WDR FakeUmfrage: Glaubwürdigkeit per Umfragemanipulation?

Die Gebührenzahler haben mit ihren Beiträgen eine Umfrage von Infratest Dimap finanziert, die das Meinungsforschungsinstitut im Auftrag des WDR durchgeführt hat. Genau 1000 Deutsche ab 18 Jahren wurden vom 14. bis 17. Dezember, also mitten in ihrer friedfertigen Weihnachtsvorfreude darüber ausgefragt, ob sie Medien im Allgemeinen und öffentlich-rechtliche Medien im Besonderen u.a. für glaubwürdig halten, per Telefon.

Wie nicht anders zu erwarten, hat die Auftrags-Befragung eine Erfolgsmeldung erbracht:

WDR-Studie: Große Mehrheit der Bundesbürger mit deutschen Medien zufrieden“, so titel der WDR und berichtet dann, dass 74 Prozent der Befragten den öffentlich-rechtlichen Medien Glaubwürdigkeit attestieren, viel mehr als den verhassten sozialen Medien, die angeblich nur 8% für glaubwürdig halten. Weiter ist dem WDR berichtenswert, dass 42% der Befragten der Ansicht seien, die Politik übe einen Einfluss auf die Berichterstattung aus. „Dezidiert von Lügenpresse sprechen würden nach wie vor lediglich 20 Prozent der Bundesbürger“, also so viele, wie derzeit eine Wahlabsicht für die SPD haben.

Das erfreuliche Ergebnis löst sich jedoch in seine Bestandteile auf, wenn man die Manipulationstechniken aus der Hexenküche der Meinungsforschung in Rechnung stellt, die nun auch die Mannen bei Infratest Dimap einsetzen. Offensichtlich gibt es politischen Druck nicht nur auf öffentlich-rechtliche Medien, sondern auch auf private Meinungsforschungsinstitute.

Wir stellen hier die drei frappantesten Manipulationstechniken aus der Befragung von Infratest Dimap vor:

Manipulationstechnik 1: Fehlende Antwortalternativen

Holm_Beginnen wir mit einer fiktiven Frage: „Wie groß ist Ihr Vertrauen in Donald Trump? „Sehr groß, groß“. Vorhersehbares Ergebnis der Befragung: 75% der Deutschen haben großes Vertrauen in Donald Trump. Die restlichen 25% bemerken den Manipulationsversuch.

Nun das Ganze in der Diktion von Infratest Dimap, mit der hohe Glaubwürdigkeitswerte für öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten herbeibefragt werden sollen:

„Ich nenne Ihnen jetzt einige Medien. Sagen Sie mir bitte jeweils, ob Sie diese für glaubwürdig oder für weniger glaubwürdig halten“.

Abgefragt wird somit in jedem Fall „Glaubwürdigkeit“. Die Befragten haben keinerlei Möglichkeit, eine Meinung, nach der eines oder alle der vom Interviewer genannten Medien unglaubwürdig ist, zum Ausdruck zu bringen. Wie nicht anders zu erwarten, sind 74% der Befragten der Ansicht „öffentlich-rechtliches Radio“ und 72% der Befragten der Ansicht „öffentlich-rechtliches Fernsehen“ sei „glaubwürdig“. Weniger glaubwürdig finden 20% bzw. 25% der Befragten das öffentlich-rechtliche Radio bzw. Fernsehen.

Was mit dieser Frage gemessen wurde, das wissen wir nicht. Jedenfalls wurde damit keine Glaubwürdigkeit gemessen, wie sich zeigt, wenn man ein Ergebnis hinzunimmt, das der WDR in seiner Pressemeldung unterschlägt: Frage: „Glauben Sie, dass in deutschen Medien gelogen, also absichtlich die Unwahrheit gesagt wird?“ Auf diese Frage sagen 31% dies treffe immer bzw. häufig auf „öffentlich-rechtliches Fernsehen“ zu, obwohl 97% der Befragten der Ansicht sein sollen, öffentlich-rechtliches Fernsehen sei glaubwürdig bzw. weniger glaubwürdig, in jedem Fall aber glaubwürdig, denn weniger glaubwürdig ist eben nicht „unglaubwürdig“.

wdr-glaubwuerdigkeit-1Mit 31% rangiert das öffentlich-rechtliche Fernsehen auf der Lügenskala noch vor der Boulevardpresse (28%) und deutlich vor sozialen Medien und Netzwerken (13%), was insofern interessant ist, als angeblich 8% soziale Medien für „glaubwürdigt“ und 71% für weniger glaubwürdig halten bzw. 8% die Boulevardpresse für glaubwürdig und 86% für weniger glaubwürdig halten.

Was soll man von einer Umfrage halten, bei der das Medium, das angeblich von den meisten Befragten für am zweitglaubwürdigsten gehalten wird (öffentlich-rechtliches Fernsehen), auch das Medium ist, von dem die meisten Befragten der Ansicht sind, es werde darin immer oder häufig gelogen? Was soll man von einer Umfrage halten, in der im Hinblick auf Ehrlichkeit, die Medien (soziale Netzwerke), die die geringste Glaubwürdigkeitsquote erhalten, diejenigen Medien sind, die bei der Frage danach, ob in ihnen immer oder häufig gelogen wird, mit die besten Werte für Ehrlichkeit erhalten?

Das erste, was man denken kann: Das ist eine Junk-Unfrage. Das zweite, was man denken muss: Hier soll manipuliert werden.

Und dass hier manipuliert werden soll, das zeigt sich besonders an der Frage nach der Lügenpresse.

Manipulationstechnik 2: Suggestive Fragen

Es gilt unter Sozialforschern als Kapitalverbrechen, die Befragten durch eine suggestive Frageformulierung auf eine bestimmte Antwort zu lenken. Und genau eine solche suggestive Frageformulierung benutzt Infratest Dimap, um nach dem Begriff der Lügenpresse zu fragen:

wdr-glaubwuerdigkeit-2Frage. „Im Zusammenhang mit den Protesten der Pegida-Bewegung wurde häufiger der Begriff Lügenpresse verwendet. Wenn Sie an Zeitungen, Radio oder Fernsehen in Deutschland denken, würden Sie persönlich dann von Lügenpresse sprechen oder nicht?“

Wie wir alle denken sollen, weil es die öffentlich-rechtlichen Medien wieder und wieder verbreitet haben, ist Pegida ein Aufmarsch von Wut- und Problembürgern, von rechten Wut- und Problembürgern, die das Ansehen Deutschlands schädigen und die Übernachtungszahlen in Dresden ins Bodenlose sinken lassen. Entsprechend ist Pegida ein negativer Stimulus, der bei Befragten die Tendenz, das, was mit Pegida in Zusammenhang gebracht wird, abzulehnen, verstärkt. So einfach ist es, die Zustimmung zum Begriff „Lügenpresse“ zu minimieren. Dass sich dennoch 20% der Befragten finden, die von Lügenpresse sprechen würden, ist vor diesem Hintergrund erstaunlich und zeigt, dass auch Manipulationsversuche ihre Grenzen haben, selbst dann, wenn sie doppelt des Weges kommen.

Manipulationstechnik 3: Den Fragebezug vage halten

Eine vage oder so umfassende Beschreibung dessen, was in einer Frage eigentlich erfragt werden soll, kann von Befragern effektiv eingesetzt werden, um Antworten in eine gewünschte Richtung zu lenken.

