in dem Ressourcen eines Ministeriums für den politischen Meinungskampf missbraucht werden und auf diese Weise das Recht aller Parteien auf Chancengleichheit im politischen Wettbewerb, das in Art. 21 Abs. 1 Grundgesetz (GG) gewährleistet ist, verletzt wird.

Antonio Stiftung 2014Die Amadeu-Antonio-Stiftung in Berlin wird in großem Ausmaß vom Bundesministerium für FSFJ finanziert. Die Stiftung bestreitet ihren Unterhalt zu weiten Teilen auf Kosten von Steuerzahlern. Dies geht aus dem Tätigkeitsbericht der Stiftung hervor. Zwar legt man bei der Stiftung nicht sonderlich viel Wert auf finanzielle Transparenz, aber selbst der rudimentären Ergebnisrechnung kann man entnehmen, dass sich allein im Jahre 2014 die Zuschüsse an die Stiftung auf 870.201,80 Euro beliefen. Diese Zuschüsse stammen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausschließlich aus Mitteln des BMFSFJ, weil die sonstigen Förderer der Stiftung ihre Förderung steuerlich absetzen wollen und entsprechend eine Spende an die Stiftung geben, die wiederum unter dem entsprechenden Posten in der Ergebnisrechnung verbucht wird.

Die Amadeu-Antonio-Stiftung lebt also in weiten Teilen auf Kosten von Steuerzahlern und mit Mitteln, die vom SPD-geführten Ministerium für FSFJ stammen. Vor diesem Hintergrund ist es unvermeidlich, dass die Stiftung öffentliche Mittel einsetzt, um Parteienwettbewerb zu betreiben und Steuergelder dazu zweckentfremdet, den etablierten Parteien einen Vorteil im Wettbewerb gegenüber der AfD zu verschaffen, was ein Verstoß gegen den Art. 21 Abs. 1 Grundgesetz darstellt und abermals dazu führen sollte, dass das Bundesverfassungsgericht mit der Prüfung des im Folgenden berichteten Vorgangs, mit der Prüfung der Mittelverwendung durch die Amadeu-Antonio-Stiftung und am besten einer Prüfung der Mittelverwendung aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ beauftragt wird.

Dies ist z.B. notwendig vor dem Hintergrund der neuesten Publikation aus dem Hause Amadeu-Antonio, einem kurzen Pamphlet, das den Untertitel trägt: „Handlungsempfehlungen zum Umgang mit der AfD“. Eindeutiger kann man politische Agitation zu Ungunsten einer und zu Gunsten anderer Parteien nicht mehr formulieren.

Erstellt wurden die „Handlungsempfehlungen“ von

  • Roman Guski,
  • Laura Piotrowski,
  • Simone Rafael,
  • Judith Rahner,
  • Jan Riebe,
  • Oliver Saal,
  • Theresia Singer,

Redaktionell beteiligt waren:

  • Timo Reinfrank,
  • Theresa Singer,
  • Sofia Vester.

Die magere Broschüre von 10 Seiten reicht also aus, um eine ganze Reihe hungriger Mäuler zu stopfen – vermutlich auf Kosten der Steuerzahler. Die 9 Beteiligten, von denen rein rechnerisch jeder eine Seite und ein bisschen beigetragen hat, sie haben ein Werk verbrochen, das nicht nur im Hinblick auf die logischen Fehler, die darin zu finden sind, bemerkenswert ist, auch im Hinblick auf die Prämissen verdient es Beachtung.

Lauten die Prämissen doch:

  • AfDler sind nicht gleichwertig.
  • AfD Wähler sind dümmer als die Wähler anderer Parteien.
  • Die AfD ist eine extremistische Partei, weil „Demokratie für die AfD vornehmlich die Herrschaft der Mehrheit über alle“ meint (das war ein Zitat von Seite 5).
  • Wer Kritik an etablierten Parteien und der Presse übt, der ist ein Extremist.

Diese Prämissen sind in ihrer Dummheit wirklich bemerkenswert und verdienen entsprechend eine breitere Würdigung.

AfDler sind nicht gleichwertig

Antonio Afd StiftungIm Vorwort der Handlungsempfehlung gegen die AfD, das von Anetta Kahane stammt, und im Wesentlichen dazu dient, alle Begriffe, die im Hause Antonio als häretisch angesehen werden, zu wiederholen: „Rechtspopulismus“, „Rechtsextremismus“, „Feinde der Demokratie“, „Sexismus“, „rassistische Ressentiments“, „infame Hetze“, „Demagogie“, findet sich zudem der Hinweis, dass die Hauptverfehlung der AfD darin bestehe, die „Gleichwertigkeit von Menschen“ in Frage zu stellen. Zum Unsinn der Gleichwertigkeit von Menschen haben wir uns bereits an anderer Stelle geäußert. An dieser Stelle müssen wir feststellen, dass Leute wie Kahane und ihre Vasallen, die die Gleichwertigkeit von Menschen so gerne im Mund führen, kein Problem damit haben, 10 Seiten zu schreiben, auf denen den Mitgliedern der AfD und den Wählern der AfD eben diese Gleichwertigkeit abgesprochen wird, auf denen gerade argumentiert wird, dass AfDler nicht gleichwertig, vermutlich minderwertig sind, weil sie rechtsextrem, rechtspopulistisch, sexistisch, irgendwas, suchen Sie sich etwas Negatives das passt aus, sind. Einen derartigen logischen Widerspruch sollten selbst mit mäßigem Verstand Begabte bemerken. Sollten die Antonianer es indes ernst meinen damit, dass die AfDler nicht gleichwertig sind, dann müssen sie den logisch nächsten Schritt auch gehen und zugeben, dass für sie AfDler keine Menschen sind. Wenn sie das nicht wollen, weil sie „[m]enschenfeindliche Haltungen“, wie es auf Seite 4 heißt, ablehnen, dann müssen sie ihr Pamphlet gegen die AfD einstampfen oder verbrennen, denn dann fehlt die Grundlage der Agitation gegen die Menschen von der AfD.

AfD-Wähler sind dümmer als die Wähler anderer Parteien

Die AfD – so meinen die von Steuerzahlern finanzierten Handlungsempfehler – sie wird einerseits von Wählern gewählt, für die Rassismus wieder salonfähig geworden ist und von Dummen. Letztere wissen nicht, was sie tun, weshalb man sie aufklären muss, aufklären darüber, welche unwerten Parteikandidaten sie mit ihrer Stimme unterstützen, denn, wie wir gesehen haben, besteht die AfD ja aus geringwertigem Menschenmaterial. Das ist eindeutig, denn wären AfDler nicht geringwertig, die Amadeu-Antonio-Stiftung müsste keine Handlungsempfehlung für den Umgang mit der rechstpopulistischen oder rechtsextremen Partei schreiben lassen, denn dann würde man mit den AfDlern umgehen, wie mit allen anderen Menschen (z.B. einen rationalen Diskurs suchen). Aber, die AfD „inszeniert“ sich geschickt als Opfer der Medien und anti-demokratischer Wolf im Schafspelz (so wie die Antonio-Stiftung sich derzeit als Opfer gleich mehrerer Rufmordkampagnen von Unmenschen aus der rechtsextremen Ecke inszeniert?) und die Wähler der AfD, die im Gegensatz zu den Wählern richtiger Parteien nicht wissen, was sie tun, wenn sie ihr Kreuz machen, weil sie eben dumm sind, dümmer in jedem Fall, als die Wähler anderer Parteien, sie fallen darauf herein. Deshalb muss man die dummen AfD-Wähler aufklären!

