Der nächste Abschuss: Agentin.org ist Offline

Wer versucht, den Pranger der Böll-Stiftung „Agentin.org“ anzuwählen, der sieht, dass er keinen Pranger mehr sieht, denn „Agentin.org“ ist offline. Jemand hat die Reißleine gezogen und dafür gesorgt, dass die Grüne Partei über ihre Stiftung nicht noch mehr negative Publicity erhält als sie es sowieso schon tut.

Wie immer, wenn Aktivisten mit einem ihrer Projekt baden gegangen sind (wie damals das Neue Rechte Wiki der Amadeu-Antonio-Stiftung, dessen Überarbeitung nun auch schon mehrere Monate und so lange dauert, dass die Wahrscheinlichkeit eines Comebacks kaum mehr gegeben ist), so versuchen auch die drei Verantwortlichen, Henning von Bargen, Elisabeth Tuider und Andreas Kemper mit einer verklausulierten Nachricht sicherzustellen, dass sie mit so wenig Gesichtsverlust wie nur möglich aus der Sache herauskommen.

Wir haben uns die Freiheit genommen, die verquaste Mitteilung aus der grünen Pranger-Anstalt in Deutsch zu übersetzen:

Hier unsere Übersetzung:

Text von Agentin.org Übersetzung
Wir kommen wieder! Wir lügen weiter.
Die Agent*In geht vorübergehend offline. Wir beerdigen das Projekt und hoffen, in drei Monaten habt Ihr es vergessen.
Die Agent*In hat intensive Debatten ausgelöst und zeigt: unser politisches Anliegen ist hochaktuell und notwendig. Unser Ziel ist es, dass unterschiedliche Lebensentwürfe selbstbestimmt und in Freiheit gelebt werden können. Wir haben massiv auf die Schnauze bekommen, weil wir anderen Lebensentwürfen als den von uns für gut befundenen, die Freiheit, gelebt zu werden, bestritten haben.
Bedauerlicherweise hat die gewählte Form die gesellschaftspolitische Auseinandersetzung zu Antifeminismus überlagert. Unser Pranger ist – für uns völlig überraschend – gar nicht gut angekommen.
Deshalb werden wir die Seite erweitern und überarbeiten.
 Wir werden sie verständlicher und vielfältiger machen. Anregungen dazu können über redaktion-agentin@boell.de eingebracht werden. Deshalb schalten wir den Pranger ab. Wir wollen etwas anderes an seine Stelle setzen (immerhin haben wir die Domain bezahlt), wissen aber nicht was. Wer Ideen hat, was man mit einer Domain „Agentin.org“ machen kann: redaktion-agentin@boell.de
Wir sind ein ehrenamtlich arbeitendes Netzwerk aus etwa 180 Menschen, die sich wissenschaftlich, theoretisch und aktivistisch mit Antifeminismus auseinandersetzen. Wir leben in einer Traumwelt in der Andreas Kemper alleine Traum tanzt, Henning van Bargen die gute Miene zum bösen Spiel macht und Elisabeth Tuider für die sexuelle Aufklärung verantwortlich ist.
Antifeminismus ist wesentliches Element der rechtspopulistischen Ideologie und Bewegung. Zunehmend finden sich jedoch gender- und feminismusfeindliche Argumentationen in den Diskursen der gesellschaftlichen Mitte. Wir kommen mit unserer Hetze gegen Andersdenkende einfach nicht mehr so gut an, wie das früher noch der Fall war.
Für uns bleibt die politische und gesellschaftliche Auseinandersetzung dazu eine Aufgabe, der wir uns stellen.
Die Redaktion
Selbstverständlich sind wir lernresistent. Unsere Ideologie, die wir weiter versuchen werden, anderen aufzuzwingen, macht uns immun gegenüber dem Lernen, schon weil wir keine Fehler machen

Anregungen? Hinweise? Kontaktieren Sie ScienceFiles

Haters gonna hate und Spinners gonna spin

Beim Gunda-Werner-Institut, dem Feminismus- und Geschlechter-Ableger der Heinrich-Böll-Stiftung hat die Technik Einzug gehalten. Scheinbar gibt es einen Praktikanten, der von HTML und Java-Script ein wenig versteht und deshalb gibt es bei der Stiftung eine Online-Umfrage, eine Online-Umfrage zum Thema „Hasskommentare“.

Welch‘ anderes Thema als „Hasskommentare“ könnte man bei der Gunda-Werner-Stiftung schon bearbeiten wollen?