Ist Ihnen aufgefallen, dass die Frage „Zeitungen, Radio und Fernsehen“ in einen Topf wirft, also alle Medien, an die man landläufig denkt, so dass die Möglichkeit maximiert wird, dass Befragte, die an Zeitung, Radio und Fernsehen denken, an ihr Lieblingsprogramm oder ihre örtliche Tageszeitung denken, was die Wahrscheinlichkeit, von Lügenpresse sprechen zu wollen, senken wird, insbesondere dann, wenn die Tageszeitung eine abonnierte Tageszeitung ist. Dass dennoch 20% der Befragten angeben, von Lügenpresse zu sprechen, sei angemessen, ist vor dem Hintergrund der dargestellten Manipulationen erstaunlich und erschreckend zugleich, denn es zeigt, dass es eine große Zahl von Menschen in Deutschland gibt, die bei „Zeitung, Radio und Fernsehen“ nicht an ihre Lieblingszeitung oder ihn Lieblingsprogramm denken und entsprechend nicht von Lügenpresse sprechen wollen. Vielmehr ist es der Begriff der Lügenpresse, der hier Definitionsgewalt hat, was dazu führt, dass nicht an die eigenen Vorlieben im Hinblick auf „Zeitung, Radio und Fernsehen“ gedacht wird, sondern daran, dass man sich von bestimmten (öffentlich-rechtlichen) Sendern betrogen und belogen fühlt. Wenn unangenehme Empfindungen im Bezug auf ein Einstellungsobjekt (Medien) Dominanz über angenehme Empfindungen ausüben, dann sollte in den Redaktionsräumen die offene Panik ausbrechen.

Schließlich und mit Blick auf die derzeitige Kampagne gegen soziale Netzwerke sind noch zwei Anmerkungen notwendig: Wenn nur 8% der Befragten soziale Netzwerke für glaubwürdig halten, wie die Befragung angeblich erbracht haben soll, dann stellt sich die Frage, ob es diese 8% rechtfertigen, mit derartigem Trara auf soziale Netzwerke einzuschlagen, wie dies derzeit der Fall ist – oder trauen die Verantwortlichen ihren eigenen Studien nicht, vielleicht weil sie wissen, wie sie zustande gekommen sind?

Schließlich sollten sich die Verantwortlichen das mit den FakeNews und Hasskommentaren in sozialen Netzwerken noch einmal überlegen: 31% der Linke-Anhänger in der Infratest Dimap Umfrage nutzen Facebook und Twitter als regelmäßige Nachrichtenquelle. Damit liegen die LINKE-Anhänger weit vor allen anderen Parteianhängern. Das legt den Schluss nahe, dass Hasskommentare, so sie denn ein Problem in sozialen Netzwerken sind, in erster Linie ein Problem der LINKE sind.

Umfrage: LINKE ist Sammelbecken der Verlierer

Frage: Man spricht häufiger von Gewinnern und Verlierern der gesellschaftlichen Entwicklung. Was würden Sie von sich selbst sagen: Fühlen Sie sich eher auf der Gewinner- oder der Verliererseite?

Infratest Dimap hat diese Frage gestellt. 1.031 Deutsche im Alter von mindestens 18 Jahren haben die Frage vom 23. bis zum 25. November beantwortet. 61% der Befragten fühlen sich auf der Gewinnerseite, 21% sehen sich auf der Seite der Verlierer des gesellschaftlichen Wandels und 18% wissen nicht, wohin sie gehören.

Verlierer, Globalisierungsverlierer, Modernisierungsverlierer, Menschen, denen eine Angst vor dem gesellschaftlichen Wandel unterstellt wird, sind ein beliebtes Motiv in der Sozialwissenschaft. Kaum einer, der sich berufen fühlt, seinen wissenschaftlichen Senf zum gesellschaftlichen Wandel zu geben, greift nicht auf das Motiv des Verlierers zurück.

Zum Beispiel in der „Gespaltene Mitte“ Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung, einem großangelegten Versuch, Menschen, die mit der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung Probleme haben, zu diskreditieren:

“Ein anderer Teil reagiert hingegen mit Hass und Wut. Auch hier mögen diffuse Ängste die Wut begleiten, wobei es sich offenbar eher um eine Angst vor Statusverlust in einer Gesellschaft handelt, in der etliche der alteingesessenen Mehrheitsbevölkerung Vormacht und Dominanz erwarten beziehungsweise einfordern.“

Gesellschaftlicher Wandel wird in Studien, wie der „Gespaltene Mitte“ Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung oder der „Enthemmte Mitte“ Studie der Hans-Böckler- und der Rosa-Luxemburg Stiftung immer und ausschließlich als ein Problem dargestellt, an dem Rechte zu knabbern haben: Sie sind die Verlierer des gesellschaftlichen Wandels, sie sind die Modernisierungs-, die Globalisierungsverlierer, sie bleiben auf der Strecke und wenden sich deshalb den Angeboten des Rechtsextremismus zu.

Heitmeyer rechtsextreme JugendlicheDiese Erklärungsschiene wird spätestens seit 1988 mehrspurig befahren, denn im Jahr 1988 hat Wilhelm Heitmeyer sein Buch mit dem Titel „Rechtsextremistische Orientierungen bei Jugendlichen: empirische Ergebnisse und Erklärungsmuster einer Untersuchung zur politischen Sozialisation“ veröffentlich.

Seither ist der Zusammenhang zwischen Verlierern und Rechtsextremismus, oder Rechtspopulismus (Spier 2010) fest gebucht. Die „Modernisierungsverlierer, die sich im unteren Drittel unserer Zwei-Drittel-Gesellschaft bewegen“ (Pilz 1994: 27) sind es vor allem, die „autoritär-nationalistische Orientierungen zeigen“ (Pilz 1994: 27).

Wann immer eine Bewegung oder eine Partei auftaucht, die der rechten Seite des politischen Spektrums zugeordnet werden kann, ist die Verlierererklärung schon da. Noch bevor es ein Datum oder eine Untersuchung zu der neuen Bewegung oder Partei gibt, ist klar: Das sind Verlierer, Menschen, die zurückgeblieben sind, die mit dem gesellschaftlichen Wandel und der Veränderung in modernen Gesellschaften nicht klar kommen und deshalb mit Angst vor Statusverlust oder mit Angst vor allem Neuen und Fremden reagieren und rechte Parteien wählen oder sich rechten Parteien oder Bewegungen anschließen.

Die Verlierererklärung ist ein fester Bestandteil der politischen Kultur Deutschlands, und sie scheint die einzige Möglichkeit zu sein, mit der sich die politische Klasse Wandel begreiflich machen kann, Wandel der Wähler von ihnen weg und anderen Parteien zuführt. Die Verlierererklärung hat auch etwas, mit dem man sein eigenes Ego als Mainstream-Angehöriger pflegen kann, kann man doch auf diejenigen, die einen gesellschaftlichen Wandel befördern, mit dem wiederum die Mainstream-Angehörigen nicht klarkommen, heruntersehen, sie als Zurückgebliebene, als Verlierer, als Menschen verleumden, die mit dem gesellschaftlichen Wandel nicht klarkommen, die von gestern sind, traditionell und dumm.

Die ganze schöne neue Welt, die Fortschritt, moderne Einstellung und Werthaltung, Erfolg auf der linken Seite der Gewinner und Zurückbleiben, Verlust, altmodische Einstellung und Werthaltung auf der rechten Seite der Verlierer verortet, sie hat einen Makel: Sie ist schlicht und ergreifend falsch.

infratest-verlierer

Verlierer finden sich auch auf der rechten Seiten des politischen Spektrums, aber sie finden sich häufiger auf der linken Seite, bei der LINKEN, die ein Sammelbecken derer ist, die mit der modernen Gesellschaft, mit ihren Veränderungen und ihrem Wandel nicht klarkommen, die sich selbst als Verlierer der gesellschaftlichen Entwicklung bezeichnen.

Dieses Ergebnis – man kann es kaum glauben – hat Infratest Dimap produziert. Ob die Meinungsforscher wissen, auf welcher Art von Sprengstoff sie da sitzen? Sprengstoff nämlich, der die ganze schöne heile Welt der Linken, der angeblich Fortschrittlichen, die angeblich für die Armen kämpfen und deren Los verbessern wollen, zum Einsturz bringt, denn die LINKE, sie entpuppt sich als Partei der Verlierer, der Übriggebliebenen, Ewiggestrigen, die sich nicht an den gesellschaftlichen Wandel anpassen können, die auf der Strecke bleiben und entsprechend wohl autoritär-nationale, national-sozialistische Einstellungen entwickeln … Wenn also demnächst wieder linke Berufsdemonstranten gegen den G20-Gipfel auf die Straße gehen und vorgeben, sie würden für soziale Schwache kämpfen, dann stimmt das tatsächlich: Sie kämpfen für sich, denn sie sind die sozial Schwachen. Sie kämpfen für Anschluss an die Gesellschaft, die sich so schnell von ihnen weg entwickelt, denn sie sind die eigentlichen Verlierer, die eigentlichen Modernisierungsverlierer.

