Meinungsforschung wird auch immer mehr zur Fassade, die mit schönen Bildchen und Grafiken bestückt wird, hinter der sich mehr oder weniger unverhohlen Betrug verbirgt.
An Wahlabenden kann man diesen Betrug oft hautnah erleben.
Und einen davon, den mit der Wählerwanderung, den wollen wir heute einmal auseinander nehmen, zeigen, wie der schöne Schein, es wüsste bei ARD/Infratest/Dimap jemand ganz genau, wieviele Wähler von der CSU zur AFD und von den Grünen zur SPD gewandert sind, erschaffen wird. Alle Angaben im weiteren Verlauf beziehen sich somit auf die Landtagswahl in Bayern.
Wie kommt die Statistik der Wählerwanderungen zustande?
Eine der besonders beeindruckenden Statistiken, mit denen sich Meinungsforschungsinstitute bei besonders Naiven ihren Mythos schaffen, einen, der auf Grundrechenarten und Ergebnisanpassung an das amtliche Endergebnis basiert, ist die Statistik der Wählerwanderung.
Auf GERUNDETE TAUSEND genau kann man bei Infratest/Dimap und der ARD angeben, wie viele ehemalige CSU Wähler zur AfD übergelaufen sind, wen diejenigen gewählt haben, die zugezogen sind und wem die Neuwähler ihre Stimme gegeben haben.
Wir haben die unterschiedlichen Wanderungen, die sich in der interaktiven Abbildung verbergen, in eine Tabelle überführt. Die Tabelle gibt die Wanderungen zwischen Parteien und zwischen Zuziehenden, Neuwählern und Nichtwählern, sowie die Verluste von Stimmen durch Wegzug und Tod wieder, die man der interaktiven Grafik, die oben dargestellt ist, entnehmen kann. Die Angaben sind in 1000.
Das sind die Grunddaten, auf die wir uns generell beziehen. Alle Berechnungen basieren auf diesen Grunddaten von Infratest/Dimap. Und mit diesen Daten verbindet sich die Frage: Wie sind sie überhaupt zustande gekommen?
Um diese Frage zu beantworten, muss man zunächst zwischen den Daten, die sich auf Wählerwanderungen zwischen Parteien oder Parteien und Nichtwählern beziehen und den Daten, die die Wahlentscheidung von Zuziehenden und Neuwählern zum Gegenstand haben, sowie Verstorbenen und Weggezogenen, die offenkundig nicht mehr wählen können (sollten) unterscheiden.
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Alle Daten, die sich auf die Wählerwanderungen zwischen Parteien bzw. Parteien und Nichtwählern beziehen, werden im Rahmen von Exit Poll Befragungen erhoben. Manche von Ihnen haben es vielleicht schon erlebt, dass vor Wahllokalen Häscher der Meinungsforschungsforschungsinstitute von ARD oder ZDF stehen und für Außenstehende willkürlich Wähler, die gerade ihre Stimme abgegeben haben, herausgreifen. Das Herausgreifen erfolgt nicht wirklich willkürlich, die Häscher haben in der Regel eine Vorgabe, die sich von Institut zu Institut unterscheidet und eine reine quantitative Bedingung umfassen kann: „jeden 20. Wähler befragen“ oder aus Vorgaben bestehen kann, die sich an soziodemographischen Variablen orientieren wie Alter und Geschlecht. Manche Meinungsforschungsinstitute versuchen durch die Wahl BESTIMMTER Wahllokale bestimmte soziodemographische Merkmale bereits durch die Wahl der Lokalität zu berücksichtigen. Wie auch immer sie vorgehen, am Ende erhält eine bestimmte Anzahl von Wählern am Wahltag einen Fragebogen mit der Bitte, ihn zu beantworten (das geht heute alles mit Notepads).