Die AfD ist eine extremistische Partei, weil „Demokratie für die AfD vornehmlich die Herrschaft der Mehrheit über alle“ bedeutet (das war ein Zitat von Seite 5).

Muss man das noch kommentieren? Wer nicht gewusst hat, dass bei der Amadeu-Antonio-Stiftung Leute sitzen, die sich für Angehörige einer Elite ansehen (auf Grundlage welcher Merkmale auch immer), die denen, die sie Bevölkerung nennen und die sie verachten, sagen wollen, wo es lang geht, der weiß es jetzt.

Wer Kritik an etablierten Parteien und der Presse übt, der ist ein Extremist.

Eines der Highlights der Handlungsempfehlung findet sich auf Seite 6:

“Das bürgerlich-konservative Image, das die AfD von sich verbreitet, macht die Partei so gefährlich. De facto delegitimieren Politiker_innen der Partei das politische System (‚Altparteien‘) und Medien (‚Lügenpresse‘), wodurch sich Teile der AfD außerhalb des pluralistischen Diskurses der Bundesrepublik positionieren.“

Eine Partei, die von gut 10% der Wähler gewählt wird, sie delegitimiert also das politische System, und weil Mitglieder der Partei Parteien, die vor der AfD vorhanden waren, als Altparteien bezeichnen und ansonsten die Medien kritisieren, deshalb befinden sie sich außerhalb des pluralistischen Diskurses.

Denn siehe, es steht geschrieben im Buch Anton, dass die Kritik an Medien und die Bezeichnung Altparteien einen Frevel darstellt, der mit Ausstoß aus dem politischen System und mit Verbannung in die undemokratische Wüste geahndet werden soll. Denn wir sind ein demokratisches System, eine offene Gesellschaft, die es nicht duldet, wenn Kritik geübt wird, schon gar nicht von einer „neuen Partei“ (die „neue Partei“ als Qualifizierung der AfD findet sich im Pamphlet der Antonianer. An „neuer Partei“ ist offensichtlich und im Gegensatz zu „Altparteien“ nichts auszusetzen).

Haben Sie schon genug vom Unsinn, den vermutlich Steuerzahler finanzieren müssen, vom Unsinn, mit dem SPD-geführte Ministerien politische Agitation in eigener Sache zu betreiben scheinen?

Einer geht noch! Ein echter Kahane:

“Grundsätzlich gilt: Mit einer Partei, die die Gleichheit aller Menschen bestreitet, kann man nicht in den Dialog treten. Aber man kann ihr argumentativ entgegentreten, nachbohren und sie zur Rede stellen.“

Wie man jemanden zur Rede stellen soll, ohne mit ihm in einen Dialog zu treten (also ohne mit ihm zu reden), das ist ein Geheimnis, das sich vermutlich nur in den Gehirnwindungen von Anetta Kahane verstecken kann, aber natürlich stimmt, dass man mit Parteien nicht reden kann, bestenfalls mit Parteimitgliedern, aber dummerweise hat Kahane das nicht gemeint.

Zum Problem des „name dropping

“Der große Liberale Ralf Dahrendorf bemängelte stets die Konfliktunfähigkeit der Deutschen. Es sah darin eine der großen Gefahren der Demokratie ..:“

Das weiß Anetta Kahane im Vorwort zu den Handlungsempfehlungen zu schreiben. Nebenbei bemerkt, es tut weh, wenn man dabei zusehen muss, wie Soziologen wie Ralf Dahrendorf, von Polit-Agitatoren und Ex-Stasimitarbeitern wie Kahane posthum für die eigenen Zwecke missbraucht werden sollen. Vor allem, wenn es so offensichtlich ist, dass Kahane nicht einmal im Ansatz verstanden hat, was Dahrendorf gemeint haben könnte:

“Ihrer Politik nach ist sie eine Partei, die rassistische und menschenfeindliche Ressentiments bedient und dazu beiträgt, Hetze und Abwertung von Menschen zu normalisieren. (6)“ Wie alle vollmundigen Behauptungen im Pamphlet der AA-Stiftung, so bleibt auch diese Behauptung ohne jeden Beleg.

Konfliktfähigkeit, wie sie Dahrendorf meint, setzt voraus, das man unvoreingenommen mit dem Gegenüber argumentiert, dass man ihn und seine Positionen ernst nimmt, selbst dann, wenn man sie überhaupt nicht teilt. Eine Abwertung, Disqualifikation oder Diffamierung des Gegenüber als rechtsextrem oder rechtspopulistisch ist entsprechend Gift für das, was Konfliktfähigkeit meint. Konfliktfähig ist nur derjenige, der nicht schon vorab weiß, dass sein Gegenüber minderwertig, rechtsextrem oder was auch immer ist und es als solches abqualifiziert. Die größte Gefahr für die Demokratie, sie geht entsprechend von Stiftungen wie der AA-Stiftung in Berlin aus, nicht von der AfD.

Schließlich noch ein Schmankerln zum Schluss:
Unter „Spezifika im Umgang mit der AfD im schulischen Bereich“, wird gefordert, der AfD im Gegensatz zu allen anderen Parteien in Schulen keine Bühne zu bieten, denn die AfD ist „eine in Teilen der BRD (im Gegensatz zu Teilen der DDR?) demokratisch gewählte Partei, sie vertritt aber undemokratische Werte der Ungleichwertigkeit“.

Bleiben wir in der Unlogik der Amadeu-Antonio-Stiftung, dann ist die Stiftung eine aus Mitteln der Steuerzahler finanzierte Stiftung, die undemokratische Werte der Ungleichheit vertritt, denn die AfD, ihre Mitglieder und ihre Wähler, sie sind für die AA-Stiftung alle nicht den anderen Parteien, ihren Mitgliedern und Wählern gleichwertig. Wären sie es, das Pamphlet hätte nicht geschrieben werden können.

Wechseln wir nun in die richtige Welt, dann muss man nach der Lektüre des Pamphlets aus der Amadeu-Antonio-Stiftung und unter Annahme einer Verbindung von Intelligenz und Fähigkeit zum logischen Denken schlussfolgern, dass man gerade Zeuge der Ungleichwertigkeit von Menschen geworden ist.

Falls jemand weiß, welche Qualifikation das Autorenkollektiv der neun oben Genannten dazu befähigt, Handlungsempfehlungen zum Umgang mit der AfD zu geben und auf Grundlage welcher Ermächtigung die AA-Stiftung glaubt, Empfehlungen überhaupt und besonders zum Umgang mit der AfD in Schulen gegen zu können, er möge sich melden.

P.S.

Falls jemand das Engagement aufbringt, eine Petition zu schreiben, in der das Ende jeglicher öffentlicher Finanzierung von politischen Agitatoren und insbesondere der Finanzierung der Amadeu-Antonio-Stiftung gefordert wird, unserer Unterstützung kann er sicher sein.

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Gleichwertig Gleiches für gleiches Gleichwertiges

Wir räumen gerade unsere eMail-Accounts auf und sind auf die unsägliche Pressemeldung des BMFSFJ angesichts des rituellen Genderfestes „Equal Pay Day“ gestoßen. Die Pressemeldung ist überschrieben mit:

Gerechte Arbeitswelt braucht gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit.