Literatur:

Pilz, Günter A. (1994). Jugend, Gewalt und Rechtsextremismus. Möglichkeiten und Notwendigkeiten politischen, polizeilichen, (sozial-)pädagogischen und individuellen Handelns.  Münster: LIT.

Spier, Tim (2010). Modernisierungesverlierer? Die Wählerschaft rechtspopulistischer Parteien in Westeuropa. Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften.

Test: Wie leicht lassen Sie sich vom BMFSFJ manipulieren?

Soziale Netzwerke liegen Politikern und Ministerien ja bekanntlich besonders am Herzen (oder im Magen). In sozialen Netzwerken, so hört man, gibt es Hate Speech, es werden Lügen verbreitet, Gerüchte hochgekocht, es wird manipuliert und getäuscht, dass sich die Balgen bieten. So jedenfalls die Folklore, die Politiker verbreiten. Und weil sie die ersten zu sein scheinen, die an ihre eigene Folklore glauben, deshalb treten manche von ihnen, allen voran das Propaganda-Ministerium, das angeblich auch etwas für Familie, Senioren und Jugendliche tut, in sozialen Netzwerken an, um deren Nutzer zu täuschen und zu indoktrinieren.

Testen Sie sich: Wie schnell gehen Sie dem BMFSFJ auf den Leim? Wie leicht sind Sie zu indoktrinieren und zu manipulieren?

Derzeit verbreitet man aus den Hallen des Ministeriums die folgende Meldung:

 

Nun, was haben Sie gedacht, was die Meldung aussagt? Dass 89% der Deutschen der Ansicht sind, dass Frauen schlechter bezahlt werden als Männer? Wenn ja, dann hat die Indoktrination bei Ihnen geklappt, und die Manipulation gleich mit, denn die Abbildung basiert auf der folgenden Frage, die Infratest Dimap im Rahmen einer Befragung gestellt hat, die bislang noch nicht veröffentlicht wurde, vermutlich damit niemand derjenigen, die den Suggestiv- bzw. Falschmeldungen des Ministeriums auf den Leim gegangen sind, merken, dass sie dem Ministerium auf den Leim gegangen sind.

Die Frage, auf der die Meldung oben basiert, lautet:

“Bekommen in Deutschland Frauen und Männer alles in allem den gleichen Lohn für die gleiche Arbeit?“

framingScheinbar teilt man bei Infratest dimap nicht den Hang des Ministeriums, Bürger zu manipulieren und hat eine Frage gestellt, die aus methodischen Gesichtspunkten unsinnig ist und die entsprechend nur nutzbar ist, wenn man eine Ideologie an die Frage heranträgt. Denn: Als Forscher, der diese Frage vor sich hat, weiß man nicht, was die Antworten auf diese Frage aussagen: Bedeutet eine Zustimmung zu dieser Aussage, dass der Zustimmende der Ansicht ist, Männer werden nicht entsprechend ihren Leistungen bezahlt, was angesichts der Bevorzugung von Frauen im Rahmen des Staatsfeminismus eine Möglichkeit ist? Oder bedeutet die Zustimmung zu dieser Aussage, dass Befragte der vergangenen Indoktrination des BMFSFJ so auf den Leim gegangen sind, dass sie denken, Frauen würden für die gleiche Arbeit mit einem geringeren Lohn entlohnt?

Wir werden es nicht erfahren, denn die Befragten können nicht nachträglich befragt werden, was sie eigentlich gemeint haben, als sie die Frage beantwortet haben. Entsprechend können 88% der 89% der Meinung sein, Männer erhalten für die gleiche Arbeit nicht den gleichen Lohn wie Frauen. Es kann auch sein, dass 45,67% denken, Frauen würden bei gleicher Arbeit mit weniger Lohn nach Hause geschickt.

Die Frage ist absoluter Junk. Sie ist nicht verwendbar. Es sei denn, man ist gar nicht an der Frage und dem Ergebnis der Befragung interessiert, sondern lediglich daran, Material zu haben, um die eigene Ideologie zu verbreiten und andere zu manipulieren. Da das BMFSFJ munter verbreitet, kann man davon ausgehen, dass dort Letzteres der Fall ist und die Bezeichnung „Propagandaministerium“ eine sehr passende Bezeichnung ist.


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Das Kleingedruckte bei Wahlumfragen: Nur die SPD über 20% oder doch nicht?

Die ARD wartet mit der neuesten Wahlumfrage für die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus auf. Titel: „Nur die SPD kommt über 20 Prozent“. Die Zahlen, die im Verlauf des Beitrags präsentiert werden, scheinen die Schlagzeile zu bestätigen:

  • SPD: 21%
    CDU: 19%
    Grüne: 16%
    Linke: 15%
    AfD: 15%

Das Kleingedruckte, das neuerdings bei öffentlich-rechtlichen Beiträgen, die Wahlumfragen zum Gegenstand haben, mit gedruckt wird, weckt jedoch Zweifel an der Schlagzeile und nicht nur an der Schlagzeile. Im Kleingedruckten steht:

stupendous yappi1„Fallzahl: 1002 Befragte
Erhebungszeitraum: 06. bis 07. September 2016
Fehlertoleranz: 1,4* bis 3,1** Prozentpunkte
Durchführendes Institut: Infratest dimap

* bei einem Anteilswert von 5 Prozent ** bei einem Anteilswert von 50 Prozent
*** Die Ergebnisse sind auf ganze Prozentwerte gerundet, um falsche Erwartungen an die Präzision zu vermeiden. Denn für alle repräsentativen Befragungen müssen Schwankungsbreiten berücksichtigt werden. Diese betragen im Falle eine Erhebung mit 1000 Befragten bei großen Parteien rund 3 Prozentpunkte, bei kleineren Parteien etwa 1 Punkt. Hinzu kommt, dass der Rundungsfehler für kleine Parteien erheblich ist. Aus diesen Gründen wird deshalb keine Partei unter 3 Prozent in der Sonntagsfrage ausgewiesen.“

Wie gewöhnlich fehlt die Angabe der „validen Antworten“, also des Anteils der 1002 Befragten, die auch tatsächlich eine Wahlabsicht für eine Partei angegeben haben. In der Regel geben 2/3 der Befragten, wenn sie nach der Partei, die sie wählen würden, wenn am nächsten Sonntag die Wahl zum in diesem Fall Berliner Abgeordnetenhaus anstünde, eine Partei an, 1/3 geben keine Partei an. Die tatsächliche Grundlage der dargestellten Parteienanteile ist entsprechend viel kleiner als suggeriert wird.

Aber das ist nur einer der Taschenspielertricks, die von Umfrageinstituten benutzt werden, um aus wenig viel mehr zu machen.

Die anderen Tricks finden sich im Kleingedruckten.

Nehmen wir zunächst den Hinweis auf die Rundung. Er besagt, dass die 21% der SPD gerundete Prozent sind. Es können entsprechend 21,49% oder 20,50% von rund 700 Befragten sein (zwischen 143 und 147 Befragte), die eine Wahl der SPD angegeben haben. Für die anderen Parteien gilt dasselbe, was für die FDP bedeutet: Ihre Rundung ist ein Politikum, denn aus 4,5% werden eben einmal 5% gerundet (vielleicht werden auch aus 5,49% 5%, aber das ist nicht so wahrscheinlich).

Bleibt festzuhalten, wir haben es hier mit einem Wertebereich zu tun, den wir nicht genau kennen. Denn: Es wurde gerundet, ob ab- oder aufgerundet wurde, weiß außer dem Runder niemand.