Schnell hill esserWo früher Studenten in Methodenvorlesungen geschwitzt und versucht haben, die Kunst der empirischen Sozialforschung zu erlernen, da denkt heute jeder dahergelaufene Hempel, er könne selbst eine Umfrage machen, eben einmal drauflos fragen, so wie beim Gunda-Werner-Institut, bei dem man die Umfrage zu Hasskommentaren offensichtlich benötigt, um das zu bestätigen, was die Gundas sowieso schon wissen:

“Hasskommentare sind in Deutschland ein Tatbestand des Strafrechts, auch im Internet. Trotzdem werden sie kaum geahndet. Allzu oft antworten Polizei oder Staatsanwaltschaft auf Anzeigen mit „Täter*innen nicht ermittelbar“. Betroffen sind diejenigen, die ohnehin Diskriminierungserfahrungen machen: Frauen* und/oder rassifizierte Menschen, Menschen mit Behinderung, jüdische Menschen, LGBTIQ…“

Das ist der erste Absatz auf der Umfrage-Seite der Gundas. Der Absatz erweckt den Eindruck, dass längst bekannt sei, wer Opfer und Täter von Hasskommentaren sind, wie viele davon es gibt, was Hasskommentare überhaupt sein sollen usw. Drei Absätze weiter sind die Gundas dann plötzlich auf dem Boden der Realität, sie, die eben noch genau wussten, dass es „Frauen* und/oder rassifizierte Menschen, Menschen mit Behinderung, jüdische Menschen, LGBTIQ…“ sind, die Opfer von Hasskommentaren werden, sie schreiben nun in einem beispiellosen Akt des Selbst-Widerspruchs innerhalb von zwei Absätzen:

“Bislang mangelt es an verlässlichen Daten zu Täter*innenprofil, den betroffenen Diskussionsteilnehmer*innen und den Auswirkungen auf das Verhalten im Netz.“

Es gibt eben Dumme und die Gundas. Die Gundas, die wissen alles über etwas, von dem sie selbst sagen, dass sie nichts davon wissen. Besser kann man die eigene Beschränktheit eigentlich nicht auf den Punkt bringen. Aber weil das noch nicht reicht, demonstrieren die Dilettanten in empirischer Sozialforschung gleich noch mit einer einzigen Abbildung, dass sie zu den absoluten Ahnungslosen auf dem Gebiet der empirischen Sozialforschung gehören.

Gunda spins

Die Abbildung ist vollkommen wertlos, denn es fehlt jede Angabe zur Grundgesamtheit. Ohne diese Angabe machen Prozentangaben aber keinen Sinn. Besonders lustig ist die Überschrift „repräsentative Ergebnisse“. Wir halten zwar nicht viel von Repräsentativität, aber diejenigen, die sich seit Jahren bemühen, mit Auswahlverfahren, Gewichtungsverfahren und allerlei mathematischen Verrenkungen sicherzustellen, dass die Befragten, die sie zusammen bekommen haben, repräsentativ für die Gesamtbevölkerung sein sollen, nicht einmal sie haben verdient, dass die Gundas auf ihrem Zug Trittbrett fahren, die Gundas, die denken, man macht eine Umfrage, sammelt die Antworten, prozentuiert und schreibt „repräsentatives Ergebnis“ darüber.

Und natürlich, daran haben wir keinen Zweifel, wird es eine ganze Reihe von Journalisten, die so ungefähr dasselbe intellektuelle Niveau erreicht haben, wie die Gundas, geben, die die Ergebnisse für bare Münze, für repräsentative bare Münze nehmen.

Schuster, bleib‘ bei Deinen Leisten, können wir nur sagen und die Gundas zurückschicken, zu dem, was sie können. Was war das noch einmal? Kochen? Nein, kochen war es wahrscheinlich auch nicht?

Basenwirtschaft: Live dabei sein, wie die Heinrich Böll Stiftung Steuergelder verschleudert

GrotesqueJa, ja, Sie haben also gedacht, für heute ist es genug, mit dem Wahnsinn. Ein Text der Fachschaftsinitiative Gender Studies, und Sie sind schon geschafft und wollen zurück in die normale Welt, sich vor den Fernseher setzen, eine Dose Bier und eine Tüte Chips dazu nehmen und eine schöne normale Serie der X-Files sehen, z.B. die Serie Grotesque, in der alle, ausnahmslos alle Mitwirkende mehr Verstand und Normalität aufzuweisen scheinen als das für die Akteure der Fall zu sein scheint, die wir Ihnen im letzten Post zugemutet haben.

So leicht machen wir es Ihnen nicht. Heute wird Wahnsinn aufgenommen bis zum Abwinken: All you can take.