Mehr muss man gar nicht lesen, um zu wissen, da schreibt oder redet ein Politikdarsteller Unsinn.

Fragen wir stattdessen doch lieber:
Warum gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit?

Warum nicht gleichen Lohn für gleiche Arbeit?

Warum nicht gleichwertigen Lohn für gleiche Arbeit?

Was ist so besonders am gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit?

Der Witz steckt in der Bestimmung von gleichwertig. Gleichwertig wozu? Wer stellt die Gleichwertigkeit fest, z.B. die Gleichwertigkeit des Lohnes?

Das machen wir jetzt einmal.

Angeblich machen die Inhaber von Genderlehrstühlen an Universitäten die gleiche Arbeit wie die Inhaber anderer Lehrstühle. Wie sähe eine gleichwertige Bezahlung aus, wenn man die Behauptung, dass Inhaber von Genderlehrstühlen an Universitäten die gleiche Arbeit machen wie die Inhaber anderer Lehrstühle, einmal so stehen lässt?

So:
Ein Sack Kartoffeln (ungeschält) pro Stunde für Genderprofessoren. Das ist einem Studenverdienst von 35 Euro gleichwertig.

So:
Eine Beratung beim Psychiater gratis. Entspricht dem Gegenwert von einem Tag Genderprofessorinsein.

So:
Ein Gutschein in Höhe von 50 Euro für einen Einkauf bei Amazon. Eineinhalb Stunden Genderprofessorindasein sind damit abgegolten.

Und so:
Eine Reise in die Wüste, einfach und ohne Rückfahrkarte, entspricht einem Jahresverdienst ehemaliger Genderprofessorinnen.

Das „gleichwertig“ vor der Arbeit ist deshalb so beliebt unter Genderisten, weil man mit dem Adjektiv jeden Ramsch zum selben Preis verkaufen kann, wie Arbeit.

Die Kommentarfunktion steht übrigens für weitere Vorschläge zur Verfügung, mit denen der einer Bezahlung gleiche Wert der Leistungen von Genderprofessorinnen bestimmt werden kann.

Der Mensch als Maßstab-Setzer

eine alte Argumentation zur ebenfalls nicht neuen menschlichen Hubris

von Dr. habil. Heike Diefenbach

Wie der vorangegangene post auf diesem blog berichtet hat, meinen manche Zeitgenossen, behaupten zu müssen und zu können, „[d]er Maßstab bleib[e] der Mensch“, wobei unklar bleibt, warum dies so sein sollte und wofür der Mensch der Maßstab bliebe. Vielmehr stellt der Satz eine Proklamation dar, die offensichtlich vollkommen unreflektiert und unbelastet von Fragen der Begründbarkeit im Taumel völlig übersteigerten Selbstbewusstseins verkündet wurde.

EARTH in contextTatsächlich kann „der Mensch“ für nichts und niemanden im Universum Maßstab sein. Bestenfalls kann er sich selbst kraft seiner selbst für sich selbst zum Maßstab machen. Zu dieser Schlussfolgerung muss man kommen, wenn man z.B. Immanuel Kant oder Robert Spaemann gelesen hat. Aber m.E. kann man auch durch eigene, recht einfache Überlegungen zu dieser Schlussfolgerung kommen, was es um so unverständlicher macht, dass einige Mitmenschen hierzu nicht im Stande sind – oder nicht willens oder beides. Dass ausgerechnet diese Mitmenschen als Maßstab-Setzer für andere fungieren wollen, indem sie verkünden, dass „[d]er Maßstab“ – anscheinend immer für alles und jeden – „der Mensch“ „bl[ei]b[e]“, kann nicht anders denn als Ironie gewertet werden.

Wie ist es möglich, dass sich jemand zu dem Postulat versteigen kann, der Mensch sei oder bleibe Maßstab für irgendetwas (außer sich selbst)? Oder anders gefragt: Mit welchem Recht, welcher Legitimation kann jemand behaupten, ob Menschen – in der Praxis bedeutet das dann wohl: bestimmte Menschen und bestimmte andere Menschen nicht – der Maßstab für alles und jeden sein sollen oder können?

Man könnte meinen, dass diese Frage für diejenigen einfach zu beantworten ist, die an (einen) Gott glauben, denn sie könnten behaupten, dass es Gott gewesen sei, der dem Menschen zum Maßstab aller Dinge auserkoren habe. Nur – mit dieser Argumentation stimmt etwas nicht:

(Selbst) Dann, wenn man an einen Gott glaubt, und wenn man glaubt, dass es das wichtigste oder einzige Ziel dieses Gottes sei, Menschen mit so viel hubris auszustatten, dass sie auf systematische Weise die eigenen Lebensgrundlagen samt derjenigen ihrer Mitgeschöpfe zu zerstören dürfen glauben (z.B. durch die vollkommene Ignoranz gegenüber den Folgen massiver Überbevölkerung des Planeten), dann stellt sich die Frage, warum dieser Gott dies und nichts anderes tun oder wollen oder auch nur zulassen sollte. Oder anders gesagt: Wozu braucht Gott ein Raumschiff, wie Captain Kirk in Star Trek V fragt, bzw. wozu braucht Gott Menschen? Und aufgrund welcher Qualität(en) von Menschen sollte Gott ihnen ihre hubris durchgehen lassen?

Ist Gott vielleicht sozusagen moralisch dazu verpflichtet, Menschen vor allem und jedem im Universum Vorrang zu geben? Sind Denken und Verhalten von Menschen von so großem Wert oder Adel, dass Gott sich diesem grandiosen Wesen „Mensch“ unterwirft und damit sozusagen abdankt, also aufhört, Gott zu sein, und beginnt, Gott von Menschen Gnaden zu sein, dem nur solange Existenz zugesprochen wird, wie er spurt und Menschen für das Wichtigste und Großartigste im Universum erklärt, wichtiger und großartiger als er selbst? Gibt es Gott also nur um des Menschen willen, so, wie es für einige Menschen Tiere nur um des Menschen willen gibt? Oder erlaubt Gott den Menschen ihre Hubris und in der Folge ihr umfassendes Zerstörungs- und Ausbeutungswerk, weil das eine effiziente Strategie ist, diese seltsam anmaßende Spezies, die meint, besser zu sein als alle anderen Lebewesen, wieder zum Verschwinden zu bringen?

Wie auch immer – der Verweis auf Gott hilft nicht wirklich weiter, wenn man danach fragt, mit welchem Recht Menschen „der Maßstab“ für alles und jeden schlechthin sein könnten oder sollten, und sei es nur, weil es Menschen sind, die Gottes Wort, (sofern jemals mitgeteilt) interpretieren.

god-jokeWoher soll aber dann die Wichtigkeit, Würde oder das sonst wie Grandiose am Menschen kommen, die/das ihn zum Maßstab für alles und jeden im Universum oder auch nur auf dem Planeten Erde machen soll? Offensichtlich handelt es sich hier nur um eine – seltsam infantil anmutende – Selbstzuschreibung mancher Menschen, und zwar derjenigen Menschen, die meinen, sie könnten bestimmen, welche Wichtigkeit, Würde oder Respekt anderen Lebewesen inklusive anderer Menschen zukommen.