Hinzu kommen die „Schwankungsbreiten“, die einmal für große Parteien 3% betragen, einmal 3,1% als Fehlertoleranz. Entsprechend schafft es die SPD nicht auf 21%, sondern auf einen Wert, der irgendwo zwischen 17,9% und 24,1% liegt. Dass die Mitte der Schwankungsbreite angegeben wird, ist eine Konvention, die man ebenso gut einhalten kann, wie man sie lassen kann. Letztlich ist die Wahrscheinlichkeit, dass die SPD bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus bei 17,9% endet, ebenso hoch, wie die Wahrscheinlichkeit, dass sie 21% oder 24,1% der abgegebenen Stimmen erhält. Aber diese statistischen Zusammenhänge sind Gift für Journalisten, die gerne eindeutige politische Aussagen machen wollen, z.B.: „Nur die SPD kommt über 20 Prozent“.

Diese Aussage ist mit ebenso hoher Wahrscheinlichkeit richtig wie sie falsch ist. Sie ist schlicht wertlos, wie ein Blick auf die Wertebereiche zeigt:

  • SPD: 17,9% bis 24,1%
    CDU: 15,9% bis 22,1%
    Grüne: 12,9% bis 19,1%
    Linke: 11,9% bis 18,1%
    AfD: 11,9% bis 18,1%

Theoretisch ist es möglich, dass alle fünf genannten Parteien bei 18% der Wählerstimmen enden. Das ist die Folge der „Schwankungsbreite“, von der im Kleingedruckten die Rede ist. Entsprechend ist die Wahlumfrage der ARD nur insofern nützlich, als sie es erlaubt, die Präferenzen derer zu beschreiben, die die Schwankungsbreite in ein politisches Statement umsetzen wollen, mit dem man vielleicht Wähler beeinflussen kann: „Nur die SPD kommt über 20%“ lautet das Statement, das die ARD gerne verbreiten will. Ob es sich dabei um versuchte Wahlhilfe für die Genossen in Berlin handelt, ist eine Frage, die sich jeder selbst beantworten kann.


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ARD-Deutschlandtrend: Freies Lügen für mehr Bürgerüberwachung

Es vergeht kein Tag mehr, an dem wir nicht einen Beitrag darüber schreiben könnten, wie Medien, Parteien, Funktionäre und Unternehmen versuchen mit Hilfe angeblicher repräsentativer Umfragen Meinung zu machen, zu beeinflussen oder schlicht Geheimdiensten dienlich zu sein.

Das neueste Beispiel kommt von der ARD und liest sich wie folgt:

„Eine breite Mehrheit der Deutschen wünscht sich nach den Anschlägen von Brüssel langfristig verschärfte Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen und in Bahnhöfen. Auch, wenn damit höhere Kosten und Zeitverzögerungen einhergehen.“

Die breite Mehrheit der Deutschen umfasst 500 Befragte, die das Pech hatten von Infratest dimap angerufen zu werden. Die 500 Befragten sind mit Sicherheit eines nicht: eine für die deutsche Bevölkerung repräsentative Stichprobe, und sie können somit nicht als „Mehrheit der Deutschen“ herhalten.

Offensichtlich wünscht sich der Redakteur der ARD, der für den unsäglichen Beitrag verantwortlich ist, eine Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen, also eine Einschränkung bürgerlicher Freiheit. Warum er sich das wünschen sollte? Vielleicht wird sein Gehalt zum Teil vom Geheimdienst finanziert, vielleicht erhält er ein Zubrot von Wachunternehmen, vielleicht ist er einfach nur ein Angsthase, der die phantasierte geringe Wahrscheinlichkeit, bei einem Terroranschlag zu Tode zu kommen zum Anlass nimmt, seine Angst anderen in die Schuhe zu schieben, vielleicht ist er ein Sicherheitsfetischist, dessen Haustür mit zehn Schlössern und acht Ketten gesichert ist (obwohl die meisten Einbrecher durch Fenster einsteigen). Wer weiß es. Artikel, wie der zum Deutschlandtrend in der ARD sind eines der Mysterien, mit denen sich die Sozialforschung seit Jahrzehnten herumschlägt.

Was haben Denunzianten davon, andere zu denunzieren? Was hatten Deutsche im Dritten Reich davon andere Deutsche bei der Gestapo anzuschwärzen? Was haben Deutsche davon, andere Deutsche auf Facebook zu stalken oder ihre Likes zu sammeln und dann, wenn sie eines finden, das z.B. bei der NPD verteilt wurde, die entsprechenden Personen bei deren Arbeitgeber anzuschwärzen?

Die normalen Antworten: einen Vorteil, einen finanziellen oder sonstigen Nutzen, sie scheinen da zu versagen, wo der Nutzen ein psychologischer ist, ein psychologischer Gewinn durch Schadenfreude, Niedertracht oder Gemeinheit.

ARD Sicherheit nach Bruessel

Keine Spur von Bahnhöfen, Flughäfen oder Wartezeiten!

Wie dem auch sei, was den Redakteur bei der ARD dazu getrieben hat, 500 Befragte eben einmal zu benutzen, um der Mehrheit der Deutschen zu unterstellen, sie sei für „verschärfte Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen und Bahnhöfen“, wir werden es wohl nie erfahren. Deshalb ist es umso wichtiger, darauf hinzuweisen, dass die angebliche Mehrheit der Deutschen aus maximal 385 Befragten besteht und dass diese 385 Befragten nicht erkennbar gefragt wurden, ob sie verschärfte Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen und Bahnhöfen befürworten, sondern offensichtlich nur, ob sie generell wollen, dass die Sicherheitsmaßnahmen in Deutschland nach den Anschlägen in Brüssel verstärkt werden. Alles, was darüber hinaus geht, ist dann wohl der Phantasie des Redakteurs der ARD entsprungen.

Offensichtlich werden die Nachrichten bei der ARD phantasiert.

Wir haben vor zwei Tagen vorhergesagt, dass es nicht lange dauern wird, bis Terrorismus-Profiteure auf den Plan treten und Sicherheitsmaßnahmen, natürlich zum Schutz der Bürger, nicht zur Überwachung, verschärfen wollen. Die ARD, staatsdienlich wie eh und je, hat schnell reagiert und Infratest dimap in die Spur gesetzt, damit auch die Gunst der Stunde genutzt werden kann, die darin besteht, dass der Eindruck von den Anschlägen noch frisch ist und die Zahl derer noch groß, die amorphe Verschärfungen von Sicherheitsmaßnahmen befürworten, in der Hoffnung, sie könnten ein Risiko, das sowieso schon geringer ist, als das Risiko, in der eigenen Badewanne zu ertrinken, gegen die selbe Unsicherheit eintauschen, die sie vor der Verschärfung von Sicherheitsmaßnahmen hatten. Denn die Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen dient nicht dazu, das Risiko, Opfer eines Terroranschlages für Individuen zu reduzieren. Dieses Risiko ist bereits so gering, dass man es mit menschlichen Eingriffen nicht mehr reduzieren kann. Die Verschärfung von Sicherheitsmaßnahmen dient der Sicherheitsbranche, den Geheimdiensten und all denen, die mit der Überwachung der Bürger beschäftigt sind und das ist es dann, worum es wirklich geht: Die Überwachung der Bürger.

Offensichtlich ist man bei der ARD der Meinung, man müsse mit falschen Behauptungen und Lügen, die auf 385 Befragte zurückgreifen, dazu beitragen, dass die Überwachung der Bürger intensiviert wird.

Es wird Zeit öffentlich-rechtliche Anstalten, deren Bildungsauftrag zu einem Manipulationsauftrag verkommen zu sein scheint, aufzulösen.

 

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NDR ist glaubwürdiger Unsinns-Lieferant

Wann war die Weihnachtsfeier beim NDR?

Sind die noch oder schon wieder betrunken oder wie soll man den folgenden Textversuch verstehen?