Also, ihr Steuerzahler, schaut Euch genau an, wofür die Gunda-Werner-Stiftung, das Anhängsel der Heinrich-Böll-Stiftung, das Geld, das ihr sauer verdient habt, das ihr einer sinnvollen Verwendung zuführen könntet, ihrerseits verwendet. Bitte alle eventuell aufkommenden Formen der Aggression nicht auf den Monitor richten. Der kann nichts dafür.

Die Gunda-Werner-Stiftung, die veranstaltet nämlich einen Workshop. Wolle Pelz hat auf ihn hingewiesen und einiges dazu gesagt.

Auch wir wollen unseren Lesern die Gelegenheit nicht vorenthalten, sich am Freitag, den 16. Oktober von 10.00 bis 14.30 in einem Workshop von zwei ausgewiesenen Fachtrainerinnen für absolut wert- und sinnlosen Unfug über ihre strukturelle Privilegierung und ihre sonstigen Defizite aufklären zu lassen.

Weißen Feminismus hinterfragen – Verbündete werden” – so der Titel des Workshops, den Sie, liebe Steuerzahler, finanzieren, und zwar mit dem Ziel Bewusstsein zu schaffen, solches Bewusstsein:

gwi-logo-de“Viele weiße Frauen, die sich für mehr Geschlechtergerechtigkeit engagieren, übersehen leicht, dass sie auch Privilegien haben, denn als weiße Frauen profitieren sie von rassistischen Strukturen. Für viele ist es schwer zu erkennen, dass frau selbst unbewusst rassistische Ideen und Handlungsweisen verinnerlicht hat und diese meist subtil und indirekt auch die politische Arbeit beeinflussen. Der Workshop bietet einen gemeinsamen Reflexionsraum und gibt Anregungen für Handlungsmöglichkeiten in politischen, beruflichen und privaten Situationen. Wie kann ich als weiße Frau sensibel und klar Stellung gegen Rassismus beziehen? Wie werde ich eine Bündnispartnerin für Menschen of color? Wie kann ich rassistischen Strukturen widerstehen und sie transformieren?”

So Ihr Bleichgesichter da draußen, ihr Bilagáana, ihr, bei denen es nicht für ein bischen Farbe gereicht hat, Ihr, die ihr Euch mit künstlichem Teint beschmieren oder die Haut verbrennen müsst, um Euch von Leichen zu unterscheiden, geht in Euch. Erkennt, dass Ihr strukturell bevorteilt seid, Rassisten qua Geburt, die nicht anders können, als sich unsensibel rassistisch oder sensibel weniger rassistisch zu verhalten, eben weil es nicht zu ein wenig mehr Melaninbildung gereicht hat.

Das Opfer weißer Hegemonie, Floyd Mayweather, Jr.

Das Opfer weißer Hegemonie, Floyd Mayweather, Jr.

Lernt, dass Schwarze nur darauf warten, Euch als Verbündete begrüßen zu können. Hört, dass Schwarze, wie Ice Cube oder the Notorious Big, Opfer der weißen Hegemonie sind, die sich nicht wehren können und auf Euch, ja Euch, gewartet haben, damit ihr sie von weißen rassistischen Strukturen befreit, die sie daran hindern, noch eine weitere Million US-Dollar in Royalties einzunehmen.

Vernehmt, dass die Weißen die Herrscher dieser Welt sind, die Top-Rasse, die sich selbst geiseln muss, damit sie nicht die anderen, die niedrigen Rassen unterjocht, ausnutzt, zum Sklaven- und Frondienst verdammt. Und dann geht raus und wendet Euer neu gewonnenes Wissen an, z.B. bei Floyd Mayweather Junior, einem dieser Unterdrückten und von weißer Hegemonie gebeugten Schwarzen, nein PoC, nein Farbigen.

Läutert Euch. Werdet unweiß. Färbt Euch ein, und bekämpft den inneren rassistischen Schweinehund in Euch und gemeinsam mit der “Wertschätzungs-Trainerin” Jacquelin Alex und der “Trainerin für Empowerment und kritisches weißsein”, Julia Lemmle. Nie war die Gelegenheit, die Verschwendung von Steuergeldern für absoluten Unfug hautnah mitzuerleben so gut wie heute.

Das sagen wir Euch, wir, Dr. habil. Heike Diefenbach, Wissenschaftlerin mit internationalem Renomée und Trainerin für das Empowerment of Logik and Reason und Michael Klein, Trainer für besondere Opfergaben durch höhere Einsichten in höhere Wesenheiten und Vorsitzender der “Herr-schmeiß-Hirn-Bewegung”.