Nichts im „Bekennerschreiben“ der angeblichen „kritischen Wissenschaftler_Innen“ legt nahe zu vermuten, dass sie sich die Frage nach der Rechtfertigbarkeit ihrer Postulate gestellt haben (oder auch nur psychologisch oder kognitiv im Stande sind, diese Frage zu stellen), aber hier soll – ihnen gegenüber wohlwollend – gefragt werden: Lässt sich diese Selbstzuschreibung rechtfertigen? Lässt sie sich überhaupt rechtfertigen?

Vielleicht könnte sie gerechtfertigt werden, wenn diese Menschen sich ihr selbst zugestandenes Recht, über Maßstäbe zu entscheiden, irgendwie verdient hätten. Das würde voraussetzen, dass sie sich die Wertschätzung oder Würdigung durch andere Lebewesen auf irgendeine Weise erarbeitet haben, und dies wiederum würde voraussetzen, dass sie – eben um ein Mensch zu sein, der überhaupt ein Maßstab für andere Lebewesen sein kann – , irgendeine Leistung erbracht haben – vielleicht die Leistung, korrekte Schlussfolgerungen aus Argumentationen gezogen zu haben (aber gerade diese Leistung können sie nicht erbringen, wie dieser Text hinreichend klar machen sollte).

Eine weitere Voraussetzung wäre, dass diese Menschen ihre eigene Hubris aufgegeben haben, denn niemand kann jemanden wertschätzen, der sich dem vermeintlichen „Wertschätzer“ gegenüber als überlegene Lebensform geriert; die Wertschätzung wäre in diesem Fall nämlich gar keine, sondern bloß Unterwerfung. Umgekehrt könnte die vermeintlich überlegene Lebensform keine Wertschätzung durch andere erfahren oder Wert auf sie legen, weil andere Lebensformen ja ohnehin niedrigere Lebensformen darstellen und insofern keine Einschätzung vornehmen können, die gleichermaßen relevant sein könnte wie die der Menschen, die in von Selbstüberschätzung getragener Selbstzuschreibung verharren. Schon aus logischen Gründen können diese Menschen ihre Proklamation, „der Maßstab“ zu sein und zu bleiben, also nicht begründen. Empirische Tatsache ist, dass ein Mensch auch das Vertrauen eines Tieres erst einmal verdienen muss, wie jeder, der z.B. Streunerkatzen im Winter ein warmes Plätzchen anbietet, weiß, denn unsere nicht-menschlichen Mitgeschöpfe wissen ihrerseits, dass es unter den Menschen solche und solche gibt (,und sie wissen damit mehr als mancher Mensch über die eigene Spezies zu wissen scheint).

Die eigene Hubris aufgeben, um als Mensch überhaupt ein Maßstab für irgendetwas oder irgendjemanden sein zu können, muss man deshalb, weil man einen Maßstab nicht einfach setzen kann. Auch dann, wenn man meint, man habe die Macht oder das Recht, sich zum Maßstab zu erklären, so würde der Anspruch von anderen Lebewesen doch nicht akzeptiert, und er würde sich selbst pervertieren, wenn er angesichts dieser Tatsache zum Manipulationsprogramm oder gar zur Gewaltherrschaft geriete. Vielmehr kann man nur als Maßstab dienen – und das Wort „dienen“ ist hier mit Bedacht gewählt. Die Frage, die sich dann stellt, ist: warum kann was oder wer wofür als Maßstab dienen?

Kant praktische VernunftIm Anschluss an Immanuel Kant haben viele Denker, Philosophen (einschließlich Richard Spaemann) und viele andere, sich ihrer selbst bewusste, Menschen erkannt, dass die Mindestanforderung, die an einen Menschen gestellt werden muss, der als ein Maßstab (auch oder gerade: für andere) dienen kann, die Mindestanforderung ist, dass dieser Mensch zunächst eine Mindestanforderung an sich selbst – und nicht an andere – stellt. Diese Anforderung ist diejenige, andere Lebewesen nicht als bloße Zwecke für seine eigenen Ziele zu missbrauchen, sondern sie als Ziele an und für sich selbst zu respektieren, ganz so, wie er sich selbst als Ziel in eigenem Recht ansieht und seine Existenz nicht als bloßes Mittel zum Zweck anderer Lebewesen betrachtet.

Warum ist das so?

Wenn der Mensch ein Maßstab sein oder bleiben soll, kann er das zunächst nur für sich selbst sein! Er allein kann sich das eigene Gewissen und die eigene Integrität als Maßstab setzen. Als Maßstab dienen kann er nicht aus eigener Kraft; dies setzt vielmehr voraus, dass jemand anders ihn zum Maßstab nimmt. Wie vorne argumentiert wurde, wird aber kein Lebewesen jemanden zum Maßstab nehmen oder ihm Vertrauen entgegenbringen, der ihn nur als Mittel zu seinen eigenen Zwecken ansieht statt als Ziel an und für sich selbst, also jemanden, der meint, ihn ungehindert ausbeuten zu können. Und nur, wer an der Ausbeutung anderer Lebewesen interessiert ist, muss sich in Hubris flüchten, so dass die bloße Tatsache, dass jemand diese Hubris an den Tag legt, eine hinreichende Bedingung dafür ist, dass er nicht zum Maßstab für irgendjemanden oder irgendetwas taugt.

Wenn ein Mensch nur durch sich selbst und für sich selbst ein Maßstab sein kann, um anderen möglicherweise (!) als Maßstab zu dienen, dann muss er entsprechende Anforderungen, die ihn in seinen eigenen Augen und (ggf.) in den Augen anderer Lebewesen dazu qualifizieren, ein Maßstab zu sein, also zuallererst an sich selbst stellen. Und das führt unweigerlich dazu, dass er sein Verhalten anderen Lebewesen gegenüber anpasst, ungeachtet der empirischen Frage, wie diese Lebewesen ihn nun tatsächlich, also in der Empirie, betrachten oder ob sie im Stande sind, sich überhaupt ein Bild von ihm zu machen. Seine Anforderung an sich selbst ist nämlich seine Anforderung an sich selbst und eine Selbstverpflichtung.

Nur ein Mensch von besonderer Wertigkeit mag das Recht haben, sich über andere Lebewesen zu erheben und sie auszubeuten, aber kein Mensch, der sich so verhält, kann ein Mensch von besonderer Wertigkeit sein, weil er nicht im Stande ist zu erkennen, dass er seine Hubris durch nichts rechtfertigen kann als eben dieselbe: er schreibt sich selbst besondere Wertigkeit zu und leitet aus ihr besondere Rechte ab, die seine Ausbeutung anderer Lebewesen rechtfertigen sollen, und die Begründung für diesen Akt ist die Behauptung, er sei von besonderer Wertigkeit und habe deshalb das Recht, andere Lebewesen auszubeuten.

Damit setzt er, um begründen zu können, voraus, was begründet werden soll; er begeht den logischen Fehler des Zirkelschlusses. Dieser Argumentationsfehler kann nicht irgendwie durch verbale Haarspaltereien oder noch größere Übertreibung der Hubris weggeredet oder gar aufgelöst werden. Man kann ihn nur vermeiden. Und das gelingt, wenn man sich auf seine Grundqualifikation als Mensch besinnt, nämlich auf die Fähigkeit zur Menschlichkeit, die sich in einem Handeln zeigt, das von Empathie (aber nicht durch plakativ vorgegaukelten Altruismus, was etwas gänzlich anderes ist!) bestimmt ist, denn allein diese Qualität darf – bis auf Weiteres und zumindest mit Bezug auf das mögliche Ausmaß dieser Qualität und seiner Funktion als handlungsleitend – als spezifisch menschliches Potenzial gelten. Ein empathisches Handeln schließt die mitgefühlslose Ausbeutung von Lebewesen aus, von Menschen wie von Tieren, und deshalb kann ein Mensch nur insofern über Tieren stehen als er sich ihrer oder anderer Menschen nicht einfach und ohne Mitgefühl bedient.