NDR glaubwuerdigkeitDie Menschen im Norden halten den NDR für glaubwürdig. Einer entsprechenden Aussage stimmen 86 Prozent der Norddeutschen bei einer repräsentativen Umfrage des Instituts TNS Infratest zu. Die Frage nach Glaubwürdigkeit wurde in diesem Jahr erstmals gestellt, anders als die Frage zum Vertrauen. Die Antworten in dieser Kategorie ergaben ebenfalls einen hohen Wert: 82 Prozent der Befragten sagen, dass sie dem Norddeutschen Rundfunk „voll und ganz“ bzw. „eher“ vertrauen. Damit liegt der NDR in einer Reihe unterschiedlicher Institutionen und Organisationen nach der Polizei in Norddeutschland an zweiter Stelle.

Was hier steht:

„Die Menschen im Norden halten den NDR für glaubwürdig“. Einer entsprechenden Aussage, dass die „Menschen im Norden den NDR für glaubwürdig halten, „stimmen 86% der Norddeutschen … zu“. Anders formuliert: 86% der Norddeutschen glauben, dass die Menschen im Norden, also Dänen, Schweden, Norweger oder Finnen, den NDR für glaubwürdig halten. Aber warum sollte man Dänen, Schweden, Norweger oder Finnen fragen, ob sie den NDR für glaubwürdig halten?

Wir werden es vorerst nicht erfahren, denn:

„Über die vollständigen Umfrageresultate des so genannten NDR Trends wird im neuen Jahr der NDR Rundfunkrat informiert werden. Dann wird sie der NDR auch auf seinen Online-Seiten veröffentlichen.“

Erst die Zensur durch den Rundfunkrat, dann die Veröffentlichung dessen, was übrig geblieben ist!

Dafür wissen wir, dass in der Kategorie „Vertrauen“ ebenfalls ein hoher Wert erreicht wurde:

„82 Prozent der Befragten sagen, dass sie dem Norddeutschen Rundfunk „voll und ganz“ bzw. „eher“ vertrauen. Damit liegt der NDR in einer Reihe unterschiedlicher Institutionen und Organisationen nach der Polizei in Norddeutschland an zweiter Stelle.“

Bei Einbruch also erst die Polizei und dann den NDR rufen!

scully facepalmWas bedeutet es eigentlich, wenn man dem NDR „eher“ vertraut, eher als nicht oder eher als der Polizei oder eher dem NDR als dem WDR? [Es ist übrigens ein alter Trick der Umfrageforschung, Befragten Abstufungen wie „stimme voll und ganz zu“ und „stimme eher zu“ vorzugeben und nachträglich zusammenzufassen in: Zustimmung, ohne Unterscheidung in „voll und ganz“ bzw. „eher“.]

Wie dem auch sei und was auch immer gemessen wurde, es ist ein Grund, sich zu freuen:

„Die Norddeutschen haben ein differenziertes Bild von der Glaubwürdigkeit der Medien. 86 Prozent Zustimmung für den NDR in dieser Kategorie sind ein Spitzenwert. Darüber freue ich mich sehr.

Das sagt der Intendant des NDR, Lutz Marmor [Marmor, Stein und Eisen bricht, aber der NDR nicht … – das musste einfach sein]. Und wer sind nun wieder die Norddeutschen? Sind das die Befragten, die repräsentativ ausgewählten Befragten?

„Für die Trenduntersuchung, die der NDR seit zehn Jahren durchführen lässt, hat TNS Infratest von September bis November 2015 mehr als 3000 repräsentativ ausgewählte Erwachsene (ab 14 Jahren) aus den vier NDR Staatsvertragsländern telefonisch interviewt.“

3000 repräsentativ ausgewählte Erwachsene ab 14 Jahre!

14jährige Erwachsene!
Wo beginnt beim NDR die Kindheit, wo die Jugend, wo die Strafmündigkeit und wo die Senilität?
Und wann war die Weihnachtsfeier beim NDR?

P.S. Allein die Art und Weise, wie man sich hier davor drückt, den Fragetext wiederzugeben, reicht schon aus um zu wissen, hier ist etwas nicht in Ordnung. Wenn man dann noch ergänzt, dass erst der Rundfunkrat sehen muss, was man Bürgern bislang vorenthält, obwohl man sich die vorab-Jubelmeldung nicht verkneifen konnte, dann muss man kein Prophet sein, um vorhersehen zu können, dass mit dieser Befragung etwas nicht stimmen kann.

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ARD-Deutschlandtrend: Lügenpresse trifft Auftrags-Meinungsforschung

Bislang waren wir der Ansicht, Infratest dimap sei eines der wenigen seriöseren Meinungsforschungsinstitute. In Anbetracht neuer Fakten müssen wir unsere Meinung revidieren.

Es beginnt mit einem Beitrag von Fritz Goergen bei Roland Tichy. Goergen setzt sich darin mit dem ARD-Deutschlandtrend und der Berechnung von Wählerströmen zur AfD auseinander und befindet: „Qualität ist etwas anderes“.

Im monatlichen ARD-Deutschlandtrend hat Infratest dimap dieses Mal etwas Besonderes zusammengerechnet: Wählerströme von anderen Parteien zur AfD:

infratest-dimap-01„Anhand der Daten zur Sonntagsfrage von Infratest dimap seit September 2015 kann man errechnen, woher die Unterstützer für die AfD kommen: Die Umfragewerte werden mit dem Wahlergebnis der Bundestagswahl von 2013 verglichen. So lässt sich ein grobes, aber doch aussagekräftiges Bild der (fiktiven) Wählerwanderung zeichnen: Die Zuwächse der AfD würden zu einem großen Teil gespeist aus dem konservativen Lager: Nach unserer aktuellen Sonntagsfrage würden rund 950.000 Stimmen von bisherigen Unionswählern kommen.“

Wie ist das möglich, fragt Fritz Goergen in seinem Beitrag und meint die Berechnung von Wählerströmen. Er vermisse die „Aufklärung, dass diesen Wählerströmen Annahmen – also Thesen – zugrunde liegen“, schreibt er weiter und bemängelt schließlich, dass die Öffentlichkeit über „diese Annahmen weder als Methode noch ihre konkreten Inhalte informiert“ werde.

Nun, Fritz Goergen kann geholfen werden, durch einen Einblick in die Hexenküche der Meinungsforschung und die Art und Weise, in der Wählerströme wie der dargestellte zusammengeschustert werden, um Deutschen eine sehr grobe Wirklichkeit vorzugaukeln, die es in dieser Weise nicht gibt und die eben nicht aussagekräftig ist.

Hier folgt, wie es geht.

Zunächst gibt es keine Annahmen.

Wir wissen nicht, wie Goergen auf die Idee kommt, der Berechnung von Wählerströmen lägen theoretische Annahmen zugrunde, etwa darüber, dass Arbeiter eher die SPD wählen, eine Annahme, die man auf Grundlage der Cleavage-Theorie, die Seymour Martin Lipset und Stein Rokkan formuliert haben, machen könnte, wenngleich die Annahme einige Jahrzehnte auf dem Buckel hat und Arbeiter nie ausschließlich, nicht einmal mehrheitlich die SPD gewählt haben. Aber sei’s drum, that’s academic, wie man in Britannien sagt, denn die Meinungsforschungsinstitute haben keine entsprechenden theoretischen Annahmen (was nicht heißt, dass sie kein unausgesprochenen Prämissen haben).

Zum Hexenlatein reicht ein Taschenrechner.

Afd WaehlerstroemeBeginnen wir mit dem Ergebnis:
950.000 ehemalige CDU-Wähler wechseln zur AfD.
Je 250.000 ehemalige SPD bzw. Linke Wähler wechseln zur AfD.

Wo kommen diese 1,45 Millionen Wähler her?

Aus dem Taschenrechner, denn Infratest dimap hat natürlich keine 1,45 Millionen Wähler befragt. Angeblich basieren die Ergebnisse, die oben dargestellt sind, auf den ARD-Deutschlandtrends der Monate September, Oktober, November, Dezember.