Es männert: von emanzipatorischer Männlichkeit

Man kann sich kaum noch vor Männlichkeiten retten. Überall “männert” es. Man eilt vom Männerkongress zur Männertagung, zur internationalen Männerkonferenz und man kann sich vor Männerforen kaum mehr retten. Fast, dass man denken könnte, es herrscht ein wahre Mannes-Phobie, eine eher irritierende Entwicklung, wenn man bedenkt, dass Männlichkeit noch vor kurzem in der Krise war und die Angry White Men zu den Prügelknaben des Jahrhunderts stilisisert werden sollen (Nebenbei bemerkt, wer angesichts des Gleichstellungs-Unsinns, der täglich auf uns einprasselt, kein angry white (or black) men ist, der hat aufgehört zu leben).

Die Entdeckung des Mannes durch politische Vereine und Regierungen lässt nichts Gutes vermuten, hat noch bevor man sich näher damit befasst hat den Stallgeruch der Manipulation und des Versuchs, die so vielfältigen Männlichkeiten, die es angeblich gibt, auf eine einzige Männlichkeit, eine staatsdienliche Männlichkeit, wie man sie nennen könnte, zu reduzieren. Kurz: Das Rollenangebot “Männlichkeit”, wie man mit Ralf Dahrendorf sagen könnte, umfasst vielleicht eine Reihe von Kann-Rollen, aber unter diesen Kann-Rollen gibt es genau eine, die zur Muss-Rolle bestimmt werden soll.

Den Anfang dabei macht das Gunda-Werner-Institut, das sich seit Jahren bemüht hat,  Steuergelder einem eigennützigen Verwendungszweck zuzuführen.

Dieses Gunda-Werner-Institut veranstaltet gemeinsam mit dem Forum Männer, einem vom Gunda-Werner-Institut finanzierten Satelliten, die Tagung: “Männlichkeiten zwischen Hegemonie und Vielfalt – Welche? Für wen? Wozu?“.

Dabei geht es offensichtlich um mehrere Männlichkeiten, die zwischen Hegemonie und Vielfalt lavieren, wobei es schwierig ist, sich die entsprechenden Männlichkeiten dabei vorzustellen, wie sie hegemoniale Männlichkeiten und vielfältige Männlichkeiten sind bzw. irgend etwas dazwischen, von dem man wiederum nicht weiß, was es sein könnte, denn: Hegemonie und Vielfalt sind keine Pole desselben Kontinuums. Das Gegenteil von Hegemonie wäre wohl Schwäche oder Hilflosigkeit, während das Gegenteil von Vielfalt in der Homogenität oder Gleichheit zu suchen wäre. Kurz: der Tagungstitel ist Unsinn.

Und weil selten etwas Besseres nachkommt, geht es mit Unsinn weiter:

“Die Tagung «Männlichkeiten zwischen Hegemonie und Vielfalt» nimmt die Fülle männlicher Lebensentwürfe in den Blick, die sich im Spannungsfeld zwischen hegemonialer männlicher Monokultur und parallelkulturellen Konstruktionen von Männlichkeiten entwickelt hat. Gefragt wird, wo und wie welche Bilder von Männlichkeiten (re)konstruiert werden, welche Männlichkeiten für wen und wozu Sinn machen und wo Potenzial für Veränderung und emanzipatorische Entwürfe von Männlichkeiten liegen.”

Es gibt also ein Spannungsfeld zwischen “hegemonialer männlicher Monokultur” und “parallelkulturellen Konstruktionen von Männlichkeit”. Da die Eigenschaft von Parallelen darin besteht, dass sie sich zu keinem Zeitpunkt schneiden, fragt man sich unwillkürlich, wo, wenn hegemoniale männliche Monokulturen und prarallelkulturelle Konstruktionen von Männlichkeit sich nie treffen, die Spannungen herkommen? Die Antwort ist eine Wiederholung und lautet einmal mehr: Unsinn (Der Unsinn erinnert an eine studentische Klausur, die die Aufgabe enthielt, eine Gerade in ein Koordinatenkreuz einzuzeichnen. Aus der Geraden, in der entsprechenden Klausur, wurde eine Kurve, dieser Irrtum ist vermutlich demselben Unverständnis der eigenen Sprache geschuldet).

Und dem Unsinn folgen die Fragen: Wir haben eine Vielzahl von Männlichkeiten und dennoch keine Emanzipation, denn trotz der vielen Männlichkeiten muss erst ausgelotet, ja gefragt werden, wo das Potential für emanzipatorische Entwürfe liegt. Unter emanzipatorischen Entwürfen ist vermutlich das zu verstehen, was man beim Gunda-Werner-Institut und beim Mitveranstalter, dem vom Gunda-Werner-Institut ausgehaltenen Forum Männer als emanzipatorische Männlichkeit ansieht.