So betrachtet ist ein Mensch ohne Empathie eine Kreatur von ungeklärtem Status, die es ebenso zu respektieren gilt wie jedes andere Lebewesen, nicht mehr und nicht weniger. Vor allem ist aber keinerlei Grund dafür erkennbar, warum ausgerechnet ein solches Lebewesen für irgendjemanden oder irgendetwas als Maßstab dienen kann, oder anders gesagt: niemand hat einen guten Grund, ein solches Lebewesen, das in Hubris verharrt und zur Empathie nur sehr eingeschränkt oder gar nicht fähig oder willig ist, zu wählen, damit es ihm als Maßstab für ein menschliches Leben dienen möge!

Wer die Hubris hinter sich lässt und zur Empathie fähig und willig ist, der wird mit allen Lebewesen Mitgefühl haben, und wer Mitgefühl (auch) mit Tieren hat, kommt nicht umhin, die Massentierhaltung und die systematische Ausbeutung von Tieren und ihre systematische Ermordung als einen unsäglichen, seit Langem totgeschwiegenen Holocaust zu erkennen, einen Holocaust, bei dem sich Leben in Schmerz erschöpft und Tod nicht einmal den Sinn einer Erlösung haben kann, weil Tiere – nach allem, was wir bisher wissen – keine Konzepte haben, die Leiden im Leben einordnen oder ihm ebenso wie dem Tod irgendeine Art von Sinn geben könnten. Sehr wohl haben Tiere aber ein Empfinden für Schmerz, und das, was wir ihr Leben nennen, ist für sie eine einzige Kette von Deprivation und direktem physischen Schmerz.

Die massenhafte Ermordung von Tieren findet teilweise gleich nach ihrer Geburt statt (z.B., wenn sie das falsche Geschlecht haben, das ihrer Ausbeutung zu einem bestimmten Zweck im Weg steht – hier bestimmt das biologische Geschlecht tatsächlich über Leben bzw. Existenz und Tod), oft aber nach einigen Jahren von „Leben“, das für das Tier zumeist kein solches ist, sondern bloß eine dauerhafte Kette aus physischem Leiden wie z.B. auf einer Kaninchen-Farm, auf der Kaninchen bei lebendigem Leib gehäutet werden, damit ihr Fell „geerntet“ werden kann, oder im Fall der Hündinnen, die als Gebärmaschinen für Hundezüchter ausgebeutet werden, bis sie nicht mehr fruchtbar sind und „entsorgt“ werden können oder während einer der Schwangerschaften oder Geburten von alleine sterben, oder im Fall von Legehennen, die während ihrer gesamten Lebenszeit in engen Käfigen und in Dunkelhaft gehalten werden, ohne dass ihnen ermöglicht würde, ihr natürliches Verhalten wie z.B. Auf-dem-Boden-Scharren, auch nur einmal im Leben zu zeigen. Sie leben länger als die Hähnchen, die gemästet und nach wenigen Monaten als Leichenteile dem Verzehr durch Menschen bereitgestellt werden, die in einem gänzlich direkten Sinn Ihre Körper zu Tierfriedhöfen zu machen bereit sind. Ob das längere Leben der Hennen ein Vorteil oder ein Nachteil gegenüber den Hähnchen darstellt, darüber lässt sich trefflich streiten.

Ein Mensch, der ein Maßstab für sich sein will oder gar für andere Menschen oder sonst ein Lebewesen als Maßstab dienen will, kann, eben weil er dies sein oder tun will, nicht die Augen vor diesem Holocaust an Tieren verschließen, denn dies zu tun, stellt sein Mit- und Verantwortungsgefühl stark in Frage (es steht „nur“ stark in Frage, weil es möglich ist, dass jemand einfach noch kein Bewusstsein für das Massenleiden von Tieren entwickelt hat). Auch sein Denk- und Urteilsvermögen steht stark in Frage, wenn ihm das Massenleiden der Tiere bekannt ist, er sich aber weigert oder sich unfähig erweist, durch Reflexion die oben genannten Zusammenhänge mit Bezug auf den eigenen Wert und den anderer Lebewesen zu durchschauen. Aufgrund der an den Tag gelegten Mängel sind solche Menschen nicht im Stande, einen Maßstab für irgendetwas oder irgendjemanden abzugeben; sie können nur als schlechtes Beispiel für Denkfaule oder Zyniker herangezogen werden.

Maßstab für menschliches Handeln kann nur die Menschlichkeit sein, nicht aber der Mensch an sich und als solcher samt seiner kognitiven Ausfälle, moralischer Schwächen oder psychologischen Befindlichkeiten (inklusive massiver Hubris). Damit ist Menschlichkeit klar im Handeln verortet und nicht im Reden (schon gar nicht im bloßen Behaupten), und weil nur einzelne, konkrete Menschen handeln können, ist sie auch im Individuum verortet. Dementsprechend kann Menschlichkeit nicht in Kollektiven, Institution oder Regelungen liegen oder durch sie verordnet werden. Sie ist eine spezifische, im Handeln erkennbare, Leistung eines einzelnen Menschen (was für mich persönlich übrigens das ausschlaggebende Kriterium ist, wenn es darum geht, die Ungleichheit der Menschen zu beschreiben und zu würdigen); es gibt in diesem Sinn keine spezifische Menschlichkeit einer Ansammlung von Lebewesen, die biologisch der Tierspezies angehören, die wir Menschen nennen.

Deshalb ist es auch sinnlos, von Menschenrechten als Rechten zu sprechen, die Lebewesen, die biologisch der Tierspezies angehören, die wir Menschen nennen, sich selbst zuzusprechen belieben. Es ist nicht nur so, dass es keinerlei Legitimation dafür geben kann, wenn Lebewesen andere Lebewesen mit Rechten ausstatten oder ihnen Rechte vorenthalten wollen, gerade, wenn man animmt, dass diese Lebewesen dem eigenen Selbst gleich seien. Darüber hinaus ist es der Realität vollkommen gleichgültig, ob es irgendwo irgendwelche Lebewesen gibt, die meinen, sie hätten irgendwelche Rechte, die sie bloß einzufordern bräuchten oder die sie einfordern könnten, in der irrigen Annahme, dass, weil sie sich selbst Rechte auf etwas zuschreiben oder sich selbst Rechte einräumen oder anderen Lebewesen Rechte vorenthalten, die Umstände in der Realität und das Verhalten ihrer Mitgeschöpfe auf diese Vorstellung irgendeine Rücksicht nehmen müssten und entsprechend differenziert wirken müssten: Die Rede von Menschenrechten ist angesichts des nächsten Mega-Meteors oder Plasma-Sturmes oder auch nur der nächsten Dürre bestenfalls eine müßige und infantile Beschäftigung. Das Pochen auf Menschenrechte ist in der Realität so vergeblich wie das Kinderweinen im Atlantik (eine Allegorie, die ich Algernon Blackwood verdanke).