In den vier Monaten hat Infratest dimap nach eigenen Angaben die folgende Anzahl von Befragten zusammengetragen:

  • September: 1.501 Befragte;
  • Oktober: 1.501 Befragte;
  • November: 1.503 Befragte;
  • Dezember: 1.503 Befragte;

Ergibt 6.008 Befragte und somit etwas weniger als 1,45 Millionen Wähler.

Wie geht die phantastische Vermehrung der Befragten in Wähler von Statten? Das haben weder die ARD, die die Ergebnisse der Berechnung der Wählerströme als Selbstverständlichkeit verkaufen will, noch hat es Infratest dimap verraten, wie Fritz Goergen bemängelt.

Irgendetwas wurde mit den Ergebnissen der letzten Bundestagswahl verglichen und irgendetwas wurde offensichtlich berechnet.

Und den größten Teil dessen, was hier berechnet wurde, kann man rekonstruieren.

Überträgt man die Wählerströme zur AfD für den Dezember in Prozentwerte, dann zeigt sich, dass 65,5% der neuen AfD-Wähler von der CDU kommen, während jeweils 17,25% von SPD und Linke kommen.

Wer sind diese neuen AfD Wähler? Um diese Frage zu beantworten, muss man sich daran erinnern, dass die Hochrechnung von Infratest dimap auf den Ergebnissen der Sonntagsfrage seit September basiert. Vergleicht man den ARD-Deutschlandtrend für September mit dem für den Dezember, dann sagen im Dezember 90 Befragte mehr, sie würden AfD wählen, wenn am nächsten Sonntag Wahl wäre, als im September, 60 mehr als im Oktober und 30 mehr als im November.

Diese 90 Wähler entsprechen somit den hochgerechneten 1,45 Millionen, die von CDU/CSU, SPD und Linke zur AfD gewechselt sind. Jeder entsprechende Befragte von Infratest dimap steht somit für 16.111 Wählerstimmen.

Das ist Humbug. Aber es kommt noch besser:

Die 90 Wähler, die neu bei der AfD angekommen sind, stammen zu 65,5% von der CDU, was 58 Befragten entspricht und zu je 17,25% von SPD und Linke, was je 16 Befragten entspricht. Aus 58 Personen, die Infratest dimap befragt hat, werden eben einmal 950.000 Wähler, d.h., jeder der 58 Befragten, die von der CDU zur AfD gewechsel sind, steht für 16.379 Wähler. Aus 16 Personen, die Infratest dimap befragt hat, werden eben einmal 250.000 Wähler, d.h. jeder der 16 Befragten steht für 15.625 AfD Wähler.

Wie geht das? Durch einfache Multiplikation: Die CDU/CSU hat gut 5% Befragte zwischen den vier Deutschlandtrends verloren, die eine Wahlabsicht zur ihren Gunsten formuliert haben. Bei der Bundestagswahl 2013 haben 19.777.721 Wähler für die Unionsparteien gestimmt. Gut 5% weniger sind 988.886 Wähler, die Differenz zu den 950.000 Wählern ist den gerundeten Werten, die im Deutschlandtrend ausgewiesen werden, geschuldet.

Prof FacepalmWer auf die absurde Idee gekommen ist, Wählerströme zu berechnen, die letztlich auf den Aussagen von 90 Befragten basieren und auf 1,45 Millionen Wähler aufgeblasen werden, das sei einmal dahingestellt. Dass der so berechnete Wählerstrom Humbug im Quadrat, wenn nicht absichtliche Irreführung von Zuschauern ist, kann nicht dahingestellt bleiben, denn ehrliche Meinungsforschung ist nicht mit dieser Art von Vorspiegelung nicht vorhandener Tatsachen vereinbar, und kritischer Journalismus, ach kritischer Journalismus, nun, lassen wir das und stellen nur fest, dass kritischer Journalismus ohne Sachkenntnis nicht möglich ist, was zum Teil erklären mag, warum es bei der ARD so wenig davon gibt.

Abschließend müssen wir noch darauf hinweisen, dass die 90 Befragten, die zur AfD gewechselt sind, als Zahl auf der Annahme beruhen, dass alle von Infratest dimap befragten 6.008 Befragten Infratest dimap gegenüber auch eine Angabe zu ihrer Wahlabsicht am nächsten Sonntag gemacht haben. Es ist sicher, dass nicht alle 6.008 Befragten die entsprechende Angabe gemacht haben. Die Ausfallquoten bei Fragen nach der Wahlabsicht liegen in der Regel zwischen 7% und 25%, so dass den 1,45 Millionen fiktiven, weil errechneten Wählern, die zur AfD gewechselt sind, im besten Fall 90, im wahrscheinlichsten Fall 84 und im schlimmsten Fall 68 Befragte gegenüberstehen.

Ob es 68 oder 90 Befragte waren, die Pate gestanden haben, um die Zahl von 1,45 Millionen Wechselwählern zur AfD zu fabulieren, ist irrelevant, denn der ARD-Deutschlandtrend ist in diesem Punkt so oder so Humbug, wenn nicht bewusste Täuschung der Zuschauer: Lügenpresse trifft Auftrags-Meinungsforschung!

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Der Meinungsforschungskrieg um die Lügenpresse

Der Stachel der Lügenpresse, er sitzt tief im Fleisch öffentlich-rechtlicher Anstalten und ihrer Vertreter.

Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht versucht, wird, den Begriff Lügenpresse und die, die ihn verwenden, zu diskreditieren und im Gegenteil zu zeigen, dass die Medien eine Wahrheitspresse sind.

Der neueste Versuch stammt vom Westdeutschen Rundfunk. Dieses Mal wurde nicht Forsa mit einer Meinungsumfrage betraut, sondern Infratest dimap. Die Infratest-Umfrage ist besser gemacht als die Umfrage von Forsa. Nichtsdestotrotz sind die Elemente der Manipulation klar erkennbar.

Verweilen wir zunächst beim Begleitbericht des WDR, in dem Folgendes zu „Lügenpresse“ zu lesen steht:

WDR infratest„So teilen auch 72 Prozent den Vorwurf der „Lügenpresse“ nicht – ein nationalsozialistischer Schmäh- und Kampfbegriff, der vor allem bei den „Pegida“-Protesten verwendet wird. Nur 20 Prozent gaben an, dass sie persönlich von „Lügenpresse“ sprechen würden, wenn sie an Zeitungen, Radio und Fernsehen in Deutschland denken.“

Nun Lügenpresse ist nicht nur ein Schmäh- und Kampfbegriff, den die Nazis verwendet haben. Tatsächlich haben ihn auch die Nazis verwendet.

Verwendet haben ihn außerdem, wie Wikipedia unter Angabe von Quellen zeigt: „Organisationen der Arbeiterbewegung zur Abwertung von als bürgerlich oder kapitalistisch wahrgenommenen Teilen der Presse sowie …[die] Exilpresse als Bezeichnung für die gleichgeschalteten NS-Medien …. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam das Wort zunächst nur mehr sporadisch vor. Die ab August 1945 erscheinende Frankfurter Rundschau verstand sich explizit als Gegenentwurf zu „Hugenbergs Lügenpresse“. In den Medien der DDR wurde das Wort im Kalten Krieg gelegentlich zur Herabsetzung der westdeutschen Presse benutzt. Für die Westdeutsche Studentenbewegung lässt es sich im Rahmen der Anti-Springer-Kampagne nachweisen“.

Kurz: Lügenpresse ist weder eine Erfindung der Nazis noch der Pegida, es ist ein Begriff, der immer dann auftaucht, wenn Teile der Bevölkerung sich aus einer einseitigen Berichterstattung ausgeschlossen fühlen, den Eindruck haben, sie sollen manipuliert werden oder ideologisch unpassende Inhalte ihrerseits abwerten wollen.

Nun zur Umfrage von Infratest dimap, die nach Ansicht eines anonym gebliebenen Schreibers des WDR zeigt, dass der „überwiegende Teil der Bundesbürger“ es völlig „anders sieht als Pegida“. Wobei anders meint: dass der überwiegende Teil der Bevölkerung keine Verachtung gegenüber den Medien hat.