Machen wir uns auf die Suche nach der richtigen, emanzipatorischen Männlichkeit.

Das Forum Männer, also der Satellit des Gunda-Werner-Instituts ist ein Gründungsmitglied des Bundesforums “Männer”, jenes Vereins, der die Befreiung der Männer dadurch anstrebt, dass er Männer auf 32 Arbeitsstunden pro Woche festlegen und ihnen Windeln wickeln für die freigewordene Zeit verordnen will. Dieses instrumentelle Bundesforum Männer, dass die Rolle der Nichtregierungs-Organisation spielt, obwohl per Anschubfinanzierung vom Bundesministerium für FSFJ ausgehalten, weist auf seiner Webpage auf die internationale Männerkonferenz zum Thema “Männerpolitik – Beiträge zur Gleichstellung der Geschlechter” hin, die am 6. und 7. Oktober in Wien stattfindet und vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz Österreichs und dem Bundesministerium für FSFJ finanziert wird.

Und wenn sich die Männlichkeiten-Vielfalt, die auf der Tagung beim Gunda-Werner-Institut bereits zur richtigen Männlichkeit verdichtet wurde, mit der Männerpolitik trifft, dann kommt Folgendes dabei heraus:

“Erwerbsarbeit war und ist für viele Männer immer noch der zentrale identitätsstiftende Bezugspunkt. Männeremanzipation führt heraus aus diesem einengenden Männlichkeitsverständnis. Ein zeitgemäßes Rollenbild ermöglicht es Männern, neue Lebensfelder für ein ganzheitlicheres Leben zu entdecken und zu erleben. Das Interesse an den Lebensfeldern Familie und Eigenwelt kommt von den Männern selbst. Kommen Männer dadurch in Balance, dient das dem Wohle aller, insbesondere auch dem partnerschaftlichen Rollenverständnis.”

Das emanzipatorische Potential der Vielfalt der Männlichkeiten, das auf der Tagung des Gunda-Werner-Instituts gesucht werden soll, das Programm der internationalen Männerkonferenz hat es bereits gefunden: Es besteht darin, zunächst einmal die Identitätsstiftung über Arbeit als Männlichkeitsentwurf auszuschließen. Hat man diese Ausprägung der Vielfalt von Männlichkeit, die nicht-moderne und von zu wenig Interesse am Lebensfeld Familie geprägte Version, aus der Vielfalt der Männlichkeiten ausgeschlossen, dann ist der Weg frei für ein ganzheitliches Leben, das Männer in Balance bringt (mit was auch immer), dem Wohle aller dient, insbesondere dem partnerschaftlichen Rollenverständnis und vor allem, und ganz wichtig, das ganzheitlich ist.

Amen.

Die Vielfalt, vor die sich der moderne Mann und die moderne Frau gestellt sehen, das emanzipatorische Potential neuer Männlichkeit und vermutlich auch neuer Weiblichkeit besteht darin, geboren zu werden, zu arbeiten, sich fortzupflanzen, dem Staat als Füller der Sozialkassen dienlich zu sein und wenn es möglich ist, nicht als Pflegefall zu sterben. Es ist schon erstaunlich, was heutzutage als Emanzipation durchgeht.

Zur Erinnerung:

“Emanzipation (lat.) ‘aus der Hand herauswachsen’, Freilassung, Verselbständigung, Befreiung aus einem Zustand der Abhängigkeit … Ausgehend von dem berühmten, von I. Kant geprägten Begriff von Aufklärung als ‘Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit’ (‘Unmündigkeit’ ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen), meint Emanzipation die Befreiung des Menschen von sozialen Strukturverhältnissen, die, weil vom Menschen noch unbegriffen, Unmündigkeit erhalten” (Hillmann, 1994: 178).

Die emanzipatorische Männlichkeit, die uns das BMFSFJ und sein Satellit das Bundesforum Männer in trauter Eintracht mit dem Gunda-Werner-Institut und seinem Satelliten dem Forum Männer verkaufen wollen, hat mit einer Befreiung des Menschen von sozialen Strukturverhältnissen überhaupt nichts zu tun. Im Gegenteil: Der männliche Mensch der propagiert werden soll, begibt sich freiwillig in die Abhängigkeit sozialer Strukturverhältnisse. Er geht eine Beziehung ein, in welcher Form auch immer, sucht nach der legalen Weihe dieser Beziehung auf dem Standesamt, geht weiter Verpflichtungen ein, indem er Kinder in die Welt setzt und ist am Ende so sehr im Netz sozialer Strukturen verwoben, dass ihm eine emanzipatorische Männlichkeit nur als Vorstellung in der Midlife-Crisis bleibt.