Dieselbe Argumentation gilt für Tierrechte, so dass die Konklusion diejenige ist, dass der einzig begründbare Maßstab für den Umgang mit sich selbst und mit anderen Lebewesen, also auch mit Tieren, die eigene Menschlichkeit im oben beschriebenen Sinn oder – auf den Punkt gebracht – Empathie sein kann. Sie ist nicht verzichtbar,  und kein Schriftwerk oder Regelsatz kann sie ersetzen. Wenn sie nicht gelebt wird, also von konkreten Menschen in ihrem Handeln vollzogen, gibt es keine Menschlichkeit.

Aber wenn man schon meint, Lebewesen Rechte zugestehen zu können, dann gibt es keinen nachvollziehbaren Grund, Tieren nicht dieselben Rechte zuzugestehen wie Menschen, denn (auch auf die Gefahr der Redundanz hin; man kann es anscheinend nicht oft genug erklären):

MEat the truthWer sich weigert, anderen Tieren dieselben Rechte einzuräumen wie dem Menschen-Tier, dem mangelt es an Empathie und Selbsterkenntnis – er verharrt in seiner unbegründbaren Hubris. Und wem es an Empathie und Selbsterkenntnis mangelt, dem fehlt eine, wenn nicht die,  den Menschen definierende Qualität, und wer Menschenrechte fordert, aber keine Tierrechte zugestehen will, und gerade deshalb selbst ein Lebewesen von fragwürdigem Status ist, kann logischerweise kein Interesse daran haben, dass Menschen besondere Rechte eingeräumt werden, anderen Lebewesen dagegen nicht oder nur eingeschränkte Rechte, denn sein eigener Status steht ja in Frage oder lässt sich jederzeit in Frage stellen, auch dann, wenn er das in seiner Hubris nicht versteht. Er schadet sich mit seiner Haltung also u.U. selbst und ist (u.a. daher) für alle anderen Lebewesen erkennbar nicht dazu qualifiziert, ihnen Rechte zu- oder abzusprechen.

Darüber hinaus ließe sich argumentieren, dass andere Lebewesen vor dem Menschen, in deren Potenzial eine nicht rechtfertigbare Hubris liegt, geschützt werden müssen, und wie die alltägliche Erfahrung zeigt, ist dieses Argument leider von erheblicher praktischer Relevanz. Insofern könnte man die Notwendigkeit von Tierrechten aus der spezifischen menschlichen Qualität der Hubris ableiten, während die Einräumung von Menschenrechten durch Menschen lediglich als Ausdruck dieser Hubris gelten muss, weil sie – wie vorne gezeigt – ihrerseits nicht begründet werden kann, es sei denn, man hielte es für notwendig, Menschen vor anderen Menschen zu schützen.

Und leider erscheint das tatsächlich notwendig. Wenn das so ist, gälte es, alle Lebewesen gleichermaßen vor der Hubris zumindest mancher Menschen zu schützen, aber wie gesagt würde kein irgendwie kodifizierter Schutz das Handeln aufgrund von Empathie ersetzen können. Insofern gilt: Der Maßstab für das Handeln des Menschen gegenüber allen anderen Lebewesen liegt in der Empathie, und ein Ausdruck von Empathie ist zweifellos die Vermeidung von Übergriffen auf und von Schmerz in anderen Lebewesen. Wer ihm gegenüber gleichgültig bleibt, muss anders begründen, warum er zum Maßstab für irgendetwas oder irgendjemanden taugen sollte; wie er das argumentativ korrekt bewerkstelligen will, ist mir ein Rätsel.

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TU-Braunschweig: Frauen gleich nach Behinderten

Die politisch korrekte Nomenklatur, sie treibt eine große Anzahl von Blüten, wobei jede dieser Blüten erhebliche Zweifel an der geistigen Verfassung der Gehirne weckt, die die Saat ausgebracht haben.

Da ist zum Beispiel die TU-Braunschweig, die derzeit eine „Juniorprofessur (BesGr. W 1) für „Lehr- und Lernforschung am Schülerlabor für Chemie“ zu besetzen versucht. Neben der Stellenbeschreibung und dem üblichen politisch-korrekten Marketing-Text, finden Leser, die es bis zum Ende der Ausschreibung durchhalten, die folgenden Hinweise:

TU-Braunschweig MinderbemittelteDie Technische Universität Braunschweig ist bestrebt, den Frauenanteil zu erhöhen und fordert daher Frauen nachdrücklich zur Bewerbung auf.

Frauen werden bei gleichwertiger Qualifikation bevorzugt berücksichtigt. Auf Wunsch kann eine Teilzeitbeschäftigung ermöglicht werden.

Schwerbehinderte Bewerberinnen und Bewerber werden bei gleicher Qualifikation bevorzugt.“

Zunächst fällt auf, dass hier ein Komparativ benutzt wird, ohne dass der Maßstab des Vergleichs benannt wird, denn: „gleicher Qualifikation“ oder „gleichwertiger Qualifikation“ ist ein zweistelliger Funktor, der einen Vergleichsmaßstab verlang. Bei diesem Vergleichsmaßstab handelt es sich um: Männer, um männliche Bewerber.

Jetzt ist es raus, das Wort, das in Ausschreibungen staatlich Abhängiger wie der TU-Braunschweig so peinlich vermieden werden muss: Männer.

Männer sind das non-plus ultra der Ausschreibung, an denen die anderen Bewerberklassen gemessen werden. Es gibt derer zwei, zwei Bewerberklassen, die nicht die Normalität des Qualifikationsniveaus von Männern erreichen:

(1) Frauen und
(2) Behinderte.

Gleich nach Männern in der geistigen Hierarchie der Fähigkeiten kommen an der TU-Braunschweig Behinderte. Von ihnen kann man gleiche Qualifikationen erwarten wie von Männern, wobei männliche Behinderte eine Unterklasse von Männern sind, was die Absurdität der politischen Korrektheit darin Niederschlag finden lässt, dass nunmehr die Hierarchie mit behinderten Männern beginnt, die wiederum vor Männern stehen. Sie alle sind zu gleicher Leistung fähig.

Ja. Und dann gibt es bei Bewerbungen an der TU-Braunschweig noch weibliche Bewerber. Diese Bewerber sind das Problem der Verantwortlichen, denn von ihnen kann nicht die im Vergleich zu männlichen Bewerbern gleiche Leistung wie von Behinderten erwartet werden. Bestenfalls eine gleichwertige Leistung kann von Frauen erwartet werden.

Der Unterschied zwischen „gleiche Leistung“ und „gleichwertige Leistung“ er ist erheblich, denn: Eine gleiche Leistung kann unabhängig festgestellt werden, objektiv, wenn man so will. Zwei Marathonläufer, die zeitgleich durchs Ziel gegangen sind, haben eine gleiche Leistung erbracht. Zwei Schüler, die alle Aufgaben des Mathematiktests richtig gelöst haben, haben ebenfalls eine gleiche Leistung erbracht.

Eine gleichwertige Leistung ist keine gleiche Leistung. Die Feststellung, dass eine Leistung gleichwertig zu einer anderen Leistung ist, bedarf, wie der Begriff „gleichwertig“ schon sagt, einer Bewertung. Die Leistung von A muss von einem Dritten der Leistung von B als gleichwertig bewertet werden.