Infratest dimap hat gerade einmal 750 Befragte zusammen bekommen, 750 Deutsche aus der wahlberechtigten Bevölkerung ab 18 Jahre. Ein Anteil von einem Prozent entspricht somit 7-8 Befragten, immer vorausgesetzt, dass alle Befragten auch auf alle Fragen geantwortet haben.

Jeder, der sich schon einmal mit quantitativen Befragungen beschäftigt hat, weiß, dass Befragte nicht zu allen Fragen etwas sagen. Generell kann man drei Gruppen von Befragten unterscheiden:

  1. Schnell hill esserBefragte, die ein Interview zu Ende führen und zu jeder Frage etwas Inhaltliches sagen.
  2. Befragte, die ein Interview zu Ende führen aber nicht zu jeder Frage etwas Inhaltliches sagen.
  3. Befragte, die ein Interview nicht zu Ende führen, es abbrechen, weil sie über eine Frage verärgert sind oder keine Lust oder keine Zeit mehr haben, um das Interview zu Ende zu führen oder die zu keiner Frage eine inhaltliche Angabe machen.

Als Konsequenz gibt es fehlende Werte. Auf Frage 5 haben vielleicht 700 der 750 Befragten eine inhaltliche Antwort gegeben, 50 Befragte haben weiß nicht, keine Ahnung oder nichts gesagt, was sich als Antwort verwerten lässt. Die Anzahl der Befragten, die Frage 5 beantwortet haben, ist demnach um 6,7% geringer als die Anzahl der Befragten in der Gesamtstichprobe. Nur: Das sagt natürlich kein Meinungsforschungsinstitut. Alles, was man von Meinungsforschungsinstituten zu lesen bekommt, ist die Anzahl der insgesamt Befragten. Wie viele davon auf die jeweiligen Fragen geantwortet haben, wie viele als so genannte „missing values“ klassifiziert werden mussten, weil sie keine inhaltliche Antwort gegeben haben, das sind Fragen, auf die Meinungsforschungsinstitute keine Antwort geben.

Das Verheimlichen relevanter Informationen, die notwendig sind, um die Qualität einer Befragung zu beurteilen, ist dann eine Form der Manipulation, wenn es absichtlich erfolgt. Man muss davon ausgehen, dass es absichtlich erfolgt, da die entsprechende Angabe zum grundlegenden Handwerkszeug gehört, das ein empirischer Sozialforscher während seiner Ausbildung an Hochschulen erlernt, und die Meinungsforschungsinstitute, sie beschäftigen doch nach eigenen Angaben wissenschaftlich ausgebildete Mitarbeiter.

Infrastet dimap ist eines der Meinungsforschungsinstitute, die schon etwas länger auf dem Markt sind. Entsprechend sind die Methoden des systematischen Vorgaukelns von Wissenschaftlichkeit feiner entwickelt als sie das zum Beispiel bei Forsa sind. So steht zu Beginn der Befragung unter dem Stichpunkt „Untersuchungsanlage“ Folgendes zu lesen:

„Fehlertoleranz: 750 Befragte: 1,2* bis 3,5** Prozentpunkte; * bei einem Anteilswert von 5% ** bei einem Anteilswert von 50%.“

Was kann damit gemeint sein? Eine Fehlertoleranz ist gemeinhin ein Bereich, in dem z.B. ein Bohrloch von seiner optimalen Tiefe abweichen kann, ohne dass das Bild von der Wand fällt, nachdem es an den Haken, der im Dübel im Bohrloch verankert wurde, gehängt wurde.

Nimmt man an, dass der Anteilswert den Anteil von Befragten meint, dann kann man errechnen, dass Antworten von 5% der Befragten, also von 37 Befragten, immer vorausgesetzt, alle haben geantwortet, mit einem Fehlerwert von 1,2% belastet sind, d.h. die Angaben, für 9 der 37 Befragten können gemessen an einer fiktiven Grundgesamtheit falsch sein. Bei 50% also wenn 375 Befragte geantwortet haben, beträgt die entsprechende Anzahl falscher Antworten: 26. Jetzt kommt der statistische Gag an der Sache, der Fehler kann eine Abweichung in entweder die eine oder die andere Richtungen zur Folge haben! Aus den 9 werden somit 18, aus den 26 52 Befragte, die falsch ausgewiesen sind.

Klingt etwas kryptisch, erschließt sich aber, wenn man weiß, dass die Befragung von Infratest dimap „repräsentativ“ sein soll. Insofern geben die Fehlertoleranzen die Abweichung vom richtigen Ergebnis, wie man es finden würde, befragte man die geamte Bevölkerung, an. Ein mit 4,5% ausgewiesener Wert, hat somit einen Wertebereich von 3,3% bis 5,7%, alles, was in diesem Wertebereich liegt, kann die unter Annahme von Repräsentativität richtige Antwort sein. Stimmen 45% einer Antwortvorgabe zu, dann liegt der repräsentativ richtige Wert in einem Wertebereich von 41,5% bis 48,5%, was eine Abweichung von einmal 2,4% bis 7% (18 bis 52 Befragte) vom ausgewiesenen Wert bedeutet.

In der Befragung sagen 72% auf die Frage, „Im Zusammenhang mit den Protesten der Pegida-Bewegung wird häufiger der Begriff Lügenpresse verwendet. Wenn Sie an Zeitungen, Radio und Fernsehen in Deutschland denken, würden Sie persönlich dann von Lügenpresse sprechen oder nicht?“: „Nein, würde nicht von Lügenpresse sprechen“.

72% der Befragten, die geantwortet haben (wie viele der 750 insgesamt Befragten, das auch gewesen sein mögen), haben also „nein“ gesagt. Diese 72% von bestenfalls 750 Befragten werden nun kurzerhand auf die Bevölkerung übertragen, und es wird behauptet, dass 72% der Bevölkerung „nein“ sagen, was sie natürlich nicht tun, denn 72% der Bevölkerung wurden nie befragt. Würde man korrekt vorgehen, dann müsste auf Grundlage der oben angegebenen Fehlertoleranzen formuliert werden: Würde man die gesamte Bevölkerung befragen, ob sie den Begriff Lügenpresse verwenden würde, wenn sie an Zeitungen, Radio, Fernsehen in Deutschland denken, dann wäre zu erwarten, dass zwischen 68,5% und 75,5% der Bevölkerung sagen würden, dass sie diesen Begriff nicht verwenden.

Das wäre die korrekte Formulierung, wenn man repräsentative Daten hätte. Nun sind, wie wir schon mehrfach dargestellt haben, die Daten von Meinungsforschungsinstituten nicht repräsentativ, sie können es gar nicht sein, denn Repräsentativität beschreibt ein Ideal, keine empirische Realität. Aber natürlich ist die Behauptung von Repräsentativität für Meinungsforschungsinstitute sehr wichtig. Wer würde einen Pfifferling auf Ergebnisse, basierend auf 750 Befragten geben, wenn sie nicht mit der Behauptung der Repräsentativität daher kämen? Die Symbolik „Repräsentativität“ schafft hier nicht nur die Bedeutung des Ergebnisses, sie sorgt auch dafür, dass man Zahlen als vermeintlich repräsentative Zahlen teuer verkaufen und anderen als Beschreibung der Realität auftischen kann.

Soweit zu einigen der technischen Tricks, die mit angeblichen repräsentativen Meinungsumfragen verbunden sind. Nun zu den inhaltlichen Tricks. Wie gesagt, die Befragung von Infratest ist gut gemacht. Der manipulative Teufel, er liegt im Detail, er findet sich in einem Hin und Her der Basis der Fragen.