Denn: eine emanzipatorische Männlichkeit macht sich frei vom Zustand der Abhängigkeit, und zwar dadurch, dass sich die entsprechenden männlichen Menschen ihres Verstandes ohne Leitung durch einen Dritten bedienen. Kurz: Sie entscheiden selbst, welche Form von Männlichkeit sie leben wollen, welche Form von Leben sie leben wollen und welche Verantwortung sie in ihrem Leben übernehmen wollen. Emanzipation setzt Freiheit vom Gunda-Werner-Institut und vom BMFSFJ voraus, denn beiden und ihren foralen-Vasallen geht es darum, Wahlfreiheit für Männer einzuschränken und die “Befreiung aus dem Zustand der Abhängigkeit” zu verhindern.

Das nämlich ist der Horror dieser Institute: Männer, die tatsächlich ihre Männlichkeit leben und sich nicht auf staatlich und kulturell vorgegebene Lebensweisen einlassen. Die als Wanderburschen durch die Welt ziehen, ohne sich zu binden, und die ihr Leben nach ihrer Fasson leben, voll emanzipiert und ohne sich in familiäre oder gesellschaftliche Abhängigkeiten zu begeben.

Wie so oft zeigt sich, dass Begriffe, hier emanzipatorische Männlichkeit, von Seelenanglern als Köder ausgelegt werden, in der Hoffnung, dass möglichst viele anbeißen und ihrem selbstbestimmten Leben damit ein Ende bereiten.

Und zum Abschluss: Anschauungsmaterial, Anschauungsmaterial zur Vielfalt der Männlichkeiten, wie sie beim Forum Männer herrscht (alle Bilder stammen von der Webpage des Forums Männer). Wem dies ein attraktives Angebot ist, dem ist nicht mehr zu helfen.

Die neue Männlichkeit:

Forum Maenner IForum Maenner IIForum Maenner III

Unsinn der Woche: Sind Frauen mehr wert als Türken?

Prof. Dr. Günter Buchholz hat uns einen Hinweis auf ein Interview geschickt, das auf der Webseite des Gunda-Werner-Instituts veröffentlicht wurde. Interviewt wird Gabriele Abels, Professor für “politische Systeme Deutschlands und der EU sowie Europäische Integration” an der Universität Tübingen.

Dem Politikwissenschaftler unter den ScienceFileslern ist ganz schlecht, seit der Lektüre dieses Interviews und nicht nur ihm.

Warum? Weil man es wirklich nicht mehr hören kann, schon gar nicht von Personen, die an Universitäten Lehrstühle besetzen und dort wohl versuchen, Studenten zu beeinflussen.

scully facepalmDas Interview ist über weite Teile das übliche Lamento. Die Gleichstellungspolitik der EU, so erfährt man, obgleich man es nicht wissen will, sei “immer ökonomisch begründet”, und das sei eine zentrale Lücke. Seither rätseln wir, wie etwas eine zentrale Lücke sein kann, das ökonomische begründet ist, und wir haben uns entschlossen, diese Unvereinbarkeit von Lücke und Begründung derzeit als Inkompatibilität zwischen Sinn und gewählten Worten zu werten.

Weiter geht es im Text mit der Behauptung, dass eine Gleichstellung von Frauen in der Arbeitswelt in Rechnung stellen müsse, dass Frauen häufiger krank sind (oder feiern) und dass u.a. häusliche Gewalt schuld daran sei. Wie sich dieser angebliche Zusammenhang Frau Abels mitgeteilt hat, wissen wir nicht. Es muss eine Form der Eingebung gewesen sein, vielleicht eine Mitteilung von einem heilenden Stein, jedenfalls kann es keine empirische Forschung sein, denn es gibt schlicht keinerlei belastbare Daten, die zeigen würden, dass häusliche Gewalt eine Ursache von Arbeitsausfall ist. Und dass häusliche Gewalt ein Monopol weiblicher Opfer sein soll, ist eine Behauptung, die auch dann, wenn Frau Abels sie vorbringt, nicht richtig ist.

Pol SozWir wollen an dieser Stelle ausdrücklich feststellen, dass es einen empirischen Ast in der Politikwissenschaft gibt. Es gibt also Politikwissenschaftler, die sich darum kümmern, ob das, was sie behaupten, auch von der Realität bestätigt wird, die also nicht einfach etwas behaupten, nur weil sie gerne hätten, dass es wahr ist. Aber offensichtlich gibt es zwischenzeitlich auch einen esoterischen Ast unter dem Dach der Politikwissenschaft. Offensichtlich machen sich Personen breit, die Zusammenhänge nicht prüfen, sondern erahnen, die ihre sprachliche Realität nach dem gestalten, was sie gerade gerne hätten, nicht nach dem, was ist. Wir vermuten, dieses Krankheitsbild trifft besonders häufig Frauen.