Der Fragebogen umfasst Fragen zur Wahlentscheidung, z.B. Themen, die für die eigene Wahlentscheidung wichtig waren, es werden demographische Variablen erfasst, Alter, Geschlecht, Bildung. Wer sich fragt, wo die Ergebnisse dazu, welchen „Bildungsabschluss“ die Wähler der CSU aufweisen, herkommen. Dabei handelt es sich ausschließlich um Hochrechnungen auf Basis der Ergebnisse der Exit Poll Befragungen. Hinzu kommt im Fall von Infratest/Dimap noch etwas Hokuspokus, den die ARD wie folgt beschreibt:
„Die Annahmen über Größenordnung und Wahlverhalten der ausgewiesenen Gruppen beruhen auf repräsentativen Wahl- und Bevölkerungsstatistiken, Vorwahlbefragungen, der Exit Poll sowie dem amtlichen Wahlergebnis.“
Das soll den Eindruck erwecken, dass ganz viel Information verarbeitet wurde. Aber das ist nicht der Fall.
Zurück zur Exit Poll Befragung, die u.a. die Frage nach der Wahlbeteiligung bei der letzten Landtagswahl beinhaltet, und wenn daran teilgenommen wurde, die Frage nach der damals gewählten Partei. Des weiteren wird natürlich nach der aktuellen Wahlentscheidung gefragt und aus diesen beiden Variablen werden die Wählerwanderungen hochgerechnet. Wenn ein Wähler angibt, bei der Landtagswahl 2018 die Freien Wähler gewählt zu haben und seine aktuelle Wahl als AfD benennt, dann ist er einer derjenigen, die die Menge der Wähler konstituiert, die von den Freien Wählern zur AfD gewandert sind. Wie viele Befragte die Grundlage der nachfolgenden Hochrechnungen bilden, ist unbekannt. Er werden nicht mehr als 3.000 sein, das dürfte ziemlich sicher sein.
Die auf 1000 genauen Zahlen, die sich in der Tabelle oben finden, sind das Ergebnis, das sich einstellt, wenn man die gerundete Anzahl der Wähler (auf Basis der Wahlbeteiligung) auf die einzelnen Gruppen umlegt, also auf den Anteil der CSU Wähler, die angeben, beim letzten Mal CSU und dieses Mal auch wieder CSU gewählt zu haben, bzw. diejenigen, die von Grünen zu CSU gewechselt sind oder von der SPD zu den Nichtwählern und so weiter. Für jede der oben in der Tabelle vorhandenen Zellen, die sich auf Parteiwanderungen bzw. Nichtwähler beziehen, wird auf Basis der Exit Poll Befragung der Anteil derjenigen berechnet, die das jeweilige Kriterium, z.B. CSU bei der letzten und Freie Wähler bei der aktuellen Landtagswahl, erfüllen und der errechnete Anteil auf Basis des amtlichen Endergebnisses in Anzahl von Wählern umgerechnet und auf 1000 gerundet.
Man kann diese Tabelle rekonstruieren.
Sie sieht dann so aus:
Man muss nun nur noch den Anteil der CSU und anderer Parteien an der aktuellen Wahl bestimmen, dazu genügt es, die jeweilige Stimmenzahl aus dem amtlichen Endergebis zu entnehmen und mit dem Wert oben zu prozentuieren und hat über die angegebenen Prozentwerte das Ergebnis der Wählerwanderung auf 1.000 gerundet schnell bei der Hand.
Indes, das ganze ist ziemlich grob und zudem ein sehr fehleranfälliges Verfahren. So bestand ein Problem, mit dem sich Politikwissenschaftler anlässlich von Bundestagswahlstudien in den 1980er und 1990er Jahren herumgeschlagen haben, darin, dass Nachwahlbefragungen, den Anteil der Gewinner-Partei(en) generell überschätzen, während Vorwahlbefragungen diesen Anteil unterschätzen. Ein Problem, das noch dadurch amplifiziert wird, dass Bundestagswahlstudien als Panel durchgeführt wurden, d.h. die Befragten, die nach der Wahl eine andere Wahlentscheidung als vor der Wahl als Wahlabsicht angegeben haben, waren dieselben Befragten. Kurz: Man muss mit einem erheblichen Fehlerwert rechnen, der dazu führt, dass die Ergebnisse von Wahlumfragen vom tatsächlichen Ergebnis abweichen. Hinzukommt im Fall von Infratest/Dimap dass die Wanderungen mit einem ziemlich groben Klotz berechnet werden, weil die Ergebnisse auf 1.000 gerundet werden. Das an sich beinhaltet einen Fehler, der nicht unbeträchtlich ist.