Hier die Zusammenfassung:

  1. Bewertung der Qualität des Informationsangebot aller deutschen Medien – unspezifizierte Frage;

  2. Entwicklung des Vertrauens in alle deutsche Medien – unspezifizierte Frage;
  3. Einschätzung der Glaubwürdigkeit der Informationen in allen deutschen Medien – unspezifizierte Frage;
  4. Einschätzung der Glaubwürdigkeit einzelner vorgegebener Medien – spezifizierte Frage;
  5. Bewertung genutzter Informationsquellen; – spezifzierte Frage
  6. Bewertung des Vorwurfs der Lügenpresse gegenüber allen deutschen Medien – unspezifizierte Frage;
  7. Bewertung von Lügen in deutschen Medien; spezifizierte Frage;
  8. Einschätzung von Vorgaben der Politik für die Berichterstattung in allen Medien – undspezifizierte Frage

Die Darstellung zeigt ein sehr gekonnt konstruiertes Beispiel dafür, wie man Fragen stellt, ohne die relevanten Fragen zu stellen. Wem ist zum Beispiel aufgefallen, dass die Frage nach der Lügenpresse sich auf alle deutsche Medien bezieht, eine Antwort mit „ja“ somit alle deutschen Medien über einen Kamm schert, während sich der Vorwurf der Lügenpresse auf die öffentlich-rechtlichen Medien und Medien bestimmter ideologischer Färbung bezieht. Dagegen ist die Frage danach, ob man glaubt, dass in deutschen Medien absichtlich die Unwahrheit gesagt wird, nachträglich spezifiziert worden, was mit der Lügenpresse-Frage auch möglich gewesen wäre, aber nicht gemacht wurde. Insgesamt ergibt sich ein Bild der Abfolge von unspezifizierten Fragen und von spezifizierten Fragen, wobei unspezifizierte Fragen die Norm darstellen und spezifierte Fragen nachgeschoben werden.

Warum? Weil man einen Kontexteffekt ausnutzen will. Wenn man ganz allgemein und undifferenziert fragt, ob jemand alle Medien für Lügenpresse hält, hat man allein durch die Frage die Wahrscheinlichkeit einer Zustimmung verringert, denn wer würde schon alle Medien über einen Kamm scheren wollen? Um so erstaunlicher, dass 20% der Befragten tatsächlich sagen, sie würden im Zusammenhang mit allen Medien in Deutschland von Lügenpresse sprechen. Eigentlich ein Hammer und mit Sicherheit kein Grund zur Entwarnung! Hat man durch eine unspezifizierte Vorgängerfrage die Wahrscheinlichkeit bestimmter Antworten reduziert und fragt dann spezifisch nach, dann wird die Wahrscheinlichkeit reduziert, dass diejenigen, die ursprünglich „nein“ gesagt haben, nun bei einer spefizischen Nachfrage „ja“ sagen, sie wird deshalb reduziert, weil Befragte versuchen, konsistent zu antworten.

Der Kontexteffekt lässt sich jedoch gegen seinen Nutzer wenden, nämlich dann, wenn hoch affektiv besetzte Themen dazu führen, dass Befragte keinen besonderen Wert auf die Konsistenz ihrer Antworten legen und sich der Kontexteffekt als Folge davon abschwächt. Im Resultat würde man als Ergebnis dieser Manipulation widersprüchliche Ergebnisse erwarten, und das ist genau, was die Umfrage von Infratest dimap produziert hat:

  • 71% der Befragten halten öffentlich-rechtliches Fernsehen für glaubwürdig. 81% der Befragten halten öffentlich-rechtliches Fernsehen für vertrauenswürdig.
    • ABER: 30% der Befragten glauben, dass sie im öffentlich-rechtlichen Fernsehen belogen werden. Entsprechend können nicht 81% der Befragten das öffentlich-rechtliche Fernsehen als vertrauenswürdig ansehen. Ein glatter Widerspruch, der sich aus dem Hin und Her der spezifischen und unspezifischen Fragen ergibt, der versuchten Manipulation der Befragten.
    • ABER: 42% der Befragten sind der Ansicht, dass Staat und Regierung Vorgaben für die Berichterstattung in Medien machen, und 49% der Befragten sind der Ansicht, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen staatlich gelenkt ist. Abermals ist es ein glatter Widerspruch, wenn dennoch 81% sagen, das öffentlich-rechtliche Fernsehen sei vertrauenswürdig oder 71% der Befragten das öffentlich-rechtliche Fernsehen für glaubwürdig halten. Es ist jedenfalls dann ein Widerspruch, wenn man die Prozentrechung im Wertebereich von 0% und 100% betreibt.

Bei derart krassen Widersprüchen fragt man sich unwillkürlich, was die Infratester da gemessen haben und wie viele Befragte jeweils Antworten auf die entsprechenden Fragen gegeben haben. Unabhängig von den Antworten auf diese Fragen kann man feststellen, dass die Befragung von Infratest dimap alles andere als valide ist. Man kann sie schlicht in den Mülleimer werfen, dorthin, wo sich der Rahmenbeitrag, den ein anonymer Schreiber des WDR geschrieben hat, um abermals ins Hirn der Leser zu nageln, dass Pegida und nur Pegida für den Vorwurf der Lügenpresse verantwortlich ist, bereits befindet.

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Wahl-Nachbetrachtung I: Die Akkuratheit unseres ScienceFiles-Fuzzy-Wahlprognostik-Tool

Das vorläufige amtliche Endergebnis der Bundestagswahl 2013 steht fest. Für Liberale und Freiheitsliebende gibt es keinen Grund zur Freude und noch weniger Grund zum Optimismus – doch dazu in einem gesonderten Post.

Dieser Post ist der Freude über die Validität und Genauigkeit unseres ScienceFiles-Fuzzy-Prognostik-Tools gewidmet: Denn die Akkuratheit unserer Wahlprognose ist etwas, worauf wir stolz sind und worüber wir uns freuen.

Unsere Wahlprognose basiert anders als die Wahlprognosen, die man bei ARD oder ZDF kurz nach 18:00 Uhr gestern bewundern konnte, nicht auf so genannten „Exit-Poll-Befragungen“, bei denen in der Regel 5.000 Wähler in ausgewählten Wahlkreisen befragt wurden, was sie gerade gewählt haben, sondern auf 1274 Stimmen, die die Leser von ScienceFiles bis Mitternacht des Freitags vor der Wahl abgeben konnten. Entsprechend vergleichen wir unsere Wahlprognose mit dem letzten „repräsentativen“ Wahltrend, den Infratest Dimap für die ARD durchgeführt hat. Die folgende Abbildung stellt unsere Wahlprognose dem letzten vermeintlich repräsentativen Wahltrend der ARD gegenüber.

Bundestagswahl-2013-Vorhersageguete

Wie man dem Vergleich entnehmen kann (letzter Balken), ist unsere Prognose akkurater als der letzte vermeintlich repräsentative Trend, den die ARD veröffentlicht hat. Im Wesentlichen hatten wir Probleme, das gute Ergebnis von CDU/CSU vorherzusagen und lagen bei der Linken zu tief, während man beim ARD Wahltrend eine deutliche Linksschiefe erkennen kann, die sich in zu hohen Werten für Linke und SPD niederschlägt und in zu geringen Werten für kleine, neue Parteien.

Wir sind auf unser besseres Abschneiden aus einer Reihe von Gründen stolz:

  • Unsere Wahlprognose basiert im Gegensatz zum ARD Wahltrend auf keinerlei behaupteter Repräsentativität und entsprechend umfangreichen Datenmanipulationen (Gewichtung), sondern auf einem eigens gebauten Entscheidungsmodell, unserem ScienceFiles-Fuzzy-Wahlprognostik-Tool.
  • Unsere Wahlprognose hat im Gegensatz zum ARD Wahltrend nicht hundert Tausende von Euro gekostet, sondern im Wesentlichen nur unsere Zeit.
  • Unsere Wahlprognose ist akkurater obwohl wir nicht über die vielen Vergleichsdaten aus früheren Umfragen verfügen, auf die z.B. Infratest Dimap zurückgreifen kann.

Man könnte demnach das ganze Brimborium der Meinungsforschungsinstitute und vor allem sehr viel Geld einsparen, wenn man das wollte (z.B. bei der gebührenfinanzierten ARD).

Und nicht nur deshalb sind wir stolz auf unsere Wahlprognose und unser ScienceFiles-Fuzzy-Prognose-Tool.