Man wartet bei diesem Interview mit Frau Abels förmlich darauf, dass die Manie ausbricht. Man muss nicht lange warten: Die Finanzkrise trifft Frauen. Die Finanzkrise führt zu Entlassungen. Das trifft Frauen. Der “Rückbau von sozialstaatlichen Strukturen” im Zuge der Finanzkrise, na, was ist wohl damit? Richtig, er trifft Frauen. Und die Finankrise ist noch dazu ein hinterhältiges weibliches Nomen: Auf den “ersten Blick” wirkt sie “nicht geschlechtspezifisch”, auf “der anderen Seite” (nicht etwa auf den zweiten Blick) “indirekt aber doch”. Denn: Frauen werden in “manchen Bereichen zu den Familienernährerinnen und da ist es natürlich ein Problem, wenn Frauenlöhne strukturell sowieso niedriger sind”.

Erstklassig dieser Unsinn. Wirklich nicht zu überbieten. Da müht man sich jahrlang in der Methodenlehre ein Beispiel für einen ökologischen Fehlschluss zu finden und Frau Abels formuliert ihn einfach locker flockig im Interview. Ein ökologischer Fehlschluss liegt dann vor, wenn man aus Zusammenhängen, die man auf Aggregatebene festgestellt zu haben glaubt, auf individuelle Zusammenhänge schließt. Auch wenn Deutsche pro Jahr und im Durchschnitt 12,81 Liter reinen Alkohol trinken, kann man nicht schließen, dass Frau Abels betrunken war, als sie das Interview gegeben hat. Das eben wäre ein ökologischer Fehlschluss.

Aber nicht nur ein ökologischer Fehlsschluss, auch eine Form selektiver Wahrnehmung, die man mit dem ICD-10 abgleichen müsste, macht diesen Unsinn besonders: Da werden Frauen zu Familienernährerinnen, einfach so, denn die Voraussetzung bleibt unausgesprochen, dass nämlich Männer arbeitslos werden, denn das setzt der Prozess des Familienernährerinnen-Werdens im Zuge einer Krise voraus. Erwähnenswert ist es Frau Abels jedoch nicht. Was sind schon arbeitslose Männer wenn es um den Artenschutz der seltenen Spezies der Familienernährerinnen geht?

Und um es einmal wieder festzustellen, “Frauenlöhne”, wie Frau Abels sagt, sind nicht strukturell niedriger, sondern Frauen wählen Berufe, die für geringere Einkommen bekannt sind. Das hat mit strukturell gar nichts zu tun, aber viel mit der entsprechenden Wahl durch die entsprechenden Frauen. Wir vermuten, dass der “Frauenlohn”, den Frau Abels als Besatzer einer Professur erhält, die eigentlich zur Gewinnung von für die Politikwissenschaft relevanten Erkenntnissen dient, genau dem enstpricht, was ein männnlicher Kollege auf der entsprechenden Besoldungsstufe verdient, schon weil Leistung bei öffentlicher Besoldung keine Rolle spielt. Dass Leistung keine Rolle spielt, ist übrigens eine strukturelle Ungerechtigkeit.

Der Begriff der “Frauenlöhne”, den Frau Abels in die Debatte einführt, ist auch einer Würdigung wert, fragt sich doch, wie er gemeint ist, als Genitiv, der Lohn der Frau oder als Akkusativ, die Frau als Lohn? Hat Levi-Strauss mit seiner Diskussion von Frauen als Tauschobjekt einen so tiefen Eindruck auf Frau Abels gemacht, dass sie es gar nicht vergessen kann? Oder ist das eine neue Wertoffensive Marke: Was soll ich mit einer Frau, die nicht einmal zehn Kamele wert ist? Letzteres aus Reihen der Genderisten zu hören, wäre in der Tat erstaunlich. Aber vermutlich liegt hier nur eine neuerliche Inkompatiblität zwischen Sprache und Verwendung derselben vor.

Damit nicht genug: die Austeritätspolitik ist auch zu verdammen. Warum: weil sie geschlechtsspezifisch wirkt. Sie trifft Frauen, geringverdienende Frauen und denen fühlt sich Frau Abels offensichtlich besonders verpflichtet, nicht so, dass sie auch nur einer geringverdienenden Frauen einen Teil ihrer W3-Besoldung abgeben würde, aber doch verbunden genug, als dass sie sie benutzt, um selbst als Gutmensch dazustehen.