Wir haben in der folgenden Abbildung die Ergebnisse, die Infratest/Dimap mit seiner groben Methode gewinnt, mit dem amtlichen Endergebnis verglichen und zwei Ergänzungen vorgenommen. „Gerundete Werte“ sind Werte, die wir auf Basis der auf 1000 gerundeten Daten des amtlichen Endergebnisses für die einzelnen Parteien errechnet haben und SUMMEA ist das Endergebnis, das sich ergibt, wenn man nur die Wählerwanderungen zwischen Parteien und zwischen Parteien und Nichtwählern aus der ersten Tabelle oben berücksichtigt.
Das Ergebnis ist erstaunlich:
Wie Sie sehen weicht das Ergebnis, das man aufgrund der Wählerwanderungen, die Infratest-Dimap auf 1.000 gerundet angibt, errechen kann, kaum vom amtlichen Endergebnis ab. Es weicht viel weniger vom amtlichen Endergebnis ab als z.B. UNSERE gerundeten Werte, die wir auf Grundlage des amtlichen Endergebnisses für Bayern auf 1.000 gerundet haben. Das erstaunliche Ergebnis basiert auf der Zeile, die in der ersten Tabelle mit Infratest beschriftet ist. Sie stellt die Summen der jeweiligen Spalten zusammen und wir haben sie einfach auf die Gesamtzahl prozentuiert. Das Ergebnis weicht, wie gesagt, kaum vom amtlichen Endergebnis ab. Indes, das Ergebnis von SUMMEA (also den Daten, die man auf Basis von Exit Poll Befragungen errechnen kann) weicht deutlich vom amtlichen Endergebnis ab, wie die folgende Abbildung noch einmal deutlicher zeigt:
SUMMEA gibt die Anzahl der Stimmen an, die die CSU und die anderen Parteien auf Basis von gewanderten Wählern (Wanderung von CSU zu CSU etc eingeschlossen) erhalten haben. Das Ergebnis auf Basis von SUMMEA ist das Ergebnis, das man mit der Exit Poll Befragung bestenfalls errechnen kann. Er liegt weit daneben, so weit, dass sich die Frage stellt, wie es den Alchemisten von Infratest/Dimap gelungen ist, das Befragungs-Stroh doch noch als Gold auszugeben.
Die Erklärung dafür findet sich in den Kategorien Zuzug und Neuwähler, beides Kategorien, deren Inhalt auf Basis von Daten des Statistischen Landesamts von Bayern und vielleicht auch auf Basis von Vorwahlumfragen [mit dem oben angesprochenen Problem] geschätzt werden müssen. Und weil sie geschätzt werden müssen, wird der Fehler, der sich bereits mit der Exit Poll Befragung verbindet und der sich in einer Abweichung von 10% zum amtlichen Endergebnis niederschlägt, GRÖSSER, denn welche Partei diejenigen, die zwischen 2018 und 2023 nach Bayern zugezogen sind, wählen, ist unbekannt und kann nur über bekannte soziodemographische Zusammenhänge mit einem erheblichen Fehler geschätzt werden. Gleiches gilt für die Neuwähler, für die nicht bekannt ist, welche Partei sie wählen werden und wenn es in Vorwahl-Umfragen erhoben wurde, dann mit einem erheblichen Fehlerterm.
Indes, die Einführung dieser beiden fehlerträchtigen Variablen in die Gesamtrechnung macht das Modell von Infratest/Dimap besser, nicht etwa schlechter. Die 10%, die das SUMMEA-Modell vom amtlichen Endergebnis abweicht, sind Geschichte. 0.58% Abweichung sind nach Einführung zusätzlicher Fehlerquellen in das Modell von den 10% noch übrig. Das riecht nicht nur nach Intrapolation, dass stinkt nach Intrapolation also nach der Zuteilung von Werten für Neuwähler und Zugezogene, so dass die Lücke, die sich nach der Addition der Wählerwanderungen zwischen Parteien und Parteien und Nichtwählern UND DEM AMTLICHEN ENDERGEBNIS ergibt, MINIMIERT wird.