Damit öffnet sich für die einen eine Schlangengrube, denn wenn man gleichwertig als Maßstab zulässt, dann kann man Debile in den Mensa-Club aufnehmen, denn für einen vollkommen Dementen ist ein IQ von 45 vermutlich eine Leistung, die der 195 des Hochintelligenten gleichwertig sein kann, nimmt man die unterschiedlichen Ausgangspunkte zum Maßstab.

Für diejenigen, die ideologisch unterwegs sind, und ihre Ideologie ohne Rücksicht auf die damit verbundenen Kosten durchsetzen wollen, eröffnet die Bezeichnung „gleichwertig“ gerade die Möglichkeit, die Aufnahme von Debilen in den Mensa-Club einzuklagen.

Übertragen bedeutet dies, dass die bevorzugte Behandlung von weiblichen Bewerbern bei „gleichwertiger Qualifikation“ notwendig davon ausgehen muss, dass (1) weibliche Bewerber grundsätzlich unfähig zu gleicher Qualifikation mit männlichen Bewerbern sind und entsprechend (2) von einem tieferen geistigen Ausgangsniveau starten, so dass geringere Qualifikation gemessen am geringeren Ausgangsniveau eine gleichwertige Leistung zu  männlichen Bewerbern mit höherer Qualifikation und mehr IQ darstellen kann.

Kurz: In Braunschweig, an der TU-Braunschweig, da hält man weibliche Bewerber für grundsätzlich dümmer als Männer, weshalb man von ihnen nur gleichwertige, nicht aber gleiche oder gar bessere Qualifikation verlangen kann. Entsprechend stellt sich die politisch-korrekte Hierarchie der Sexisten an der TU-Braunschweig wie folgt dar:

In abnehmender Qualifikation:

1. Behinderte männliche Bewerber,
2. männliche Bewerber,
3. behinderte weibliche Bewerber,
4. weibliche Bewerber.

Was uns wundert ist, dass es tatsächlich weibliche Bewerber geben soll, die sich auf Stellen, wie die von der TU-Braunschweig ausgeschriebene, die ihnen eine a-priori schlechtere Qualifikationen im Vergleich zu Männern und Behinderten bescheinigt, bewerben – aber vielleicht stimmt bei den weiblichen Bewerbern, die sich auf solche Stellen bewerben ja die Annahme der TU-Braunschweig, dass diese Bewerber nicht in dem Maße intelligent sind, wie männliche Bewerber. Wie sonst sollte man erklären, dass die entsprechenden weiblichen Bewerber nicht einmal merken, dass sie beleidigt werden?

Wir danken einem Leser von ScienceFiles für den Hinweis auf diese Ausschreibung.

 

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Freiheit, Gleichheit, Gleichwertigkeit: Die Neusprech neuer deutscher Medienmacher

Matthias Mala hat uns auf einen Beitrag hingewiesen, der bei Roland Tichy erschienen ist. Dort setzt sich Hugo Müller-Vogg mit den Neuen Deutschen Medienmachern auseinander. Die Neuen Deutschen Medienmacher nennen sich wirklich so und sind angetreten, die Sprache in Medien zu standardisieren, zu vereinheitlichen, in politisch korrektes Deutsch zu übersetzen.

Ein Blick auf die Seite der Neuen Deutschen Medienmacher zeigt, es handelt sich vorwiegend um Journalisten mit Migrationshintergrund, die angetreten sind, an der Tatsache, dass die Vielzahl der Personen mit Migrationshintergrund, die in Deutschland lebt, in keinem Verhältnis zu ihrer öffentlichen Repräsentation steht, etwas zu ändern, zunächst in ihrem Bereich des Journalismus.

Ein löbliches Unterfangen.

Leider haben sich die Neuen Deutschen Medienmacher beim Versuch, ihr Ansinnen umzusetzen, in schlechte Gesellschaft begeben und sind nun instrumentalisiert worden, instrumentalisiert, um politisch korrektes Neusprech in Medien zu verankern und einem Sprachpluralismus den Garaus zu machen.

Schmuddelkinder

Das ist die wohlwollende Interpretation des Auftauchens der Neuen Deutschen Medienmacher.

Die nicht so wohlwollende Interpretation geht wie folgt: Wenn man eine Gesellschaft sprachlich gleichschalten will und nur noch die Begriffe in einer Neusprech zulassen will, die die Prüfung „politisch korrekt“ bestanden haben und als zertifizierte Worthülsen ohne abweichenden Charakter und ohne den Keim von Veränderung freigegeben worden sind, dann bietet es sich an, eine gesellschaftliche Gruppe vorzuschicken, die – wenn überhaupt – zurückhaltend kritisiert wird. Juden hätten sich hier angeboten, denn jeder, der in Deutschland Personen jüdischen Glaubens kritisiert, begibt sich in die Gefahr zum Antisemitisten erklärt zu werden. Aber eine Gruppe jüdischer Neuer Deutscher Medienmacher wäre im Hinblick auf den Gegenstand der Neuen Deutschen Medienmacher verfehlt, da man z.B. im Hinblick auf Islam und Islamismus, ein Kapitel dessen sprachliche Behandlung den Medienmachern ganz besonders am Herzen liegt, etwas irritiert darauf reagieren würde. Die nächstbeste Gruppe sind Deutsche mit Migrationshintergrund, die man vorschicken kann, um die schmutzige Arbeit der sprachlichen Gleichschaltung für die, die dahinter stehen, zu machen.

Was die Frage aufwirft, wer steht dahinter?

Es sind „the usual suspects“, wie ein Blick auf die Seite der Neuen Deutschen Medienmacher zeigt:

NDMedienmacher

Um politisch korrektes Neusprech in den Medien zu verankern, um die sprachliche Gleichschaltung von Medien zu erwirken, haben sich die Neuen Deutschen Medienmacher nicht nur vor den Karren entsprechender Interessenvertreter spannen lassen (oder es wurden extra Willige rekrutiert, um diesen Karren zu ziehen), sie haben auch ein Glossar entwickelt, in dem die richtige, die politisch korrekte Benutzung von Begriffen, wie sie ein guter einheimischer oder „mehrheimischer“ Journalist, wie die im Text zu findende korrekte Bezeichnung für „Eingewanderte“ lautet, auswendig lernt und verwendet.

Es ist an sich schon eine bemerkenswerte Angelegenheit, dass sich Institutionen, wie z.B. die Amadeu-Antonio-Stiftung, die über keinerlei demokratische Legitimation verfügen, aufschwingen, ein Glossar der korrekten Sprache zur Verwendung in Medien zu schreiben (bzw. im Falle der Amadeu-Antonio-Stiftung: zu finanzieren (aus Steuergeldern versteht sich)), es wird unglaublich, wenn man den Inhalt der Neusprech genauer betrachtet.

Neue deutsche MedienmacherWir haben uns auf das Kapitel „Kriminalitätsberichterstattung“ beschränkt und die darin zusammengefassten „Formulierungshilfen“ der Neusprech betrachtet. Neben einem Bias dahingehend, dass Kriminalität bei den Neuen Deutschen Medienmachern vornehmlich aus Blutrache, Ehrenmord, Rechtsextremismus und Hasskriminalität besteht und somit aus Marginalien im 0,001% Bereich der Polizeilichen Kriminalstatistik, die nach wie vor von Diebstahl, Sachbeschädigung oder Körperverletzung, ganz zu schweigen von Verkehrsdelikten beherrscht wird, sind uns zwei Dinge besonders negativ ausgestoßen:

Dass das „Glossar der Neuen deutschen Medienmacher“, dass „die Formulierungshilfen für die Berichterstattung im Einwanderungsland“ einen extremen ideologischen Stallgeruch absondern, dass sie sich entsprechend als ideologischer Versuch der Einflussnahme auf die Art und Weise der Berichterstattung diskreditieren, wird spätestens da deutlich, wo von „subtileren Codes“ die Rede, ist „subtilere Codes“, die man nicht benennen kann und die entsprechend nicht von Einbildung unterscheidbar sind, die aber dennoch „Formen des Rechtsextremismus“ sind, die es „in der Mitte der Gesellschaft gibt“, denn auch in der Mitte der Gesellschaft gibt es „Menschen mit rechtsextremer und/oder neonazistischer Gesinnung“ (24).