Aber all das bisher Gesagte verblasst angesichts des Unsinns, der dann kommt. Es ist dies ein seltenes Dokument der Verirrung, die Verirrung des Genderismus oder des Gender Mainstreamings in der Intersektionalität, aus der es kein Entrinnen mehr gibt. Deshalb zum Genießen in ungekürzer Länge:

Quadratur Kreis“Die zentrale Frage ist nun, wie verhält sich die Kategorie Geschlecht zu ethnischer und sozialer Herkunft, zu Religion und Weltanschauung, zu Behinderung, Alter und sexueller Orientierung – zu den großen unterschiedlichen Diskriminierungstatbeständen? Dazu kommt die rechtliche Frage wie das Verhältnis zu gewichten ist. Das ist ein umstrittenes Thema auch in der Frauen- und Geschlechterforschung, aber auch rechtlich relevant. Gibt es Hierarchieverhältnisse zwischen Diskriminierungstatbeständen? Das ist ein wichtiger Punkt: Die Verschränkung von Diskriminierungstatbeständen stärker in den Blick zu nehmen und zu schauen, was das für politische und rechtliche Strategien bedeutet. … Die Strategien können zueinander auch im Konflikt stehen. Die Frage ist: Ist Geschlecht eine übergeordnete Kategorie und genießt sie einen besonderen Schutz? Wie geht sie mit anderen Kategorien zusammen? Da braucht man sicherlich eine Verfeinerung von Strategien, die aber zugleich vermeiden, Menschen auf bestimmte soziale Kategorien festzuschreiben und eine Form der Essentialisierung von sozialen Kategorien zu betreiben”.

Liebe ScienceFiles-Leser, Sie waren gerade live dabei, wie sich jemand um den Verstand geredet hat.

Offensichtlich geht die Beschäftigung mit Genderismus an manchen nicht spurlos vorbei. Und während sie sich fragen, ob sie als Inhaber eines weiblichen Geschlechts besondere, quasi Führungswesen, besondere Führungswesen sind, da trifft sie die “Verschränkung der Diskriminerungstatbestände” mit voller Wucht. Was ist mit weiblichen Schwarzen, weiblichen Türken, weiblichen alten Türken, weiblichen Arbeiterfrauen aus der dritten Generation eingewanderter Kurden, weiblichen adipösen, transsexuellen Schwulen, die katholisch sind? Muss man Diskriminierungstatbestände addieren, multiplizieren oder zählt z.B. ein Türke weniger als ein weibliches Geschlecht?

Und weil das alles nicht reicht, treibt Frau Abels den Wahnsinn auf die Spitze, kategorisiert wie wild, um dann den Finger zu heben und vor einer Kategorisierung zu warnen, nunmehr Essentialismus genannt. Das Wort, Essentialismus, muss sie irgendwo in sinnentleerter Form mitbekommen haben.

Essentialisten sind reduktionistische Menschen, die denken, eine Kategorie wie Geschlecht definiere eine Person, die denken, von all den Myriaden von Eigenschaften, die Menschen in sich vereinen, sei z.B. das Geschlecht die eine relevante Eigenschaft, die alles in den Schatten stelle, alles durchdringe und alles beherrsche. Aber vermutlich ist die Bedeutung des Begriffs Essentialismus in Tübingen unter den dortigen Politikwissenschaftlern nicht bekannt, nicht Teil der Ausbildung.

GuggenbergerEs gab einmal eine Zeit, da haben sich Politikwissenschaftler mit Machtsstrukturen beschäftigt, untersucht, wie weit es mit der Repräsentation von Wählern in einer Demokratie tatsächlich her ist. Es gab einmal eine Zeit, da haben Politikwissenschaftler auf das demokratische Defizit der EU verwiesen. Heute verweisen angebliche Politikwissenschaftler auf ein Gender Mainstreaming Defizit, weil etwas anderes als Geschlecht in ihrer Ausbildung nicht vorgekommen ist. Und so versinken die Fächer der Sozialwissenschaften im Schlamm der Frauen- und Geschlechterforschung und degenerieren, eines nach dem anderen, zum Panoptikum der eigenen Beschäftigung mit dem eigenen Geschlecht.

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Haben Sie Lust auf Auseinandersetzung oder steht bei Ihnen eher der Frust durch Auseinandersetzungen im Vordergrund? Der individuelle Umgang mit Konfliktsituationen ist ein Feld, das in Deutschland nicht beforscht wird. Dr. habil. Heike Diefenbach ändert dies zur Zeit. Sie haben die einmalige Gelegenheit, daran mitzuwirken. Nehmen Sie an unserer Primärforschung teil. Wirken Sie mit an der Erstellung einer Skala zur Messung von Konfliktorientierung.   Zur Teilnahme geht es hier.
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