Und genau das machen die Alchemisten bei Infratest/Dimap, und man kann es zudem sehr einfach zeigen. Wenn man mit dem Problem konfrontiert ist, dass zwischen einem erwünschten Endergebnis und einem per Umfrage herbeigefragten Ergebnis eine Lücke klafft, dann kann man diese Lücke durch Zuteilung von Werten, die alle das Vielfache eines bestimmten Prozentsatzes sind, der notwendig ist, um die Lücke proportional zu den Stimmen der Parteien zu schließen, tatsächlich schließen.
Das sieht dann so aus:
Die Werte in der Tabelle kennen Sie bereits. Sie finden sich als Anteil in der zweiten Tabelle und geben an, wie sich die Zugezogenen und die Neuwähler pronzentual bei Infratest/Dimap auf die Parteien und Nichtwähler verteilen. Wie sie sehen, wählen 13.73% der Neuwähler die CSU und ein ebenso großer Anteil wählt die Grünen, 39.22% sind Nichtwähler, 9,8% wählen die AfD usw. Wer genau hinsieht, erkennt, dass alle Werte ein Vielfaches von 1.9608 sind. So wie alle Werte für Zuziehende ein Vielfaches von 4 sind. Die folgende Abbildung stellt das Ergebnis dar, das man erhält, wenn man die Werte für Neuwähler durch 1.9608 und die für Zugezogene durch 4 teilt.
Sie wollen den Anteil der CSU an den Neuwählern bestimmen?
Nichts leichter als das: 7 * 1.9608 = 13,73.
Den der SPD?
3 * 1.9608 = 5.88.
Versuchen Sie es selbst.
Glauben Sie, dass Neuwähler ihre Stimmen auf die Parteien, die anlässlich der Landtagswahl 2023 angetreten sind, immer als ein Vielfaches von 1.9608 vergeben haben und dieselbe Systematik bei Zugezogenen mit dem Vielfachen von 4 besteht? Das ist so wahrscheinlich wie Frostbeulen bei 45 Grad Celsius. Es ist ein eindeutiger Hinweis auf eine massive Manipulation der Daten, so dass sich der Schluss: Vieles, was am Wahlabend in Daten und Zahlen präsentiert wird, ist Humbug und Wählerwanderungensaldi sind der größte Humbug, quasi von ganz alleine aufdrängt.
Warum Institute wie Infratest/Dimap derartigen Mist verbreiten und versuchen, Konsumenten, vor allem aber die „Parteistrategen“ damit hinters Licht zu führen, ist eigentlich keine Frage: Meinungsforscher verkaufen Illusionen, die mehr oder weniger deutlich von der Realität abweichen, mehr oder weniger zusammengerührt, mehr oder weniger Betrug sind.
Alchemisten müssen kreativ sein, wenn sie den politischen Kaisern neue Kleider verkaufen wollen.
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Ein Vielfaches – herrlich, was es doch für Zufälle gibt! Zuerst dachte ich, dass die Neuwähler ein Vielfaches des Wechselkurses von Euro zu D-Mark ausmachen. Passt aber leider nicht so ganz dieser war nämlich 1,95583. Demnach ist der Wert irgendeinem anderen Voodoo-Ritual geschuldet. Was soll’s – bei infratest DIMAP ist die ARD der Auftraggeber, also werden für die ARD Zahlen zurecht gebogen, dass der dortige Redakteur seine grüne Nase rümpfen kann, wenn Wähler vermeintlich von den guten Grünen zu den bösen Populisten gewandert sind (wurden). Wer dies glaubt, glaubt auch, dass Boris Pistolerius der beliebteste Politiker Deutschlands ist und Annalena Baerbock der beste Außenminister aller Zeiten. Wer die Tagesschau noch anschaut, hat sein eigenes Denken bereits begraben.
Sollte die Diagonale nicht Null ausweisen? Dass die CSU an die CSU 1,6 Millionen Wähler abgegeben hat ist … seltsam.
Oder habe ich da einen Knick in der Optik?
M.E. kommt das Problem Briefwähler hinzu. Die stimmen offenbar ziemlich anders ab, werden aber bei „exit polls“ nicht erwischt.
Sobald das amtliche Endergebnis vorliegt, könnte man zwar entsprechend adjustieren, aber eben erst dann. Und so lange wollen die Meinungsforscher und Medien nicht abwarten.
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