Die neuen deutschen Medienmacher sind also angetreten, die politikwissenschaftliche Forschung der letzten 50 Jahre  zum Unsinn zu erklären, die politische Farbenlehre dahingehend umzugestalten, dass braun bereits in der Mitte der Gesellschaft beginnt und entsprechend nur rot, alles, was sich links von der Mitte befindet, den ideologischen Lackmustest besteht und als unbedenklich gelten kann. Es ist schade, dass sich Journalisten mit Migrationshintergrund in ihrem Bemühen, dazu zu gehören, vor einen so schäbigen Karren spannen lassen.

Der seit einiger Zeit zu beobachtende Versuch, die Gesellschaft in gute Linke und in alle anderen, jedenfalls aber nicht gute bzw. nicht als unbedenklich geltende Nicht-Linke zu differenzieren, ein Versuch, zu dem Leipziger Wissenschaftler mit einer unterirdisch schlechten Studie die Munition geliefert haben, die steuerzahlerfinanzierte Stiftungen wie die Amadeu-Antonio-Stiftung nun in Richtung Mitte der Gesellschaft verschießen, wobei sie genau die anvisieren, die sie finanzieren, gehört mit zu den bedenklichsten Formen der Brunnenvergiftung, die derzeit zu beobachten ist.

Aber es ist nicht der einzige Versuch. Ein weiterer Versuch besteht darin, unter der Hand den Begriff der Gleichwertigkeit einzuführen und in eine Reihe mit Gleichberechtigung zu stellen. Und damit auch klar ist, dass Gleichwertigkeit sakrosankt ist, wird Rechtsextremismus als „Ideologie der Ungleichwertigkeit“ bezeichnet (24), und es werden „Ideologien der Ungleichwertigkeit als „Weltanschauungen, in denen die Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung aller Menschen grundlegend abgelehnt werden“ (23) definiert.

Nun gibt es einen erheblichen Unterschied zwischen Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit. Ersteres ist ein objektives Prinzip, Letzteres eine subjektive Behauptung.

Gerechtigkeit beschreibt ein Equitätsprinzip, in dessen Kern Fairness steht. Gerechtigkeit ist dann gegeben, wenn jeder die seiner Leistung angemessene Auszahlung erhält. Wer mehr leistet, der erhält auch eine höhere Auszahlung. Wer mehr leistet, der hat entsprechend im Hinblick auf die Leistung mehr Wert, er ist mehrwertig im Vergleich zu Personen mit geringerer Leistung.

Zu behaupten, dass Menschen gleichwertig seien, kommt entsprechend einer vollständigen Verleugnung von Leistung gleich und negiert somit jede Anstrengung, die ein Mensch im Verlauf seines Lebens unternommen hat. Ein Nobelpreisträger für Physik ist mit einem Professor für Genderforschung gleichwertig, ein Straftäter mit seinem Richter, ein alter Mensch, der sein Leben lang gearbeitet hat, mit den Neugeborenen, ein psychisch Gestörter  mit seinem Irrenarzt, ein Faulenzer mit einem Strebsamen usw.

Menschen sind entsprechend nicht gleichwertig. Sie sind gleich geboren, aber sie entwickeln sich unterschiedlich und je nach Art und Umfang der Investitionen in sich, sind sie in bestimmten Bereichen des öffentlichen Lebens schlicht mehr wert als andere. Wer das nicht glaubt, der möge sein Verhalten an seinen Behauptungen ausrichten und z.B. nach einem Unfall keinen Arzt rufen, denn es genügt die Hausfrau von nebenan, mit der Versorgung des gebrochenen Beines zu beauftragen, denn sicherlich ist sie dem Arzt in allem gleichwertig.

Wenn Gleichwertigkeit ein dermaßen offensichtlicher Unsinn ist, wieso findet er sich dann im Glossar der Neuen Deutschen Medienmacher? Offensichtlich gibt es Gruppen, die sich einen Vorteil davon versprechen, Gleichwertigkeit als Prinzip zu etablieren, wohlwissend, dass man die Gleichwertigkeit bestimmen muss, wie dies bereits im Zusammenhang mit der Bevorzugung von Frauen der Fall ist. Hier wird nicht mehr gleicher Lohn für gleiche Arbeit gefordert, sondern gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit. Was gleichwertige Arbeit ist, wird natürlich von denselben Interessenvertretern bestimmt, die den Begriff der Gleichwertigkeit eingeführt haben: Hausarbeit, also die normalen Verrichtungen im Haushalt werden entsprechend zu gleichwertiger Arbeit, die mit einer produktiven Tätigkeit in der Industrie gleichgesetzt werden soll.

Gleichwertigkeit öffnet so die Büchse der Pandora, die Büchse der Willkür, denn mit der Behauptung, Menschen wären ungeachtet ihrer Anstrengungen und ihrer Kompetenzen gleichwertig, wird nicht nur jede Leistung von Menschen in Frage gestellt, deren Anerkennung verweigert, es wird auch deutlich, wer sich als Mitglied der Neuen Deutschen Medienmachergesellschaft diskreditiert hat: Alle diejenigen nämlich, die darauf beharren, dass ein Mensch, der etwas leistet, mehr Wert hat als ein Mensch, der nur nimmt. Alle diejenigen, die eine Gesellschaft wünschen, in der Leistung belohnt wird, deren erstes Interesse darin besteht, sich und nicht nutznießende Interessenvertreter durch eigene Leistung zu belohnen. Aber für derartige Menschen hat man im Neusprech-Glossar auch schon eine Kategorie vorgesehen: Sie sind die Rechtsextremen, die Mitte der Gesellschaft, die – wie man früher gesagt hat – Stützen der Gesellschaft.

Obwohl einem, angesichts solcher Machwerke der Humor im Hals stecken bleiben kann, wollen wir diesen Post mit einer humoresken Einlage von Seite 24 des Glossars der Neuen Deutschen Medienmacher abschließen.

Dort steht:

„Opfer _ ist in der Kriminaliätsberichterstattung gängig als Bezeichnung für Betroffene von Diskriminierung oder Gewalt. Mit dem Begriff werden allerdings Eigenschaften wie Hilflosigkeit oder
Versagen assoziiert. Eine sinnvolle Alternative ist: Betroffene.“

Wenn sie demnächst von Unfallbetroffenen und Mordbetroffenen lesen und sich fragen, ob ein Unfallbetroffener nun ein Zuschauer am Wegrand ist, der betroffen ist, ob dessen, was er sieht oder ob der Mordbetroffene der Erbe des Ermordeten ist, dann wissen sie, wem sie diesen neuen deutschen Unsinn zu verdanken haben, dessen vermutlich betroffenes Opfer sie gerade geworden sind.

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